Letztes Kapitel: Vegeta ist nicht aufgetaucht und Bulma hat geheiratet.
Als Vegeta zu sich kam, war es bereits dunkel geworden auf dem Planeten, den er sich ausgesucht hatte. Vom Himmel leuchteten zwei Monde auf ihn herab. Der süßliche Geruch von Blut stieg ihm in die Nase und er begriff, dass es sein eigenes war.
Der Krieger versuchte, sich in eine aufrecht sitzende Position zu bringen, aber er fiel stöhnend wieder zurück. Etwas war gebrochen. Schwer atmend lag er auf dem trockenen Boden und versuchte, sich zusammenzureißen.
Der zweite Versuch klappte besser. Er schaffte es, sich auf die Arme zu stützen und ganz langsam sich zur Seite zu drehen. Der Space Pod war in greifbarer Nähe. Als er danach zu greifen versuchte, verschwamm er plötzlich vor seinen Augen. Vegeta blinzelte und sein Blick klärte sich einen Moment lang wieder.
Er bekam den Eingang des Space Pod zu fassen und zog sich daran hoch. Während er sich unter Schmerzen in den kleinen Flugkörper hievte, hatte der Krieger nur einen Gedanken: „Ich muss zurück zur Erde. Ich muss Bulma aufhalten!"
Minutenlang kämpfte er gegen Schwindelanfälle und die scheinbar unüberwindbare Hürde der Öffnung an seinem Gefährt an, dann schließlich schaffte er es und fiel schwer atmend in den Sitz. Mit letzter Kraft drückte er den Knopf und sah verschwommen, wie die Luke sich schloss.
Als der Space Pod die Atmosphäre des unwirtlichen Planeten verließ, verlor Vegeta entgültig das Bewusstsein. Sein letzter Gedanke galt Bulma.
Entgegen jeder Erwartung ging das Leben nach der Hochzeit irgendwie weiter. Bulma war nicht unglücklich. Das hatte sie hinter sich gelassen. Yamcha zu heiraten war ihre freie Entscheidung gewesen und sie hatte ihren ersten Freund immer noch gern. Sie hatten nach der Hochzeit einen Tag lang ausgespannt, danach hatten die Dinge wieder ihren gewohnten Gang genommen und sie war auch ziemlich froh darüber.
Es war fast, als hätte sich nichts verändert. Yamcha war zwar in die Capsule Corporation gezogen, aber Bulma war sowieso nicht oft zu Hause. Ihr Vater hatte sich entschlossen, nun, da seine Tochter verheiratet war, langsam an den Ruhestand zu denken. Bulma bekam immer neue Aufgaben zugeteilt und versank geradezu in Arbeit.
Aber sie war froh darüber. Die Arbeit hielt sie vom Grübeln ab. Davon, sich zu fragen, warum ihr das Haus plötzlich so leer vorkam. Warum sie nicht mehr gern nach Hause kam. Sie vermisste es, morgens in Vegeta's Bett aufzuwachen und als erstes mit ihm über Belanglosigkeiten zu streiten. Sie vermisste es, neben ihm Abends auf der Couch zu sitzen und sich darüber zu amüsieren, dass er sich ärgerte wenn sie ‚sein' Essen futterte.
Sein Zimmer war so, wie er es verlassen hatte. Er hatte keine Habseligkeiten zurückgelassen, weil er keine besessen hatte. Nur die Kette, die er ihr geschenkt hatte. Bulma hatte sie am Tag der Hochzeit getragen. Jetzt ruhte sie im Safe, zwischen wertvollen Entwürfen, Aktien und dem Familienschmuck. Wenn sie daran dachte, dass diese Kette das einzige war, was der Saiyajin, der so lange bei ihr gewohnt hatte, hinterlassen hatte, wurde sie entsetzlich traurig. Es gab nicht einmal Bilder. Vegeta hatte sich immer geweigert, sich fotografieren zu lassen. Schon jetzt, zwei Tage nach der Hochzeit, war es so, als wäre er nie dagewesen. Zu gern hätte sie gewusst, was er jetzt wohl machte.
Aber Bulma machte sich keine Illusionen mehr. Vegeta würde nicht mehr wiederkommen. Davon war sie endgültig kuriert. Die vergangenen Ereignisse hatten sie verändert, erwachsen gemacht. Aus der Traum vom Prinzen, der aus dem Nichts auftauchen und sie mitnehmen würde. Vegeta war Vergangenheit und Bulma hatte sämtliche Hoffnungen begraben.
