Leon S. Kennedy 1977: Ich bin gespannt, was du vermutest. :)
frozenheart7: Maybe that man is Wesker, we will see. :)
So schnell sie konnte rannte Claire zurück. Sie konnte Schüsse hören und Leute durcheinander rufen.
Chris, Jill, Leon, Helena und Ada feuerten unablässig. Barry war nicht zu sehen. Man konnte nur seine Schrotflinte hören und das Kreischen der Monster.
„Barry, wo bist du?"
Ein Zombie wurde mit zerfetztem Kopf ins Wasser geschleudert und Barry erschien.
„Chris, ich bin hier. Wo ist Claire?!"
„Ich weiß nicht, ich sehe sie nicht!", rief Chris und verpasste einem Monster ein paar Kugeln genau ins Jochbein.
„Chris, das schaffen wir nicht!", meinte Jill, während sie eilig ihr Magazin wechselte. „Wir müssen sie an die Oberfläche zurücklocken!"
Ada tötete die meisten Zombies mit ihrem Bogen und den explosiven Pfeilen. Sie zielte zwischen die Augen und die Köpfe wurden weggesprengt. Leon hielt eine Horde, die aus einem Tunnel auf sie zugestürmt kam, mit einer Maschinenpistole in Schach.
„Chris!"
„Claire!"
Es war Claire. Barry schoss ihr mit der Schrotflinte den Weg frei, sodass sie zur Gruppe zurückkonnte.
„Chris, wir müssen gehen, da hinten kommen noch viel mehr!", rief sie und duckte sich im Kugelhagel, der über sie hinwegfegte.
Sie verschossen ihre letzte Munition, dann blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu laufen.
„Fresst das!", rief Barry und zündete eine Blendgranate, ehe sie in den Tunnel zurückstiegen.
Die Monster heulten vor Zorn auf, als sie geblendet wurden, und sie bekamen durch die Verzögerung einen kleinen Vorsprung. Aber es dauerte nicht lange und die Zombies setzten ihnen schnell nach.
„Ich glaube, wir brauchen einen Sprengsatz", sagte Helena. „Vielleicht eine Handgranate!"
„Ich habe eine!", rief Chris und ließ sich ans Ende der Gruppe zurückfallen. Eilig griff er an seinen Gürtel, wo eine Handgranate befestigt war, zog den Stift und warf sie hinter sich. „Lauft!"
Im Laufen hielten sie sich die Ohren zu. Die Explosion riss Teile des Tunnels ein. Ein paar Monster wurden kreischend zerrissen, doch schon bald darauf folgte eine weitere Horde.
„Die sind überall!", rief Claire.
„Es sind zu viele, wir müssen raus!", rief Leon und sie rannten weiter, die Monster dicht auf den Fersen.
„Lex, hörst du mich?!", fragte Leon in sein Mikrofon. „Macht euch bereit, wir locken die Viecher raus!"
Lex´ Antwort ging in statischem Rauschen und Schüssen unter, die laut von den Wänden der Tunnel widerhallten.
Sobald sie die Leiter erreicht hatten, kletterten sie eilig nach oben. Leon blieb bis zuletzt und entlud ein weiteres Magazin in die herannahende Herde, dann stieg er selbst hinauf. Eines der Monster packte seinen Stiefel und riss ihn zurück.
„Nimm das!" Er trat kräftig nach unten und erwischte einen Zahn des Zombies.
„Leon!"
Chris reichte ihm die Hand und zog ihn aus der Kanalöffnung heraus nach oben, gerade rechtzeitig, bevor die blutdürstigen Monster an die Oberfläche zurückkamen.
Die Soldaten und Agenten hatten sich bereits positioniert und schossen.
„Ihr müsst die Granaten nehmen!", wies Leon sie an.
Der Spuk dauerte nur wenige Minuten. Die gewaltigen Explosionen kurz hintereinander rissen ein riesiges Loch in die Straße, aber hatten genug Kraft, um den Rest der Monster zu erledigen. Bewegte sie dann noch etwas, wurde es vom Militär niedergeschossen.
„Leon, geht's euch gut?", fragte sein Kollege Lex, sichtlich erleichtert, als er sie alle wiedersah. Sie waren bis auf ein paar Schrammen unversehrt.
„Ja, aber das war ganz schön knapp. So war das nicht geplant", sagte Leon, vom Laufen völlig außer Atem. „Ich glaube aber, wir haben jetzt alle Viecher."
Schwer atmend und den Schrecken noch in den Gliedern ließen sie sich am Straßenrand nahe der Straßensperren nieder. Rauchschwaden von den Granaten waberten noch durch die Luft. Die gesamte Straße war aufgerissen. Ein paar Leitungen waren zerfetzt worden und versprühten Wasser.
