Disclaimer: Die TV Serie CSI NY und ihre Charaktere gehören den Produzenten Bruckheimer / Zuiker und nicht mir!
AN: Hallo :) So, wir machen einen kleinen Zeitsprung! David liegt immer noch im Krankenhaus, aber wird jetzt abgeholt! Dann geht es erstmal zurück zur Hütte, damit der Junge sich erholen kann. Doch leider bekommt er von allein Seiten für seine dumme und lebensgefährliche Aktion eins aufs Dach ;) Viel Spass beim Lesen! Eure Vanessa
Am darauf folgenden Montagmorgen war David bereits früh wach geworden. Die ungewohnte Umgebung und die vielen Geräusche auf dem Gang hatten ihn nicht viel schlafen lassen. Er hatte noch mal versucht gegen 5 Uhr einzuschlafen, doch das hatte leider nicht funktioniert und um Punkt 6.15 Uhr kam auch schon eine schwarzhaarige Krankenschwester hereingeschneit und hatte ihn mit ekelhafter guter Laune geweckt.
Jetzt sass der 15-Jährige müde in seinem Bett und frühstückte sein Brötchen und eine Tasse Tee. Da ihm gestern Abend noch ziemlich schlecht gewesen war und er seit an die 17 Stunden nichts mehr gegessen hatte, schmeckte ihm fast alles - auch der Krankenhausfraß!
Etwa anderthalb Stunden später lag David wieder unter der dicken Decke. Sein verstauchter Fuß, der natürlich immer noch weh tat, hing von der Bettkante und der Tropf und der Zugang waren bereits von einer Schwester entfernt worden. Die kleine Einstichstelle war mit einem weißen Plaster abgeklebt worden um alles steril zu halten.
Er sah aus dem Fenster. Dicke, weiße Schneeflocken schlugen gegen die Scheibe. David zog sich die Decke ein Stück höher bis zur Nasenspitze und schloss wieder seine Augen, um vielleicht noch etwas zu schlafen, bevor der Arzt wegen der Visite kam.
Nach ein paar Minuten klopfte es an seiner Zimmertür. Etwas erschrocken über die Störung schlug der Junge wieder die Augen auf und seufzte müde.
"JA?"
Stephen betrat den Raum! Er sah erholter und frischer aus als gestern Abend, das konnte David sofort sehen. Sein Vater lächelte, während er mit einer größeren Plastiktüte auf das Bett zusteuerte und mit einer Dose Pepsi in der anderen Hand herumwackelte, die er vorhin für David unten in der Lobby am Automaten gezogen hatte.
"Na, hast du die Nacht überlebt," fragte der Chefarzt des Forest-Hills Hospitals, legte die Tüte auf einen der beiden schwarzen Besucherstühle und ging um das Bett herum.
David seufzte und verdrehte die Augen. "Ich hab überhaupt nicht geschlafen! Alle halbe Stunde kam Jemand mit einer Taschenlampe rein und hat mich angeleuchtet, Dad!"
"Mhm, das müssen die Schwestern machen, um zu sehen ob du noch atmest."
"Ich hab doch noch geatmet!" Sein Blick fiel auf die mitgebrachte Tüte ... "Was ist das?"
"Ein paar Anziehsachen für dich!" Sanft streichelte Stephen ihm über die Haare und hielt ihm dann die Dose vor die Nase. "Hier! Das ist zum Wachwerden!"
David nahm die Dose entgegen und sah dann, dass die Zimmertür immer noch geöffnet war. Nachdenklich sah er seinen Vater an und wies dann mit der Hand auf die Tür.
"Willst du nicht zumachen, Dad?"
"Mum kommt noch," klärte Stephen ihn schmunzelnd auf. "Die hat noch Jemanden auf dem Flur getroffen, den sie kennt und-"
Stephen stoppte in seiner Erklärung als er hastige Schritte hörte und dann stürzte Susan in schwarzen Stiefeln, blauer Jeans und schickem Pullover in den Raum. Sie sah etwas gehetzt aus. Das blonde Haar war zerstrubbelt und Make-Up hatte die Frau auch nicht aufgetragen. Es sah fast so aus, als ob sie letzte Nacht ebenfalls kaum geschlafen hatte.
