Sieben

House zupfte seine rote Krawatte zurecht. Wilson sah ihm nervös dabei zu und versuchte, sich seine Aufregung nicht anmerken zu lassen. Er verlagerte sein Gewicht vom einen Fuß auf den anderen und sah dann den Gang entlang. Ein lautes Gähnen von House riss ihn aus seinen Gedanken und er schaute zu seinem Freund, der sich auf einer Holzbank niedergelassen hatte und gerade die Füße ausstreckte.

"Wie kannst du nur so ruhig bleiben?", fragte Wilson.

"Wie kannst du nur so nervös sein, ohne einen Herzanfall zu bekommen?", scherzte House zurück und wurde für einen Moment von Wilsons ernstem Blick getroffen. "Ist ja nicht das erste Mal", sagte er etwas ernster und brach den Blickkontakt ab.

Wilson sah verschiedenen Leuten hinterher, die den Gang entlang eilten und fragte sich, wohin sie wohl gingen. Die Frage, was heute noch passieren würde, ließ sich nicht ganz aus seinem Kopf verdrängen, doch er versuchte es einfach mit positivem Denken. Es würde schon alles gut gehen.

"Kannst du dich nicht wenigstens hinsetzen?", fragte House und deutete auf den freien Platz neben sich. Wilson seufzte leise und gab sich geschlagen. Langsam ließ er sich auf der Bank nieder und beobachtete, wie House seinen Stock immer wieder rhythmisch auf dem Boden aufkommen ließ. War es auch ein Zeichen von Nervosität?

"Wie wär's dann nächstes Wochenende mit einem Ausflug zu den Yankees?" House schaute Wilson interessiert an, der vorübergehend von der plötzlichen Frage etwas aus der Bahn gerissen wurde.

"Ähm, ja. Warum nicht", antwortete er zögerlich.

House machte ein schmollendes Gesicht und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Gang. "Wir müssen nicht, wenn du was anderes vor hast. Ist schon okay."

Wilson schüttelte mit dem Kopf. "Nein, ich habe nichts vor. Ich bin nur momentan nicht in der Stimmung, um darüber nachzudenken."

"Okay."

Stille lag über den beiden wie eine dichte Schneedecke. Ab und zu hörte man die mehr oder weniger lauten Geräusche der Schuhe von vorbeilaufenden Menschen auf dem alten Holzfußboden. An einigen Stellen des Ganges unterhielten sich zwar Menschen, doch die enorme Größe schluckte ihre Worte, ihr Gelächter und ihre Sorgen. Und über Wilson und House lag nur die Stille.

Wilson ertrug die Situation nicht länger. Er räusperte sich unsicher. "Du—"

"Ja, ich weiß", unterbrach House ihn sofort und starrte weiterhin geradeaus.

Wilson verlor den Mut, weiter zu sprechen. Er versuchte, sich wieder zu sammeln und wartete einige Sekunden. "Du weißt doch gar nicht, was ich sagen wollte."

House drehte sich fast schon empört zu Wilson und sah ihm direkt in die Augen. "Ich kann es mir schon denken. Was soll denn schon passieren? Morgen wird keiner mehr darüber sprechen. Es ist tragisch, aber es ist nun mal so. Menschen machen Fehler."

Wilson verlor seine Gedanken für ein paar Sekunden in dem durchdringenden Blick der blauen Augen vor ihm. Er suchte angestrengt nach ein paar Worten. "Ich könnte—"

"Nein", sagte House sofort energisch und Wilson verstummte wieder.

Ein paar Meter weiter öffnete sich eine schwere Tür und House und Wilson sahen, wie jemand auf den Gang hinaus trat und mit einem kurzen Handzeichen andeutete, dass sie erwartet wurden.

"Ich glaube, es geht los", sagte House gelassen und hievte sich von der Sitzbank nach oben. Wilson tat es ihm gleich und folgte House bis kurz vor die Tür. Der Mitarbeiter, der sie gerade noch aufgerufen hatte, war inzwischen wieder hinter der Tür verschwunden.

Obwohl er es eigentlich gar nicht wollte, packte Wilson House plötzlich am Arm. "Warum?"

"Muss es für alles immer eine logische Erklärung geben?", fragte House mit einem unglaublich ernsten Gesichtsausdruck zurück und blickte auf die Stelle hinunter, an der Wilson immer noch seinen Arm fest umklammert hielt.

"Für dich schon."

Wilson ließ los und gab House wieder etwas Freiraum zurück. House schmunzelte kurz und umschloss mit seiner linken Hand die Türklinke der großen Eichentür.