7. Eulenpost
Der Samstagmorgen war ruhig und die Herbstsonne schien durch das Küchenfenster auf Andie, die mit ihrem ersten Kaffee des Tages am Tisch saß und sehnsüchtig in den Himmel starrte. Sie erwartete eine Eule. Das war für eine Muggel wie sie durchaus ungewöhnlich. Doch sie war keine normale, nichtmagische Person. Sie war die Mutter eines Zauberers.
Normalerweise kam immer die gleiche Eule angeflogen, legte einen Brief von Severus auf den Küchentisch und wartete dann im Apfelbaum hinterm Haus dass Andie sie mit einem Brief zurück zu ihrem Besitzer schickte.
Doch heute erwartete die junge Mutter eine der Schuleulen aus Hogwarts mit einem Brief ihres Sohnes. Er war jetzt schon eine Woche an der Zauberschule und hatte bestimmt viel zu berichten.
Während sie wartete fragte sie sich, wann sie wohl die Nachbarn wegen der Posteulen ansprechen würden.
Das Radio lief und ein Song von einer neuen Brit-Pop-Band, deren Name sie nicht kannte, ließ Andie in Ruhe den Morgen genießen. Auf einmal sah sie es: ganz deutlich näherte sich ihrem Haus ein Vogel. Als er immer näher kam erkannte sie einen Uhu der ein Brief in den Krallen hielt. Sie öffnete das Fenster und der stolze Vogel landete zielsicher auf der Lehne einer der Stühle und hielt ihr artig das Bein hin, an dem ein dicker Brief gebunden war. Sie schloss das Fenster und holte aus dem Küchenschrank die Eulenkekse die ihr Scarlet gegeben hatte. Nachdem sie den Brief vom Bein des Tieres gelöst und die Kekse vor der Eule auf den Tisch gelegt hatte, setzte sie sich wieder und musterte mit kribbelndem Bauch den Brief.
Hätte ihr als sie ein Teenager war jemand gesagt, dass sie mal einen Brief ihres Sohnes aus Schottland lesen würde, während ihr ein Kekse futternder Uhu gegenüber sitzt, sie hätte die Person für absolut irre gehalten.
Auf dem Umschlag war zu lesen:
An meine Mom Andie Loker,
die wahrscheinlich gerade Kaffee trinkend in der Küche sitzt
15 Heather Road
NEW RAINTOWN
Andie musste lachen, ihr Junge kannte sie einfach zu gut! Die Tinte auf den Umschlag ist während des Lesens von dunkelblau zu lila umgeschwenkt.
Sie riss den Umschlag auf und nahm die 7 Pergamentblätter heraus, die mit Coreys Schrift voll waren. Gespannt fing sie an zu lesen.
Hallo Mom! Erst mal muss ich mich entschuldigen, dass ich dir erst nach einer Woche schreibe. Aber du wirst nicht glauben was alles passiert ist! Hogwarts ist so toll! Ich habe schon Freunde gefunden, die Fächer sind aufregend und zum größten Teil auch spannend und lustig. Ich vermisse dich und unser zu Hause, aber mir geht es gut und bald kann ich ja auch wieder bei meinem armen und einsamen Mütterchen reinschauen. :-) Aber am besten fang ich ganz von vorne an. Am Montag hatten wir diese lange Zugfahrt im Hogwarts-Express. Zu Sully und mir haben sich noch ein ziemlich cooler Junge namens Etienne und ein schüchternes Mädchen namens Lorena gesetzt. Wir hatten viel Spaß und die Zeit verging wie im Flug. Ich kann jetzt übrigens Zauberschnippschnapp. Das ist ein Spiel bei dem die Karten explodieren, echt abgefahren was?! Im Schloss angekommen hat uns dann einer der Lehrer, sein Name ist Lupin, er unterrichtet Verteidigung gegen die dunklen Künste oder VgddK, wie wir hier sagen, in die große Halle gebracht. Die Decke in der Halle ist so verzaubert, dass sie aussieht wie der Himmel draußen. Ich hab lieber da hin geguckt, denn alle Augen im Raum waren auf uns Erstklässler gerichtet. Two Face ist zu Professor Snape an den Lehrertisch gelaufen und hat sich von ihm streicheln lassen. Ich dachte ich guck nicht richtig! Anscheinend scheint er ihn, wie du auch, zu mögen. Du hast sicherlich auch schon von Professor Snape erfahren, dass ich nach Slytherin gekommen bin. Tja, was soll ich dazu sagen: ich finds echt gut hier. Der Sprechende Hut meinte ich bin