Juchu liebe Leser!

Danke an alle die meine Story verfolgen und mir auch mal ein Review hinterlassen!

Einige unter euch haben sicher erkannt, dass ich mich von einer bestimmten Animeserie leiten ließ (Naruto Fans YAY!)

Der Anime war der Grundbaustein meiner FF und im Laufe der Story kann es schon vorkommen das mal hier mal da Parallelen auftauchen.

Ich wünsche euch viel spaß! Und reviewt fleißig! X)


Inside me

"Severus! Er ist aufgewacht."

Mehr brauchte McGonagall nicht zu sagen, als der Zaubertränke Lehrer auch schon ohne ein Wort von seinem Schreibtisch aufstand und aus dem Büro und in Richtung Krankenflügel marschierte.

"Wann?" fragte er McGonagall, welche hinter ihm her schritt.

"Vor einer halben Stunde. Poppy war bei ihm und hat mich dann sogleich informiert."

Severus rümpfte die Nase. Sollte nicht der stellvertretende Schulleiter als Erstes informiert werden?

" Ich verstehe." ließ er sich seinen Ärger wie üblich nicht anmerken. "Versuch Dumbledore zu erreichen, um ihm diese Nachricht zu übermitteln, Minerva."

"Natürlich." nahm die ältere Dame die Anweisung zur Kenntnis. Sie bog links in den Gang hinein, während Snape die Stufen hinauf schritt.

Endlich im Krankenflügel angekommen, trat er leisen Schrittes ein. Er brauchte nur wenige Sekunden um sich einen Überblick über die Situation in diesem Raum zu erschaffen.

Poppy war nicht mehr da. Leere Ampullen lagen auf ihrem Schreibtisch hinten an der Wand, was daraus schließen ließ, dass Harry die ihm bereits notwendigen Tränke verabreicht bekommen hat.

Als der Lehrer seine Aufmerksamkeit dem Jungen im Bett widmen wollte, verdrehte er innerlich die Augen. Ron und Hermine standen bereits an Harrys Bett. Hermine hielt die Hand des Schwarzhaarigen und streichelte diese sanft, während Ron immer nur bestätigend nickte.

Bei Merlin, für was redete er eigentlich? Er hatte den beiden ausdrücklich untersagt nach Harrys Erwachen sofort her zu stürmen.

Hermine sprach mit liebevoller Stimme zu Harry, während sie immer noch dessen Hand hielt. Allerdings wirkte es, als würde der Schwarzhaarige nichts von all dem mitbekommen. Wenn die Augen nicht einen Spalt offen gewesen wären, könnte man meinen er würde immer noch schlafen. Harry beachtete weder seine zwei Freunde, noch den Zaubertränke Lehrer, welcher stets noch am Eingang stand und zu ihnen herüber spähte. Aus müden Augen starrte er teilnahmslos auf einen unsichtbaren Fleck vor sich in der Luft. Es war schwer zu beurteilen, ob Harry auch tatsächlich im Hier und Jetzt war, selbst für den älteren Mann.

Doch plötzlich kreuzte sich der Blick des Lehrers mit dem Harrys. Es war nur für den Bruchteil einer Sekunde, jedoch reichte dieser feste Blick aus, um zu wissen, dass Harrys apathisches Verhalten auf pure Ignoranz zurück zu führen war.

"Wir verstehen dich, Harry. Wirklich. Du bist verwirrt und sauer und natürlich hast du auch allen Grund dazu. Aber wir sollten..."

"Dieses Gespräch ein anderes Mal fortsetzen." Erschrocken wandten sich die Gesichter von Ron und Hermine zu dem Zaubertränke Lehrer, als eben dieser den Satz des Mädchens beendet hatte und sich zu ihnen ans Bette stellte.

"Das ist weder der richtige Zeitpunkt, noch der passende Ort. Ich meine mich zu erinnern, dies bereits erwähnt zu haben.

"Wir wollten doch nur für ihn da sein, wenn er aufwacht." verteidigte Hermine sich selbst und ihren rothaarigen Freund.

"Ihr werdet die Gelegenheit dazu noch früh genug bekommen. Im Moment aber..." sagte er mit einem kurzen Blick auf Harry. "... hat euer Vorhaben wenig Sinn."

Als Ron und Hermine ihren gemeinsamen Freund betrachteten, hatte keiner von beiden eine Antwort parat. Sie wussten der Ältere hatte Recht.

"Sputet euch. Der Unterricht hat bereits begonnen." Und mit einem letzten Blick auf Harry verschwanden die beiden aus dem Krankenflügel.

Snape stellte sich nun neben Harry ans Bett und musterte eben Genannten für einen kurzen Moment etwas genauer. Der Gryffindor starrte immer noch ins Nichts und abgesehen von dem Brustkorb, der sich leicht hob und senkte, rührte sich der Junge nicht.

Harry war beunruhigend blass im Gesicht und hatte dunkle eingefallene Ränder unter den Augen. Kein Wunder, wenn man bedachte, dass er fast einen Monat lang in diesem Kerker eingesperrt und Voldemort ausgeliefert war. Auch seine Statur wirkte recht hager. Neben seinem rechten Auge zierte eine blasse Narbe sein Gesicht. Ein schmaler Strich, dennoch sichtbar. Er konnte sich gut vorstellen, was sein ehemaliger Meister alles mit ihm angestellt hatte. Laut Dracos kurzer Schilderung der Geschehnisse, war es bemerkenswert, dass der Junge verhältnismäßig noch so gut beinander war.

Snape holte seinen Zauberstab hervor und starrte unschlüssig einige Sekunden auf Harry herab. "Dein Siegel muss erneuert werden." begann der Ältere, in der Hoffnung Harry würde spätestens jetzt auf seine Worte und sein Vorhaben reagieren. Doch dem war nicht so.

Der Lehrer presste seinen Lippen zusammen.

