Teil: 7
Kommentar: So, weil ich gerade so in schön in Schreib-Laune bin nach dieser wundervollen Nachmittagsvorstellung, kommt hier schon der siebte Teil meiner kleinen Geschichte. Schauen wir doch mal, ob Herbert für seine Zeit mit Alfred schon Pläne hat...
Zu den Reviews: Solche Fehler unterlaufen einem, wenn man mitten in der Nacht schreibt und nicht mehr ganz wach ist. Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, warum Sarah nicht beim Grafen schläft, vielleicht ist unser lieber Graf ja zu gut erzogen, wenn er weiß, dass sein Sohnemann im Sarg daneben liegt.
Das Gespräch zwischen Herbert und seinem Vater hätte ich natürlich noch weiter ausschmücken können, aber erstens ist das ein absoluter Nebenschauplatz, und zweitens hätte ich dann das Rating ändern müssen, vermute ich. Damit wollte ich eigentlich noch ein wenig warten.
Und ja, Herbert will seinen Vater loswerden. Mal im Ernst, wer hat gerne seine Eltern in der Nähe in einer solchen Situation?
Folg mir nach, vertrau der Nacht
Zur großen Freude des Grafen und zu seinem Erstaunen war Herbert in der folgenden Nacht schon vor ihm auf den Beinen, was sonst nur der Fall war, wenn es ihm wirklich schlecht ging und er es nicht mehr in seinem Sarg aushielt. Ansonsten konnte den Schlaf seines Sohnes kaum etwas stören. Schnell wurde ihm klar, dass er Alfred diesen Sinneswandel zu verdanken hatte, denn offenbar wollte Herbert sich für die Tage, an denen er mit ihm alleine war, etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Er selbst hatte sich in kürzester Zeit ebenfalls ein paar ganz außergewöhnliche Überraschungen für sein geliebtes Sternkind überlegt, einerseits um ihr eine unvergessliche Zeit an seiner Seite zu bieten, andererseits wollte er die gemeinsame Zeit aber auch nutzen, um sichergehen zu können, dass sie tatsächlich seine Gefährtin für die Ewigkeit war.
Von Koukol erfuhr er, als dieser ihm das Frühstück brachte, dass sein Sohn schon einige Stunden vor Sonnenuntergang aufgestanden und in seinen Zimmern verschwunden war. Dann, vor einer knappen Stunde, hatte er sich wohl auf den Weg zu Alfred gemacht, nachdem er sich von dem buckligen Diener ein üppiges Frühstück hatte zubereiten lassen. Der Graf schmunzelte bei dem Gedanken, wie sein Sohn den jungen Assistenten überraschte. Hoffentlich verschreckte er ihn nicht wieder, doch da er bis jetzt den Raum anscheinend noch nicht verlassen hatte, schien alles in Ordnung zu sein. Er selbst machte sich auf den Weg zu Sarah, um mit ihr eine Spazierfahrt in der Kutsche zu machen. Leider hatte sie die Nacht nicht bei ihm verbracht, doch er hatte mit Rücksicht auf seinen Sohn entschieden, dass es so vielleicht besser war, schließlich würde er in nächster Zeit oft genug mit seiner Liebsten alleine sein.
Während der Graf noch geschlafen hatte, war Herbert tatsächlich längst auf den Beinen gewesen und hatte gegrübelt, was er tun konnte. Zwar war es ihm in den letzten Tagen hin und wieder gelungen, Alfred näher zu kommen, doch sehr schnell hatte der sich dann wieder von ihm abgwandt. So konnte das nicht weitergehen, es musste etwas geschehen zwischen ihnen und zwar bald. Er war noch nie gut darin gewesen, Geduld zu zeigen und Alfred stellte ihn auf eine harte Probe, wenngleich er dieses Opfer in jedem Fall wert war. Allerdings wollte Herbert nich die Ewigkeit damit verbringen, auf ihn zu warten, er musste ihm in den nächsten Tagen einfach näher kommen. Heute würde er es erst einmal mit einem weiteren gemeinsamen Frühstück versuchen und ein wenig romantische Stimmung aufkommen lassen.
