Danke für die lieben Reviews. Hier ist das neue Kapitel für euch.
Kapitel 6 - Lichtblicke
Hermine machte auf dem Absatz kehrt und ging mit wehenden Umhang davon.
„Man, es ist erschreckend, wie ähnlich sie Ihnen ist." grinste Harry immer noch.
Snape wusste dazu nichts zu sagen und schwieg daher.
„Professor?"
„Ja, Harry?"
„Danke."
Nun schaute Snape verwundert zu Harry.
„Wofür?"
„Weil sie mir das Leben gerettet haben und was noch viel wichtiger ist, weil sie Hermine ihr Lachen zurückgaben."
„Das habe ich nicht! Das war nicht mein Verdienst."
„Doch das war es."
Wieder schwiegen beide.
„Harry?"
„Ja, Professor?"
„Hör bitte endlich auf, mich zu siezen."
Harry grinste. Wer hätte gedacht, dass Severus Snape, ehemaliger Todesser, Schrecken seiner Schulzeit und absoluter Verächter von allem was sich Potter nennt, es mal schafft, so etwas wie Respekt für seinen Feind aufbrachte. Denn das war Harry ja viele Jahre lang.
„Gut, SEVERUS, es wird mir schwer fallen, aber ich glaube ich bekomme das hin."
Hermine hatte was sie wollte. Einen Arzt, der sich mit magischen Heilmöglichkeiten und mit der Muggelchirurgie auskannte. Dr. Brown (A/N: Kennt ihr Everwood?), ein Arzt, freundlich aber bestimmt, hatte sie gebeten, doch nach America zu kommen um ihr Anliegen bei ihm vorzutragen. Sie machte einen Termin bei ihm aus und saß nun im Wartezimmer, nervös und doch voller Hoffnung. Er war ihre letzte Hoffnung. Kein Arzt konnte ihr bisher eine positive Prognose geben.
„Kommen Sie rein, Miss Granger." Bat er sie ins Sprechzimmer. „Nehmen Sie Platz."
Sie kam seiner Bitte nach.
„Danke, dass sie Zeit für mich haben." erwiderte sie freundlich. Mine hatte sich den Arzt vollkommen anders vorgestellt. Vor ihr saß ein Mann, Ende 40, mit Bart. Er hatte ein einladendes Lächeln, freundliche Augen, die sie baten, ihr Herz auszuschütten. Sie schluckte. Er war der typische Kleinstadtarzt, doch sie wusste, dass er jahrelang in der Großstadt gearbeitet hatte.
„Was kann ich denn für Sie tun?"
„Nun," begann Hermine. „Für mich eigentlich nichts, es geht um einen Kollegen. Aber bevor ich von ihm anfange, habe ich eine Frage. Kennen Sie Hogwarts?" Hermine wusste, dass die Schule für Hexerei und Zauberei bei Magiern in der ganzen Welt bekannt war.
Dr. Brown erstarrte.
„Ja, ich habe zwar schon lange nichts mehr davon gehört, aber ich kenne die Schule." Er überlegte.
„Ihr Name war Granger, nicht wahr?"
Sie nickte.
„Hermine Granger?"
Wieder nickte sie. Jeder kannte ihren Namen, auch wenn es ihr immer peinlich war. Doch vielleicht war es heute ein Vorteil, dass sie beim großen Kampf mit dabei war.
„Oh Mann... ich meine... WOW... Ich meine, es ist mir eine Ehre, Miss Granger." Dr. Brown war sichtlich überrascht. Die begabteste und wahrscheinlich berühmteste Hexe der Welt, saß ihm gegenüber.
„Nennen Sie mich doch bitte Hermine." erwiderte sie freundlich.
„Gut, Miss... Hermine. Was kann ich für Sie tun?"
„Wie gesagt, es geht um einen Kollegen. Er ist gelähmt. Und ich kann mich damit nicht abfinden, denn in gewisser Weise ist es meine Schuld." Nun war es raus.
„Inwiefern?" fragte der Arzt.
„Nun ja, ich weiß nicht, ob er einverstanden wäre, wenn ich ihnen seine Lebensgeschichte erzähle." erwiderte sie schüchtern.
„Ich muss sie aber wissen. Sonst kann ich ihm nicht helfen. Ich stehe unter der Schweigepflicht, also können Sie mir ruhig alles erzählen."
„Gut, aber da muss ich weiter ausschweifen. Ich hoffe Sie haben Zeit."
„Alle Zeit der Welt." Sagte er freundlich. Sein Lächeln war entwaffnend.
„Gut, also, na ja, es beginnt eigentlich schon vor fast 8 Jahren. Severus Snape," Dr. Brown zog scharf Luft ein, denn diesen Namen kannte er auch. „er war Spion. Ein ziemlich guter, wenn man bedenkt. Sie kennen ja bestimmt die Geschichte mit dem Tod von Albus Dumbledore?" er nickte. „Jedenfalls hat Severus ihn töten müssen, um weiterhin Spion bleiben zu können. Doch er sollte noch eine letzte Prüfung ablegen..."