"Ich bedauere, wie sich das alles entwickelt hat, Harry." wagte er einen weiteren Versuch. "Nichtsdestotrotz hat sich deine Situation weder verbessert noch verändert. Wir dürfen die erforderlichen Maßnahmen nicht außer Acht lassen."

Harry rührte sich auch jetzt nicht und Severus gab ein verärgertes Schnaufen von sich. Es war klar er würde keine Reaktion von ihm bekommen. Aus diesem Grund legte Severus seinen Stab erstmals beiseite. Er schob Harry die Decke von seinem Körper. Dann erfasste er das Ende seines T-Shirts und streifte es nach oben, bis dessen Oberkörper entblößt war. Harry selbst reagierte nicht darauf, doch Severus fühlte die Gänsehaut, welche sich unweigerlich aufgrund der Berührung gebildet hatte.

Der Zaubertränke Lehrer nahm nun wieder seinen Stab und begann Harrys Oberkörper entlang zu streichen, während er Unverständliches murmelte. Auch hier bemerkte er nebenbei zahlreiche Narben die seinen ganzen Körper zu zieren schienen.

Zum Schluss dieser Prozedur, die nicht sehr lange andauerte, legte Snape seine Hand flach auf die Brust Harrys. Schwarze Zeichen erschienen plötzlich am Körper des Jungen. Sie gingen von dem Fleck aus, an der die Hand des Älteren ruhte und erstreckten sich über den Bauch nach unten und seitwärts, sowie über die Schultern. Snapes Hand zitterte ein wenig und aus dem Augenwinkel konnte er erkennen wie Harry Lippen und Augen ein wenig zusammen presste. Allerdings gab er keinen Ton von sich.

Die runenartigen Zeichen auf Harrys Körper leuchteten kurz und grell auf, ehe sie verschwanden.

Snape entzog seine Hand. "Das war´s." sagte er trocken.

Das T-Shirt des Jungen richtete er zurecht und warf ihm anschließend die Decke über. Der Lehrer starrte noch für einen kurzen Moment auf den Gryffindor, doch dieser tat bloß, als wäre nichts von all dem passiert.

Snape beließ es dabei. Ohne ein weiteres Wort wandte er sich von dem Jüngeren ab und schritt aus dem Raum.

Früher oder später würde Harry sich dem Ganzen stellen müssen. Er hatte keine andere Wahl.


"Du solltest ihm in den nächsten Tagen fern bleiben. Das Siegel wurde erst frisch erneuert. Es braucht seine Zeit um die volle Wirkung zu erzielen."

Verächtlich rümpfte Draco Malfoy seine Nase. "Ich hatte nicht vor in seine Nähe zu kommen." antwortete er überheblich, während er auf der alten, zerfledderten Couch seines Paten herumlungerte.

"So?" Snape selbst saß hinter seinem Schreibtisch und sah mit hochgezogener Braue von seinen Notizen zu dem gegenübersitzenden Draco auf. "Warum warst du dann Nachts bei ihm?"

Malfoys Augen wurden für einen kurzen Moment ganz groß, woraufhin der Ältere ein Geräusch von sich gab, dass einer Mischung aus Lachen und Hohn glich.

"Ich frage mich, wie du Voldemort entkommen konntest, bei deiner stümperhaften Aufmerksamkeit."

Der Blonde reagierte weder auf die Provokation, noch auf das Gesagte. Stattdessen wandte er seinen Blick einfach ab.

"Wo wir gerade dabei sind.." führte Snape das Gespräch bewusst zum Ärger Dracos unbeirrt weiter. "... bist du nun endlich in der Lage mir deine Beweggründe für Harrys Rettung darzulegen?"

"Habe ich schon." war die schwache aber eingeschnappte Antwort.

"Du brauchst mich nicht für dumm verkaufen, Draco." meinte Severus stoisch. "Dass du dich von Voldemort und deinem Vater abwendest, nach allem was in den letzen Jahren geschehen ist, ist gut nachzuvollziehen. Dennoch hat nichts davon mit Harry zu tun. Du hast Mitschuld an seiner Gefangennahme. Warum also der Sinneswandel?"

Draco erwiderte nichts darauf.

"Wenn du mich fragst, gibt es da nur eine einzige logische Antwort."

"Dich hat aber keiner gefragt!"

Snape schmunzelte, als er Dracos wütendem Blick begegnete. Er kannte sein Patenkind gut und wusste, dass das nächste, falsch gesagte Wort ausreichen würde, die Rage des Blonden zum ausbrechen zu bringen.

Draco konnte seine Gefühle im Großen und Ganzen gut verbergen, doch wenn er Snape gegenüberstand, half seine Maskerade nicht viel und das Wort Zurückhaltung schien er nicht mehr zu kennen.

"Ich verstehe dein Problem nicht, Draco. " sprach sein Pate dennoch weiter. "Es ist offensichtlich, dass du letztendlich Mitleid oder sogar Sympathie für den Jungen entwickelt hast. Worin besteht also die Schwierigkeit diesen Umstand wieder zu geben?"

"Hör auf damit." sprach Draco dem Lehrer eisern dazwischen, wobei dem Älteren das leicht provokative Grinsen blieb. "Womit denn?"

"Mit deiner Analyse über mich! Interpretier nicht zu viel in Unwichtiges hinein. Ich verabscheue Potter. Das war schon immer so und hat sich bis heute nicht geändert."

"Natürlich."

Draco presste seine Lippen fest zusammen. "Der einzige Grund warum ich Potter gerettet habe, ist derselbe warum ihr auch dieses Wesen in ihn gebannt habt."

In diesem Moment erstarb das Grinsen Snapes. Mit gerunzelten Brauen starrte er in das Gesicht des jungen Malfoys.

"Was soll das heißen?"

Nun war es Draco dessen Lippen ein Grinsen umspielte. "So scheinheilig, was? "

"Draco.." begann der Ältere ernst. "Was meinst du damit?"

"Seine Lebensaufgabe erfüllen, Sinn und Zweck seines Daseins, seinem Schicksal ergeben. Nenne es wie du willst."