„Das war… nicht gut, Chris. Das hätte schief gehen können", sagte Jill. „Wir waren viel zu unvorsichtig. Wir hätten uns niemals trennen dürfen. Barry oder Claire hätte etwas passieren können!"
„Ja, wir…" Ehe er weitersprechen konnte, vibrierte Chris´ Handy.
„Christopher, Rebecca hat endlich ihre Untersuchungen abgeschlossen", sagte O´Brian. „Sie kann uns jetzt Genaueres sagen."
„Gut, wir machen uns sofort auf den Weg zurück."
New York
Chris, Jill, Claire und Barry waren zurück nach New York in die B.S.A.A.- Zentrale geflogen, wo sie jetzt zusammen mit O´Brian und den beiden D.S.O.- Agenten die Lage besprachen und auf Rebecca Chambers warteten. Ingrid Hunnigan, die Leon und Helena mit ihnen geschickt hatte, war per Videoübertragung zugeschaltet. Nur Ada Wong hatte es vorgezogen, in Washington zu bleiben und Chris war insgeheim froh darum. Leon hatte noch versucht, sie davon zu überzeugen, mitzukommen, doch sie hatte es mit der Begründung abgelehnt, sie wolle ihre eigenen Nachforschungen anstellen. Wenn etwas Hilfreiches dabei herauskam, dann sollte es Chris recht sein.
Sie saßen im Konferenzraum um den großen Tisch.
„Die Viecher sind verdammt schwer zu töten", sagte Chris. „Mit Waffengewalt ist ihnen kaum beizukommen. Erst die Granaten haben zuverlässig funktioniert."
„Wenn man direkt in ihre Mundöffnung, in den Rachen schießt, dann kann man sie erledigen", sagte Barry. „Aber man braucht ganz schöne Feuerkraft."
„Ich hoffe Rebecca hat dazu vielleicht endlich etwas", meinte Chris.
„Claire, geht's dir gut?", fragte Jill.
Claire wurde aus ihren Gedanken gerissen. „Ja, ja, alles klar."
„Claire, bitte erzähl noch mal, was genau passiert ist", bat Leon. „Damit Hunnigan es auch hört."
„Sie deuteten bereits an, Ms. Redfield, dass sie auf eine verdächtige Person getroffen seien?", fragte Ingrid Hunnigan. „War es der Mann, den Agent Lex Martin beschrieben hat?"
Jill rief auf ihrem Laptop ein Foto auf, das Lex´ Team in Washington aufgenommen hatte. Es war undeutlich, weil es unprofessionell in der Hektik mit einem Handy aufgenommen worden war, doch es zeigte eindeutig die unbekannte Person, die mit den Monstern in die Kanalisation verschwunden war. Unglücklicherweise erkannte man kein Gesicht, da sich der Mann eine Kapuze übergezogen und man ihn nur von der Seite erwischt hatte.
„Ich denke schon, ja. Und ich hab ihn auch kurz vorher im Hotel, wo ich war, schon mal gesehen. Also, kurz bevor mich Leon und Ada abgeholt haben."
„Konntest du erkennen, wer es ist? Könntest du eine Beschreibung für ein Phantombild geben?", fragte Chris.
„Leider nein", seufzte Claire. „Und in der Kanalisation war es viel zu dunkel."
„Was ist bei dir und Barry passiert?", fragte Leon.
„Wir sind in die entgegengesetzte Richtung von euch gegangen", sagte Claire an Leon und Helena gewandt. „Und an der nächsten Abzweigung haben wir uns von Chris und Jill getrennt. Barry und ich kamen an so einen… Sammelpunkt würde ich sagen, wo das Wasser mehrerer Kanäle zusammenläuft. Im Wasser lag eines der toten Viecher, dachten wir zumindest, nur dass es nicht tot war. Die anderen kamen dann durch die Tunnel und wir konnten nicht mehr zurück. Sie haben uns voneinander getrennt und ich habe meine Taschenlampe und meine Pistole verloren."
„Wie hast du dich rausgekämpft? Die haben dich doch nicht erwischt, oder?", fragte Chris beunruhigt.
„Nein, haben sie nicht. Die Ärzte hier haben mich ja gleich untersucht. Mir fehlt nichts. Ist wohl eher der Schreck gewesen. Eines der Monster hat mich Unterwasser gezogen. Ich hab es abschütteln können, aber da waren so viele und ohne Waffe konnte ich nichts machen. Ich bin in einen Tunnel gerannt, aber weit kam ich nicht. Sie kamen von vorne und von hinten auf mich zu, aber das seltsamste war, dass sie mich nicht angegriffen haben. Sie sind zurückgewichen, um für etwas Platz zu machen. Und als ich mich umgedreht habe, hat mich eine Hand am Hals gepackt."