Von Koukol hatte er sich ein paar geeignete Leckereien bringen lassen, mit denen er Alfred den Morgen versüßen konnte. Leise schlich er über den Flur, öffnete vorsichtig die schwere Zimmertür und schloss sie fast lautlos wieder. Alfred schien tief in die Decken eingegraben zu sein, nicht eine einzige blonde Locke konnte Herbert noch erkennen. Schmunzelnd lies er sich auf der Bettkante nieder und zog die Decke ein Stück hinunter, doch im nächsten Moment erstarrte er. Das konnte doch nicht sein! Das Bett war leer, kein Alfred!
Augenblicklich begann er, das gesamte Zimmer auf den Kopf zu stellen, ebenso den angerenzenden Raum, doch keine Spur von seinem Geliebten. Panik machte sich in ihm breit, verstand er doch nicht, was hier vor sich ging und warum Alfred nicht mehr da war. Doch die Sonne war noch nicht untergegangen, er konnte das Schloss bei Tageslicht unmöglich verlassen haben. Sofort begann er, planlos das Schloss zu durchsuchen, jedoch merkte er sehr bald, dass das keinen Sinn machte. Er konnte alleine unmöglich das riesige Gemäuer durchsuchen, doch genauso wenig wollte er seinen Vater um Hilfe bitten. Es wäre eine unerträgliche Schande, zuzugeben, dass Alfred ihm davongelaufen war.
Draußen dämmerte es bereits. Wo sollte er nur suchen, wo konnte Alfred sein? Die wildesten Gedanken rasten durch seinen Kopf. Was, wenn er sich im Schloss verirrt hatte? Oder wenn er Sarah dazu gebracht hatte, mit ihm wegzulaufen? Oh nein, am Ende hatte er die Sonne unterschätzt und war längst verbrannt, verloren für immer! Bei diesem Gedanken begann er am ganzen Körper zu zittern, eine erneute Welle aus Panik, Angst und großer Sorge überkam ihn. Es durfte einfach nicht zu spät sein, Alfred durfte nichts zugestoßen sein, das würde er nicht ertragen! Alles, nur das nicht! Alles andere konnte Herbert irgendwie aushalten, doch nicht die Vorstellung, dass sein Liebster in der Sonne qualvoll verbrannt war, das durfte nich sein!
In wilder Hast stürmte er in sein Zimmer, suchte den dicksten Umhang, den er finden konnte, verhüllte sich so gut es ging und verließ unbemerkt das Schloss. Noch immer war ein goldener Streifen am Horizont zu erkennen, doch Herbert ignorierte den stechenden Schmerz, der seinen Körper bei diesem Anblick erfasste. Er war jetzt nicht mehr wichtig, nur Alfred. Zu seinem Entsetzen entdeckte er im Schnee frische Fußspuren, die zielstrebig vom Schloss wegführten. Er eilte zum Stall, zäumte sein Pferd auf und sprang auf dessen Rücken. Nur so hatte er eine Chance, den Jungen einzuholen, bevor ihm etwas zustoßen konnte. Dass er hier draußen nicht sicher war, hatte man ja in der Nacht, in der Sarah ihn gebissen hatte, gesehen.
Er trieb das Pferd grob an, stieß ihm den Hacken seiner Stiefel in die Flanken und jagte es durch die verscheinte Landschaft. Endlich wurden die Sonnenstrahlen schwächer und die Stiche in seiner Brust liesen ein wenig nach. Immer weiter hetzte er das Pferd in Richtung des Waldes, wohin die Spuren im Schnee führten. Wie konnte er nur so weit gekommen sein in so kurzer Zeit? Herbert begriff nicht, was hier vor sich ging, doch das kümmerte ihn wenig, wenn er nur Alfred wiederfand.
