Kapitel 6
Einsam
Tonks hasste ihn dafür, dass er ging. Sie konnte sich einfach nicht damit abfinden, wie er einfach gehen konnte... besonders nach letzter Nacht...
Oh Merlin! Es war wunderschön... doch sollte nun alles zerstört sein? Das konnte sie nicht zulassen. Doch sie hatte keinerlei Anhaltspunkt, wo Remus sein könnte...
Tonks recherchierte in den letzten Tagen sehr viel über Werwölfe und versuchte seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Doch sie scheiterte.
Kein Laut, kein Lebenszeichen. Tonks wusste nicht mal, ob er lebte. Vielleicht lag er irgendwo, bei dieser Affenkälte rum und war verletzt. Kein Lebenszeichen. Tonks hasste ihn dafür.
Mit Sirius wechselte sie kein Wort mehr. Sie war der festen Überzeugung, dass ER Remus noch gesehen hatte. Er hätte ihn aufhalten sollen, doch nein, er ließ ihn gehen... Unfassbar!
Sie kam abends in den Orden, ging kurz in die Küche, nahm sich etwas zu essen und ging dann wieder hoch auf ihr Zimmer. Sie vermied den Kontakt zu ihrem Cousin und sah es nicht für nötig auch nur im selben Raum zu sein, wie Sirius.
Als sie still auf ihrem Bett lag und noch tief in der Nacht einige Protokolle und Unterlagen bearbeitete, klopfte es leise an der Tür.
"Herein.", ihre Stimme klang verwundert. Wer würde nun noch stören?
Die große schmale Gestalt trat ein und entpuppte sich als Sirius, der in seinem hellblauen Schlafanzug plötzlich vor ihr stand.
"Tonks, das geht so nicht. Du kannst mich doch nicht die ganze Zeit anschweigen."
Sie sah auf, doch als sie Sirius erkannte, senkte sie den Blick wieder.
"ich bin beschäftigt", war das Einzige, das sie dazu sagte.
"Tonks, bitte!"
"Sirius, bitte! Lass mich zufrieden. Ich habe keine Lust mit dir zu sprechen."
"Werde ich für Remus' Fehler verantwortlich gemacht?"
"Nein, aber-"
"Ja, also!", er sah sie an und kam auf sie zu, um sich neben sie zu knien, "Tonks, es tut mir wirklich leid, ich konnte ihn nicht aufhalten."
Erst jetzt sah Tonks eigentlich, dass Sirius etwas mitgenommen wirkte. Vielleicht hatte er eine Erkältung...
"Tonksilein...", seine Stimme klang nun sehr sanft und weich. "na komm, sei nicht mehr böse mit mir, bitte."
Sie sah ihn erbarmungslos an.
"Ich habe auch deine Lieblingsschokolade dabei."
Sie hob eine Augenbraue und erblickte dann die rote Verpackung ihrer Lieblingsschokolade "Merlin' Kisses".
"Ooooh... her damit!" Sie wollte ihm gerade die Schokolade aus der Hand schnappen, als er sie wieder zurückzog.
Er sah sie schmunzelnd an und Tonks seufzte. "Na fein... ich verzeih dir... aber nur, wenn ich nun endlich meine Schokolade bekomme."
Sirius strahlte sie an, gab ihr die Schokolade und nahm ihr gleichzeitig die Unterlagen aus der hand, um sich anschließend in ihr Bett kuscheln zu können.
Sie schaute ihn verwundert an, machte ihm aber anschließend Platz in ihrem Bett.
Tonks entriss der Schokolade ihre Packung und machte sich genüsslich darüber her, reichte Sirius ein Stück und ließ die süße Verführung auf ihrer Zunge zergehen...
"Wie wunderbar...", seufzte sie träumerisch und sah zur Decke...
Eine Weile herrschte Schweigen, doch Tonks Kopf ratterte. Es machte keinen Sinn mehr wütend auf Sirius zu sein. Er konnte ja eigentlich wirklich nichts dafür. Und vielleicht konnte er ihn wirklich nicht aufhalten. Tonks hätte es wahrscheinlich selbst nicht geschafft... es sei denn sie hätte ihn gefesselt, mit Betonklötzen an seinen Beinen, und mit Superschneckenschleimkleber auf dem Hintern, an einen Stuhl geklebt und im Keller versteckt.
