The Price of Love
Kapitel 07
Als Ron den dritten Stock erreichte und begann, den Namen seiner Schwester zu rufen, bekam er keine Antwort. Er klopfte laut an ihre Zimmertür und hörte noch immer keine Antwort. Normalerweise platzte er nicht uneingeladen in ihr Zimmer, aber in dieser Nacht war nichts mehr normal geblieben, also riss er die Tür auf, nur um ihr Zimmer dunkel und leer vorzufinden.
„GINNY!", rief Ron, als er die gewundene Treppe hochkletterte, die in den vierten Stock führte. Er hoffte, sie in Freds und Georges Zimmer zu finden. „HEY, GINNY!"
„Was?", fragte seine Schwester. Ihr langes, rotes Haar fiel nach vorne und verdeckte ihr Gesicht, als sie sich im fünften Stock über das Geländer beugte.
Ron hielt nicht an, sondern lief weiter hoch bis in den fünften Stock, wo Ginny auf ihn wartete. „Mum braucht deine... Hilfe mit Hermione", keuchte er etwas außer Atem von seiner rasanten Klettertour.
Ron blickte über ihre Schulter und bemerkte, dass die Tür zu seinem Zimmer nur angelehnt war und durch den Türspalt Licht herausschien. Da er vor Stunden seine Lampe in Stücke zerschmettert hatte, genauso wie alles andere in diesem Raum, fand er das ziemlich verwirrend. Ohne nachzudenken drückte er sich an Ginny vorbei und betrat sein Zimmer, um Fred und George vorzufinden, die mit gezückten Zauberstäben in der Mitte dieses wracken Zimmers standen.
„...viel schlimmer als alle unsere Explosionen", hörte Ron Fred murmeln.
„Ich bezweifle, dass wir alles hier wieder reparieren können", antwortete ihm George.
„Was macht ihr hier?", wollte Ron wissen. Die Zwillinge, die nicht bemerkt hatten, dass Ron da war, wirbelten herum und starrten ihn an.
„Wir bringen dein Zimmer wieder in Ordnung, du Undankbarer", sagte George.
„Außer du würdest lieber inmitten dieses Mülls schlafen wollen", fügte Fred hinzu.
„Na ja, um ehrlich zu sein, das Meiste davon war schon Müll, bevor er alles zerschmettert hatte", flüsterte George gerade laut genug zu Fred, dass er sicher sein konnte, dass Ron ihn auch hörte.
„Lasst ihn in Ruhe", sagte Ginny, als sie das Zimmer betrat. „Ich hab den Stall gesehen, den ihr euer Schlafzimmer nennt."
Ron ignorierte sie alle drei, griff nach unten, schnappte sich ein ausgewaschenes T-Shirt vom Boden und hielt es Ginny hin. „Bring das hinunter ins Badezimmer. Mum will, dass du ein heißes Bad einlässt und dort auf sie und Hermione wartest."
Ginny nahm das Shirt aus der ausgestreckten Hand ihres Bruders, drehte sich um und verließ das Zimmer. Ron konnte ihre Schritte hören. Sie lief geschwind die verwinkelte Treppe hinunter. Seine Augen verweilten einen Augenblick länger auf Fred und George, dann drehte Ron sich um und folgte seiner Schwester.
„Hey!", hörte er George rufen. „Das ist deine Unordnung. Das Mindeste, was du tun könntest, wäre, uns beim Saubermachen zu helfen."
„Dann lasst es einfach", rief er zurück, als er aus ihrem Blickfeld verschwand.
Ron kam sich ein bisschen blöd vor, als er mit dem Rücken an der Wand dasaß und an die Badezimmertür starrte. Es waren mindestens 30 Minuten vergangen, seit er Fred und George in seinem Zimmer stehen gelassen hatte, und sie waren immer noch nicht wieder herausgekommen. Ein Teil von ihm wollte ihnen helfen, aber er hatte nicht die Absicht, diesen Platz am Fußboden zu verlassen. Es war irrational und Ron wusste das auch, aber er musste einfach in ihrer Nähe sein. Sie ist da drinnen in Sicherheit mit Mum und Ginny. Und trotzdem sitzt du hier wie ein riesiger, sich Sorgen machender Trottel und wartest darauf, dass sie aus dem Bad herauskommt. Was wirst du tun, wenn Mum sie ins Bett bringt? Im Korridor vor ihrem Zimmer schlafen? Eigentlich..., beschloss Ron, ist das gar nicht mal eine schlechte Idee. So kann ich sicher gehen, dass...