"Da bist du ja," brachte sie keuchend hervor und ging auf David's andere Seite, wo Mac gestern gestanden hatte. Vorsichtig musterte sie David von oben bis unten und streckte dann eine Hand aus, um ihn zu berühren. "Ist alles in Ordnung, David?"
Ihr Sohn versuchte sich zu beherrschen, obwohl ihn die Anwesenheit seiner Mutter ziemlich störte. Das konnte Stephen zumindest erkennen, der nur einen Meter entfernt war. Als David immer noch nichts zu seiner Mutter sagen wollte und dafür lieber die Bettdecke auf seinem Bauch betrachtete und dann auch noch stur die Dose öffnete, nahm Stephen sofort das Wort an sich.
"Junger Mann?"
Sofort waren David's Augen bei seinem Vater und dessen scharfer Stimme.
Stephen öffnete wieder den Mund. "Antwortest du deiner Mutter bitte? ... Und wenn du sie noch mal ignorierst, fängst du dir eine! Ist das angekommen?"
In Gedanken verdrehte David die Augen ... "Ja, Sir," bejahte der Teenager langsam.
Sue seufzte und sah ihren Ehemann an. "Stephen! Ist schon gut, wirklich!"
Stephen schüttelte leicht den Kopf. "Nein, das ist es nicht, Sue! Ich habe ihn gewarnt und das schon einige Male und er weiss, dass bei mir irgendwann Schluss ist!"
"Tut mir leid, Mum," erbarmte sich der Junge dann doch und sah Sue in die Augen. "Ich habe überhaupt nicht geschlafen und bin todmüde und-"
Sue lächelte ihn an. "Ist schon okay, Davy- ... David! Ich versteh das!"
Dann wurde die kleine Unterhaltung durch ein lautes Klopfen an der Tür unterbrochen. David bat den Besuch herein. Es war der Chefarzt mit seinem Gefolge ...
"Guten Morgen! Ich bin Dr. Pierce, der Chefarzt dieses Krankenhauses," begrüßte der grauhaarige Mann die Anwesenden lächelnd. Stephen und Sue lächelten ebenfalls höflich und der Arzt ging zu dem Bett und seinem Patienten hinüber. Er streckte David die Hand entgegen. "Morgen, David! Oder soll ich Mr. Connors sagen?"
David schüttelte leicht den Kopf. "Morgen! ... David ist okay!"
Der Chefarzt wandte sich mit dem Klemmbrett in den Händen an Sue und Stephen. "Und das sind deine Eltern nehme ich mal stark an, ja? Mrs Connors und ... ein Kollege sehe ich gerade. Dr. Connors?"
Stephen nickte schnell. "Ja, Dr. Pierce!"
Pierce sah noch mal auf das Klemmbrett und reichte es dann Stephen mit einem Grinsen im Gesicht. "Möchten sie ihren Sohn vielleicht selbst entlassen, Dr. Connors?!"
Doch Stephen schüttelte leicht den Kopf und lehnte dankend ab. "Nein, schon gut! Machen sie nur, ich werde ihnen nicht in die Quere kommen. Versprochen!"
Sue rollte in Gedanken mit den Augen und hielt ihre Handtasche fest umklammert, während David versuchte sich in seinem Bett zu entspannen. Seine Mutter sah sich kurz in dem Krankenzimmer um und entdeckte einen Besucherstuhl an der Wand stehen. Zügig nahm sie Platz, schlug ein Bein über das andere und warf einen Blick auf ihr Mobiltelefon. Dann schaltete sie es aus und steckte es in ihre Handtasche zurück.
Pierce trat einen kleinen Schritt näher an David heran, warf noch mal einen Blick auf die Daten und Fakten und hob dann eine Augenbraue an.
"Du warst also gestern Skifahren und bist dann gestürzt, richtig David?"
"Eh, Ja! Ich ... ich war auf der abgesperrten Piste unterwegs ..." Kurz schielte er zu seinem Vater hinüber, der die Arme vor der Brust verschränkt hatte und jetzt aufmerksam zu hörte. David sah wieder Pierce in die Augen. "Ich glaube ich hab die Kontrolle verloren und bin dann ziemlich tief gefallen. Das ist das letzte woran ich mich erinnern kann. Irgendwann bin ich aufgewacht und mir tat der Kopf ziemlich weh. Mir war richtig übel und mein Fuß hat weh getan."
