7 - Der Wolf im Manne

Er träumte wieder.

Die Straße lag in der Abendsonne, die durch lange Häuserschatten gedämmt wurde. Es lag eine wundervolle Frühlingsbrise in der Luft, zudem konnte er den Hauch eines wundervoll duftenden Parfüms (Zitrone und Rosmarin?) erschnuppern. Er folgte dem Geruch und sah ein schlankes Mädchen von etwa 15 oder 16 Jahren auf dem Rand einer schmalen Brücke sitzen, unter der ein Fluss schnell talabwärts floss. Ein paar ältere Ehepaare spazierten weit von ihm entfernt den Strom entlang.

Was liest du?", wollte der Mann wissen, als er der jungen Frau nah genug gekommen war, um mit ihr zu sprechen. Ihm fiel das sichelförmige – nein, mondartige - Muttermal an ihrer Wange auf, so klein, dass Wolfsaugen benötigt waren, um ihn zu erkennen.

Sie blickte auf. „Ach, das ist nichts, was sie interessieren könnte, Sir." Mit einem schüchternen Lächeln wandte sie sich wieder den gedruckten Wörtern zu, unterstrich mit ihren zarten Fingern Buchstabe für Buchstabe.

Doch, doch", schnurrte er wie eine große, schlanke Wildkatze, „ich lese viel."

Wieder schaute sie zu ihm, diesmal zutraulich. Bemerkte sie denn das gelbe Funkeln in seinen Augen nicht. „Es ist ein Wolfsbuch. Ein Werwolfsbuch."

Ihre Wörter schlugen wie Blitze auf ihn ein. „Ach wirklich? Erzähl mir mehr." Ein undefinierbares Verlangen grub in seinem Herzen Wurzeln. Und es wuchs schnell.

Eine Frau verliebt sich in einen anziehenden, jung aussehenden Mann. Aber dann findet sie heraus, dass er ein fünfzig Jahre alter Lykantroph ist und läuft weg. Der Wolf sucht sie, aber vergebens. Fünf Jahre später sieht er sie schließlich mit einem anderen rumknutschen und verwandelt sich vor lauter Wut. Jetzt will er sowohl sie als auch den fremden Freier zerreißen."

Woher kam ihm diese Geschichte bekannt vor? Er wusste es nicht. „Und willst du nicht weiterlesen?", fragte er nach einer Weile, als sie den Band zuschlug und aufstand.

Nö." „Nein?" „Das Buch ist eh nur ein Taschenroman. Viel zu langeweilig und viel zu irreal."

Ach ja?" Er fletschte die Zähne zu einem humorlosen Grinsen, zeigte ihr seine Reißer. Das Mädchen schrie, unschuldig und unberührt, aber das interessierte ihn nicht. Er wollte Blut sehen. Jetzt sofort.

Er war Remus Lupin, und er war eine Bestie.

oOOOo

„Reeeeeeemus" Sirius schnurrende Hundestimme schreckte den Werwolf abrupt aus seinem Traum. „Ich bin erschrocken, wie tief du gefallen bist. Verschläfst schon den Vollmond", scherzte der gutaussehende Zauberer, während er die grüne Bettdecke hochzog.

„Was? Ist das wahr? Oh mein Gott, ich bin einfach so eingedöst!"

„Beruhige dich, Moony. Du hast noch Zeit. Außerdem kannst du nicht ständig nur die volle Energie von deinem Körper fordern! Du hast gerade erst eine Lachpulververgiftung hinter dir, und der Vollmond kündigt sich auch nicht gerade unspürbar an." Dabei ignorierte Sirius die Tatsache, dass er anscheinend schon wieder ganz gut auf den Beinen war. „Ich wollte dich eigentlich nur fragen, ob du an der Ordensversammlung teilnehmen willst, bevor du gehst. Und vor allem..", er stockte, beinahe verlegen, „ob du möchtest, dass ich mitkomme, heute Nacht."

Remus zuckte mit den Schultern. „Willst du denn?"

„Wenn du einverstanden bist, ja. Wir sind zwar nicht mehr das volle Rudel, aber... Man wächst an seinen Aufgaben, wie mein Scheusal von Vater so gut sagte, und ich muss leider zugeben, dass er Recht hat."

„Natürlich kannst du mit. Aber das ist kein Spiel mehr. Ich will dich nicht verletzen, Pad."