Hermine erzählte ihm die komplette Geschichte, von ihr und Snape. Bis zum Selbstmordversuch von ihrem ehemaligen Lehrer.
„... Seit dem ist er von der Hüfte abwärts gelähmt." endete sie.
„Und nun haben Sie Gewissensbisse?"
Sie nickte verlegen.
„Das brauchen sie nicht. Sie können nichts dafür, dass er seinem Leben ein Ende bereiten wollte. Schließlich wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Aber wie geht es Ihnen? Haben Sie diese Ereignisse denn verwunden?"
„Nein, aber darum geht es nicht. Ich will, dass er wieder auf die Beine kommt, denn ich gebe ihm keine Schuld daran."
„Nein?"
„Nein, denn er hat keine Wahl gehabt. Wenn er es nicht gemacht hätte, es wäre trotzdem passiert."
„Aber trotzdem ist es schwer, damit umzugehen. Ich kenne eine gute Therapeutin. Sie ist eine Squib, sehr begabt. Gehen Sie dort hin, Hermine. Sie müssen es verarbeiten!"
„Nein, es geht hier nicht um mich!" erwiderte sie heftig.
„Doch, es geht auch um Sie. Wenn sie damit nicht umgehen können, dann spürt Mister Snape das auch. Und dann kann er nicht gesund werden. Denn schließlich gibt er sich ja die Schuld an ihrer Lage."
„Gut, ich werde es versuchen. Aber ich weiß nicht, was das bringen soll." Ihre Stimme klang resigniert.
„Ganz einfach, wenn Sie damit umgehen können, dann werden sie auch wieder anfangen zu leben. Und erzählen Sie mir nicht, dass Sie ein ausgefülltes Leben führen, dass glaube ich Ihnen nicht."
Hermine und Dr. Brown sprachen noch lange über die Therapiemöglichkeiten bis sie zu dem Ergebnis kamen, dass Severus Snape am besten in Chicago aufgehoben wäre. Dort könnte Dr. Brown ihn auch behandeln. Nur Hermine wusste nicht, ob sich Severus darüber freuen würde, oder nicht...
„NEIN!"
„Aber warum denn nicht? Willst du nicht wieder gesund werden?"
„Natürlich, aber ich lass mich nicht nach America transportieren! Schon gar nicht in einem Flugdings!" schnaubte Severus verärgert.
„Severus, jetzt reicht es!" schrie Hermine ihn böse an. Er zuckte unmerklich zusammen.
„Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass dir geholfen wird. Und damit dankst du es mir? Ich sage dir eins: Ich bin nicht mehr bereit, Doppelschichten zu schieben. Entweder du lässt dich behandeln und kommst bald wieder, oder du musst deine Schüler hier vom Bett aus unterrichten!"
„Das ist nicht dein Ernst!"
„Und ob. Such dir was aus. Ich komme morgen wieder und dann können wir apparieren. Das ist mein letzter Schritt auf dich zu. Wenn nicht, dann wird der Krankenflügel zum Klassenraum umfunktioniert."
Damit rauschte Hermine davon. Sie wird dir tatsächlich immer ähnlicher, dachte er. Es gefiel ihm absolut nicht, dass er in ihrer Schuld stand, wieder einmal. Aber hatte er eine Wahl? Würde sie nicht tatsächlich die Schüler hier herschicken? Zuzutrauen wäre es ihr. Und irgendwie hoffte er ja, dass ihm in Amerika geholfen werden konnte. Er schnaubte. Gerade die verhassten Amis sollten ihm helfen.
Als Hermine am nächsten Morgen in den Krankenflügel kam war sie überrascht. Eigentlich wollte sie sich für ihr rüdes Verhalten vom Vortag entschuldigen. Das war eigentlich gar nicht ihr Stil. Doch Severus saß am Bettrand, mit einer Tasche, die wahrscheinlich seine wichtigsten Sachen beinhaltete.
„Können wir?" fragte er ungehalten.
„Dir auch einen schönen Morgen, Severus"
„Können wir endlich?" wiederholte er stattdessen seine Frage.
„Ja, schon gut. Ich weiß ja, dass du es gar nicht erwarten kannst." erwiderte sie genervt.
„Ich habe eine Apparationsgenehmigung von Minerva bekommen, wir können von hier aus apparieren. Also brauch ich dich nicht durch Hogwarts fliegen zu lassen."
‚Gott sei dank' dachte er, doch er sagte nichts.
Hermine trat näher, nahm seine Tasche in die Hand und reichte ihm die andere. Er ergriff sie und wunderte sich noch, warum ihre Hand so kalt war, als er schon das bekannte Ziehen im Bauch spürte.
Sie hatte das Ganze gut geplant. Bei ihrer Ankunft im Hospital würde er sofort in einen Rollstuhl geschleudert werden. Und es klappte auch sehr gut. Hermine übergab ihm die Tasche und fuhr ins sogleich in sein Zimmer.
