Burden of impurity
Kapitel 7
Erklärungsversuche
Hermine hatte nicht besonders gut geschlafen. Albträume hatte sie aber auch nicht gehabt, anders als befürchtet.
Als sie aufwachte, fühlte sie sich sofort an die Ereignisse in Snapes Büro erinnert, die tief unten in den Kerkern von Hogwarts stattgefunden hatten.
Sie seufzte. „Oh Gott!"
War das wirklich geschehen? Oder war das alles nur ein seltsames Hirngespinst gewesen?
Nein. Definitiv nicht. Sie konnte noch immer seinen Duft an sich riechen und stellte fest, dass er etwas zutiefst Männliches an sich hatte. Soweit sie das beurteilen konnte jedenfalls. Es war - neben einer eigenartigen Mischung aus Pergament und Tinte - charakteristisch für Snape und nicht unangenehm.
Aber dann war da noch sein steinharter Schwanz gewesen.
Oh-Gott-oh-Gott!
Nachdem dieser Tag ein Sonntag war, erwartete sie nicht, ihn zu sehen.
Okay. Aber wo blieb die ersehnte Erleichterung?
Sie konnte sie – entgegen ihrer Erwartungen - nicht finden. Stattdessen war da etwas Seltsames, etwas absolut Unerklärliches. Vielleicht, so dachte sie angestrengt, war es einfach die Tatsache, dass es noch immer reichlich Klärungsbedarf zwischen ihr und ihrem Professor gab.
Ja, das musste es sein.
Der Tag kroch nur langsam dahin, wie zäher Schneckenschleim. Der Montagmorgen hingegen war eine andere Geschichte.
Beim Frühstück sah ihr eigenartiger Professor ebenso aus wie immer. Hermine konnte jedoch, nachdem sie ihm so nahe gekommen war, eine gewisse Anspannung in seinen Zügen erkennen.
Selbst die Art, wie er die Augen (einem Scanner gleich) durch den Raum gleiten ließ, hatte etwas Faszinierendes an sich. Noch nie hatte sie jemanden gesehen, der es schaffte, jede noch so kleine Bewegung oder Veränderung in der Halle zu bemerken. Wie interessant würde es da wohl sein, die Welt durch seine Augen zu betrachten?
Als sie sich noch immer nicht von ihm losgelöst hatte, schoss er ihr plötzlich einen finsteren Blick zu.
Hermines Herz schien auszusetzen. Sie wollte sich vor ihm nicht die Blöße geben, nervös zu werden, wurde jedoch immer unruhiger dabei, als sie seine durchdringenden Augen auf sich ruhen spürte, die wie immer tief in ihr Inneres zu dringen schienen. Irgendwann senkte sie dann doch den Kopf und starrte auf ihren Teller.
„Wie war das Nachsitzen mit Snape?", fragte Harry wie aus weiter Ferne. „Ich hoffe, du bist nicht zu spät gekommen."
Sie fuhr überrascht herum. „Was?"
Sein Gesicht verriet ihr deutlich, dass er sie durchschaut hatte. „Oh. Erzähl mir bitte nicht, dass du spät dran warst. Was hat er mit dir gemacht? Dich doch wohl hoffentlich nicht verhext?"
Hermine schüttelte den Kopf. „Nein, es war schon okay."
Er blinzelte ungläubig. „Wirklich?"
„Ja."
Harry glaubte ihr keinesfalls, Hermine aber war es gleichgültig. Schließlich erzählte er ihr ja auch nicht jedes Detail von seinem Unterricht mit Dumbledore.
Als Snape sein Klassenzimmer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste betrat, fühlte Hermine, dass ein Schauder sie streifte.
In der Vergangenheit hatte sie ihn nie so zwiespältig in Erinnerung gehabt; Angst einflößend ja, doch das war etwas ganz anderes.
Jetzt, nachdem sie so viele neue Seiten an ihm erfahren hatte, gab es keine Zweifel mehr daran, dass er sonderbar war. Und je mehr sie über die Dinge nachdachte, die zwischen ihnen geschehen waren, umso mehr fühlte sie sich von ihm und seinen Fähigkeiten in den Bann gezogen.