"Aha," machte der Chefarzt leise. "Du hattest wirklich einen kleinen Schutzengel, weisst du das? Du hättest dir auch den Kopf aufschlagen oder dir was brechen können. Hier wird es ziemlich schnell dunkel und dann wird es immer schwieriger Jemanden zu finden, der einfach nur ... im tiefen Schnee liegt, David!"
Der Junge nickte vorsichtig. "Ja, i-ich weiss das jetzt und werde so einen Blödsinn auch nie wieder machen."
Pierce nickte und warf einen kurzen Blick auf die Sue und Stephen. "Ja, ich denke, das kommt deinen Eltern auch sehr gelegen, mein Junge!"
Er atmete ein. "Wie sieht es denn heute Morgen aus? Hast du noch Kopfschmerzen oder ist dir noch übel? Mit einer Gehirnerschütterung ist wirklich nicht zu spaßen weisst du?"
"Ich hab noch Kopfschmerzen und bin ziemlich müde," sagte Stephen's Sohn wahrheitsgemäß, während er an seinen Fingern herumfummelte. "Übel ist mir nicht mehr, aber mein Fuß tut noch ein bißchen weh. K-kann ich trotzdem gleich mit nach Hause?"
Stephen musterte seinen 15-Jährigen eindringlich. Er wollte herausfinden, ob er die Wahrheit sagte oder das Ganze nur herunterspielte um hier so schnell wie möglich verschwinden zu können.
"Ich sehe gerade, dass sie eigentlich im schönen New York wohnen, Herr Kollege?" Pierce ließ das Klemmbrett wieder sinken und sah Stephen in die Augen. "Darf ich fragen, wann sie zurück fahren wollten?"
Stephen öffnete den Mund. "Morgen, aber ... das war vor dieser waghalsigen Aktion meines Sohnes!"
David schluckte nervös und vermied es seinen Vater jetzt anzusehen. Stephen fuhr fort. "Meinen sie, wir sollen vielleicht noch einen Tag dran hängen, damit er sich vor der Fahrt noch ausruhen kann oder?"
Pierce hatte in der Zwischenzeit eine kleine Stablampe aus seiner Brusttasche gezogen und leuchtete vorsichtig in David's Augen und Pupillen, um die Reflexe noch mal zu testen. Es sah alles normal aus. Er steckte die Lampe zurück und hörte dann Herz und Lunge ab, bevor er seinem Kollegen aus New York antwortete.
"Das ist eine gute Frage! Eigentlich würde ich sogar vorschlagen, dass wir ihn erst Morgen entlassen und er noch eine Nacht hier bleibt ..."
David bekam riesige Augen und richtete sich in seinem Bett auf! "Nein!"
"David," mischte sich plötzlich Sue von ihrem Stuhl aus ein. David sah seine Mutter an. "Lass Dad das machen, hm? Es geht doch um deine Gesundheit!"
Der Junge ließ sich wieder zurück fallen und seufzte genervt.
Pierce öffnete wieder den Mund. "Ich denke aber, dass du in der Obhut deines Vaters sehr gut aufgehoben bist, wenn du mir versprichst, dich noch zu schonen, viel zu schlafen und nicht so viel herum zu laufen. Okay, David?"
"Ja," gab David schnell zurück und atmete innerlich auf.
"Gut, abgemacht," bestätigte Pierce und auch Stephen stimmte mit dieser Lösung überein.
Der Chefarzt lächelte leicht, tätschelte dem Jungen das Bein, checkte dann den verletzten Fuß und trat mit Stephen gemeinsam zu Sue hinüber, wo sie sich noch kurz über die weitere Nachsorge und die Verabreichung von eventuellen Schmerzmitteln und anderen Medikamenten unterhielten.
Später hatte Pierce die Formulare für die Entlassung unterzeichnet, an Stephen übergeben und sich dann von der Familie verabschiedet. David hatte sich in seinem Zimmer alleine angezogen und humpelte nun zwischen seinen Eltern auf Krücken durch den Flur und bis zu einem der Aufzüge.
Dort stoppte das Trio und Sue drückte den Knopf.