„Was hat der Kerl gesagt?"
„Das war… ziemlich komisch", sagte Claire nachdenklich. „Er wusste, dass ich von TerraSave bin und er wusste auch, dass die B.S.A.A. hier ist. Er hat gefragt, ob der Feind seines Feindes sein Freund oder sein Feind sei. Und dann meinte er noch, sein Zorn und seine Rache würde die Welt überziehen."
„Dann ist er verantwortlich für den neuen Virus?", schloss Jill. „Er hat das Dorf infiziert und die Seuche hierher geschleppt. Vielleicht ist er der Kopf hinter der neuen Terrororganisation?"
Claire schüttelte den Kopf.
„Claire, es ist die die einzige Erklärung. Er selbst ist mit dem Virus infiziert und verteilt es. Wenn er sagt, dass er die Welt mit seinem Zorn überziehen will, das klingt für mich eindeutig."
„Nein, das glaube ich nicht, Chris", widersprach Claire. „Der Mann hat gesagt, dass er sich rächen will und dass er sehr wütend ist. Ich glaube nicht, dass es irgendeine Terrororganisation ist, die… die Welt zerstören will."
„Aber was ist mit New Era?", fragte Jill. „Die Spur in Afrika war eindeutig."
„Eben."
„Chris, warum hat sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt?", fragte Claire. „Wenn es solche Leute wie NeoUmbrella sind, dann hätten sie sich längst dazu öffentlich bekannt. Terrororganisationen wollen Terror verbreiten, Chris, dazu gehört Panik und Angst in der Bevölkerung stiften. Aber was rede ich eigentlich. Das in Afrika war kein Anschlag und Washington auch nicht. Es liegt nahe, dass der Mann der Überträger des Virus ist, aber… nicht mal das wissen wir. Er wollte nicht gezielt Menschen damit töten, davon bin ich überzeugt. Er will…" Sie suchte nach dem richtigen Wort. „So wie er klang, will er der Welt irgendeine Botschaft mitteilen."
Chris sah seine Schwester nur mitleidig an, sagte aber nichts.
„Ist dir mittlerweile eingefallen, wer er ist?", wollte Barry wissen.
„Nein, leider nicht", musste Claire zugeben. „Aber ich weiß, dass ich ihm schon mal begegnet bin. Vielleicht ist das schon sehr lange her. Ich bin mir absolut sicher, dass ich seine Stimme erkannt habe. Vielleicht… Ach, ich weiß nicht. Ich muss darüber nachdenken."
„Du kennst den Mann?!", fragte Chris alarmiert.
„Ja, Chris, deshalb hat er mich im Hotel aufgesucht und deshalb hat er mir das in der Kanalisation gesagt. Er kennt mich von früher. Ich weiß auch nicht, wie das sein kann, aber ich stehe in irgendeiner Verbindung zu ihm. Am Schluss meinte er noch, dass es jammerschade sei, dass das mit uns nicht geklappt hätte. Wenn ihr nicht gekommen wärt, dann hätte er weitergeredet. Aber er verschwand, als er die Schüsse gehört hat."
Sie sahen sich alle mit ratlosen Gesichtern an. Schließlich sagte Ingrid Hunnigan. „Wir haben jedenfalls sofort eine landesweite Fahndung nach ihm in die Wege geleitet. Ich bin zuversichtlich, dass wir ihn bald aufspüren werden."
„Wir müssen. Auch wenn es nicht sicher ist, zum jetzigen Zeitpunkt liegt es nahe, dass er der Überträger des Virus ist", sagte Chris ernst. „Wenn er wirklich so wütend und auf Rache aus ist, wie Claire sagt, dann wird es bald den nächsten Ausbruch geben. Darauf können wir wetten."
„Ms. Redfield, ich bitte Sie inständig, wenn Ihnen etwas einfällt, dann melden Sie sich bitte umgehend. Jeder Hinweis, und sei er auch noch so klein, könnte zur Ergreifung des Mannes und vielleicht zur Verhinderung einer Katastrophe beitragen. Sie müssen sich erinnern."
„Ich gebe mir alle Mühe, aber im Moment…"
Es klopfte und Rebecca Chambers kam herein. Sie trug einen weißen Laborkittel und hatte einen Stoß Papiere dabei, die sie O´Brian reichte.
