KNV – Kapitel 07: Kurzbesuch in Hogwarts
Zu Hause angekommen, aßen Harry, Hermine und Remus noch eine Kleinigkeit, wobei sie sich über den Nachmittag bei Ginny unterhielten. Hermine und Remus erzählten Harry alles über Ginny und Neville, was Harry noch nicht wusste. Irgendwann ging dann Remus hinauf in seine Räume, der herannahende Vollmond machte sich bei ihm so langsam bemerkbar. Harry und Hermine blieben noch eine Weile auf der Veranda sitzen und genossen die Abenddämmerung, bevor sie schließlich ebenfalls ihre Suite aufsuchten. Dort setzte sich Hermine an ihren kleinen Schreibtisch, um den Brief an Dumbledore zu schreiben. Harry setzte unter dessen in der Bibliothek die Sicherungszauber für Hermine außer Kraft. Dann ging er zu Hermine, die in diesem Moment mit ihrem Brief fertig wurde und ihn Harry zum Lesen gab.
Sehr geehrter Professor Dumbledore,
hiermit möchte ich mich nochmals bei Ihnen für Ihre großzügige Offerte bedanken.
Nach langem Überlegen muss ich Ihnen jedoch mitteilen, dass ich die von Ihnen angebotene Stelle als Professorin für Verwandlung in Hogwarts nicht annehmen kann.
Wie Ihnen bekannt sein sollte, habe ich vor einiger Zeit eine sehr schwere Schuld einem geliebten Menschen gegenüber auf mich geladen. Nun habe ich endlich die Möglichkeit erhalten, diese meine Schuld abzutragen. Durch bestimmte Umstände bin ich Willens, meine Zukunft an der Seite des Menschen zu verbringen, dem ich einst das angetan habe, was auch heute noch meine Schuldgefühle diesem Menschen gegenüber begründet. Bitte sehen Sie mir nach, dass ich auf Grund kürzlich geschehnen Ereignisse meine Prioritäten neu geordnet habe und mich Ihnen daher nicht mehr als Lehrkraft zur Verfügung stellen kann.
Hochachtungsvoll,
Hermine Jane Granger
Als Harry den Brief gelesen hatte, musste er schmunzeln. „Warum so formell und gestelzt, Mine? Du hättest es ihm doch in einem Satz schreiben können!" Hermine grinste. „Und welcher Satz sollte das deiner Meinung nach sein?" „Na du hättest doch zum Beispiel schreiben können: Dumbledore, rutschen Sie mir doch den Buckel runter!" Nun musste Hermine herzhaft lachen. „Ja, dass hätte ich ihm schreiben können, aber ich wollte wenigstens höflich bleiben. Wer weiß, vielleicht ändert er ja irgendwann mal seine Einstellung, und wir gehen doch noch als Lehrer nach Hogwarts..." Mit diesen Worten nahm sie Harry das Pergament aus der Hand und rollte es sorgfältig zusammen. „Lass uns schlafen gehen, morgen haben wir sicher wieder einen anstrengenden Tag..."
Wenig später lag Harry im Bett und wartete auf Hermine. Als sie dann endlich aus dem Bad kam, fielen Harry fast die Augen aus dem Kopf. Dieser süße Hauch von Nichts, den Hermine da als Nachthemd anhatte, zeigte wesentlich mehr als er versteckte! Harry wurde sofort rot wie eine Tomate, und zum ersten Mal wurde ihm so richtig bewusst, wie sehr er Hermine begehrte. Sein Herz und sein Verstand schrieen lauthals nach ihr, und dass auch sein Körper nach ihr verlangte, konnte Hermine sogar von weitem erkennen... Harry war wie paralysiert, als ihm seine Freundin so aufreizend entgegen kam. Er konnte erst dann wieder einigermaßen reagieren, als Hermine kichernd zu ihm ins Bett krabbelte. Eng schmiegte sie sich an ihn, und begann, ihn mit vielen, vielen zärtlichen Küssen zu übersähen. Langsam erwachte Harry wieder aus seiner Erstarrung, und er fing an, Hermines Zärtlichkeiten zu erwidern...
Als Harry am nächsten Morgen erwachte, spürte er als Erstes, dass sich Hermine im Schlaf eng an ihn gekuschelt hatte, und ihn mit ihren Armen und Beinen umklammert hielt. Harry durchfuhr es siedend heiß, als er dann auch noch merkte, das Hermine nichts an hatte, und er ebenso wenig! Schlagartig war er putzmunter, und ganz deutlich konnte er spüren, wie Hermines Nähe und die Wärme ihres Körpers auf ihn wieder zu wirken begann. Obwohl sich Harry fragte, was diese Nacht zwischen ihnen so alles passiert war, an das er sich im Moment nicht mehr so recht erinnern vermochte, konnte er seine Hände nicht bei sich behalten und ließ sie auf Wanderschaft über Hermines seidenweiche Haut gehen. Genussvoll erkundete er ihren Körper, und bald setzte er auch seine Lippen und Zunge mit ein... „Harry, was machst du da mit mir...?", stöhnte Hermine irgendwann auf, als sie so richtig erwacht war und feststellte, dass sie nicht mehr träumte. „Ich wollte dich nur wecken", antwortete Harry mit besonders unschuldiger Stimme. „Ich hab´ schon gedacht, ich träume noch... Aber so lasse ich mich gerne von dir wecken..." Als Antwort verschloss Harry ihre Lippen mit den seinen. Wenig später nahm Hermine seine Hand und führte sie über ihren Körper, um gemeinsam mit Harry ihre empfindlichen Stellen zu erkunden. Harry war ein äußerst wissbegieriger Schüler, auch wenn sie dieses Mal ebenso wenig wie am Vorabend bis zum letzten Schritt gingen...
Am späten Vormittag erschienen sie dann zum Frühstück in der Küche. Remus war nicht zu sehen, und so machten sie sich eine Kleinigkeit zum Essen. Nachdem sie sich gestärkt hatten, suchten sie Remus. Sie fanden ihn in der Bibliothek, wo er sich mit einem dicken Buch in einem der bequemen Lesesessel nieder gelassen hatte. „Guten Morgen, Moony!", begrüßte ihn Harry, während Hermine noch in der Türe stehen geblieben war und mit offenem Mund und glänzenden Augen die Menge der Bücher bestaunte, die auf sie warteten. „Harry, du hast mir ja gar nicht gesagt, dass deine Bibliothek so riesig ist!", keuchte Hermine. „Mine, das ist UNSERE Bibliothek!", verbesserte sie Harry. „Aber das sind nur etwa zwei Drittel aller Bücher, die restlichen sind noch in Hogwarts..." „Du hast NOCH MEHR Bücher?", rief Hermine entgeistert. Harry und Remus grinsten. Hermine sah aus wie ein kleines Kind, dem man gerade gesagt hatte, dass Ostern, Weihnachten und ihr Geburtstag am selben Tag waren... „Das müssen tausende Bücher sein, viel mehr als in der Hogwarts-Bibliothek!", staunte Hermine weiter. „Da könntest du Recht haben. Bisher habe ich es noch nicht geschafft, alle Bücher zu zählen oder zu katalogisieren... Würdest du mir dabei helfen?" Hermine nickte eifrig. Ihre größte Leidenschaft, von Harry vielleicht einmal abgesehen, waren nun mal die Bücher.
„Harry, du vergisst da noch ein paar Bücher!", warf Remus ein. „Ähm, welche denn? Hilf mir mal auf die Sprünge!" „Ich hatte das Thema schon einmal an deinem Geburtstag angesprochen, aber du hast dich bisher noch nicht darum gekümmert... Ich meine Sirius' Erbe, Harry. Dazu gehört auch die Hausbibliothek der Blacks. Irgendwann MUSST du dich um das Erbe kümmern, dass kann dir keiner abnehmen!" Mit versteinertem Gesicht ließ Harry Remus' Worte über sich ergehen, aber er gab ihm keine Antwort. Hermine war sich wirklich nicht sicher, ob Harry einen Wut- oder einen Tränenausbruch unterdrückte. Jedoch wollte sie beides verhindern, und so ging sie schnell zu ihm und nahm den völlig versteiften Harry in ihre Arme. Nur allzu gut erinnerte sie sich an das Ende ihres fünften Schuljahres, als sie die ganzen Sommerferien gebraucht hatte, um Harry aus dem Tief heraus zu holen, in das er durch den Tod seines Patenonkels gestürzt war. Obwohl sie kein Wort sagte, reagierte Harry auf ihre Nähe, und langsam erwachte er aus seiner Starre. „Ich bin bei dir, Harry. Und ich werde dir auch DABEI helfen, dass weißt du doch, oder?", flüsterte Hermine ihrem Freund zu. Als Harry sich einige Zeit später wieder unter Kontrolle hatte, hauchte er ihr ein „Danke!" zu. Hermine zog seinen Kopf zu sich herunter und küsste ihn sanft. Als Remus sah, wie schnell Hermine ihren Harry wieder beruhigen konnte, war er äußerst verblüfft. „Ihr zwei erstaunt mich! Ich hätte wohl etliche Stunden gebraucht für dasselbe, was du, Hermine, in ein paar Minuten geschafft hast... Und das, obwohl ich seit über drei Jahren mit Harry zusammen wohne! Vielleicht seit ihr wirklich Seelenpartner..." „Wie kann man das herausfinden?", wollte Hermine wissen. „Ich glaube, dass da so ein Ritual gibt. Aber frage mich bitte nichts Genaueres!" „Dann werde ich wohl die Bücher wälzen müssen", grinste Hermine. Den Bücherwurm in ihr hatte sie immer noch nicht abgelegt...
