„Das ist der seit Montag vermisste PKW von Dr. Tom Arquette, Sir", erklärte einer der Männer, der sich kurz mit der Koordinationsstelle in Verbindung gesetzt hatte, um das Kennzeichen durchzugeben.
Rachel Burke stand vor der geöffneten Fahrertür und blickte stumm in den Wagen, plötzlich aber hob sie den Kopf und blickte in eine bestimmte Richtung. „Gehen wir!" sagte Bailey knapp, denn er vertraute den Ahnungen und Bebachtungen seiner Kollegen.
Mit der Waffe in der Hand bewegten sich die beiden Profiler leise in den Wald. Sie entdeckten Spuren, die immer tiefer in das Dickicht führten und spannten sich immer mehr an, als befürchteten sie plötzlich unter Beschuss genommen zu werden.
Dann hob Bailey die Hand und schüttelte unwillig den Kopf. Die Hand ging zum Funkgerät. „Was ist bei euch da hinten los?" zischte er ins Funkgerät, denn ein Stück seitlich hinter ihnen war es laut geworden.
„Fremdkontakt!" gab der Koordinator durch. „Simmons und Miller verfolgen drei Männer, die sich fluchtartig zurückzogen, als sie bemerkt wurden. Ende."
„Ich habe verstanden. Ende." Bailey kniff die Augen zusammen. Ihr Zeuge schien mächtige Feinde zu haben, wenn sich seine Verfolger sogar in einen Wald wagten, in dem es von Polizisten und FBI nur so wimmelte.
Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne. Rachel hatte sich bereits einige Schritte weiter vorgetastet und winkte ihn nun mit ernstem Gesicht heran. Als Bailey näher kam, sah er einen Mann auf dem Boden liegen. Jemand hatte ihn so gedreht, dass er nicht ersticken konnte und eine übel aussehende Schusswunde abgebunden.
Rachel Burke kauerte sich neben den Bewusstlosen und fühlte seinen Puls am Hals. „Er lebt noch."
Bailey aktivierte das Funkgerät zum Mund. „Koordination bitte kommen. Wir haben einen Verletzten im Quadranten auf Dreizehn Schrägstrich vier, unweit von der Fundstelle des Autos."
„Verstanden. Wir schicken Hilfe."
„Sollen wir ..." Rachel kam nicht viel weiter. Denn im nächsten Moment hörten sie wieder Schüsse. Diesmal aus unmittelbarer Nähe.
Geduckt hetzten die Agenten weiter zu einer Anhöhe und wurden im nächsten Moment von einem heftigen Windstoß zu Boden gedrückt. Sie landeten ob sie es wollten oder nicht, auf dem Bauch. Doch sie sahen noch genug.
Ein grelles, fast blendendes Licht erstrahlte und nahm ihnen beinahe die Sicht.
Schräg über einer flachen Hütte, die am Fuß der Anhöhe stand, schwebte eine etwa genau so große Pyramide Ein Lichtstrahl schoss aus dem Boden und umhüllte eine liegende Gestalt.
„... gehört mir!" gellte eine Stimme über das Sirren, Rauschen und Zischen.
Für einen kurzen Moment konnten die beiden Profiler Ringe erkennen, die sich ausbildeten, zusammenzogen und mit dem reglosen Körper wieder verschwanden. Die Pyramide erhob sich himmelwärts und verschwamm, Nur ein letzter Windstoß verriet, dass sie wirklich da gewesen war.
Bailey und Rachelverharrten einen Moment in ihrer Lage. „Was zum Teufel ist das gewesen?" Der ältere Profiler wollte seinen Augen nicht trauen. „Verdammt." Das erklärte einiges und warf viele neue Fragen auf. Und es klärte ebenso wenig, was sie in der Hütte vorfinden würden.
So näherten sie sich dem Gebäude vorsichtig und nutzten jede Deckung aus, die sie finden konnten. Jemand hatte durch das Fenster direkt neben der Tür geschossen. Splitter und Blut waren zu sehen – und der Griff einer Pistole.
Bailey trat vor und lehnte sich an den Türrahmen. Dann sicherte er kurz, und sprang mit einem schnellen Schritt und erhobener Waffe in die Hütte ein. In den Augenwinkeln bemerkte er eine offene Kiste aus Armeebeständen auf dem Tisch, Daneben lagen Sprengstoffriegel, Draht und ein Zünder. In der gegenüberliegenden Ecke des Raumes lag ein Mann auf dem Bett, dessen Gesicht, Arme und Oberkörper von schweren Misshandlungen zeugten. Und am Fußende stand ein hochgewachsener dunkelhaariger Mann, der seine Waffe auf Bailey gerichtet hatte.