Als sie am dritten Abend aus dem Fenster zu den Sternen hoch sah, nahm sie Abschied. „Vegeta, ich weiß nicht, wo du jetzt bist oder was du machst.", sagte sie leise, ihre Hände waren gefaltet wie bei einem Gebet. „Aber ich hoffe, es geht dir gut. Du fehlst mir. Aber ich habe mich damit abgefunden, es sollte eben nicht sein. Leb wohl." Sie betete innerlich zu Gott, dass er Vegeta beschützen möge.
In dem Moment entdeckte sie eine Sternschnuppe am Himmel und sie nahm es als Zeichen, dass Gott sie gehört hatte.
Bulma konnte nicht ahnen, dass es sich bei der „Sternschnuppe" um den Space Pod handelte, der mit drei Tagen Verspätung zur Erde fiel, innen ein schwer verletzter Saiyajin, dessen Gedanken nur ihr galten.
Son Goku war gerade beim Essen, und gerade deshalb war es fast ein Wunder, dass er das schwache, vertraute Ki bemerkte. Er hob den Kopf und lauschte, versuchte herauszufinden, wessen Ki er da plötzlich gefühlt hatte. Sein Sohn hielt kurz inne und fragte mit vollem Mund: „Was hast du, Papa?" Gohan hatte es also nicht bemerkt. Zuerst wollte Son Goku es als Einbildung abtun, aber sein Instinkt sagte ihm, dass einer seiner Freunde seine Hilfe brauchte.
Zur Überraschung seiner Familie schob er den Teller weg und stand hastig auf. Chichi sah ihn groß an und Goku sagte: „Tut mir leid, ich hab was wichtiges zu erledigen." Er konzentrierte sich auf die schwache Energie und nutzte die momentane Teleportation, um dorthin zu gelangen.
Das Bild, das sich ihm bot, überraschte ihn doch sehr. Goku stand direkt vor einem tiefen Krater in der Wüste von Satan City. Unten, in der Mitte des Kraters, steckte ein rauchender Space Pod. Im ersten Moment dachte Goku an einen neuen Feind, dann begriff er. „Vejita!" rief er und rannte den Krater runter. Wenn wirklich Vegeta in diesem Ding steckte, dann war sein Ki geradezu lächerlich schwach.
In dem Moment, als Goku bei dem Flugobjekt ankam, ging die Luke mit einem Zischen auf. Und gab den Blick auf einen sehr ramponierten Saiyajin frei. „Scheisse!" entfuhr es Son Goku, als er den blutigen Prinz sah. Er machte einen Schritt vor und beugte sich in den Space Pod, um Vegeta raus zu helfen.
Der Prinz öffnete die Augen ein Stück weit und lispelte: „Kakarott...bist du das?" Durch die Bewegung platzte seine Unterlippe wieder auf und Blut lief über sein Kinn. Goku wollte antworten, aber Vegeta brachte angestrengt hervor: „Bulma! Ich muss zu ihr... die Hochzeit...!"
Son Goku wurde blass. War Vegeta deswegen nicht gekommen? Nicht wegen seinem Stolz, sondern weil er es einfach nicht geschafft hatte? Wenn ja, dann wäre es eine Katastrophe.
Aber jetzt war keine Zeit für so was. Beschwichtigend sagte er: „Das hat noch Zeit. Erst mal holen wir für dich eine magische Bohne." Es fiel ihm nicht leicht, seinem Freund die Wahrheit zu verschweigen, aber er wollte ihn zum jetzigen Zeitpunkt nicht aufregen. Vegeta war unberechenbar. Er würde es fertig bringen, in seinem Zustand zu Bulma zu gehen. Son Goku hatte sehr wohl bemerkt, wie flach Vegeta atmete; vermutlich tat ihm das Atmen weh.
Goku wollte Vegeta aus dem Sitz helfen, aber der gewann seine Fassung bereits wieder und kehrte damit auch zu seiner alten Attitüde zurück. „Griffel weg!" brummte er. „Ich kann das alleine!"
Son Goku verdrehte die Augen, ließ den Sturkopf aber gewähren. Vegeta packte das Metall des Space Pods und zog sich langsam in die Höhe. Goku fiel auf, dass er nur den linken Arm benutzte, und als er den anderen anschaute, sah er auch warum. Vegeta rechter Arm war widerlich verdreht, er musste mehrfach gebrochen sein. Goku kannte DAS Gefühl selbst recht gut. Es war Vegeta gewesen, der ihm damals beim Kampf fast sämtliche Knochen im Leib gebrochen hatte. Aber der junge Saiyajin war nie nachtragend gewesen.
Als Vegeta auf den Beinen war, legte Goku ihm die Hand auf die Schulter und nutzte die momentane Teleportation, um sie beide zurück in sein Haus zu bringen, und zwar nach oben ins Schlafzimmer, weil er dort die magischen Bohnen aufbewahrte (aus keinem bestimmten Grund, natürlich).