„Hermine, ich muss dir noch was sagen", eröffnete ihr Harry plötzlich. „Und dir auch, Remus. Es gibt hier im Haus viele Bücher, die großen Schaden anrichten können, wenn sie in die falschen Hände geraten. Ein Teil dieser Bücher steht hier in der Bibliothek. Diese Bücher handeln von der Alten Magie und deren Formen. Ich habe sie mit einem Bann belegt, so dass sie keiner sehen kann, der nicht das entsprechende Wissen oder die Fähigkeiten hat. Wenn jemand versuchen würde, Teile der Alten Magie zu lernen, ohne dass der- oder diejenige die Grundlagen beherrscht, kann das sehr gefährlich werden. Auf diese Weise ist zum Beispiel Pompeji untergegangen, falls euch das was sagt." Hermine riss erschrocken die Augen auf. „Wie kann...", wollte sie fragen, doch Harry unterbrach sie sofort. "Ein Gebiet der Alten Magie ist unter anderem die Elementarmagie. Damit kann man die Erde, das Wasser, die Luft und das Feuer beherrschen. Aber soweit bin selbst ich noch nicht... Als ich herausgefunden hatte, wie gefährlich diese Art der Magie ist, habe ich lieber die Finger davon gelassen. Man sollte so etwas nicht im Selbststudium lernen, wenn es noch andere Sachen gibt, die man sich beibringen kann. Ich habe mir eigentlich vorgenommen, dass ich euch die Grundlagen der Alten Magie und deren Geschichte, soweit sie mir bekannt ist, beibringe. Meines Wissens nach gibt es in der Alten Magie äußerst wirkungsvolle Heilzauber. Ich dachte mir, dass wir gemeinsam versuchen, mehr darüber heraus zu finden. Vielleicht können wir damit Neville helfen. Mit den Grundlagen dazu, der Selbstheilung, habe ich bereits damals in der Schule angefangen. Aber bis jetzt habe ich meine Heilkräfte nur an Tieren oder mir selbst angewendet... Gestern war das erste Mal, dass ich bei einem Menschen eingegriffen habe, auch wenn es nur ein sehr kleiner Schritt war." Harry setzte sich nun in einen der bereit stehenden Sessel, und zog Hermine mit auf seinen Schoß.
„Langfristig will ich so viel wie möglich über die Alte Magie erfahren und nicht wenig davon lernen. Irgendwann werde ich mich auch der Elementarmagie widmen... Von all dem darf aber Dumbledore oder das Ministerium nichts wissen, wir hätten sonst keine Ruhe mehr... Übrigens, zu den Grundlagen der Alten Magie zählt auch das Zaubern ohne Hilfsmittel wie einem Zauberstab oder ähnliches... Bevor du fragst, Hermine, ich habe einen Zauberstab zum letzten Mal im Kampf gegen Voldemort angefasst..." Harry grinste nun breit, als er Hermines verblüfftes Gesicht sah. „Wisst ihr, Dumbledore und das Ministerium sind scharf darauf, meinen Zauberstab unter die Lupe zu nehmen, um mehr über den letzten Kampf und die von mir eingesetzte Magie zu erfahren. Aber da können sie lange warten! Es ist schon recht vorteilhaft, wenn man mit ein wenig Alter Magie umgehen kann, um zum Beispiel den eigenen Zauberstab zu deaktivieren. Dumbledore würde mir keine einzige ruhige Minute mehr lassen, wenn er wüsste, dass ich bei diesem letzten Kampf meinen Zauberstab nur zur Ablenkung eingesetzt habe. Ich schätze, dass ich während des Kampfes den Stab nur bei etwa zehn Prozent der von mir verwendeten Magie eingesetzt habe. Alles andere war zauberstablose Magie..."
Harry schwieg, als er die betroffenen Gesichter seiner Freunde sah. Fast schon entschuldigend fuhr er fort: „Was glaubt ihr denn, wie ich sonst hätte allein gegen Voldemort und einigen hundert Todessern gewinnen können? Mit der euch bekannten Magie hätte ich das nie geschafft, auch nicht mit der Unterstützung von Dumbledore, dem Phoenix-Orden und dem DA-Club... Dazu waren es einfach zu viele, und auch Voldemort war bereits zu mächtig geworden. Im Nachhinein war ich damals sogar ein bisschen froh darüber, dass ich mich von allen zurückgezogen hatte, denn dadurch konnten Voldemorts Spione nichts mehr über meine Fähigkeiten herausfinden und an ihm weitergeben." „Aber warum hast du uns alle von diesem Kampf ausgeschlossen?", fragte Hermine mit besorgter Stimme. „Remus, wie viel Zeit haben wir noch, bevor wir nach Hogwarts gehen sollten?" Nach einem Blick auf seine Uhr antwortete dieser: „Etwas mehr als zwei Stunden. Ich weiß nicht, wie lange Dumbledore im Ministerium bleiben wird..."
„Also gut", seufzte Harry. „Dann werde ich euch das Wichtigste von diesem letzten Kampf erzählen... Den Bericht der Auroren kennt ihr? Gut, dann kann ich das weglassen... Ich vermute, ihr wart an diesem Abend in der Großen Halle, bevor der Kampf begann. Da ich keine Lust auf den Abschlussball hatte, bin ich in meinem Zimmer geblieben und hatte etwas gelesen. Ich sollte euch vielleicht noch dazu sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt längst meine eigenen Warnsysteme rund um Hogwarts installiert hatte. Diese Warnsysteme reagierten ausschließlich auf Voldemort, Todesser und andere dunkle Kreaturen. Und der einzige, der gewarnt wurde, war ich. Von Dumbledore wollte ich bereits damals nichts mehr wissen... Jedenfalls rechnete ich an diesem Abend mit einem Angriff. Alle Schüler und Lehrer waren beim Ball in der Großen Halle, dass konnte sich Voldemort doch nicht entgehen lassen... Als der Alarm dann losging, bin ich auf den Astronomieturm teleportiert, um mir einen Überblick zu verschaffen. Ich war froh, als ich keine Riesen erkennen konnte, deren Eingreifen hätte alles geändert. Grawp und Hagrid haben wohl ganze Arbeit geleistet, um die Riesen wieder von Voldemort abzubringen... Als die ersten Todesser den verbotenen Wald verließen, bekam ich mit, das Dumbledore ebenfalls gewarnt war. Ihr habt da gerade die Eingangshalle verlassen. Schnell hatte ich einen Schutzschild um Hagrids Hütte errichtet, dann bin ich vor das Schlosstor teleportiert, und habe die Tore versiegelt. Danach habe ich um euch ebenfalls einen Schutzschild errichtet, allerdings einen einseitigen. Alles von Außen kommende wurde abgewehrt, aber ihr konntet Flüche nach Außen schicken. Dann habe ich auf Voldemort gewartet. Den Rest habt ihr ja gesehen...", schloss Harry seine doch recht grobe Umreißung der damaligen Ereignisse.
„Damit hast du mir aber meine Frage noch nicht beantwortet", sagte Hermine leise, nachdem sie Harrys Erzählung einigermaßen verdaut hatte. „Dafür gab es zwei gründe, Hermine. Der wichtigste ist die Art, wie die Alte Magie angewendet wird. Erinnert ihr euch an das Versprechen, welches ich gestern Ginny abgenommen habe? Das hängt genau damit zusammen. Also, die heute allgemein bekannte Magie, so wie ihr sie kennt und anwendet, wirkt von innen heraus. Sie ist abhängig von der Kraft desjenigen, der die Magie anwenden will. Und sie muss in fast allen Fällen mit einem Hilfsmittel wie einem Zauberstab fokussiert werden, da sie sonst zu schwach ist. Die Alte Magie hingegen wirkt von außen. Das heißt, der Anwendende nutzt die magische Energie aus seiner Umgebung, und ist dabei selbst der Fokus. Er entzieht also seiner Umwelt die Energie, die er zum Zaubern benötigt. Seine eigene Energie braucht er nur, um die Magie mit seinem Willen und seiner Konzentration zu lenken. Er leitet also die bereits vorhandene magische Energie durch sich selbst und wandelt sie dabei entsprechend dem gewünschten Zauber um. Ich weiß, dass klingt blöd, aber ich weiß nicht, wie ich das anders erklären soll. Wo war ich? Ach ja...
