A/N:
liz1988: Yepp, ein bisserl zwischenmenschlicher Ärger musste noch mal sein, schließlich sind unsere CSIs ja ein wenig komplizierter als andere Menschen … ;-)


Auf zum finalen Kapitel!


Kapitel 7
Verschwunden

"Was soll das heißen, Sie haben seit heute Morgen nicht mit Sara gesprochen? Wo ist sie?"

Grissom nahm Jim die Fernbedienung aus der Hand, schaltete den Fernseher aus und sah zur fast leeren Flasche Wein auf dem Tisch neben der Schlafcouch, dann wieder zu Jim.

"Sie ist in ihrer Suite. Ich hab den Tag über mehrfach versucht, mit ihr zu reden, aber sie hat mir weder geantwortet, noch aufgemacht", brummte dieser und wich Grissoms Blick aus.

"Vielleicht war sie gar nicht da?"

"Doch, einige Male hab ich ihre Stimme gehört, wahrscheinlich hat sie telefoniert."

Es klopfte. Die Tür ging auf und Greg stand vor ihnen, einen Rucksack in der Hand. Grissom sah ihn entgeistert an.

"Was machst du denn hier? Du hast Rufbereitschaft!"

Greg trat ein und warf sein Gepäck neben die Couch.

"Ich will zu Sara. Ecklie hat mir zwei Tage freigegeben."

"Seit wann verstehen Sie sich so gut mit Ecklie?", fragte Jim.

"Seit wann sind Sie so ein Scheißkerl, Brass?"

Jim stand auf.

"Ich weiß nicht, was Sara Ihnen erzählt hat, Sanders, aber …"

"Genug, dass ich Ihnen am liebsten eine reinhauen würde."

Grissom trat zwischen die beiden.

"Ganz ruhig, es gibt nichts, was man nicht mit einem Gespräch klären kann."

"Das hat Sara auch gedacht, aber da hat sie sich bei Ihnen ja leider geirrt, Brass."

"Halten Sie sich da raus, Sanders, das geht nur Sara und mich etwas an. ICH bin mit ihr zusammen, nicht Sie."

"Nun, Saras Männergeschmack hab ich auch noch nie verstanden."

"Ruhe!", rief Grissom und fasste sich an die Schläfe. „Am besten, wir probieren noch einmal, ob sie jetzt endlich aufmacht."

Er ging an Greg vorbei auf den Flur. Die beiden anderen folgten ihm.

Energisch klopfte Grissom an die Tür der Suite.

"Sara? Sara, hörst du mich? Mach bitte auf."

Greg drängte ihn zur Seite und ruckelte am Türknauf.

"Sara, ich bin's, lass mich rein, ja?"

Stille.

Greg zückte sein Taschenmesser, beugte sich über den Griff, und nach ein paar Sekunden schwang die Tür auf.

"Ich frag lieber nicht, woher du das kannst", murmelte Grissom und betrat den Raum.

Die Suite lag im Dunkeln. Jim tastete nach dem Schalter an der Wand und knipste das Licht ein.

Die drei Männer sahen sich um und suchten auch im Bad und auf der Dachterrasse, doch Sara war nicht da.

"Hier", sagte Greg und öffnete den Seiteneingang, „unverschlossen. Wie's aussieht, hat sie die Minibar geplündert und ist jetzt unterwegs. Ohne Handy, denn das liegt dort drüben."

Jim ging zum Schreibtisch, prüfte das Handy und legte es resigniert zurück auf die Tischplatte.

"Der Akku ist leer. Wie lange haben Sie eigentlich mit ihr telefoniert, Sanders?"

"So zwei, drei Stunden? Aber verteilt auf mehrere Anrufe …"

Greg stellte sich neben Jim und untersuchte den Schreibtisch.

"Hier, sie malt immer beim Telefonieren, vielleicht ist ein Hinweis dabei."

Jim nahm ihm den Notizblock aus der Hand und Greg und Grissom schauten ihm über die Schulter. Zwischen Strichmustern und kleinen Landschaften waren mehrfach die Namen von Jim und Greg gekritzelt.

"An Ihrer Stelle wäre ich mir nicht so sicher, dass Sie noch mit ihr zusammen sind, so oft, wie Sara Sie hier durchgestrichen hat", sagte Greg.

Jim ließ den Block sinken.

"Sanders, ich weiß selbst, dass ich Mist gebaut habe, okay? Können wir jetzt zusammenarbeiten? Mir gefällt es gar nicht, dass Sara nachts da draußen unterwegs ist. Alleine."