Vegeta setzte sich schwer auf das große Bett. Goku holte die Bohne aus der Schublade und reichte sie Vegeta. „Hier, bitte."
Der Saiyajin sah ihn einen Moment lang mit undeutbarem Blick an, so als müsste erst überlegen, ob er die Bohne essen wollte, dann aber nahm er sie ihm aus der Hand. Vegeta kaute die magische Medizin mühsam und nach wenigen Augenblicken tat sie ihre Wirkung. Der Blick der Prinzen klärte sich und er atmete tief ein. Er schlug sich mit der flachen Hand auf die Brust, einmal, zweimal, um zu sehen, ob wieder alles in Ordnung war.
Als er sich davon überzeugt hatte, dass sein Körper vollständig geheilt war, sah er Goku aus seinen dunklen Augen an und sagte: „Die Hochzeit. Was ist heute für ein Tag? Ich muss vorher mit Bulma sprechen."
Mist. Son Goku hatte keine Ahnung, wie er es Vegeta beibringen sollte. Der aber war nicht dumm, er sah den bedrückten Gesichtsausdruck des anderen und zog seine eigenen Schlüsse. „Was ist?" fragte er alarmiert. Als Son Goku ihm nicht sofort antwortete, sprang er auf und packte den anderen am Kragen. „Was ist los? SPRICH!"
Goku erklärte bedrückt: „Heute ist der 29. Die Hochzeit hat bereits vor drei Tagen stattgefunden. Es tut mir leid, Vegeta."
„WAS?" entfuhr es Vegeta und er sank zurück auf das Bett. „Aber das ist... unmöglich. Ich war doch... ich..." Sein Gesicht verdüsterte sich und er murmelte: „Dann war alles umsonst."
„Was ist überhaupt passiert? Warum kommst du erst jetzt?"
Vegeta sah erst nicht so aus, als wollte er auf diese Frage antworten, aber dann sagte er doch: „Ich habe trainiert, um zu einer Entscheidung zu finden. Ich habe so hart trainiert, als ich in den Space Pod steigen wollte, konnte ich mich schon kaum noch auf den Beinen halten. Etwas hat mich angegriffen. Es ging so schnell, ich weiß nicht einmal, was es war. Ich wusste ja auch gar nicht, dass es auf dem Planeten noch Lebewesen gab. Ich hatte keine Chance, in den Space Pod zu kommen. Es konnte mich verletzen, weil ich schwach war. Als ich wieder zu mir kam, war es Nacht. Ich wusste nicht, dass so viel Zeit vergangen war."
„Vejita... was wirst du jetzt tun?"
Sein Blick verdüsterte sich noch mehr. „Was kann ich schon tun? Ich bin zu spät dran. Kein Wunder, bei meinem Glück. Sie hat ihn also tatsächlich geheiratet?" Einen Moment lang sah er Goku voller Hoffnung an. Aber der nickte und Vegeta sagte: „Verstehe. Dann werde ich so bald wie möglich wieder von hier verschwinden."
„Warum bleibst du nicht? Bulma hat sich Sorgen um dich gemacht, du musst ihr wenigstens sagen, dass es dir gut geht!"
„Feh!" Vegeta schob das Kinn in die Höhe. „Einen Dreck werde ich. Und du auch nicht, verstanden? Sie wird nicht erfahren, dass ich hier bin. Ich will sie nicht mehr sehen. Ich werde mich wohl oder übel ein paar Tage ausruhen müssen, aber danach besorge ich mir so eine Raumkapsel und verziehe mich für immer von diesem Dreckball."
Goku seufzte. „Oh, Vejita. Ihr beide seid echt einer sturer als der andere. Hast du deine Lektion immer noch nicht gelernt? Wegen deiner Borniertheit hat sie Yamcha geheiratet. Denkst du nicht, dass es Zeit ist, sich wie ein normaler Mensch zu benehmen?"
„Ich bin aber kein Mensch, Kakarott." antwortete Vegeta und bleckte die Zähne. „Und ich bin stur wann immer ich das will. Die Geschichte mit dieser Frau ist für mich endgültig beendet, dieses Kapitel werde ich aus meinem Gedächtnis streichen!" Er packte Goku unerwartet am Kragen und sagte drohend: „Du wirst mir jetzt sofort schwören, dass du ihr kein Wort verrätst. Los!"
Goku war mehr als genervt von den ewigen Spielchen zwischen Vegeta und Bulma. In den letzten Tagen hatte er nicht ein mal gelächelt. Diese zwei drückten mit ihren ständigen Machtkämpfen auf sein freundliches Gemüt, gerade weil sie seine besten Freunde waren und er genau wusste, dass sie einander brauchten. Aber es half alles nichts. Es lag einzig und allein an Bulma und Vegeta, was weiter passieren würde. Goku beschloss, sich nicht länger einzumischen. „Fein!" sagte er und hob defensiv die Hände. „Ich werde niemandem was sagen. Macht doch, was ihr wollt."