Also, wenn man sich dabei so sehr auf sein Ziel konzentrieren muss, wie das bei diesem Kampf für mich notwendig war, dann kann man nicht mehr bewusst steuern, welche Energie man von der Umwelt aufnimmt. Man macht das dann relativ unbewusst. Das heißt aber, dass man dabei auch die Energie von anderen Zauberern oder Hexen aufnehmen kann, auch wenn man das gar nicht möchte, da diese dadurch geschwächt werden. Also musste ich euch davor schützen, dass ich euch ungewollt eure magische Energie entzog. Wenn es für mich nicht so gut gelaufen wäre, hätte ich euch sogar unbewusst eure Lebensenergie entziehen können, um selbst zu überleben. Das musste ich verhindern, da ich das unter Umständen nicht hätte kontrollieren können. Um die ganzen Todesser habe ich einen ähnlichen Schild gelegt wie um euch. Allerdings wirkte er etwas anders, er ließ Flüche hinein, aber nicht hinaus. Außerdem hinderte er die Todesser am apparieren. Um mich selbst habe ich auch einen Schild gelegt. Das war eine Kombination aus Alter und Weißer Magie. Dieser Schild sollte mich schützen und dabei die dafür benötigte Energie aus der Umwelt aufnehmen. Dabei ist ein Effekt aufgetreten mit dem ich nicht unbedingt gerechnet hatte, aber der mir sehr geholfen hat. Der Schild hat die magische Energie der auf mich abgefeuerten Flüche aufgenommen und sie so unschädlich gemacht. Und ich war das Ziel wirklich vieler Flüche, das könnt ihr mir glauben...
Je stärker, je machtvoller ein Fluch ist, umso mehr Energie enthält er. Diese Energie kommt aber von demjenigen, der den Fluch ausspricht. Also hat mein Schild die Energie der Todesser aufgenommen, und sie somit nach und nach geschwächt. Das war wie ein Kreislauf. Je mehr Flüche die Todesser auf mich abgegeben haben, umso mehr Energie hat mein Schild aufgenommen. Aber jedes bisschen Energie, das mein Schild aufgenommen hatte, verlangte nach mehr Energie. Und die bekam der Schild, weil die Todesser noch mehr Kraft in ihre Flüche legten, um meinen Schild zu überwinden...
Viele der Todesser sind allein daran zugrunde gegangen, weil sie sich bis aufs Letzte verausgabt hatten. Einige haben jedoch verstanden, was da passierte, und haben begonnen, andere Wege zu suchen, um mich auszuschalten. Um die habe ich mich dann bewusst gekümmert... Der zweite Grund, warum ich euch da praktisch eingeschlossen hatte, ist recht einfach: Hätte ich es nicht geschafft, wärt ihr die letzte Hoffnung für Hogwarts gewesen..." Harry lehnte sich erschöpft zurück. Remus und Hermine waren sprachlos. Da Harry sie damals daran gehindert hatte, in den Kampf einzugreifen, waren sie dabei nur unbeteiligte Zuschauer gewesen. Jetzt erst verstanden sie zumindest teilweise, was Harry damals geleistet hatte. Allerdings war Harry noch nicht fertig mit erzählen. Nun hatte er einmal damit angefangen, also wollte er auch noch den schaurigen Rest loswerden!
„Ich habe euch schon gesagt gehabt, dass ich damals auch Schwarze Magie eingesetzt habe. Allerdings habe ich keinen der drei verbotenen Flüche eingesetzt. Aber ich hatte bessere gefunden... Ich habe es geschafft, Voldemort zu einem Squib zu machen. Ich ließ ihn bis zur Hüfte in der Erde versinken, so musste er sich den Untergang seiner Todesser ansehen und konnte nichts dagegen unternehmen. Mit den wichtigsten Todessern habe ich ein wenig gespielt... Ich muss zugeben, dass ich da fast die Kontrolle über mich verloren hatte. Ich weiß nicht warum, aber ich habe einige Gedanken oder Erinnerungen der Todesser aufgefangen, vor allem von den beiden Malfoys. Was ich da gesehen habe hat mich so rasend vor Wut und vor Hass auf sie gemacht, dass es mir schon fast gefallen hatte, sie zu foltern... In einigen der alten Bücher habe ich ein paar nützliche Zaubersprüche für die Wildjagd gefunden, und die habe ich ein bisschen modifiziert... Den Malfoys habe ich langsam die Muskeln und Sehnen im ganzen Körper durchtrennt und an ihren Nervenbahnen habe ich auch ein klein wenig herumgespielt... Draco war bei weitem nicht so standhaft wie sein Vater, er wäre fast wahnsinnig geworden vor Schmerzen... Zum Schluss habe ich dann ihre Gehirne abgetrennt, bevor ich sie getötet habe. Ich wollte sie leiden sehen für das, was sie anderen angetan hatten! Die beiden waren die letzten Todesser gewesen, bevor ich mich dann an Voldemort gewandt hatte...
Bei ihm habe ich es ähnlich gemacht wie bei den Malfoys, nur habe ich bei ihm dafür gesorgt, dass er niemals wieder von irgendjemand wieder belebt werden kann. Deswegen habe ich seine Leiche verbrannt und die Asche hoch in den Himmel geschossen, wo sie sich dann im Wind verteilt hat. Ich schätze, dass ich an diesem Abend so an die zweihundert Todesser direkt oder indirekt getötet habe, dazu dann noch Voldemort... Ich habe mehr Menschen umgebracht als Malfoy Senior. Und ich habe es ganz bewusst getan, damit wir ein für alle Mal Ruhe vor ihnen haben. Ich habe das gemacht, damit ihr frei sein könnt... Erst durch Minerva habe ich nicht mehr beinahe jede Nacht davon träumen und ihre Schreie hören müssen."
Erschöpft sackte Harry in sich zusammen. Hermine und Remus starrten ihn geschockt an – obwohl ihnen klar gewesen war, dass Harry einige Todesser getötet haben musste, hatten sie keine Ahnung gehabt, dass es so viele waren! Auch waren sie schockiert, weil Harry sich selbst als Mörder bezeichnet hatte. Zu vermuten, dass der Freund die eine oder andere dunkle Kreatur getötet hatte, war eine Sache. Aber ganz anders sah es aus, das dann aus seinem Munde zu hören! Keiner sagte auch nur irgendetwas, Harry weil er nichts mehr sagen wollte, Hermine und Remus weil sie zu geschockt waren und das eben gehörte erst einmal verarbeiten mussten... Nach einiger Zeit verfrachtete Harry die starr auf seinem Schoß sitzende Hermine mit einem kleinen Schwebezauber in einen anderen Sessel. Dann stand er auf und ging zur Tür. Bevor er sie hinter sich schloss, sagte er leise: „Jetzt wisst ihr, warum ich mich so lange von allen zurück gezogen habe und warum ich noch nie darüber geredet habe..."
Harry ging langsam zu seiner Stelle an dem kleinen Teich im Wald. Er wollte jetzt allein sein und erst einmal seine Ruhe haben. Er befürchtete, dass sich seine beiden einzigen Freunde, die er momentan hatte, von ihm abwenden würden, und dass er damit seine große Liebe erneut verlor. Aber tief in ihm drin war immer noch die Hoffnung, dass Hermine ihn verstehen und seine Vergangenheit akzeptieren würde und das sie noch da war, wenn er irgendwann wieder ins Haus gehen konnte...
Hermine und Remus blieben eine ganze Weile reglos sitzen, jeder hing seinen Gedanken nach, bis Remus irgendwann die Stille unterbrach. „Jetzt kann ich verstehen, warum Albus befürchtet, dass Harry auf die dunkle Seite gewechselt sein könnte. Er muss irgendwie gesehen haben, was Harry da gemacht hatte..." Da Hermine nicht reagierte, stand Remus auf und ging zu ihr hinüber. Sachte legte er seine Hand auf ihre Schulter, bevor er leise sagte: „Hermine, wenn du ihn trotzdem noch lieben kannst, dann geh zu ihm, und zeig ihm, dass er nicht allein ist." Hermine hob langsam ihren Kopf, und Remus konnte sehen, wie ihr ein paar Tränen die Wangen hinunter liefen. „Was hat er gesehen, dass er so mit denen umgegangen ist? Er kann doch sonst keiner Fliege etwas antun!" Sie war sichtbar erschüttert. „Hermine, glaube mir, dass willst du besser gar nicht wissen. Und ich auch nicht." „Meinst du, er will mich jetzt noch sehen?" Remus seufzte. „Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es. Komm, ich bring dich hin..." Remus hielt ihr seine Hand hin. Als Hermine sie ergriff, zog er sie hoch. Dann zog er seinen Zauberstab und apparierte mit Hermine nahe an den Rand der kleinen Waldlichtung mit dem kleinen Teich.
