Kapitel 7
"Hallo Severus...Komm doch herein...was hat Dich den solange aufgehalten." begrüßte Lucius mit amüsierten Grinsen den bühnenreifen Auftritt seines Freundes.
Beim Anblick ihres Lehrmeisters verspürte Hermine das dringende Bedürfnis, sich unsichtbar zu machen, sie wich unwillkürlich zurück. Professor Snape stand einem schwarzen Racheengel gleich im Türrahmen, den erhobenen Zauberstab in der rechten Hand.
Sein unbewegter Gesichtausdruck und die zu schmalen Schlitzen verengten Augen verhießen nichts Gutes.
Die Begrüßung seines Freundes ignorierend näherte er sich der Sitzgruppe, er nickte den Malfoys lediglich flüchtig zu, dann fixierte er seine erbleichende Praktikantin.
„Nun Miss Granger, ich höre", begann er mit seidenweicher Stimme. „Wie erklären Sie Dies?".
Er schwenkte kurz seinen Zauberstab und schnappte „Accio, Einkaufkorb!", und der gerade einmal mit der Hälfte der benötigten Tränkezutaten gefüllte Korb schwebte lautlos durch die Tür und landete auf dem Tisch, wobei das schwere Essenstablett beiseite geschoben wurde.
Die Speisen mitsamt dem edlen Geschirr landeten klirrend auf dem kostbaren Teppich.
"Und wieso haben Sie sich nicht zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Treffpunkt eingefunden?", fuhr er gefährlich leise sprechend fort, während er mit verächtlich hochgezogener Augenbraue Hermines derangierte Gewänder musterte.
Seinem durchdringenden Blick folgend wurde Hermine jetzt erst bewusst, dass der aufgerissene Ausschnitt den Blick auf ihren Büstenhalter freigab und sie raffte ihre Robe errötend zusammen.
„Professor Snape, ich ...," ihr Erklärungsversuch wurde von Lucius Malfoy unterbrochen, der sich nun beschützend zwischen Snape und Hermine aufgebaut hatte. Narcissa ergriff fürsorglich ihre Hand.
In Lucius Stimme klang unterdrückter Zorn als er sagte: „Severus, es reicht. Dir sollte doch bekannt sein, wie gefährlich es heutzutage für hübsche junge Damen auch nur in der Nähe der Nokturngasse ist, und Du schickst Miss Granger alleine dorthin!"
„Severus, er hat recht", schaltete sich nun auch Narcissa beschwichtigend ein. „Der Kleinen wäre beinahe Gewalt angetan worden, siehst Du denn nicht, wie verstört sie ist."
Interessiert beobachtete Lucius, wie sein Freund um eine Nuance blasser wurde, bevor er mit schmalen Lippen erwiderte:
„Die Kleine ist eine erwachsene und hinreichend ausgebildete Hexe, sie sollte selbständig genug sein, sich allein in der Winkelgasse zurechtzufinden. Und noch etwas Lucius, ..." schnaubte Snape verächtlich. „Ich bin nicht gewillt, meine Ausbildungsmethoden ausgerechnet mit Dir zu diskutieren, oder mit Dir, verehrte Narcissa."
Ohne weitere Worte zu verlieren verstaute Snape seinen Zauberstab, ergriff Hermine am linken Oberarm und zog sie von ihrem Platz in die Höhe. Auf dem Weg zur Tür vergaß er nicht, den Einkaufskorb an sich zu nehmen, während er die erschrocken stolpernde Hermine hinter sich herschleifte.
Hinter seinem Rücken tauschten Narcissa und Lucius wissende Blicke aus.
Erst als das hallende Zuschlagen des Eingangsportals zu vernehmen war, wagten die beiden zu Sprechen.
„Ist Dir auch aufgefallen, dass Severus ...", „...besorgt schien? Lucius, so habe ich ihn seit ich ihn kenne noch nie erlebt. Er scheint an der Granger wirklich zu hängen."
Lucius griff versonnen lächelnd in die Innentasche seines Gewandes und zeigte seiner überrascht blickenden Gattin die traurigen Überreste von Hermines Zauberstab.
„Ja, Liebes, das war auch mein Gedanke. Ich weiß jetzt, wie wir Severus zu unserem kleinen Stelldichein überreden können." Mit einem zufriedenen Lächeln küsste er Narcissa sanft auf die Stirn.
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Hätte Snape sie nicht so fest am Arm gepackt, wäre Hermine bei dem Tempo, mit dem er die Treppe hinabeilte, gestürzt. Erst im Foyer versuchte sie sich loszureißen, doch Snapes sich nun schmerzhaft verstärkender Griff signalisierte ihr, dass dies keine gute Idee sei.
Hermine verschluckte die Worte, die ihr gerade auf der Zunge lagen, mitsamt ihrer stetig wachsenden Empörung. Insgeheim aber schwor sie sich, bei der nächsten günstigen Gelegenheit ihren Standpunkt zu vertreten.
Am Apparierpunkt des malfoyschen Anwesens presste er Hermine so abrupt an sich, dass ihr der Atem stockte, bevor sie von dem schwindelerregenden Sog erfasst wurde.
Vor den Toren Hogwarts gönnte ihr Snape eine Atempause, als er endlich stehen blieb und sie anherrschte: „In zehn Minuten in meinem Büro, Miss Granger. Diese Zeit sollte ausreichen, um ihre, ... Frisur zu richten."
Wieder spürte Hermine, wie Snapes abwertender Blick sie taxierte, bevor er sich abwandte und mit raumgreifenden Schritten die Stufen zur Eingangshalle emporeilte.
Inzwischen kochend vor Zorn, dachte sie: ‚Hoffentlich sehen ihn seine heißgeliebten Slytherins, wenn er mit meinem Einkaufskorb in der Hand durch die Gänge huscht.'
Jetzt musste sie fast lachen, denn der ausgesucht hässliche Korb, den ihr Ronald zum letzten Weihnachtsfest im Fuchsbau überreichte hatte, hatte ein so farbenfrohes Innenfutter, dass er hervorragend zu Gilderoy Lockhart gepasst hätte.
Als Hermine grinsend nach ihrem Zauberstab griff, um Haar und Kleidung zu ordnen, durchfuhr sie siedendheiß die Erinnerung an den Überfall ...und an das knackende Geräusch ihres zerbrechenden Zauberstabes.
Fluchend rannte sie los, die zehn Minuten waren inzwischen zur Hälfte um, mit etwas Glück konnte sie es noch pünktlich in Snapes Büro schaffen, aber an ordentliche Kleidung war nicht mehr zu denken, geschweige denn an ordentliches Haar.
Als sie schwer atmend vor der Bürotür zum Stehen kam, hatte sich ihr ursprünglich ordentlich aufgestecktes Haar endgültig in eine wirre Löwenmähne verwandelt, die ein wild entschlossenes Gesicht mit stark geröteten Wangen umrahmte.
Sie fuhr sich mit ihren zehn Fingern durchs Haar, rückte die Reste ihrer Bluse zurecht, zählte innerlich bis zehn und holte tief Luft, bevor sie energisch anklopfte.
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