Disclaimer:Mary Poppins ist die Arbeit von P.L. Travers.

Bus Stop - Part 7 (Dienstag)

Hermiones Tante entließ sie zeitig, tätschelte ihr den Rücken und schob sie durch die Tür, bevor sie diese schloss, sodass keine Zeit zum Verweilen blieb. Hermione begann langsam daran zu zweifeln, dass diese Frau überhaupt auch nur ansatzweise krank war. Soweit sie sagen konnte, war Hattie nämlich lebhafter als sie tat, auch wenn Hermione sie nicht als wirklich gelenkig und beweglich einstufen würde.

Sie schritt den Bürgersteig entlang, der Wind wirbelte ihre Haare hin und her. Vor ihr an der Bushaltestelle stand Malfoy – zum Glück alleine – der Regenschirm wehte über seinem Kopf. „Morgen", grüßte er, als sie zu ihm kam. Er hatte Probleme den Regenschirm festzuhalten, da der Wind so stark war.

„Morgen", grüßte sie zurück und nahm ihren üblichen Platz neben ihm ein.

„Wie geht's?", fragte er und nahm nun seine andere Hand, um den Regenschirm zu halten.

Hermione zuckte mit den Achseln. „Nicht schlecht, dir?"

„Es würde mir besser gehen, wenn dieser verdammte Wind aufhören würde zu wehen", merkte er an.

Hermione konnte nicht anders, als über sein Dilemma zu schmunzeln. „Du armer Junge."

Jetzt schmunzelte Malfoy, als er eine Hand in seinen Regenmantel steckte und einen filigranen, weißen Sonnenschirm mit pinken Bändern herauszog. „Für dich", sagte er.

Hermione runzelte leicht die Stirn. „Ein Sonnenschirm?", fragte sie und nahm ihn.

„Ein Sonnenschirm", bestätigte er. „Im Lateinischen bedeutet Parasol 'unter der Sonne'."

Hermione hob eine Augenbraue. „Du hast das nur erfunden, oder?"

Er zuckte unverbindlich mit den Schultern. „Öffne ihn und hab' Spaß." Er hielt den Regenschirm etwas fester.

Hermione fing an ihn zu öffnen, doch hörte dann auf. „Was ist, wenn er wegfliegt?"

„Dann wirst du ihn fünf Blöcke weiter fangen", antwortete er.

Hermione seufzte schwer und öffnete den Sonnenschirm. Aufgrund des Spitzenmaterials wurde der Wind nicht so stark gefangen – so wie ein kaputtes Seil nicht so gut funktionieren würde wie ein ganzes. Er war geöffnet schöner und Hermione konnte sich die Lady of Shallot bildlich vorstellen. „Er ist schön", lobte sie, hob ihn über ihren Kopf und hielt ihn mit wenig Mühe nach oben.

„Ich glaube, ein Dankeschön wäre angebracht", mahnte Malfoy.

Hermione lächelte. „Dankeschön."

Er grinste. „Gern geschehen. Jetzt siehst du aus wie Mary Poppins."

Hermione hob eine Augenbraue. „Und woher kennst du Mary Poppins? Sicherlich hast du nicht den Film gesehen."

Malfoy lachte laut. „Um Gottes willen, nein. Ich lese das Buch."

Hermione runzelte die Stirn. „Sie war nicht besonders attraktiv im Buch."

Malfoy lächelte stichelnd. „Ja, ich weiß."

Hermione verdrehte die Augen über ihn. „Hat sie überhaupt einen Sonnenschirm im Buch? Ich erinnere mich nicht wirklich daran."

Er zuckte mit den Achseln. „Ich auch nicht. Aber auf dem Coverbild hält sie einen."

Jetzt lächelte Hermione. „Das Foto ist wahrscheinlich vom Film. Ich habe nichts dagegen, mit Julie Andrews verglichen zu werden."

„Du weißt schon, dass ich keine Ahnung habe, wer das ist?!"

Hermione nickte. „Übrigens hast du Parasol falsch übersetzt. Para kommt von parare, was vorbereiten oder abwehren heißt und sol bedeutet Sonne."

„Ja und?", fragte er.

Hermione zuckte mit den Achseln. „Ich dachte nur, dass du das wissen solltest."

„Ich muss nicht alles wissen. Zumindest habe ich nicht gesagt, dass es im Spanischen für die Sonne steht." Er zerrte am Griff des Regenschirms herum, um ihn bei einer starken Windböe am Wegfliegen zu hindern; Hermione tat das Gleiche kurz danach.

„Ich mag ihn", fügte sie hinzu.

