7. The Life and Times

Vorher: Lily entscheidet sich, sich mit James zu versöhnen. Carlotta Meloni erzählt Lily, dass sie Frank Longbottom in den Ferien geküsst hat und hofft, dass er eine Beziehung mit ihr eingeht.

Kapitel 7 - „Versagen des Mutes"

Oder

Rauch kommt in deine Augen"

„Ich habe mich entschieden," sagte Severus Snape Nicolai Mulciber spät am Freitagabend.

Mulciber schaute von seinen Hausaufgaben in Verwandlung auf. „Hast du das?" fragte er, Gefühle oder überhaupt Besorgnis waren nicht in seinem Ton zu erkennen.

„Ja," sagte Snape. „Ich habe mich entschieden, dass ich gehe."

Mulciber nickte. „Ich bin froh. Du bist ein schlauer Kerl, weißt du."

Severus wusste es. Er schaute in das glimmende Feuer des dunklen Slytherin-Gemeinschaftsraum. „Wann gehen wir los?"

„Triff uns hier um halb zwölf, morgen Nacht." antwortete der andere.

Langsam nickend und fühlend, dass dies hier sehr wichtig war, sagte Snape: „Ich werde da sein."

(Das erste Gespräch)

Eigentlich war es bloß ein Freitag. Es war Halloween und es regnete, und das Quidditchtraining für Gryffindor wurde abgesagt. Aber sonst, war es wirklich ein schockierend durchschnittliches Halloween (eigentlich). Niemand in Hogwarts landete in der Krankenstation, niemand wurde schwanger, niemand brach die Schule ab und niemand wurde der Schule verwiesen. Der Unterricht verlief, wie er es normalerweise tat und das Leben ging irgendwie einfach weiter. Eigentlich.

An diesem Freitag führte Severus Snape zwei kurze Unterhaltungen mit Nicolai Mulciber, Lily Evans hatte James Potter als Partner in Verteidigung gegen die dunklen Künste, Mary Macdonald traf einen Hufflepuff, der Quidditch-Kapitän las einen Brief von seiner Mutter zum Mittagessen, Kräuterkunde verlief so ziemlich, wie es normalerweise lief (und Mary Macdonald wies einen Ravenclaw ab), Lily Evans hatte eine Unterhaltung mit dem Schulsprecher und sie lernte, dass James Potter zu viel rauchte. Es war, eigentlich, nur ein ganz normaler Tag.

Auf lange Sicht entpuppte sich dieser Halloween-Freitag als sehr wichtig. Lily erkannte es zu der Zeit nicht und James auch nicht, aber Severus Snape erkannte es. Tatsächlich war es ihm klar, seit dem Moment, in dem er den ersten Schritt in den Slytherin-Gemeinschaftsraum an diesem Morgen setzte.

„Snape," sagte Nicolai Mulcibers Stimme, als der Junge sich ihm näherte. Er kam zu ihm und sagte in einer vertraulichen Weise: „Avery, Hester und ich gehen morgen Nacht aus."

„Ausgehen?" fragte Severus trocken. „Wie romantisch."

„Wir treffen Malfoy," führte Mulciber kalt näher aus und bevor sein Mitschüler unnötigerweise nachfragen konnte, warum, fügte er hinzu: „Das ist, worauf wir gewartet haben. Ich muss es nicht erklären, oder, Severus?"

Snape schüttelte seinen Kopf. Sein Magen krampfte sich unangenehm zusammen.

„Kommst du?" fragte Mulciber. Severus wollte nicht gehen, oder eher, er wollte gehen, wünschte sich aber, dass er es nicht tat.

„Ich denke darüber nach," sagte Severus und ging hinunter zum Frühstück.

(Lily hatte James als Partner in Verteidigung)

Die erste Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste begann wie eine Folter. Lily hatte gewusst, dass es ab dem Moment, da sie durch die Tür lief, so sein würde und fühlte, wie die Aussicht für achtzig Minuten still zu sitzen sie würgte. Sie nahm neben Donna Platz und wartete, angespannt ihren Fuß auf den Boden klopfend. Donna versuchte sie zu fragen, was sie so nervös machte, aber Lily bestand darauf, dass sie „es nicht sagen konnte".

In Wahrheit hatte sie seit Tagen keinen klaren Kopf mehr gehabt. Kummer und Unentschlossenheit hatte sie wie eine Regenwolke verfolgt: eine graue, zeitlose kleine Frage über ihr hängend. Sagen oder nicht sagen...

Tapp. Tapp. Tapp.

„Würdest du damit aufhören?" platzte James Potter.

In der Art, wie ihr Tag sich entpuppte, erkannte Lily, dass sie nicht erstaunt sein hätte sollen, als Professor Black nach seiner Ankunft verkündete, dass sie sich alle zu zweit zusammenschließen sollten und würde jeder Schüler, dessen Vorname mit den Buchstaben von A bis L begann bitte nach vorne kommen und einen Namen ziehen? Sie hätte nicht überrascht sein sollen, dass, wenn es statistisch gesehen wahrscheinlicher war einen Freund zu ziehen (Shacklebolt, Snape, Macdonald, Price, McKinnon...) als einen Feind (Potter, zum Beispiel), der Zettel, den sie zog, den Namen von jemanden aus der letzteren Kategorie enthalten würde.

Dies war jedoch der Fall und der Grund, weshalb sich fünfzehn Minuten nach Unterrichtsbeginn James Potter mit ihr den Tisch teilte anstatt Donna und James Potter über ihr pausenloses Fußklopfen nörgelte.

Tapp. Tapp. Tapp.

„Würdest du damit aufhören?"

„Nein", entgegnete sie, ungewöhnlich genervt. Schließlich hatte er nicht wirklich etwas getan.

„Nun, hast du wenigstens deinen Teil des Aufsatzes fertig?"

„Ich arbeite erst seit zehn Minuten daran", verteidigte sich Lily.

„Ich nehme das als ein ,Nein'?" James schaute auf ihr Blatt, bevor sie es verdecken konnte. „Du hast kaum einen Absatz geschrieben. Schau, ich bin fast fertig." Er zeigte ihr fast ein Fuß Schriftrolle bedeckt mit unordentlicher Schrift.

„Du hast den leichteren Teil", antwortete die Vertrauensschülerin. „Jeder kann viel über die Auswirkungen des Imperius schreiben. Die Geschichte braucht Recherche."

„Informationen, die du bereits hättest, wenn du die passende Lektüre gelesen hättest, die wir aufhatten."

„Wer bist du? Professor McGonagall? Ich hab die Lektüre gelesen, Potter. Ich kann mich einfach nur nicht gerade so an jedes einzelne Detail erinnern."

„Tja, vielleicht..."

„Tja, vielleicht..." unterbrach Lily, „sollten wir aufhören uns zu unterhalten und du solltest mich zurück an die Arbeit lassen."

James zuckte mit den Achseln und kehrte zu seiner eigenen Hälfte ihrer Aufgabe zurück um seinem Aufsatz den letzten Schliff zu geben. In der Zwischenzeit kaute Lily auf dem Ende ihrer Feder, als sie versuchte sich zu konzentrieren.

Das erste Ereignis, bei dem der Imperius-Fluch in direkter Verbindung mit einem Todesopfer aufgeführt wird, fand 1908 in St. Petersburg statt und... und... und... und...

Und?

Sie wollte diesen Satz doch irgendwo hinführen, aber wohin? Vielleicht war Frank unter dem Imperius...

Tapp. Tapp. Tapp.

James legte seine Feder weg und drehte sich zu seiner Banknachbarin. „Evans."

„Was?" Sie bemerkte ihren nervösen Fuß. „Oh."

„Was ist los?" wollte er wissen, mit einer dünnen Hand durch sein schwarzes Haar fahrend. „Ich meine es ernst, je früher du es einfach rauslässt, desto früher muss ich nicht mehr gegen den Drang ankämpfen, dich zu erwürgen." (Nicht, dass ein solcher Drang in diesem Moment wirklich existierte, aber das tat - wie sie sagen - nichts zur Sache.)

„Ich... ich kann mich einfach nicht konzentrieren," antwortete Lily seufzend. „Sorry, ich werde versuchen..."

„Was ist los?" wiederholte James. „Komm schon, Keks, sag's mir einfach."

Lily legte ihre Feder ebenfalls nieder und ließ ihr Kinn in ihrer Handfläche ruhen. „Ich... kann nicht."

„Evans..."

„Ich mein es ernst, ich kann nicht. Ich kann nicht. Ich... ich weiß etwas." Sie flüsterte dies, und James hob eine Augenbraue.

„Warum flüsterst du?" fragte er (flüsternd). „Niemand ist in unserer Nähe und es schenkt uns sowieso niemand Beachtung." Das stimmte, mit Blacks eingeteilten Gruppen war der Raum voll mit angeregten Diskussionen und die Tische um Lily und James waren sowieso unbesetzt. Ihre Unterhaltung schien in der Tat ungestört.

„Weil ich will", sagte Lily unoriginell. Sie blickte ihn finster an.

„Also, was ist es?"

„Was?"

„Was weißt du?"

„Ich habe dir gesagt: Ich kann es dir nicht sagen. Passt du überhaupt auf?"

„Nun", sagte James, „du musst es eindeutig jemandem erzählen... ich empfehle einen guten Psycho-Heiler. Diese Sache frisst dich doch auf. Und mir macht sie Kopfschmerzen." Er deutete zu ihrem klopfenden Fuß.