Da der Zaubertränke Lehrer immer noch nichts darauf sagte, sondern bloß verständnislos zu seinem Gegenüber starrte, ergriff eben jener wieder das Wort.

"Bei Merlin, wie klar muss ich mich noch ausdrücken. Der Kampf gegen Voldemort? Klingelt da was bei dir?"

Snapes Mund stand ein wenig offen. "Von wo nimmst du dir diese Annahme?"

Draco lachte. "Bemerkenswert wie du nach all den Jahren so gut deine Fürsorge vortäuschen kannst."

Das Gesicht seines Gegenüber verfinsterte sich.

"Aber..." fuhr Draco fort. "Du kannst damit aufhören. Voldemort hat Potter alles von eurer Intrige erzählt."

"Was?"

"Er war wirklich verzweifelt, als er erfahren hat, dass sein Dasein zum Sterben bestimmt ist. Kann ich ihm nicht verübeln." grinste Draco und Severus dachte aufgrund dessen für einen Moment er würde die Kontrolle über sich selbst verlieren. Doch er schaffte es seinen Zorn einigermaßen zu bündeln.

"Und dir ist es nicht in den Sinn gekommen uns davon in Kenntnis zu setzen, Draco?"

"Ich habe euch gesagt, Potter kennt die ganze Wahrheit."

"Das..." begann Snape nun lauter und schlug mit den Händen auf dem Tisch auf. "... das ist nicht die Wahrheit." Der Zaubertränke Meister entfernte sich von seinem Schreibtisch und ging nun langsamen Schrittes auf den sitzenden Slytherin zu. "Wie kann man nur so schwachsinnig und leichtfertig handeln, wie du es tust, Draco?"

"Bitte?" erboste sich der Junge, dessen Grinsen nun langsam erstarb. "Woher hätte ich wissen sollen, was wahr ist und was nicht?"

"Das spielt doch keine Rolle! Du hättest einfach schildern sollen was geschehen ist und dabei lässt du so ein wichtiges Detail einfach aus? Kein Wunder, dass der Junge so verstört ist!"

"Das habt ihr euch selbst zu verschulden." konterte er trotzig.

"Du wagst es in solch einer Situation auch noch frech zu werden?"

"Wagen?" Dracos Zorn wurde von Neuem entfacht. "Wie wäre es, wenn du mich mal einweihst, anstatt im Dunkeln sitzen zu lassen?!"

"Gerade dich ist es nichts angegangen. Aus gutem Grund. Und mit jetziger Handlung hast du wieder mal bewiesen, dass du weder vertrauenswürdig, noch verantwortungsbewusst genug bist um in solche Angelegenheiten eingeweiht zu werden."

Dracos Gesicht verzerrte sich vor Wut. "Wenn ich euch helfen soll, dann will ich auch wissen, was Sache ist!"

"Helfen soll?" Snapes Brauen schwangen nach oben. "Niemand hat dich darum gebeten, Draco. Du kannst froh sein, dass du überhaupt unter Schutz genommen wurdest, nachdem was du getan hast."

"Ich habe Potter gerettet!"

"Und du warst auch derjenige, der ihn erst in diese Lage brachte. Du hast Harrys Geheimnis in Hogwarts verbreitet und Lucius davon in Kenntnis gesetzt."

"Gib nicht mir die Schuld dafür!"

"Also ist es meine Schuld? Inwiefern, Draco?"

"Weil du...!" Draco stockte für einen Moment. Sein Mund stand offen, doch kein Wort kam ihm über die Lippen.

"Ich höre."

...

Nach einer Weile des Starrens beließ es Draco dabei und senkte letztendlich seinen Blick.

Snape wusste genau, was der Jüngere sagen wollte, sich aber nicht dazu überwinden konnte. Es war nicht das Erste Mal, dass Draco ihm vorwarf er hätte ihn im Stich gelassen.

"Draco..." begann Severus nun um einiges ruhiger als zuvor. "Mach nicht andere für deine Entscheidungen verantwortlich. Ich habe mein Bestes getan für dich da zu sein. Letztendlich warst du derjenige, der sich von mir abwandte. Wie lange sollte ich dir hinterher rennen, damit du endlich deine Augen öffnest? Ich konnte mein Leben nicht nur nach dir richten. Und ich konnte nicht riskieren Harry einer weiteren Gefahr auszusetzen."

Mit einem grollenden Aufschrei stand der junge Malfoy unerwartet und abrupt auf um - fast - auf gleicher Augenhöhe mit seinem Pate zu sein.

"Potter hier, Potter da! Die ganze Welt dreht sich mittlerweile um dieses Narbengesicht!" spöttelte er aufgeregt, während er wild mit den Händen gestikulierte. "Potter, der überlebte. Potter, der Auserwählte. Potter der ein Monster in sich gebannt hat. Ich habe es so satt! Und jetzt sagst du mir gerade, dass du mich aufgegeben hast wegen ihm?!"

Snape fasste sich genervt an die Schläfe, während er einmal tief ein und aus atmete.

"Was ist dein Problem, Draco?" Fragte Snape nun bedrohlich ruhig. "Glaubst du etwa, du bist der einzige mit Problemen? Bist du eifersüchtig auf diesen Jungen? Würdest du gerne mit ihm tauschen?"

Mittlerweile reichte es Snape endgültig und obwohl er sich noch sehr gut im Griff hatte, konnte man ihm seinen Zorn deutlich anhören.

"Du beschwerst dich dein ganzes Leben über Harry, weil du der Meinung bist, er würde sich in den Mittelpunkt stellen. Dabei bist du so derjenige hier, der nichts tut, außer nach Aufmerksamkeit zu jammern. Werde erwachsen - du bist nicht der Einzige der Schlimmes durchleben muss. Jeder hat Schreckliches hinter sich und versucht damit klar zu kommen. Warum kannst du das nicht auch? Warum bemitleidest du dich, anstatt etwas zu ändern?"