"Woher wollen Sie wissen, dass sie alleine ist?", fragte Grissom. „So leichtsinnig … oh … doch … das ist sie."

"Manchmal hält sie sich eben für unverwundbar", murmelte Jim und hielt den Block wieder hoch.

Greg schüttelte den Kopf.

"Manchmal ist sie sich selbst einfach nur scheißegal, DAS ist das Problem."

„Hey, Jungs, was macht ihr in meinem Zimmer?"

Die drei drehten sich um und mit einem Satz war Greg bei Sara und nahm sie in den Arm.

"Sar', wir haben uns Sorgen gemacht – oh Gott, du bist ja klitschnass! Und du zitterst! Was ist passiert?"

Sara befreite sich aus seiner Umarmung, rieb sich mit den Händen über ihr tropfnasses Oberteil und ging zum Kleiderschrank.

"Halb so wild, ich bin ins Wasser gefallen. Ich muss mir nur dringend trockene Sachen anziehen."

"Wo bist du ins Wasser gefallen?", fragte Grissom.

"In der Nähe von Fort Point," bibberte sie und sammelte ein paar Kleidungsstücke aus dem Schrank.

"An der Golden Gate Bridge?", fragte Grissom, „Du bist aber nicht … ähm …"

Sie warf ihm einen verächtlichen Blick zu.

"Nein, ich bin nicht von der Brücke gesprungen", sie sah weiter zu Jim, „ich halte mich nämlich NICHT für unverwundbar."

"Aber wie …", begann Greg. Sara schnitt ihm das Wort ab.

"Ich hab mir auf einem der Fischerstege den Sonnenuntergang angeschaut. Als ich zurück wollte, ist mir schwindlig geworden und ich hab den Halt verloren. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss lange und heiß duschen."

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Als Sara nach einer dreiviertel Stunde in frischen Sachen und mit trockenen Haaren wieder aus dem Badezimmer trat, stand Greg vom Bett auf und kam auf sie zu.

"Wie geht's dir?"

"Ich bin okay, Greg, wirklich", sie schaute sich im Zimmer um, „wo ist Grissom?"

"Drüben, und Jim ist …"

"DER interessiert mich nicht."

Sie setzte sich auf die Bettkante und schaute zum flackernden Kamin.

"Oh, schön, wer hat …"

"War Jims Idee."

Sara schnaubte und presste ihre Lippen aufeinander. Greg setzte sich neben sie und nahm ihre Hand.

"Desinteresse sieht aber anders aus, Sar'."

Sie sah ihn wütend von der Seite an und wollte ihre Hand wegziehen, doch er ließ sie nicht und hielt ihrem Blick stand.

"Ich glaube, es tut ihm echt Leid, wie er sich verhalten hat."

"Das soll er mir gefälligst selbst sagen."

"Würde ich auch gerne, wenn du mich lässt."

Sara drehte sich zu Jim um, der mit einem Tablett in den Händen in die Suite trat. Greg gab Sara einen Kuss auf ihren Handrücken und stand auf. Als er beim Hinausgehen an Jim vorbei kam, zischte er:

"Wenn Sie's diesmal versauen, kann auch Grissom mich nicht mehr zurückhalten", er senkte die Stimme, „außerdem ist Ihre Couch jetzt anderweitig belegt."

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Jim stellte das Tablett vorsichtig auf dem Nachttisch ab, goss heißen Tee in einen Becher und reichte ihn Sara. Dann deutete er auf einen Teller mit Schnittchen, doch sie schüttelte den Kopf.

"Ich hab keinen Hunger, danke."

Jim sah sie nachdenklich an.

"Wann hast du das letzte Mal was gegessen?"

"Vorhin. Die Erdnüsse aus der Minibar."

"Die zählen nicht."

Sie verdrehte die Augen.

"Dann halt gestern Abend, na und? Ist nicht jeder so heiß aufs Essen wie du. Vor allem nicht auf Schokokekse."

Jim hockte sich vor sie auf den Boden und berührte ihre Knie.

"Sara, es tut mir Leid, dass ich dich so verletzt habe. Ich … Als ich dich und Gil gesehen hab, da ... Schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass zwischen ihm und dir …"

"Eine Schwärmerei, Jim. Wie damals bei Ken, nur hatte DER es wirklich nicht verdient."

