Neugierde!

Wir waren schon eine ganze Weile unterwegs und Jacob schnarchte auf der Rückbank.

Julia und ich schwiegen uns an. Das können wir Vampire echt gut.

Ich dachte darüber nach, was Edward wohl sagen wird, wenn er mich in seinem Auto sitzen sehen sollte. Ob er sauer sein wird? Wird er mir den Hals umdrehen?

Draußen war es stockduster. Nur die Lichter der Amaturen leuchteten.

Als wir auf den Highway fuhren, schaltete ich das Licht aus, damit wir schneller fahren konnten als es erlaubt war, ohne bemerkt zu wurden. Die Straße war fast leer, was mich dazu brachte die Tachonadel bis zum Anschlag zu treiben.

Plötzlich musste ich an mein menschliches Ich denken, wie es Edward immer ermahnt hatte das er nicht so schnell fahren soll. Jetzt verstand ich es erst richtig, was er damit meinte, das ein Unfall - wenn er am Steuer saß - so gut wie unmöglich passieren konnte.

Was er wohl in Edmonton gemacht hat? Wieso war er dort, und nicht bei seiner Familie? Meine Gedanken schwirrten nur um Edward.

Er war der letzte der in diesem Auto saß, bevor Julia es geklaut hatte. Er hatte dieses Lenkrad berührt, saß auf diesem Sitz und trat vermutlich beim letzen Mal fahren, das Gaspedal genauso durch, wie ich jetzt.

Auch wenn er immer viel zu rasant fuhr, so habe ich mich dennoch immer sicher gefühlt, wenn ich auf seinem Beifahrersitz saß.

Wenn ich mich sehr stark konzentrierte, konnte ich sogar noch ganz schwach seinen unvergleichlichen Geruch wahrnehmen.

Ich merkte wie ich ein wenig zu schmunzeln begann.

Bella, hör auf an ihn zu denken, dass macht es nachher nur um so schlimmer, wenn du ihm gegenüber stehst, mahnte mich meine innere Stimme und sie hatte ohne jeden Zweifel recht.

Ich brauchte jetzt Musik, ganz dringend. Was Lautes war nicht drin, da ich Jake hinter mir nicht wecken wollte.

„Könntest du bitte die CD von Debussy in den Player legen?", fragte ich Julia ohne sie anzugucken.

„Klar doch", aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie mich musterte, während sie in erst eine CD aus dem Player nahm und dann die CD von Debussy einlegte.

Die ersten Töne von Clair de Lune spielten und wäre ich jetzt noch ein Mensch, hätte ich wahrscheinlich Gänsehaut bekommen.

Ich musste unwillkürlich wieder an Edward denken, wie ich damals - nachdem ich in Biologie umgekippt war, bei der Blutgruppenbestimmung - das erstemal in diesem Auto saß, auch da spielte Clair de Lune. Das Stück passte damals perfekt zu dem Moment.

Ich drückte den Knopf, damit das nächste Lied anfing. Schon besser, dieses Stück war mir bisher unbekannt.

Noch mehr an ihn zu denken, war definitiv nicht gut für mich.

„Bella, willst du von alleine mit der Sprache rausrücken, was mit dir und Edward war, oder soll ich vielleicht raten?", ich blickte verblüfft zu ihr herüber, damit hatte ich gerade überhaupt nicht gerechnet „Ich denke allerdings, dass wenn ich raten soll, das Gespräch umso länger dauert.", sie grinste mich heimtückisch an.

„Da gibt es nichts zu erzählen!", erwiderte ich knapp.

„Ok, du hast es ja nicht anders gewollt. Dann werde ich eben so lange bohren, bis du es mir erzählst!", sie streckte mir die Zunge raus.

Ich funkelte sie böse an, gab jedoch nach.

Wir hatten noch einige Stunden Fahrt vor uns und ich wollte es lieber jetzt hinter mich bringen als später.

„Also, was willst du wissen?" sagte ich leise.

„Einfach alles!", sie strahlte, über ihren Sieg.

