Sonntag 04:00

RAUS! Ihr Blick verfolgte ihn. Die wenigen Stunden die er schlief, träumte er von ihr und wenn er wach war, durchlebte er immer wieder die vergangene Nacht. Was war in ihm gefahren. Er wälzte sich im Bett und raunte. Wenn er doch nur wusste, wie er das Chaos was er verursacht hatte in Ordnung bringen könnte. Was er sagen könnte, dass sie ihm verzieh und alles wieder beim alten war. Lily hatte ihm nicht verziehen, egal wie oft er sich entschuldigte, egal wie viele Stunden er vor dem Portrait ausharrte, warum sollte dann Hermine verzeihen. Er rieb sich sein Gesicht mit seinen Handflächen und schnaubte erneut.

Er war ein Idiot. Sein Drang alles zu kontrollieren hatte etwas zerstört, was er lang verloren glaubte. Er hatte einen Menschen vergrault, der gerne mit ihm Zeit verbrachte und sich ohne Probleme mit seinem Intellekt messen konnte. Einen Menschen der es geschafft hatte, ihn aus seiner Höhle der Einsamkeit zu locken und ihm zeigte, dass nicht alle Menschen von Grund auf schlecht waren. Sein Verstand arbeitete fieberhaft an einer Lösung doch im Herzen wusste er, sein Verhalten hatte etwas zerstört, was keine Worte oder Taten wieder richten konnten. Vertrauen.

Sonntag 15:20

Severus starrte auf die Uhr. Den ganzen Tag über hatte er sich seine Rede zurecht gelegt und war alle Eventualitäten durchgegangen. Sollte sie seine Entschuldigung nicht akzeptieren, so gab es nichts was er tun konnte und er würde sein Leben wieder ohne sie fortführen.

Sonntag 15:55

Er stand vor ihrem Haus und starrte auf die weiße Tür. Ein paar Mal hatte er schon geklopft. Er blickte in den kleinen Vorgarten und bewunderte nicht zum ersten mal die wunderschöne Schlichtheit. Auf den ersten Blick wirkte er etwas verwildert doch bei genauerem Betrachten konnte man die Liebe und Pflege sehen, die Hermine jeden Tag hineinsteckte.

Sonntag 16:35

Keine Regung. Er stand noch immer auf dem selben Platz wie zuvor und starrte auf die regungslose Türe als ob diese gleich aufgehen würde. Langsam beschlich ihn die Ahnung, dass Hermine vielleicht gar nicht vor hatte sich seine Entschuldigung anzuhören und ihn fortan ignorieren würde. Er seufzte und ging in das kleine Waldstückchen. Er starrte auf den Punkt an dem Hermine am Vortag verschwunden und wieder aufgetaucht war. Schließlich verschwand auch er.

Mittwoch 09:55

Jeden Tag stand er um 15:55 Uhr vor ihrer Türe und wartete geduldig. Er konnte nicht behaupten, dass er nicht langsam wütend wurde doch nichtsdestotrotz stand er jeden Tag erneut pünktlich vor der Tür und klopfte – vergebens. Vielleicht brauchte sie auch einfach Zeit sich abzuregen.

Freitag 08:44

Hermines Abwesenheit war mit jeder Sekunde in Severus Leben spürbar. Er wollte so viel mit ihr besprechen, ihre Meinung hören oder sie einfach nur ansehen. Er sah aus dem Fenster. Das Wetter glich seiner Stimmung und war grau und trostlos. Seine Frustration über ihr Verhalten wuchs stetig und schließlich war sein geschundenes Herz an dem Punkt angelangt, wo er ihr liebend gerne die Schuld für alles zuschob. SIE wollte seine Hilfe, SIE hatte ihn kontaktiert nicht umgekehrt. Dann hatte sie mit ihrer Geheimniskrämerei seine Neugier provoziert und war nun angefressen, dass er dieser schließlich nachgab. Wenn sie ehrlich zu ihm gewesen wäre, wäre das alles nicht passiert. Aber nein Miss Superwichtig musste ja alles geheim halten. Severus schnaubte vor Wut. Sie bestrafte ihn für etwas was sie getan hatte.

Freitag 11:44

Warum sollte er auch nur einen Gedanken an sie verschwenden. Sie machte es mehr als deutlich, dass sie an seiner Erklärung nicht interessiert war. Sie hatte sein ruhiges friedliches Leben auf den Kopf gestellt, eigentlich sollte er froh sein, dass sie ihn in Ruhe ließ.

Freitag 14:24

Er würde heute nicht wie ein ausgesperrter Hund vor ihrer Tür warten. Wenn sie seine Meinung hören wollte, konnte sie ihn gerne kontaktieren. Er war Severus Snape und er rannte keinem verwöhnten kleinen Gryffendor Prinzesschen nach. Severus schüttelte den Kopf. Obwohl er wusste, dass es alles seine Schuld war, war sein Stolz gekränkt. Er hatte sich erwartet, nach all der Zeit die sie miteinander verbracht hatten, würde sie mehr von ihm denken und ihn zumindest anhören. Doch anscheinend hatte er sich geirrt. Er sah erneut aus dem Fenster und spürte eine Welle der Einsamkeit über ihn hinein brechen. Wenn sie ihn nicht anhören wollte, so würde sie seine Entschuldigung lesen müssen.