„Es frisst mich in der Tat auf", seufzte Lily, düster ihre Stirn massierend. „Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll."

„Na, ich würde dir sagen, was du tun sollst", antwortete ihr Partner, „wenn du mir einfach sagen würdest, was es ist, weißt du."

Lily schüttelte ihren Kopf. „So einfach ist es nicht."

„Also... ist es ein Geheimnis?"

„Irgendwie schon. Ich weiß nicht. Ich habe bloß... jemand hat mir etwas erzählt und es war vertraulich, aber die Sache, die mir die Person erzählt hat, beinhaltet jemand anderes und ich bin mir nicht sicher, ob ich es dieser Person erzählen soll, die es beinhaltet."

„Wenn dir etwas Vertrauliches erzählt worden ist, solltest du es nicht weitererzählen," sagte James. „Das ist wirklich nicht so kompliziert."

„Aber so einfach ist das..."

„Nicht." endete er wissend.

„Richtig." Lily biss auf ihre Lippe, sich die Sache für einen Moment überlegend. „Nun gut, sagen wir, du hättest eine feste Freundin..."

„Warum?"

„Mach einfach mit. Sagen wir, du hättest eine Freundin..."

„Eine sehr attraktive Freundin."

„Ja, eine sehr attraktive Freundin, die du sehr magst."

„Okay. Das hatte ich vermutet."

„Also, stell dir vor, diese Freundin, hat irgendwie... jemand anderen geküsst, während du mit ihr zusammen warst..."

„Unwahrscheinlich. Praktisch unmöglich, eigentlich."

„Richtig, aber diese Freundin von dir, sie ist... ein wenig angetrunken und gerade in einer Art existentiellen Krise, also küsst sie den anderen Kerl, während sie im Urlaub ist... es ist eine dieser Sachen, die einfach passieren und dann bereut sie direkt die ganze Sache. Es ist nicht so eine Art laufende, schäbige Affäre... bloß ein einmaliger Ausrutscher. Würdest du davon wissen wollen?"

James ließ sich das ein paar Mal durch den Kopf gehen und fragte dann: „Es war wirklich nur einmal? Und es gibt keine widersprüchliche Gefühle oder irgend so ein Müll?"

„Nun", Lily biss auf ihre Lippe. „Vielleicht, nur vielleicht, hat der Kerl deine Freundin wieder geküsst und sie hat ihn zurückgeküsst, aber dann ist sie weg gerannt und war dir wieder perfekt treu."

„Zwei Küsse und widersprüchliche Gefühle?" fragte James. „Ich würde es auf jeden Fall wissen wollen. Erstens, damit ich dem Kerl eine Tracht Prügel verpassen kann und zweitens, damit ich mit meiner Schlampe von Freundin Schluss machen kann."

„Aber sie ist keine Schlampe! Sie ist ein Engel! Sie ist wundervoll und süß und verständnisvoll und ihr seid schon eine wirklich, wirklich lange Zeit zusammen!"

James hob seine Augenbrauen, sich mit einem neugierigen Grinsen näher lehnend. „Hast du Harper betrogen, Keks?"

Sie schlug ihn spielerisch. „Nein. Es geht nicht um mich. Hör auf zu lachen, Potter. Es geht nicht um mich. Es war nicht mal das Mädel, die untreu war - es war der Kerl, wenn du es wissen willst."

„Ich verstehe", sagte der Quidditch-Kapitän, langsam nickend. „Sag mal, es war nicht Marlene Prices Kerl, oder? Ich könnte mir gut vorstellen, wie er mit irgendeiner Schlampe rummacht..."

Nein. Jetzt hör auf zu raten! Ich muss diesen Aufsatz machen..." Sie versuchte zu ihrer Aufgabe zurückzukehren, aber James packte sie beim Arm.

„Warte, nein, ich werde ernst bleiben. Also, dieses geheime Pärchen - der Typ war im Urlaub und hat... dieses andere Mädel einfach zufällig getroffen? Es war nicht geplant?"

„Natürlich nicht."

„Und er ist ein guter Kerl?"

„Ja, auf jeden Fall."

„Also küsst er aus Versehen ein Mädel, aber später küsst sie ihn wieder und er... erwidert es möglicherweise ein wenig?"

„Ja", sagte Lily. „Und dann, die Hexe, die er küsst, sie... sie erzählt mir, dass sie ernste Gefühle für diesen Typ hat und sie denkt, dass etwas passieren könnte. Wie auch immer, wie ich das persönlich sehe, scheint es, als ob er so tun will, als wäre die ganze Sache nicht passiert."

James nickte langsam. „Du kannst es nicht geheim halten, Evans. Du musst es sagen."

„Aber wenn er es wirklich, ehrlich bereut, würde ich vielleicht ein großartiges Pärchen grundlos entzweien!"

„Es gibt einen Grund," protestierte der andere. „Er hat ein anderes Mädel geküsst... zweimal."

„Aber wenn es in der Vergangenheit ist..."

„Es ist nicht in der Vergangenheit, wenn seine Freundin nicht weiß, dass er in der Lage ist, so etwas zu machen, oder? Es ist ein ungelöstes Problem, das Klärung benötigt."

Lily kaute am Ende ihrer Feder. „Du könntest Recht haben", gab sie gegenwärtig zu. „Aber ich will ihr wirklich, wirklich nicht die Wahrheit sagen... ich meine, sie liebt ihn wirklich und er ist keine schlechte Person, aber..."

„Keks", unterbrach James, „du sollst es nicht der Freundin erzählen."

„Ich sollte nicht. Aber du hast gesagt..."

„Dieser Kerl - ist er ein Freund von dir?"

Lily nickte.

„Dann solltest du mit ihm reden. Du willst die Tatsachen nicht durcheinander bringen oder einen riesigen Streit über etwas beginnen, was du von zweiter Hand gehört hast, richtig? Aber zur selben Zeit ist es offensichtlich wichtig genug, dass du es nicht einfach von der Hand weisen kannst. Also musst du Fakten kriegen - rede mit ihm, schau, was er sagt und bilde dir deine Meinung. Sag ihm, dass du Bescheid weißt und schau, was er darüber zu sagen hat. Wenn er wirklich aufrichtig ist, dann wird er gestehen. Aber machen wir uns nichts vor, du solltest nicht diejenige sein, die dem Mädel sagt, dass ihr Freund ein anderes Mädchen geküsst hat... nicht, wenn sie so ineinander verschossen sind, wie du tust. Also, tu nichts Drastisches. Rede... einfach mit ihm."

James schloss seine Rede und wartete gespannt auf ihre Antwort, aber Lilys schiere Überraschung verzögerte ihre Reaktion für einen Moment. Schließlich schob sie eine entlaufene Strähne ihres gewellten Haars aus ihren Augen und nickte. „Du hast Recht. Das ist... ein guter Rat. Vielen Dank."

Er neigte seinen Kopf ein wenig und kehrte dann zu seinem Aufsatz zurück. Lily tat das Gleiche.

Für Jahrzehnte wurde die Entstehung des Imperius-Fluch den Anstrengungen der deutschen Regierung zugeordnet, die hoffte, die Variable des menschlichen Willens in den militärischen Großtaten des späten neunzehnten Jahrhunderts auszulöschen. Jedoch wurden noch frühere Berichte von...

Das war ein verlässlicher Rat, den Potter gegeben hatte... überraschend verlässlich. Warum konnte er so nett sein und sich Sekunden später als solch verdammtes Ekel erweisen? Warum war es so, dass...

... noch frühere Berichte von kontrollierenden Zaubern, welche den freien Willen des Opfers manipulierte und sogar außer Kraft setzte, in China, Indien und Teilen von...

... Am seltsamsten von allem war, dass es zwischen dem fiesen, launischen Potter und dem hilfsbereiten, ehrlichen Potter so wenig wahrnehmbare Unterschiede gab. Der Tonfall seiner Stimme veränderte sich kaum und doch hatten die zwei Persönlichkeiten so gegenseitige Auswirkungen...

... Teilen von Südafrika entdeckt. Die Beschwörungsformel „Imperio" erschien offiziell nicht vor 1902, veröffentlicht in einer amerikanischen Zeitung als Entdeckung eines...

... Aber war es nicht möglich, dass der echte Potter der Ehrliche, Charismatische, Lustige war und der andere bloß...

... deutschen Immigranten, von dem später berichtet wurde, dass er die Informationen von dem Regierungsprojekt gestohlen hatte, an dem er teilgenommen hatte. Die „Imperio"- Beschwörung bewies sich als sehr viel stärker als seine früheren Vorgänger, wie „Untersuchen!" und „Atakku". Jedoch wurde zu der Zeit seiner Entdeckung falscherweise von dem „Imperio"-Spruch angenommen, dass er unbesiegbar wäre: damit ist gemeint, dass keine Person seine Auswirkungen bezwingen könnte..."

... eine Maske aus Unreife?

„Fertig", verkündete James, Lily zusammenfahren lassend. Er warf einen Blick auf ihr Pergament. „Tja, wenigstens bist du weitergekommen."

„Kann ich dich was fragen?" sagte Lily, ihre Feder niederlegend. Er hob wieder seine Augenbrauen und sie interpretierte das als Bestätigung. „Versteh das jetzt nicht falsch... ich versuche nicht, dich zu beschuldigen oder so, okay? Ich wollte... ich wollte bloß wissen, warum du nicht McGonagall gestanden hast wegen dem Kampf in der Eingangshalle."