clever und kümmer mich um meine Freunde und bin sehr ehrgeizig. Anscheinend passe ich sehr gut nach Slytherin. Professor Snape lächelte sogar als der Hut seine Entscheidung verkündete. Ich muss sagen, er sieht dann nicht mehr so gruselig aus. Erinnerst du dich an das blonde Mädchen was am Bahnsteig in London hinter uns stand? Ihr Name ist Diana Malfoy. Die ist auch in Slytherin. Aber im Gegensatz zu Etienne, bildet sie sich UNHEIMLICH viel darauf ein reinblütig zu sein. Sie lässt ab und an ein paar blöde Kommentare fallen, weil sie gesehen hat das du eine Muggel bist. Das ist so eine blöde Kuh! Sie geht mir zur Zeit voll auf die Nerven! Aber sie und ihre Mädchen-Clique sind momentan die einzigen die ich ätzend finde. Naja und Sully ist nach Gryffindor gekommen, so wie er es wollte. Da gehen nur die mutigen und tapferen hin. Erst habe ich den Hut gebeten mich auch dahin zu schicken, aber er meinte, obwohl ich kein Feigling bin, dass das Haus nicht gut zu mir passt. Sully ist jedenfalls glücklich und du hattest Recht, wir sehen uns jeden Tag. Wir haben Zaubertränke, VgddK und Zauberkunst zusammen. Ich habe dir mal meinen Stundenplan kopiert und mitgeschickt. Jedenfalls bin ich im Haus Slytherin. Unser Gemeinschaftsraum liegt unten in den Kerkern, direkt unter dem großen See, weshalb der auch immer so wirkt als wäre er in grünes Licht getaucht. Manchmal sehen wir hier die Kreaturen vorbei schwimmen die im See leben. Der Beeindruckendste von allen Seebewohnern ist auf jeden Fall der Kraken. Ansonsten ist es hier echt gemütlich. Ledersofas, ein Kamin, Deckenleuchter, mehrere Sessel. Ich fühlte mich gleich von Anfang an wohl. Ich trage jetzt auch immer eine silber-grüne Krawatte (die Farben unseres Hauses) und auch das Slytherin-Wappen ist an meinem Schulumhang aufgenäht. Unser Wappentier ist eine Schlange, abgefahren oder?! Dann war es auch schon Dienstag und mein erster Unterrichtstag ging los. Und ich hatte schon wieder "Glück": hatte gleich eine Doppelstunde Zaubertränke, was natürlich Professor Snape unterrichtet. Die Besenflugstunde danach hat meine Laune aber wieder gebessert. Madam Hooch, die Lehrerin, hat Adleraugen (ja, das meine ich so wie es da steht). Zu Fliegen ist klasse! Ich habe mich ganz gut angestellt und möchte im nächsten Jahr unbedingt einen eigenen Besen haben. Bekomm ich einen? Bitte, bitte Mom! Dann hatten wir an dem Tag noch VgddK. Das unterrichtet wie gesagt Professor Lupin. Er ist echt freundlich, so ganz anders als Professor Snape. Malcolm, unser Vertrauensschüler, meinte das die beiden zusammen zur Schule gegangen sind. Ich finde Professor Lupin sieht etwas älter aus als Professor Snape. Aber er ist eindeutig ein besserer Lehrer. Er kann einfach gut erklären und ich denke VgddK wird ein sehr spannendes Fach. Nächste Woche fangen wir damit an den Protego zu üben. Das ist ein Schildzauber. Am Mittwoch hatten wir dann als erstes Geschichte der Zauberei bei Professor Binns. Der ist ein Geist und ist noch einschläfernder und langweiliger als meine alte Mathelehrerin auf der Primary School. Und ich dachte schlimmer gehts nicht. Wäre am liebsten im Bett geblieben an dem Tag. Das ist übrigens sehr bequem. Two Face schläft nachts immer noch bei mir am Fußende. Am Nachmittag hatten wir ein Fach das nennt sich Zauberkunst. Das unterrichtet Professor Flitwick. Er ist kleinwüchsig und steht deshalb immer auf einem Stapel alter Bücher, damit jeder ihn auch sehen kann. Er ist auf jeden Fall mit sehr viel Begeisterung dabei. Das steckt echt an. Wir sollten in dieser ersten Stunde eine Feder schweben lassen. Diana Malfoy hats nicht hinbekommen. Ich dachte mir: das ist meine Chance! Ich habe ja schon früher immer meine Spielsachen schweben lassen, also dürfte ich bei diesem Zauber doch ein Vollprofi sein. So war es