Snape wirkte auf sie groß und eindrucksvoll, neuerdings sogar weniger bedrohlich, denn schließlich hatte sie Grenzen zu ihm überschritten und war noch immer am Leben. Mehr sogar, sie war Zeuge seiner menschlichen Züge geworden, die er ihr trotz seiner Komplexität, und entgegen all der Gerüchte, die sich um seine Person rankten, offenbart hatte. Er schien ein Mann zu sein, der von Stolz erfüllt war; doch immer noch ein Mann.
Montag und Dienstag vergingen ohne besondere Vorkommnisse. Am Mittwochabend dann, als sie sich zum Nachsitzen in die Kerker aufmachte, hatte sie dasselbe ungute Gefühl wie immer.
Aus der Nähe betrachtet sah Snape ziemlich übermüdet aus, wie er da so auf seinem Stuhl saß. Irgendwie schien er nicht ganz bei sich zu sein, ebenso wie damals, als sie das Dunkle Mal auf seinem bloßen Arm zu Gesicht bekommen hatte.
Hermine setzte sich gegenüber von ihm nieder. Mit all ihrer Kraft zwang sie sich dazu, ihn anzusehen.
„Ich muss mit Ihnen reden, Professor", sagte sie dann.
Er legte den Kopf schief. „Ah. Reden."
Sie setzte ein erzwungenes Lächeln auf, um ihn bei Laune zu halten. „Bitte."
Snape reagierte nicht darauf. Sein Gesicht blieb hart.
„Kommen Sie schon, Snape!", forderte Hermine. „Was da passiert ist, war nicht normal. Das müssen Sie doch zugeben."
„Und warum sollte ich dann darüber reden wollen, Miss Granger?"
„Weil Sie das alles genauso wenig wollten wie ich, richtig? Sie stecken in einer Zwickmühle, weil Dumbledore von Ihnen verlangt hat, mich zu unterweisen."
Er schnaubte unbeeindruckt. „Und was wollen Sie jetzt von mir hören, Granger?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht. Aber für den Anfang würde es mir genügen, wenn Sie mir einfach nur etwas erklären könnten. Ich fühle mich irgendwie mies."
Er zog fast schon amüsiert die Brauen hoch. „Und das ist meine Schuld?"
Hermine schüttelte irritiert den Kopf. „Warum tun Sie das, Snape?"
„Warum tue ich was?"
„Alles. Sie setzen sich diesen Dingen aus, erleiden Schmerzen, versuchen mir zu helfen – nein, vielmehr, mich vorzubereiten … Warum? Wofür?"
„Hmmm", stieß er brummig aus. „Interessante Frage."
Sie beobachtete mit Faszination, wie seine Augen aufblitzten. Dann lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und faltete die Finger ineinander.
„Warum stehen Sie Mr. Potter bei? Oder Ihren Freunden? Es wäre einfacher, es nicht zu tun, richtig? Sie könnten Ihrer Wege gehen, ohne länger in Gefahr zu schweben."
Hermine schluckte. „Das könnte ich nie tun! Ich liebe Harry."
„Ah. Sie sind verliebt", murmelte er mit einem sarkastischen Grinsen auf dem Gesicht.
Wieder einmal fühlte Hermine sich dazu verleitet, ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Nach den jüngsten Ereignissen jedoch musste sie einsehen, dass sie das nicht weiterbringen würde.
„Seien Sie nicht so, Snape", entgegnete sie enttäuscht. „Sie wissen genau was ich meine."
Seine Mundwinkel zuckten belustigt. „Natürlich."
Hermine legte ihre Stirn in Falten. „Darf ich offen sprechen?"
Er nickte ihr zu. „Tun Sie sich keinen Zwang an, Granger. Die Höflichkeiten haben wir längst hinter uns gelassen. Spucken Sie aus, was Ihnen auf der Zunge liegt."
„Schön, wenn Sie es so wollen. Können Sie mir nicht einmal eine einfache Frage beantworten, ohne dabei wie ein Arsch rüber zu kommen?"
Er warf ihr einen finsteren Blick zu, ging aber nicht näher auf ihre Wortwahl ein. „Nicht alles lässt sich so einfach beantworten, wie Sie vielleicht denken."
Sie rollte mit den Augen.
„Sie glauben mir nicht? Miss Granger, Sie fragen mich Dinge, die ich unter normalen Umständen nicht einmal überdenken, geschweige denn, beantworten würde. Zumindest nicht in Gegenwart meiner Schüler. Haben Sie das verstanden?"
Sie nickte belämmert.