Jeder weitere Gedanke an Orte, an denen er schlafen könnte, wanderte in den Hintergrund, als sich die Tür, die er die ganze Zeit angestarrt hatte, öffnete und Ginny mit Hermione an ihren Fersen heraustrat. Die zwei Mädchen blieben abrupt stehen, als sie ihn erblickten.
„Was hast du gemacht?", fragte Ginny und sah mit einem seltsamen Gesichtsausdruck auf seinen Bruder hinab. „Du hast nicht etwa versucht, durch die Tür hindurch..."
„Nein!", erhob Ron laut Einspruch, als er auf die Beine kam. Er konnte fühlen, dass Hermione ihn genau musterte, und wusste, dass er ihrem Blick begegnen musste. Das Letzte, das er wollte, war, dass sie dachte, er wäre ein kleiner Perverser, der am Tatort erwischt wurde, und sich nun zu sehr schämte, um ihr ins Gesicht zu blicken. Rons blaue Augen huschten von Ginnys Gesicht weg und blieben auf Hermione ruhen. Sie sah weder irritiert noch verdächtigend aus. Eigentlich eher das Gegenteil davon. Sie sah erfreut aus, ihn zu sehen und wenn er sich nicht ganz täuschte, erntete er ein winziges Lächeln. Obwohl es klein war, hatte dieses Lächeln einen erstaunlichen Effekt auf ihn. Ohne es zu bemerken, stieß er den Atem aus, den er angehalten hatte, und fühlte, dass sich sein ganzer Körper entspannte. Er hatte nicht bemerkt, dass er so angespannt war, bis ihm das Gewicht von den Schultern genommen war. Sie lächelt. Das heißt, es geht ihr gut, dachte er und erlaubte seinen Augen zu wandern, um zu versuchen, ihre Körpersprache zu lesen. Zumindest war das seine Grundidee gewesen.
Das Erste, was er bemerkte, war ihr Haar, das immer noch feucht war. Als Resultat war ihr sonst so buschiges Haar in Locken verwandelt, die sanft ihren Rücken hinunterfielen. Ron beobachtete Hermione, wie sie die lockigen Strähnen aus ihrem Gesicht nahm und zu einem Pferdeschwanz zusammenband. Da ihr Haar nun am Hinterkopf zusammengefasst war, konnte er das Doppel-C und den Cannon-Ball ausnehmen, welche das Logo der Chudley Cannons bildeten, das auf der Vorderseite des schäbigen T-Shirts zu sehen war, das sie trug. Sein schäbiges T-Shirt. Es war alt. Es war abgetragen. Die knallig orange Farbe war schon seit langem ausgebleicht. Die Baumwolle war dünn geworden, aber das machte es nur noch komfortabler, weshalb es auch sein Lieblingsshirt war. Bis jetzt zumindest.
Hermione trug sein Lieblingsshirt, und das war alles, das sie anhatte. Und noch besser, es passte ihr auf eine andere Art und Weise als ihm. Das Logo mit dem Doppel-C war ausgestreckt und gekurvt, wie er es nicht erwartet hätte. Sie sieht gut aus, dachte Ron, als sein Blick zu der nackten Haut ihrer Oberschenkel wanderte. Es war nicht so, als würde er ihre Beine zum ersten Mal sehen. Sein Shirt war so lang, dass es in etwa genauso lang wie ihr Hogwarts-Rock war, aber irgendwie war das hier etwas Anderes. Und es ist nicht, weil diese schrecklichen Socken ebenfalls fehlen, dachte Ron. Ich hab sie schon tausend Mal ohne Socken gesehen. Es war, weil das Einzige, was sie am Körper trug, ihm gehörte. Der dünne Stoff umschmeichelte ihre Haut, so wie er einst seine Haut umschmeichelt hatte. Es war fast, als ob dies sie beide auf eine seltsame Art verbinden würde. Es war fast, als ob ein Teil von ihm sich jetzt an sie schmiegte. Ich bin ein Perverser, erkannte Ron, als er bemerkte, wohin seine Gedanken wanderten und wie unpassend sie waren. STOP! sagte er sich selbst und zwang sich, wieder in Hermiones Gesicht zu blicken. Jetzt ist definitiv nicht der richtige Augenblick, um an solche Sachen zu denken.