Vegeta ließ ihn los und Goku sagte versöhnlich: „Du kannst bleiben, solange du willst. Ich werde meiner Familie sagen, dass es keiner wissen soll." Vegeta nickte zufrieden. „Du solltest dich erst mal umziehen. Das sieht ja scheußlich aus. Warte mal, ich habe sicher noch irgendwo meinen Anzug..."
„Lieber sterbe ich, ehe ich einen deiner Kampfanzüge trage.", murrte Vegeta und verschränkte die Arme vor der Brust. „Diese Scheußlichkeit in Rotzgelb mag dir und deiner Brut stehen, aber ich werde mich hüten, mich damit sehen zu lassen."
Goku lachte erleichtert. Das war der Vegeta, den er kannte. Er wusste, dass sein Freund die Nachricht von Bulma's Heirat nicht so leicht verdauen würde. Aber Vegeta war gut darin, seine Gefühle zu verstecken. Goku hoffte, er würde bald darüber hinweggkommen. Und er nahm sich vor, ihm dabei zu helfen. Grinsend sagte er: „Muss ich dich wirklich an das pinkfarbene ‚Badman'-Hemd erinnern??"
„WAS?? Du wagst es! Die Onna hatte mich gezwungen, das zu tragen!"
„Haha! Komm, Vejita, lass uns was essen. Ich hab einen Bärenhunger."
„Das ist doch mal ein Wort."
Nach dem Essen gelang es Vegeta, den immer fröhlichen Goku abzuhängen und sich nach draußen abzuseilen. In der Stille des kleinen Gartens hatte er zum ersten Mal seit seiner Ankunft Zeit, über das, was geschehen war, nachzudenken.
Er war zu spät gekommen. Bulma war verheiratet, und wie auch immer die Menschen es handhabten, er hatte keine Chance mehr, sie zurückzugewinnen. Bei den Saiyajin hatte es das Wort Heirat nicht gegeben, aber in der Beschreibung, die Gohan ihm gegeben hatte, hatte er Ähnlichkeiten zu den saiyanischen Bräuchen erkannt. Dort hatte es auch eine Art Bund gegeben, und – einmal eingegangen – hatte ihn niemand mehr trennen können. Automatisch nahm Vegeta an, dass es bei Menschen mit dieser Heirat genauso war. Immerhin war Kakarott ja auch an diese furchtbare Frau gebunden.
Es war zu spät. Vegeta konnte nicht glauben, dass sie es wirklich getan hatte. Okay, er war nicht da gewesen um mit ihr zu reden, aber er hatte wirklich geglaubt, ihr läge auch etwas an ihm. Da hatte er sich wohl geirrt. Sonst hätte sie sich wohl kaum mit dem Versager Yamcha eingelassen. Oder?
Ob er es nun zugeben wollte oder nicht, die Erkenntnis, dass er sie für immer verloren hatte, tat weh. Sogar sehr weh. Er hatte es Kakarott natürlich nicht merken lassen, wie schwer ihn die Nachricht von Bulma's Heirat getroffen hatte. Die harte Schule unter der Herrschaft von Freezer hatte ihn gelehrt, niemandem zu zeigen, was er fühlte. Das machte nur verwundbar.
Aber in seinem Inneren sah es ganz anders aus. Er war zutiefst enttäuscht. Sein Leben war nie besonders glücklich verlaufen und er hatte sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, dass es immer etwas oder jemand gab, der besser war als er, der sein Glück zunichte machte.
Aber dieses mal, nur dieses eine mal, hatte er gehofft, auch mal Glück zu haben. Er hatte für eine kleine Weile fast so etwas wie ein zu Hause gehabt bei dieser Frau. Und jemand, dem er etwas bedeutet hatte. Seine Chance auf ein bisschen Freude war zum greifen nahe gewesen. Für die Aussicht auf ein Leben mit dieser Frau hatte er seinen Stolz überwunden, sogar zweimal. Aber wieder hatte ihm das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Inzwischen war Vegeta überzeugt, dass er keinen Anspruch auf Glück hatte. Es war ihm auch egal. Jetzt, nachdem diese Sache ein für alle mal vorbei war, interessierte es sowieso niemanden mehr. Am allerwenigsten ihn.
Er setzte sich unter einen Baum und erlaubte es sich, für ein paar Minuten über seinen Verlust zu trauern.
Nächstes Kapitel: Wird Vegeta die Erde wieder verlassen? Oder trifft er doch noch einmal auf Bulma?