Für einen Moment maßen sie sich mit einem durchdringenden Blick, dann holte der Dunkelhaarige tief Luft. „Ich ergebe mich", krächzte er mit heiserer Stimme und hob betont langsam die Hände, während er den Revolver zu Boden fallen ließ. Die Handflächen waren blutig.
Mit wildem Funkeln in den Augen wartete er. Sein ganzer Körper war angespannt. Auch wenn die Wunden in den Händen bluteten und sein Gesicht Schmerz zeigten, so war er doch durch und durch ein Soldat.
Bailey senkte die Waffe und nickte. Das war ohne Zweifel ihr Verdächtiger ... nun Zeuge. Und er schien entschlossen zu sein, die Situation aufzuklären, denn sein Augen klärten sich und er senkte erleichtert die Hände. „Ich denke, ich werde einiges zu erklären haben." Müde lehnte er sich an die Wand.
„Ja, ich denke, das werden sie." Bailey lächelte. „Als Erstes würde ich gerne einmal ihren Namen erfahren." Er machte Rachel Platz, damit sie in den Raum treten konnte. Sie blieb neben ihm stehen und starrte nur von einem Mann zum anderen.
„Ich bin Lt. Colonel John Sheppard von der USAF", sagte ihr Zeuge. In seinem Gesicht arbeitete es, denn ihm war der Blick der Profilerin nicht entgangen. Die zuckte zusammen und ging dann zum Bett. Der darin liegende hob müde den Kopf. „Rachel", murmelte Dr. Tom Arquette müde. „Ich freue mich, dich wieder zu sehen. Kannst du mir erklären, wie ich in diese Scheiße geraten bin?"
Büro des FBI in Denver
Mittwoch, kurz nach 20.30 Uhr
Mit frisch verbundenen Händen und in sauberer Kleidung, die ihm wesentlich besser passte, saß John Sheppard in einem der abgeschlossenen Büros. Die letzten Stunden waren wie im Flug vergangen. Nun, da er nur noch als Zeuge galt und seinen Namen und die Dienstnummer genannt hatte, damit das FBI ihn eindeutig identifizieren konnte, legten sie ihm keine Steine mehr in den Weg.
So hatte sein Weg anders als der des armen Dr. Arquette nicht mehr in das Denver Memorial, sondern in das FBI-Büro geführt, wo sich ein Arzt um seine Hände gekümmert, und ihm schmerzstillende und stärkende Spritzen verabreicht hatte.
Danach hatte er im Cheyenne Mountain angerufen. Und nun wartete er auf die Reaktion von General Landry. Der würde mit Sicherheit schnell irgendwen schicken.
John seufzte und verdrehte die Augen.
Gegen das, was kommen würde, war das hinter ihm liegende Verhör harmlos gewesen. Er musterte die beiden Agenten von der Violent Crimes Task Force, die ihm gegenüber saßen. Noch immer fühlte er sich in der Gegenwart des Mannes, der Acastus Kolya bis aufs Haar glich, wenn er auch etwas jünger war, ziemlich unwohl.
Bereitwillig hatte er seine Zeugenaussage gemacht, so weit sie den Fall betraf. Er hatte ihnen von seiner unerwarteten Begegnung im Lagerhaus erzählt und dem Wiedersehen mit dem mausgesichtigen Mann im Wald. Bei allem anderen - was Acastus Kolya und seine Verfolger betraf - berief er sich auf seinen Status als Geheimnisträger der Army.
Nur das Stargate-Kommando ging an, das der Trust hinter ihm her gewesen und ein Feind aus der Pegasus-Galaxie überraschend und vor allem allein, auf der Erde erschienen war. Wobei er sich letzteres auch nicht erklären konnte.
Das war genau so unerklärlich und unheimlich wie sein Ebenbild, Dr. Tom Arquette. Wie schwer er verletzt worden war, hatte man ihm nicht gesagt. Aber John Sheppard konnte sich gut vorstellen, dass Kolya nicht gerade sanft mit ihm umgegangen war.
„Es tut mir leid, dass ich ihnen nicht mehr über meine Verfolger sagen kann.", erklärte er nun und nahm einen Schluck lauwarmen Tee. „Meine Vorgesetzten werden ihnen das bestätigen können."
Agent Burke nickte bedächtig. „Das kann ich mir denken."
