Der braune Zauberer war eindeutig furchtbar aufgeregt und stammelte, er hätte Gandalf gesucht, etwas würde ganz und gar nicht stimmen.
Alle lauschten gebannt auf das was der braune Zauberer zu sagen hatte, aber er hatte es offensichtlich vergessen.
Zauberer!, dachte Elja kopfschüttelnd.
Dafür zog ihm Gandalf eine kleine Stabschrecke aus dem Mund, was sie erschauern ließ.
Mithrandir nahm Radagast beim Arm und führte ihn ein Stück weg von den lauschenden Zwergen, aber Elja spitzte die Ohren und hörte jedes Wort.
Der Grünwald war krank geworden. Die Heimat ihrer Mutter war von riesigen, unheilbringenden Spinnen besetzt.
Und nicht zuletzt er lag auf ihrem Weg.
Der braune Zauberer berichtete davon, dass die Spinnen sich in der ehemaligen Festung des Hexenkönigs eingenistet hatten, seitdem dort hausten und Schrecken und Tod im Wald verbreiteten.
Er war dort auch auf den heraufbeschwörten Geist eines Toten gestoßen und hatte ihm etwas abgenommen. Ein Nekromant wäre aus dem Schatten getreten, berichtete er.
Er überreichte Gandalf wohl etwas, aber er sagte nicht was.
Elja war schockiert über das was sie gehört hatte.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie nirgendwo hin und dachte nach.
Der Hexenkönig von Angmar. Er war ein Diener Saurons gewesen, der im letzten Zeitalter beinahe ganz Mittelerde gestürzt hätte.
Und wer war der Nekromant, so mächtig, dass er über einen König bestimmen konnte?
Ein Heulen, bei dem alle unwillkürlich eine Gänsehaut bekamen, riss Elja aus ihren Gedanken
„War das ein Wolf? Gibt es Wölfe hier draußen?", fragte Bilbo, der panisch um sich blickte.
Bofur packte seinen Schlachthammer.
„Wölfe? Nein, das ist kein Wolf..."
Aus dem Nichts sprang ein gewaltiges Tier zwischen die Zwerge und Elja duckte sich mit Bilbo nur knapp unter seinen krallenbewehrten Pfoten hinweg.
Thorin schwang sein glänzendes Schwert und rammte die Klinge tief in den pelzigen Hals des Untiers.
Direkt hinter ihm tauchte ein zweites auf, Kili schoss ihm einen Pfeil zwischen die Augen und Dwalin gab ihm den Rest.
Mit einem Ruck zog Thorin die Klinge aus dem Kadaver.
„Wargspäher! Dann kann die Orkmeute nicht weit sein", knurrte er.
„Orkmeute?", fragte Bilbo ängstlich.
Gandalf wandte sich plötzlich wutentbrannt an Thorin.
„Wem außer deiner Sippe hast du von deinem Vorhaben erzählt?!"
„Niemandem", antwortete ihr Anführer ruhig.
„Wer weiß davon?!", hakte Gandalf nach.
„Niemand, ich schwöre es!", beteuerte Thorin ernst," was in Durins Namen geht hier vor sich?"
„Man macht Jagd auf euch!", entgegnete Mithrandir.
„Wir müssen hier verschwinden", raunte Dwalin drängend.
„Können wir nicht! Die Ponys sind durchgegangen!", rief Ori, der sich nach ihnen umwand.
Eodhre! Eljas Muskeln spannten sich an. Sie würden rennen müssen. Die Warge würden schneller sein, aber sie zwang sich nicht daran zu denken.
Radagast schwang sich auf seinen sonderbaren Schlitten und fuhr voraus, in der Absicht die Orks von ihrer Spur wegzulocken.
Dann rannten sie los.
Aus dem Wald kamen sie auf eine hügelige Graslandschaft, wo nur wenige Felsen und Bäume Schutz boten.
Nur wenige Meter neben ihnen raste plötzlich Radagast vorbei, gefolgt von einer Horde Orks und Thorin blieb abrupt vor ihr stehen.
Mit einem Arm hielt er sie zurück und drückte sie rückwärts an eine Felswand.
„Vorsicht!"
Dann rannten sie weiter, Gandalf führte sie an.
Elja wusste auch wohin. Der Zauberer führte sie zum verborgenen Tal, es war ganz in der Nähe, das wusste sie.
Er schien es allerdings nicht sagen zu wollen, er ignorierte Thorins Fragen und lief weiterhin voraus.
Sie versteckten sich gerade hinter einem riesigen Findling als ein Warg ihre Fährte fand und auf den Felsen kletterte.
Thorin gab Kili ein stummes Zeichen, aber der junge Zwerg traf den Warg nicht richtig mit seinem Pfeil.
Der angeschossene Warg verursachte einen ohrenbetäubenden Lärm und lenkte die Aufmerksamkeit der anderen Wargreiter auf ihre Position.
„Lauuuuuft!", schrie Gandalf und noch schneller als zuvor ging es über die felsigen Hügel.
Ein Fluch entwich Elja als sie spürte wie die Wunde unter ihrem Fuß wieder aufriss, aber Thorin packte ihren Ellbogen und verhinderte, dass sie fiel.
„Komm schon, schneller!"
Doch es hatte keinen Zweck. Die Warge waren zu schnell und bald hatten sie den Trupp weitläufig eingekreist.
Gehetzt um sich blickend, stellten sich alle Rücken an Rücken, mit gezückten Waffen, allesamt bereit in den Tod zu gehen.
„Wo ist Gandalf?!"
„Er hat uns im Stich gelassen!"
„Was für ein Quatsch!", schrie Elja wütend und hackte einem herangerittenen Ork tief in die Schulter. Sie glaubte einfach nicht, dass Gandalf sie ohne ein Wort im Stich lassen würde.
