Er war sich nicht sicher, was er davon halten sollte, dass sie nicht mehr da war, als er am nächsten Morgen aufwachte. Stöhnend setzte er sich auf und griff an seinen Kopf. Was war nur alles passiert? Er konnte sich nur noch an Bruchstücke erinnern. Daran, dass er mit Lily geschlafen und einen seiner hysterischen Anfälle bekommen hatte. Irgendetwas war mit Gideon gewesen. Und irgendetwas mit Alexandra. Und Lily und er waren definitiv zusammen auf dem Bett in seinem Hobby-Zimmer eingeschlafen.
Aber nun war sie fort.
Seine Sinne brauchten einen Moment, um sich zu schärfen, dann jedoch hörte er die Dusche. Erleichtert liess er sich wieder in das Kissen sinken. Ja, es hätte weh getan, zu wissen, dass sie einfach abgehauen war. Das Wasser in der Dusche wurde abgestellt und er hörte sie in die entstandene Stille summen. Nur ein paar Minuten später kam sie aus dem Badezimmer, in ein weisses Badetuch gehüllt. Er konnte nicht anders und warf einen Blick auf sie. Lily hatte noch nicht bemerkt, dass er wach war und kramte in ihrem Koffer. Ihre Brüste konnte er nur erahnen, aber er wusste bereits, wie sie aussahen und wie sie sich anfühlten und wie sie schmeckten.
Das Badetuch fiel zu Boden und er sah sie nun von der Seite. "Morgen.", sagte er laut genug, damit sie es hörte. Erschrocken fuhr sie herum.
"Oh, du bist wach."; sagte sie.
"Ja."; murmelte er und setzte sich nun wieder auf. Sie schlüpfte in ein weisses Höschen und zog einen BH an, dann krabbelte sie auf das Bett neben ihn. "Hast du gut geschlafen."; sie nickte.
"Und du?"
"So gut, wie schon lange nicht mehr.", seine Hand vergrub sich wie immer in ihren Haaren. "Was hast du nur an dir?", fragte er leise und nachdenklich. Lily lächelte.
"Ich bin entzückend, weisst du."; ärgerte sie ihn. Er lachte ein bisschen und streichelte nun über ihre Wange. Urplötzlich stöhnte er frustriert, das Grinsen war wie von seinem Gesicht gewischt.
"Es ist unfair, ich habe so lange auf dich gewartet..."
"Wie lange?", fragte sie neugierig.
"Etwa zwei Jahre.", meinte er, ohne sie an zu sehen. Es war ihm ein wenig peinlich. "Etwas mehr. Ende der vierten, Anfang der fünften Klasse. Nach dem ersten Quidditch-Spiel der Saison in der Fünften habe ich Sirius das erste Mal davon erzählt.", sie lächelte.
"Du hattest den blöden Schnatz gefangen und alle beteten dich an."; erinnerte sie sich. "Und du warst so im Adrenalin-Rausch, dass du einfach alle umarmt hast, die dir in den Weg kamen und ich stand hinter Remus...", er lächelte auch bei der Erinnerung.
"Das ist alles so lange her.", flüsterte er.
"Nur zwei Jahre, James.", erinnerte sie ihn sanft, woraufhin er seufzte.
"Für dich sind es zwei Jahre, Lily. ...für mich ist es mein ganzes Leben.", sie streckte ihre Hand aus um über sein Gesicht zu streicheln, überlegte es sich dann jedoch anders und zog sie wieder unsicher zurück. "Ich bin einfach nicht mehr derselbe.", er drehte sein Gesicht weg und atmete tief durch. Es tat weh, sie nicht haben zu können, jetzt, wo er sie hätte haben können. Das war so widersprüchlich.
"Darum mag ich dich."; flüsterte sich. "Ich glaube, ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie wenig ich dich leiden konnte - aber jetzt, je mehr ich von dir kennen lerne, umso mehr lerne ich dich zu mögen. Du hast dich verändert.", er seufzte.