Bastard!
„Nun, wie dem auch sei, sind die Umstände in Ihrem Fall anders. Sie sind keine gewöhnliche Schülerin."
„Wegen meiner Freundschaft zu Harry?"
„Exakt", äußerte er in einem scharfen Ton.
Dann erhob er sich graziös aus seinem Stuhl und bewegte sich lautlos wie eine fließende schwarze Masse auf das Fenster zu.
Sein Duft breitete sich in der Luft aus, herb und männlich. Hermine sog ihn tief in sich ein und musste erneut und sehr zu ihrer eigenen Überraschung feststellen, dass sie ihn mochte.
Snape stand mit hinter dem Rücken ineinander gefalteten Händen vor dem Fenster und starrte abwesend in die Dunkelheit hinaus. Die Stille zwischen ihnen wurde langsam unangenehm und Hermine hoffte, dass er bald irgendetwas sagen würde, bevor er ihre Unruhe registrieren konnte.
„Meine Aufgabe ist nicht einfach zu erklären, Miss Granger", begann er endlich mit eindrucksvoll tiefer Stimme. „Es ist – nein ... Ich muss es anders formulieren."
Er räusperte sich und wieder hatte sie das Gefühl, dass es ihm unangenehm war, sich überhaupt in ihrer Gegenwart zu befinden.
„Ich lebe mit dem Dunklen Mal, wie Sie selbst an jenem Abend sehen konnten, als ich Sie in mein Büro bestellt hatte."
Er wendete sich ihr zu und sah sie an.
„Sie wissen, was das bedeutet?"
Hermine schluckte mit trockener Kehle. Das stechende Schwarz seiner Augen, die sich so tief in ihre bohrten, irritierte sie.
„Ich denke ja", sagte sie mit zittriger Stimme.
„Hmmm. Sie denken." Er holte tief Luft, ehe er erneut zu sprechen ansetzte. „Wären Sie so nett, mich darüber aufzuklären, was genau Sie denken?"
Sichtlich verwirrt blinzelte sie ihn an. Hätte sie nicht von seinen Absichten gewusst, sie auf den bevorstehenden Krieg mit Voldemort vorzubereiten, hätte sie geglaubt, dass er sich absonderlich verhielt. Andererseits ging es um Snape. Das alleine war schon eigenartig genug.
„Sie sind an ihn gebunden."
„Jaaah."
Er zog es derart unangenehm in die Länge, dass sie das Gefühl nicht loswurde, dass er auf eine Erklärung von ihr wartete, die ihre Theorie untermauern sollte.
„Das bedeutet, dass er Macht über Sie hat, richtig?"
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, dennoch wartete er.
„Ich meine", setzte sie hastig an, „wenn er Sie ruft, müssen Sie zu ihm kommen."
„Für gewöhnlich", murmelte er kalt. „Andernfalls würde er mich bestrafen."
Hermine starrte ihn geschockt an. Das aus seinem eigenen Mund zu hören, mitsamt der ausdruckslosen Fassade auf seinem Gesicht, war ein weiterer Beweis dafür, dass er verrückt sein musste.
„Dieser Fluch – der Cruciatus – war seiner?", fragte sie in einem dümmlichen Flüsterton, als ob es nicht offensichtlich gewesen wäre.
Er wendete deutlich aufgebracht den Blick ab, ohne es für nötig zu erachten, darauf zu antworten.
In Hermine schien es klick zu machen. Dennoch konnte sie sich sein Verhalten nicht erklären.
„Warum wollen Sie, dass ich das weiß, Snape? Sie wirken mir nicht wie jemand, der gern über sich spricht."
Sie konnte sehen, wie er die Kiefer aufeinander presste. „Es war niemals meine Absicht, das mit Ihnen zu teilen."
„Ich dachte es mir fast. Dennoch tun Sie es."
„Ja."
„Ha!", stieß sie ungläubig aus. „Hat Dumbledore Ihnen aufgetragen, das zu tun?"
Er antwortete nicht und sie wusste, wie hart es für ihn war, ihr gegenüber zu treten und diese wohlbehüteten Informationen vor ihr preiszugeben. Der Schulleiter musste zweifelsohne dahinter stecken, sonst hätte er es wohl nicht getan.
Er zischelte etwas vor sich hin, das sie nicht verstehen konnte, ehe seine schwarzen Augen sie erneut anfunkelten.