„Rebecca, bist du mit den Untersuchungen fertig?"
„Ja, alles abgeschlossen. Es steht alles in meinem Bericht", sagte sie und deutete auf ihre Unterlagen, die sie mitgebracht hatte. „Aber ihr solltet mal ins Labor zu mir kommen, dann werde ich euch alles weitere erklären."
Sie begleiteten Rebecca in ihr Labor, dass sich im Keller des B.S.A.A.- Gebäudes befand und wo sie seit Chris´ und Jills Rückkehr aus Afrika gearbeitet hatte.
Auf einem metallenen Labortisch in der Mitte des Raumes lag tot eines der Monster, das man als Probe aus Afrika mitgebracht hatte. Rebecca hatte seinen Körper aufgeschnitten, um die inneren Organe untersuchen zu können, und die gewaltigen Kiefer aufgeklappt, um sich die Zähne anzusehen.
Sie wichen angewidert von dem Anblick einen Schritt zurück.
„Nicht so schüchtern", sagte Rebecca, während sie ihre Untersuchungsergebnisse auf ihrem Computer aufrief. „Er tut nichts mehr. Kommt nur näher."
Sie zögerten alle, aber schließlich taten sie wie geheißen.
„So einen Zombie habe ich noch nie gesehen", meinte Leon und ließ seinen Blick über den Körper schweifen.
„Das ist auch sehr neu", meinte Rebecca, tippte kurz auf der Tastatur, drehte sich dann zu ihnen und räusperte sich. „Darf ich um eure Aufmerksamkeit bitten?"
„Schieß los, was hast du für uns?"
„Also, nachdem meine Untersuchungen jetzt abgeschlossen sind, kann ich euch endlich zuverlässige Ergebnisse liefern. Ich kann meine erste Analyse bestätigen. Der Virus, der diese Monster erschaffen hat, hat definitiv den C- Virus, das man in Edonien, China und Tall Oakes losgelassen hat, als Stammvater. Er ist nur weitergezüchtet und manipuliert worden, dass er eine andere Wirkung entfaltet."
„Was kannst du über uns den Virus sagen? Was passiert mit den Menschen, wenn sie infiziert sind?", wollte Chris wissen. „Und vor allem, wie schnell geht es?"
„Das ist der Punkt. Der Virus ist überaus aggressiv. Ich hab es getestet und mein Ergebnis wird durch die Beschreibungen, die ihr mir gegeben hat, bestätigt. Der Kontagiositätsindex ist 98% und liegt sogar höher als bei Masern. Das bedeutet, dass binnen kurzer Zeit in einer nichtimmunen Bevölkerung 98% der Individuen, also praktisch jeder, infiziert ist. Wird man gebissen, verwandelt man sich. Das ist sehr beunruhigend. Meine Leute haben am Computermodell eine Hochrechnung gemacht und sie schätzen, dass der Virus nur wenige Wochen brauchen würde, um sich die gesamten Vereinigten Staaten einzuverleiben."
„Du lieber Himmel!", murmelte Chris. Jill schlug sich erschrocken eine Hand vor den Mund.
„Hier das ist unser kleiner Freund", sagte Rebecca und rief Aufnahmen auf den Computerbildschirm, die den Virus in Großaufnahme zeigten.
„V- Virus?", fragte Leon verwundert. „Du weißt, wie es heißt?"
„Ähm, nicht ganz. Das ist mein Arbeitstitel", sagte Rebecca verlegen und ihre Wangen verfärbten sich rosa. „Ich hielt es für ganz passend."
„Was bedeutet das V?", fragte Claire.
„Vampir- Virus. Ich habe es die Vampir- Seuche genannt", erklärte Rebecca peinlich berührt, wofür sie erstaunte Blicke erntete.
„Vampir? Ist das dein Ernst?", fragte Chris.
„Wartet ab. Der Virus besitzt eine interessante Eigenschaft. Anders als der T-Virus, der tote Zellen wiederbelebt oder der G-Virus, der starke Mutationen verursacht, macht dieser Virus nichts dergleichen. Er infiziert zu allererst die roten Blutkörperchen, setzt sich in ihnen fest und triggert das Immunsystem, das daraufhin die eigenen Körperzellen angreift. So wird eine Anämie verursacht, ähnlich wie bei Eisen- oder Vitaminmangel, weil sich die Zahl der roten Blutkörperchen vermindert. Die Betroffenen werden schwach und kraftlos und blass. Dann dauert es nicht lange und der Virus wandert ins Gehirn. Dann mutiert der Körper und die Infizierten fallen über ihre Mitmenschen her. So verteilen sie den Virus weiter."