„Bist du hier, um mich wieder die Treppe hinunterzutragen?", fragte Hermione, als Ron ihr wieder in die Augen sah.
„Nein", antwortete Ron, als er spürte, dass er errötete. Denk dir etwas Anderes aus, das du sagen könntest, du Idiot. „Ich schätze, du kannst das jetzt auch allein", fügte er hinzu, als seine Mutter hinter den Mädchen in der Tür erschien, mit Ginnys Morgenmantel in der Hand. Sie hielt ihn Hermione hin, die ihn ihr abnahm und ihn sich geschwind überzog. „Wie fühlst du dich?", fragte Ron, als er ihr zusah, wie sie den Morgenmantel zumachte.
„Als ob mich der Fahrende Ritter überfahren hätte", antwortete sie. „Ungefähr 5 Mal."
„Ich befürchte, am Morgen wird es noch schlimmer sein", sagte Mrs. Weasley und tätschelte Hermione beruhigend den Rücken.
„Kannst du nicht...", begann Ron seine Mutter zu fragen, aber er verstummte, als er bemerkte, dass sie bereits ihren Kopf schüttelte.
„Es gibt keinen Zauber, der die Nacheffekte des Cruciatus-Fluches mildert. Das ist einer der Gründe, weshalb er so beliebt bei den..." Mrs. Weasley stockte, als sie bemerkte, dass Ginny auch noch da war.
Fred und George waren dem Orden beigetreten, sobald sie Hogwarts verlassen hatten, wogegen ihre Mutter natürlich protestiert hatte. Ron war noch zu jung, um offiziell beizutreten, aber Mrs. Weasley wusste, dass es nichts ausmachte. Er hatte schon zu viel gesehen und erlebt. Nein, sie konnte Ron nicht von der grausamen Realität des Krieges beschützen. Sie hatte das selbst an diesem Nachmittag miterlebt, als sie ihn wiederbelebt und er bemerkt hatte, dass Hermione wirklich fort war. Aber Ginny? Ginny konnte sie noch beschützen. Ginny konnte sie von all dem noch fernhalten.
Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sie zugeben, dass Ginny nicht mehr länger unschuldig oder naiv war. Sie hatte ebenfalls schon zu viel gesehen und erlebt. Diese ganze schreckliche Zerreißprobe mit Riddles Tagebuch während ihrem ersten Jahr. Und vor ein paar Wochen erst hatte sie mit Harry, Ron und Hermione gemeinsam in der Mysteriumsabteilung gekämpft. Sie erzitterte, wenn sie an ihr kleines Mädchen dachte, das du-weißt-schon-wessen treusten Gefolgsleuten gegenüberstand, sie sogar bekämpfte. Wie sie es jemals lebend da wieder raus geschafft haben, ist mir ein Rätsel, musste Mrs. Weasley zugeben. Sie zitterte wieder, wenn sie nur daran dachte. Nein, Ginny ist immer noch zu jung, um etwas davon zu hören.
„Ginny, Liebes, warum gehst du nicht zu Fred und George und siehst nach, ob sie in Rons Zimmer deine Hilfe brauchen."
Ginny schaute ihre Mutter böse an. „In anderen Worten, verschwinde von hier!", gab sie zurück.
Hermione bemerkte, wie sich Mrs. Weasleys Blick verdüsterte, als ihre warmen Augen Feuer fingen. Es war ein Blick, den Hermione sehr gut kannte. Sie hatte dieselbe Gesichtsregung fast jedes Mal auf Rons Gesicht gesehen, wenn sie beide einen Streit angefangen hatten. Es war eine Warnung. Wenn Ron sie so anstarrte, wusste sie, dass das so viel hieß wie wenn er die Worte Leg dich nicht mit mir an, Hermione. Ich bin nicht in Stimmung dazu. laut ausgesprochen hätte. Hermione fand es amüsant mit eigenen Augen zu sehen, wo Ron das gelernt hatte. Nur war Mrs. Weasley offensichtlich besser darin als er, weil Ginny verstummte und nachgab. Hermione tat das selten. Wenn Ron sie so anschaute, fühlte sie sich viel mehr herausgefordert als eingeschüchtert. Hermione hob ihre Hand hoch zu ihrem Mund und versuchte, ihr Grinsen zu verstecken, als sie Ginny zusah, wie sie davon stürmte und ihre Mutter leise verfluchte. Ihre Augen wanderten hinüber zu Ron um zu sehen, wie er reagierte, wenn „der Blick" auf ihn fiel. Irgendwie glaubte sie nicht, dass er sich auch so leicht geschlagen gab.