Als Vegeta zu sich kam, war es bereits dunkel geworden auf dem Planeten, den er sich ausgesucht hatte. Vom Himmel leuchteten zwei Monde auf ihn herab. Der süßliche Geruch von Blut stieg ihm in die Nase und er begriff, dass es sein eigenes war.
Der Krieger versuchte, sich in eine aufrecht sitzende Position zu bringen, aber er fiel stöhnend wieder zurück. Etwas war gebrochen. Schwer atmend lag er auf dem trockenen Boden und versuchte, sich zusammenzureißen.
Der zweite Versuch klappte besser. Er schaffte es, sich auf die Arme zu stützen und ganz langsam sich zur Seite zu drehen. Der Space Pod war in greifbarer Nähe. Als er danach zu greifen versuchte, verschwamm er plötzlich vor seinen Augen. Vegeta blinzelte und sein Blick klärte sich einen Moment lang wieder.
Er bekam den Eingang des Space Pod zu fassen und zog sich daran hoch. Während er sich unter Schmerzen in den kleinen Flugkörper hievte, hatte der Krieger nur einen Gedanken: „Ich muss zurück zur Erde. Ich muss Bulma aufhalten!"
Minutenlang kämpfte er gegen Schwindelanfälle und die scheinbar unüberwindbare Hürde der Öffnung an seinem Gefährt an, dann schließlich schaffte er es und fiel schwer atmend in den Sitz. Mit letzter Kraft drückte er den Knopf und sah verschwommen, wie die Luke sich schloss.
Als der Space Pod die Atmosphäre des unwirtlichen Planeten verließ, verlor Vegeta entgültig das Bewusstsein. Sein letzter Gedanke galt Bulma.
Entgegen jeder Erwartung ging das Leben nach der Hochzeit irgendwie weiter. Bulma war nicht unglücklich. Das hatte sie hinter sich gelassen. Yamcha zu heiraten war ihre freie Entscheidung gewesen und sie hatte ihren ersten Freund immer noch gern. Sie hatten nach der Hochzeit einen Tag lang ausgespannt, danach hatten die Dinge wieder ihren gewohnten Gang genommen und sie war auch ziemlich froh darüber.
Es war fast, als hätte sich nichts verändert. Yamcha war zwar in die Capsule Corporation gezogen, aber Bulma war sowieso nicht oft zu Hause. Ihr Vater hatte sich entschlossen, nun, da seine Tochter verheiratet war, langsam an den Ruhestand zu denken. Bulma bekam immer neue Aufgaben zugeteilt und versank geradezu in Arbeit.
Aber sie war froh darüber. Die Arbeit hielt sie vom Grübeln ab. Davon, sich zu fragen, warum ihr das Haus plötzlich so leer vorkam. Warum sie nicht mehr gern nach Hause kam. Sie vermisste es, morgens in Vegeta's Bett aufzuwachen und als erstes mit ihm über Belanglosigkeiten zu streiten. Sie vermisste es, neben ihm Abends auf der Couch zu sitzen und sich darüber zu amüsieren, dass er sich ärgerte wenn sie ‚sein' Essen futterte.
Sein Zimmer war so, wie er es verlassen hatte. Er hatte keine Habseligkeiten zurückgelassen, weil er keine besessen hatte. Nur die Kette, die er ihr geschenkt hatte. Bulma hatte sie am Tag der Hochzeit getragen. Jetzt ruhte sie im Safe, zwischen wertvollen Entwürfen, Aktien und dem Familienschmuck. Wenn sie daran dachte, dass diese Kette das einzige war, was der Saiyajin, der so lange bei ihr gewohnt hatte, hinterlassen hatte, wurde sie entsetzlich traurig. Es gab nicht einmal Bilder. Vegeta hatte sich immer geweigert, sich fotografieren zu lassen. Schon jetzt, zwei Tage nach der Hochzeit, war es so, als wäre er nie dagewesen. Zu gern hätte sie gewusst, was er jetzt wohl machte.
Aber Bulma machte sich keine Illusionen mehr. Vegeta würde nicht mehr wiederkommen. Davon war sie endgültig kuriert. Die vergangenen Ereignisse hatten sie verändert, erwachsen gemacht. Aus der Traum vom Prinzen, der aus dem Nichts auftauchen und sie mitnehmen würde. Vegeta war Vergangenheit und Bulma hatte sämtliche Hoffnungen begraben.
Als sie am dritten Abend aus dem Fenster zu den Sternen hoch sah, nahm sie Abschied. „Vegeta, ich weiß nicht, wo du jetzt bist oder was du machst.", sagte sie leise, ihre Hände waren gefaltet wie bei einem Gebet. „Aber ich hoffe, es geht dir gut. Du fehlst mir. Aber ich habe mich damit abgefunden, es sollte eben nicht sein. Leb wohl." Sie betete innerlich zu Gott, dass er Vegeta beschützen möge.