auch! Es hat gleich beim ersten Versuch geklappt! Ich war total stolz auf mich und Diana wurde total rot vor Wut im Gesicht. Ich weiß das macht man eigentlich nicht, aber ich musste bei ihrem Anblick lachen! Am Donnerstag hatten wir morgens Kräuterkunde bei Professor Sprout. Sie ist echt ein bisschen durch den Wind. Sie wirkt auf mich wie eine tüddelige Oma. Aber sie ist immer gut gelaunt und da macht ihr Unterricht echt Spaß. Du würdest mir nicht glauben was sie so alles in den Gewächshäusern züchtet. Am Abend, als es schon dunkel war, ging es für uns auf den Astronomieturm. Das ist der höchste Turm in Hogwarts. Professor Sinistra ist eine sehr ruhige Hexe und sie wirkt so als ob sie sehr viel weiß. Das Teleskop funktioniert übrigens einwandfrei. Viele meiner Mitschüler nutzen das selbe Modell . Der beste Tag war aber der Freitag, denn da haben wir eine Stunde bei Professor Zabini. Er ist noch voll jung, vielleicht so 20/21 Jahre alt. Er erzählte uns das er vor 2 Jahren seinen Abschluss hier gemacht hat. Er war auch in Slytherin. Weil er ein echtes Ass in Verwandlung ist, unterrichtet er das auch. Vorher hat wohl Professor McGonagall dieses Fach unterrichtet, aber sie ist jetzt die Direktorin von Hogwarts. Professor Zabini ist der coolste Lehrer von allen. Er ist ein Animagus. Er kann sich in einen Panther verwandeln und hat uns das auch vorgeführt. Ich fand das total abgefahren und habe beschlossen, dass ich sowas auch mal können will. Professor Zabini meinte das die Animagus-Gestalt von Zauberer zu Hexe unterschiedlich ist. Es kommt auf den Charakter der Person an. Ich bin gespannt, in was ich mich wandeln werde. Ansonsten ist alles beim Alten: ich lerne für die Schule, mache immer fleißig meine Hausaufgaben, auch noch meine Übungen auf der Gitarre (ja, ich vergess es nicht) und verbringe Zeit mit Sully und meinen neuen Freunden. Die Jungs hier in Slytherin sind alle ganz gut drauf. Etienne weiß voll viel über die magische Welt und beantwortet geduldig meine Fragen. Vielleicht kann ich ihn ja mal zu uns nach Hause einladen? Fühl dich ganz doll gedrückt! Schreib was alles bei uns zu Hause so los ist. Die Schuleule wird solange bei dir bleiben bis du sie mit einem Brief zurückschickst. Dein Corey PS.: Das Essen hier ist zwar hervorragend aber ich vermiss deine selbstgemachten Schoko- Cookies. Kannst du mir welche herschicken? Die, die du mir mitgegeben hast sind schon alle. Die anderen finden die nämlich auch lecker.
Abends kamen wir gut gelaunt in Hogsmeade an, das ist ein Dorf das ganz in der Nähe der Schule liegt. Da leben nur Hexen und Zauberer. Am Bahnsteig hat uns dann ein 3 Meter großer Mann mit einem Fellmantel und dem zotteligsten Bart, den ich je gesehen habe, mit selbst fahrenden Booten über den See zum Schloss gebracht. Diesen Anblick werde ich nie vergessen! Das Schloss sah atemberaubend aus.
Etienne ist auch nach Slytherin gekommen. Wir sind sogar im selben Schlafsaal. Ich habe mich mit ihm schon richtig gut angefreundet. Er ist , wie man hier sagt, ein Reinblüter. Das heißt alle aus seiner Familie und seine Vorfahren sind magisch. Er ist ganz anders aufgewachsen und weiß voll viel über die magische Welt. Aber stell dir vor: er wusste nicht was ein Smartphone ist! Ich fand das ein bisschen eigenartig, aber nicht schlimm. Er erzählt mir viel über die Zauberwelt und ich zeig ihm dafür ein paar coole "Muggelsachen".
Das nette Mädchen aus dem Zug, Lorena, ist nach Ravenclaw eingeteilt worden. Da kommen nur die klügsten hin, die Bücherwürmer und welche die gerne und viel lernen. Ich lerne auch gerne neue Sachen, aber so krass wie die Ravenclaw-Schüler bin ich nicht. Wir haben aber immer mit denen Kräuterkunde und Astronomie. Lorena ist voll nett und sie hilft mir auch immer und wir lernen auch zusammen für die Fächer.