„Und hier soll ich bleiben?" schnaubte er empört. Sie sah sich um. Natürlich würde ihm dieses Zimmer nicht gefallen. Es war hell eingerichtet. Die champagnerfarbenen Wände, das kleine Bett komplett in hellblau, das große Fenster, durch das die Sonne schien und die azurblauen Vorhänge davor.
„Na besser als ein Patientenzimmer ganz in weiß, oder?" grinste sie ihn nun an. Und wieder kam nur ein Schnauben von seiner Seite.
„Keine Sorge Professor. In Chicago regnet es mehr als in London, sie werden schon noch auf ihren Geschmack kommen. Ausserdem haben wir nun Anfang Dezember. Also keine Panik. Sie werden sich nicht allzu oft mit Sonne quälen müssen. Oder haben sie Angst, Sommersprossen zu bekommen?"
„Natürlich nicht, ich bekomme keine Sommersprossen" erwiderte er beleidigt. Doch er erntete nur ein weiteres Grinsen. Diese Weib war unverbesserlich.
„Schön, dass sie schon da sind. Ich freue mich, den Patienten endlich mal persönlich kennen zu lernen. Ich bin Dr. Brown, ihr Chirurg." Begrüßte Dr. Brown beide. Er reichte erst Hermine und dann Severus die Hand.
„Nun, die Operation findet Morgen Vormittag statt. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?"
„Nein" war alles, was Severus von sich brachte. Irgendwie schaffte er es gelangweilt zu klingen, aber er spürte, wie sich Angst in ihm breit machte. Morgen. Morgen konnte sich sein ganzen Leben ändern.
„Gut, dann sehen wir uns morgen. Übrigens Hermine, Dr. Miller erwartet Sie heute Nachmittag. Sie freut sich schon, ihre Bekanntschaft machen zu dürfen."
„Danke, Dr. Brown. Ich werde da sein." Mit einem freundlichen Nicken verschwand der Arzt.
„Warum wirst du erwartet?" Hermine seufzte. Irgendwie hatte sie gehofft, dass er nicht darauf reagieren würde.
„Ich habe einen Termin heute bei ihr. Lass es mich dir ein anderes Mal erzählen, ok?" Er nickte. Eigentlich wollte er es wissen, doch er spürte, dass es ihr unangenehm war.
„Gut, ich werde dir jetzt erst einmal helfen, ins Bett zu kommen, dann werde ich auspacken, ok?" Damit schob sie ihn zum Bett. Irgendwie schaffte sie es auch, ihn in sein Bett zu hieven.
Nachdem sie seine Sachen ausgeräumt hatte, setzte sie sich neben sein Bett und schaltete den Fernseher an.
„Wie macht man das?" fragte er unsicher. Er hatte schon von diesen Fernschauern oder wie auch immer sie hießen gehört aber noch nie einen zu Gesicht bekommen. Bereitwillig und unendlich geduldig zeigte sie ihm, wie das Gerät funktionierte. Beim Durchschalten bemerkten sie auch einen Kanal über Zaubertränke.
„Ich wusste gar nicht, dass sie sogar Kanäle für Zauberer haben" sagte sie interessiert.
„Aber eigentlich verständlich, schließlich gibt es in America viel mehr Zauberer als woanders. Und diese Klinik ist für Zauberer spezialisiert."
„Das heißt, ich kann hier zaubern?" das Wäre das erste Positive an diesem Tag.
„Ja, allerdings gibt es hier wie in Hogwarts eine Apparationssperre, außerdem ist es verboten, hier eigene Tränke herzustellen. Und es gibt eine Gedankensperre, damit die Ärzte, Heiler, Krankenschwestern und Medihexen und –heiler nicht verhext werden können, nur weil sie in den Augen einiger Hexen und Zauberer etwas falsch gemacht haben."
„Gut zu wissen" murmelte er.
„Ok, Severus. Ich muss dann erst einmal los. Ich schaue morgen noch mal bei dir vorbei, einverstanden?"
„Nein, aber ich bin sicher, du kommst trotzdem" schnarrte er. Doch sie lächelte ihn weiterhin an.
-Wann habe ich eigentlich die furchteinflößende Wirkung auf sie verloren? Ach ja, ich erinnere mich, als ich ihr im Koma ausgeliefert war- dachte er und als Antwort antwortete sie.
„Richtig, ich warte übrigens immer noch auf meine Rache"
„Es ist nicht fair, in den Gedanken anderer zu wühlen" sagte er verärgert.
„Ich weiß, aber bei dir ist es einfach zu verführerisch. Enschuldige" sagte sie versöhnlich.
„Viel Glück morgen. Ich komme gegen Abend noch mal vorbei. Und wenn du mir jetzt einen Fluch auf den Hals setzt" fügte sie noch hinzu, als sie sah, dass er seinen Zauberstab bereits umklammert hatte, „dann werde ich Minerva und Harry mitbringen, versprochen."
Mit einem Handkuss und einem Grinsen verschwand sie aus seinen Räumen und ließ ihn mit seiner Wut alleine.
-TBC-