„Die Frau im Park, sie hat immer davon geredet, dass sie durstig ist", meinte Leon nachdenklich. „Erst wollte sie Wasser, dann Blut."
„Genau. Der Virus will sich weiterverbreiten, deshalb zwingt er die Menschen dazu, das Blut von anderen zu trinken. Sie können gar nicht anders, sonst sterben sie. Ihr Stoffwechsel läuft so schnell, dass ihr Körper seine eigene Substanz aufzehrt. Und durch die Anämie, die der Virus hervorruft, brauchen sie Nachschub an Nährstoffen. Die einzige Möglichkeit, den unerträglichen Durst zu stillen, ist, über andere herzufallen und sie zu beißen."
„Ich verstehe, warum du sie als Vampir- Seuche bezeichnet hast", schmunzelte Chris. „Aber das erklärt natürlich, warum die Monster in Afrika über ihre Tiere hergefallen sind und dann abgemagert und ausgemergelt gestorben sind. Sie bekamen keinen Nachschub mehr."
„Ja. Sie sind in gewisser Weise wir Drogenjunkies. Nur dass ihre Droge das Blut anderer Menschen ist", sagte Rebecca. „Kommt mal her. Seht euch das an."
Sie versammelten sich um die Leiche auf dem Labortisch.
„Damit der Virus sicherstellen kann, dass er auch wirklich einen neuen Körper infizieren kann, mutieren die Kiefer der Opfer", erklärte Rebecca. „Die Unterkiefer vergrößern sich, die Kaumuskeln wachsen und verdicken sich. Sie haben die Beißkraft einer Großkatze, eine vielfaches eines Menschen. Im Oberkiefer verändert sich kaum etwas, bis auf die spitzen Eckzähne. Hier unten aber haben wir scharfe Reißzähne, die sich in jedem Fleisch verbeißen können. Seht ihr das hier?"
Rebecca deutete auf eine Stelle der Innenseite der aufgeklappten Unterkiefer direkt neben den Zähnen. „Das sind die Speicheldrüsen, da sitzt der Virus drin. Und auch ein Gift. Wenn sie sich festbeißen, dann sondern sie ein Gift in die Blutbahn ihrer Opfer ab, das Lähmungen verursacht, sodass man sich nicht gegen ihre Angriffe wehren kann. Gleichzeitig injizieren sie den Virus direkt ins Blut. Geschieht dies, verwandeln sich die Infizierten binnen weniger Minuten."
„Ja", sagte Leon. „Durften Ada und ich hautnah erleben."
Chris betrachtete den Oberkörper der Leiche eingehend. „Die Knochen sind seltsam. Was ist da los?"
„Nicht nur die Kiefer mutieren", fuhr Rebecca fort. „Ihre gesamte Knochenmasse verdickt sich irgendwie, sodass ihre Knochen viel stabiler sind. Ich würde sagen, dass das der Grund ist, warum sie so widerstandsfähig gegen Kugeln sind."
„Nicht nur. Als Ada und ich im Park von den Viechern angegriffen wurden, hatten wir keine Waffen und mussten uns mit Händen und Füßen wehren. Einen normalen Zombie kann man mit einem gezielten Fußtritt außer Gefecht setzen, aber die Dinger. Die stecken alles weg. Die fallen vielleicht zu Boden, aber… stehen auf als wäre nichts."
„Ja. Seht ihr das kräftige Brustbein und die dicken Rippen? Das schützt ihre inneren Organe gegen Schläge."
„Auch gegen Pflöcke ins Herz?", scherzte Leon.
„Ich habe es nicht erprobt, aber ich glaube nicht, dass man sie so töten kann. Ihr Schwachpunkt ist, so paradox es klingt, ihr Kopf."
„Ihr Kopf?", fragte Claire ungläubig.
„Das ist nicht abwegig. Als ich einem Monster eine Ladung Schrot in den Rachen verpasst habe, konnte ich es töten", sagte Barry.
„In ihrem Kopf laufen sehr viele Nervenbahnen zusammen", sagte Rebecca. „Ihr gesamter Mund-, Gaumen- und Rachenbereit ist sehr empfindlich. Außerdem haben sie einen überaus sensiblen Geruchssinn. Die Nerven der Nase verlaufen dort auch zusammen. Stört man das, z.B. durch physische Traumata kann man sie töten, ja. Der einzige Teil ihres Körpers, der nicht durch die starken Knochen geschützt ist, ist ihr Genick. Man kann es brechen, wie bei einem gewöhnlichen Menschen. Ich vermute aber, dass das schwierig ist. Enthauptung müsste auch funktionieren. Da ist aber noch etwas, was es sehr schwer machen wird, sie zu töten."