Draco starrte den Älteren entgeistert und mit offenem Mund entgegen, nicht in der Lage auch nur ein Wort heraus zu bringen.

"Es ist immer einfacher den Anderen die Schuld zu zuschieben, anstatt sich selbst, nicht wahr?"

Mit diesen Worten wandte sich der Schwarzhaarige ab und ließ Draco einfach stehen, welcher bloß seufzte und sich anschließend wieder auf dem alten Sofa fallen ließ.


Er wollte nicht sprechen. Nicht denken. Nicht fühlen. Er wollte nichts machen und niemanden sehen. Er wollte nicht erinnert werden an das, was er so zweifelhaft zu verdrängen versuchte.

Doch das war reines Wunschdenken. Das war ihm bewusst...

Ungefähr eine Woche nach seinem Erwachen lag Harry im Krankenflügel. In dieser Zeit hatte er nichts anderes getan, als im Bett zu liegen. Er hatte mit niemanden geredet und außer der Heilerin Pomfrey niemanden mehr zu Gesicht bekommen seit Snape da war.

Wenn die Heilerin nicht gewesen wäre, dann wäre er mit Sicherheit schon verdurstet. Regelmäßig hatte sie ihm Wasser eingeflößt sowie nahrungsmittelergänzende Tränke, damit er allmählich wieder zu Kräften kommen konnte.

Es war ja nicht so, dass Harry nicht in der Lage gewesen wäre, das alles selbst zu machen. Körperlich ging es ihm gut. Sein Körper hatte einen erstaunlich schnellen und guten Heilungsprozess. Das hatte Pomfrey schon einige Male bewundernd erwähnt.

Allerdings fand Harry weder die Kraft noch die Motivation für irgendwas.

Essen ... Trinken... Lächerlich, wenn man doch weiß, dass das eigene Dasein dazu bestimmt ist zu sterben. Alles wirkte nur mehr lächerlich und belanglos auf ihn.

Harry wusste das der Tag kommen würde, an dem ihm seine wohlgesinnte Ruhe und Einsamkeit entzogen werden würde. Und jener Tag war heutiger.

Pomfrey hatte schon den ganzen Tag auf ihn eingeredet. Mehr als sonst. Dass alles gut werden würde und Harry jetzt stark sein solle. Er solle wieder zu sich kommen und was sonst noch alles für gutmütige Zusprüche. Es interessierte den Jungen nicht im Geringsten.

Gegen Abend, als sich der Raum langsam verdunkelte, öffnete sich die Eingangstüre zum Krankenflügel und wie zu Erwarten trat Snape ein. Pomfrey stürmte sogleich auf den stellvertretenden Schulleiter zu. Sie redete auf den schwarzhaarigen Mann ein, gestikulierte mit den Armen und deutete hin und wieder auf Harry, während der Zaubertränke Lehrer nur nickte.

Nach einer Weile beendeten die Zwei das Gespräch und Snape schritt auf den Jungen im Bett zu. Er verlor nicht viel Zeit und begann sogleich zu reden: "Du hattest jetzt eine Woche für dich in der du zur Ruhe kommen und deine Gedanken ordnen konntest. Das sollte reichen."

Harry würdigte seinen Lehrer keines Blickes und doch hörte er jedes Wort, was dieser zu ihm sagte.

Snape, gefühlskalt wie eh und je.

"Deine Engstirnigkeit hat also noch keine Enden genommen." stellte der Ältere ruhig fest. " Auf diese Weise wirst du dir nicht helfen können."

Was für eine Überraschung: Harry reagierte noch immer nicht.

Snape hatte weder Zeit noch Lust herum zu trödeln. Mit einem Ruck warf er Harrys Decke beiseite. "Steh auf." befahl er, doch der Junge rührte sich nicht.

"Potter..." begann Severus erneut. ".. du bist kein Kind, also hör auf zu schmollen. Es ist schwer ich weiß, aber du wirst an deiner derzeitigen Situation momentan nichts ändern können. Schon gar nicht in dem du dich von ihr isolierst. Das bist nicht du. Du bist stark und das Wichtigste, du bist nicht allein. Es kommen schwierige Zeiten auf uns zu, die wir gemeinsam durch stehen müssen. Aber bevor es so weit ist, wirst du bei Merlin endlich von diesem Bett aufstehen und deinen Mund aufmachen. Komm wieder zur Besinnung und zurück ins Leben."

Snape starrte erwartungsvoll auf den stets noch am Bett liegenden Harry. Der Lehrer dachte er müsse den Verstand verlieren, als der Junge noch nicht einmal mit der Wimper zuckte.

Er atmete schwer aus, schloss die Augen und rieb sich mit der rechten Hand die Augen. Dieser Junge raubte einem den letzten Nerv.

"...Leben..?"

Severus dachte zuerst sich verhört zu haben. Doch dem war nicht so. Das krächzend gehauchte Wort, kaum hörbar, kam tatsächlich von Harry aus. Snape blickte ausdruckslos zu dem Jungen, welcher sich gerade im Bett aufsetzte.

"...das Leben in dem mir alles nur vor geheuchelt wurde? Freundschaft, Sicherheit, Geborgenheit,... eine Zukunft?... " Harry gab ein kaltes Lachen von sich. "Für was soll ich aufstehen, wenn alles was mir Wichtig war nichts weiter ist, als eine Lüge?"

Harrys Stimme war ruhig und leise. Keine Spur von Zorn war darin zu vernehmen, sondern bloß Enttäuschung und Schmerz.

"Was redest du nur für einen Unsinn."

Harry sah leicht verärgert zu dem Älteren auf, welcher ihm ein paar Schritte näher kam. "Du hast deine Freunde."

Der Gryffindor gab ein leises Schnaufen von sich. "Freunde... " wiederholte er verächtlich. "Sie sind doch nur mit mir befreundet, weil sie es müssen."

