Kapitel 6

Dumbledore bestätigte, dass in diesem Jahr tatsächlich das Trimagische Turnier stattfinden würde, es jedoch nur für volljährige Schülerinnen und Schüler erlaubt war, sich zu bewerben. Da würde Dracos Traum vom Sieg wohl zerplatzen.

Nach seiner Ansprache gingen wir runter zu unseren Schlafsälen und legten uns schlafen. Ich persönlich war ziemlich erschöpft, aber Brianna und Makayla entschieden, dass es noch nicht Schlafenszeit war.

„Hast du gesehen, wie er mich angeschaut hat?", rief Makayla aufgeregt.

„Ja", quietschte Brianna. „Er steht total auf dich!"

„Wer?", fragte Rose verschlafen.

„Dein heißer Bruder, du Loser. Er ist im Gegensatz zu dir cool." Makayla warf ihr schimmerndes blondes Haar über die Schulter. „Er hat mich definitiv angelächelt. Ich habs genau gesehen."

„Bist du sicher, dass nicht Daphne hinter dir stand", stichelte Tara. „Ich könnte schwören, dass er sie letzten Valentinstag um ein Date bitten wollte."

„Das stimmt", sagte Rose und kicherte. „Blaise redet von nichts anderem als Daphne."

„Ach, haltet doch die Klappe", fauchte Makayla. „Bri, komm. Wir suchen uns Leute mit mehr Niveau. Ach und Astoria, versuch doch mal, ein bisschen weniger offensichtlich zu sein, wenn du Draco siehst. Dein Sabbern ist widerlich." Die Tür knallte hinter den beiden zu.

Sabberte ich wirklich?

„Du sabberst nicht", beruhigte Rose mich.

„Gut, ich dachte schon..."

Rose kicherte. „Aber es merkt schon jeder Blinde, dass du ihn magst. Wie du ihn anschaust... Und der Dummkopf weiß es noch nicht mal. Stattdessen bändelt er mit Pansy an, die ihn nur mag, weil er ein Malfoy ist und Geld hat. Du bist viel zu gut für ihn."

Ich wurde rot. „Können wir bitte aufhören..."

„Ach, Tori." Rose seufzte leise. „Wirst du ihn jemals vergessen?"

Die Antwort lautet nein. Nein, ich kann es nicht. Damals nicht und heute nicht. Ich bin – und bleibe – ein hoffnungsloser Fall. Ich schwieg.

„Gute Nacht", sagte Rose nach einer Weile.

Ich drehte mich auf die Seite und starrte aus dem Fenster in die sternenklare Nacht.

„Gute Nacht, Rose", murmelte ich.

Würde er mich jemals bemerken? Wirklich bemerken? Vielleicht hatte Rose Recht, vielleicht sollte ich einfach über ihn hinwegkommen, neu anfangen. Ich war 12, mein ganzes Leben lag vor mir verdammt.

x

Wenige Tage später trafen an Halloween die Gäste von den anderen Schulen ein. Alle waren schier aus dem Häuschen, dass eine Berühmtheit wie Viktor Krum die Schule besuchte. Theo, Rose und mich ließ dieses Ereignis aber eher kalt. Wir verbrachten die Zeit, die andere damit verbrachten, um den Kelch herumzulungern oder Krum und/oder Fleur hinterherzujagen, lieber in dem Klassenraum, wo wir unsere Ruhe hatten.

Wir beteiligten uns nicht wie viele andere Slytherins an der Potter-stinkt-Kampagne. Stattdessen rätselten Theo und Rose, wie es dazu kommen konnte, dass Harry Potter der vierte Champion geworden war. Denn das war mehr als verdächtig.

Nach der ersten Aufgabe im November, die alle Champions erfolgreich meisterten, wurde der Weihnachtsball angekündigt.

Da Rose und ich erst zwölf waren, war die Wahrscheinlichkeit, auf den Ball zu kommen, sehr gering. Ich verfluchte die Altersbegrenzung. In meinen Träumen sah ich mich schon zusammen mit Draco in einem wunderschönen Kleid über die Tanzfläche wirbeln, aber das war ja wohl mehr als unwahrscheinlich.