„Pfff... Mich verletzen! Ich bin ein böser, schwarzer, knurriger Hund mit Flöhen. Mich besiegt so schnell keiner." Sirius holte etwas aus seinen Taschen. Nach genauerem hinsehen erkannte Remus, dass es eine Zigarrete war. Er deutete auf die Schachtel. „Bin ihnen verfallen, als ich mal mit so ´nem Muggelmädchen aus war. Sie hieß Melissa."

„Rauchen ist ungesund." Kopfschüttelnd folgte der Werwolf dem nach beißendem Qualm von Tabakrauch stinkenden Animagus in die Küche und fragte sich, wie viel er von seinem alten Freund wirklich noch kannte.

Tatze hatte nicht gelogen (warum auch?) - es fand wirklich ein Ordenstreffen statt.

„Remus Lupin! Du solltest in deinem Bett sein und nicht hier!", schimpfte Molly aus vollem Herzen, als sie den gebrechlichen, blassen Mann hineinkommen sah. „Sind Black und seine Überredungskünste wieder einmal daran Schuld, dass du dich hier hinschleppst?"

„Hey!", rief Sirius empört. Er hatte einmal versucht, sich auf dem Schulball an sie heranzumachen (höflicher und diskreter konnte man diese Tat einfach nicht beschreiben) und vergessen, dass die damals schlanke junge Frau bereits mit Arthur zusammen war. Selbst Jahre und Ohrfeigen später war verständlich, dass sie ihm noch immer misstraute.

„Nein, nein, ich muss eh bald... weg." Remus hatte sich eine Sonnenbrille aufgesetzt, um seine schmerzenden Augen vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Manchmal kam es auch vor, dass sie anders aussahen als sonst – innen ein bisschen gelber und von größeren Pupillen gezeichnet. Zum Glück waren sie ihm heute, als er im inzwischen entstaubten Badezimmer in den Spiegel geschaut hatte, normal vorgekommen.

Moody brummte genervt. „Hören wir auf mit dieser Herumdruckserei und kommen wir zum Punkt."

„Welcher Punkt?", fragte Tonks. Sie hatte Lupin bis jetzt nicht einmal angesehen. Hatte sie Angst vor ihm oder war es sogar Scham? Er machte sich sorgen, ob er vielleicht zu grob zu ihr gewesen war.

„Wir müssen Harry heil und wohlbehalten zum Grimmauld Place bringen."

Harry Potter? Ohhh, den wollte ich schon immer mal kennenlernen", sagte Hestia erfreut.

„Ja, und er soll so aussehen wie sein Vater", brummte Kingsley mit seinem Bass heiter.

„Nur die Augen, die hat er von seiner Mutter", meinte Sturgis merkwürdigerweise fast selbstzufrieden

„Nach dem Harrys Aussehen jetzt durchgekaut haben, sollten wir besser auf´s Wesentliche zurrückkommen. Welche Transportmittel nutzen wir? Wie viele Begleiter soll er haben?"

Bill räusperte sich. „Ich werde wahrscheinlich nicht an der Mission beteiligt sein, weil ich mich in der Bank um eine Ausbildung kümmern muss. Aber ich würde vorschlagen, dass nicht mehr als fünf Zauberer und Hexen die Wachhut bilden. Sonst wird die Formation zu auffällig."

Ein paar Sekunden fiel die gesamte Küche in ein nachdenkliches Schweigen, dass nur von den im Rhythmus schabenden Küchenutensilien unterbrochen wurde, die Mrs. Weasley mit einem ein leichten Schlenker ihres Zauberstabes lenkte.

„Ich komme mit", sagte Tonks schließlich, deutlich aufgeregt über das bevorstehende Abenteuer.

„Ich ebenfalls", sprach Kingsley.

Auch Diggel, Vance, Podmore, Doge und Jones meldeten sich freiwillig. Die Neugier in ihren Augen war kaum zu übersehen. War Harry wirklich so begabt, wie sie sich ihn vorgestellt hatten? Wie groß war die Narbe? Oh ja, tausende solcher Fragen schienen ihnen im Kopf herumzuschweben.

„Ich gehe auch mit." Lupins Stimme wirkte deutlich und entschlossen. „Als sein früherer Lehrer wird er mir vertrauen. Außerdem kann ich ihn von allen am besten wiedererkennen. Es ist wichtig, dass Harry auch gesund hier ankommt, da kann jeder Helfer zählen."