Nach einiger Zeit antwortete James zynisch: „Du willst eine Ausrede, oder? Ich habe keine. Ich habe keinen guten Grund, der alles verschwinden lässt. Es war bloß... ich war bloß ein Arschloch. Das ist alles, was da war."

„Ich glaube das nicht", sagte sie ihm, bevor er sich wegdrehen konnte. „Ich denke, es gibt einen Grund. Es muss einen Grund geben."

„Warum muss es einen Grund geben?" wollte er frustriert wissen. Lily seufzte.

„Weil du... du hast ihn geschlagen. Du hast Mulciber geschlagen. Du bist einfach aus dem Nichts aufgetaucht und hast seinen Kiefer ausgerenkt und das passt nicht zu jemandem, der sich Sorgen um die Konsequenzen macht. Es... passt nicht."

James atmete tief. Er schien mit etwas in seinem Kopf für fast eine Minute zu debattieren, bis er sich schließlich entschied zu sagen: „Hast du je von der Fünfundsiebzig-Regel gehört, Keks?" fragte er. Sie schüttelte den Kopf. „Es ist eine wirklich alte Hogwartsregel. Wirklich alt und sie wird nicht oft angewendet. Die... äh... die Sache ist, diese Regel - sagt, dass wenn ein Schüler fünfundsiebzig Mal nachsitzen musste, er oder sie zur Lehrerschaft gehen muss und sie darüber abstimmen, ob der Schüler rausgeworfen werden soll oder nicht."

„Also sagst du, dass..."

„Ich habe vierundsiebzig Mal nachsitzen müssen," unterbrach er. Lilys Augen wurden groß.

„Vierundsiebzig? Das ist... viel. Ich musste fünf Mal."

James war nicht überrascht. Bitter grinsend sagte er: „Jedenfalls ist das die Wahrheit. Wenn ich zugegeben hätte, dass ich Mulciber geschlagen habe, wäre ich in Gefahr gewesen von der Schule verwiesen zu werden und... ich hatte Angst, dass ich Nachsitzen bekomme." Dies betonte er mit harter Ironie und er beobachtete ihre Reaktion. „Nicht gerade heldenhaft, was?"

„Die Lehrer lieben dich, Potter." sagte Lily, seine letzten Worte ignorierend. „Selbst Slughorn liebt dich und du bist nicht besonders brillant in Zaubertränke. Dann ist da Flitwick, McGonagall, ganz zu schweigen von Dumbledore, und Puttman und wahrscheinlich auch Black... du hast eine der besten Noten in dem Fach. Ich bin mir sicher, dass sie zu deinem Gunsten stimmen würden."

„Keks... die anderen zwei Leute, die fünfundsiebzig Mal Nachsitzen hatten, wurden rausgeworfen. Es wird einfach... erwartet. Es wäre egal, ob sie mich mögen. Die Lehrerschaft würde sich verpflichtet fühlen..."

„Warum hast du es mir nicht einfach gesagt? Oder Black oder Remus oder irgendwem?"

James runzelte die Stirn, verwirrt. „Warum sollte ich?"

Lily schaute ihn an, als ob die Antwort erschreckend offensichtlich wäre. „Weil jeder von uns gerne die Schuld auf sich genommen hätte! Ich meine, ich hab es bloß gemacht, damit Gryffindor keine Punkte verliert - natürlich hätte ich es gemacht, um zu verhindern, dass du rausgeworfen wirst."

„Aber... warte...was?"

„Wie, glaubst du mir nicht?"

„Warum würdest du verhindern, dass ich rausgeworfen werde? Du magst mich nicht mal. Hasst du mich nicht eigentlich irgendwie? Ich bin der ,schikanierende Widerling', der immer deinen besten Freund geärgert hat!"

„Du hast mich auch ein gutes Stück geärgert", erinnerte Lily ihn. „Und vielleicht gibt es auch Zeiten, in denen mir es nichts ausmachen würde, zu sehen, wie du rausgeworfen wirst, aber du... du hast Mulciber eine verpasst. Und er hat es verdient. Vielleicht war es ein schlechter Zeitpunkt und schlecht geplant, aber... du verdienst es nicht, dafür von der Schule zu fliegen."

Der Quidditch-Kapitän blinzelte. „Ich... ich meine, ich verstehe dich nicht. Aber... danke. Schätze ich."

„Bitte sehr." Sie schaute auf ihren Aufsatz.

„Brauchst du Hilfe, ihn fertig zu schreiben?" fragte er.

„Nein, ich brauche bloß noch ein oder zwei Absätze, denke ich. Es sollte nicht zu lange dauern." James nickte bloß als Antwort, bevor er seine Augen seiner Hälfte des Aufsatzes zu wandte, welchen er begann noch einmal zu lesen. Mit ihren Augen auf ihrem Blatt fügte Lily sanft hinzu: „Und ich hasse dich nicht."

...

„Oh. Okay."

(Mary Macdonald trifft einen Hufflepuff)

Mary Macdonald hatte einen sehr schlechten Tag. Sie trug einen orangenen Schal zur Feier des Tages und er war zweimal beinahe in ihren Trank gefallen. Sie war auf ihrem Weg hinunter zum Frühstück gestolpert und jetzt hatte eines ihrer Knie eine Schnittwunde. Sie fühlte sich, als ob sie ohne Grund dreihundert Kilo wog und ihr Schulrock schien ein wenig enger und kürzer an diesem Morgen. Auch wollte sie Sirius Black oder Donovan Atwater als Partner und endete stattdessen mit irgendeinem schäbigen Hufflepuff.

Nicht besonders in der Stimmung, höflich zu sein, entschied sich Mary, dass sie zu ihrem Partner geradeheraus sein wollte - der großäugige Junge, der zu viel starrte und sich von Zeit zu Zeit mit Adam McKinnon rumtrieb - und so drehte sich Mary zu ihm, als er seine Zaubertränke-Zutaten auspackte, und sagte: „Ich wollte Donovan Atwater als Partner."

Der Hufflepuff blinzelte. „Oh."

„Ich dachte, dass du das wissen solltest."

„Oh."

„Weil Donovan Atwater hervorragend in Zaubertränke ist und ich schrecklich und weil wir die ganze Woche noch nicht geredet haben, Donovan und ich."

„Oh."

Mary verzog ihre perfekt von Lipgloss glänzenden Lippen. „Ist das alles, was du zu sagen hast?" fragte sie (es war ein sehr schlechter Tag). „Oh?"

Die Augen des Hufflepuffs wurden - wenn das möglich war - noch größer. „Es... tut mir leid?"

Mary seufzte. Er war kein hässlicher Kerl, wenn auch keineswegs gutaussehend. Er hatte ein enges Kinn und ziemlich viel nichts-sagendes braunes Haar, geschnitten (oder eher ungeschnitten) nach Art der Monkees, sodass es hauptsächlich seine Ohren bedeckte und mit dem Kragen seines Oxfordhemdes spielte. Er hatte Sommersprossen und ordentliche Zähne und eine lange, dünne Nase. Er schien absolut verängstigt von der außergewöhnlich hübschen Mary Macdonald.

Sie hatte Mitleid mit ihm. „Es ist nicht deine Schuld", gab sie zu, irgendwie schuldbewusst. „Ich hatte... ich hatte bloß einen miesen Tag, schätze ich. Ich wollte wirklich gerne Donovan Atwater zum Partner haben... und jetzt ist er der Partner von dieser Schlampe Alexa Kyle."

„Alexa Kyle ist keine Schlampe!" sagte der Junge, anscheinend einen persönlichen Rekord mit seiner Lautstärke aufstellend. „Sie ist eigentlich wirklich nett und sie hat mir in der Vierten Nachhilfe in Verwandlung gegeben."

Jetzt musste Mary verwirrt blinzeln. „Na schön", sagte sie, „aber gerade jetzt ist sie die Partnerin von Donovan Atwater und er scheint nicht besonders unglücklich darüber zu sein, also ist sie eine Schlampe!"

„Aber sie ist es nicht", Er verstand die Situation nicht, eindeutig. Sie waren beide für einen Moment still, bis der Hufflepuff fortfuhr: „Also ist Donovan Atwater... dein Freund oder so?"

„Ich weiß nicht", gab Mary zu, „Ich meine, nein, ich schätze nicht. Wir hatten dieses Wochenende ein Date und... tja... sagen wir einfach, dass ich seitdem nichts mehr gehört hab."

„Ihr hattet ein Date? Wie konntet ihr ein Date haben? Da war kein Hogsmead-Ausflug oder Quidditchspiel..." Er wartete auf eine Antwort und Mary merkte, wie sie unter seinem unschuldigen Blick errötete. Mary wurde nie rot.

„Du gehst nicht oft aus, oder?" fragte sie. Der Hufflepuff verstand nicht, worauf sie anspielte und gab infolgedessen vor, seine Zaubertränke-Zutaten zu ordnen. „Wir... wir sind im Schloss geblieben", versuchte Mary zu erklären. Und ich habe sie wie so eine Schlampe an einen Jungen, der nicht mal mein Freund ist, verloren... „Wir hatten eine wirklich tolle Zeit und... ich weiß nicht, ich habe einfach länger nichts von Donovan gehört. also habe ich gehofft, dass wenn wir heute Partner wären, wir die Möglichkeit hätten zu reden. Stattdessen bin ich bei dir und er bei dieser Schlampe Alexa Kyle und ich denke, er ist froh darüber."