Etwas erschöpft lehnte sich David mit seinen Krücken an die Wand zwischen den Aufzügen und schloss für einen Moment die Augen, während sich sein Dad und Sue ein Stück von ihm entfernten.
"Also bis gestern Morgen war es noch ein schöner und erholsamer Ausflug," meinte Stephen leise.
Gedankenverloren betrachtete die blonde Frau ihren Sohn und dann wieder Stephen. Ihre Stimme war ebenso leise wie Stephen's. "Du weisst, warum er das getan hat, oder?"
Stephen seufzte. "Ja und gerade das macht mich ja so wütend an der ganzen Geschichte! ... Ich hasse es, wenn er so bösartig mit dir spricht und umspringt oder dich einfach ignoriert. Und ich hasse es, ihn dafür maßregeln zu müssen."
"Ich weiss," teilte sie ihm mit und sah kurz zu David hinüber, der immer noch an der selben Stelle stand und auf den Aufzug wartete. Sie schluckte merklich. "Stevie? D-das vorhin, ich meine, das ich dir eine-"
Er nahm sie sanft an den Oberarmen. "Ist schon gut! Du warst aufgeregt, genau wie ich!"
"Ich bin explodiert und auf dich los gegangen!"
"Ja, das war dein gutes Recht, Liebes, denn die Jungs wohnen bei mir und ich trage die Verantwortung, auch wenn wir uns das Sorgerecht immer noch halbwegs ... teilen. Schon okay, wirklich!"
Das leise akkustische Geräusch des Aufzugs beendete das elterliche Gespräch wieder.
Stephen seufzte. "Lass uns gehen!"
Schnell wandten sich die beiden Erwachsenen um und schlenderten zu David hinüber, der sich bereits auf seine roten Krücken stützte und in den offenen Aufzug humpelte. Stephen legte ihm sanft eine Hand in den Nacken und Sue folgte ihnen schnell, bevor die blöden Stahltüren wieder zugehen und sie behindern konnten.
Als Stephen seinen BMW an der Hütte abbremste, schnallte Sue sich ab und öffnete ihre Beifahrertür. Sie stieg aus und zog David die Tür auf, der ihr die Krücken reichte und dann versuchte ohne fremde Hilfe aus dem Wagen zu kommen. Es war etwas anstrengend, doch es klappte einwandfrei.
Er hielt sich am Wagendach fest und Sue schlug die Tür neben ihm zu, während sie ihm eine der Krücken reichte.
"Hier," raunte sie ihm leise zu. "Du weisst, was Dr. Pierce gesagt hat? Auf keinen Fall ohne Krücken, hm?"
"Ja, ich weiss," bestätigte der Junge sie nickend. "Danke, Mum!"
Er stützte sich vorsichtig auf die angereichte Krücke. Dann zog er den verstauchten Fuß ein Stückchen an, so dass er über dem schneebedeckten Boden schwebte und versuchte zu lächeln, als Stephen in sein Blickfeld kam. Sein Dad musterte ihn einen kurzen Moment lang und drückte dann auf den Knopf für die Zentralverriegelung des BMWs, der sich mit einem leisen Geräusch selbst verschloß.
David humpelte vorsichtig über den Schnee. Er schniefte und fror. Erst jetzt fiel Stephen auf, dass sein Sohn keine Jacke trug. Die hatte Susan in den Händen, die neben David her lief um ihn im Notfall irgendwie stützen oder auffangen zu können, falls er mit den Krücken abrutschte.
Als Stephen neben ihm auf der anderen Seite war, öffnete er wütend den Mund. "Wieso trägst du deine Jacke nicht?!"
David stoppte fünf Meter vor der Hütte und sah seinen Vater etwas feindselig an. "Wir sind doch jetzt eh da?!"
Innerhalb nur weniger Sekunden baute sein Vater sich direkt vor ihm auf und entriss seiner Mutter die Winterjacke. Schnell und auch etwas grob legte er sie seinem Kind über die kalten Schultern und den Rücken und hielt ihm dann warnend einen Zeigefinger vor die Nase. Seine Augen funkelten bedrohlich.
"Du hast sie im Wagen wieder ausgezogen oder nicht," fragte der Arzt sauer.