„Er traut Ihnen, Miss Granger."
„Im Gegensatz zu Ihnen, nicht wahr?", schoss sie prompt zurück.
Für einen Moment lang wirkte er überrascht von ihrer forschen Art. Dann reckte er sein Kinn in die Höhe.
„Das steht hier nicht zur Debatte. Ich tue, was getan werden muss."
Hermine seufzte. Es war zum Verzweifeln mit ihm.
„Trotzdem ist mir immer noch nicht klar, was das mit mir zu tun hat. Warum hat Dumbledore mir nichts gesagt? Wenn es so wichtig ist, mich auf das vorzubereiten, was vor mir liegt, sollte er mit mir darüber reden."
Er grinste schief. „Derselben Meinung war ich auch, Miss Granger. Doch wie es aussieht, zieht der Schulleiter es vor, mich vor Ihren Augen zu demütigen."
Hermine blinzelte ihn verwundert an und er fuhr fort.
„Oh, bitte! Tun Sie jetzt nicht so, als wäre Ihnen entgangen, dass ich kein Interesse daran habe, mich mit Ihnen abzugeben. Wir wissen beide, dass es eine Lüge wäre. Die Zeit, die ich mit Ihnen verbringe, um Ihnen klar zu machen, wie ernst Ihre Lage ist, sollte ich für gewöhnlich nutzen, um Informationen zu sammeln."
„Informationen?", fragte sie vorsichtig.
Mit einem Mal schien sich alles in ihr zu überschlagen, was sie immer verdrängt hatte. Sie sah ihn vor sich: Snape, wie er im Grimmauldplatz ein- und ausging. Dumbledore, wie er den anderen erklärte, dass er dem Orden des Phönix angehörte. Harry und Ron, die alles andere als begeistert davon waren. Sirius, der ihn gehasst hatte. Und Lupin. Selbst er hatte Vorbehalte gegenüber Snape gehabt.
„Sie setzen sich Voldemorts Gegenwart aus, um etwas über seine Pläne zu erfahren, richtig? Die Angriffe auf die muggelstämmigen Zauberer ..."
Sie verstummte ebenso schnell wieder, wie sie begonnen hatte, während Snape mit einem qualvollen Ausdruck auf dem Gesicht seine dünnen Lippen aufeinander presste, als er den Namen seines Meisters aus ihrem Munde hörte. Erst dann antwortete er, ohne die dünnen Linien beim Sprechen mehr als unbedingt nötig zu bewegen.
„Für gewöhnlich ist es das, was ich tue."
Sie schnaubte bitter. „Und was ist, wenn er mich eines Tages in seine Finger bekommt? Wenn er erfährt, was Sie hier mit mir tun? Denken Sie nicht, er würde versuchen, alles aus mir herauszubekommen, um Sie damit zu enttarnen?"
Seine Augen blitzten gefährlich auf. „Genau darum müssen wir ihm zuvorkommen und Sie vorbereiten. Ich für meinen Teil werde meinen Part weiterspielen." Er holte Luft. „Verstehen Sie jetzt, warum es so wichtig ist, dass Sie kooperieren? Dass Sie das tun, was ich Ihnen beibringen möchte?"
Hermine nickte kaum merklich. Doch das Gefühl, das sie dabei hatte, war alles andere als gut. Endlich schien ihr zu dämmern, was es mit seinem eigenartigen Verhalten auf sich hatte.
„Sie wollen, dass ich Ihnen vertraue, nicht wahr?", fragte sie leise.
Sein Gesicht verzog sich zu einer verzerrten Grimasse. „Das ist die Absicht. Obwohl ich die Pläne des Schulleiters nicht gutheiße."
„Trotzdem tun Sie es", warf sie trocken ein. „Wie alles andere auch."
Hermines Herz pochte wild, als sie ihn ansah und auf eine Bestätigung von ihm wartete.
Vergeblich.
Snape sah abwesend in die Ferne, fast so, als könne er es nicht erwarten, sie endlich los zu werden.
„Wie soll diese Zusammenarbeit nun weitergehen, Snape? Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich Ihnen das alles so abkaufe. Vor allem, wenn Sie mich dabei vorzugsweise ignorieren."
Er fuhr herum. Plötzlich lag deutliche Wut in seinem Blick.