Beunruhigenderweise schien sie ein wenig mehr von dem zu begreifen, was hinter seiner Stirn vorging, aber sie akzeptierte seine Worte. Und sie schien sich nicht sicher zu sein, was sie denken und fühlen sollte. Ob doch etwas mehr als nur eine Bekanntschaft zwischen ihr und Dr. Arquette gewesen war.
Aus den wenigen Brocken, die er auf der Fahrt zum Polizeihauptquartier und später mitbekommen hatte, schien er der Therapeut ihres ermordeten Bruders Danny gewesen zu sein. Und ihr Liebhaber.
Malone räusperte sich. „Sie werden sich noch zu einer weiteren Befragung bereit halten müssen. Zweifellos haben sie uns bei der Aufklärung des Falles sehr geholfen, wenn das alles so stimmt."
„Warum sollte ich lügen?" John sah ihn an. Mausgesicht war also ein Serientäter gewesen, der schon mehrfach Lagerhäuser und andere Gebäude in die Luft gejagt hatte. Dabei waren mehrere Personen ums Leben gekommen. Arbeiter, aber auch Obdachlose und illegale Einwanderer, die sich in den verlassenen Fabrikhallen einen Unterschlupf gesucht hatten. Warum und wieso, dass war den Profilern noch nicht klar.
Und sie würden wahrscheinlich noch etwas an dem Fall arbeiten müssen, denn er war sich nicht sicher, ob das Stargate-Kommando eine weitere Aussage erlauben würde."
Hinter ihm traten zwei Personen in den Raum. John drehte sich halb im Stuhl und erkannte Lt. Colonel Carter und Lt. Colonel Cameron Mitchell von SG-1. Er zog die Augenbrauen hoch. Das war wirklich eine hochrangige Eskorte.
‚So wichtig bin ich ihnen?'
„Lt. Colonel Samantha Carter von der USAF!" stellte sich die blonde Spitzenwissenschaftlerin von der Army vor. „Wir möchten gerne Lt. Colonel John Sheppard auf Befehl des Oberkommandos abholen." Cameron Mitchell zückte einen offiziell aussehenden Brief und warf John einen neugierigen Blick zu.
„Dann muss ich mich wohl von ihnen verabschieden!" John erhob sich und nickte den Agenten zu. „Es war interessant, sie kennen zu lernen."
Noch einmal wechselte er einen ernsten Blick mit Bailey Malone, dann lächelte er seine rangleichen Kollegen an." „Gehen wir. General Landry wartet sicher schon."
„Oder die Krankenstation." Cameron Mitchell stützte ihn, als er beim ersten Schritt taumelte. „Ganz offensichtlich holt der Raubbau, den sie mit ihrem Körper betrieben haben, sie jetzt ein."
„Ich befürchte, von dem werden wir nicht mehr viel hören." Bailey Malone klopfte mit den Fingern auf den Tisch. „Dabei hätte ich gerne gewusst, was er eigentlich gegen mich hat. Dieser andere Kerl mit meinem Gesicht ..."
„... hat ihn auf eine so grausame Art und Weise foltern lassen, die wir uns nicht vorstellen können, und über die er vermutlich nicht so schnell hinweg kommen wird. Das haben mir die Augen des Lt. Colonels verraten." Sie schüttelte den Kopf und lächelte dann schief. „Ich bin selbst noch ganz durcheinander. Er ist Tom so ähnlich und doch so anders."
„Wie die Taube und der Falke?" scherzte Bailey, auch wenn er nicht gerade glücklich über den Ausgang des Falles war. Sie hatten zwar genügend Beweise, um den Bomber dingfest zu machen, aber die unerklärlichen Begleitumstände und die Geheimnisse um die Arquette-Entführung würden die Glaubwürdigkeit des VCTF weiter unterminieren, wenn er nicht zusah, dass er ein paar Sachen zurechtbog.
„Ja vielleicht." Rachel lächelte bitter. „ Aber sonst. Wir werden über das schweigen müssen, was wir gesehen haben. Es war unglaublich, aber es war da."
„Ja. Das stimmt." Bailey ließ die Worte unausgesprochen, die ihm auf der Zunge lagen. Auch das würde ihrer Abteilung nur Schaden zufügen. Deshalb lenkte er ein. „Wirst du Tom im Krankenhaus besuchen?"
„Das habe ich vor." Sie senkte den Kopf. „Aber ich denke, das war auch schon alles. Es wird nicht mehr so wie früher zwischen uns werden. Dannys Geist steht zwischen uns."