Der Hufflepuff nickte. „Naja", sagte er langsam, ohne ihr in die Augen zu sehen. „Wenn er derjenige ist, der glücklich darüber zu sein scheint, Alexa Kyle als Partner zu haben, würde das nicht ihn zur Schlampe machen? Weil ich Alexa Kyle kenne und sie ist sehr nett. Sie hat mir im vierten Schuljahr Nachhilfe in Verwandlung gegeben."

„Das hast du erwähnt", sagte Mary, „Jungs können aber keine Schlampen sein."

„Ich wette, dass sie das können", antwortete er mit gedämpfter Stimme, was Mary zum Lachen brachte.

Mit einem letzten Blick hinüber zu Donovan Atwater richtete die Brünette ihre Aufmerksamkeit wieder zu diesem seltsamen Hufflepuff-Partner von ihr. „Wie heißt du eigentlich?"

„Reginald." Er schien überhaupt nicht überrascht. dass sie seinen Namen nicht wusste, obwohl sie in der gleichen Stufe waren.

„Reginald?" wiederholte Mary. Vielleicht konnte sie ihm bei seinem Nachnamen nennen. „Reginald wie?"

„Cattermole. Reginald Cattermole."

Oder auch nicht.

„Also wie nennen deine Freunde dich, Reginald Cattermole?"

„Tja..." er dachte darüber nach und sein Gesichtsausdruck dabei war schon beinahe süß. „Tja... meistens nennen sie mich ,Reginald'."

„Nun gut, Reg", sagte Mary. „Wir werden dir einen Spitznamen besorgen."

(Der Quidditch-Kapitän erhält einen Brief)

„Quidditchtraining ist abgesagt," informierte Adam McKinnon Donna Shacklebolt beim Mittagessen. Die Große Halle war ein grauer Ort an diesem Nachmittag. Trotz der orange leuchtenden Kürbislaternen, die herumschwebten, schien der bewölkte Himmel den gesamten Raum in Nebel zu tauchen, als Regentropfen vom Himmel fielen ohne irgendwas nass zu machen. Auf die Neuigkeiten, die ihr Mannschaftskamerad gerade geliefert hatte, legte Donna ihre Gabel nieder und runzelte die Stirn.

„Wo hast du das gehört? Und warum ist es abgesagt? Wir haben in zwei Wochen unser erstes Spiel."

„Black hat mir gesagt, dass ich es in der Mannschaft verbreiten sollte", antwortete Adam, als er neben Donna Platz nahm. Er zuckte mit den Achseln. „Er hat nur gesagt, dass Potter das Training abgesagt hat. Ich weiß nicht mehr als das."

„Potter sagt nie das Training ab", bemerkte Donna. „Er setzt zusätzliches Training an. Das ist seine Art. Darum ist er Kapitän. Fanatismus."

Marlene Price, Mary Macdonald und Lily Evans erreichten den Tisch. „Donna und Adam sitzen auf 'nem Baum..." sang Mary und Donna funkelte sie böse an.

„Werd erwachsen und geh weg", sagte sie, obwohl Mary keiner Aufforderung nachkam und gegenüber der beiden Platz nahm. Lily und Marlene taten es ihr nach.

„Worüber habt ihr zwei geredet?" fragte Marlene in einem versucht lockeren Ton, als sie sich einen Apfel nahm und niemandem in die Augen sah.

„Potter hat das Quidditchtraining abgesagt", informierte Donna sie. „McKinnon hat es weitererzählt. Und seit wann ist es eigentlich verboten, dass ich mit ihm rede?"

„Es ist nicht verboten," sagte Marlene, ein wenig selbstbewusster. „Ich hab bloß gedacht, dass es seltsam ist, das ist alles, weil du sonst nie mit Kerlen redest, Don... oder du weißt schon, überhaupt mit Leuten."

„Ich rede mit Leuten!"

„Leute, die Lily Evans heißen," half Mary.

„Ich frage mich, warum Potter das Quidditchtraining abgesagt hat", unterbrach Lily, auf diesen Punkt fixiert, auch wenn sie nicht wusste warum. „Nicht wegen dem Wetter, oder?"

„Potter würde uns in einem Wirbelsturm trainieren lassen", sagte Adam trocken und Donna nickte.

„Er hat wahrscheinlich schlechte Laune," sagte sie, „jetzt, wo ich daran denke, ich habe ihn gehen gesehen, als ich vor ein paar Minuten reinkam und er sah ein wenig sauer aus. Natürlich ist es schwer zu sagen. Und, Mary, ich rede mit vielen Leuten, die nicht Lily sind."

„Wie wer?"

„Naja... Lehrer, wenn sie Fragen im Unterricht stellen und..."

Ihre Begleiter fuhren fort zu zanken, aber Lily blieb uninteressiert. Wie Donna gesagt hatte, war der Quidditch-Kapitän in der Tat abwesend vom Gryffindortisch und - nach einem Moment innerem Kampf - stand Lily auf. Sich von ihren abgelenkten Freunden entschuldigend, verließ die Vertrauensschülerin eilig die Halle.

Sie wusste wirklich nicht, warum sie sich verpflichtet fühlte, James Potter nachzugehen... es war etwas, was man für seine Freunde tun würde und James war nicht gerade ihr bester Freund. Andererseits war er regelrecht nett in Verteidigung gewesen... und sogar hilfreich.

Als der Rotschopf in der Eingangshalle ankam, suchte sie so konzentriert nach James, dass sie Frank Longbottom nicht bemerkte und geradewegs in ihn hineinlief.

„Oh, es tut mir leid", rief der Schulsprecher, sie beim Arm packend, damit Lily nicht zu Boden fiel. „Geht es dir gut?"

„Gut? Oh, ja, mir geht's... hör zu, Frank, ich muss..." Lily war für einen Moment hin- und hergerissen und fuhr dann fort: „Ich muss mit dir reden. Ein wenig später... es ist sehr wichtig."

„Äh... ja, okay, ich habe jetzt Zeit, wenn du red..."

„Ich kann jetzt nicht. Ich seh dich später."

Und damit wich Lily zurück und bewegte sich hastig durch die gefüllte Halle. Unter der Voraussetzung, dass James in den Gemeinschaftsraum gegangen war, stieg sie die Treppen hinauf. Als sie höher und höher gelangte, traf Lily weniger und weniger Schüler. Fast jeder war beim Mittagessen, als sie den sechsten Stock erreichte. Ein kurzer Blick den Flur hinunter zeigte ihr, dass der Gang verlassen war. Ein zweiter Blick zeigte ihr jedoch, dass ein wenig weiter weg eine Figur stand, an die Wand gelehnt mit den Händen in den Taschen. Und es war James.

„Potter, geht es dir gut?" fragte Lily sich nähernd. Er schaute sie an, aber er schien ihre Gegenwart nicht völlig zu verstehen und Lily wusste, dass sie diesen Ausdruck auf seinem Gesicht noch nie gesehen hatte: eine schreckliche Mischung aus Wut und Schmerz und Verwirrung.

„Er... er zieht wieder ein", sagte James, als ob er die Worte, die er von sich gab, nicht ganz fassen konnte. „Er... er zieht einfach wieder zurück." Dann war der Quidditch-Kapitän wieder still und Lily wusste nicht, was sie sagen sollte. Das einzige, was sie wirklich verstand, war, dass der Blick in dem Gesicht dieses Jungen sie tief getroffen hatte und dass sie wünschte, dass sie es nie gesehen hätte. Plötzlich schien James zu bemerken, dass er nicht alleine war. Er zuckte zusammen, richtete sich auf und fuhr mit einer Hand durch sein Haar. In der anderen Hand bemerkte Lily ein zerknülltes Stück Pergament. „Es tut mir leid", sagte James, „Es tut mir leid... ich habe nicht... Ich sollte gehen."

Und eilig ging er.

(Kräuterkunde verläuft so ziemlich, wie normalerweise läuft)

(Und Mary Macdonald weist einen Ravenclaw ab)

James war zu seinem Normalzustand in Kräuterkunde an diesem Nachmittag zurückgekehrt. Oder jedenfalls war das, wie es schien. Er stand bei den anderen Rumtreibern und ließ einmal eine Stinkbombe in Samuel Averys Tasche fallen. Er erledigte seine Aufgabe, eine Gordyshotpflanze zu besäen, ließ dabei mindestens zwei schmutzige Witze über das Verfahren ab und bog es geschickt gerade, als Professor Puttman wissen wollte, warum mehrere Slytherins einen schrecklichen Geruch zu verströmen schienen.

Es war alles ziemlich normal, soweit Lily beurteilen konnte und das war nicht weit. Sie hatte sich einen Platz neben Marlene ausgesucht und Marlene war besonders schlau in Kräuterkunde, was bedeutete, dass sie nicht bemerken würde, ob Lily abgelenkt war oder James Potter auch nur überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit widmete.

Nicht, dass es wichtig war, da Marlene ebenfalls damit beschäftigt war, die Klasse zu beobachten. Die Blonde hatte bemerkt, dass Mary Macdonald einem Hufflepuff mit seiner Gordyshotpflanze half.