Das könnte noch interessant werden, dachte sie, als sie Mrs. Weasley beobachtete, die sich zu ihrem Sohn drehte. Wie erwartet, stand Ron seinen Mann. Er zuckte zurück. Es war kaum wahrnehmbar. Wenn sie ihn nicht so gut gekannt hätte, hätte Hermione es wahrscheinlich auch nicht bemerkt. Aber wie gesagt, er stand seinen Mann und machte sich für den Kampf bereit, der mit Sicherheit folgen würde.
„Nun?", sagte Mrs. Weasley, ihr Blick wurde sanfter. „Also kommt schon." Sie deutete den zwei Teenagern ihr den Korridor entlang zu folgen. „Die Anderen warten schon."
„Was?", fragte Ron vor Unglauben und sah seine Mutter verdächtigend an. „Das war's? Keine Streitereien? Wo liegt der Haken?"
Mrs. Weasley ignorierte ihren Sohn, legte eine Hand auf Hermiones Rücken und begann sie in Richtung Treppenhaus zu dirigieren. Als sie begannen hinunterzuklettern, blickte Hermione über ihre Schulter und sah, dass Ron ihnen dichtauf folgte und seine Mutter immer noch verstört musterte. Je näher sie den Anderen kamen, umso schwerer fühlten sich Hermiones Füße an. Als sie den Korridor betraten, der zu der Küchentür führte, war sie stehen geblieben. Als sie dastand und die Tür nervös anstarrte, fühlte Hermione, dass Ron dicht hinter sie trat. Sie schloss ihre Augen, als sie die sichere Wärme seines Körpers spürte und lehnte sich zurück an ihn. Fast augenblicklich war seine Hand auf ihrer Schulter, bat ihr Kraft an und ließ sie wissen, dass sie nicht allein war.
„Kann... kann ich ein paar Minuten mit Ron reden, bevor... bevor...", stotterte Hermione.
„Natürlich", sagte Mrs. Weasley, sah Hermione traurig an und setzte dann ihren Weg zur Küche alleine fort. „Wir sind dann drinnen", fügte sie hinzu. „Komm, wenn du bereit bist."
Ron konnte spüren, dass sie zitterte. Sobald die Tür wieder zu und die beiden alleine waren, drehte sich Hermione um und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust. Ohne nachzudenken schlang er schützend seine Arme um sie. Er schloss seine Augen und hielt sie fest. Sie so zu sehen schmerzte in seinem Herzen. Angst. Verletzbarkeit. In diesem Moment hätte er so ziemlich alles gegeben, um ihr ihre Schmerzen abnehmen zu können.
Verflucht seien diese Bastarde, die ihr das angetan haben, dachte er, als er fühlte, wie ihre Tränen auf sein Shirt fielen. Als Ron die Wut spürte, die in ihm hochkam, bemerkte er, dass sie den Schmerz, den er spürte, wegzuspülen schien. Die Wut ist besser, dachte er. Damit komme ich besser zurecht, aber... es geht hier nicht darum, was für mich leichter ist. Es geht darum, was Hermione braucht. Also krieg dich wieder ein, Weasley, weil das Letzte, was sie braucht, ist, dass du durchdrehst.
„Es wird alles wieder gut", flüsterte Ron zu Hermione, als er begann, ihr leicht über den Rücken zu streicheln.
Hermione seufzte tief und Ron fühlte, wie sie sich von ihm wegzog. Er öffnete die Augen und sah, dass sie ihn beobachtete.
„Ron, ich weiß, was dir das alles angetan hat", begann Hermione. Sie machte eine winzige Pause, als sie bemerkte, dass sein Blick auf den Fußboden fiel, und fuhr dann fort: „Nichts davon war deine Schuld", versicherte sie ihm.
Unfähig, ihren Blick zu erwidern, sah Ron weiterhin auf den Fußboden hinunter, weil die Schuld noch immer an ihm nagte.
„Du weißt das doch, nicht wahr?", fragte Hermione.
Sie wurde mit Stille konfrontiert.
„Ron?"
Er fühlte, wie ihre Hände seinen Rücken losließen. Sie trat einen Schritt zurück und zwang ihn, seinen Halt ebenfalls loszulassen. Dann fühlte Ron zu seiner Überraschung, dass sie seine beiden Hände in ihre eigenen nahm.