"Willst du mir gerade weis machen, du hättest all die Jahre über nicht erkennen können, wer deine wahren Freunde sind?"

Verständnislos blickte Harry wieder zu Snape auf, ehe dieser fortfuhr.

"Jeder kann für sich selbst entscheiden mit wem man sich anfreunden möchte. Du hättest schon gemerkt, wer dir eine Freundschaft vorspielt."

"Man hat sich nur mit mir angefreundet, weil ich dieses Wesen in mir trage! Wer weiß, ob wir uns überhaupt über den Weg gelaufen wären, wenn sie nicht die Aufgabe hätten in meiner Nähe zu sein und auf mich auf zu passen!"

"Was spielt das denn für eine Rolle?"

Harrys Augen weiteten sich vor Irritation, doch Snape fuhr unbeirrt fort: "Die Gründe, wie ihr aufeinander trefft sind belanglos. Das Wichtige ist die Freundschaft die daraus entsteht. Abgesehen davon hat niemand den Auftrag bekommen sich mit Harry Potter anzufreunden, sondern bloß ein wachsames Auge auf ihn zu haben. Du kannst mir gerne glauben, dass es auch Menschen gibt, die dir nicht Sympathie entgegen bringen und dennoch stehen sie auf deiner Seite."

Der Gryffindor konnte aufgrund Snapes Worten, die langsam aber sicher zu ihm hindurch sickerten und sich fest setzten, nichts erwidern.

"Die Behauptung heuchlerischer Freundschaft ist also falsch. Und der Rest somit auch. Denn wahre Freunde, bringen Sicherheit mit sich, sowie Geborgenheit und natürlich auch eine wunderbare Freundschaft in der Zukunft."

Belustigt musterte Snape den erstarrten Jungen vor sich und konnte förmlich mit ansehen, wie es in seinem Kopf zu rattern begann.

"Abgesehen davon wurden Granger und Weasley von der Situation erst in Kenntnis gesetzt nachdem sie sich mit dir angefreundet hatten."

Nach dem letzten Satz fühlte es sich innerlich für Harry an, als wäre eine unsagbar schwere Last von ihm gefallen. Die Worte des Älteren drangen in jede Faser seines Körpers ein und erfüllten seine Leere, die er die ganze Zeit über hatte ertragen müssen.

Snape hatte Recht. Natürlich hatte er Freunde. Wie konnte er sich nur so fallen und von der Dunkelheit umhüllen lassen?

Harrys Gefühle übermannten ihn so sehr, dass er sich nicht mehr zurück halten konnte. Lautlos rannten ihm einige Tränen die Wangen herab. Tränen der Freude und der Erleichterung.

Snape war einerseits froh, dass der Junge wieder zu sich kam, andererseits unschlüssig, wie er sich in solch einer Situation verhalten sollte.

Er entschied sich dafür abzuwarten und zu schweigen.

Er beobachtet Harry, wie er sich mit der Hand die Tränen vom Gesicht wischte und ein Lächeln seine Lippen umspielte.

Aus glitzernden Augen schaute er zu seinem Lehrer empor. "Was bin ich nur für ein Idiot." sagte er belustigt.

"Da hast du nicht ganz unrecht." erwiderte Snape mit einem Hauch von Amüsement in der Stimme.

Snape nahm sich mittlerweile einen Stuhl und setzte sich zu Harry ans Bett. In kurzen und knappen Sätzen begann er die letzten wichtigen Ereignisse während Harrys Abwesenheit zu schildern.

Das Ministerium wurde von Voldemort gestürzt und stand nun unter dessen Leitung. Fudge war tot und viele mussten ihm folgen. Glücklicherweise niemand aus dem Orden. Seit jenem Tag gab es zunehmende Angriffe der Todesser. Auch in Hogwarts hatten sie zwei Versuche gewagt, scheiterten jedoch bereits an der Barriere.

Einige besorgte Eltern schickten ihre Kinder nach Hause aus Angst ihnen könne etwas zustoßen, wobei es doch momentan nirgends so sicher war, wie in Hogwarts.

Innerhalb der Schule gab es auch einige Änderungen und neue Regeln.

Der Unterrichtsstoff wurde abgeändert und spezialisierte sich nun auf das Überleben, die Verteidigung und die Versorgung. Ab der 6. Schulstufe gab es extra Stundeneinheiten in Verteidigung gegen die dunklen Künste.

Die ZAGs und UTZs wurden unterbrochen und das Verlassen des Schulgebäudes strengstens untersagt. Nur mit Begleitung eines Lehrers sowie unter Erlaubnis des Schulleiters bzw. des Stellvertreters kann dieses genehmigt werden.

Je mehr Snape Harry in Kenntnis über die derzeitige Situation brachte, desto surrealer wirkte das Ganze auf ihn. Es kam ihm vor, als hätte er ewig geschlafen. Unglaublich was in so kurzer Zeit alles passiert war.

Nach einer Weile beendete Snape seinen Bericht. Es gab zwar noch eine Menge zu besprechen, aber das konnte bis morgen warten. Wenigstens hatte der Junge wieder einigermaßen zu sich gefunden.

"Dir wurde ein eigenes Zimmer zugesprochen." mitteilte der Ältere Harry noch zum Schluß. "Dumbledore war der Meinung, dass du nach den ganzen Strapazen möglicherweise deinen Freiraum bräuchtest. Du kannst natürlich auch in den Gemeinschaftsraum."

"Ein eigenes Zimmer klingt verlockend." Abgesehen davon, scheute sich Harry seinen Freunden und den anderen im Gemeinschaftsturm gegenüber zu treten.

"Einsamer Wolf."

"Was?" fragte Harry verdutzt.

"Das Passwort." erklärte Snape und der Junge lächelte bloß.

"Hast du noch eine letzte Frage?"