Über zwei Stunden ritt er querfeldein durch den Wald, wobei er das Tempo bald zurücknehmen musste, konnte er dem Tier eine solche Hetzjagd doch nich lange zumuten. Warum nur fand er ihn nicht, so weit konnte er doch gar nicht gelaufen sein! Er war fast so weit, aufzugeben, so verzweifelt war er, als er meinte, im Schatten eine Gestalt auf dem Boden zu sehen. Ein lebloser Körper saß mit dem Rücken zu einem Baumstamm im Schnee, die Arme hingen kraftlos hinunter, der Kopf war so zur Seite gekippt, dass Herbert ihn nicht genau erkennen konnte.
Rasch saß er ab und eilte zu der Person herüber. Hatte er ihn vielleicht doch endlich gefunden? Wäre er kein Vampir gewesen, hätte er nun wohl gebetet, doch so begnügte er sich mit einem innerlichen Flehen, das tatsächlich erhört wurde. Es war Alfred, er hatte ihn gefunden. Doch schon im nächsten Moment machte sich wieder das Gefühl der Sorge in ihm breit, den Alfred rührte sich nicht mehr, er hatte die Augen geschlossen, sein Gesicht und seine Lippen hatten einen selbst für Vampire unnatürlichen Farbton angenommen und er war zum Teil vom Schnee, der von den Ästen des Baumes heruntergefallen war, bedeckt.
„Alfred? Ich flehe dich an, sag doch etwas!" Herbert kniete neben ihm im Schnee und wollte ihn wieder zur Besinnung bringen, doch ohne Erfolg. Noch immer hatte er wahnsinnige Angst um seinen Geliebten, doch jetzt wurde das Gefühl der Machtlosigkeit in ihm von einer unglaublichen Stärke abgelöst und mit einem Mal wusste er haargenau, was er zu tun hatte, wollte er den Jungen retten. Rasch löste er seinen Mantel, wickelte Alfred darin ein und trug ihn zu seinem Pferd. Mit sehr viel Geschick und Vorsicht und dank der Unterstützung des treuen Tieres, dass sich problemlos an einen großen Stein herantreiben lies, gelang es ihm mit dem leblosen Körper in seinem Arm aufzusitzen. Nun saß Alfred vor ihm, mit dem linken Arm presste er ihn an sich und mit der rechten Hand hielt er die Zügel sicher fest. Es würde nicht einfach werden, doch sie mussten schnellstmöglich zurück ins Schloss.
Nicht so schnell wie zuvor, doch noch immer rasant genug trieb er das Pferd durch den Wald in Richtung des Schlosses. Die ganze Zeit hielt er Alfred fest und sicher in seinem Arm und murmelte ihm immer wieder beruhigende Worte zu, die jedoch wohl eher für ihn gedacht waren, den von seinem Liebsten kam noch immer keine Reaktion. Der Weg zurück erschien ihm so viel länger als die zwei Stunden, in denen er den Wald abgesucht hatte, doch endlich kamen die Türme des Anwesens in Sichtweite. Es war bald geschafft, ein Glück, denn langsam spürte Herbert, wie seine Kräfte ihn verliesen. Aber er würde durchhalten, das musste er, es gab keine andere Möglichkeit.
Als sie vor dem Schloss zum stehen kamen, war das Pferd schweißgebadet, doch Herbert rief nur kurz nach Koukol und trug Alfred nach oben in dessen Zimmer. Die Kälte konnte Vampiren an sich nicht gefährlich werden, doch er war noch jung und Herbert wusste zu gut, dass frisch Verwandelte wesentlich anfälliger waren, da sie sich von ihrem sterblichen Dasein noch nicht völlig gelöst hatten. Es dauerte einige Zeit, bis sie ihr Unleben angenommen hatten und erst dann konnten sie ihre menschlichen Schwächen ablegen.