In dem Moment entdeckte sie eine Sternschnuppe am Himmel und sie nahm es als Zeichen, dass Gott sie gehört hatte.
Bulma konnte nicht ahnen, dass es sich bei der „Sternschnuppe" um den Space Pod handelte, der mit drei Tagen Verspätung zur Erde fiel, innen ein schwer verletzter Saiyajin, dessen Gedanken nur ihr galten.
Son Goku war gerade beim Essen, und gerade deshalb war es fast ein Wunder, dass er das schwache, vertraute Ki bemerkte. Er hob den Kopf und lauschte, versuchte herauszufinden, wessen Ki er da plötzlich gefühlt hatte. Sein Sohn hielt kurz inne und fragte mit vollem Mund: „Was hast du, Papa?" Gohan hatte es also nicht bemerkt. Zuerst wollte Son Goku es als Einbildung abtun, aber sein Instinkt sagte ihm, dass einer seiner Freunde seine Hilfe brauchte.
Zur Überraschung seiner Familie schob er den Teller weg und stand hastig auf. Chichi sah ihn groß an und Goku sagte: „Tut mir leid, ich hab was wichtiges zu erledigen." Er konzentrierte sich auf die schwache Energie und nutzte die momentane Teleportation, um dorthin zu gelangen.
Das Bild, das sich ihm bot, überraschte ihn doch sehr. Goku stand direkt vor einem tiefen Krater in der Wüste von Satan City. Unten, in der Mitte des Kraters, steckte ein rauchender Space Pod. Im ersten Moment dachte Goku an einen neuen Feind, dann begriff er. „Vejita!" rief er und rannte den Krater runter. Wenn wirklich Vegeta in diesem Ding steckte, dann war sein Ki geradezu lächerlich schwach.
In dem Moment, als Goku bei dem Flugobjekt ankam, ging die Luke mit einem Zischen auf. Und gab den Blick auf einen sehr ramponierten Saiyajin frei. „Scheisse!" entfuhr es Son Goku, als er den blutigen Prinz sah. Er machte einen Schritt vor und beugte sich in den Space Pod, um Vegeta raus zu helfen.
Der Prinz öffnete die Augen ein Stück weit und lispelte: „Kakarott...bist du das?" Durch die Bewegung platzte seine Unterlippe wieder auf und Blut lief über sein Kinn. Goku wollte antworten, aber Vegeta brachte angestrengt hervor: „Bulma! Ich muss zu ihr... die Hochzeit...!"
Son Goku wurde blass. War Vegeta deswegen nicht gekommen? Nicht wegen seinem Stolz, sondern weil er es einfach nicht geschafft hatte? Wenn ja, dann wäre es eine Katastrophe.
Aber jetzt war keine Zeit für so was. Beschwichtigend sagte er: „Das hat noch Zeit. Erst mal holen wir für dich eine magische Bohne." Es fiel ihm nicht leicht, seinem Freund die Wahrheit zu verschweigen, aber er wollte ihn zum jetzigen Zeitpunkt nicht aufregen. Vegeta war unberechenbar. Er würde es fertig bringen, in seinem Zustand zu Bulma zu gehen. Son Goku hatte sehr wohl bemerkt, wie flach Vegeta atmete; vermutlich tat ihm das Atmen weh.
Goku wollte Vegeta aus dem Sitz helfen, aber der gewann seine Fassung bereits wieder und kehrte damit auch zu seiner alten Attitüde zurück. „Griffel weg!" brummte er. „Ich kann das alleine!"
Son Goku verdrehte die Augen, ließ den Sturkopf aber gewähren. Vegeta packte das Metall des Space Pods und zog sich langsam in die Höhe. Goku fiel auf, dass er nur den linken Arm benutzte, und als er den anderen anschaute, sah er auch warum. Vegeta rechter Arm war widerlich verdreht, er musste mehrfach gebrochen sein. Goku kannte DAS Gefühl selbst recht gut. Es war Vegeta gewesen, der ihm damals beim Kampf fast sämtliche Knochen im Leib gebrochen hatte. Aber der junge Saiyajin war nie nachtragend gewesen.
Als Vegeta auf den Beinen war, legte Goku ihm die Hand auf die Schulter und nutzte die momentane Teleportation, um sie beide zurück in sein Haus zu bringen, und zwar nach oben ins Schlafzimmer, weil er dort die magischen Bohnen aufbewahrte (aus keinem bestimmten Grund, natürlich).