„Der Junge bei Mary," begann Marlene, als sie und Lily anfingen sauber zu machen, nachdem sie fertig waren, die nötigen Samen zu sammeln. „Er ist der Typ, der in dieser Nacht bei Adam war, ja?"

„Welcher Nacht?" fragte Lily nach, dann wurde es ihr klar und sie fuhr fort: „Oh, du meinst den Kerl, der ihn beinahe... springen sah?" Zusammenzuckend nickte Marlene. „Ja, das ist er. Sein Name ist Reginald."

„Er war heute morgen Marys Partner in Zaubertränke, richtig?"

„Richtig." Lily beobachtete die beiden. „Du denkst nicht, dass da was ist...?"

Marlene schüttelte ihren Kopf. „Ich traue Mary schrecklich viel zu," sagte sie, „Aber dieser Junge ist nicht mal annähernd genug... maryhaft."

Lily zuckte mit den Achseln. „Lass ihr Zeit. Sie ist erst sechzehn und sie ist..."

„Hübsch", schloss Marlene. „Ich weiß."

Am anderen Ende des Raumes waren die Rumtreiber dabei, an einem Waschbecken abzuwaschen. „Wisst ihr, was ich denke", fing Sirius nachdenklich an, „Ich denke nicht, dass es so eine Person wie Merlin gab. Ich wette, es ist alles erfunden worden... wie ein Mythos."

„Unsinn", sagte Remus, seine grauen Augen verdrehend. „Natürlich war er eine reale Person."

„Aber warum sieht er dann auf seinen Gemälden immer anders aus?" wollte Sirius wissen. „Und die Stimmen hören sich immer anders an."

„Das beweist gar nichts", argumentierte Mr. Moony. „Er war ein alter Mistkerl mit einem weißen Bart... keiner passt auf, wie die genau aussehen. Die Bilder wurden wahrscheinlich aus dem Gedächtnis gemalt."

„Oder aus ihrer Fantasie", schlug Sirius wissend vor. „Und das ist eine andere Sache - warum gibt es keine Porträts von einem jungen Merlin. Keiner stellt ihn sich als jungen Kerl vor."

„Weil er nichts Besonderes als junger Kerl erreicht hat", sagte Remus.

„Oder weil er nicht existiert hat, bis jemand ihn als alten Kerl erfunden hat", endete Sirius zufrieden. Wieder einmal rollte Remus mit seinen Augen, eine Bewegung, die in den letzten Jahren eine Art Angewohnheit geworden war. Immer noch mit Sirius darüber diskutierend, hörte er auf, seine Hände zu waschen und begann, zurück zum Tisch zu gehen, während Padfoot ihm folgte, zufrieden grinsend. Peter blieb zurück, während James den letzten Rest Dreck von seinen Fingernägeln spülte.

„Geht es dir gut, Prongs?" fragte Wormtail. „Du bist ein wenig vom Mittagessen verschwunden. Ist alles okay?"

James hörte auf seine Hände zu waschen. Er trocknete sie mit einem Handtuch. „Alles ist gut, Wormtail", sagte er, zum ersten Mal seit dem Beginn der Stunde verriet seine Stimme etwas anderes als Fröhlichkeit. „Mir geht es gut. Komm schon - ich habe noch eine Stinkbombe, die nach Mulciber schreit."

Peter widersprach nicht.

Als die Stunde zu Ende war, regnete es wieder und es gab einen lebhaften Andrang für Regenschirme. Sirius Black zauberte einen vom Schloss her und dehnte ihn dann aus, um Platz für alle vier Rumtreiber zu schaffen. Ein paar schlauere Schüler sprachen Regenabwehrsprüche und Lily hatte ihren eigenen Regenschirm am Anfang der Stunde mitgebracht. Er bot Platz um zwei Schüler trocken zu halten.

„Ich sage, wir lassen Mary für sich selbst sorgen", sagte Marlene. „Ihre Haare sehen nass genauso perfekt aus wie trocken... der Glückspilz."

„Ich gehe bloß sicher", antwortete Lily, darauf wartend, dass Mary fertig wurde, ihre Sachen einzupacken.

Ungeduldig werdend bemerkte Marlene Miles hinten im Gewächshaus und ging auf ihn zu.

„Hast du einen Regenschirm?" wollte Marlene von ihrem Freund wissen. Er schüttelte den Kopf und deutete zu seinem Zauberstab.

„Ich habe Magie, Marly", sagte er sarkastisch. „Du solltest es mal ausprobieren." Miles schwang einmal seinen Zauberstab, einen Spruch murmelnd. „Der Impervius-Zauber," informierte er sie. „Jetzt wirst du nicht nass, wenn du raus gehst. Ich seh dich heute Abend beim Fest." Und damit ging Miles.

Niedergeschlagen kehrte Marlene zu Lily zurück, die immer noch auf Mary wartete. „ich geh schon mal los", sagte die Blonde. „Impervius-Zauber", fügte sie auf Lilys fragenden Blick hinzu. „Bis später." Wie auch immer, Marlene hatte noch keine drei Schritte draußen gemacht, als sie Regentropfen in ihrem Haar spürte.

„Verdammt", fluchte die Blondine, ihren Zauberstab ziehend um ihren eigenen Impervius-Zauber zu sprechen, als der Regen aufhörte. Für sie zumindest.

„Forderst du die Elemente heraus?" fragte Adam McKinnon, erscheinend. Er hielt einen Regenschirm über ihren Kopf. „Gefährliche Sache hier, Price."

„Ich hatte einen Impervius-Zauber, aber es kann kein guter gewesen sein," antwortete Marlene, dankbar einen Schritt näher machend.

„Manchmal können ein oder zwei Regentropfen selbst durch den besten Impervius schlüpfen", tröstete Adam sie beiläufig.

„Naja, mir ist es egal. Miles hat ihn auf mich gelegt."

„Hmm... ich schätze, es war kein besonders guter Zauber, nicht?"

Marlene lachte. „Nein, ich schätze nicht:"

Währenddessen ging der Hufflepuff, mit dem Mary die Stunde verbracht hatte mit einem seiner Hauskameraden nach draußen und Mary selbst war gerade auf dem Weg zu einer geduldigen Lily, als etwas - eher, jemand - sie ablenkte.

„Hi, Mary", sagte Donovan Atwater. Er war gutaussehender, breitschultriger Ravenclaw und er näherte sich der Gryffindor mit einem Lächeln. „Sorry, wenn ich die Woche abwesend war... ich war in letzter Zeit ein wenig beschäftigt. Die Wochentage sind immer so hektisch."

„Kein Problem, Donovan," antwortete Mary und ihre Stimme hatte diesen süßen, flirtenden Ton, den sie oft annahm, wenn sie mit Jungs sprach. „Happy Halloween."

„Happy Halloween", antwortete der Ravenclaw. „Ich mag dein... deinen Schal, hier." Er zeigte auf ihr feurig orangenes Accessoire und sie dankte ihm kokett. „Also, ich hab mich gefragt, ob du heute Abend mit mir zum Halloweenfest gehen möchtest - als ein Date. Ich hatte viel Spaß am Samstag."

Mary dachte darüber nach. Er hatte ein hervorragendes Lächeln. Sie strahlte ihn an. „Das ist sehr süß von dir, Donovan, aber ich habe andere Pläne."

Verblüfft: „Oh. Wirklich? Ein - äh - ein Date?"

„Nein. Ich gehe bloß mit Marlene und Lily und Donna", sagte ihn Mary aufrichtig. Warum war das so... befriedigend?

„Tja", begann Donovan, sein Lächeln zurückkehrend. „sie sind deine Zimmergenossinnen. Ich wette, sie hätten nichts dagegen, wenn du den Abend mit mir verbringst."

„Ich bin mir sicher, dass sie nichts dagegen hätten", sagte Mary. „Aber ich bin nicht sehr daran interessiert, ein Wochenendprojekt von dir zu sein." Damit drehte sich die Hexe um und schloss sich Lily an, die neugierig blickte.

„Was war das?" fragte sie, als sie in Richtung Schloss gingen. „Hat dich Donovan Atwater wieder auf ein Date eingeladen?"

Mary nickte. „Ich habe ,nein' gesagt."

„Wirklich?"

„Ja."

„Ich habe gedacht, du magst ihn."

„Habe ich auch."

„Warum hast du dann ,nein' gesagt?"

Mary dachte über die Frage nach und lächelte dann. „Weil er eine Schlampe ist."

Lily lachte. „Eine Schlampe?" wiederholte sie. „Du hast immer gesagt, Kerle könnten nicht ,Schlampen' genannt werden." Die Brünette zuckte bloß mit den Schultern. „Mary Macdonald, ich denke, du entwickelst dich weiter."

„Du könntest Recht haben, Lily. Es musste irgendwann passieren."

(Ein Gespräch mit dem Schulsprecher)

Vielleicht als Bemühung, die Schüler von Hogwarts von der ernsten Situation in der Welt draußen oder vielleicht um die Schüler von Hogwarts von der ernsten Situation der Schule selbst abzulenken (Lathes Untersuchung hatte sich bis jetzt als weniger ertragreich herausgestellt), war das Halloweenfest in diesem Jahr besonders hervorragend. Es gab mehr Essen, besseres Essen, mehr raffinierte Dekorationen und die Geister führten etwas auf, was eine sehr dramatische Version des Elderstab-Märchens sein sollte, aber - durch Peeves' Teilnahme - mehr als eine komische Wendung nahm.