„Na dann wollen wir mal... Zeigst du mir dein Kätzchen?", fragte er Hermine. Noch bevor sie etwas sagen konnte, verwandelte er sich in seine Wolfsform und setzte sich neben sie in das Gras. Mit einem wahren Hundeblick sah er Hermine an, bis sie nach gab und sich in ein kleines braunes Kätzchen verwandelte. Der Wolf zeigte daraufhin ein kurzes Schwanzwedeln, dann stand er auf und ging auf die Lichtung zu. Das Kätzchen folgte ihm. Bald sahen sie den kleinen Teich, an dessen Ufer Harry saß. Er hatte die Knie angezogen und hielt sie mit seinen Armen umklammert. Harry sah mit starren Blick auf den Teich, auf dessen Oberfläche ein paar Enten und ein Schwanenpaar umher schwammen. Harry zeigte überhaupt keine Reaktion, obwohl ihm seine Instinkte mitteilen mussten, dass sich zwei Animagi näherten.
Der Wolf setzte sich direkt neben ihn und legte ihm seine Schnauze auf die Schulter. Harry reagierte immer noch nicht. Auch nicht, als das Kätzchen versuchte, an ihm hoch zu klettern. Nach ein paar erfolglosen Versuchen gab das Kätzchen auf und setzte sich an Harrys Seite und maunzte ihn leise an. Als Harry da immer noch nicht reagierte, schnappte der Wolf vorsichtig nach dem Kätzchen und ergriff es mit seinen Zähnen am Nacken. Dann hob er das Kätzchen hoch und setzte es direkt in Harrys Schoß. Dort stellte sich das kleine Kätzchen auf seine Hinterpfoten und legte seine samtweichen Vorderpfötchen auf Harrys Wangen. Als es Harrys Augen sah, konnte es den Schmerz und die abgrundtiefe Trauer in seinen Augen förmlich spüren. Auch sah es die halb eingetrockneten Spuren seiner Tränen. Vorsichtig stupste das Kätzchen sein Näschen gegen Harrys Wange, dann begann es die Tränenspuren abzulecken. Zärtlich schmiegte sich das Kätzchen an Harrys Gesicht. Hermine musste sich ganz stark beherrschen, dass sie sich nicht in ihre menschliche Form zurück verwandelte. Sie musste ihre ganze Kunst als Kätzchen aufwenden, um Harry zu zeigen, dass sie für ihn da war. Doch sie hatte Erfolg. Nach etlichen Minuten spürte sie, wie Harry begann, sie am Rücken und zwischen den Ohren zu kraulen. Leise begann sie zu schnurren, um ihn zum Weitermachen aufzufordern. Als der Wolf das mitbekam, trollte er sich langsam und ging zurück zum Haus, wo er sich in Remus zurück verwandelte.
Harry streckte seine Beine aus, dann legte er sich auf den Rücken. Das Kätzchen setzte er sich auf den Bauch und streichelte es weiter. Doch nach einiger Zeit wandte es sich aus seinen Händen und sprang von ihm herunter. Dann legte es sich neben Harry und verwandelte sich zurück in Hermine, die sich dann an eng an Harry schmiegte und ihn in ihre Arme nahm. „Harry, auch wenn das erst einmal ein Schock für mich war, ich habe dir gesagt, dass ich immer für dich da sein werde und dich nie mehr allein lasse. Das war völlig ernst gemeint! Wenn du es zulässt werde ich versuchen, dir zu helfen damit fertig zu werden. Ich liebe dich, vergiss das niemals!" Sanft küsste sie ihn auf die Stirn, wo früher seine Narbe gewesen war, dann kuschelte sie sich wieder an ihn. Harry sagte nichts, aber er legte seine Arme um Hermine und zeigte ihr so, dass er sie verstanden hatte.
Eine Zeit lang lagen sie so da, dann setzte sich Hermine auf und sah ihn an. „Harry, wenn wir heute noch nach Hogwarts wollen, dann sollten wir es bald machen, sonst ist Dumbledore wieder zurück!" Harry nickte zwar, blieb aber liegen. Erst als Hermine ihn gerade zum zweiten Mal zum Aufstehen auffordern wollte, bewegte er sich und stand langsam auf. Hermine atmete auf, und schnell stand sie an seiner Seite. Harry ergriff ihre Hand, und einen Augenblick später standen sie auf der Veranda ihres Hauses, wo sie auf den in seinem Sessel sitzenden Remus trafen.
Stumm und mit verschlossenem Gesichtsausdruck sah Harry seinen Freund an, bis dieser sich dazu durchringen konnte, etwas zu sagen. „Ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll... Harry, ich glaube, dass muss ich erst mal in Ruhe verdauen. Ich denke, Hermine wird es genauso gehen. Aber ich danke dir, dass du uns das erzählt hast. Das muss dich ganz schön viel Überwindung gekostet haben. Wir werden wohl nur erahnen können, welche Last du in all den Jahren mit dir rumgeschleppt hast... Ich kann dir nur anbieten, mit uns auch in Zukunft darüber zu reden, es wird dir helfen..." Harry nickte, sagte aber immer noch nichts. Hermine, die immer noch Harrys Hand hielt, fragte dann leise: „Was ist jetzt mit Hogwarts? Möchtest du immer noch dahin um deine Sachen zu holen?" Harry ließ ein ganz leises „Ja" vernehmen. „Dann sollten wir jetzt los, bevor Dumbledore wieder zurückkommt. Und heute Abend können wir dann in Ruhe reden, einverstanden?" Harry seufzte, stimmte ihr dann aber zu. Hermine trat näher an Harry heran und nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Harry, auch wenn es dir schwer fällt, aber verschließ dich nicht wieder vor uns, sonst können wir dir nicht helfen, hörst du? In Ordnung, dann lass uns jetzt gehen, sonst wird das heute nichts mehr..." Hermine verabschiedete sich von Remus, während Harry ihm nur kurz zu nickte. Dann schloss Harry seine Arme um Hermine, die sich an ihm fest hielt, und mit einem kleinen Lichtblitz waren sie verschwunden.
Als Harry und Hermine nur Augenblicke später an ihrem Ziel ankamen, musste Hermine erst einmal heftig niesen. Mit ihrem Erscheinen hatten sie wohl jede Menge Staub aufgewirbelt, was sie jedoch nicht sehen konnten, da es stock finster war. „Wo sind wir?", fragte Hermine, die sich immer noch an Harry fest klammerte. „Wir sollten in meinem Zimmer sein...", murmelte Harry. Mit seinen Gedanken erschuf Harry einen Lichtball aus purer Energie, der auf seiner ausgestreckten Hand ruhte und den Raum in fahles Licht tauchte. „Wir sind richtig hier, aber ich verstehe nicht, warum sich die Fackeln nicht entzündet haben!" Langsam löste sich Harry von seiner Freundin und untersuchte die Fackeln. Dann grinste er, und nur ein paar Sekunden später hatten sich alle Fackeln und auch das Kaminfeuer entzündet. „Hatte wohl den Zauber nicht langfristig genug ausgelegt...", grinste Harry Hermine an.
„Und, wie findest du meine alte Behausung?" Hermine sah sich sprachlos in dem geräumigen Zimmer um. Auf der einen Seite sah sie ein großes Bett, neben dem ein kleiner Nachttisch und ein großer Kleiderschrank standen. Die Schlafecke war vom Rest des Raumes durch einen schweren Vorhang abgetrennt, der allerdings momentan nicht geschlossen war. Neben der Schlafecke war eine kleine Tür. Harry, der ihrem Blick gefolgt war, meinte: „Dort ist mein Badezimmer..." Hermine sah sich weiter um, während sie langsam durch den Raum ging. An der Wand zwischen der Tür zum Badezimmer und dem großen Kamin befand sich ein riesiges Bücherregal, allerdings konnte sie nicht viele Bücher entdecken. Auf der anderen Seite des Kamins war ebenfalls ein Bücherregal, aber auch hier standen nur vereinzelte Bücher. Hermine wunderte sich zwar, sagte aber nichts weiter. Vor dem Kamin standen zwei gemütliche Sessel, aber das war Hermine ja schon von Harry gewöhnt. An der Wand gegenüber dem Kamin stand ein großer Schreibtisch, auf dem einige Pergamente herum lagen. Über dem Schreibtisch hing ein großes Bild, es zeigte die Herumtreiber (James, Sirius, Remus und Peter) gemeinsam mit Lily. Gleichzeitig waren auf dem Bild aber auch Harry, Hermine und Ron zu sehen. Alle Acht sahen noch recht jung aus, sie alberten unter der alten Buche, die schon seit Urzeiten am See von Hogwarts stand, herum. Im Hintergrund war Hogwarts zu sehen. Hermine starrte das Bild mit offenem Mund an.