David nickte schnell - noch konnte er sich auf den Krücken ganz gut halten ... "J-ja, mir war ..."
"Ja," hakte Stephen schnell nach und hob eine Augenbraue. "Was?"
David verzog bei dem Verhör weinerlich das Gesicht. "Dad? Das ist doch nicht nötig!"
"Ich," begann Stephen wütend, aber gefasst. "Ich sage dir, was nötig ist und was nicht! Und das ist nötig! Denn du bist noch immer unterkühlt, Sohn. Du wirst tun, was ich dir sage und ich habe dir vorhin gesagt, du sollst die verdammte Jacke anziehen und auch anlassen! Korrekt?"
Oh, oh, jetzt fängt er an zu fluchen ... David schluckte. "Ja, das hast du."
"Aha!" Stephen versuchte sich etwas runter zu fahren und er begann leise für sich zu zählen. 1 ... 2 ... 3 ... Dann öffnete er wieder den Mund und atmete tief durch. "Mach so was noch mal, David und ich gebe dir jetzt schon einen Vorgeschmack auf die Tracht Prügel, die dich zu Hause erwarten wird! Hast du verstanden?"
Sue bekam riesige Augen. Natürlich war ihr durchaus bewusst, dass Stephen ihren Sohn nicht mit einer Standpauke und einem Klapps davon kommen lassen würde, denn er hatte sein Leben in Gefahr gebracht. Doch das jetzt verbal aus Stephen's Mund zu hören, war nicht wirklich schön für sie und absolut kein gutes Zeichen.
"Stephen," versuchte sie ihn mit sanfter Stimme zu beruhigen und sah ihn direkt an. "Nicht."
Der Arzt sah jetzt sie an und nicht mehr David! "Ja, das ist mein voller Ernst, Sue! ... Und jetzt rein und ins Bett mit ihm, bevor wir ihn wieder ins Auto packen und ins Krankenhaus fahren können, weil er zu unterkühlt ist!"
Sue sah ihn noch eine Sekunde lang an und nickte schließlich zustimmend. "Dad hat Recht, David! Komm!"
Also quälte sich das Trio über den Schnee und die paar Holzstufen hinauf auf die große Veranda, wo Mac von innen die Tür öffnete und sie begrüßte. Sue drückte die Tür wieder hinter sich zu, auch wenn ihr klar war, dass sie nicht sehr lange hier bleiben würde.
David zu Liebe ...
Ganze zwanzig Minuten später sass Stephen bei David auf der Bettkante und legte noch eine warme Decke über seinen Körper, auch wenn David sich schon verbal dagegen gewehrt hatte und die gar nicht haben wollte. Stephen hatte den Erste-Hilfe-Kasten von unten herauf geholt und vor dem Bett abgestellt, damit er im Notfall schnell handeln konnte. Doch er wusste, dass es wahrscheinlich keinen Notfall geben würde. Sein Sohn war stabil und Morgen würde die Familie sich wieder auf den Heimweg machen.
Die roten Krücken lehnten neben dem Bett an der Holzwand des Zimmers. Auf dem Nachttisch stand ein volles Gals Mineralwasser und die Rollos an den Fenstern waren heruntergelassen um David das Einschlafen zu erleichtern.
Sanft zog der Junge sich die Decke bis zum Hals hoch und legte sich vorsichtig auf die Seite.
"Du kannst ruhig gehen, Dad," versicherte er Stephen leise und schloss die Augen. "Ich komm klar."
Der Arzt legte eine Hand auf seinen Kopf. "Wirklich? Verprich mir zu schlafen, David, ja?"
"Mhm," machte sein Sohn müde und kuschelte sich noch fester in die warmen Decken. "Okay ..."
"Okay," gab der Mann leise zurück, obwohl ihm nicht wohl bei der Sache war, David hier allein liegen zu lassen. "Und wenn was ist, ruf bitte!"
"Ja ..."
Vorsichtig beugte er sich über ihn und küsste ihn sanft auf die Stirn, bevor er sich wieder zurück zog und schließlich auf stand. Nachdenklich betrachtete er ihn noch einmal und verließ dann leise das Zimmer.
Auf dem Flur trat er auf Alex, der mit dem Rücken an der Holzwand gelehnt mit dem Fuß wippte und etwas deprimiert wirkte.