Als jeder Platz genommen hatte, um das köstliche Essen, das für sie serviert wurde zu essen, bemerkte Lily, dass Luke Harper den Platz zu ihrer Rechten nahm. Er küsste sie auf die Wange und Lily realisierte, dass sie in den zwei letzten Tagen tatsächlich kein Wort mit ihm gesprochen hatte. Sie lehnte sich zu ihm und küsste ihn viel leidenschaftlicher auf die Lippen.

Er lächelte, als sie sich voneinander trennten (Donna - die in der Nähe saß - verdrehte die Augen) und fragte: „Wofür war das?"

Hauptsächlich Schuldgefühle. „Du bist ein guter Freund, deshalb", antwortete Lily. Luke schenkte ihr ein Glas Kürbissaft aus: eine unnötige, aber nicht unbedingt nervige Geste. „Warum bist du an diesem Tisch?"

„Keiner passt an Feiertagen auf Hausformalitäten auf", sagte er fröhlich. „Du hast doch nichts dagegen, oder?"

„Nein, natürlich nicht."

„Gut. Natürlich wird das Essen nicht so gut sein, wie es normalerweise bei solchen Festen ist." Luke suchte sich ein ziemlich großes Stück Schinken aus. „Sie haben es von irgendeinem Laden in London bestellt, statt von dem Geschäft meiner Familie in Hogsmeade."

Lily fragte höflich nach, warum das gemacht wurde und während Luke mit der Erklärung begann, warf Lily einen Blick hinüber zum Tisch der Slytherins. Snape sah nicht zu ihr, aber er saß alleine. Dann, mit noch weniger Grund, ertappte sich Lily dabei, wie sie nach den Rumtreibern suchte. James begleitet von den üblichen anderen drei, schien perfekt gute Laune zu haben. Sie hatte kein Kontakt mit ihm gehabt, seit seinem seltsamen Ausbruch beim Mittagessen.

„... Jedenfalls ist das, was meine Schwester in ihrem Brief gesagt hat," endete Luke seine Geschichte und Lily nickte.

„Das ist..." Zu schade? Gut? Was hat er gesagt? „... interessant."

„Das ist das Geschäft," antwortete Luke achselzuckend. In dem Moment sah Lily, wie Frank Longbottom mit Alice an seiner Seite die Halle hereinkam. Eine Welle der Besorgnis überkam sie, als sie erkannte, dass sie ihn heute Abend konfrontieren musste. Luke konnte nicht anders, als die plötzliche Unruhe seiner Freundin zu bemerken. „Geht es dir gut, Lily?"

„Was? Ja, mir geht's gut. Da ist bloß... etwas, dass ich machen muss. Es ist eine... eine Vertrauensschülersache. Mit graut nur irgendwie davor, das ist alles."

„Kann ich irgendwie helfen?" stellte sich der Ravenclaw freiwillig zur Verfügung. Lily riss ihre Augen von Frank und konzentrierte sich stattdessen auf Luke Harper.

Nein. Da war nicht wirklich was, dass er tun konnte, oder? Sie überlegte, eine abgeänderte Version der Geschichte zu erzählen... nach seiner Meinung zu der Situation zu fragen, aber dann schien das auch wieder unnötig. Sie wusste bereits genau, was sie zu tun hatte und sie konnte sich damit zurückhalten, weil sie, um die Wahrheit zu sagen, das Problem bereits erörtert hatte.

Mit James Potter.

„Frank!"

Lily holte den Schulsprecher nach dem Fest ein, als die Schüler ihren Weg nach oben zu ihren Gemeinschaftsräumen machten, ihren Bauch zum Platzen voll (mit ausgezeichnet gutem Essen, egal, was Luke Harper sagte). Er lächelte sie wohlwollend an, während sie darauf wartete, dass andere Schüler auf der Treppe an ihr vorbeiliefen.

„Hi, Lily", grüßte er. „Du wolltest mit mir reden, richtig? Oh, und während du hier bist, ich habe mich gefragt - und normalerweise würde ich das nicht fragen - aber ich habe mich gefragt, ob du deine Nachtwache mit Bertram Aubrey tauschen könntest, da..."

„Ich weiß Bescheid, Frank:"

„Du weißt…?"

In einem Bruchteil einer Sekunde ließ sich Lily alles durch den Kopf gehen. Sie dachte an Alice und sie dachte an Carlottas Lächeln, als sie im Schlafsaal saßen und ihre neue Liebe besprachen und sie dachte daran, wie lange sie Frank kannte und sie dachte daran, wie - vor so vielen Jahren - Frank Wochen damit verbracht hatte den Mute zu sammeln, nur um mit Alice zu sprechen und sie dachte daran, dass sie diesen Freund vielleicht verlieren könnte.

„Ich weiß von Carlotta", unterbrach Lily ihn. Franks Gesichtsausdruck veränderte sich drastisch, die lockere Herzlichkeit innerhalb von Sekunden zu kompletten Schock verschwindend. „Ich weiß, was in den Ferien passiert ist und was am Sonntag passiert ist und ich kann es nicht mehr zurückhalten."

„Lily", begann Frank zittrig, „es war ein Feh..."

„Bitte, nicht", fuhr Lily laut fort. „Bitte, ich kann es nicht mehr aushalten. Wenn es vorbei ist,... wenn es wirklich vorbei ist mir Carlotta, dann musst du mit Alice sprechen. Wenn nicht, dann sage ich es Alice, weil es nicht fair für sie ist."

„Ich weiß das und..."

„Es ist nicht fair, weil sie dich liebt und du das von ihr geheim gehalten hast und es nie... ich meine, nie eine Entschuldigung gibt, jemanden zu betrügen." Frank war still. „Du musst es ihr sagen, Frank. Heute Abend. Jetzt."

Er war immer noch still und dann schaute er auf um ihr in die Augen zu sehen. „Das werde ich."

(Lily Evans lernt, dass James Potter zu viel raucht)

Wirklich, es war irgendwie ein lustiger Anblick. James Potter lag einfach da, ausgestreckt auf dem Gryffindortisch mit einer Zigarette zwischen zwei Fingern, als er sie zu seinen Lippen hob und einen Zug nahm. Seine haselnussbraunen Augen waren fest auf den sich verändernden Himmel gerichtet - eine Masse von schwarzem Nichts, weißem Sternenlicht und schweren Wolken, die sich zu bewegen schienen. Es war spät und die Gefahr, erwischt zu werden, war gering, aber er hätte aufmerksamer sein sollen, dachte Lily, da er sie nicht einmal die Halle betreten hörte. Er hörte sie überhaupt nicht, bis sie sprach.

„Du rauchst."

Er zuckte zusammen und schaute umher. Dann - als er bemerkte, dass es nur Lily war - legte er seinen Kopf wieder auf die zigarettenlose Hand.

„Soll ich mir eine wirklich geistreiche Bemerkung ausdenken, in der ich dir sagen kann, wie effizient du die offensichtlichste Aussage der Welt machst oder würde dir ein einfaches ,Tja, offensichtlich' reichen?"

„Ich verstehe, warum du rauchst," sagte Lily trocken, „du bekommst davon so eine gute Laune."

James wartete, als sie sich dem Tisch näherte: er wartete auf einen Satz, den ungefähr jedes andere menschliche Wesen machte, wenn sie von seiner Zigarettensucht erfuhren. Er erwartete die klischeehafte und reichlich offensichtliche Beobachtung, die sich normalerweise so ähnlich anhörte wie: „Diese Dinger werden dich umbringen, weißt du." Sie kam nicht. Lily erreichte den Gryffindortisch und setzte sich auf die Bank, komplett unberührt von der Tatsache, dass er auf dem Tisch lag (oder jedenfalls ihre Klappe darüber haltend). Tatsächlich blieben sie in dieser Weise für eine Weile, komplett still, bis James den Drang verspürte, etwas zu sagen.

„Hör zu, wegen früher..." begann er, darauf hoffend, dass sie ihn unterbrechen würde, aber sie tat es nicht. „Im Flur beim Mittagessen, ich... es war nichts. Ich hatte bloß einen kurzen Moment und... es war nichts..."

„Was ist passiert?" fragte Lily leise nach.

„Meine Mum hat geschrieben", erzählte James ihr, unsicher warum. „Sie war bloß... sie hat gesagt, dass mein Dad wieder bei uns daheim einzieht... er und Mum hatten sich im Sommer getrennt und jetzt schätze ich, dass er... zurück ist."

Lily spürte, dass sie etwas hörte, was bis jetzt noch nicht laut geäußert wurde. Sie nickte langsam, versuchte nicht zu geschockt zu wirken, weil, in Wahrheit, die einzigen Worte, die ihr in den Sinn kamen, zur Zeit komplett unpassend wären. Nichtsdestotrotz gingen ihr diese vier Worte immer und immer wieder durch den Kopf, wie eine kaputte Schallplatte, bis sie ihr Zögern ihnen Glauben zu schenken, überwand.

James Potter ist menschlich.

„Es tut mir leid, wenn das etwas ist, was dich unglücklich macht," sagte sie schließlich. „Tut es mir wirklich."

James antwortete nicht. Stattdessen fragte er nebenbei. „Also, wie hast du mich gefunden? Oder war es Schicksal?"

„Sirius Black, eigentlich." sagte Lily ihm. „Er hat mir gesagt, dass ich dich hier finde."