„Das Bild hat mir Dobby gemacht", sagte Harry leise. Hermine konnte den wehmütigen Unterton in seiner Stimmer nicht überhören. „Er hat mir mal zugesehen, wie ich mir mein Fotoalbum angesehen habe. Ein paar Tage später war es weg, ich habe es erst eine Woche später wieder gefunden. Zu Weihnachten in der siebten Klasse hat mir Dobby dann dieses Bild geschenkt... Ich habe später noch mal in meinem Fotoalbum nach gesehen, da gibt es tatsächlich zwei Bilder, die zu unterschiedlichen Zeiten an derselben Stelle aufgenommen wurden. Das eine Bild ist von meinen Eltern in ihrem letzten Jahr, gemeinsam mit Sirius, Remus und Peter. Und Collin hatte von uns dreien in der fünften an der gleichen Stelle ein Bild gemacht... Dobby hat irgendwie diese beiden Fotos zu einem großen Bild gemacht..." Harrys Stimme verlor sich in einem Flüstern. „Es gefällt mir", hauchte Hermine. „Dann nehmen wir es mit!", sagte Harry, der sich wieder von seinen Erinnerungen gelöst hatte.
„Was ist mit deinen Büchern?", fragte nun Hermine. „Ich dachte, du hast hier hunderte von Büchern, aber ich kann nur ein paar einzelne sehen..." Harry schmunzelte. „Das war doch mal ein guter Einfall von mir... Ich habe diesen Raum und die Bücher mit ein paar besonderen Schutzzaubern versehen, Hermine. Deswegen hat dieser Raum auch keine Tür, die hier hinein oder hinaus führt. Man kann diesen Raum nur dann erreichen, wenn man wie ein Hauself apparieren kann. Außerdem bin ich der Einzige, der sich hier frei bewegen kann. Von den Hauselfen kann auch nur Dobby hierher kommen, und das auch nur dann, wenn ich ebenfalls hier bin. Die Bücher habe ich extra noch einmal geschützt, wenn doch einmal andere Leute herkommen sollten, dann können sie nur die Bücher sehen, die sie selbst schon gelesen haben. Tatsächlich sind die beiden Regale aber voll bis oben hin mit Büchern... Sagtest du nicht, dass du schon viele Bücher gelesen hast?", neckte Harry seine Freundin. Diese hieb ihm spielerisch auf den Arm und lachte. „Natürlich habe ich viele Bücher gelesen, dass weißt du doch! Nur hatte ich wahrscheinlich andere Literatur bevorzugt..." „Du wirst es nicht glauben, aber ich hatte in meinem letzten Jahr hier endlich ´Die Geschichte Hogwarts´ gelesen!" „Nee, dass ist nicht wahr, oder?" Hermine war sprachlos, aber nur kurz. „Aber ich muss sagen, sehr Interessantes habe ich darin nicht gefunden. Die wichtigsten Sachen wurden wohl vergessen zu erwähnen... Egal. Lass uns packen!" Mit diesen Worten beschwor Harry mehrere Truhen und Koffer. „Hermine, kannst du dir die Sachen aus den Schränken vornehmen? Ich kümmere mich um die Bücher." Hermine nickte, dann ließ sie einen großen Koffer vor sich herschweben, als sie hinüber zu den Schränken ging.
Als Hermine die Schränke öffnete, musste sie erst einmal heftig schlucken. Vor ihr waren Harrys sämtliche Schulsachen und seine damalige Kleidung! Seine Umhänge, seine Weasley-Pullover, seine Schulbücher, sein Kessel – alles war in den zwei Schränken verstaut! Stück für Stück nahm Hermine die Sachen aus den Schränken und legte sie erst einmal auf das große Bett, um die Sachen zu sortieren. „Harry, wo sind den deine Quidditch-Sachen?" „Erinnerst du dich nicht? Ich hatte doch alles Ginny gegeben!" „Ach ja..." Hermine hatte das in der Tat vergessen. Mit einem Schwenker ihres Zauberstabes und einem gemurmelten Spruch wanderten Harrys Klamotten in den Koffer, wobei sie sich von selbst auf die entsprechende Größe zusammen falteten. Dann holte Hermine sich den zweiten Koffer und verstaute Harrys Schulsachen darin. Zuerst die Bücher, dann seinen Kessel, zum Schluss alles andere.
In der Zwischenzeit hatte Harry bereits alle Bücher in den Truhen verstaut. Vorsichtig nahm er das große Bild von der Wand ab und lehnte es an den Tisch. „Hermine, was meinst du, was machen wir mit den Möbeln? Daheim brauchen wir sie nicht..." „Was wolltest du eigentlich mit dem Zimmer machen, nachdem wir deine Sachen geholt haben?" „Na ja, eigentlich wollte ich es verschwinden lassen, außer mir kann es ja doch keiner nutzen..." „Kannst du keine Tür zu dem Zimmer erschaffen? Dann könnten auch andere das Zimmer nutzen, zum Beispiel Remus..." „Das geht nicht, Hermine. Dieses Zimmer liegt tief unter Hogwarts, in der Nähe der Kammer von Salazar Slytherin. Rings um das Zimmer gibt es nichts außer Felsen und äußerst dicken Mauern: den Fundamenten, auf denen Hogwarts steht!" „Oh! Das wusste ich nicht! Dann lass uns auch die Möbel mitnehmen, vielleicht finden wir noch eine Verwendung dafür!" Harry überlegte ein paar Augenblicke, dann beschwor er eine weitere Truhe. Gemeinsam schrumpften sie die Möbel, bis alle in die Truhe passten. Zum Schluss verstauten sie noch das Bild, dass Harry ebenfalls geschrumpft hatte. Nun war das Zimmer leer, es standen nur noch die Truhen und Koffer herum. Auch diese waren bald auf eine handliche Größe verkleinert, und Harry steckte sie in seine Hosentasche.
Nachdem sich Harry noch einmal umgesehen hatte, zog er Hermine zu sich, bevor er wieder seine Lichtkugel hervor zauberte. Diesmal ließ er sie vor sich schweben. Dann ließ er mit einer Handbewegung die Fackeln und auch den Kamin verschwinden. Anschließend atmete er tief durch und schloss seine Augen, um sich besser konzentrieren zu können. Als er vor seinem inneren Auge die Magie in diesem Raum sehen konnte, begann er sie behutsam zu verändern. Er verkleinerte den Raum, was dann auch Hermine sehen konnte, als sich die Wände langsam auf sie zu bewegten. Besorgt sah Hermine zu Harry, auf dessen Stirn sich kleine Schweißtröpfchen bildeten. Doch Harry machte unbeirrt weiter, er hörte erst dann auf, als die Wände bis auf einen halben Meter auf sie zu gekommen waren. Zufrieden atmete er auf und öffnete seine Augen. „So habe ich den Raum hier vorgefunden. Ein kleines Loch im Fundament von Hogwarts, nicht mehr als einen mal einen Meter... Jetzt können wir gehen, wir müssen noch zu Dumbledore." Damit zog er Hermine in seine Arme, und wenige Augenblicke standen sie im Büro des Schulleiters.
Das erste, was Harry auffiel, war, dass sich das Büro scheinbar überhaupt nicht verändert hatte. Alles sah so aus, wie er es noch in Erinnerung hatte. Die alten Gemälde, die Gerätschaften auf Dumbledores Schreibtisch, der Sprechende Hut, selbst Fawkes saß auf seinem Platz. Das Einzige, was sich geändert hatte, war ein kleines Bild von Minerva McGonagall, das auf dem Schreibtisch stand. Minervas Bild zwinkerte Harry belustigt an, als wollte es sagen: „Na, bist du auch mal wieder hier?" Während Hermine ihren Brief an Dumbledore aus ihrer Tasche zog und ihn auf den Schreibtisch legte, ging Harry hinüber zu Fawkes und begrüßte ihn. Der Phönix flatterte auf seine Schultern und rieb seinen kleinen Kopf an Harrys. „Schön, dass du dich an mich erinnerst, Fawkes", sagte Harry leise. Eine Zeit lang streichelte er dem ungewöhnlichen Vogel über das goldene Gefieder, bevor er ihn wieder auf die Sitzstange setzte. „Tut mir leid, Fawkes, aber wir haben noch einiges zu tun...", entschuldigte sich Harry bei dem Phönix. Dann ging er zu dem großen Schrank, dem einzigen in Dumbledores Büro. Da er nicht verschlossen war, konnte sich Harry ungehindert Zugang zum Inneren des Schrankes verschaffen. Ganz oben, auf einer Ablage aus Holz, stand eine kleine rot-schwarze Truhe, die in bläulichem Licht zu glühen schien.