Der schwarzhaarige Junge seufzte. "Mac sagt, wir fahren schon einen Tag früher?"
"Ja," gab Stephen leise zurück und nickte. "Für deinen Bruder ist das Ganze nicht mehr so spaßig hier und ich fühle mich gerade auch etwas hintergangen, wenn ich ehrlich sein soll! Verstehst du?"
Und sofort hatte Alex wieder ziemlich große Schuldgefühle. Vorsichtig sah er seinen Dad von der Seite aus an, bevor er wieder den Mund öffnete.
"Kann ich mit ihm reden oder schläft er jetzt?"
"Nein, ich denke er ist noch wach!"
"Okay ..."
Stephen trat an ihm vorbei und wollte gerade die Holztreppe hinunter in das Erdgeschoß gehen, als sein Sohn an der Zimmertür seines Bruders stehen blieb und sich noch mal zu ihm um sah. Vorsichtig biss er sich auf die Unterlippe.
"Dad?"
Stephen wandte sich um - mit der linken Hand berührte er das Treppengeländer. "Ja?"
"E-es tut mir wirklich leid, dass ich nichts gesagt habe u-und die ganze Zeit die Klappe gehalten hab! Wirklich ..."
Der Mann sah kurz auf die erste Stufe unter seinen Füßen, atmete leicht ein ... Natürlich wusste er, dass es Alex furchtbar leid tat, doch dass er sich von seinem um ein Jahr jüngeren Bruder hatte in diesen kleinen Machtkampf hinein ziehen lassen, durfte einfach nicht passieren. Nicht noch einmal!
"Du hättest ihn vielleicht aufhalten können, Alex! Und wenn das nicht funktioniert hätte, hättest du spätestens im Tal den Mund aufmachen müssen! Ich begreife einfach nicht, dass du das so lange geheim gehalten hast, obwohl du ganz genau sehen konntest, dass wir uns Sorgen machen!"
"Tut mir-"
Stephen fuhr herum und unterbrach ihn schroff! "Das hast du schon mal gesagt oder? Wir werden das klären, aber ganz bestimmt nicht hier wo Mum in der Nähe ist, sondern zu Hause!"
"Ja," seufzte der Junge leise und rollte in Gedanken mit den Augen.
Das Nach-Hause-Kommen wird bestimmt ein Brüller ... Oh Mann, warum hab ich nicht sofort die Schauze aufgemacht, ich Vollidiot?! Mein Hintern tut jetzt schon weh ...
Stephen sagte nichts mehr, sondern nahm jetzt die erste Stufe. Zügig lief er dann die Treppe hinunter um sich zu Mac auf das Sofa zu setzen und etwas zu entspannen.
Alex marschierte zu David ins Zimmer und schloss die Tür leise hinter sich. Argwöhnisch beäugte er seinen Bruder, der im Bett lag und sich nicht rührte. Schlief er doch schon? Oder tat er nur so, damit ihr Vater ihn nicht weiter bemuttern konnte?
Er blieb vor dem Bett stehen. "Dave? Bist du wach?"
"Nein ..."
"Dave, komm schon," versuchte Alex es noch einmal und ließ die Schultern hängen.
Er setzte sich auf die Bettkante, dorthin wo Stephen zu vor gesessen hatte. Vorsichtig zog er ihm dann die Bettdecke ein Stückchen herunter, um sein Gesicht besser sehen zu können.
"Dad hat gesagt, ich soll warm bleiben, also hör auf damit," beschwerte sich der blonde Connors leise. "Warum gehst du nicht wieder und lässt mich schlafen!"
Alex öffnete den Mund. "Dad ... ist verdammt wütend wegen der Sache! Und Mum hat fast einen Herzinfakt bekommen, als du nicht wieder zurück gekommen und einfach verschwunden bist, Dave! Wir haben uns alle Sorgen gemacht!"
Als David nichts sagte und einfach stur an die Zimmerdecke starrte, wurde Alex etwas lauter und gestikulierte wild mit den Händen herum.
"Das interessiert dich alles gar nicht, oder?!"
Stille.
"Ich ... habe jetzt wegen dir ein Date mit ihm im Wohnzimmer, wenn wir wieder zu Hause sind und ich glaube nicht, dass er nur mit mir reden will, David!"