Alfreds Körper war definitiv viel zu kalt, weshalb Herbert ihm zuallererst die vom Schnee durchnässten Klamotten auszog, ihn ins Bett legte und in die dicke Bettdecke einwickelte. Dann rief er nach Koukol und wies ihn an, schnellsmöglich ein heißes Bad vorzubereiten. Er selbst wollte bei Alfred bleiben, er konnte ihn so unmöglich alleine lassen. Immer wieder strich er ihm durch Haare und Gesicht. Wenn er doch nur endlich wieder aufwachen würde, dann wüsste er, dass es nicht allzu schlimm um ihn stand. Herberts Angst wuchs mit jedem Moment, denn er fürchtete ernsthaft um das Leben des Jungen. Er wäre nicht der erste Jungvampir, der die Kälte unterschätzte und ihr erlag, doch das durfte einfach nicht geschehen.
Erstaunlich schnell tauchte Koukol wieder auf und erklärte, das Bad sei nun fertig. Herbert schickte ihn einen Krug Blut holen und begann sich dann selbst auszuziehen. Mit Alfred auf den Armen ging er ins Bad und lies sich gemeinsam mit ihm in das heiße Wasser gleiten. Der Junge lag nun zwischen seinen Beinen, mit dem Rücken an Herberts Brust, von dessen linkem Arm gehalten, während Herbert mit einem Schwamm Wasser auf seiner Brust und seinen Schultern verteilte. Wäre er nicht so verzweifelt und besorgt um seinen Geliebten gewesen, hätte er diese Situtation mehr als genossen, doch so hoffte er nur, dass die Wärme bald ihre Wirkung zeigte. Tatsächlich schien die Kälte nun endlich aus Alfreds Körper zu weichen, denn ganz allmählich bekam seine Haut wieder eine für Vampire übliche Farbe. Er fühlte sich auch nicht mehr so kalt an und Herbert konnte sich nur schwer beherrschen, ihn nicht zu küssen, als er nun die Augen aufschlug und sich müde umsah.
Zunächst nahm Alfred seine Umgebung noch nicht völlig klar war, er fühlte nur eine angenehme Wärme, die ihn umhüllte, und einen sanften Körper, starke Arme, die ihn festhielten und eine weiche Hand, die über seine Wange strich. Das letzte, woran er sich erinnerte, war, dass er müde gewesen war und sich gegen den Baum gelehnt hatte, danach war nur noch Dunkelheit in seiner Erinnerung. Was wohl geschehen war und wem wohl die langen Beine neben seinen eigenen gehörten? Matt drehte er den Kopf ein wenig und sah... Herbert! Erschrocken machte er sich los und wollte aufspringen, doch schon im nächsten Moment wurde ihm schwindelig und schwarz vor Augen, sodass er nicht allzu weit kam auf seiner Flucht und schon bald wieder in den Armen des Vampirs lag.
„Beruhige dich wieder, ich tue dir doch nun wirklich nichts Schlimmes. Im Gegenteil, du solltest mir dankbar sein, denn die Kälte kann für einen jungen Vampir wie dich sehr gefährlich sein.", sprach Herbert sanft zu ihm. Wieder strich er ihm mit dem Schwamm über die Brust, wobei er es nun tatsächlich genoss. Ein solcher Schwächeanfall war wenig verwunderlich und erregte auch nicht seine Besorgnis, dieses Problem würden sie schon bald auf sehr angenehme Art und Weise lösen. Er merkte zwar, wie Alfred sich in seiner Umarmung verkrampfte, doch das hielt ihn nicht davon ab, mit seinen Streicheleinheiten fortzufahren.
„Siehst du, es ist alles in Ordnung, entspann dich ein wenig, chéri. Mach die Augen zu und ruh dich aus, genieß das warme Wasser.", flüsterte er mit samtiger Stimme, doch für Alfred war nicht an Entspannung zu denken.