"Dann war ich unerträglich für dich, als ich glücklich war?", fragte er gequält. "Das ist nicht sonderlich schmeichelhaft.", sie verdrehte ihre Augen und legte ihren Kopf nun auf seine Schulter. Er war immer noch vollständig bekleidet.
"So meine ich das nicht, James."; flüsterte sie verlegen.
"Wie meinst du das dann?", fragte er.
"Ich meine damit, dass du erwachsen und verantwortungsbewusst geworden bist. Du sagst jetzt, das warst du vorher auch und ich kannte dich nicht richtig, aber eigentlich weisst du, dass das nicht wahr ist. Du hast dich verändert, James.", meinte sie und strich über seinen Arm. "Wieso machst du keine Therapie?", fragte sie ihn behutsam.
"Ich brauche keine Therapie. Ich brauche Zeit, um mich zu erholen.", erwiderte er.
Sie sah ihn lange an, dann griff sie nach seiner Hand und küsste seine zitternden Finger. "Du brauchst eine Therapie, Liebling.", flüsterte sie traurig. Er sah auf. Noch nie hatte ihn irgendwer Liebling genannt. Noch nie in seinem ganzen Leben! Und er hatte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Lily Evans damit anfangen würde. Ausgerechnet sie, die Heldin seiner unerfüllten Träume...
"Nein!", sagte er sofort halsstarrig. "Ich brauche keine Therapie, es wird weg gehen, ohne dass ich mich drei Mal die Woche auf eine Couch lege und darüber nachdenke, was passiert ist."
"Und dass du nach fünf Monaten nachts immer noch deine Anfälle kriegst, lässt dich nicht daran zweifeln?", fragte sie langsam nach. Er stöhnte.
"Was sind schon fünf Monate, Lily, ich habe nicht nur gesehen, was sie mit meiner Tante gemacht haben, es war meine Schuld!", flüsterte er. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen es machen, es war meine Entscheidung, sie zu opfern! Du würdest auch mehr als fünf lächerliche Monate brauchen, um dich davon zu erholen!", sie streichelte wieder über seinen Arm.
"Es war nicht deine Schuld."; flüsterte sie traurig. "James, wieso sollte es deine Schuld gewesen sein? Sieh mich an!", er gehorchte ihr und sah zu ihr. "Wieso sollte es deine Schuld gewesen sein?", er stöhnte nur wieder und verbarg sein Gesicht in seinen Händen. "Was ist passiert, Liebling, sag es mir!", bat sie.
"Ich darf dich nicht auch noch zerstören."; flüsterte er schuldig. Ja, die Schuld erdrückte ihn wieder. drückte auf seine Brust, wo sich gerade sein Herz schmerzhaft zusammen zog. "Du hast so viel mehr verdient, als mich.", murmelte er gegen seine Hand. Sie streichelte nun durch seine Haare.
"Gibt Scarlett dir die Schuld?", fragte sie ihn sanft.
"Nein.", erwiderte er sofort. "Nein, tut sie nicht, sie liebt mich! Sie sieht in mir ihren Retter... Sie weint, wenn ich in den Zug ein steige, egal, wer um sie herum ist. Sie hat Angst, wenn ich nicht da bin...", er stöhnte. "Aber ich werde sie enttäuschen. Ich kann niemanden mehr retten, ich bringe nur noch mehr Tod und Verderben..."
"Du bist ihr Retter.", sagte sie fest. "James, du bist ein guter Mensch. Du hast sie gerettet!", ermahnte sie ihn.
"Du klingst jetzt wie Alexandra.", sagte er, dann seufzte er und nahm die Hände von seinem Gesicht. "Tut mir Leid, das war nicht klug.", aber sie sah ihn nicht mehr an. Sie machte sich jetzt von ihm los und stand auf, da folgte er ihrem Beispiel. "Lily, es tut mir Leid..."
"Du hast ihr davon erzählt?", fragte sie nur. Sie klang verletzt, wollte ihn aber nicht mehr ansehen.