„Ich werde nie einen Partner finden", beklagte ich mich eines Tages bei Rose, als wir in dem Klassenraum saßen und auf Theo warteten. „Es sind jetzt nur noch wenige Tage und mich hat noch keiner gefragt."

„Dann frag du doch jemanden", schlug Rose vor. Sie kritzelte mal wieder auf ihrem Block herum.

„Wen denn? Sie würden alle nein sagen."

„Draco", sagte Rose mit einem breiten Grinsen.

„Niemals", rief ich schnell und spürte die Röte in mir aufsteigen. „Er geht außerdem schon mit Pansy."

„Ich weiß. Deswegen hat Daphne auch Blaise gefragt." Sie seufzte. „Ob ich ihm sagen soll, dass sie das nur gemacht hat, weil Draco sein bester Freund ist?"

„Du willst ihm doch nicht den Abend versauen." Ich klappte entnervt mein Buch zu. Dämliche Hausaufgaben.

„Stimmt auch wieder."

„Hast du schon eine Begleitung?", fragte ich und als Rose ein wenig rot wurde, wusste ich, dass da etwas war. „Wer?"

Sie zögerte. „Theo... Macht es dir was aus?"

„Nein", erwiderte ich kopfschüttelnd. „Ist schon okay. Ihr habt so einen Draht. Es sollte mich gar nicht überraschen. Und zufällig hat er auch noch das richtige Alter."

„Tut mir leid", sagte Rose. Sie schien sich ernsthaft unwohl zu fühlen.

„Nein, wirklich. Ich fände es sogar komisch, wenn ihr nicht zusammen zum Ball gehen würdet", beteuerte ich.

Rose lächelte und sah verträumt aus dem Fenster. „Er ist wirklich nett..."

„Willst du damit sagen...?"

„Oh Merlin, nein! Ich bin zwölf, er ist vierzehn, fast fünfzehn." Rose schüttelte den Kopf. „Er sieht in mir wahrscheinlich eher eine kleine Schwester."

„Das ist immerhin schon etwas", murrte ich. „Draco sieht in mir gar nichts. Er weiß wahrscheinlich gerade so meinen Namen."

„Mach dich nicht runter", erwiderte Rose. „Du bist ein tolles Mädchen. Und wenn er zu doof ist, um das zu merken, ist er definitiv nicht gut genug."

Ich biss mir auf die Lippe. „Oder er ist zu gut."

„Ist er nicht." Rose legte den Kopf schief. „Warts ab, Astoria. Er muss sich erst darüber klar werden, was im Leben wichtig ist und was nicht."

„Wie meinst du das?"

„Du wirst schon sehen, Tori."

Ich wandte mich stirnrunzelnd meinen Hausaufgaben zu. Wenn sie meinte... Rose hatte sowieso die Angewohnheit, immer ein bisschen mehr zu wissen, als alle anderen.

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Der Abend des Balls kam. Während alle anderen sich fertig machten, aufgeregt herumwuselten, auf der Suche nach irgendwelchen Schminkutensilien oder verlorenen Ohrringen, half ich Rose beim Fertigmachen. Nicht gerade das, was ich mir erträumt hatte, aber es ist nun einmal die Realität. Nichts ist jemals so, wie man es sich erträumt.

Makayla zog eine Show ab, weil Bri ihren Kajal abgebrochen hatte. Bri heulte aufgelöst, weil ihr Kleid ein Loch hatte – sie kam nicht drauf, es einfach heil zu zaubern.

Nachdem ich Rose' Haare gemacht hatte, die ihr nun halboffen über den Rücken fielen wie ein Wasserfall und mit einer mit glitzernden Edelsteinen besetzten Spange aus dem Gesicht gehalten wurden, war ich arbeitslos. Ich konnte weder mich fertigmachen, noch Rose helfen, da sie fertig war. Sie trug ein blassrosa Kleid, das ihr hervorragend stand.

„Du siehst toll aus, Rose", sagte ich, während sie sich im Spiegel betrachtete.