„Was?"
„Kann es noch etwas geben?"
„Wenn man ihre Physiologie anschaut, stellt man sofort fest, dass sie viel kräftiger sind als Menschen. Ihre Muskulatur ist sehr stark."
Leon nickte. „Ja. Ada und ich haben es im Park erlebt. Die Zombies können mühelos sehr weit und hoch springen und verdammt schnell laufen. Wir haben ein Motorrad gebraucht, um sie abzuschütteln."
„OK, aber eines verstehe ich nicht", warf Chris ein. „Du hast gesagt, wenn man gebissen wird, verwandelt man sich in wenigen Minuten. Das passt aber nicht zu den beiden Entwicklungshelfern in Afrika. Wenigstens die Frau hat den Virus tagelang mit sich herumgeschleppt, bevor die Seuche ausgebrochen ist. Gerade so, dass sie nach Amerika zurückfliegen konnte.
„Ich habe mir darüber Gedanken gemacht", sagte Rebecca. „Man wird nur sofort infiziert, wenn der Virus direkt in die Blutbahn kommt. Gelangt er auf anderem Weg in den Körper, kann die Inkubationszeit mehrere Tage betragen."
„Und wie glaubst du hat man die beiden infiziert? Laut dem Papier, das wir gefunden haben, hat man ja den Mann dafür benutzt."
„Mit Sicherheit kann ich es nicht sagen, aber… Meine Vermutung ist, dass man es ihm vielleicht oral verabreicht hat. Vielleicht seiner Kollegin auch. Oder sie war seine Freundin und hat sich über intimen Kontakt bei ihm angesteckt. Der Virus würde so mehrere Tage brauchen, bis er in die Blutbahn gelangen und seine Arbeit machen kann."
„Verdammt, das ist nicht gut. Wenn man es über Essen oder Trinken aufnehmen kann, könnte sich der Virus unbemerkt ausbreiten", sagte Jill besorgt. „Wir müssen diesen Mann finden! Unbedingt!"
„Kannst du uns was zu dem sagen, Rebecca?", fragte Barry. „Er war nicht wie die anderen. Er hat niemanden gebissen und er konnte die Monster kontrollieren."
„Er hat sogar mit mir gesprochen", fügte Claire hinzu. „Er war mehr wie ein Mensch, nur dass er den Virus in sich trug. Er schien die positiven Eigenschaften nutzen zu können, z.B. die übermenschliche Kraft, aber er selbst verlor nicht die Kontrolle. Er musste kein Blut von anderen trinken."
„Dazu müsste ich ihn untersuchen, um das genau sagen zu können, aber vielleicht besitzt er ja eine ähnliche Veranlagung wie Jake Muller. Dass ihm Viren nichts ausmachen. Oder er ist der Patient 0, eine Art… Prototyp."
„Wie auch immer, wir müssen ihn finden und zur Strecke bringen", sagte Chris ernst. „Ehe er noch mehr Menschen infizieren kann."
„Das sehe ich aus so", stimmte Barry zu.
Claire sagte nichts, aber sie sah so aus, als wolle sie widersprechen.
„Eine letzte Frage noch", sagte Jill. „Kann man irgendwie feststellen, woher der Virus kam oder wer ihn erschaffen haben könnte?"
„Schwierig zu sagen, aber… Es muss jemand mit viel Know- How gewesen sein. So etwas schustert man nicht mal eben so zusammen. Jemand muss eine Probe des C- Virus in die Hände bekommen haben. Und soweit wir wissen, ist nichts auf den Schwarzmarkt gelangt."
„Danke, Rebecca. Du hast echt viel in der kurzen Zeit hinbekommen. Du hast was gut bei uns", sagte Chris und klopfte der jungen Ärztin auf die Schulter. Rebecca sah verlegen zur Seite und errötete.
„Wenn du noch irgendwas hast, ruf sofort an. Wir kümmern uns dann wieder um den Fall. Ich hoffe, die Fahndung wird Erfolg haben, denn ich fürchte, der Mann ist unsere einzige Spur."
„Ja, kein Problem. Ich mach mich gleich wieder dran", sagte Rebecca.
„Hoffen wir es mal", meinte Leon. „Und beten wir, dass es in der Zwischenzeit nicht wieder einen Ausbruch gibt."
Bevor sich Chris und Jill auf den Weg nach Hause aufmachten, wollte Chris endlich das erledigen, was sich durch ihre Reise nach Washington verzögert hatte. Er musste Jake Muller darüber informieren, dass er womöglich wieder jemand auf ihn abgesehen haben könnte.