"Nein, das war Sirius.", erwiderte James stirnrunzelnd. "Gegen meinen Willen. Er hat es ihr erzählt, damit sie verstehen kann, was mich dazu bewogen hat, ihr weh zu tun.", da drehte sie sich nun zu ihm um.
"Du willst sie nicht, weil sie Mitleid mit dir hat.", erkannte sie nun. "Du... Du wolltest sie, aber nachdem sie wusste, was passiert war, da veränderte sich etwas, weil sie Mitleid mit dir hatte und du das nicht wolltest."; ihr traten jetzt Tränen in die Augen. "Du wolltest mit ihr zusammen sein...", flüsterte sie.
"Nein!", beteuerte er sofort. "Lily, so ist das nicht gewesen!"
"Du lügst."
"Nein!", ermahnte er sie. "Sieh mich an!"; er nahm ihr Gesicht in seine Hände und sah tief in ihre entsetzten, feuchten Augen. "Nein, so ist das nicht gewesen! Sirius wollte uns Ende letztes Schuljahr schon verkuppeln, weil ich immer nur von dir geredet habe und du mich aber nicht erhört hast!"; erklärte er rasch. "Aber ich will sie nicht!"
"Ich glaube dir nicht!"
"Ich gebe zu, dass ich etwas wie Zuneigung für sie entwickelt und deshalb überhaupt erst mit ihr geschlafen hatte, aber dass es nicht geklappt hat, hatte nichts damit zu tun, dass sie Mitleid für mich empfindet, sondern damit, dass ich nicht sie sondern dich will!", er drückte ihr einen erstaunlich weichen, zärtlichen Kuss auf ihre Lippen und liess sie dann los.
"Sagst du die Wahrheit?"; fragte sie.
"Du wirst ja wohl noch erkennen, ob ich lüge oder nicht.", meinte er und unerklärlicherweise lächelte sie nun. Er erwiderte das Lächeln etwas schwach und zuckte mit seinen Schultern. "Darum lüge ich dich nie an. Und wenn ich dich anlüge, dann nur, um mir einen Spass daraus zu machen, wie du dich darüber ärgerst, dass ich lüge, weil du natürlich sofort weisst, dass ich lüge.", das war alles so surreal! Jetzt stand er hier und flirtete mit ihr! Aber es funktionierte, sie lachte leicht, dann schlang sie ihre Arme um ihn und küsste ihn.
Er erwiderte den Kuss, obwohl er das Gefühl hatte, dass es dumm war, jetzt mit ihr zu schlafen. Auf der anderen Seite hatte sie seinen gestrigen Anfall gesehen - und es sah so aus, als würde sie nicht unbedingt versuchen, zu vermeiden mit ihm zu schlafen, um einen weiteren dieser Anfälle zu vermeiden. Das war alles so verwirrend und falsch.
Die Entscheidung, ob er mit ihr schlafen sollte oder nicht, wurde ihm abgenommen, als sich die Tür öffnete. "Miss Evans, haben Sie-", Lily löste sich von ihm und zog die Bettdecke vor ihren halbnackten Körper. Sein Vater kniff seine Augen zusammen.
"Dad!", maulte James. "Klopfst du nicht?"
"Uh - habe ich vergessen, wann musste ich das letzte Mal an diese Tür klopfen?", murmelte Mr Potter. "Uhm, gut, ja, sie hat meinen Sohn gesehen, ich..."
"Verschwinde, Dad!", ermahnte James ihn. Lily war ungefähr so rot wie ein Valentienstagsherzchen und zog die Decke nun auch über ihren Kopf. Sein Vater warf ihm urplötzlich ein Grinsen zu und schloss die Tür wieder. Darüber konnte James nur seine Stirn runzeln. Sein Vater war manchmal genau so ein Idiot wie Sirius...
"Oh Gott, wie peinlich!", flüsterte sie entsetzt. Vor Scham waren Lily wieder Tränen in die Augen getreten und sie begrub sich auf dem Bett unter der Decke. James konnte nicht anders, als zu glucksen.