Freitag 15:00

Sehr geehrte Miss Granger,

falls ich sie gekränkt habe, so seien Sie versichert,dass es nicht meine Absicht war. Wenn Sie Ihren verletzten Stolz überwinden können, so können Sie mich jederzeit kontaktieren um unsere Arbeit fortzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Severus Snape

Er steckte den Brief seiner Eule an und schickte sie hinfort.

Freitag 15:30

Vielleicht war der Brief doch etwas zu harsch. Vielleicht hätte er sich doch wirklich Entschuldigen sollen. Aber er wollte doch, jeden Tag, doch sie zog es vor ihn zu ignorieren. Er hatte sich nichts vorzuwerfen.

Freitag 16:45

Severus saß vor seinem Tisch und hielt eine edle schwarze Feder in der Hand. Schließlich kam er zu der Erkenntnis, dass wenn er Hermine wieder in seinem Leben haben wollte, war ein Brief mit mehr Feingefühl von Nöten. Und das wollte er, so sehr es wehtat sich das einzugestehen. Sein Leben war ohne sie trostlos und langweilig.

Er trank sein Glas Feuerwhiskey und tippte mit dem Zeigefinger dagegen. Was sollte er schreiben. Ein einfaches Tut mir leid, dass ich so ein Arsch bin war zu wenig, soviel war sicher. Vielleicht sollte er einfach die Wahrheit schreiben und sein Verhalten erklären, statt sich einfach nur zu entschuldigen.

Severus setzte das Glas ab und fing an zu schreiben. Er musste sich beeilen denn er hatte vor, den anderen Brief zu ersetzen. Vielleicht hatte sie ihn noch nicht gelesen und er konnte persönlich den richtigen Brief unter ihrer Tür durchschieben,

Liebe Hermine,

die vergangenen Wochen waren mit unter die Schönsten die ich seit vielen Jahren erlebt habe und das habe ich nur dir zu verdanken. Die Zusammenarbeit mit dir bedeutet mir mehr als ich zugeben möchte und ich sehe dich bereits als Freund an. Umso mehr schmerzt es mich, dass ich dich mit meinem Fehlverhalten in dem Glauben gelassen habe, dass dich nicht respektiere oder du mir nicht wichtig bist, denn ich versichere dir, das tue ich und das bist du.

Ich wünschte ich könnte in einem Satz sagen warum ich das getan habe, jedoch kann ich das nicht. Ich denke, ich habe Angst die Kontrolle zu verlieren und da du mir wie gesagt wichtig bist, ist diese Angst bei dir noch viel ausgeprägter. Zum einen hatte ich Angst um deine Sicherheit, was nicht bevormundend gemeint ist, und zum anderen ärgerte mich die Vorstellung, dass du etwas vor mir verheimlichst. Mein Verhalten war nicht richtig und wenn irgendetwas gibt um das wieder gut zu machen, dann werde ich das mit Freuden tun.

Bitte verzeih mir

Severus

Der Feuerwhiskey wirkte. Severus fiel es erschreckend leicht diese Zeilen zu schreiben die in ihrer Wahrheit schmerzten. Er las den Brief erneut und seufzte. Es war sein Herz auf einem Blatt und er war drauf und dran ihn ihr zu geben. Er haderte mit sich selbst, der Gedanke sich so verletzlich zu zeigen und seinen Stolz herunter zu schlucken behagte ihn absolut nicht. Doch für sie tat er es. Er war sich sicher, sie würde seine Zeilen niemanden zeigen. Somit bliebe ihm diese Blamage zumindest erspart. Entweder verzieh sie ihm oder nicht. Doch wenn sie es nicht tat, so konnte er immerhin von sich sagen, dass er alles versucht hatte. Und damit konnte er Leben wenn er es musste.

Freitag 17:22

Er ging zügig zu ihrem Haus. Als er vor ihrer Tür stand nahm der den Brief aus seiner Manteltasche und wollte ihn durch den Türschlitz stecken. Dieser klemmte ein wenig und er verursachte mehr Lärm als ihm lieb war. Auf einmal ging die Tür auf und Hermine stand direkt vor ihm. Sie starrte ihn mit großen Augen an und ihr Blick würde auf einmal kühl. Obwohl er es verdient hatte, zuckte Severus innerlich zusammen.

„Was wollen Sie?" Hermines Stimme war wie ihr Blick kühl und distanziert. Auf einmal fühlte sich Severus furchtbar unsicher. Er öffnete den Mund ein paar mal und schloss ihn wieder. Diese Zeilen auf Papier zu bringen war eine Sache, sie ihr direkt ins Gesicht zu sagen war eine ganz andere. Schließlich streckte er ihr den Brief entgegen und wartete. Sie sah auf den Brief und nahm ihn langsam in ihre Hand. Severus wusste nicht was er erwartet hatte, aber als sie ihn vor ihm öffnete, wäre er am liebsten im Erdboden versunken.