Mit einer Handbewegung ließ Harry diese Truhe auf den Schreibtisch schweben. „Da drin müsste mein alter Zauberstab sein", sagte Harry, als er Hermines fragenden Blick spürte. Dann tastete er mit seinen Händen die Truhe ab, ohne sie direkt zu berühren. Vielmehr ging er ihren Konturen nach, um etwas über die eingesetzten Schutzzauber zu erfahren. Dabei hielt er seine Augen geschlossen, und Harry konzentrierte sich darauf, die Form der Magie der Schutzzauber zu erkennen. Nach ein paar Minuten seufzte er. „Wie ich mir schon dachte, Dumbledore hat sehr verschiedene Schutz- und Schließzauber verwendet. Aber auch das ist kein Problem..."
Damit straffte er seine Schultern und schloss gleichzeitig wieder seine Augen. Hermine hatte den Eindruck, als würde Harry in die tiefe Trance einer Meditation verfallen, und so ähnlich war es auch. Bald begannen sich Harrys Hände wieder über die Truhe zu bewegen, als würden sie ein bestimmtes Muster verfolgen. Wenig später begannen seine Hände von innen heraus golden zu glühen, während sie immer noch in den unbestimmbaren Mustern über der Truhe kreisten. Hermine konnte eine ganze Weile keine Auswirkung auf die Truhe sehen, doch dann begann das bläuliche Glühen der Truhe immer blasser zu werden, bis es schließlich ganz verschwunden war. Harry hielt mit seinen Handbewegungen inne, auch das goldene Glühen seiner Hände war nun erloschen. Mit einem Ruck öffnete er seine Augen und sah erst die Truhe und dann Hermine mit einem Lächeln an. Während er die Truhe öffnete, sagte er grinsend zu seiner Freundin: „Manchmal ist es doch ausgesprochen hilfreich, wenn man die Energiespuren der eingesetzten Zaubersprüche sehen und somit den Zauber aufheben kann..."
Im Inneren der Truhe lag Harrys Zauberstab, eingehüllt in roten Samt. Vorsichtig hob Harry den Stab heraus, dann verschloss er die Truhe wieder und stellte sie zurück in den Schrank, den er ebenfalls wieder verschloss. Den Zauberstab steckte er in den Hosenbund, wobei ihm wieder die Bemerkung von „Mad Eye" Moody einfiel, der ihn vor scheinbar so vielen Jahren davor gewarnt hatte, den Zauberstab an einer so unmöglichen Stelle zu verwahren. Als Harry das Hermine grinsend erzählte, musste auch sie lachen.
Harry nahm sich ein Stück Pergament und eine Feder von Dumbledores Schreibtisch, um den Schulleiter eine kurze Nachricht zu hinterlassen:
Professor Dumbledore,
ich habe mir heute erlaubt, meine bisher noch in Ihrer Schule lagernden Sachen abzuholen, darunter auch meinen alten Zauberstab, der für Sie doch recht nutzlos ist. Den Raum, den ich mir damals geschaffen hatte, habe ich wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt, so wie ich ihn vorgefunden hatte.
Hermine hat mir einen Brief für Sie mitgegeben, ich habe ihn auf Ihrem Schreibtisch hinterlegt.
H.J.P.
Nachdem auch Hermine die Nachricht gelesen hatte, heftete Harry sie an die Schranktür. Dann verabschiedete er sich von Fawkes, der ihn traurig ansah. „Ich weiß nicht, ob wir uns wieder sehen werden, Fawkes. Das liegt nicht allein in meiner Macht... Ich wünsch dir alles Gute!" Nachdem er dem Phönix ein letztes Mal über den Kopf gestrichen hatte, sagte Harry zu Hermine: „Lass uns hinunter gehen..." Dann nahm er ihre Hand und öffnete die Bürotür, durch die sie dann die steinernen Treppen hinunter gingen.
Hermine und Harry streiften eine Weile durch das Schloss. Obwohl Harry nun über fünf Jahre nicht mehr in Hogwarts gewesen war, fand er sich sofort zurecht. Nur das alte Gefühl, zu Hause zu sein, stellte sich nicht wieder ein... „Gehen wir hinunter in die Küche? Ich glaube, Dobby ist immer noch hier, er würde sich bestimmt freuen, dich wieder zu sehen", sagte Hermine leise zu Harry. Dabei drückte sie sanft seine Hand. Harry nickte nach ein paar Augenblicken, dann gingen sie hinunter. Wenig später standen sie vor dem Gemälde mit der Obstschale, und nachdem Hermine an der richtigen Stelle gekitzelt hatte, verwandelte sich die Birne in eine Klinke. Schnell betraten Harry und Hermine die Küche. Da momentan keine Schüler zu versorgen waren, herrschte hier eine ungewohnte Stille. Doch die Beiden blieben nicht lange unbemerkt, schnell wuselte eine kleine Hauselfe auf sie zu. „Was kann ich für Sie tun, Mister und Miss?" „Wir suchen Dobby. Arbeitet er noch hier?" „Oh ja, das tut er. Soll ich Dobby holen, Miss?" „Ich bitte darum." Kaum hatte Hermine ausgesprochen, war die Elfe auch schon verschwunden. Dafür näherten sich aber andere Elfen, die ihnen Tee und Gebäck brachten und es den Beiden förmlich aufdrängten. Harry und Hermine setzten sich an einen kleinen Tisch, der in der Nähe stand.
Gerade als Harry einen Schluck Tee zu sich nehmen wollte, sah er aus den Augenwinkeln, wie etwas förmlich auf ihn zu flog. So schnell wie noch nie war er aufgesprungen und in Verteidigungsstellung gegangen, doch gegen den kleinen Wirbelwind hatte er keine Chance. Schon spürte Harry, wie sich etwas um seine Hüften klammerte. Noch bevor er an sich hinunter sah, wusste Harry, dass es Dobby war. „Meister Harry Potter ist zurück...", stammelte der kleine Hauself mit den großen Schlappohren immer wieder. Harry stiegen vor Rührung fast die Tränen in die Augen. Zögernd tätschelte er Dobby ein paar Mal über den Kopf, dann löste er sich vorsichtig von dem Elfen kniete sich auf den Boden. Sofort fiel ihm Dobby um den Hals, und Harry konnte nichts weiter tun, als ihn wie ein kleines Kind hin und her zu schaukeln, bis er sich wieder etwas beruhigt hatte.
„Dobby hat immer gewusst, dass Harry Potter Sir zurückkommen wird, Sir. Dobby hat lange auf Harry Potter gewartet!" Dobby wischte sich mit seinem Jackenärmel die Tränen aus seinem kleinen, runzligen Gesicht und sah Harry mit seinen großen Glubschaugen an. „Ich freue mich auch, dich wieder zu sehen, Dobby!", sagte Harry freundlich, während er aufstand und sich auf seinen Stuhl setzte. Dann zog er einen freien Stuhl zu sich heran und setzte Dobby schnell darauf, bevor dieser protestieren konnte. Sichtlich unwohl rutschte Dobby auf dem Stuhl herum, er war es wohl nicht gewohnt, auf gleicher Höhe mit einem Zauberer zu sitzen.
„Dobby, wie geht es dir? Und Winky?", fragte nun Hermine. „Dobby und Winky geht es gut, Miss Hermy. Aber seit dem Meister Harry Potter Sir nicht mehr hier war, ist es sehr ruhig gewesen. Keiner hat mehr Dobby oder Winky besucht, oder die anderen Hauselfen. Kein Schüler ist mehr hier unten in der Küche gewesen. Kaum ein Lehrer kommt hier herunter... Soll Dobby Winky holen, Miss Hermy?" Hermine nickte, auch wenn ihr nicht ganz wohl dabei war. Doch so schnell wie Dobby verschwunden war, stand er auch wieder vor ihnen. Neben ihm stand eine Hauselfe, die ein kleines, niedliches Kleidchen anhatte. Auf ihren Armen hielt sie zwei winzige Elfenbabies.