"Er mag dich, Lily, sei froh, dass meine Mum uns nicht erwischt hat.", beruhigte er sie. "Und - uh - er fand, dass du ein hübscher Anblick bist, denke ich. Sein Blick hat mir förmlich gratuliert...", darauf liess sie nur ein Stöhnen von sich hören. "Mach dir nichts draus, ich bin schon mit ganz anderen Mädchen von meinem Dad erwischt worden.", sie richtete sich nun auf.
"Was meinst du damit schon wieder?"; fragte sie.
"Oh - uh - keine Prostituierten.", versicherte er ihr sofort. "Vanessa Brown zum Beispiel.", sie verzog ihr Gesicht.
"Ugh, jetzt finde ich es eklig, dass ich mit dir geschlafen habe...", beschwerte sie sich. Er lachte ein bisschen und warf ihr ein Kleid zu, das ganz oben auf ihrem Koffer lag.
"Mit der habe ich nicht geschlafen.", grinste er breit. "Er hat uns ja erwischt..."
"Eine Frage habe ich...", meinte sie, als sie das Kleid an zog. Er zog seine Augenbrauen herauf, sodass sie sich räusperte. "Mit wie vielen Mädchen habt ihr denn nun geschlafen? Sirius und du, meine ich."
"Das klingt irgendwie falsch, wenn du es so formulierst.", murmelte er grinsend.
"Uh, ich mache eine Doppelfrage daraus, habt ihr schon einmal zusammen mit einem Mädchen geschlafen?", er lachte.
"Du hast eine kranke Fantasie, Evans.", ärgerte er sie. "Und nein, haben wir nicht."
"Und meine erste Frage?", fragte sie.
"Mh, bei Sirius bin ich mir nicht ganz sicher.", erklärte er. "Ein paar werden schon zusammen kommen, vier vielleicht, fünf. Meistens vergnügt er sich sowieso mit Marlene, weisst du. Die beiden mögen sich sehr gerne und - nun - haben ähnliche Vorlieben."; sie verzog ihr Gesicht wieder, als er an die kleine Truhe vor dem Bett ging und ein sauberes Shirt und Trainingshosen hervor holte.
"Und du?"; fragte sie neugierig. Ihr Blick streifte seinen Körper und er grinste, als er es bemerkte. Sie wurde rot und hörte sofort auf, ihn zu mustern.
"Zwei."; erwiderte er. Sie zog ihre Augenbrauen herauf.
"N - nur Alexandra und ich?", fragte sie ihn schockiert.
"Nur Alexandra und du.", er räusperte sich. "Ich möchte noch betonen, dass du nach Sex gefragt hast. Wenn es zu alles ausser Sex kommt, wird die Liste um ungefähr hunderttausend Mädchen erweitert werden müssen.", sie verdrehte ihre Augen bei seiner masslosen Übertreibung und knuffte ihn in die Seite.
"Geh und putz' deine Zähne, du Angeber!", maulte sie, dann verschwand sie aus dem Zimmer. Er grinste ihr hinterher und fühlte sich plötzlich so gut wie schon lange nicht mehr. Liebling hatte sie ihn genannt und sie scherzte mit ihm herum, so wie sie es vorher getan hatte. Da war kein Mitleid - nur Zuneigung. Die Zuneigung, nach der er so lange gebettelt hatte.
Als er in die Küche kam, da sassen Scarlett, Sirius, Marlene und sein Vater mehr als nur glücklich vor einem Haufen Waffeln, da war Speck und Würstchen und dampfendes Brot. Lily stand an der Anrichte und presste Orangensaft. Seine Mutter sass schon vor einem Glas, guckte aber so, als wäre es Zitronensaft.
"Guten Morgen und frohes neues Jahr zusammen!", grüsste er vergnügt. Scarlett sprang sofort vom Tisch auf, aber er zog seine Augenbrauen herauf. "Ah, ah, ah, wie war das?"; fragte er.
