Eigentlich sollte ich gar nicht hier sein, aber ich wollte doch noch nach Charlie sehen. Wie zu erwarten saß seine Tochter neben ihm und starrte mit lehren Augen vor sich hin. Ich war überrascht, als sie sich an mich wendete. „Können sie irgendwas erzählen, damit ich nicht durchdrehe?" Ihre Bitte hatte etwas verzweifeltes an sich, dass es mir unmöglich machte ihr nicht zu antworten und so erzählte ich irgendwas über Emmett, Edward, Jasper, Rosalie und Alice. Sie hörte nicht richtig zu, aber das machte nichts. Am Ende machte ich ihr noch das Angebot mich bei meinem Vornamen zu nennen, ich weiß selber nicht warum. „Carlisle? Kann ich nicht irgendwas tun? Ich will ihm helfen." Die Hoffnung, die mitschwang war nur schwer zu zerschlagen, aber ich wollte ihr keine falschen Hoffnungen machen. „Nein. Im Moment kann niemand etwas tun." Dass sie gleich zusammenbricht hatte ich nicht erwartet, und so nahm ich sie in den Arm um sie zu trösten. Der Geruch ihres Blutes kitzelte meine Kehle und forderte mich gerade dazu heraus es zu probieren. Schnell verwarf ich den Gedanken. Was war bloß los mit mir? Seit Jahrzehnten hatte ich nicht mehr über so etwas nachgedacht. Bevor ich weiter nachdenken konnte kam Emmett mit Jasper im Schlepptau ins Zimmer und fragte, ob sie in die Stadt durften. Jaspers Reaktion war verblüffend. Sein Gesicht war von Wut verzerrt und er schaffte es nur langsam sich wieder zu kontrollieren. „Was hat der Chief eigentlich?" Ich begriff sofort, wer eigentlich so wütend war und antwortete leise über den Unfall und die Verletzungen. Dann hörten wir ein Lachen hinter uns und drehten uns um. Isabella hatte Charlies Hand an sich gepresst und lachte erleichtert und glücklich, ohne uns weiter zu beachten. „Irgendwas hat ihre Hoffnungen gerade in die Höhe schnellen lassen." Kurz verließ ich mit Jasper das Zimmer und hörte mit einem Ohr zu, was Emmett und Isabella sprachen. „Sie hat irgendwas wahrgenommen, vielleicht ein Zeichen von Charlie oder so." Ich wollte ihr keine unnötigen Hoffnungen machen, daher schickte ich meine Söhne in die Stadt und untersuchte Charlie noch einmal. Dabei konnte ich sehen, wie er ihre Hand leicht drückte. Er konnte wieder auf äußere Impulse reagieren, das war gut, doch er würde heute noch nicht aufwachen. Dann ging auch ich, damit mir niemand doch noch etwas aufbrummen konnte, Akten sortieren zum Beispiel. Irgendwas hielt mich in dem Zimmer, wie eine Anziehungskraft, aber wenn es Isabellas Blut war, sollte ich wirklich zusehen, dass ich hier weg kam. Anders als angekündigt fuhr ich nach Hause und verschwand in meinem Arbeitszimmer. Meine Kinder kamen erst am Abend zurück und Alice klopfte vorsichtig an. Was war passiert? Normalerweise fegte sie wie ein Wirbelwind überall herein, ohne die anderen zur Kenntnis zu nehmen.