Jim schaute einen Augenblick lang schweigend zu Boden. Dann richtete er seinen Blick wieder in Saras Augen.

"Was fühlst du für Gil?"

"Ich bewundere ihn. Und ich liebe ihn …"

Jims Augenlider zuckten und er wich ein wenig zurück, doch Sara stellte schnell ihren Becher ab, fasste Jim unters Kinn und sah ihn eindringlich an.

"Wie einen Freund, einen Mentor. In all diesen schrecklichen Therapiesitzungen, die ich im letzten Jahr gemacht habe, ist mir klar geworden, dass ich in ihm etwas gesucht habe, was … na ja …du weißt schon, Sehnsucht nach Anerkennung, Vaterkomplex und all dieses Psychozeugs."

"Sara, ich bin zweieinhalb Jahre älter als Gil. Bist du dir sicher, dass es bei mir nicht auch nur …"

"Ich bin mir sicher, Jim. Ich will von dir keine Anerkennung … ich will dich als Mann."

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Grissom erwachte von einem Schlag ins Gesicht, setzte sich ruckartig im Bett auf und blinzelte ins Sonnenlicht. Neben ihm auf dem Nachttisch piepte sein Wecker und auf seinem Schoss lag ein Kopfkissen.

"Bitte mach endlich das verdammte Ding aus!", stöhnte Greg gegenüber auf der Schlafcouch und hielt sich die Ohren zu.

Grissom griff neben sich, und das Piepen verstummte.

"Greg, du hast doch nicht etwa?"

"Mein Kissen nach dir geworfen? Natürlich hab ich das, du bist ja nicht aufgewacht und ich steh nicht auf frühmorgendliche Weckerorgien."

Greg zog sich die Bettdecke über den Kopf.

Grissom starrte ihn an, griff dann zu seinem Handy, drückte eine Schnellwahltaste, horchte, grummelte unwillig, drückte eine weitere Schnellwahltaste, schüttelte den Kopf, machte das Handy wieder aus und legte es zur Seite. Dann griff er zum Festnetztelefon des Hotels.

"Was hast du vor?", fragte Greg und linste unter der Decke hervor.

"Sara und Jim gehen nicht an ihre Handys. Ich ruf jetzt in der Suite an."

"Ich würd's lassen. Die beiden sind schon beängstigend genug, wenn sie einzeln wütend sind, aber gemeinsam, das könnte echt gefährlich werden."

"Ich wollte doch nur fragen, ob alles in Ordnung ist. Und ob sie gleich mit zur Konferenz kommen."

"Die Antwort lautet: Jain."

Grissom schaute den jungen CSI irritiert an. Greg grinste.

"Den SEHR eindeutigen Geräuschen nach zu urteilen, die noch bis vor zwei Stunden von drüben kamen, ist alles in Ordnung und sie sind zu fertig, um jetzt irgendwo mit dir hinzugehen."

"Ich hab nichts gehört."

"Du solltest deinen Schlaftablettenkonsum eindämmen."

Grissom warf Greg einen misslaunigen Blick zu, stand auf, nahm sich frische Kleidung aus dem Schrank und verschwand im Bad. Als er geduscht und angezogen wieder herauskam, ging er zur Couch und zog dem schlafenden Greg mit einem Ruck die Bettdecke weg.

"Hey, was soll das?"

"Du stehst jetzt auf. Oder hast du geglaubt, ich geh allein zur Konferenz?"

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Es klopfte und Sara öffnete die Tür der Flugzeugtoilette einen Spalt breit. Als sie Jims Gesicht sah, machte sie blitzschnell ganz auf, griff nach seinem Hemdkragen, zog ihn zu sich in die Kabine und verriegelte die Tür.

"Man, ich dachte schon, du hast das nicht kapiert", flüsterte sie.

"Wie sollte ich SO einen Blick nicht kapieren?", grinste er, packte sie an der Hüfte, presste sie gegen die Wand und knöpfte ihre Bluse auf. „Aber ich dachte, es wäre für Gil und Greg zu offensichtlich, wenn ich dir gleich hinterher stürze."

Jim küsste sie und spürte, wie ihre Finger seinen Gürtel, Hosenknopf und Reißverschluss öffneten, in seine Hose schlüpften und ihn zu massieren begannen. Er stöhnte leise auf und sie hielt inne.

"Lügner", murmelte sie, „gib's zu, du wolltest mich nur zappeln lassen. Aber DAS Spiel beherrsche ich auch …"

The end