"Oh.", murmelte sie, wurde rot und setzte sich wieder. Er nickte, setzte sich neben sie und zog sie auf seinen Schoss. Glücklich über diesen Umstand bot sie ihm die Hälfte ihrer Waffel an.
"Miss Evans, Sie dürfen gerne für immer bleiben, ich liebe ihre Waffeln!"; strahlte sein Vater.
"Ja, wenn es etwas gibt, was unsere Lily gut kann, dann ist es kochen, backen, stricken, singen, aufräumen, schimpfen, lernen und so ziemlich alles andere auch."; kicherte Marlene. Sirius lachte bellend, verstummte aber, als er, so wie Mr Potter, einen bitterbösen Blick von Mrs Potter zu spüren bekam.
"Tja, ich sehe also, Marlene würde mich sofort heiraten!", grinste Lily leicht und schenkte nun auch James Orangensaft ein, der lachte gerade über ihren Kommentar. Er danke und trank rasch einen Schluck, um sich zu beruhigen.
"Ach komm, nach diesem Frühstück würde dich jeder in diesem Raum heiraten wollen.", grinste Sirius.
"Nicht jeder, hier sind schon zwei verheiratet."; schnappte Mrs Potter, als Mr Potter zwei weitere Waffeln nahm und zustimmend brummte. James stöhnte, aber darauf reagierte Mrs Potter nicht mehr. "Nicht wahr, Edward? Ist doch so?", ihr Mann nickte sofort.
"Selbstverständlich, mein Liebling. Und niemand kann so gut Chinesisch bestellen, wie du.", er grinste breit, als seine Frau rot wurde, das Grinsen verging ihm jedoch sofort, als seine Frau Lily dafür einen bösen Blick zu schoss. Leider sah diese den Blick auch noch, weil sie sich gerade umgedreht hatte, um die Pfanne mit mehr Speck auf den Tisch zu stellen. Sie wurde sofort krebsrot.
"Mum, es reicht.", ermahnte James sie.
"Ich habe nichts gesagt.", verteidigte sie sich. Da Scarlett nun plötzlich aufhörte zu essen und zwischen James und seiner Mutter hin und her sah, seufzte er darauf nur.
"Lily, jetzt schalt mal von deinem Hausfrauen-Modus runter und setz' dich zu uns, Liebes.", meinte Marlene nun, um die Situation zu entschärfen. "Wir glauben dir ja alle, dass du fantastisch bist.", darauf bohrte James seinen Blick in Lilys Gesicht, bis sie ihn an sah und zwinkerte ihr dann zu. Sie wurde direkt noch röter, lächelte aber ein bisschen und setzte sich grinsend zwischen Marlene und Sirius, die beide protestierten. Mr Evans lachte.
"Grandios!", amüsierte er sich, jeden weiteren bösen Blick seiner Frau ignorierend.
"Also - uhm...", stotterte Lily und wandte sich an Mrs Potter. "Haben Sie schön gefeiert gestern?", fragte sie höflich. James wäre für die Antwort seiner Mutter gerne im Erdboden versunken.
"Mein Mann und ich haben gearbeitet. Das ist so, wenn man erwachsen ist, dann kann man sich nicht wild vergnügen, wenn man es will.", sagte sie. Lily wurde knallrot und starrte von da an auf ihren leeren Teller.
"Fiona, du bist wirklich sehr grausam.", maulte Mr Potter nun.
"Sage ich nicht die Wahrheit?", fragte sie wütend.
"Was du sagst, gibt ihr das Gefühl, dass sie sich daneben benommen hat, weil sie gestern gefeiert hat! Aber so ist das, wenn man jung ist, Fiona, wir haben auch gefeiert und uns amüsiert, als wir jung waren!", ermahnte Mr Potter sie stirnrunzelnd.
