7. Trauer
Blinzelnd öffnete Ginny die Augen. Sie lag in ihrem weichen Bett im Fuchsbau. Aus der Küche hörte sie das magische Radio ihrer Mutter und wie ihre Mutter dazu sang.
Ginny lächelte zufrieden. So könnte sie die gesamte Schwangerschaft verbringen.
„Ginny-Schatz, bist du schon wach?", kam es aus der Küche.
Wenn ich es noch nicht gewesen wäre, wäre ich es jetzt, dachte sich Ginny und wollte schwungvoll aus dem Bett aussteigen. Sobald sie sich aber erhoben hatte überkam sie eine solch starke Welle von Übelkeit, dass sie eher schwungvoll ins Bad rannte, als die Treppe herunter.
Molly schaute gleich sorgenvoll herein und hielt Ginnys Haare, während diese über die Toilette gebeugt stand.
„Meine arme Kleine. Ich hatte zum Glück nicht diese Übelkeit. Muss an Harrys Genen liegen…Was hat er dir damit nur angetan?!"
Seufzend spülte Ginny und wusch sich das Gesicht.
„Mom. Zum letzten Mal, es ist nicht seine Schuld, dass ich schwanger bin. Es ist eben passiert."
Molly nickte übereifrig und scheuchte ihre Tochter in die Küche. Dort setzte sie ihr einen dampfenden Kakao vor und wollte Toast machen, aber Ginny verneinte.
„Ich habe keinen Hunger."
„Aber Ginny-Schatz! Hast du keine Appetit Attacken? Solche hatte ich andauernd. Du musst jetzt für Zwei essen, Schatz, das weißt du doch. Und nicht dass Harry dich nicht mehr wieder erkennt, wenn er wiederkommt, weil du so dünn geworden bist."
Ginny schwieg. Sie hatte die ganze letzte Woche kaum etwas gegessen. Hunger hatte sie schon, aber die Sorge um den Vater ihres Kindes brachte sie fast um. Er hatte versprochen, sich so bald wie möglich zu melden. Bisher war aber keine Eule gekommen, und von Hermine und Ron auch nicht.
Wovon sie auch nicht sprach waren die Schmerzen. Schreckliche Unterleibsschmerzen. Nachts waren sie besonders schlimm und Ginny war jede Nacht mehrere Stunden auf und weinte. Vor Schmerzen und vor Sorge.
Molly hatte schon ganz Recht wenn sie bemerkte, dass Ginny nicht gut aussah.
„Ginny, hörst du mir überhaupt zu?"
Ginny schaute ihre Mutter verwundert an. Sie hatte nicht mitbekommen, dass sie weitergeredet hatte.
„Nein. Tut mir leid."
„Ach, meine Liebe." Molly setzte sich neben Ginny und schob beiläufig den Kakao mehr unter Ginnys Nase. „Ich sehe doch, dass dich etwas bedrückt. Komm, erzähl es deiner Mutter!"
Nicht weinen!, dachte Ginny. Nicht wieder weinen!
„Mom, es ist so schrecklich.", setzte sie an und versuchte krampfhaft, die Tränen zu unterdrücken. „Ich habe solche Angst um Harry. Kannst du mir denn nicht wenigstens sagen, wo sie hin sind?"
Molly seufzte. „Naja. Sie sind mit Bill in Italien, um einen Spion einzusetzen und die Umgebung zu testen."
„Ist es gefährlich?"
„Kommt auf die Gegend an. In Venedig sind Voldemorts Fäden sehr dick, aber einige andere Städte sind noch fast unbesetzt von seinen Leuten. Deswegen sind Harry und Co jetzt dort, um es zu testen."
„Aber warum Harry?", wollte Ginny wissen.
„Das kann ich dir nicht sagen, denn ich weiß es nicht.", musste Molly eingestehen.
Gedankenverloren nickte Ginny. Warum wollte Harry unbedingt solche Aufgaben erledigen, die jeder andere im Orden ebenso schaffen konnte? Da musste mehr dahinter stecken, denn sonst hätte er Hermine und Ron auch nicht mitgenommen.
Und er war bereist vier Wochen weg. Wofür brauchte er so lange?
„Mom, wann wollten sie denn wiederkommen?"
Auch bei dieser Frage musste Molly Unwissenheit gestehen.
Traurig stand Ginny auf und wollte in den Garten gehen. Ihre Mutter aber drückte sie auf den Stuhl zurück und behauptete, sie hätte noch etwas Hausarbeit zu erledigen, ob Ginny nicht helfen wolle. Ginny wusste, es war nur ein Vorwand, um sie im Haus zu behalten. Obwohl der Fuchsbau relativ geschützt war, wusste man nie, wer den Garten beobachtete.
Arme Ginny. Ganz alleine. Wollt ihr ihr keine Trost zusprechen?