„Haltet Stand!", schrie Thorin und schwang sein Schwert.
Die Zwerge drängten enger zusammen und alle Hoffnung schien schon verloren, als Gandalfs Stimme hinter ihnen tönte.
„Hierher, ihr Narren!"
Er schien eine kleine Höhle gefunden zu haben.
Eilig rannten alle hinüber zum Eingang, Elja schubste Bilbo nach unten, damit er aus dem Schussfeld war.
„Thorin! Kili! Macht schon, beeilt euch!", schrie sie und wich einem heransausenden Pfeil aus.
Thorin rutschte gerade den steilen Eingang hinunter, als ein Horn ertönte, dessen Klang Elja beinahe Tränen der Erleichterung in die Augen trieb.
Ein stinkender Orkkadaver fiel durch den Eingang und blieb vor ihnen liegen.
Misstrauisch zog Thorin den Pfeil aus der Brust des Ungeheuers und betrachtete ihn angewidert.
„Elben," spie er aus.
Ori schlüpfte durch ein helles Loch an der Hinterseite der Höhle.
„Ich kann nicht sehen wohin der Pfad führt! Sollen wir ihm folgen?", fragte er laut.
„Natürlich!", antwortete Gloin und alle setzten sich in Bewegung dem schmalen Pfad zu folgen.
Elja warf Gandalf einen Blick mit hochgezogener Augenbraue zu, sie wusste genau wohin sie der Pfad führen würde.
Aber ob sie sich freute wieder nach Bruchtal zu kommen, wusste sie nicht genau.
Sie hatte dort gelebt, aber eine Heimat... war es nicht geworden.
Wenigstens auf Elrond und Arwen konnte sie sich freuen.
„Das wäre wohl das Klügste", raunte Gandalf, legte Elja eine große Hand auf die Schulter und wies sie an den anderen zu folgen.
Und endlich kamen sie ans Licht.
Allen stockte der Atem als das hellerleuchtete, verborgene Tal sich vor ihnen öffnete.
Elja lächelte. Sie hatte beinahe vergessen wie wunderschön und friedlich es hier war.
Sie folgten dem steilen Pfad hinunter, über die schmale Steinbrücke, die zum Eingang führte.
Ein jung aussehender Elb kam ihnen entgegen, Elja und Gandalf schritten auf ihn zu, wohingegen die Zwerge nur misstrauisch im Hintergrund blieben.
Sie erhaschte einen Blick auf Bilbos sprachlose, faszinierte Miene und konnte es nicht lassen zu lächeln.
Thorin war wütend. Sehr wütend. Sie hatte des kurze Streitgespräch zwischen ihm und Gandalf nur mit halben Ohr gehört, aber er hatte nicht gerade begeistert geklungen.
Was für ein sturer Zwerg, seufzte Elja innerlich.
Sie selbst freute sich nun auf ein weiches Federbett, auf Arwen, auf Elrond und auf ein gutes Essen.
Der Elb, den Gandalf als Lenmir erkannte, begrüßte Mithrandir.
Er meinte Elrond wäre nicht zuhause, aber kaum hatte er es ausgesprochen, ertönte wieder das Elbenhorn und berittene Elbenkrieger trabten in den Vorhof und umkreisten die Versammelten, die unnötigerweise ein wenig in Panik gerieten.
Am liebsten hätte Elja vor Thorin die Augen ob seines Misstrauens verdreht, aber sie konzentrierte sich auf die herannahenden Reiter.
Sie hatten ihre Ponys und ihre Pferde gefunden und mitgebracht.
Wenigstens hatte kein Warg ihre Eodhre gefressen!
Elja erkannte ganz klar Elrond, der abstieg und den Zauberer begrüßte und unter einem der Helme sah sie Arwens anmutiges Gesicht hervorscheinen, die ihr überrascht, aber erfreut zuzwinkerte.
Die Elbenschar hatte die Orks getötet, die sie verfolgt hatten.
Sie hätte Thorin am liebsten geschüttelt als er mit Elrond unfreundliche Worte tauschte, aber sie platzte beinahe vor Lachen, als Gloin dachte sie wären mit einer eigentlichen Einladung zum Essen beleidigt worden.
Die Zwerge folgten dem Zauberer und Herrn Elrond, und Elja schlüpfte unter Thorins Ellbogen hindurch um an die Seite des Elben zu gelangen, der sie genau wie seine Tochter überrascht begrüßte.
„Herrin Eljathel, es ist mir eine Freude dich zu sehen. Ich meinte dich in Rohan zu wissen, wie kamst du in die Gesellschaft von 13 Zwergen?"
„Herr Elrond, es ist schön auch Euch wieder zu sehen. Das habe ich wohl mal wieder Gandalf zu verdanken. Wo ist Arwen hin? Ich würde sie gerne noch vor dem Essen sehen. Ich habe Nachrichten für sie."
Die Miene des Elbs verdüsterte sich leicht, Elja biss sich auf die Zunge, sie wusste was er über die zarte Liebe zwischen Elessar und seiner Tochter dachte.
Nichtsdestotrotz verwies er sie auf den Garten.
„Gandalf, Thorin, ich muss ein paar alte Freunde besuchen", rief sie winkend, wandte sich dann ab und lief in eine andere Richtung.
Thorin wandte sich strinrunzelnd an den Zauberer.
„Gandalf. Wieso hat Elja Freunde in einem Elbenhaus?", fragte er ungläubig und verwirrt.
Der Zauberer sah ihn mal wieder mit unergründlicher Miene an.
„Das, mein junger Herr Zwerg, musst du sie selbst fragen."