"Das waren andere Zeiten!", schnappte sie. "In unseren Zeiten wurden nicht einfach so Muggel ermordet, da waren keine Todesser, die sinnlos durch die Gegend ballern und wahllos Frauen vergewaltigen-"
"Hör auf!", Mr Potter erhob seine Stimme jetzt und Mrs Potter wurde rot. "Es reicht Fiona!", Sirius hatte seinen Blick gesenkt, aber Scarlett fing nun an zu weinen. James seufzte.
"Mäuschen, sie meint das nicht so."; sagte er sanft, schoss aber währenddessen einen wütenden Blick mehr auf seine Mutter ab. Diese stand einfach auf und verliess den Raum. Mr Potter räusperte sich.
"Es gibt doch nichts schöneres, als einen ihrer paranoiden Freak-Anfälle am frühen Morgen.", maulte er und stand auf.
Stöhnend lehnte James sich zurück.
"Mach dir nichts daraus, Lily, meine Mutter hat ernstzunehmende Probleme und wenn sogar ich das sage, dann will das was heissen."; erklärte er und tätschelte ihre Hand. Sie sah ihn immer noch nicht an.
Eine Weile schwiegen sie alle vier bedrückt, dann hörten sie es. "Ich habe sie mir angesehen und alles was ich sehe ist eine schöne, junge Frau, die unseren Sohn zum Lachen gebracht hat! Wann hast du ihn das letzte Mal so lachen sehen?", schrie Mr Potter.
"Er ist nicht depressiv!", schrie sie zurück. Scarlett drückte sich näher gegen ihn.
"Aber normal kannst du es auch nicht nennen! Er wird so paranoid wie du, Fiona und sie tut ihm offensichtlich gut! Das arme Ding hat dir nichts getan!", James seufzte und hielt nun seine Hände auf Scarletts Ohren, damit sie seine Eltern nicht auch noch hören musste. Lily wurde rot.
"Es tut mir Leid, das war nicht meine Absicht.", flüsterte sie.
"Du hast nichts getan.", sagte er.
"Muss ich deshalb direkt wie du auf meine Knie fallen und sie anbeten?", Lily wurde nun blass.
"Mach dich nicht lächerlich, Fiona, ich bete sie nicht an, ich bin nur nett zu ihr!", Sirius sprang nun auf und schenkte sich ein Glas Whisky ein. Marlene seufzte, als er die Küche verliess.
"Wir können euch hören!", schrie er laut und ein wenig panisch, dann hörte man seine Zimmertür knallen. Danach herrschte Ruhe. James nahm seine Hände von Scarletts Ohren herunter und küsste sie auf die Schläfe.
Mr Potter kam zurück in die Küche und nahm sich eine Tasse Kaffee, dann setzte er sich zu James. "Weiber.", maulte er seinem Sohn zu. Der zog seine Augenbrauen herauf.
"Du solltest deine Zunge hüten, die sind in diesem Zimmer gerade in der Überzahl.", erklärte er mit einem abschätzenden Blick zu Lily und Marlene.
"Aber Scarlett zählt nicht, sie ist zu klein, um uns etwas zu tun.", erwiderte Mr Potter. "Wo ist Sirius?"
"Er wurde panisch von eurem Streit und hat sich wahrscheinlich in seinem Kleiderschrank eingesperrt, wo er jetzt trinkt, bis die Sonne untergeht.", er zuckte kurz mit seinen Augenbrauen.
"Nehmen Sie sich das nicht zu Herzen, Miss Evans, meine Frau ist eine sehr komplizierte Person und fühlt sich sehr schnell angegriffen von guten Köchinnen.", meinte er er dann und James lachte.
"Jaah, und weil sie Komplexe hat, dürfen wir nicht frühstücken?", fragte er.
"Nun komm schon, wer würde bei diesen Waffeln keine Komplexe kriegen? Ich kriege Komplexe, weil ich so etwas nicht im Traum hinkriegen würde...", erwiderte sein Vater. "Es hilft vielleicht, wenn wir heute Abend bestellen, damit sie herunter kommt.", Lily nickte und seufzte. "Uh, das heisst... Wahrscheinlich wird deine Mutter sich weigern, noch einen weiteren Fuss in die Küche zu setzen, wenn Sie hier sind, demnach essen wir wahrscheinlich sowieso im Büro."; erklärte er dann.