„Genau das hatte ich befürchtet.", seufzte ich „Naja, ich bin im letzen Frühjahr von meiner Mutter aus Phoenix nach Forks zu meinem Vater gezogen. Als ich auf die Highschool von Forks kam, habe ich Edward kennengelernt und wir haben uns ineinander verliebt. Im September darauf hat er mich dann verlassen."

„Das nennst du doch nicht ALLES, oder?", ihr Blick sprach Bände, sie wollte mehr hören „Wieso ist es überhaupt so weit gekommen. Ich dachte die Cullens halten sich von Menschen fern, auch in der Schule?"

„Ich roch so appetitlich. Edward meinte mal zu mir, dass ich sowas wie seine persönliche Droge für ihn bin. Er fühlte sich dadurch zu mir hingezogen.", begann ich „Der Durst nach meinem Blut war so stark, sowas hatte er, nach eigenen Aussagen, noch nie erlebt. Außerdem kam die Neugierde hinzu, weil meine Gedanken ihm verschlossen waren, auch das war neu für ihn."

„Wieso hat er dich am Leben gelassen und ist nicht seinem Instinkt nachgegangen? Es muss doch furchtbar gewesen sein, als du um ihn herum warst. Seine Kehle muss doch vor Durst gebrannt haben, wie wenn man ihm eine Fackel in den Mund schieben würde.", sie überlegte ehr laut, als das sie zu mir sprach.

„Ich weiß nicht warum er mich nicht getötet hat. Da musst du ihn schon selbst fragen. Er hatte es definitiv am ersten Tag in Betracht gezogen, dass hat er mir kurz vor unserem ersten Kuss gesagt. Aber er wollte Carlisle nicht enttäuschen, ich glaube das das der Hauptgrund war."

„Waaaaas??? Er hat dich sogar geküsst? Er hat dich berührt und dir trotzdem widerstanden?", sie war sichtlich beeindruckt.

„Ja, aber mehr lief da nie. Wir hatten Regeln, damit ich ihn nicht unnötig quäle und ihn nicht in Versuchung bringe. Mehr als küssen gab es nicht, wenn du verstehst was ich meine?!", ich schaute sie prüfend an und sie nickte „Er meinte immer es sei zu meiner eigenen Sicherheit. Ich hatte da eine weniger starke Selbstbeherrschung, ich wäre gerne ein bisschen weiter gegangen.", gestand ich und kicherte leise, bevor ich weitersprach „Er war sowieso immer sehr auf meine Sicherheit bedacht. Ich weiß gar nicht wie oft er mir eigentlich das Leben gerettet hat. Wüsste ich es nicht besser, könnte ich echt denken er hat mich geliebt.", ich seufzte wieder.

„Wieso hat es geendet?", fragte sie leise, dass Mitgefühl in ihrer Stimme war deutlich rauszuhören.

„Naja, an meinem Geburtstag kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Als ich ein Geschenk auspacken wollte, schnitt ich mich am Papier in den Finger und…"

„Und Edward konnte sich nicht mehr beherrschen und stürzte sich auf dich. Wer hat ihn abgehalten und vor allem wie?", unterbrach sie mich.

„Nein, Julia. Du ziehst die falschen Schlüsse. Nicht Edward verfiel in einen Blutrausch, sondern Jasper.", ich machte ein kurze Pause und prüfte sie wieder, ihr war deutlich anzusehen, dass sie damit nicht gerechnet hatte „Edward hat mich zur Seite gestoßen und sich schützend über mich geschmissen. Rosalie und Emmet haben sich derweil um Jasper gekümmert. Was kein leichtes Unterfangen war. Wie dem auch sei, an dem Abend muss in Edward etwas aufgekeimt sein. Die Tage darauf sprachen wir nur das Nötigste. Er blieb nicht, mal wie sonst immer, über Nacht.", die Erinnerungen taten mir weh „Einige Tage später, wollte er mit mir spazieren gehen, ich dachte wir würden uns aussprechen, aber Fehlanzeige. Wir waren kaum einige Meter im Wald, als er verkündete das er und seine Familie gehen…" ich stockte kurz und schluchzte auf, ich hatte das Gefühl als würde weinen, aber es kamen keine Tränen.