Er hatte nur ein paar wenige Male mit Jake gesprochen, seit sie sich kennengelernt hatten, und bis auf die Geburt der Tochter hatte es dazu nie positiven Anlass gegeben. Jake war wegen der Ermordung seines Vaters immer noch nicht sonderlich gut auf Chris zu sprechen und ihr Verhältnis war etwas unterkühlt.
Chris nahm es dem jungen Mann nicht übel. Er mochte Jake trotz allem. Er sah Albert Wesker in dem Jungen, aber er hatte nur die positiven Seiten seines Vaters geerbt, die Chris in der S.T.A.R.S.- Zeit an seinem Captain geschätzt hatte.
Es läutete dreimal bis Jake abhob.
„Hallo?"
„Hi, Jake, hier ist Chris Redfield."
Für einen Moment herrschte Stille am anderen Ende des Apparats. „Hey."
„Wie geht's dir, Jake?"
„Ganz gut."
„Was machen Sherry und die Kleine?"
„Sherry geht's gut. Die Kleine hält uns auf Trab."
„Das ist schön."
„Warum rufst du an?", fragte Jake.
„Du und Sherry ihr habt bestimmt schon im Fernsehen gesehen, dass in Washington…"
„Ja, wir haben es gesehen. Sherry hat Claire eine Mail geschrieben. Ist das ein neuer Virus?"
„Ja."
„Wisst ihr schon, wer das Zeug losgelassen hat?"
„Leider tappen wir ein bisschen im Dunkeln im Moment. Es gibt zwar einen Verdächtigen, nach dem wir fahnden, aber… sonst bislang nichts."
„OK."
„Das ist allerdings nicht der Grund, warum ich dich anrufe. Gestern hat jemand einen Hackangriff auf die B.S.A.A.- Zentrale gestartet und dabei jede Menge Daten kopiert und heruntergeladen."
„Was? Weiß man, wer es war?", fragte Jake.
„Leider nein. Unsere Techniker sind dran. Sie haben nur gesagt, dass es eine russische Spähsoftware war. Es wurde auch kein Schaden angerichtet, sie haben nur Daten gestohlen. Und genau darum geht es auch. Sie haben alle Firewalls geknackt und Geheimdokumente heruntergeladen, darunter auch die Akten über dich."
„Was?!", fragte Jake erschrocken.
„Die wissen jetzt alles über dich, über Sherry und eure Tochter. Auch wo ihr wohnt, einfach alles, Jake. Wir wissen nicht, ob sie es gezielt darauf abgesehen hatten oder die Daten nur zufällig mitgenommen haben. Und solange wir nicht wissen, wer die sind, müsst ihr sehr vorsichtig sein. Im Moment ist das noch spekulativ, aber es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie es wieder auf dich abgesehen haben, wie damals in Edonien. Oder schlimmer, vielleicht auf eure Tochter. Ich werde Ingrid Hunnigan bitten, euch Personenschutz und Wachposten vor eurer Wohnung zur Verfügung zu stellen."
„Verdammt", murmelte Jake leise. „Hat das was mit dem neuen Virus zu tun?"
„Das wissen wir nicht", sagte Chris. „Wir können es nicht ausschließen, also seid vorsichtig. Beim geringsten Anzeichen, dass irgendwas nicht stimmt, dass euch jemand verfolgt oder ähnliches, meldet euch bitte sofort. Es tut mir Leid, ich wünschte, ich hätte bessere Nachrichten für euch."
„Schon gut. Das werden wir machen", sagte Jake. „Wenn ihr was rausgefunden habt, dann…"
„Wir werden euch Bescheid geben, keine Frage."
„OK, na dann, richte deiner Frau und den anderen Grüße von aus."
„Mach ich. Wir hören wieder voneinander."
Die ganze Zeit im Auto über dachte Claire fieberhaft nur an eines: den Mann, der sie in der Kanalisation attackiert hatte. Als sie in ihre Wohnung kam, führte sie ihr Weg sofort zu ihrem Laptop, wo sie ihre E-Mails checkte. Sherry hatte ihr geschrieben. Wahrscheinlich hatten sie und Jake bereits in den Nachrichten von den Vorfällen in Washington erfahren. Sie schrieb eine kurze Antwort und versprach, bald anzurufen, dann ging sie ins Bad, um zu duschen.