„Ja? Wirklich?"

„Theo werden die Augen aus dem Kopf fallen", versicherte ich.

Sie lachte leise. „Das bezweifle ich."

„Tja, dann ist er ordentlich blind."

Sie wandte sich um und musterte mich in meinen Alltagsklamotten. „Tut mir leid, dass du nicht gehen kannst."

Ich winkte ab. „Ach was, es ist ja nur so ein dämlicher Ball."

Rose legte den Kopf schief, sie wusste, dass ich log. „Ich hätte ja Blaise für dich gefragt, aber er..."

„Schon okay, Rose", sagte ich schulterzuckend. „Es ist nun einmal so, wie es ist."

Rose setzte sich auf ihr Bett und begann zu zeichnen; nicht auf die Art wie wenn sie eine Zukunftsvision hatte, sondern ruhig und gelassen. Ich beschloss, sie nicht zu stören und floh auf den Gang, wo ich hoffte meine Ruhe zu haben.

Auf halbem Weg kam mir Daphne entgegen, halb angekleidet, halb nackt, und schrie irgendeine Erstklässlerin an, die ihr Kleid hatte bügeln sollen.

Ich hielt sie an. „Daphne, was denkst du dir eigentlich dabei? Das ist ein Kind, keine Bedienstete."

„Ich habe keine Zeit für deine Moralpredigten, Astoria. Ich habe mich auf einen Ball vorzubereiten." Sie musterte mich. „Im Gegensatz zu dir."

Ich blickte an mir herunter und betrachtete meine Klamotten. Jogginghose und ein ausgeleierter Pullover. „Es ist aber falsch-"

„Halt die Klappe, Astoria. Ich habe keine Zeit."

„Daphne..."

„Lass mich in Ruhe, du Ungeziefer."

Mir platzte der Kragen. „Ungeziefer?! Tickst du noch?! Wenn das hier einer ist, dann bist du das. Nur weil Pansy Draco abbekommen hat, krallst du dir Blaise, um es Draco zu zeigen? Wie hinterhältig ist das denn?"

„Halt dich da raus und verschwinde", rief Daphne genervt. „Ich habe wenigstens ein Date."

Ich verletze immerhin nicht anderer Leute Gefühle. Blaise mag dich wirklich", konterte ich.

„Das geht mir am Arsch vorbei, Astoria. Lass mich vorbei. Und deine Predigten kannst du dir sonst wohin stecken." Sie schubste mich zur Seite und stürmte davon. Ich starrte ihr mit offenem Mund hinterher. Manchmal war sie wirklich gemein.

Ich wandte mich wieder ab und stieß fast mit Millicent Bulstrode zusammen. Sie entblößte eine Reihe ihrer perlweißen Zähne und knurrte mich an. „Aus dem Weg, du Missgeburt."

Meine Entschuldigung blieb mir im Hals stecken. Wortlos trat ich beiseite und ließ sie durch. Hatten heute alle beschlossen, sich unmöglich zu benehmen?

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Um Mitternacht strömten so langsam die Leute zurück in ihre Häuser. Ich saß im Gemeinschaftsraum und las in einem Buch über Heilkunde, als die ersten johlend den Raum betraten. Sie schienen ziemlich angeschickert zu sein – irgendjemand hatte wahrscheinlich Alkohol auf den Ball geschmuggelt.

Jemand drehte die Musik auf und die Paare tanzten weiter. Flaschen wanderten durch die Reihen, der Alkohol floss. Und ich war mittendrin in einer Jogginghose mit einem Buch. Verrückt.

Ich entdeckte Pansy und Draco in einer Ecke, die eng umschlungen zu ihrer eigenen Musik tanzten und spürte sofort die Eifersucht in mir drin. Blinzelnd wandte ich den Blick ab. Daphne schien es nicht besser zu ergehen. Obwohl Blaise sich augenscheinlich herausgeputzt hatte, sah sie immer zu Draco herüber. Ich fragte mich, was sie dachte. Empfand sie wirklich etwas für Draco? Echte Gefühle? Meine Schwester war mir ein einziges Rätsel. Mal war sie nett, mal unausstehlich. Mal glücklich, mal todunglücklich. Und alles, ohne jeglichen ersichtlichen Grund. Dabei war sie doch die Privilegiertere von uns beiden, diejenige, die den Ruhm einheimsen würde, während ich sehen konnte, wo ich blieb. Es war so ungerecht.