Molly warf ihm einen Blick zu, der so viel hieß wie du brauchst dich nicht rechtfertigen indem du alles begründest, aber er ignorierte sie.

„Recht hat er. Ich werde natürlich als Leiter der Mission dabei sein, aber meine Erfahrungen mit dem jungen Potter sind recht begrenzt", gab Mad-Eye preis.

„Genauer genommen nicht vorhanden", verbesserte Snape, der bis jetzt geschwiegen hatte, ihn tonlos, „ich würde gerne Veritaserum beisteuern, doch es muss erst neues hergestellt werden. Aber um zu vermeiden, dass der gleiche Fehler wie beidem letzten Verteidigungs-Lehrer in Hogwarts entsteht", er schenkte Alastor einen fast verächtlichen Blick, „würde ich mir eine Sicherheitsfrage einfallen lassen."

„Danke für deinen Beitrag, Severus, aber so weit waren wir auch schon gekommen", warf Sirius ein und knurrte. Dann veränderte sich sein wütender Gesichtsausdruck in ein Flehen: „Ich würde so gern mitkommen. Ihn als Hund begrüßen zu können, würde mir schon reichen."

„Welcher Hund? Der auf zwei Beinen oder der auf allen vieren? Ich weiß nicht, welcher bessere Manieren hat", konterte Snape schneidend.

„Hört auf mit dem Gezicke und konzentriert euch auf den Plan! Sirius, wie sollen wir dich denn mitnehmen? Nein, dass ist fast unmöglich und zudem viel zu riskant. Nachdem wir nun die Besatzung aufgestellt haben, sollten wir zum nächsten Punkt kommen. Transportmittel?"

„Besen", sagte Lupin sofort, „Harry fliegt wirklich grandios."

„Ist jemand dagegen, dass wir sie nutzen?"

Stille.

„Okay, das wäre auch geklärt. Welche Formation fliegen wir?", plante Mad-Eye weiter.

„Ich würde sagen, zwei daneben, zwei hinten, zwei vorn, jeweils einer oben und unten. Harry fliegt in der Mitte, so dass er vor möglichen Angriffen geschützt ist", schlug Kingsley vor.

„Neee, mehr oben und unten und dafür weniger hinten", meinte Emeline.

„Das wäre doch vollkommen sinnlos. Ich würde lieber in einem V fliegen", wandte Elphias ein.

Es wurden noch weitere Vorschläge in die Runde geworfen, doch am Ende entschied man sich für den von Shacklebolt.

Als endlich alles abgesprochen war (Datum, Zeit, Strecke, Einzelheiten) war es schon fast sieben Uhr. Zeit für Remus, den Ort zu suchen, an dem er sein Monster halbwegs erträglich und vor allem ungefährlich Ausleben konnte.

oOOOo

Er war schon mindestens zehn Minuten gegangen, als von hinten eine zottelige, große Gestalt angerannt kam. Padfoot. Womit hatte er das verdient?

„Pad! Bist du dir sicher, dass du mitkommen möchtest?", keuchte der Werwolf mit leicht verzerrter Stimme – das Gegen bereitete ihm zu große Anstrengungen, um es als angenehm zu bezeichnen.

Der Hund bellte nur freudig und wedelte mit dem Schwanz.

Remus verdrehte die Augen im Kopf. Es gab wohl keinen, der ihn, die Bestie, auf so leichte Schultern nehmen konnte wie Sirius. Kein Wunder, dass sein Animagus ein Hund war! Er würde wahrscheinlich auch noch nach Knochen suchen, wenn neben ihm ein Vulkan zum Ausbruch käme.

Sich durch seine Gedanken ablenkend schritt Moony immer weiter den Weg entlang, zu schwach zum apparieren und dennoch zu stark, um am Grimmauld Place bleiben zu können. Fast unmerklich streifte seine Hand Padfoots wuscheliges, weiches Fell, das eine Spur zu kurz war, um seine Finger ganz darin vergraben zu können. Ein fast katzenartiges Schnurren als Antwort genügte, um sofort wieder zurück zu zucken. Doch ein paar Hundehaare blieben und schwebten langsam im Licht der untergehenden Sonne zu Boden.