"Und was soll ich jetzt bitte machen?"
"Mal ein bißchen Verantwortung gegenüber unseren Eltern zeigen," fragte Alex sarkastisch und zog eine Augenbraue in die Stirn. "Das wär für den Anfang nicht schlecht oder? Und wenn du das nicht hinkriegst, dann fall vor ihm auf die Knie und winsel um Gnade! ... Oder heul!"
Alexander holte noch mal tief Luft, als David nichts zu erwidern wusste. "Warum hast du das eigentlich gemacht? Wolltest du ihm eins auswischen? Oder ging es dabei um Mum und dass wir hier bei ihr sind für ein paar Tage?"
David wurde etwas lauter! "Ich wollte allein sein!"
"Allein," fragte sein großer Bruder laut und fassungslos. "Allein mit dir und diesem Felsen auf den du mit dem Kopf geknallt bist?! Deine Gehirnerschütterung ist doch stärker als von dem Arzt vermutet oder? Tickst du noch sauber, Alter? Ganz ehrlich? Dass du ... allein sein wolltest, als du das gemacht hast, würde ich an deiner Stelle lieber für mich behalten, wenn du Dad gegenüber sitzt und er dich verhört!"
"VERSCHWINDE ENDLICH! ... RAUS!"
Alex stand etwas überrascht über das laute Gebrülle auf und kaum zwei Sekunden später stand schon Mac im Türrahmen und musterte seine beiden Stiefsöhne grimmig und vorwurfsvoll. Der Cop machte einen großen Schritt in den Raum und verschränkte dann die Arme vor der Brust.
Wütend sah er Alex an und dann David. "Was soll dieses Geschrei?!"
Erschöpft warf sich David auf den Bauch und hielt sich den Kopf. "Er soll endlich gehen, ich hab Kopfschmerzen, Mac!"
"Dad liegt unten auf dem Sofa und würde gerne schlafen, okay? Denn das Ganze hat ihn auch sehr geschafft!" Er sah Alex an und deutete mit dem Finger auf ihn. "Du? Raus!"
Alex warf noch mal einen Blick auf seinen Bruder und verschwand dann schnell aus dem Zimmer, bevor Mac ihn noch mal zum Gehen auffordern konnte. Der Cop sah ihm kurz nach, ließ sich dann auf der Bettkante nieder und legte David tröstend eine Hand auf den Kopf, wo er ihn dann kraulte.
"Willst du eine Tablette?"
Mac beugte sich nach vorn, ohne auf eine Antwort zu warten und kramte in dem Erste-Hilfe-Kasten nach dem richtigen Schmerzmittel. Schnell öffnete er die Packung, drückte eine Pille aus der Folie und reichte sie mit dem halb vollen Glas Wasser David, der sich langsam aufrichtete. David schluckte die Pille hinunter und legte sich wieder erschöpft auf den Rücken.
"Muss ich Dad holen," fragte Mac leise und mitfühlend, als er ihn wieder richtig zudeckte. "Hm? Nein oder?"
David schüttelte den Kopf, doch Taylor reichte das nicht. "Red bitte mit mir!"
"Nein, musst du nicht, Mac."
Nicken. "Okay und jetzt wird geschlafen! Wir sind unten!"
Sein Stiefsohn antwortete mit einem leisen Ja und kuschelte sich wieder müde in das Bett und die Decken. Mac betrachtete ihn noch einen kurzen Moment, erhob sich dann von der Bettkante und verließ wieder das Zimmer.
Auf dem leeren Flur überlegte er kurz ob er nach Alex sehen und ihn nach dem Grund dieses kleinen Streits fragen sollte, doch auch der Cop war etwas müde von der ganzen Aufregung. Also vermied er es sich noch mehr aufzuregen und sprang wieder die Treppe hinunter in den großen Hauptraum des Hauses.
Dort holte er sich in der Küche ein Glas Wasser, kletterte dann zu Stephen auf das Sofa und kuschelte sich mit dem Rücken an seinen Ehemann. Stephen legte seine Arme um ihn und schloss wieder seine müden Augen, während leise im Hintergrund eine Quizsendung im Fernsehn in die nächste Runde ging.
Tbc ...