„Ich denke, ich habe das bereits herausgefunden, als du sagtest, dass er schön ist und mir gedankt hast", erwiderte Malfoy. Er gab auf und schloss seinen Regenschirm. Er zog seinen Hut etwas weiter an seine Ohren.

„Also, wenn du deinen zu machst...", sagte Hermione und begann ihren Sonnenschirm zu schließen, allerdings stoppte Malfoy sie.

„Wir können nicht beide die Regeln brechen", sagte er und schnalzte mit seiner Zunge.

„Aber...", begann Hermione.

„Kein Aber, Granger." Er zeigte ihr ein Lächeln, bei dem sie nahezu alle seine Zähne sehen konnte.

„Du bist komisch."

„Ich weiß, Liebling, und du bist es auch." Er streckte ihr die Zunge raus.

„Ich denke, deine Regeln müssen überdacht werden." Hermione drückte einen Arm an ihre Brust, der andere hielt immer noch den Sonnenschirm aufrecht.

Malfoy seufzte und öffnete seinen Regenschirm wieder. „Fein. Bist du jetzt glücklich?"

„Also... nein. Nicht wirklich. Aber trotzdem danke." Sie grinste ihn an und er grinste zurück.

„Ist dir irgendetwas Interessantes passiert, nachdem wir uns gestern verabschiedet haben?", fragte er.

Hermione schüttelte verneinend mit dem Kopf. „Nein. Das war ein normaler Tag. Hast du irgendwelche fantastischen neuen Eissorten probiert?"

Malfoy schenkte ihr eines seiner hinterlistigen Lächeln, griff in seine Manteltasche und gab ihr einen halben Maß großen Eisbecher. „Cashew-Sahnekaramell?", bot er ihr an.

Hermione starrte ihn nur an. „Du hattest einen Sonnenschirm und Eis in deinem Mantel? Beides? War das nicht unglaublich kalt?"

Er zuckte nur mit den Achseln. „Ich habe auch einen Löffel mitgebracht." Er zog das besagte Utensil aus einer Tasche, wedelte damit herum, um die Fusseln wegzubekommen und gab ihn ihr, alles während er mit seinem Regenschirm kämpfte.

„Du weißt schon, dass ich Eis nicht essen kann, während ich gleichzeitig einen Sonnenschirm halte?", fragte Hermione zweifelnd.

„Iss es im Bus", schlug er vor. Er zeigte zur Straße, wo ihnen die Nummer zweiundfünfzig entgegen gerumpelt kam.

Hermione schaute auf ihre Uhr. „Das war ziemlich schnell", bemerkte sie.

„Bist du dir sicher?", fragte Malfoy. „Sagt man nicht, dass die Zeit nur so dahinfliegt, wenn man Spaß hat, oder irgend so etwas dämliches in der Art?" Er lachte. „Habe ich dir jemals erzählt, dass ich Notts Wecker Flügel habe wachsen lassen? Also das war ein Spaß."

„Ich kann nicht behaupten, dass du es mir erzählt hättest", merkte sie an. „Es ist ja nicht so, dass du mir überhaupt viele Anekdoten erzählst."

„Selbstnotiz: Granger mehr Anekdoten erzählen", sagte Malfoy, als ob er mit einem imaginären Stenografen reden würde.

Der Bus stoppte vor ihnen und die Tür öffnete sich mit einem lauten Seufzen. Die Schlange war heute kurz und sie stiegen schnell in den Bus. „Hier ist ein Platz", sagte Hermione und setzte sich ans Fenster. Malfoy nahm natürlich den Sitz neben ihr am Gang.

„Wusstest du", sagte er, als der Bus begann die Straße entlang zu rollen und Hermione anfing ihr Eis zu essen, „dass Mary Poppins ein Parselmund war?"

Hermione runzelte die Stirn, ihr Löffel auf halbem Wege zu ihrem Mund. „Du meinst, als sie aufgrund der Party ihres Onkels in den Zoo gegangen sind? Die Schlange?"

Er nickte. „Ich wette mit dir, sie war mit Slytherin verwandt."

Hermione lachte. „Ich denke das ist Zufall."

Malfoy zuckte mit den Achseln. „Wie du willst. Wie ist das Eis?"

Hermione lächelte zufrieden. „Kalt, aber wunderbar. Du verwöhnst mich, Malfoy."

„Das ist eine der Sachen, die ich am besten kann." Er hielt für einen langen Moment inne, so als ob er nachdenken würde. „Granger, willst du Kinder haben?"

Hermione verschluckte sich an ihrem Eis und bekam einen Hustenanfall, sodass ihr Gesicht sich allmählich rot färbte. „Was?", fragte sie, während er mit seiner Hand auf ihren Rücken klopfte.