„Astoria, willst du tanzen?"

Eine Stimme ganz nah an meinem Ohr ließ mich zusammenzucken. Ich blickte hoch in Carlton Macnairs Gesicht, der mir die Hand hinhielt.

Bevor ich etwas sagen konnte, hatte er sie ergriffen und mich auf die Tanzfläche gezogen.

„Carlton... ich will wirklich nicht..."

„Lass doch mal locker, Astoria", sagte er grinsend. „Ein Tanz wird dich nicht umbringen."

Die Musik setzte ein und er wirbelte mich gekonnt durch den Raum. Mir war fast schwindelig, aber irgendwie genoss ich es auch. Carlton war zwar nicht gerade der Mensch, mit dem ich am liebsten meine Zeit verbringen wollte, doch wenigstens bekam ich so noch einen Tanz.

Plötzlich spürte ich, wie jemand an meinem Pullover zerrte, und mich von Carlton wegschob.

„Was denkst du dir eigentlich, du kleine Schlampe?" Es war Millicent. Und sie war stinksauer. Ihre Augen glühten wie heiße Kohlen und sie schnaubte wie ein Bulle.

Ich starrte sie an. „Was bei Merlin meinst du..."

„Du weißt genau, was ich meine", kreischte sie. Ihr Gesicht verfärbte sich gefährlich rot und an ihrer Stirn trat eine wild pulsierende Ader hervor.

Ich zog die Augenbrauen hoch. Allmählich starrten immer mehr zu uns rüber.

Carlton lachte laut. „Ladies, kein Grund euch zu streiten. Ich bin für alle da."

Am liebsten hätte ich ihm eine gelangt. Millicent warf ihm einen flirtenden Blick zu. Dann wandte sie sich wieder mir zu. Sie sah aus wie eine Bombe kurz vorm Explodieren.

„Du!" Sie deutete anklagend mit dem Finger auf mich. „Hast mir mein Date ausgespannt."

Ach, darum ging es? Um Carlton? Ich musste gegen meinen Willen lachen. „Oh, das verstehst du falsch. Er wollte tanzen, ich nicht."

„Du weißt, dass das nicht stimmt, Milli", sagte Carlton. „Sie hat mich verführt."

Verführt? Mit einer ausgebeulten Jogginghose, meinem anziehendem Heilkundebuch und dem hässlichen Pullover? Genau. Erwischt, ich gebe es ja zu. Das gehörte alles zu meinem teuflischen Plan.

„Carlton labert Mist, Milli ", sagte ich. „Wenn ihr mich jetzt entschuldigt... Ich bin zu müde für diesen Kram."

„Halt, halt, nicht so schnell", sagte Millicent. „Das gibt noch Rache." Sie sprang vor wie eine Raubkatze und zog ihre Fingernägel über meine Wange. Es brannte höllisch.

„Aua, tickst du noch richtig?" Ich hielt mir die Wange.

„Leg dich niemals mit Millicent Bulstrode an, kleine Astoria, wenn dir dein Leben lieb ist."

„Lass sie in Ruhe, Milli", tönte Daphnes kalte Stimme vom anderen Ende des Raumes zu uns herüber.

„Halt dich da raus, Daphne", knurrte Millicent. „Das geht dich einen Dreck an."

„Es geht mich sehr wohl etwas an." Daphne stolzierte in ihrem cremefarbenen Ballkleid auf uns zu. Sie sah umwerfend aus. „Dieses Mädchen, dem du gerade das Gesicht zerkratzt hast, ist meine Schwester."

„Das wissen verdammt noch mal sogar Crabbe und Goyle", fauchte Milli.