Cheyenne Mountain
Freitag gegen 12.00 Uhr
„Was mache ich nur mit ihnen?" General O'Neill, der eigens aus Washington gekommen war, um sich seinen Fall anzuhören, klopfte mit der Akte auf den Tisch, in dem sich neben den kopierten und teilweise beschlagnahmten Aufzeichnungen der Polizei auch noch sein vollständiger Bericht befand. „Können sie nicht einmal in ihrem Heimaturlaub aufhören, den Ärger wie magisch anzuziehen, Sheppard?"
Ein durchdringender Blick folgte, und John fühlte sich an eine Szene erinnert, die vor zweieinhalb Jahren sein Leben auf den Kopf gestellt hatte. Dennoch konnte er den Vorwurf nicht so einfach auf sich sitzen lassen und entgegnete: „Mit Verlaub, Sir ... ich konnte nicht ahnen, dass der Trust es auf mich abgesehen hat und aus mir vermutlich einen zweiten Colonel Caldwell machen wollte. Und noch weniger konnte ich es riechen, dass mich just in dem Lagerhaus, in dem ich die Kerle abzuhängen versuchte ein Bombenleger erwarten würde."
„Na, wer weiß." O'Neill sah ihn schief an und wirkte ein wenig belustigt. Dann wurde seine Miene wieder ernst. „Und was hat das mit diesem Acastus Kolya zu bedeuten? Dem militärischen Führer der Genii?"
„Dem ehemaligen Anführer dieses Volkes. Seitdem Ladon Radim die Regierungsgewalt übernommen hat, wird Commander Kolya von den Genii als Verräter gejagt. Das habe ich höchst selbst herausfinden können. Er gilt bei ihnen – und auch bei uns - als Terrorist, Sir." Sheppard holte tief Luft, um die Wut zu unterdrücken, die wieder in ihm aufstieg. „Ich kann mir nicht erklären, wie dieser Mann es geschafft hat, auf die Erde zu kommen, aber ich weiß, dass er es war."
O'Neill nickte. Ihm schien die Wut in seiner Stimme nicht entgangen zu sein. Deshalb bohrte er nicht in diese Richtung weiter. Vermutlich kannte er Elisabeths Bericht über ihr letztes Zusammentreffen mit den Genii.
„Es könnte eine Erklärung geben, warum er hier ist: In der Statusmeldung von letzter Woche, berichtete ihr Stellvertreter Major Lorne von einem Außenposten der Antiker, der durch Manipulationen der Genii zerstört wurde. Dr. McKay und Dr. Zelenka untersuchten die Sache." Er reichte Sheppard ein Blatt. „Auch wenn mir Lt. Colonel Carter das in relativ verständliche Worte umgesetzt hatte, so ist das doch immer noch nicht mein Ding.
John überflog die mit Top Secret übertitelten die Zeilen. Er verstand sehr schnell, was die Wissenschaftler meinten.„Ähnlich der Waffe auf Doran, wurde ein künstlicher Riss in unserem Zeitkontinuum geschaffen. Allerdings diesmal nicht in eine andere Realität, um dieser Energie zu entziehen, sondern um Materie unseres Universums an einen anderen Ort zu versetzen. Ganz offensichtlich haben die Antiker die Versuche drangegeben, weil sie nicht kontrollieren konnten, wohin die Materie abgestrahlt werden würde. Kolya und seine Leute müssen das Gerät für eine Waffe gehalten haben. Als sie daran herum spielten, muss er von der Entladung getroffen worden sein. Und als sei das ein schlechter Scherz dieser Daseinsebene hat ihn das nicht getötet, sondern ihn hier hin geschleudert. Auf die Erde. Und mitten in einen Tornado. Einen Sturm der erst dadurch entstanden ist."
O'Neill winkte ab und wurde dann wieder ernst. „Das bedeutet also, dieser Mann ist jetzt in den Händen des Trust und vermutlich auch in denen von Ba'al. Statt ihrer Person haben sie also einen Mann bekommen, der die Geheimnisse der Stadt und ihre Schwächen zumindest in Ansätzen kennt. Und der keinen Grund hat, sie zu schützen."
Sheppard biss sich auf die Lippen und ballte die Hände so weit er konnte zu Fäusten. „Ich habe ihn aufzuhalten versucht", sagte er frustriert. „Sie waren nur etwas schneller."
„Nun, ohne ihre Einmischung wäre das vermutlich nicht dazu gekommen."
„Das glaube ich nicht, Sir", widersprach John energisch. „Durch die Entführung dieses Dr. Arquette, der mit so verflucht ähnlich sieht, dürften sie auch auf ihn aufmerksam geworden sein. Früher oder später hätten sie ihn sich geholt."