Ansonsten haben wir Slytherins noch Geschichte der Zauberei und Verwandlung zusammen mit den Hufflepuff-Schülern. Was das Haus Hufflepuff ausmacht sind Treue und Fleiß. Naja, nimms mir nicht übel, ich hab so das Gefühl das da jeder reinkommt der nirgendwo anders hinpasst. Aber wenigstens scheinen die alle ganz ok zu sein.
Dann kam noch unser Hauslehrer um uns die Stundenpläne zu geben. Dreimal darfst du raten wer mein Hauslehrer ist... Ich hoffe er erzählt dir nicht brühwarm wenn ich mal was anstelle. Hauspunkte hab ich bis jetzt noch keine abgezogen bekommen. Es gibt hier so ein Punktesystem, du kannst welche für dein Haus gewinnen oder auch verlieren.
Am ersten Abend bin ich gleich nach dem zu Bett gehen eingeschlafen. Ich teile mir hier mit 4 weiteren Jungs einen Schlafraum: mein neuer Kumpel Etienne Davis, mit Patrick O´Leary, Daniel Taylor und ein Junge namens Kjartan Skafti. Er kommt aus Island und ist echt lustig.
Er hielt eine Ansprache darüber was er uns alles beibringen kann in seinem Unterricht und das wir, wenn wir nicht ein Haufen Dummköpfe sind, viel bei ihm lernen könnten. Er ist echt ein strenger Lehrer! Zu den Gryffindors war er teilweise voll gemein! Wir sollten einen Heiltrank gegen Furunkel brauen. Er hat Sully gefragt ob er nicht richtig lesen kann, da er die Reihenfolge von zwei Zutaten vertauscht hatte und hat ihm für seine "Unfähigkeit" sogar 2 Hauspunkte abgezogen. Danach kam er zu mir und mein Trank war etwas dunkler als er sein sollte. Das lag daran, dass ich die Nesseln nicht richtig getrocknet bekommen habe. Er meinte nur: "Nicht gerade eine Glanzleistung Mr. Loker. Das können Sie besser!". Ich war erleichtert das er mich nicht so angemotzt hat wie Sully, aber trotzdem tat es mir um ihn Leid. Ich mein, das war unsere erste Stunde, das kann doch mal passieren. Als dann noch diese doofe Diana Malfoy triumphierend gegrinst hat, weil ihr Trank perfekt gelungen war, da war meine Laune erst mal im Keller. Zu allem Überfluss gab uns Professor Snape dann auch noch einen Aufsatz über Bezoare auf. 2 Rollen Pergament bis nächste Woche. Ich dachte nur: Och nööö! Kein anderer Lehrer gab uns in der ersten Woche schon Hausaufgaben auf!
Sully hat auch ein paar neue Leute in Gryffindor kennengelernt. Die wirken auf mich aber auch echt ok.
Die magische Welt ist wirklich sehr anders. Für mich gibt es viel zu entdecken und neu zu lernen. Aber es ist toll. Ich weiß ich werd Erfolg haben!
Ich freue mich schon wenn ich dir mal ein paar Zauber vorführen kann. Ich weiß nicht ob ich das außerhalb der Schule darf, aber wenn keine anderen Muggel zusehen, ist das bestimmt in Ordnung.
Ich hab dich lieb!
Andie ging das Herz auf, aber ihr schwirrte auch etwas der Kopf: explodierende Karten, ein Kraken im See und der Gemeinschaftsraum darunter, Furunkeltrank, ein Geist als Lehrer, ein menschlicher Lehrer der sich in einen Panther verwandeln kann...
Hogwarts scheint eine abenteuerliche Schule zu sein. Sie kam nicht umhin daran zu denken, dass ihr selbst diese Schule auch gefallen hätte. Aber sie war nun mal nicht magisch. Aber Andie war glücklich, dass Corey all diese Erfahrungen machen konnte.
Erleichtert machte sie sich daran einen Antwortbrief zu schreiben. Außerdem würde sie heute noch backen und am Abend den Uhu mit Cookies und Brief zurück nach Schottland schicken.
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Severus saß an diesem Morgen am Frühstückstisch in der großen Halle. Links und rechts von ihm unterhielten sich die anderen Lehrer über irgendwelche Dinge. Ihn interessierte das nicht. Sowieso unterhielt er sich morgens nicht gerne. Er trank seinen Kaffee und dachte daran, dass der von Andie viel besser schmeckte.