Harry dachte eine Zeit lang nach. Vieles gab es nicht, was ihn momentan beschäftigte. Snape hatte ihn auf den Neuesten Stand gebracht und mit seiner Predigt über Freundschaft vorhin ungemein geholfen und aus seinem Loch der Einsamkeit befreit. Er konnte es nicht fassen, wie schnell er sich selbst verlieren konnte und wie gut es tat zu wissen Freunde an seiner Seite zu haben. Ron und Hermine. Mehr bräuchte er eigentlich gar nicht. Mit ihnen war er sich sicher alles durch zu stehen.

"Also?" wartete Snape ungeduldig auf eine Antwort.

Letztendlich tauchte vor Harrys innerem Auge doch noch eine Frage auf. "Wie bin ich Voldemort entkommen?"

"Du kannst dich nicht erinnern?"

"Nein, das letzte was ich weiß ist... " Harry stoppte im Satz. Ja, was war das letzte woran er sich zu erinnern vermochte? Er sah sich selbst nur am Boden liegen und weinen. Danach wurde alles schwarz bis zu dem Zeitpunkt als er hier aufwachte.

"Draco hat dich gerettet."

Harrys Kopf schnellte zu seinem Lehrer herauf. "Was?" fragte er skeptisch. "... Draco Malfoy...?"

"Gäbe es einen anderen Draco, der in Frage käme?" Snape musste innerlich schmunzeln, verbarg diesen Umstand jedoch sehr gut.

"Aber.. wieso ich... ich verstehe nicht er ist doch ein.. "

"Du bist nicht der einzige der diese Handlung nicht nach vollziehen kann. Am besten du fragst ihn selbst bei Gelegenheit." sprach ihm Snape dazwischen und stand auf.

"Wir reden morgen weiter. Ich bringe dich in dein Zimmer. Merk dir den Weg gut ich zeige es dir kein zweites Mal."

Harry folgte ihm wortlos. Wenn er gewusst hätte, dass diese Frage nur noch mehr Fragen hervor bringen würde, anstatt einer plausiblen Antwort, so hätte er sich diese lieber gespart.


Als Harry inmitten seines neuen Zimmers stand, konnte er es nicht fassen. Es war riesig und äußerst luxuriös eingerichtet. Ein großes Doppelbett stand rechts an der Wand. Links und rechts daneben kleine Nachtschränke. An der Gegenüberliegenden Wand stand ein großer Kleidungskasten aus dunklen Ebenholz, wie die restlichen Holzmöbel auch. Daneben hing ein großer Spiegel an der Wand. Und genau gegenüber von ihm stand eine kleine schwarze Couch aus Leder und davor ein kleiner runder Glastisch.

Der weiß gehaltene Teppichboden fühlte sich äußerst weich unter seinen Füßen an und war ein guter Kontrast zu den sonst so dunklen Möbeln.

Harry war begeistert von seinem neuen Zimmer und vor allem von seinem eigenen Bad. Nie wieder Schlange stehen.

Der Junge ließ sich sogleich in sein weiches Bett fallen. Seine Arme und Beine von sich gestreckt dauerte es nicht lange, bis ihn die Müdigkeit packte und mich sich zog.

...Wo ist er...? Ist das ein Traum oder Wirklichkeit? ...

"Was haben dir diese inkompetenten Heiler bloß eingeflößt?"

...Wessen Stimme...?

"Albus! Da ist er!"

...Was ist hier nur los?... diese ganzen Bilder... Er kann sie kaum erkennen ...

"Musik in meinen Ohren."

...Voldemort?...

"Harry, weißt du was passiert wenn Fulgor dich besitzt oder man ihn aus dir heraus bannt? Du stirbst."

..Das kann nicht sein... er ist doch in Sicherheit...?

"Dein Dasein ist dazu bestimmt zu sterben."

"Draco, komm her!"

...Malfoy...?

"Auf die Knie! Wage es nicht mir zu widersprechen!"

"Aufhören!"

"Was für ein herzensguter Mensch du doch bist!"

... Nein ... er soll aufhören...

"Nach all den Jahren der Feindschaft, der Abneigung und des Hasses würdest du dich dennoch für deinen Rivalen aufopfern?"

"Nach all den Jahren..?"

"Harry...?"

...nein...

"Opferst du dich für ihn?"

"Das hast du alles verdient!"

...warum... ?

"Warum fühle ich keine..."

"Nach all den Jahren, Harry?"

...hör auf...

"Warum fühle ich keine Genugtuung?"

"Verschwinde!"

"Warum, Harry?"

"Warum kann ich nicht...?"

"Harry?"

... aufhören...

"Harry? Warum nicht?"

"Du bist hier nicht erwünscht!"

AUFHÖREN!

...

..

Als Harry am nächsten Morgen aufwachte, fühlte er sich ziemlich niedergeschlagen. Derartige Träume hatte er bloß in der Zeit, als Fulgor ihn zu unterdrücken versuchte. Doch dieser war anders, denn Harry wusste genau, dass es sich nicht nur um einen Traum handelte. Es waren Erinnerungen.

Aber wieso hatte er das mit Malfoy vergessen? Wollte er alles rund um den Blonden verdrängen? Aber weshalb? Es gab keinen Grund dazu.

Gab es hierbei vielleicht einen Zusammenhang mit Malfoys Rettung?

Harry war verwirrt. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr schmerzte ihm der Kopf. Vielleicht sollte er Snapes Rat befolgen und ihn selbst fragen.

Noch am selben Morgen bekam der Schwarzhaarige einen überraschenden Besuch.

Als Harry das Passwort sagte, um den Unbekannten herein zu lassen, schob sich die Türe zur Seite und verschwand in der Wand. Sogleich stürmten seine besten Freunde Ron und Hermine auf ihn zu. Sie schlossen ihn fest in ihre Arme und erdrückten ihn regelrecht. Harry war perplex von ihrem Besuch, hatte er diesen nicht so zeitig erwartet.