„Ich fragte, ob du Kinder haben willst?", wiederholte er.

„Mit... mit...", sie konnte sich selber nicht dazu bringen, „dir" am Ende der Frage hinzuzufügen.

„Du weißt schon... ein Haufen kleiner Knirpse mit wuscheligen Haaren und Biberzähnen, denen du deine Dickköpfigkeit vererben kannst?" Er pfiff leise. „Ich stelle mir vor, dass sie jedem Lehrer nur vom Hände heben Migräne verursachen würden."

Hermione hustete erneut. „Ähm, ja. Irgendwann würde ich wirklich gerne Kinder haben."

„Exzellent", sagte er, vielmehr zu sich selbst als zu ihr.

„Ähm...", redete Hermione weiter, nicht so wirklich sicher, wie sie fortsetzen sollte, „du? Das heißt, willst du Kinder haben?"

Er hob eine seiner gleichmäßigen, blonden Augenbrauen. „Granger, ich bin das letzte, übrig gebliebene Mitglied einer sehr langen Linie von angesehen Reinblütern. Damit geht das einher."

„Ich verstehe." Das Wort Reinblut lag ihr schwer in den Ohren. Sie aß ihr Eis weiter, dachte bedächtig nach. Malfoy holte einen zweiten Löffel aus seiner Tasche und klaute sich ein gutes Viertel des Bechers von ihr. „Malfoy," sagte sie endlich, „du würdest nicht... ich meine... du würdest niemals... denk darüber nach, dass sich deine... ähm... verändern... äh..." Sie hörte auf herumzustottern.

„Red weiter", drängte er und leckte etwas Eis von seinem Daumen.

„Ich meine... hast du vor, deine Linie weiterzuführen, auf die gleiche Art und Weise?", fragte sie schließlich.

Er kratzte sich am Kopf. „Was meinst du? Wie... meine Mutter zu heiraten?"

Hermione schüttelte ihren Kopf. „Uhm, nein. Ich meinte eher in Richtung..." Sie konnte es nicht tun. Sie konnte nicht einfach fragen.

„Hat dir jemals jemand gesagt, dass es unhöflich ist, den Satz nicht zu beenden?", fragte er.

Sie schaute ihn von der Seite her an. Sein Haar war vom Wind verwuschelt, beinahe so, als ob er gerade eben ein Quidditch-Spiel beendet hätte. Seine Augen waren sturmgrau und passten perfekt zu den Wolken draußen. Wann genau war es passiert, dass er so, so, so... umwerfend gut aussah? Sie änderte ihre Taktik. „Denkst du, dass du jemals in Erwägung ziehst... du weißt schon... nicht... ähm..."

„Deine Haltestelle, Granger."

„Äh..."

„Granger, deine Haltestelle", wiederholte er und zog seine Knie an, um sie vorbei zu lassen. Sie stand auf und ihre Knie berührten seine.

„Ähm... danke für das Eis", beendete sie den Satz. „Bye." Sie verließ den Bus und fühlte sich unsicher.


Hallo liebe Leser,

und schon wieder ist eine Woche rum und ich präsentiere euch das neue Kapitel!

Mein Dank gilt wieder meiner lieben Beta -Nike-, die es trotz Computer- und Gesundheitsprobleme geschafft hat, dieses Kapitel zu kontrollieren - dafür bitte einmal ganz liebe Genesungswünsche von euch an Nike! - und der lieben Amira Flavia, die auch noch mal vorsichtshalber drüber geschaut und ihren lustigen Senf dazugegeben hat :D

Noch kurz zur Info: „Lady of Shallot" ist eine Ballade von dem englischen Dichter Alfred Tennyson, 1. Baron Tennyson (1809 - 1892). Seine Werke sind also im viktorianischen Zeitalter entstanden.

Ich hoffe, dass die lateinischen Übersetzungen so richtig sind. Ich hatte in der Schule kein Latein und habe es jetzt bloß von der Fanfiction aus dem Englischen übersetzt. Falls etwas nicht stimmt, so schreibt es mir doch bitte, damit ich es ändern kann. Danke! :o)

Was sagt ihr zur Eissorte Cashew-Sahnekaramell? Sie klingt zwar ein wenig langweiliger als Erdnuss-Karamell-Schoko-Beere, aber ich glaube, sie würde zumindest meinem Geschmack eher entsprechen.

Heute gab es mal keine Rose, dafür aber einen tollen Sonnenschirm, passend zu Dracos Regenschirm! :D

Nun denn, ich freue mich schon auf das neue Kapitel am nächsten Mittwoch mit euch!

Bis dahin mit den besten Grüßen,

Eure Ivy