„Warum hast du nach mir gesucht?" wollte der der andere mit einem Anflug von Belustigung, der Lily unruhig machte, wissen.

„Um dir zu danken", sagte sie direkt. „Du warst sehr anständig in Verteidigung und ich dachte, ich sollte dir dafür danken - und für den Rest. Sieh es als positive Konsequenz." Das brachte James zum Lachen, was Lily lächeln ließ, obwohl er es nicht sah, weil er immer noch auf dem Tisch lag, seine Augen auf die zum Himmel verwandelte Decke, während sie ordentlich sitzend auf der Bank blieb. James korrigierte diese Situation einen Moment später, indem er sich aufsetzte und Lily drückte sich im Gegenzug hoch um sich neben ihm auf den Tisch zu setzen.

„Kann ich dich was fragen?" fragte sie, als er einen langen Zug von der Zigarette nahm. James sagte, dass sie das konnte. „Warum willst du nicht, dass dein Dad wieder einzieht? Ich meine, ich gebe nicht vor, viel über dich zu wissen, aber... bloß meine eingeschränkte Erfahrung und Wissen von dir und von Sirius und was nicht... es schien bloß, als ob du und deine Familie immer ziemlich gut miteinander klargekommen seid. Das erste Mal, das ich dich getroffen habe... im Zug im ersten Jahr... du hast gesagt, dass der Grund, warum du nach Gryffindor wolltest, dein Dad war."

James atmete aus. Zigarettenrauch wirbelte hinauf zum schwarzen Nachthimmel. „Ich habe die meiste Zeit meines Lebens Dad vergöttert", begann der Zauberer nachdenklich. „Ich wollte wie er sein, wenn ich erwachsen war. Ich wollte seine Position im Ministerium und ich war stolz, weil Mum sagte, dass ich wie er aussah. Ich weiß nicht, wann genau ich erkannte, dass er Mum unglücklich machte, aber... sie passen einfach nicht zusammen. Ich sage nicht, dass es sein Fehler oder ihr Fehler ist. Aber, ich weiß nicht, irgendwann sieht ein Kind seine Eltern als tatsächliches Paar... nicht bloß als seine Mum und sein Dad, sondern als Leute und... als Leute passen sie nicht zusammen. Sie sind einfach... sie sind einfach falsch. Sie zanken und ich weiß, dass sie getrennt glücklicher wären: Dad mit seiner Zeit für sich allein und Mum ohne... ohne sich fragen zu müssen, ob sie das Abendessen warm halten soll." Ein weiterer langer Zug.

Lily versuchte sich vorzustellen, jemals selbst so etwas über ihre Eltern zu denken. „Mein Dad ist tot", sagte sie schließlich. James schaute zu ihr. „Du könnest es vielleicht schon wissen - ich war in der Vierten eine Zeit lang nicht in der Schule und so was spricht sich immer schnell herum."

„Ich hatte es vergessen", gab James zu.

„Richtig, tja... er war nicht perfekt oder besonders, mein Dad, er war... er war bloß normal." Lily bemühte sich, alles mit den richtigen Worten auszudrücken. „Er und Mum zankten sich manchmal. Er hatte auch ein Glücksspielproblem... kein richtiges, wie, als ob er unser ganzes Geld verliert oder so, aber Glücksspiel war immer so eine Versuchung für ihn, also konnte er nicht zu Rennen oder so etwas gehen. Er hat auch ein wenig getrunken. Meistens konnte er damit umgehen, aber dieses eine Mal, als ich ungefähr... ich weiß nicht, sieben war, vielleicht, hat er seinen Job verloren und ist ausgegangen und hat sich vollkommen volllaufen lassen. Natürlich will ich nicht, dass du denkst, meine Eltern wären unglücklich gewesen, weil sie es nicht waren... überhaupt nicht. Sie waren eins dieser Traumpärchen, von dem jeder hofft, dass ihre Eltern es sind, aber... weißt du, die Dinge sind nicht immer perfekt. Sie stritten sich auch über die lächerlichsten Dinge, weißt du, wie... dass Dad im Haus raucht oder dass Mum zu viel arbeitet. Dieses eine Mal, als sie einen Streit über - ich weiß nicht - Geld oder so hatten und Mum so aufgebracht war, dass sie in ihrem Zimmer geweint hat und ich so wütend auf meinen Dad war, dachte ich: ,Wenn ich Bilder in der Schule male und der Lehrer sagt, dass wir es unseren Dads mitbringen sollen, werde ich es ihm nicht geben.' Ich war sechs, also war sich der heiligen Anweisung des Lehrers zu widersetzen das Verletzendste, was ich mir vorstellen konnte, meinem Vater anzutun. Und natürlich, wie ich sagte, ich war sechs, also als er Eis für mich und Petunia und Blumen für meine Mum heimbrachte, war alles vergeben, aber... ich denke, das war wahrscheinlich das einzige Mal in meinem ganzen Leben, dass ich jeden Fitzel Wut in mir genommen habe und ihn auf ein einzelnes Objekt gerichtet habe. Ich wollte ihm wirklich einfach nur wehtun. Es war... beängstigend." Lily atmete aus.

James wartete lange, bis er sprach. „Ich weiß wirklich nicht, worüber du sprichst, Keks", sagte er schließlich.

„Ich sage", drängte Lily unverzagt, „dass mein Dad nicht perfekt war... längst nicht, aber er ist jetzt tot und ich würde alles geben um ihn zurückzuhaben."

Unfähig, eine richtige Antwort zu erdenken, starrte James auf seine langsam schwindende Zigarette. „Das ist großartig und alles, Evans", begann er grob, „aber das ist überhaupt nicht dieselbe Situation, weißt du, und..."

„Oh, ich weiß", unterbrach ihn Lily auf einmal, „Nein, ich war bloß... ich wollte dir bloß etwas erzählen, weil du mir etwas erzählt hast."

„Ich weiß nicht, warum ich dir das erzählt habe."

„Weil ich hier bin und ich ein hübsches Mädchen bin", sagte Lily, was James grinsen ließ. „Warum rauchst du?" fragte sie beiläufig.

Er dachte über die Frage nach. „Ich mag, wie es aussieht."

„Gott, das ist der dümmste Grund."

„Nein, so habe ich es nicht gemeint", korrigierte James hastig. „Schau." Er nahm einen Zug und atmete aus. Eine Säule silbernen Rauches ergoss sich, sich drehend und schwirrend gegen die Wände der verdunkelten Halle, als ob sie von einer unsichtbaren Macht getrieben wurde. „Siehst du?" fragte James leise. „Du musst zugeben, da ist etwas Faszinierendes an dem Rauch."

Lilys Augen wechselten von dem Rauch zu James. „Aber es ist immer noch ein ziemlich dummer Grund", sagte sie offen. „Aber wenigstens ist er interessant." Und vielleicht hatte er Recht.

„Danke." Er kam gut voran mit der Zigarette und Lily beobachtete den Rauch. „Ich schätze, du hast auf das gehört, was ich dir in Verteidigung gesagt habe, dann?" fragte James nach einer Weile. „Du hast mit diesem Kerl mit der Freundin geredet?"

„Ja. Ich schätze, jeder wird früh genug alles darüber wissen... ich werde die Überraschung nicht für dich verderben."

„Mach dir nicht so viele Sorgen darüber," riet der andere. „Ich meine, wenn du beiden so füreinander bestimmt sind, wie du denkst, dass sie es sind, werden sie es überstehen."

„Ich kann nicht glauben, dass ich so ein Feigling bei der ganzen Sache war", beklagte sich Lily. „Ich hätte einfach direkt was sagen sollen. Ich hab mich bloß selbst belogen: es gibt nie eine Entschuldigung jemanden zu betrügen."

„Ich schätze nicht", sagte James.

Weißt du es nicht?"

„Ich weiß nicht... das Leben ist kompliziert. Ich schätze, es gibt keine Entschuldigung, die Dinge machen nicht immer Sinn. Vielleicht wäre Mitgefühl die bessere Wahl gewesen."

Lily teilte diese Meinung nicht, aber mit James so zu sitzen war seltsam beruhigend und sie wollte das nicht mit einem Streit kaputt machen. Sie schaute der orange glühenden Glut am Ende seiner Zigarette zu und wartete darauf, dass er wieder sprach. Seine Zigarette war zu Ende, bevor er es tat und es war zu einem neuen Thema. „Er ist einfach gegangen, weißt du..."

Überrascht fragte Lily: „Dein Dad?"

James nickte. „Ich meine, er hat meiner Mum Bescheid gesagt und alles, aber er hat nicht mal bei meinem Zimmer Halt gemacht um ,Tschüss' zu sagen. Am nächsten Morgen war er einfach nicht mehr da."

„Vielleicht dachte er, dass es zu schwer wäre zu gehen, wenn er dich sähe", schlug Lily vor. James schüttelte den Kopf, höhnisch amüsiert.

„Wahrscheinlich wusste er, dass ich ihn nicht sehen wollte. Dad und ich sind die meiste Zeit des Sommers nicht miteinander klargekommen... er war auf einer Art ,Disziplin'-Trip. Versuchte mir zum ersten Mal Hausarrest zu geben und so was. Er muss einen Elternratgeber gelesen haben... endlich."

„Disziplin? Stell dir das vor!"

„Ich weiß, richtig?"

Lachend sagte Lily: „Also ich erkenne, dass es in deiner Kindheit nicht so viel Bestrafung gab?"