„Wissen sie auch, dass man sich nicht mit meiner Familie anlegt?" Daphne stieß mich zur Seite und zückte ihren Zauberstab. Ich konnte den Alkohol in ihrem Atem riechen.

„Daphne, hör auf." Ich griff nach ihrem Arm, doch sie schüttelte mich ab.

Milli wurde kleiner, schrumpfte zusammen wie ein Schwamm, der in der Hitze austrocknet. „Hey, schon gut." Sie hob abwehrend die Hände und wich zurück, bis sie gegen Carlton stieß. Dort wandte sie sich um und verließ mit schnellen Schritten den Gemeinschaftsraum.

Daphne senkte ihren Zauberstab.

„Danke", flüsterte ich.

„Für was?", entgegnete sie. „Geh ins Bett, Astoria."

Ich wollte gerade etwas erwidern, als ich ihren Blick sah und rasch den Gemeinschaftsraum verließ. Beim Hinausgehen erhaschte ich Rose' Blick. Sie stand bei Theo und sah mich fragend an. Ich zuckte hilflos mit den Schultern.

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In meiner gesamten Schullaufbahn hasste ich den Valentinstag. Ich hasste ihn!

Alles war rosa und kitschig, in der Halle rieselten Rosenblätter von der Decke und es spielten grässliche Liebeslieder. Alle rannten mit ihren Plüschbären, Pralinenschachteln, Blumensträußen und Valentinskarten durch die Schule, um sie ihren Freunden zu präsentieren. Ach ja, und habe ich schon die Pärchen erwähnt, die überall auftauchen wie Parasiten? Sich küssen und knuddeln und schmalzige Liebesbotschaften zuflüstern?

Okay, erwischt, ich bin neidisch. Denn ich schaffte es, an keinem einzigen Valentinstag etwas zu bekommen. Keine heimlichen Verehrer, keine Pralinen, keine Karten, gar nichts. Das nagt ganz schön am Selbstbewusstsein.

Als Rose und ich an diesem Valentinstag erwachten, lag an dem Fußende ihres Bettes eine Karte. Rose gähnte und griff danach. „Hm, anonym."

„Bestimmt von Theo", sagte ich und lunste hoffnungsvoll zu meinem Fußende. Gar nichts. Ich war irgendwie enttäuscht.

„Oh Merlin, nein. Auf so etwas kommt der bestimmt gar nicht. Ich bin in seinen Augen doch nur die kleine Rose, die tolle Bilder zeichnet."

„Ach ich wette doch", sagte ich und versuchte, meine Enttäuschung zu verbergen. Ohne Erfolg, wie es schien.

„Sei nicht enttäuscht, Tori. Die Jungs merken schon irgendwann, wie toll du bist."

„Ich bin doch gar nicht enttäuscht", entgegnete ich.

Sie lächelte. Ich sah ihr an, dass sie mir kein Wort glaubte. „Komm, lass uns was Frühstücken gehen."

Wir setzten uns zu Theo, der Rose und mich fragte, ob wie eine Karte bekommen hatten. Wir schwiegen beide, also gab er das Thema auf.

„Freut ihr euch schon auf die zweite Aufgabe?", fragte er schließlich, um doch noch ein Gespräch zum Laufen zu bekommen.

Rose griff in ihre Tasche und holte eine Zeichnung heraus. „Meinst du die?"

Die Zeichnung zeigte den Grund des Sees, in etwa wie eine kleine Stadt. Vier Menschen schwebten bewusstlos im Wasser und wurden von Wesen beschützt, die ich als Wassermenschen erkannte.

„Du hast sie gezeichnet?"

„Ja, vor ein paar Tagen." Rose zuckte mit den Schultern. „Ist wirklich nicht so wichtig."

„Deine Gabe ist erstaunlich", entgegnete Theo fasziniert. „Wieso zeichnest du ausgerechnet das und nichts anderes?"

„Das kann ich nicht beeinflussen." Rose stopfte die Zeichnung wieder in ihre Tasche und ließ ihre tiefbraunen Haare nach vorne fallen, sodass sie wie ein Schleier ihr Gesicht verhüllten. „Ich muss es einfach zeichnen."