Vegeta setzte sich schwer auf das große Bett. Goku holte die Bohne aus der Schublade und reichte sie Vegeta. „Hier, bitte."
Der Saiyajin sah ihn einen Moment lang mit undeutbarem Blick an, so als müsste erst überlegen, ob er die Bohne essen wollte, dann aber nahm er sie ihm aus der Hand. Vegeta kaute die magische Medizin mühsam und nach wenigen Augenblicken tat sie ihre Wirkung. Der Blick der Prinzen klärte sich und er atmete tief ein. Er schlug sich mit der flachen Hand auf die Brust, einmal, zweimal, um zu sehen, ob wieder alles in Ordnung war.
Als er sich davon überzeugt hatte, dass sein Körper vollständig geheilt war, sah er Goku aus seinen dunklen Augen an und sagte: „Die Hochzeit. Was ist heute für ein Tag? Ich muss vorher mit Bulma sprechen."
Mist. Son Goku hatte keine Ahnung, wie er es Vegeta beibringen sollte. Der aber war nicht dumm, er sah den bedrückten Gesichtsausdruck des anderen und zog seine eigenen Schlüsse. „Was ist?" fragte er alarmiert. Als Son Goku ihm nicht sofort antwortete, sprang er auf und packte den anderen am Kragen. „Was ist los? SPRICH!"
Goku erklärte bedrückt: „Heute ist der 29. Die Hochzeit hat bereits vor drei Tagen stattgefunden. Es tut mir leid, Vegeta."
„WAS?" entfuhr es Vegeta und er sank zurück auf das Bett. „Aber das ist... unmöglich. Ich war doch... ich..." Sein Gesicht verdüsterte sich und er murmelte: „Dann war alles umsonst."
„Was ist überhaupt passiert? Warum kommst du erst jetzt?"
Vegeta sah erst nicht so aus, als wollte er auf diese Frage antworten, aber dann sagte er doch: „Ich habe trainiert, um zu einer Entscheidung zu finden. Ich habe so hart trainiert, als ich in den Space Pod steigen wollte, konnte ich mich schon kaum noch auf den Beinen halten. Etwas hat mich angegriffen. Es ging so schnell, ich weiß nicht einmal, was es war. Ich wusste ja auch gar nicht, dass es auf dem Planeten noch Lebewesen gab. Ich hatte keine Chance, in den Space Pod zu kommen. Es konnte mich verletzen, weil ich schwach war. Als ich wieder zu mir kam, war es Nacht. Ich wusste nicht, dass so viel Zeit vergangen war."
„Vejita... was wirst du jetzt tun?"
Sein Blick verdüsterte sich noch mehr. „Was kann ich schon tun? Ich bin zu spät dran. Kein Wunder, bei meinem Glück. Sie hat ihn also tatsächlich geheiratet?" Einen Moment lang sah er Goku voller Hoffnung an. Aber der nickte und Vegeta sagte: „Verstehe. Dann werde ich so bald wie möglich wieder von hier verschwinden."
„Warum bleibst du nicht? Bulma hat sich Sorgen um dich gemacht, du musst ihr wenigstens sagen, dass es dir gut geht!"
„Feh!" Vegeta schob das Kinn in die Höhe. „Einen Dreck werde ich. Und du auch nicht, verstanden? Sie wird nicht erfahren, dass ich hier bin. Ich will sie nicht mehr sehen. Ich werde mich wohl oder übel ein paar Tage ausruhen müssen, aber danach besorge ich mir so eine Raumkapsel und verziehe mich für immer von diesem Dreckball."
Goku seufzte. „Oh, Vejita. Ihr beide seid echt einer sturer als der andere. Hast du deine Lektion immer noch nicht gelernt? Wegen deiner Borniertheit hat sie Yamcha geheiratet. Denkst du nicht, dass es Zeit ist, sich wie ein normaler Mensch zu benehmen?"
„Ich bin aber kein Mensch, Kakarott." antwortete Vegeta und bleckte die Zähne. „Und ich bin stur wann immer ich das will. Die Geschichte mit dieser Frau ist für mich endgültig beendet, dieses Kapitel werde ich aus meinem Gedächtnis streichen!" Er packte Goku unerwartet am Kragen und sagte drohend: „Du wirst mir jetzt sofort schwören, dass du ihr kein Wort verrätst. Los!"
Goku war mehr als genervt von den ewigen Spielchen zwischen Vegeta und Bulma. In den letzten Tagen hatte er nicht ein mal gelächelt. Diese zwei drückten mit ihren ständigen Machtkämpfen auf sein freundliches Gemüt, gerade weil sie seine besten Freunde waren und er genau wusste, dass sie einander brauchten. Aber es half alles nichts. Es lag einzig und allein an Bulma und Vegeta, was weiter passieren würde. Goku beschloss, sich nicht länger einzumischen. „Fein!" sagte er und hob defensiv die Hände. „Ich werde niemandem was sagen. Macht doch, was ihr wollt."