Hermine fielen fast die Augen aus dem Kopf, als sie die zwei Kleinen sah. „Hier ist Winky, Harry Potter, Sir!" Dobby sah verlegen zu Boden, er schien sich nicht zu trauen, das Offensichtliche zu sagen. Harry grinste. Dann fragte er Dobby: „Sag mal, Dobby, kann es sein, dass Winky deine Partnerin ist und das ihr zwei Elflinge habt?" Harry dachte schon, der Hauself würde sich selbst bestrafen (irgendwie musste Harry wieder an „Böser Dobby! Böse!" denken, was der Hauself früher nur zu oft von sich gegeben hatte), doch Dobby nickte nur kaum erkennbar und wackelte mit seinen Segelfliegerohren. „Hey, das ist doch schön! Ich freue mich für euch!", rief da Harry. Während sich Harry mit Dobby unterhielt, fragte Hermine Winky aus, vorrangig über die beiden Winzlinge auf Winkys Armen.
Nach über einer Stunde verabschiedeten sich Harry und Hermine. Dabei mussten sie Dobby versprechen, ihn öfters besuchen zu kommen. Harry erklärte ihm, dass dies nicht so einfach war, da er wegen seinem Zerwürfnis mit Dumbledore heimlich in die Schule kommen musste. Trotzdem versprach Harry, dass er wenigstens ab und zu mal Dobby besuchen würde.
Kurze Zeit später schlenderte Harry und Hermine durch die Eingangshalle. Eigentlich wollten sie gerade das Schloss verlassen, als Harry sich ein letztes Mal umsah. Was er dabei entdeckte, ließ ihn wie angewurzelt stehen bleiben. „Das darf doch nicht wahr sein!", entfuhr es ihm. Mit schnellen Schritten ging er hinüber zu der Stelle, die seine Aufmerksamkeit erregt hatte. „Ich glaub' das einfach nicht...!" Harry bebte fast vor Zorn, wie Hermine unschwer feststellen konnte. Als sie näher kam, sah sie auch den Grund dafür. Harry stand vor einer Büste, die ihm zu Ehren aufgestellt worden war und die sein Ebenbild als 17jährigen Schüler zeigte! Hermine sah sich die Büste und die Tafeln daneben genauer an. Auf den Tafeln standen die Namen derjenigen, die im Kampf gegen Voldemort gefallen oder verschwunden waren. Darunter lagen viele Blumen, die alle frisch aussahen. Am Sockel von Harrys Büste waren ein paar Worte eingraviert: „Harry Potter – der uns unsere Hoffnungen und unsere Freiheit zurück gegeben hat." Hermine trat leise hinter Harry und schlang ihre Arme um ihn. „Nimm es ihnen nicht übel, Schatz. Sie wissen es nicht besser..." „Aber Dumbledore wusste es besser!", zischte Harry. Nur mühsam konnte er seine Wut im Zaum halten. Hermine brauchte sehr lange, um Harry wieder zu beruhigen...
Irgendwann meinte Harry: „Ich glaube, ich sollte noch eine Nachricht an Dumbledore hinterlassen..." Besorgt sah Hermine ihren Freund an. Irgendwie ahnte sie, dass Harry mit dieser Nachricht nicht unbedingt ein paar Zeilen auf einem Pergament meinte. Und sie sollte auch Recht behalten! Mit einem versteinerten Gesichtsausdruck starrte Harry seine Büste an. Dann hob er seine Hände und hielt sie vor den Sockel. Hermine bemerkte, wie die Luft um den Sockel der Büste zu flimmern begann. Dann hörte sie ein Geräusch, dass wie das Knirschen von Steinen klang. Auch sah sie, wie Staub zu Boden rieselte... Als Harry schließlich seine Hände sinken ließ, hörte auch die Luft auf zu Flimmern. Dann konnte Hermine sehen, was Harry gemacht hatte. Er hatte seine Nachricht an Dumbledore direkt unter die vorhandene Inschrift am Sockel der Büste „gemeißelt". Nun war dort folgender Spruch zu lesen:
°
„Harry Potter - Der uns unsere Hoffnungen und unsere Freiheit zurückgegeben hat.
Harry Potter - Der für euren Kampf auf seine Kindheit
verzichten musste und seine Familie und die meisten seiner Freunde
verloren hat.
Harry Potter – Der für eure Freiheit,
eure Hoffnungen und
euren Frieden zum Mörder werden musste.
Harry Potter – Der für euren Kampf Voldemort und seine Todesser mit ihren eigenen Waffen schlagen musste und deswegen heute verdächtigt wird, auf die dunkle Seite gewechselt zu sein.
Harry Potter – In dem alle nur „DEN-JUNGEN-DER-LEBT" sahen und immer noch sehen und nur eine handvoll wirklicher Freunde sich die Mühe machte, den wahren Harry – den Jungen, der auch Angst um seine Freunde hatte – zu erkennen.
Harry Potter – Der einfach nur ein ganz normaler Junge sein wollte und dem der ganze Rummel, den ihr um ihn macht, und der Ruhm zu wider ist.
Harry Potter – Der trotz Allem nur ein Mensch ist,
der
einfach nur seine Ruhe haben will und
mit seiner neuen Familie
zusammen leben möchte.
°
„Ich hoffe, Dumbledore versteht diese Nachricht, wenn er mir auch sonst nie richtig zugehört hat!", sagte Harry, dann drehte er sich um und ging zu den schweren Eingangstoren des Schlosses. Erst als er schon die Tore passiert hatte, drehte sich Hermine ebenfalls um und rannte ihm hinterher. Zwischen den beiden steinernen Ebern, die das Schlossportal darstellten, wartete Harry auf sie. Atemlos kam Hermine angerannt. Als sie schließlich bei Harry war, musste sie erst einmal kurz verschnaufen. Nachdem sie wieder zu Atem gekommen war, sagte Hermine zu Harry: „Auch wenn ich dich verstehen kann, Harry, ich hoffe nur, dass Dumbledore nicht ausflippt, wenn er das sieht!" „Eigentlich ist es mir egal, ob er ausflippt oder nicht", entgegnete Harry recht gelassen. „Solange er endlich anfängt mit nachdenken und mich oder uns nicht mehr als seine persönlichen Spielfiguren betrachtet." „Willst du, dass er zu dir kommt und sich entschuldigt?", fragte Hermine ungläubig.
„Nein, Hermine, darauf kann ich verzichten. Ich will, dass er endlich seinen Mund aufmacht und mir die Dinge sagt, die er mir bis heute verschwiegen hat. Und ich will, dass er uns endlich als das behandelt, was wir sind: Zauberer der jungen Generation, die für die selben Ziele wie Dumbledore gekämpft haben, immer noch kämpfen und auch in Zukunft kämpfen werden und dabei eine ganze Reihe schwerer persönlicher Verluste hinnehmen mussten. Denen das Wichtigste überhaupt die Freundschaft, der Zusammenhalt und vor allem das Vertrauen untereinander war und ist. Das wir fähig sind, einen anderen Weg zu suchen, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen, ohne dabei auf Dumbledore und seine Spielchen angewiesen zu sein... Weißt du, Hermine, wie weh es mir damals getan hat, als Dumbledore mich immer wieder hingehalten hat, als ich ihn um Informationen über meine Eltern, Sirius, Voldemort, den Phönixorden gebeten habe? Er hat mir immer nur das erzählt, was er als unbedingt notwendig betrachtet hatte. Dabei könnte Sirius noch am Leben sein, und auch Pettigrew hätten wir fangen können, wenn wir nur mehr gewusst hätten... Wir hätten einige retten können, die wegen unserer Unwissenheit gestorben sind... Ich hätte nicht zur Schwarzen Magie greifen müssen, wenn Dumbledore mir mehr Informationen gegeben hätte, wenn er mir mehr beigebracht hätte..." Vorsichtig nahm Harry Hermines Hand und zog sie langsam in Richtung See, zu der alten Buche.
„Wenn er uns zum Beispiel mehr über Severus Snape gesagt hätte, hätten wir ihm nie so misstraut und das Eine oder Andere wäre sicherlich anders verlaufen", fuhr Harry fort. „Ich denke da zum Beispiel ein die Okklumentik-Ausbildung, die Snape mir geben sollte, und die wir im Streit abgebrochen haben. Im letzten Schuljahr war ich sehr oft bei ihm im Büro. Nach meinem Austritt aus dem Quidditsch-Team zum Beispiel, oder nachdem ich den DA-Club verlassen hatte... Nach dem ersten Duell-Unterricht durfte ich auch wieder bei ihm antanzen... Er hat mir nicht geglaubt, dass ich außerhalb des Unterrichtes nur noch gelernt oder mir neue Bücher zum Lernen besorgt habe. Ich habe ihn oft gebeten, mir zu helfen, mir mehr Informationen zu geben, oder mir Zugang zu bestimmten Büchern zu verschaffen. Oder das mir Snape oder Moody verschiedene Sachen beibringen... Alle meine Bitten hat er abgelehnt mit der Begründung, ich wäre zu jung oder die Zeit wäre noch nicht reif dafür...