„Ich werde das Rätsel schon lösen", erwiderte Theo. Seine dunklen Augen glänzten vor Begeisterung. „Ich liebe Rätsel und du, liebe Rose, bist eins."

Wir blickten alle hoch, als Daphne und Pansy in die Große Halle stürmten und sich so ansahen, als wollten sie sich am liebsten umbringen. Später erfuhr ich von Rose, dass sie beide eine Karte von Draco erhalten hatten und sich nun darum stritten, wer ihm mehr bedeutete.

Pah, sie hatten wenigstens eine Karte bekommen. Ich hätte mich gefreut.

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Nachdem die Champions ihre Aufgabe mehr oder weniger erfolgreich gemeistert hatten, beriet Dumbledore sich mit den Wassermenschen und die Punkteverteilung kam ziemlich überraschend für alle. Cedric und Harry waren in der Gesamtwertung beide auf dem ersten Platz.

Wir machten uns auf dem Weg zurück in den Gemeinschaftsraum, wo Rose und ich uns an einen Tisch setzten, um die versäumten Hausaufgaben zu machen, die uns die Lehrer trotz zweiter Aufgabe aufgehalst hatten.

Draco begann am anderen Ende des Raumes ein lautes Gespräch mit seinen Freunden.

„Habt ihr Potter gesehen? Wie er mal wieder den Helden spielen musste? Dieser Junge kann nicht anders, oder? Alle lieben Potter." Er schnaubte verächtlich. „Potter hat mal wieder die Welt gerettet. Er ist ja so ein bewundernswerter Junge."

Crabbe und Goyle grinsten und nickten. „Du hast Recht, Draco."

Waren ihre Gehirne irgendwie miteinander verwachsen oder warum redeten sie beide das Gleiche?

„Aber wirklich", sagte Daphne laut. „Er drängt sich immer so in den Vordergrund mit allem, was er tut. Er kann nicht anders, als Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der Junge, der lebte. Der Junge, der den Dunklen Lord besiegte. Pff. Der hat doch nur Glück."

Wenn man das Glück nennen kann... wohl eher Glück im Unglück.

„Wisst ihr noch, wie er in der ersten Klasse unbedingt diesen dämliche Stein retten musste?"

Seine Freunde nickten.

„Ist euch mal aufgefallen, dass es irgendwie komisch ist, dass die Grenzen überwindbar für einen Erstklässler waren?" Theos ruhige Stimme hallte plötzlich durch den Raum. Ich blickte ihn überrascht an. Was tat er da? „Dumbledore hatte da sicher seinen Anteil daran."

„Wie grässlich", entfuhr es mir, als mir klarwurde, dass Theo zwangsläufig recht hatte.

Draco musterte Theo von oben bis unten. „Du sagst da was ziemlich Richtiges, wie heißt du noch gleich?"

„Theo Nott", sagte er.

„Du gefällst mir", sagte Draco. „Komm mal her."

Theos Blick begegnete meinem. Ich legte fragend den Kopf schief. Er zuckte die Schultern und tat dann, was Draco von ihm verlangte. Ich blickte ihm hinterher. Eigentlich hielt Theo nicht besonders viel von Draco und seiner Clique, weshalb er auch schnell die Clique verlassen hatte und sich einen ruhigen Platz gesucht hatte. Ich bezweifelte aber, dass Theo seinen Mund allzu weit aufreißen würde. Er war schließlich nicht dumm.

Rose blickte Theo stirnrunzelnd hinterher, ihr Stift schabte über das Papier und es entstand eine Zeichnung von Theo, der bei Dracos Clique saß und lachte. Seine Augen auf der Zeichnung waren mir irgendwie fremd.

„Rose", wisperte ich, „was bedeutet das?"

Ihr Blick war starr auf das Blatt gerichtet. Irgendetwas war an seinen Augen komisch. „Ich weiß es nicht, Tori."

Ich beugte mich vor und betrachtete die Zeichnung näher. Und dann fiel es mir auf.

In seinen Augen fehlte jegliche Hoffnung.