Schließlich waren sie am Ende der Gasse angelangt – allein ein nach links führender, verdreckter, steiniger Waldweg bot sich ihnen als ein weiterer Gang an.

„Da müssen wir wohl lang." Lupin war erfreut darüber, dass der Ort seiner Verwandlung so leicht zu finden war. Zwar hätte er ein Ordensmitglied fragen können, ihn zu begleiten (und wenn es auch nur war, damit er nicht alleine bleiben musste), aber er wollte keines der bereits viel zu viel beschäftigten Mitglieder belästigen.

Padfoot jaulte, legte den Schwanz an und sprang in die gegenüberliegende Richtung.

„Was willst du denn da?" Remus kannte seinen Freund gut genug, um in dessen Körpersprache Misstrauen und Angst deuten zu können. Angst. Sie so offen zu zeigen, passte nicht zu Sirius.

Irgendetwas war ihr faul.

Auf der anderen Seite: Was konnte schlimmer sein, als ein nicht untergebrachter Werwolf? Nein, er musste weiter.

„Komm jetzt" Viel zu scharf drang seine Stimme aus den sonst so weichen Stimmbändern, dann wandte er sich von Padfoot ab und ging – so schnell wie es mit seinen schmerzenden Beinen gerade noch möglich war – den Weg entlang auf die dunklen Kuppen der wuchtigen Waldbäume zu. In den Taschen seiner Robe jedoch umfasste seine Hand den Zauberstab um jederzeit angriffsbereit zu sein. Er war erfahren genug, um die Warnungen eines Tieres – das dazu noch sein bester Freund war – nicht blind zu übergehen.

Es dauerte eine Weile, aber schließlich folgte Tatze ihm. Seine weichen Pfoten kamen fast unhörbar auf dem Erdboden auf, gaben nur dann Geräusche von sich, wenn sie an ein Stück weggeworfenes Plastik oder ein vertrocknetes Blatt stießen.

Und so gingen sie, Zweibeiner zu Vierfüßler, Mann zu Mann. Lange Zeit war nur Remus´ rauschender Umhang und der pfeifende Wind zu hören. Es war viel zu still für einen Wald, selbst, wenn er schon beinahe dunkel war. Viel zu still.

Nicht mal die Vögel zwitscherten – normalerweise war das ein deutliches Zeichen von drohender Gefahr. Konnte es sein, dass sie bereits den Wolf in ihm spürten? Oder...

Plötzlich nahm er die Töne von zerbrechenden Ästen wahr. Ein Busch raschelte gefährlich nah an ihm und Sirius, der anfing zu knurren. Er zückte seinen Zauberstab, schob die zitternden Fingerkuppen immer wieder an dem Riss innerhalb des Knaufes entlang während er unbeholfen auf die unterschiedlichsten dunklen Löcher zwischen den Bäumen zielte.

Noch war der Vollmond nicht hoch genug, um ihm wenigstens einmal das Leben mit seinem Licht zu erleichtern. Er musste sich auf seine beinahe wölfischen Augen verlassen.

„Lupin, es wäre nett, wenn du mit deinem Stäbchen ein anderes Ziel auswählen könntest als mein Gesicht", schoss es aus der Dunkelheit hervor.

Remus bewegte sich nicht, knurrte nur bedrohlich: „Zeige dich, wer immer du bist! Ich kämpfe nicht mit Unsichtbaren!"

„Jammerschade. Das hätte sicherlich einen belustigenden Anblick geboten. Lumos!" Ein bläuliches Licht erschien, gerade hell genug, um die Schemen einer Gestalt auszumachen.

„Mein Name ist Severus Snape, ich kenne dein Geheimnis und braue nun wieder den Wolfsbanntrank für dich. Falls das nicht genügt, um dir zu beweisen wer ich bin, kann ich nur sagen, dass der abscheuliche James Potter mir einmal das Leben vor dir gerettet hat. Genügt das, oder soll ich gleich das Veritaserum schlucken?" Höhnend trat Snape näher an die ehemaligen Tunichtgute heran und gab sein übermäßig großes Riechorgan zur Schau.

Sirius verwandelte sich augenblicklich in einen Menschen. „Danke, Snivellus, aber deine Nase hätte normalerweise gereicht, um dich zu identifizieren", entgegnete er kalt. Seine schwarzen Haare schienen sich noch immer zu sträuben.