Dann wanderte er gedanklich zu den Aufsätzen die er noch korrigieren musste. Er hatte den Schülern aus dem 6. Jahr, eine seiner UTZ-Klassen, eine schriftliche Ausarbeitungen über Liebestränke aufgegeben. Schließlich wollen sie ja gute Ergebnisse erzielen. Da ist es klar, dass sie gleich in der ersten Woche richtig loslegen.
Auch Severus kam nicht umhin daran zu denken, wie schnell ihn doch der Alltag wieder hatte. Aber etwas Neues gab es: er hatte eine Verabredung und das bereits nächste Woche. Ein bisschen nervös war er schon. Noch kannten sie sich eher oberflächlich, ja eben so gut wie es ihre Briefe und kurzen Aufeinandertreffen bisher zuließen.
Hoffentlich würden sie sich auch weiterhin gut verstehen. Denn da war eindeutig etwas zwischen ihnen. Er spürte es immer wenn sie Kontakt hatten, egal ob postalisch oder persönlich.
Die Eulen kamen mit der täglichen Post in die Große Halle geflogen. Severus schenkte dem keine Aufmerksamkeit. Schließlich war er an der Reihe seine Eule mit einem Brief zu Andie zu schicken.
Deshalb erschrak er auch kurz als ein Waldkauz vor ihm landete. Fast wäre dieses blöde Vogelvieh in seinem Rührei gelandet! Stattdessen bediente sich die Eule nun großzügig am Toast.
Er erkannte den Vogel. Der Kauz gehörte seinem Patensohn Draco Malfoy. "Was will er denn nun?", dachte sich Severus als er den Brief vom Bein des Tieres abnahm. Er brach das Siegel, holte das teure Pergamentpapier heraus und las.
Hallo Sev! Ich möchte dich einladen Morgen zu uns ins Manor zu kommen um mit uns zu Abend zu essen. Außer uns beiden werden nur noch meine Eltern anwesend sein. Bitte sage zu, denn ich habe etwas wichtiges mit euch zu besprechen. Gruß! Draco
Severus runzelte bei den Worten die Stirn. Was bitte hat denn Draco so wichtiges auf dem Herzen, dass er es im Rahmen eines Abendessens diskutieren möchte?
Es schien ihm aber wirklich etwas an seiner Anwesenheit zu liegen, also verwandelte Severus sein Messer kurzerhand in eine Schreibfeder und notierte seine Antwort auf der Rückseite des Pergamentes.
Wenn es dir so wichtig ist, dann werde ich natürlich da sein. Severus
Er steckte das Papier wieder in den Umschlag, klebte diesen mit einem schnellen Zauber zu und befestigte ihn wieder am Bein des Waldkauzes. Dieser flog auch sofort los, zurück zu seinem Besitzer.
Remus saß direkt neben Severus. Er hatte das Schauspiel beobachtet und meinte belustigt zum Tränkemeister: "Du bekommst in letzter Zeit sehr oft Post. Möchtest du mir vielleicht irgendetwas sagen Severus?"
Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck erwiderte der Angesprochene nur: "Ich wüsste nicht was dich meine Post angeht Remus!"
Der Werwolf ließ sich von Severus´ Laune längst nicht mehr einschüchtern. Er wusste dass sein Kollege ein launischer Griesgram war.
"Ich meine nur. Es ist mir halt aufgefallen und nicht nur mir. Minerva hat auch schon gefragt wer denn die neue Bekanntschaft ist, mit der du immer schreibst. Blaise und Rolanda haben auch schon die wildesten Theorien."
Jetzt schaute Severus wütend zu Remus. "Habt ihr alle kein eigenes Privatleben um das ihr euch kümmern könnt? Ihr seid ja schlimmer als die Klatschreporter vom Tagespropheten! Ich erzähle euch mit wem ich schreibe, wenn ich es euch sagen will. Und nun möchte ich nichts mehr davon hören, also lass mich in Ruhe frühstücken!"
"Ist ja gut Severus. Ich war bloß neugierig."
Mit einem Lächeln im Gesicht schüttelte Remus den Kopf über die Antwort und wandte sich wieder seinem Frühstücksspeck zu.
Eigentlich hatte er ja schon so eine Reaktion erwartet. Trotzdem würde er gerne wissen, wer Severus Brieffreund oder -freundin war.
Kann es tatsächlich sein, dass der launische Tränkemeister vor kurzem eine Frau kennengelernt hatte?