Sie fand ein paar blaue Flecken an Armen und Rücken, wo die Monster sie gepackt hatten. Sie war übernächtigt und völlig erschöpft von ihrem Einsatz und ihr Körper schrie nach einer wohlverdienten Nacht in ihrem Bett, doch ihre Gedanken wollten nicht zur Ruhe kommen. Sie kreisten ständig um den Unbekannten und dessen Identität.
Claire ging alles immer wieder gedanklich durch. Der Mann musste sie kennen und offenbar waren sie sich sogar einmal nahegestanden. Seine Stimme war ihr sehr vertraut. Aber warum konnte sie sich dann partout nicht an ihn erinnern? Entweder war es solange her oder sie hatte ihn nicht für sonderlich wichtig gehalten. War es womöglich jemand aus ihrer Schul- oder College- Zeit? Sie ging ihre Freunde und Bekanntschaften durch, aber sie fand niemanden, der in Frage kommen würde. Auch Arbeitskollegen schloss sie aus. In Vereinen oder dergleichen war sie nie gewesen. Von TerraSave konnte es ebenfalls niemand sein, denn es gab niemanden, der vermisst wurde, und außerdem hätte ihr dann definitiv einfallen müssen, wer er war.
Es war alles merkwürdig, mehr als merkwürdig. Chris und die anderen waren überzeugt davon, dass die neue Terrororganisation namens „New Era" dahintersteckte und dass der Mann mit ihnen im Bunde war. Doch Claire wollte nicht so recht an diese Theorie glauben.
Die Worte des Unbekannten hallten in ihren Ohren wider. Der Feind meines Feindes. Rache.
Was konnte das bedeuten?
Die „Feinde" von B.S.A.A. und TerraSave waren Bioterroristen, soviel stand fest, und ihr Auftrag war es, eben diese zu bekämpfen. Wenn die Organisationen also die Feinde des Feindes des Unbekannten waren, dann ließ das nur einen Schluss zu: sie standen auf derselben Seite, waren vielleicht sogar hinter denselben Leuten her. Claire verstand jetzt seine Botschaft. Sie, Chris und die anderen hatten eine Wahl. Entweder waren sie gegen ihn, dann war es möglich, dass seine Rache auch ihnen gelten konnte, oder sie waren für ihn, das hieß, dass sie denselben Gegner hatten.
Sie wusste, dass diese Überlegungen höchstspekulativ waren und ihr die anderen niemals glauben würden. Dennoch wollte sie dem unbedingt nachgehen. Sie musste herausfinden, ob sie Recht hatte oder einfach nur Gespenster sah.
Voller Hoffnung setzte sie sich an ihren Computer und rief das Internet auf.
Auch eine andere Person saß vor ihrem Computer und durchsuchte das Internet. Alex suchte seit dem frühen Morgen Informationen über Washington. Sie sah sich Zeitungsmeldungen, Live- Streams und Newsticker an und verfolgte jedes Bildmaterial, das sie finden konnte. Mittlerweile hatte sie die Monster endlich gesehen und sie musste zugeben, dass jemand ganze Arbeit geleistet hatte. Wenn sie doch nur die Möglichkeit hätte, den neuen Virus zu untersuchen. Unbewusst ballte sie die Hände zu Fäusten, während sie die Filmaufnahmen aus einem Pressehubschrauber, die jemand auf ein Videoportal gestellt hatte, ansah.
Das Militär, Regierungsagenten und die B.S.A.A. waren vor Ort gewesen, um die Katastrophe einzudämmen. Mit einem Sprengsatz, der ein riesiges Loch in die Straße gerissen hatte, war man den Monstern schließlich zu Leibe gerückt.
Mit Sicherheit war die B.S.A.A. weiter mit dem Fall betraut. Sie musste zusehen, dass sie irgendwie an Informationen herankam. Barry war wahrscheinlich eine schlechte Quelle und nochmal einen Hackangriff zu starten, war zu riskant. Ihr erster Versuch war nach wenigen Stunden entdeckt worden. Es wunderte sie ohnehin, dass man sie noch nicht dazu befragt hatte, immerhin war sie in Barrys Büro gesessen.
Diese Möglichkeit schied also aus. Sie schloss das Internetfenster und dachte nach. Über wen konnte sie an Informationen bekommen? Und vor allem wie?
Sie saß einige Zeit vor dem Computer und starrte auf das Desktop, während sie überlegte. Dabei fiel ihr Blick auf einen Ordner, den sie angelegt hatte. Darin befanden sich die geheimen Daten, die sie sich von der B.S.A.A. heruntergeladen hatte. Plötzlich kam ihr eine Idee.
Mit einem Grinsen, klickte sie das Ordnersymbol an und rief die Akte über Jake Muller auf. Vielleicht konnte ja er ihr helfen.