"Und warum dürfen wir dann nicht von Lily bekocht werden?"; fragte James.
"James, lass das jetzt."; ermahnte Lily ihn, immer noch krebsrot und violett gefleckt im Gesicht. "Mr Potter, ich verspreche nicht mehr zu kochen.", meinte sie.
"Das war unser Todesurteil."; maulte er und unter dem Tisch tippte er Lilys Zehenspitzen an. Sie seufzte und zog ihre Augenbrauen herauf.
"Ich denke, ich sehe mal nach Sirius.", erklärte Marlene. James verdrehte seine Augen und drückte Scarletts Ohren wieder zu.
"Bitte behalt dabei deine Kleidung an, Marlene, wenn sie dich jetzt mit Sirius erwischt, dann könnte es sein, dass sie ihren Verstand vollkommen verliert.", ermahnte er sie und Marlene grinste.
"Meine Kleidung hält ihn von gar nichts ab.", ärgerte sie ihn und James verdrehte seine Augen.
"Ihr widert mich an.", informierte er sie.
Darauf zwinkerte Marlene ihm zu und verschwand. Mr Potter schüttelte seinen Kopf. "Also wirklich, Teenager...", erklärte er und James grinste ihn an.
"Mum und du, ihr habt auch gefeiert, als ihr jung wart.", ärgerte er seinen Vater, der auch sofort lachte. Lily stand nun auf und begann, den Tisch ab zu räumen. "Lily, lass das jetzt."
"Wieso? Irgendjemand muss es machen.", er hob seine Augenbrauen an und zog seinen Zauberstab. Sie wurde ganz rot, als sich plötzlich alles von selber aufräumte. "Oh - uh - ja, darauf hätte ich auch kommen können.", murmelte sie verlegen. James seufzte.
"Schon gut, Lily, die Welt wird sich auch weiter drehen, wenn du dir weniger Mühe gibst.", versprach er und zog sie neben Scarlett und sich. Scarlett reagierte sofort und kletterte auf Lilys Schoss. "Na, Mäuschen, hast du gestern schön gefeiert?", fragte er sie und strich über ihre Wange.
"Ja."; erwiderte sie, dann erzählte sie, was sie alles gemacht hatten. James schaltete nach ungefähr zwei Minuten ab. Scarlett redete unheimlich viel, dafür, dass es früh am Morgen war und er eigentlich eher einen Kater hatte, als keinen Kater zu haben. "...und dann haben wir...", sie redete immer noch, als Mrs Potter zurück in die Küche kam.
"Ich gehe jetzt."; sagte sie barsch. "Kommst du mit oder bleibst du weiter hier und tust so, als wäre alles in Ordnung?"
"Jaah, ich komme mit.", meinte Mr Potter stirnrunzelnd, dann küsste er Scarlett auf die Wange und klopfte James kurz auf die Schulter. "Passt gut auf euch auf. Miss Evans, danke für das Frühstück. Bis heute Abend.", verabschiedete er sich.
"Ja, bis heute Abend."; sagte James zurück.
"Bis heute Abend.", meinte auch Lily, woraufhin Mrs Potter schnaubte und wortlos verschwand. Mr Potter verdrehte seine Augen.
"Uh, sie kann so schwierig sein...", maulte er.
"Du hast sie geheiratet."; erinnerte James ihn.
"Und Gott sei Dank dafür, sonst wärst du gar nicht hier.", maulte Lily vorwurfsvoll. "Du bist ziemlich gemein zu der Frau, die dir das Leben geschenkt hat!", Mr Potter grinste plötzlich.
"Und du bist ganz schön gemein zu mir, dafür, dass ich dich verteidige.", gab er knapp zurück.
"Und du bist ganz schön gemein zu mir, dafür, dass ich her gekommen bin und euch bekocht habe!", schoss sie zurück. Er verdrehte seine Augen.