James seufzte. „Ich will nicht, dass du denkst, dass ich eine Art ,armer kleiner reicher Junge' bin, weißt du. Meine Eltern haben mich geliebt... die Kindheit war relativ undramatisch. Sie haben nie versucht mich zu kontrollieren oder mir zu sagen, was ich tun soll - ich hatte die besten Besen und Haustiere und Familienerbstücke. Und, für die meiste Zeit, waren meine Eltern in Ordnung... die Zeiten waren... verrückt und mein Dad ist in der AMSV... das ist die Abteilung für Magische Strafverfolgung, was bedeutet, dass die ganze Zeit nur gearbeitet hat. Mum hat nicht wieder angefangen zu arbeiten, bis ich in Hogwarts angefangen habe und zu der Zeit hatte sie ein Kind aufgezogen und war erwachsen geworden. Dad... er hat bloß das Geld reingebracht. Nicht, dass wir es bräuchten, nebenbei, weil wir verdammt stinkreich sind."

„Elegant."

„Ich werde nicht lügen", sagte James, „ich könnte jeden Tag hundert Galleonen ausgeben ohne einen Knut zu verdienen und ich würde mir jahrelang keine Sorgen machen müssen."

„Das ist verrückt. Also was wirst du machen, wenn Hogwarts mal abgehakt ist? Du wirst dir wahrscheinlich keine Sorgen über die Miete machen... wirst du dich mit Magazinen und Berties Botts hinsetzen?"

„Quidditch", antwortete der andere, „Ich würde gerne Quidditch spielen." Aber er merkte, dass er darüber noch nicht so gerne sprechen wollte, als leitete er die Frage um: „Was ist mit dir?"

„Ich will schreiben", sagte Lily.

„Edel", kommentierte James. „Eine edlere Profession als meine auserwählte, schätze ich. Also, was, der Tagesprophet? Oder bist du eher eine Romanautorin?"

„Tja, ich werde mir leider Gedanken um meine Miete machen müssen", erklärte Lily, „und Romane sind kaum ein praktischer Weg um dort einzusteigen."

„Praktisch ist langweilig."

„Praktisch ist notwendig."

James zuckte mit den Achseln. „Nun, ich bin froh, dass ich nicht die ganze Zeit danach lebe, was ,praktisch' ist. Ich wäre zum Tode gelangweilt. Weiß nicht, wie du es schaffst, Keks."

„Du hättest wahrscheinlich keine vierundsiebzig mal Nachsitzen gehabt, wenn du ein wenig mehr praktisch veranlagst wärst, Potter."

„So? Ich habe fast jede einzelne Sache, die mich in Nachsitzen gebracht hat, ungeheuer genossen. Ich würde nichts davon zurücknehmen."

Lily schaute ihn an und er bildete sich ein, dass sie ein wenig enttäuscht aussah. „Würdest du nicht? Überhaupt nichts?"

Und er wäre ein Lügner gewesen, wenn er in diesem Moment gesagt hätte, dass er überhaupt nichts bereute. „Vielleicht ein paar Dinge", gab der Quidditch-Kapitän zu. „Ich schätze, dass ich nicht immer der Inbegriff der Nettigkeit war und da sind ein, zwei Hufflepuffs, die ich... ich weiß nicht... ich vielleicht nicht verhexen würde." Ein Gedanke kam ihm: „Vielleicht sollte ich mir noch einmal Nachsitzen einhandeln. Ich schätze, von der Schule geworfen zu werden, würde sie ziemlich sauer machen, ja?"

Lily verdrehte die Augen. „Ich verbiete dir, dich selbst rausschmeißen zu lassen, nur um deinen Eltern auf die Nerven zu gehen", sagte sie.

„Du verbietest mir? Mit welchen Gründen?"

„Ich weiß nicht... mein Verstand, zum ersten. Und wer würde Sirius an der Leine halten?" James grinste. Lily wurde leicht rot. „Hör zu, Potter" begann sie gegenwärtig, „was - was tun wir eigentlich hier genau?"

„Ich rauche. Du stalkst-strich-verurteilst mich."

Ihre Arme verschränkend hob Lily ihre Augenbrauen. „Zu allererst: falsch. Zweitens, das habe ich nicht gemeint. Ich meine... heute waren wir... okay. Du hast mir einen guten Rat gegeben und ich bin diesem Rat gefolgt und jetzt sitzen wir hier, reden, als ob wir..." Aber sie konnte sich nicht dazu bringen, das Wort zu sagen: „... keine Feinde sind."

„Braucht alles eine Definition, Evans?" fragte James mit einem Seufzen. Lily schüttelte energisch ihren Kopf.

„Ich sage nicht, dass wir beste Freunde sein sollten", argumentierte sie, „ich bin bloß... ich will bloß Beständigkeit. Wenn du manchmal nett zu mir sein wirst, will ich eine Warnung. Wenn du mir sagen wirst, dass ich ein Idiot bin und mich ohne Grund schlecht machst, will ich eine Warnung, damit ich ein paar schön große Steine in meine Büchertasche packen kann um sie dir von Zeit zu Zeit an deinen Kopf zu schleudern. Ich... du verwirrst mich und ich hasse es und es lässt mich dich unsympathisch finden, selbst... besonders wenn du ein netter Typ bist. Was..." fügte sie hastig hinzu, „sehr selten ist, aber da hast du es."

James schaute sie sehr genau an. In dem gedimmten Fackellicht und künstlichen Mondschein schien Lily Evans gerade nur perfekt und James wusste, was er wollte, aber er wusste auch, dass es das letzte Mal in einer sehr langen Zeit sein würde, dass sie so nahe sitzen würde, wenn er ihr gerade jetzt die Wahrheit sagte. Stattdessen sagte er auf Nummer sicher: „Naja, was willst du, das ich sage?" Und vielleicht kam es ein wenig härter heraus, als er wollte, aber... nur ein wenig.

Lily bemerkte, dass sein Ton eine unmissverständliche Schärfe hatte, aber für welchen Grund auch immer, erkannte sie, dass es ihr egal war. Sie dachte, dass sie sich vielleicht an seine Schärfe gewöhnen könnte. „Mir ist es egal, was du sagt", informierte sie ihn kühl. „Aber ich will irgendwie mit dir befreundet sein."

(Hier war sogar Lily überrascht von Lily.)

„Oh." Und einmal war James sprachlos.

„Aber mir ist es egal", fuhr sie fort. „Wenn du ein Arschloch zu mir und allen anderen sein willst, das ist dein Recht, aber... tja... ich denke, es würde dir nicht wehtun, wenn du einfach einen Dämpfer bekommst. Und wenn du dir ein wenig Anerkennung zollst. Und diese scheinen widersprüchliche Ideen zu sein, aber sie sind es nicht. Also..." Lily rutschte vom Tisch und machte sich ihren Rock glättend bereit, die Halle zu verlassen. „das ist, was ich fühle. Aber es hängt ganz an dir."

Die Rothaarige begann zu gehen. Sie hatte ungefähr ein Viertel der Halle durchschritten, als James sagte: „Keks." Lily drehte sich um, die Hände in den Taschen ihres Umhangs. „Wie - wie ist dein Dad gestorben?"

(Unsicher) „Warum fragst du?"

„Weil... ich dir etwas anderes über mich erzählt habe und du mir etwas anderes über dich erzählen solltest." Die Hexe schien unüberzeugt. „Und weil es etwas ist, dass man über seinen... potenziellen Freund wissen sollte." James führte die Zigarette zu seinen Lippen um die Stille zu füllen. „Wie ist er gestorben?"

Lily kaute für einen Moment auf ihrer Lippe. Ohne eine Spur Verbitterung, Urteil oder irgendwas wirklich, abgesehen von Ironie, antwortete sie: „Lungenkrebs." Dann war sie weg.

(Das zweite Gespräch)

Severus hatte sich entschieden. Er wusste es. Vielleicht hatte er es immer gewusst oder vielleicht war es der Anblick, auf den er so unglücklicherweise in der Großen Halle gestolpert war, einfach die Manifestation einer seiner allerschlimmsten Alpträume. So und so hatte sich Severus Snape noch nie so übel gefühlt, wie in dem Moment, als er den Slytherin Gemeinschaftsraum am späten Freitagabend betrat.

Er hatte sich entschieden... aber vielleicht hatte er auch schon entschieden. Vielleicht war der Anblick von Lily Evans und James Potter in der Großen Halle plaudernd wie die besten Freunde einfach ein Stupser auf den Weg, für den er sich schon viel früher entschieden hatte. Vielleicht war es eine Ausrede oder vielleicht war es bloß eine nötige Woge des Mutes. So und so war aller Zweifel weggewischt, als Severus Augen auf Nicolai Mulciber fielen, der beim Feuer saß und seine Hausaufgaben in Verwandlung fertig machte.

„Ich habe mich entschieden", sagte Severus Mulciber.

Der letztere hob seinen Blick von seinen Hausaufgaben. „Hast du das?"

„Ja", sagte Snape. „Ich habe mich entschieden, dass ich komme."

„Ich bin froh. Du bist ein schlauer Kerl, weißt du."

„Wann gehen wir los?"

„Triff uns hier um halb zwölf, morgen Nacht."

Langsam nickend und fühlend, dass dies hier sehr wichtig war, sagte Snape: „Ich werde da sein."