Der General neigte den Kopf. „Dennoch haben sie das mit ihrem Verfolgungswahl forciert."
Ein dünnes Lächeln umspielte seinen Mund. „Nun, ich befüchte, das passiert manchmal den besten Leuten." O'Neill schien aus Erfahrung zu sprechen. Er legte den Bericht beiseite. „Um die Probleme mit den Behörden wird sich das SGC kümmern. Sie werden sich noch ein paar Tage unter Bebachtung ausruhen, damit die Typen nicht doch noch auf die Idee kommen noch einmal zuzuschlagen. Am Montag bricht die Daedalus in Richtung Atlantis auf."
John zwang sich zu einem Lächeln. „Ja, Sir." Auch wenn alles in ihm danach drängte, den alten Feind aufzuspüren, so forderte der Raubbau an seinem Körper doch sein Recht. Die Rauchvergiftung war noch nicht ganz ausgestanden, und die Wunden an den Händen erst recht nicht. Er hatte nichts dagegen, auszuspannen, aber musste es mit der Gewissheit sein, dass irgendwo immer ein Agent herum sprang? Das war wohl der Preis, den er für seine Stellung auf Atlantis zahlen musste.
O'Neill beugte sich vor. „Sehen sie das nicht als Strafe sondern als Schutz ihres Lebens an", sagte er leise. „Ich möchte sie weder auf die eine, noch die andere Art verlieren. Sie haben sich trotz der Situation so verhalten, wie ich es von einem Offizier ihrer Erfahrung erwarte." Ein spitzbübisches Lächeln trat in seine Augen. „Und vieles hätte ich auch nicht anders gemacht", gab er dann zu. „Verraten sie das ja nur keinem."
„Meine Lippen sind versiegelt, Sir." Sheppard holte tief Luft und entspannte sich. Gerade als er sich erheben wollte, hob der General die Hand.
„Ich habe noch eine Bitte an Sie. Sie ist eher persönlicher Natur."
„Sir?" fragte John irritiert.
„In dem Militärhospital in der Nähe von Cheyenne Mountain, in das ich sie schicken möchte liegt auch ein alter Freund von mir. Er hat nicht mehr lange Zeit zu leben. Krebs im Endstadium. Ich würde mich freuen, wenn sie Colonel Matheson zumindest einmal kurz besuchen könnten. Sie haben ihm nämlich sehr viel zu verdanken."
John horchte auf. Das war sein alter Kommandant auf der McMurdo-Basis. Die Erinnerung war zwar schon ein wenig verblasst, aber er wusste noch, dass er mit diesem Vorgesetzten sehr gut ausgekommen war.
Seine Augen weiteten sich immer mehr, als O'Neill erklärte, was er damit meinte und schließlich damit endete: „Wenn er sie nicht auf mich aufmerksam gemacht hätte – dann hätte ich vermutlich niemals sie für den Flug nach McMurdo angefordert. Ich säße nicht hier, und sie würden immer noch dort unten am äußersten Ende der Welt versauern. Er hat den Stein ins Rollen gebracht."
„Und sie wollen, dass er in seinen letzten Tagen auch noch erfährt, dass sein Vertrauen in mich nicht ungerechtfertig war?" entgegnete John bewegt.
„Ja. Ihm gegenüber entbinde ich sie von der Schweigepflicht. Erzählen sie ihm ein bisschen, wenn auch nicht alles. Und nun erholen sie sich gut." O'Neill berührte seinen Arm „Atlantis braucht seinen militärischen Kommandant ausgeruht und gesund zurück."
John nickte. „Danke. Ich werde ihren Rat beherzigen und diesen Befehl liebend gerne befolgen."
Der General lachte und John fiel mit ein. Denn das waren Worte, die man vermutlich noch nie aus dem Munde von John Sheppard gehört hatte. Und jetzt endlich war er geneigt zu glauben, dass er sich in der Wirklichkeit und nicht in einer von Naniten vorgegaukelten virtuellen Welt befand.
Ende?
Oder vielleicht doch eher Auftakt zu einem noch viel schlimmeren Abenteuer. John weiß nicht, das bereeits jemand ganz anderer auf ihn aufmerksam geworden ist, von dessen Existenz bisher noch niemand weiß - fast niemand. Denn das Profiler-Team ermittelt an einem Fall, der für sie und John bald brandaktuell werden wird. Ein Serienkiller mit sehr genauem Ziel taucht auf, und er hat die Mittel, das durchzusetzen. Das wird Teil 2 von Double Trouble erzählen: "In den Händen des Schicksals". Bald auf dieser Seite...