„Ron, schau mich bitte an", bettelte Hermione.
Erleichtert brachte er seine Augen hoch und traf ihren beständigen Blick.
„Nichts davon war deine Schuld", sagte sie noch einmal. „Es war meine Schuld."
„Wenn ich keinen Streit provoziert hätte...", begann Ron.
„Es war nicht deine Schuld", unterbrach Hermione.
„Dann wärst du nicht weggelaufen", fuhr Ron fort.
„Es hatte nichts damit zu tun, dass ich weggelaufen bin", meinte Hermione. „Es waren diese verdammten Quidditchtickets. Sie waren eine Falle. Sie haben versucht, Harry von den Dursleys wegzulocken. Sie wollten, dass wir drei zu diesem Spiel gehen. Als ich sie zerrissen habe, mussten sie den Plan umändern. Sie waren hinter uns beiden her, und es war meine Schuld. Es gab nichts, das du hättest tun können, um das zu verhindern, was schließlich passiert ist."
„Ich hätte dich beschützen sollen", antwortete Ron, die Schuld lag immer noch in seiner Stimme.
„Genau das habe ich getan", erklärte Hermione. „Warum glaubst du habe ich nach diesem Portschlüssel gegriffen? Ich hab es getan, um dich zu schützen. Es war zu spät für mich. Sie haben mich schon gehabt. Du konntest mich nicht mehr retten, Ron. Aber ich konnte dich retten. Es war meine Wahl. Ich wusste, was mit mir passieren würde, aber es war mir egal. Alles, was zählte, war, dass du in Sicherheit warst. Ich hab es willentlich getan. Und ich würde es wieder tun."
Hermione war erschrocken, als sie Tränen in seinen Augen sah.
„Nein, Hermione!", sagte er vehement.
„Es ist okay für dich, wenn du mich beschützt, aber ich darf dich nicht beschützen?", fragte er.
„NEIN!", meinte er laut.
„Ein bisschen widersprüchlich, oder was denkst du?"
„Ist mir egal", antwortete Ron dickköpfig. Aber irgendwo muss er begriffen haben, dass er sich unvernünftig benommen hatte, denn sogar im düsteren Korridor sah sie, dass sein Gesicht errötete, als sein Blick wieder zu Boden sank.
„Mir aber nicht", sagte Hermione gereizt. Sie wollte nicht, dass es so harsch rüberkam. Sie griff hoch und berührte zart Rons Gesicht. In dem Moment, da ihre Blicke sich trafen, sah Ron seinen eigenen Schmerz auf sich zurückgespiegelt. „Ich könnte es nicht durchstehen, wenn dir etwas passieren würde", sagte sie traurig. „Ich werde mich nicht zurücklehnen und zusehen, wie du dich umbringen lässt. Nicht, wenn ich es verhindern kann. Du bist mir viel zu wichtig. Bitte mich nicht, das zu tun, weil ich es nicht tun werde. Ich kann es nicht tun. Ich weiß, dass du verstehst, was ich meine. Du magst es vielleicht nicht, aber du verstehst es."
Bevor Ron antworten konnte, schwang die Küchentür auf und sie hörten, dass Mr. Weasley sich laut räusperte.
„Eine Minute noch", sagte Ron und sah gerade lang genug von Hermione weg, um zu sehen, dass sein Vater nickte und sich dann zurück in die Küche begab. Als Rons Blick wieder auf Hermione fiel, bemerkte er, dass sie ihre Augen geschlossen hatte. Er beobachtete sie, als sie ein paar Mal tief durchatmete und versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Sie hat Angst, dachte er, als er seine Arme wieder um sie schlang und sie in eine Umarmung zog.
„Es war nicht schön, Ron... Vielleicht solltest du... warten..."
„Du musstest es schon einmal allein durchstehen", sagte er. „Ich soll verdammt sein, wenn ich dich das noch einmal allein machen lasse."
Hermione zog sich zurück und sah hoch in seine klaren, blauen Augen. Es ist kein Wunder, dass ich ihn so sehr liebe, dachte sie und musste lächeln. „Bist du bereit?", fragte sie mit zittriger Stimme.
„Bist du's?", antwortete Ron, griff nach unten und nahm ihre Hand in seine.
„Ich glaube, ich muss, oder?", antwortete sie und zog ihn zu der Küchentür. „Bringen wir es hinter uns."
tbc