Allein der Gedanke, dass er gerade nackt in den armen eines anderen, ebenfalls nackten Mannes lag, machte ihn panisch. Was, wenn Herbert sich plötzlich entschließen würde, diese Situation auszunutzen und mehr wollte, als Streicheleinheiten verteilen? Kein Zweifel, es war tatsächlich angenehm, wie er mit dem weichen Schwamm immer wieder über seine Brust strich, auch die andere Hand auf seinem Bauch störte ihn nicht sonderlich, aber der Gedanke, dass sie tiefer wandern könnte... Nein, an Entspannung war hier nicht zu denken, dafür war er nun viel zu ängstlich und nervös.
Hinter sich hörte er Herbert ein wenig genervt aufseufzen, dann hörte er wieder die leise Stimme an seinem Ohr: „Liebling, wenn ich das hier ausnutzen wollte, dann hätte ich es schon längst getan, glaube mir. Allerdings nicht erst jetzt, sondern schon früher, wenn ich wollte, dann hättest du nicht die mindeste Chance, ohne Hilfe zu entkommen." Diese Worte sorgten dafür, dass Panik in Alfred aufstieg. Tatsächlich war er Herbert ausgeliefert, wer sollte ihm hier auch zu Hilfe kommen? Der Graf sah anscheinend ganz gern, dass sie beide Zeit miteinander verbrachten, Sarah interessierte offenbar nicht mehr, was er tat, und der Professor war wohl längst über alle Berge, um seine Forschungsergebnisse im fernen Königsberg zu präsentieren.
„Aber habe ich das getan? Nein, natürlich nicht, weil es mir nicht darum geht, zumindest nicht nur. Ich liebe dich, wann begreifst du das endlich, Dummerchen?" Sanft strich seine rechte Hand erneut über Alfreds Wange, den Hals hinab und blieb auf seiner Schulter liegen. Noch ehe der Junge etwas erwidern konnte, kam Herbert eine grandiose Idee, Alfred doch zu etwas Entspannung zu verhelfen. Er legte ihm die andere Hand auf die linke Schulter und begann vorsichtig, ihn zu massieren. Schließlich gab es doch nichts Besseres gegen Verspannungen als eine Massage, das musste auch Alfred einsehen. Der erschrak im ersten Moment ein wenig, doch schnell bemerkte er, wie angenehm diese Behandlung war. Seine Muskeln wurden lockerer und die Anspannung wich allmählich aus seinem Körper, wenngleich ein Stimmchen in seinem Hinterkopf ihm immer wieder sagte, dass er Herbert nicht trauen durfte.
Doch die Befürchtungen dieses Stimmchens bewahrheiteten sich nicht, Herbert tat wirklicht nichts weiter, als ihn zu massieren und seine verkrampften Schultern zu lockern. Irgendwann schloss Alfred ganz automatisch die Augen und lehnte sich in die wohltuenden Berührungen. Nie hätte er gedachte, dass ihm soetwas gefallen könnte, doch gerade wurde er eines Besseren belehrt. Unter Herberts langen Fingern bröckelte sein Widerstand nach und nach, zumal der andere wirklich nichts tat, was sein Misstrauen begründet hätte. Er merkte selbst kaum, wie er leise aufseufzte, als die fremden Hände sich nun seinem Nacken widmeten. Das hatte noch nie jemand für ihn getan, auf ihrer Reise war es vielmehr so gewesen, dass der Professor sich von ihm hatte massieren lassen, jedes Mal von der Erklärung begleitet, er sein schon alt und sein Rücken bringe ihn heute wieder um. Alfred hatte sein Rücken auch umgebracht, doch dafür hatte sich niemand interessiert.