Doch es dauerte nicht lange und die drei Gryffindors saßen gemeinsam am Bett und erzählten sich die unterschiedlichsten Sachen. Ähnlich wie bei Snape mitteilten sie ihm noch wichtige Details, die er noch nicht wusste, um auf dem Neuesten Stand zu sein.

Keiner von beiden erwähnte sein abweisendes Verhalten ihnen gegenüber, worüber der Junge zwar verwundert , aber dennoch erleichter war. Über derartiges wollte er momentan nicht sprechen, auch wenn er wusste, dass dieses Gespräch noch auf sie zukommen würde.

Es war angenehm einfach wie in alten Zeiten miteinander zu reden und zu lachen. Es tat Harry sehr gut. Er wusste er hatte Freunde.

Ron und Hermine verbrachten fast den ganzen Tag bei Harry im Zimmer. Gegen Mittag ließ Ron einen Hauselfen rufen, der ihnen Essen und Trinken bringen sollte. Hermine erzürnte sich darüber und meinte er habe Arme und Beine um selbst Essen zu besorgen. Doch mit einem einfachen "Ach komm schon, `Mine, die wollen es doch selbst so." war das Thema schnell wieder verworfen. Zum Glück beließ es Hermine dabei. Schon zu oft konnten sich die beiden Jungen einen Vortrag über den Bund für Hauselfen und dessen Ziele anhören.

Gegen halb acht verabschiedeten sich die drei von einander. Harry war mit Snape verabredet - das klang für jeden der drei Gryffindors äußerst merkwürdig - und Ron und Hermine hatten noch Hausaufgaben zu erledigen. Sein rothaariger Freund ärgerte sich sehr über den Umstand, dass sie nicht darauf vergessen hatte und vorhatte diese auch noch um diese Uhrzeit zu erledigen.


Fünf Minuten vor acht machte sich Harry auf den Weg zu Snapes Büro. Er fragte sich, was es wohl heute alles zu bereden gäbe und überlegte sich bereits jetzt schon Fragen, die eventuell noch geklärt gehörten.

Harry bog gerade in den Gang zu Snapes Büro ein, als er auch sogleich für einen kurzen Moment abrupt stehen blieb.

"Potter." nickte ihm Malfoy überheblich zu, welcher einige Meter weiter weg ihm gegenüber in seine Richtung zu schritt.

Sollte sein Rivale etwa auch bei dem Gespräch dabei sein?

"Malfoy." erwiderte Harry ebenso und versuchte seine Unruhe in der Stimme zu verbergen.

Die beiden Schüler gingen aufeinander zu und mit jedem weiteren Schritt steigerte sich auch Harrys Puls.

Vor Snapes Büro angekommen, blieben beide stehen und starrten sich für einige Sekunden an.

Letztendlich war es Malfoy, der an die Türe des Zaubertränke Meisters klopfte und beide auf das Öffnen bzw. auf das "Herein" des Älteren warteten.

Es kam Harry wie eine Ewigkeit vor, in der sie nur da standen und schwiegen. Der Schwarzhaarige fühlte sich ziemlich unwohl in seiner Haut. Wenn er dem Blonden ins Gesicht blickte, kamen jedes Mal aufs Neue die Bilder seiner Auspeitschung unweigerlich in ihm hoch.

Malfoy schien das alles anscheinend gar nicht zu kümmern. Dabei sollte er derjenige sein, dem diese Situation unangenehm war.

Harry überlegte sich Malfoy vielleicht jetzt gleich an zu sprechen bezüglich seiner Rettung. Wenn nicht jetzt wann dann? Die Gelegenheit wäre da und...

"Siehst gut aus, Potter."

"Huh?" Harry starrte verständnislos in das arrogante Gesicht des Anderen, welcher ihm auch noch zuzwinkerte.

Hatte er sich gerade verhört?

Der Gryffindor öffnete bereits den Mund, um darauf etwas zu erwidern, doch just in dem Moment wurde die Türe zu Snapes Büro bereits geöffnet.

Noch ein letzter Blick und ein freches Grinsen an Harry gewandt, schritt Malfoy als Erster in den dunkel gehaltenen Raum hinein. Harry folgte ihm und blieb ebenso wie der Blonde inmitten des Raumes stehen.

Snape schloss die Türe und sprach unverständlicherweise ein oder sogar zwei Zaubersprüche über diese.

Erst als Harry sich etwas mehr im Raum umsah, bemerkte er eine weitere anwesende Person, welche einige Meter vor ihm und Malfoy stand.

Der Mann vor ihnen war groß gewachsen, mit Sicherheit einen Kopf größer als Harry selbst - bei Malfoy einen halben Kopf. Er war breiter gebaut und obwohl er eine Weste trug konnte man deutlich die darunter verborgenen Muskeln erkennen. Er hatte dunkelbraune Haare. Links und rechts war der Schädel abrasiert und die Haare auf seiner Kopfmitte nach hinten gegelt, die aufgrund ihrer Länge bis in den Nacken reichten. Soweit Harry es in dem dämmrigen Licht beurteilen konnte hatte er dunkel blaue Augen. Der Fremde hatte eine schwarze Lederhose und ein weißes T-Shirt mit einer schwarzen Weste darüber an. Harry schätzte ihn auf Mitte 30.

Neugierig musterten Harry und Draco den Mann einige Zeit lang, bis dieser nun die Stille unterbrach, auf die beiden zuging und zuerst Draco die Hand hin hielt.

"Hi, mein Name ist Lennox Boyd" Malfoy starrte erst in das Gesicht vor sich, anschließend auf die Hand des Anderen und dann erneut in das Gesicht. Zögerlich hob er letztendlich seinen Arm und schüttelte die Hand des anderen. "Malfoy. Draco Malfoy." erwiderte er hochnäsig.

"Dann musst du wohl..." wandte sich Lennox gleich zu Harry. ".. Harry Potter sein. Das Animal Elementarius." schlussfolgerte er und drückte Harrys Hand, während er ihm intensiv und lange in die Augen starrte. Seiner Meinung nach zu lange.