Letztendlich blieb mir nichts anderes mehr übrig, als ihn zu ignorieren und meinen eigenen Weg zu suchen. Ich habe damals fast mein ganzes Vermögen ausgegeben, um an die Bücher und die anderen Sachen zu gelangen, die mir weiter helfen konnten. Hermine, ich habe fast zwei Millionen Galeonen dafür ausgegeben, nur weil Dumbledore mich für zu jung hielt! Kannst du dir das vorstellen? Ich bin durchs ganze Land teleportiert, nachdem Dobby mir das beigebracht hatte. Ich glaube, ich habe so gut wie alle Bücherläden in Britannien abgegrast... Dobby hat mir damals wirklich sehr geholfen, er hat mir nicht nur das Apparieren nach Elfenart beigebracht. Er hat mich auch fast die ganze Zeit über versorgt, neben seinen eigentlichen Aufgaben. Ich verdanke ihm wirklich viel... Wenn er in Hogwarts kündigen sollte, dann werde ich ihn bei uns aufnehmen."
Mittlerweile waren sie bei dem alten Baum angekommen, und Harry setzte sich auf dessen Wurzeln. Hermine setzte sich neben ihn, und Harry legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie an sich. „Ich habe damals alles aufgegeben, was mir lieb und teuer war. Quidditch, den DA-Club, dich, Ron, Ginny, Neville, Luna... Na gut, ihr habt es mir auch in gewisser Hinsicht leicht gemacht, euch zu ignorieren, auch wenn es mir fast das Herz zerrissen hat, mein kleines Kätzchen zusammen mit demjenigen zu sehen, der einmal mein bester Freund gewesen war und der auf einmal nur noch Spott und Hohn für mich übrig hatte... Ich habe mich damals voll aufs Lernen konzentriert, vor allem um mich abzulenken. Vielleicht wäre ich sonst nicht so weit gekommen... Ich weiß es nicht. Es tat weh, euch immer wieder sehen zu müssen und doch nicht mit euch zusammen sein zu können, so wie früher. Der Einzige, mit dem ich wenigstens ab und zu mal reden konnte, war Remus. Aber er war zu sehr in den Orden eingebunden, als dass er mir wirklich helfen konnte. Aber er hat mir die Bücher gezeigt, mit denen Dad und Sirius gelernt hatten, Animagi zu werden...
Ich habe damals wirklich unwahrscheinlich viele Bücher gelesen und aus ihnen gelernt. Die meisten Bücher habe ich übrigens hier in Schottland gefunden, oben an der Nordküste. Ich bin mehrmals dort gewesen, und fast immer habe ich einen neuen Bücherladen gefunden. Na ja, was heißt neu, die waren fast immer uralt, und hatten nur uralte Bücher. Wenn ich aber versucht hatte, einen bereits besuchten Bücherladen wieder zu finden, habe ich sie nie wieder gefunden... Die jeweiligen Verkäufer sahen alle wirklich sehr alt aus, und sie schienen immer auf mich zu warten... Schon recht merkwürdig, das war als ob jemand wollte, dass ich die Bücher finde... Das waren fast alles Bücher über die Alte Magie, aber auch etliche über die Weiße und einige über die Schwarze Magie. Damit habe ich mir all das beigebracht, womit ich dann schließlich die Prophezeiung erfüllen und am Leben bleiben konnte...
Die ersten Sachen, die ich nach dem Apparieren gelernt hatte, waren Schutzzauber. Seit dem kann ich mich oder andere unsichtbar machen. Ich kann äußerst effektiver Schildzauber erschaffen, die auf der Alten Magie basieren und dadurch von der Schwarzen oder auch Weißen Magie nicht durchdrungen werden können... Ich habe aber auch gelernt, mich unempfindlich gegenüber bestimmten Personen zu machen. So habe ich dich und Ron praktisch aus meinem Blickfeld ausgeblendet, wenn ich das so sagen kann. Ich habe euch nur noch als Schemen gesehen, als Umrisse, und ich habe euch kaum noch gehört. Aber ich habe auch dafür gesorgt, dass ich mitbekam, wenn ihr in ernsthaften Schwierigkeiten sein solltet. Daher weiß ich auch, wie sich deine Emotionen auf mich übertragen anfühlen, Hermine. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel, aber das war damals für mich die einzige Möglichkeit, zu erfahren, falls ihr in Gefahr sein solltet."
Harry machte eine Pause, bevor er sehr ernst weiter erzählte. „Mir ist dein entsetztes Gesicht nicht entgangen, als ich euch von dem letzten Kampf erzählt habe. Ich meine, als ich euch berichtet hatte, wie ich die beiden Malfoys gefoltert hatte... Du sollst wissen, warum ich das getan habe, auch wenn es nicht angenehm für dich sein wird." Harry atmete noch einmal tief durch, dann erzählte er weiter. „Ich habe euch erzählt, dass ich teilweise die Erinnerungen und Gedanken der Malfoys gesehen habe, als ich ihnen ihre Magie entzogen habe. Bei Lucius Malfoy habe ich gesehen, wie er unzählige Muggel gefoltert, geschändet und anschließend getötet hat. Vor allem an jungen Mädchen und Frauen hat er seine Triebe ausgelassen... Mir ist fast schlecht geworden, als ich seine Erinnerungen sah... Bei Draco Malfoy war das ein bisschen anders. Er hatte, soweit ich das sehen konnte, nur eine Muggel umgebracht, bei seiner Aufnahme in den Kreis der Todesser. Allerdings hat er sie, soweit ich das erkennen konnte, schnell getötet. Er hat sie nicht gefoltert... Malfoys Vater hat den Mann der Muggelfrau getötet, aber ob er ihn gefoltert hat, konnte ich nicht sehen... Als die beiden Muggel tot waren, haben die Todesser das Haus der beiden angezündet. Die Muggel-Feuerwehr konnte gegen dieses magische Feuer nichts machen, das Haus brannte restlos nieder..."
Harry schwieg einen Moment, bevor er weiter redete. „Ich habe die beiden Muggel erkannt. Ich wusste, wer sie gewesen waren, und ich wusste, warum sie sterben mussten... Sie hatten eine wundervolle Tochter, die mit mir befreundet war und nun wieder ist. Die beiden Muggel hatten nie jemand etwas zu Leide getan, sie waren Zahnärzte..." „Sag, dass das nicht war ist!", unterbrach ihn Hermine mit entsetzter, tonloser Stimme. „Doch, Hermine, es ist leider wahr. Die Malfoys haben deine Eltern umgebracht!" Mit einem Aufschrei warf sich Hermine an Harrys Brust, und sie weinte bitterlich. Harry konnte nichts weiter tun, als sie in seine Arme zu nehmen und sie fest zu halten. „WARUM?!", schrie Hermine immer wieder und trommelte mit ihren Fäusten gegen Harry. Dieser hielt sie einfach fest und versuchte ihr das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein war, so wie Hermine ihm dieses Gefühl in den letzten Tagen schon mehrmals gegeben und ihm damit geholfen hatte. Die ganze Trauer, aber auch die ganze Wut kam wieder in Hermine hoch, und so brauchte sie sehr lange, um sich wieder zu beruhigen.
Harry schmerzte es sehr, dass Hermine so leiden musste. Aber sie hatte es erfahren müssen... Hermine saß wie geschockt da und sagte lange Zeit keinen Ton. Als sie endlich redete, erkannte Harry ihre Stimme kaum wieder, so gebrochen klang sie. „Ich danke dir, dass du mir das erzählt hast, Harry. Auch wenn es sehr weh tut, aber jetzt weiß ich wenigstens, wie meine Eltern gestorben sind, und wer sie umgebracht hat... Jetzt verstehe ich dich auch, warum du die beiden ... Schweine, anders kann ich es nicht sagen, so hast leiden lassen. Ich danke dir sogar dafür, Harry! Du hast meine Eltern und all die Anderen gerächt, dass werde ich dir nie vergessen!" Arm in Arm saßen die Beiden noch eine Weile so da und sahen dem verspielten Treiben des Kraken im See zu. Beide wussten nicht, dass sie bereits seit einiger Zeit beobachtet wurden, von einem sehr alten Mann, der am Fenster seines Büros stand und sich gedankenverloren über seinen langen, weißen Bart strich...
Irgendwann erwachte Hermine aus ihren Gedanken. Sanft küsste sie Harry, bevor sie leise sagte: „Schatz, lass uns nach Hause gehen..."
°
t. b. c.