"Dafür bist du-"
"Ihr hört jetzt auf!", verlangte Scarlett und Lily kicherte plötzlich.
"Oh, mein Liebling, James und ich machen nur Spass."; versprach sie und küsste das kleine Mädchen auf ihren blonden Lockenkopf. "Wir ärgern uns gerne gegenseitig, das verstehst du, wenn du älter bist.", da lachte auch Mr Potter.
"Ich muss meiner schönen Furie jetzt hinterher, bevor ich irreparablen Schaden angerichtet habe.", damit verschwand er und James gluckste und stand auf, um Scarlett auf seine Arme zu heben.
"Was werden wir also essen, wenn du nicht mehr kochst?", fragte er Lily und warf ihr dabei einen unergründlichen Blick zu. Sie zuckte mit ihren Schultern.
"Uhm... Keine Ahnung.", erwiderte sie und nahm ihm Scarlett ab. Diese klammerte sich auch sofort an sie. "Möchtest du mit mir spazieren gehen, Engelchen? Dann kannst du mir alles erzählen, was du gestern gemacht hast.", das kleine Mädchen kicherte.
"Wirklich alles?"
"Wirklich alles! Und dass du nichts auslässt.", witzelte Lily, woraufhin James ein bisschen glucksen musste. Sie liess das kleine Mädchen wieder auf den Boden. "Los, geh und zieh dich schön warm an."; befahl sie. Scarlett rannte sogleich los und verschwand aus der Küche. James lächelte Lily an und griff nach ihrer Hand.
"Du bist wundervoll zu ihr.", flüsterte er. "Ich weiss gar nicht, wie ich dir danken kann.", sie lächelte zurück.
"Kommst du mit uns spazieren?"; fragte sie.
"Ich glaube, ich lege mich noch etwas hin.", erwiderte er nur, zog sie aber wie zum Trost näher zu sich und presste seine Lippen auf ihre. "Mach dir keinen Kopf wegen meiner Mutter, sie ist noch merkwürdiger als ich.", grinste er sie an.
"Weisst du was?", flüsterte sie. Er zog seine Augenbrauen herauf. "Ich besitze dich, James."; grinste sie, da lachte er leicht und küsste sie wieder. Ihre Hand legte sich auf die Stelle, unter der sein Herz verzweifelt schlug. "Diesen James...", schliesslich legte er seine Arme um sie und presste sie fest an sich.
Er hatte so lange gewartet, dass sie so etwas sagen würde, dass er glatt vergass, dass er nicht mit ihr zusammen sein konnte, weil er sie zerstören würde. "Du darfst mich ganz haben."; murmelte er gegen ihre Lippen und sie kicherte, löste sich aber von ihm.
"Ich denke darüber nach.", ärgerte sie ihn, da streichelte er über ihre Wange. "Wir sollten nicht vor Scarlett..."; flüsterte sie verlegen, da beugte er sich noch einmal zu ihr und küsste sie flüchtig.
"Es wird mir irgendwann besser gehen."; flüsterte er. "Wirst du auf mich warten?", verlegen wurde sie rot und er seufzte tief. "Uh - vergiss die Frage wieder.", murmelte er beruhigend. "Ich stelle mich blöd an."
"Du bist tagsüber so anders als nachts."; er lächelte.
"Alles ist tagsüber anders als nachts.", sagte er bittersüss und küsste sie wieder. "Ich gehe ein bisschen schlafen.", meinte er dann als wäre es das normalste auf der Welt und liess sie in der Küche stehen. Scarlett lief beinahe in ihn hinein, ihre Wangen ganz rot vor Aufregung. Er fragte sich kurz, ob sie etwas gesehen hatte, aber dann seufzte er nur über den Gedanken.
So wie er Scarlett kannte, hätte sie wie ein Wasserfall geredet oder wäre vollkommen verstört gewesen, wenn sie gesehen hätte, wie James Lily küsste.