Julia sah mich an und wusste gleich was los war „Ist schon gut Bella, du musst nicht weiter sprechen. Es tut mir sehr Leid, ich hätte nicht so neugierig sein dürfen.", sagte sie reumütig.

„Nein, ist schon ok. Es tut auch mal gut darüber mit jemandem zu reden. Vor allem mit jemanden der weiß was die Cullens wirklich sind und sie deswegen nicht verurteilt", ich schaute kurz zu Jake, der immer noch schlief und sprach leise weiter „Er sagte mir er und seine Familie würden gehen, ohne mich. Als ich ihn fragte warum, antwortete er nur kühl, das er mich nicht mehr liebte und das er was Besseres verdient hätte. Also, so direkt hat er es nicht ausgedrückt, aber es war deutlich raus zuhören, das er dies meinte. Dann rannte er auch schon tiefer in den Wald und war verschwunden.", meine Stimme brach genau am Ende weg.

„Oh Bella, das tut mir so Leid.", sprach sie und ich spürte, dass sie ernsthaft mit mir mitlitt. Sie legte ihre linke Hand auf meine, die auf dem Schaltknüppel ruhte.

„Ist schon in Ordnung. Eigentlich habe ich immer gewusst, das er mich nicht wirklich lieben konnte.", sagte ich und versuchte zu lächeln „Ich war immerhin nur ein Mensch - zerbrechlich und sterblich - und ich konnte mit ihm auf keinster Weise mithalten. Ich hätte auf diese Beziehung nie viel geben dürfen, mich nie so reinsteigern dürfen.", ich schüttelte den Kopf „Damals verstand ich denn auch endlich, warum er mich nicht verwandeln wollte. Nicht wegen meiner Seele, wie er immer behauptete, sondern, weil er mich nie wirklich wollte. Er wollte nicht mit mir die Ewigkeit verbringen. Im Gegensatz zu mir."

Julia war sprachlos, das sah ich ihr deutlich an.

„Am meisten vermisste ich natürlich ihn und es schmerzte mich auch zu tiefst. Aber mir fehlte auch seine Familie ganz fürchterlich. Ich dachte ich würde ihnen was bedeuten, so wie sie mir etwas bedeuteten. Sie waren wie meine Familie. Am meisten von den ‚Anderen' fehlte mir Alice, sie wurde in der Zeit zu meiner besten Freundin. Ich hätte nicht gedacht, dass sie einfach gehen würde. Das sie mit den anderen gehen würde, ohne sich wenigstens von mir zu verabschieden.", bei dem Gedanken an Alice, spürte ich wie wieder dieses Schluchzen in mir hochstieg, diesmal schluckte ich es aber herunter.

„Alice, hat sich nicht von dir verabschiedet? Das passt aber gar nicht zu ihr.", sie machte eine kurze Pause „Vielleicht hat es Edward ihr verboten?!", grübelte Julia.

„Als ob sich Alice Cullen irgendwas verbieten lassen würde.", ich lachte auf, was für ein absurder Gedanke „Und wieso ist sie denn nicht wieder gekommen, als es mir so schlecht ging die Zeit danach. Sie hätte mich doch in ihren Visionen sehen müssen. Sehen müssen, das ich innerlich schon tot war und wie es mir ging. Sie hätte kommen müssen. In der Zeit wo ich sie, meine beste Freundin, am meisten gebraucht habe, war sie nicht. Was soll ich da nur denken?"

Darauf wusste auch Julia keine Antwort mehr und wir schwiegen uns wieder an.

Draußen brach der Tag langsam an.

„Bella?", fragte sie nach einiger Zeit.

„Ja?", sagte ich, gespannt was jetzt als nächstes kam.

„Würde es dir was ausmachen, wenn wir die CD ausschalten. Irgendwie brauch ich jetzt was anderes. Was wo ich mitsingen kann.", sie lächelte.

Auch ich musste grinsen, aber ehr aus Erleichterung, dass das Thema endlich beendet war.

„Ja, klar. Irgendwo in seinem Handschuhfach müsste noch eine CD von mir liegen. Mit meinen Lieblingstiteln, das heißt wenn er sie nicht weggeschmissen hat.", antwortete ich „Es müsste mein Name drauf stehen."