Vegeta ließ ihn los und Goku sagte versöhnlich: „Du kannst bleiben, solange du willst. Ich werde meiner Familie sagen, dass es keiner wissen soll." Vegeta nickte zufrieden. „Du solltest dich erst mal umziehen. Das sieht ja scheußlich aus. Warte mal, ich habe sicher noch irgendwo meinen Anzug..."
„Lieber sterbe ich, ehe ich einen deiner Kampfanzüge trage.", murrte Vegeta und verschränkte die Arme vor der Brust. „Diese Scheußlichkeit in Rotzgelb mag dir und deiner Brut stehen, aber ich werde mich hüten, mich damit sehen zu lassen."
Goku lachte erleichtert. Das war der Vegeta, den er kannte. Er wusste, dass sein Freund die Nachricht von Bulma's Heirat nicht so leicht verdauen würde. Aber Vegeta war gut darin, seine Gefühle zu verstecken. Goku hoffte, er würde bald darüber hinweggkommen. Und er nahm sich vor, ihm dabei zu helfen. Grinsend sagte er: „Muss ich dich wirklich an das pinkfarbene ‚Badman'-Hemd erinnern??"
„WAS?? Du wagst es! Die Onna hatte mich gezwungen, das zu tragen!"
„Haha! Komm, Vejita, lass uns was essen. Ich hab einen Bärenhunger."
„Das ist doch mal ein Wort."
Nach dem Essen gelang es Vegeta, den immer fröhlichen Goku abzuhängen und sich nach draußen abzuseilen. In der Stille des kleinen Gartens hatte er zum ersten Mal seit seiner Ankunft Zeit, über das, was geschehen war, nachzudenken.
Er war zu spät gekommen. Bulma war verheiratet, und wie auch immer die Menschen es handhabten, er hatte keine Chance mehr, sie zurückzugewinnen. Bei den Saiyajin hatte es das Wort Heirat nicht gegeben, aber in der Beschreibung, die Gohan ihm gegeben hatte, hatte er Ähnlichkeiten zu den saiyanischen Bräuchen erkannt. Dort hatte es auch eine Art Bund gegeben, und – einmal eingegangen – hatte ihn niemand mehr trennen können. Automatisch nahm Vegeta an, dass es bei Menschen mit dieser Heirat genauso war. Immerhin war Kakarott ja auch an diese furchtbare Frau gebunden.
Es war zu spät. Vegeta konnte nicht glauben, dass sie es wirklich getan hatte. Okay, er war nicht da gewesen um mit ihr zu reden, aber er hatte wirklich geglaubt, ihr läge auch etwas an ihm. Da hatte er sich wohl geirrt. Sonst hätte sie sich wohl kaum mit dem Versager Yamcha eingelassen. Oder?
Ob er es nun zugeben wollte oder nicht, die Erkenntnis, dass er sie für immer verloren hatte, tat weh. Sogar sehr weh. Er hatte es Kakarott natürlich nicht merken lassen, wie schwer ihn die Nachricht von Bulma's Heirat getroffen hatte. Die harte Schule unter der Herrschaft von Freezer hatte ihn gelehrt, niemandem zu zeigen, was er fühlte. Das machte nur verwundbar.
Aber in seinem Inneren sah es ganz anders aus. Er war zutiefst enttäuscht. Sein Leben war nie besonders glücklich verlaufen und er hatte sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, dass es immer etwas oder jemand gab, der besser war als er, der sein Glück zunichte machte.
Aber dieses mal, nur dieses eine mal, hatte er gehofft, auch mal Glück zu haben. Er hatte für eine kleine Weile fast so etwas wie ein zu Hause gehabt bei dieser Frau. Und jemand, dem er etwas bedeutet hatte. Seine Chance auf ein bisschen Freude war zum greifen nahe gewesen. Für die Aussicht auf ein Leben mit dieser Frau hatte er seinen Stolz überwunden, sogar zweimal. Aber wieder hatte ihm das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Inzwischen war Vegeta überzeugt, dass er keinen Anspruch auf Glück hatte. Es war ihm auch egal. Jetzt, nachdem diese Sache ein für alle mal vorbei war, interessierte es sowieso niemanden mehr. Am allerwenigsten ihn.
Er setzte sich unter einen Baum und erlaubte es sich, für ein paar Minuten über seinen Verlust zu trauern.
Nächstes Kapitel: Wird Vegeta die Erde wieder verlassen? Oder trifft er doch noch einmal auf Bulma?