Er bedauerte es fast schon, als Herbert schließlich von ihm ablies. Er wollte die Augen wieder öffnen, doch eine zärtliche Hand legte sich über sie und er wurde von einer anderen behutsam nach hinten gezogen. Wie zuvor, als er noch bewusstlos gewesen war, lag er nun in Herberts Armen. Dessen rechte Hand spielt mit seinen Locken, während die linke ihn an den älteren Vampir drückte. Alfred konnte es nicht sehen, doch auch Herberts Gesichtszüge hatten sich vollkommen entspannt, er hatte die Augen geschlossen und genoss die Nähe zu seinem Liebsten. Noch lieber hätte er ihn auf ganz andere Art und Weise verwöhnt, doch er hatte keinen Zweifel mehr daran, dass sie diesen Schritt bald gehen würden. Alfreds Verstand wehrte sich, doch sein Herz gab allmählich nach und schien zu begreifen, dass er ihn aufrichtig liebte. Kaum hörbar begann er, die Melodie eines Liedes zu summen, dass seine Mutter früher für ihn gesungen hatte, und es schien auf Alfred die gleiche Wirkung wie damals auf ihn zu haben, denn sein Kopf sank zur Seite und er verfiel in einen Dämmerzustand, nahm wohl Herberts Stimme noch wahr, doch den Sinn der Worte erfasste er schon nicht mehr.
Wäre es nach Herbert gegangen, wären sie ewig so liegengeblieben, die Nähe zu Alfred, das warme Wasser, die himmlische Ruhe, es könnte eigentlich nicht schöner sein. Doch langsam wurde das Wasser kalt, sie lagen schließlich schon eine ganze Weile hier, und als auf dem Flur einige Gläser zu Boden ging und man Koukol fluchen hörte, war es auch mit der Ruhe vorbei. Mit einem Mal war Alfred wieder hellwach, bemerkte, was er hier tat, und löste sich in Windeseile von Herbert. Der stöhnte gequält auf und erhob sich schließlich doch aus der Wanne. Einen Moment betrachtete er Alfred, der mit flammendroten Wangen ins Wasser auf seine Beine starrte, doch dann griff er nach seinem Bademantel.
Als Alfred wieder aufsah, wurde ihm ein dunkelroter, weicher Bademantel entgegen gehalten. Gern hätte er ihn angezogen, doch wenn er jetzt aufstand, dann... Nein, lieber blieb er die ganze Nacht im kalten Wasser!
„Ist dir das so peinlich? Dabei hat so ein hübscher Junge wie du doch nichts zu verbergen, glaube mir, ich kann das beurteilen." In diesem Moment wurde Alfred klar, dass Herbert ihn ja die ganze Zeit nackt gesehen hatte. Sofern das noch ging, verfärbten sich seine Wangen noch dunkler und er wäre jetzt gerne im Erdboden versunken.
„Na schön, bevor du gar nicht aus dem Wasser kommst, schaue ich eben weg. Ist es so besser?" Tatsächlich hielt Herbert sich die Augen zu. Hastig stand Alfred auf und hüllte sich in den weichen Stoff des Mantels. Er lies sich aus der Wanne helfen und von Herbert in sein Zimmer führen, wobei ihm nun jede Berührung erneut widerstrebte.
Andererseits wagte er nicht, sich von Herbert zu lösen, denn seit er wieder stand, schwankte die Welt vor seinen Augen ein wenig. Dankbar sank er auf sein Bett, doch noch immer wollte das Zimmer nicht still stehen. Herbert drückte ihn lächelnd in die Kissen und deckte ihn wie ein kleines Kind zu. „Ich bin gleich wieder da, einen Moment Geduld, ich möchte mir nur etwas Anderes anziehen." Er verschwand und kam schon nach wenigen Minuten in einer einfachen schwarzen Hose und einem weiten, hellblauen Hemd zurück.
„So, nun wollen wir dir mal ein wenig auf die Beine helfen, nicht? Sonst kippst du mir am Ende noch um, das wollen wir ja nicht." Mit einem Grinsen im Gesicht legte er sich neben Alfred und zog den Jungen in seine Arme. Was auch immer er vorhatte, Alfred wünschte sich nichts mehr, als wieder bei Kräften zu sein und weglaufen zu können. Wenn ihm nur nicht dauernd schwindelig werden würde...