„Nein, er hat sie nicht weggeschmissen. Die CD lag im Player, bevor ich Debussy eingelegt habe.", ich schaute sie verdutzt an.

Wieso hörte er meine CD noch immer im Auto? Darauf sind nur meine Lieblingslieder und jedes Lied musste ihn doch an mich erinnern. Heißt das vielleicht, dass er doch noch an mir hängt?

Bella, untersteh dich sowas auch nur zu denken, rief mich meine innere Bella wieder einmal zur Vernunft.

Die Musik begann und ich musste lächeln.

Als der Sänger anfing zu singen, sang ich mit:

„I've been roaming around, I was looking down at all I see. Painting faces, building places I can't reach." Mein Gesang hörte sich nach meiner Verwandlung jetzt viel schöner an.

Im Refrain stimmte denn auch Julia mit voller Kraft ein:

„You know that I could use somebody. You know that I could use somebody. Someone like you…" Plötzlich merkte ich, wie Jacob sich auf der Rückbank blitzschnell bewegte.

„Guten Morgen Jake" sagte ich mit einem breiten Lächeln auf den Lippen und sah in sein vom Schlaf zerknittertes Gesicht „Hast du gut geschlafen?"

Er schaute mich verwundert an „Ja… äh… Danke. Hab ich gerade richtig gehört Bella, du singst? Seid wann das?"

Ich grinste ihn noch viel breiter an als zuvor und sang als Beweis noch eine Zeile mit:

„I hope it's going to make you notice. Someone like me…"

„Wow Bella ich bin echt… erstaunt.", sagte er und kicherte leise.

„Was ist los Jake? Singen wir etwa so schlecht?", sagte ich gespielt beleidigt.

„Nein, ganz im Gegenteil. Ich dachte ich hätte die Kings of Leon mit weiblicher Verstärkung direkt im Auto."

„Danke, Jake.", sagte ich fröhlich.

„Wie lange habe ich geschlafen?", fragte er nun und das verspielte Lächeln um seine Lippen blieb „Ich fühle mich nämlich wie neu geboren. Hmmm… das ist vielleicht ein blöder Vergleich. Sagen wir lieber, ich fühle mich sehr… erholt und ausgeruht."

„Es ist mittlerweile 8 Uhr", sagte Julia gelassen „Also, hast du gute 10 Stunden.", sie drehte sich um und grinste und ich meinte, auf Jakes gebräunter Haut eine leichte Röte sehen zu können.

Ich erlöste ihn und lenkte Julia von ihm ab.

„Wie lange brauchen wir noch?", fragte ich sie, konnte jedoch die Nervosität in meiner Stimme nicht ganz verbergen.

„Mhhh, wenn wir das Tempo halten können vielleicht noch 2 Stunden.", sie lächelte mich einfühlsam an und es beruhigte mich.

„Ich geb mein Bestes", antwortete ich verspielt.

In zwei Stunden werde ich sie alle wiedersehen. Ob Edward schneller war zu Fuß, als wir mit dem Auto? Ob wir ihn schon mit dem Rest seiner Familie begrüßen könnten?

„Und Mädels was habe ich verpasst?", hinterfragte Jacob neugierig.

„Ach, nur ein paar Frauengespräche.", antwortete Julia, bevor ich auch nur hätte den Mund öffnen können „Du weißt schon, dass Übliche: Haare, Make Up und Klamotten.", sie zwinkerte mir verschwörerisch zu.

Ich formte mit den Lippen ein stummes ‚Danke'.

Jacob sah mich ungläubig an, ließ sich aber bequem in den Rücksitz zurücksinken und schloss erneut die Augen.

*************************************

Anmerkung:

Sämtliche Inhalte und Personen gehören Stephenie Meyer. Mir macht es nur Spaß mit den Charakteren zu experimentieren und die Geschichte weiterzuschreiben.
Danke für euer Feedback.
Da ich gestern leider nicht posten konnte, bekommt ihr heute noch ein Kapitel! =)
Meine Inspiration für dieses Kapitel gaben mir:

Kings of Leon mit „Use Sombody".
DANKE =)

GLG