„Sagt der, der sein halbes Leben in einem Hund verbracht hat", konterte Severus sofort und faltete seine Hände auf die gewohnt strenge Art.

„Ruhig! Kein Streit hier! Warum hast du dich so angeschlichen? Hättest du nicht einfach von Anfang an mit uns kommen können?"

„Nun, es tut mir leicht, dass ich euch beide nicht zu eurem kleinen Sonnenuntergangsspaziergang begleiten konnte, aber ich hatte damit zu tun, dir zu helfen, Lupin."

„Wie das? Dir ist bewusst, dass gleich der Mond aufgeht? Und ich werde dich garantiert nicht freiwillig retten", sagte Black und kreuzte die Arme vor seiner männlichen Brust.

„Ich befand mich bis gerade in den Gewölben von Hogwarts, um etwas zu holen, dass die Verwandlung erleichtern wird. Ich plane schon seit einer Weile daran, freiwillig wohlgemerkt, und bin bereits im letzten Stadium. Das heißt, um es für Black noch einmal deutlicher auszudrücken, dass ich bis heute an einer Art Rezept für Opium gearbeitet habe, einem Schmerzmittel", erklärte Snape ausdruckslos.

„Warum hast du ihm dann nicht gleich einen Wolfsbann gebraut? Das würde Remus das Leben viel mehr erleichtern!" Padfoot schien kurz davor, die menschleche Fledermaus vor ihm anzugreifen.

„Weil es ihm in diesem Experiment nicht um mich geht, sondern um den Erfolg. Ein Wolfsbann ist langwierig und kompliziert zu brauen – und wofür sollte Severus mir einen gefallen tun, wo ich ihn damals doch fast umgebracht hätte? Nein, er will allein eine Art neuen Anti-Werwolf-Trank herstellen, mit dem schmerzlosen Bonus, und ich bin das einzige Versuchsobjekt, um das Opium zu probieren", meinte der Werwolf bitter.

„Korrekt." Snape presste die ohnehin schon schmalen Lippen aufeinander und reichte das Fläschchen weiter. „Trinken. Jetzt", sagte er noch, bevor er fortapparierte.

„Da ist sicher nur Gift drin", mutmaßte Sirius.

„Würde mich nicht wundern." Dennoch entkorkte Moony die Ampulle und leerte sie in einem Zug. Ein kurzer Krampf umfasste ihn, dann tat sich nichts mehr. „Es geht gleich los", warnte er im Anschluss.

Sirius ging wieder in den Hund und stützte den armen Remus, der stolpernd versuchte, die Hütte zu erreichen, von der Dumbledore gesprochen hatte.

Es war ein Wettrennen um Zeit und Leben.

Noch ein paar Meter! Gleich ist alles sicher!, dachte er noch, dann erfasste ihn der Schmerz.

Es fühlte sich an, als ob sein Körper zerreißen würde. Hatte er noch eben versucht, einen Ort zu erreichen, so wurden seine Gedanken nun endlos von dem Leid beherrscht, dass er in sich spürte.

Haare sprossen ihm aus jeder Poore, fühlten sich an wie tausende von Nadelstichen, Reißzähne ersetzten sein normales Gebiss, brachen fast den Kiefer auseinander, scharfe Krallen wuchsen aus den Klauen, die eben noch seine schlanken Hände gewesen waren.

Er schrie seine unendliche Qual aus dem Wald hinaus, ein furchterregendes Brüllen, dass von dem Heulen eines Hundes begleitet wurde.

Der Vollmond schien mit seinem lächerlich strahlenden Gesicht auf ihn hinab, gefüllt, vollendet, brachte ihn immer wieder zum Jaulen und Stöhnen.

Sein Rückgrad brach fast, es schob ihn aus den Schuhen, den beengten Hüllen, die seine Pfoten einst hatten beschützen sollen, brachte ihn fast zu Fall, wenn sein Rudelmitglied ihn im letzten Moment nicht gestützt hätte.

Der Mensch verlor sich. Das Tier war erwacht.


Endlich. Ich hatte es euch versprochen:

Remus Lupin, der Unzähmbare, mitten im Wald und dennoch viel zu nah an der Stadt. An Menschen. An einem potenziellen Opfer. Unser armer Moony :(

Tja, und Snapes Trank hat wohl nicht viel genützt.

REWIEVT bitte!