„Natürlich nicht. Mir ist durchaus bewusst, dass wir einige unüberwindbare Schwierigkeiten miteinander haben, Miss Granger. Und das ist noch sehr milde ausgedrückt."
„Ha! Sie haben Nerven. Von allen Lehrern, die es hier gibt, musste ich ausgerechnet an Sie geraten. Verzeihen Sie, aber das ist nun wirklich ein starkes Stück. Und dann lassen Sie mich auch noch vor Draco auflaufen. Das ist … ich weiß nicht, was ich sagen soll!"
„Dann halten Sie den Mund", zischte er sie an. „Damit wäre uns beiden geholfen."
Hermine sackte die Kinnlade nach unten, doch noch ehe sie protestieren konnte, schoss er weiter.
„Denken Sie, es bereitet mir vergnügen, meine Arbeitsweise vor Ihnen offen zu legen? Ich bin es nicht gewohnt, dass mir jemand über die Schulter schaut. Vor allem nicht meine eigene Schülerin. Was Albus da von mir verlangt, könnte mich den Kopf kosten." Das verborgene Feuer in seinen schwarzen Augen flackerte gefährlich auf. „Glauben Sie mir, Granger, ich habe schon genug für ihn geblutet."
„Warum tun Sie es dann? Sagen Sie ihm, was Sie davon halten, um dem ein Ende zu bereiten."
Er schüttelte wie in Zeitlupe den Kopf. „Ich dachte, Sie hätten begriffen, dass es keinen Sinn hat."
Verärgert biss Hermine sich auf die Lippe. „Trotzdem wird das, was auch immer Sie vorhaben, nicht funktionieren."
„Was Sie nicht sagen, Granger! Und was nun? Werden Sie Potter deswegen fallen lassen und Ihren eigenen Weg einschlagen?"
„Natürlich nicht!"
„Was dann?"
Sie verschränkte steif die Arme vor der Brust. „Ich werde mit Dumbledore reden. Vielleicht hat er ja ein Einsehen."
Snape stieß ein amüsiertes Schnauben aus.
Sie runzelte die Stirn. „Was ist so komisch daran?"
„Nichts. Doch Sie glauben nicht ernsthaft, dass er auf Sie hören wird? Wenn Albus sich etwas in den Kopf gesetzt hat, wird es so geschehen."
„Aber das ist absurd. Wie stellt er sich das nur vor? Er muss doch wissen, dass wir uns nicht ausstehen können ..."
„Glauben Sie mir, er ist sich dessen voll bewusst. Er mag zwar ein alter Narr sein, ist aber noch lange kein Dummkopf."
„Schön. Und ich soll jetzt wirklich bis in alle Ewigkeit bei Ihnen antanzen, damit Sie die Möglichkeit bekommen, mich im Kampf gegen Voldemort zu unterweisen?"
Er kam plötzlich näher geschwebt, wobei er sich Mühe gab, die Tatsache zu ignorieren, dass sie erneut den verfluchten Namen des Lords in den Mund genommen hatte. Lautlos umrundete er den Tisch. Dann hob er seinen Umhang an und setzte sich auf seinen Stuhl.
Hermine wartete voller Ungeduld, bis er endlich zu sprechen begann.
„Miss Granger, ich glaube, Ihnen ist noch immer nicht bewusst, was Sie mit Ihrem kleinen Ausbruch in meinem Klassenzimmer angerichtet haben."
Sie blinzelte. „Wovon reden Sie jetzt schon wieder?"
„Es wird Sie vielleicht überraschen, das zu hören, aber Ihr kleiner Zusammenstoß mit Draco war die Ursache des ganzen Übels. Der Vorfall hat dem Schulleiter gewissermaßen die Augen geöffnet, wie unreif Sie sind."
„Was? Sind Sie irre? Wollen Sie mir jetzt auch noch die Schuld daran geben, dass ich hier mit Ihnen festsitze und Ihre Gegenwart über mich ergehen lassen muss? Sie sind unglaublich, Snape!"
Er schüttelte gemächlich den Kopf. „Sie tun es schon wieder. Sie lassen sich gehen. Und solange Sie das nicht in den Griff bekommen, werden wir keine Fortschritte machen."
Hermine starrte ihn ungläubig an. Snape aber nahm davon unbeirrt die Hände hoch und rieb sich die Schläfen, ohne sie weiter zu beachten.
Dann kehrte Stille ein.