Doch sie vermisste ihn so... und ihr Herz schmerzte, wenn sie an seine Abwesenheit dachte... Allein der ganze Kummer und die Sorge um ihn beschäftigte sie schon so sehr.
Und dass er einfach ohne ein Wort gegangen war... Doch. Er hatte ein Wort gesagt. Ein Wort, das sie lieber niemals gehört hätte.
"Liebste Nymphadora,
verzeih mir, dass ich gegangen bin ohne dir ein Wort zu sagen.
Dumbledore hat eine wichtige Mission für mich und ich werde Greybacks Rudel beobachten.
Vielleicht kann ich etwas bewirken oder an wichtige Informationen kommen.
Ich weiß, dass du mich nicht hättest gehen lassen, doch ich muss gehen.
Du sollst wissen, ich bereue nichts. Doch mein Leben ist wahr-scheinlich zu gefährlich.
Ich kann dir nicht sagen, was aus uns wird, wenn ich wiederkomme.
Ich bin in Gedanken bei dir,
Remus J. Lupin"
Nun war sie hier, zurückgelassen und frustriert. Sie hatte so um ihn gekämpft und nun war er einfach weg. Das war doch, als würde man im Preisausschreiben einen Feuerblitz gewinnen und dürfte ihn nur einmal fliegen.
Besonders beunruhigend fand sie, dass er nicht gesagt hatte, wie er nun zu ihr stand. In der gemeinsamen Nacht war sie sich sicher, dass er sie liebte, doch seit diesem kleinen Brief, war sie sich dessen nicht mehr sicher. FUCKING HELL!
"Ähm, Tonks?" Sirius' Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Sie drehte den Kopf zu ihm und sah ihn überrascht an. Stimmt ja... er war ja noch hier. "Was denn?"
"ich... nun ja... ich wollte dich was fragen..."
"hm?"
"Also nun...", er errötete, "Kann ich heute bei dir schlafen?"
Sie blinzelte und sah ihn dann lächelnd an. "Siri-Mausi... bist du dazu nicht schon etwas zu alt um bei Mami im Bettchen zu schlafen?"
"Bitte Tonks..", er sah sie flehend an.
"Hast du schlecht geschlafen?", sie fand das alles sehr lustig.
"Ja, verdammt.", brummte er und sah dann weg. Fast jede Nacht plagten ihn schreckliche Alpträume, aus denen er entweder schreiend oder schweißgebadet aufwachte...
Auch Tonks wurde ernst und sah ihn dann mitfühlend an.
"Aye, wenn du möchtest, kannst du gerne bleiben." Doch irgendwie war sie neugierig. Was beschäftigte ihn denn so sehr? Offenbar stand ihr die Frage ins Gesicht geschrieben, denn er antwortete ihr, ohne dass sie gefragt hatte. "Askaban."
"Allein, wenn ich daran denke.", er sah zu ihr rüber und nahm ihre hand in seine. "Tonks, ich hatte nie Angst in meinem Leben. Doch seit dem 31.10. 1981 ist mein Leben vorbei. Askaban war..." er stockte, "Askaban war die Hölle."
Sie streichelte seine Hand und rutschte etwas näher. "Jetzt ist es vorbei, Sirius. Du bist hier sicher."
Er schnaubte belustigt, "Mit der Super-Aurorin an meiner Seite kann mir nichts passieren, hm?"
Sie grinste ihn an, nahm ihre weiche Decke und breitete sie über beiden Körpern aus. "Vollkommen richtig, Black."
Tonks löschte vorsichtig das Licht und allein der, von draußen hereinfallende, Mondschein beleuchtete die Kammer. Sie legte sich in Sirius Arm und genoß seine Wärme und Nähe, doch trotzdem fehlte ihr etwas.
Sie sah zur Zimmerdecke und ging ihren Gedanken nach, bis sie plötzlich Sirius' leise Stimme hörte. "Ich bin einsam, Tonks."
Die kleine Aurorin kuschelte sich an ihn und schmiegte ihre Wange an seine Brust, "ich auch."