"Freut mich dich kennen zu lernen."

"Ganz auf meiner Seite." erwiderte dieser charmant und Harrys Wangen färbten sich unweigerlich rot.

Bildete er sich das nur ein oder flirtete der Typ gerade mit ihm?

Glücklicherweise war Snape mit seinen Sprüchen fertig und wandte sich zu seinen Gästen.

"Setzt euch." befahl er und Lennox ließ mit einem letzten vielsagenden Blick von Harry ab.

Dieser eben starrte dem Unbekannten noch kurz verwirrt hinterher. Was sollte denn das?

Plötzlich fühlte er Malfoys starren Blick auf sich. Der Schwarzhaarige wandte seinen Kopf zu eben Genannten, welcher mit gerunzelten Brauen Harry musterte. Erneut stieg Harry die Hitze in die Wangen.

"Potter, Malfoy, setzt euch."

Die beiden Jungen taten wie ihnen geheißen wurde. Snape saß auf seinem Stuhl, Malfoy machte es sich in dem Couchsessel daneben bequem und gegenüber auf dem alten Sofa saß Lennox. Harry zögerte einen Moment sich zu dem Braunhaarigen zu setzen, hatte letztendlich keine Wahl.

Snape ergriff sogleich das Wort. Er sprach nicht um den heißen Brei herum, sondern kam gleich auf den Punkt.

Er erzählte, dass Lennox Boyd aus Schottland komme, wo er vor einigen Jahren die Ausbildung in der Zauberschule abgeschlossen hatte. Ebenso wie Harry war er ein Elementarwesen.

"Ich bin nicht der einzige?" fragte Harry schockiert und doch erleichtert nicht alleine mit solch einem Problem zu sein.

"Nein, ganz und gar nicht." antwortete Boyd lächelnd. "Angeblich gibt es insgesamt zwölf Elementarwesen, wobei uns jedoch nur 6 bekannt sind."

"Und was für einen trägst du in dir?" wollte Harry wissen.

"Pumex - Herr der Lava und naher Verwandter der Feuerechsen höchstpersönlich." erklärte Boyd stolz.

Harry verstand die Art und Weise nicht, wie Lennox über sein Wesen in sich sprach. Es klang ganz und gar nicht, als wäre es eine Last für ihn.

Der Schotte bemerkte Harrys Irritation sofort, weshalb er auch gleich seine Geschichte zu schildern begann.

Im Gegensatz zu Harry wusste Lennox schon von Anfang an, dass er ein Elementarwesen in sich trug. Er hatte kein starkes Siegel, das ihm behilflich war sein Wesen zu unterdrücken. Schnell war klar, dass er es alleine nicht schaffen würde und Hilfe brauchte, die er glücklicherweise auch bekam.

In der Nähe Schottlands gab es eine Insel auf die er gebracht wurde, welche bekannt für ihr wunderschönes Panorama und ihre Ruhe war. Auf jener Insel wurde eine Art Ausbildungsstätte errichtet, in der Menschen mit Elementarwesen, wie er und Harry es waren, den Umgang mit ihrem Wesen erlernen können.

"Das heißt du kannst dein Wesen ganz unterdrücken?" fragte Harry.

"Nein, so stimmt das nicht. Ich glaube kaum, dass es einen Menschen gibt, der das Wesen in sich jemals unterdrücken könnte. Das sind mächtige und alte Kreaturen, die sich nicht so leicht unterkriegen lassen. Aus diesem Grund verbünden wir uns mit unseren Wesen."

"Verbünden?" wandte Malfoy nun skeptisch ein. "Das heißt du und das Ding in dir seid Freunde?"

"So kann man es sagen, ja. Wenn ich ihn brauchen sollte, gewährt er mir seine Macht."

"Unglaublich..." staunte Harry mit großen Augen. "Das geht?"

"Natürlich. Mit viel Zeit, Geduld und Stärke."

"Aber was hat das Wesen davon? Er ist ja trotzdem noch ein Gefangener?" Harry hatte so viele Frage und mit jeder neuen Antwort, vermehrten diese sich auch.

Verächtlich beobachtete Malfoy den schwarzhaarigen Jungen, wie er mit großen, leuchtenden Augen jedes Wort Lennoxs von den Lippen ablas.

Der Gryffindor sollte sich mal den Sabber vom Kinn wischen.

"Er ist gefangen, wenn man ihn versiegelt. Mein Wesen ist frei und das ist der Vorteil des Bündnisses, das wir eingegangen sind. Er hat seine Ruhe und Freiheit und wenn er mir seine Macht leiht, kann er sich austoben." lachte Boyd und Harry stimmte mit ein.

Malfoy verdrehte innerlich die Augen. "Schön und gut. Aber was hat das alles mit uns zu tun?" fragte er überheblich.

Lennox Augen fixierten die des Blonden. "Mit dir gar nichts." konterte er ebenso arrogant und Draco rümpfte bloß die Nase.

Lennox fuhr schließlich fort. Er schilderte, dass Albus Dumbledore vor einiger Zeit die Ausbildungsstätte kontaktiert und um Hilfe gebeten hätte. Aus diesem Grund sei er hier. Um Harry dorthin mit zu nehmen, damit auch er lernen könnte mit seinem Wesen umzugehen.

Als die Worte des Braunhaarigen zu dem Slytherin durchdrangen, verschränkte dieser trotzig die Arme. "Das ist doch vollkommen..." "Fantastisch!" rief ihm Harry euphorisch hinein.

"Freut mich zu hören." lächelte Boyd den Schwarzhaarigen an.

"Wie lange dauert diese Ausbildung?"

"Es gibt keine strikte Dauer. Das kommt ganz auf das Wesen, dessen Stärke und den Wirten selbst, an. Weißt du überhaupt, welches du in dir trägst?

"Fulgor."

Boyds Augen wurden groß. "Den Blitzdämon?" staunte der Schotte. "Puh, der ist ein harter Brocken. Da kann es schon bis zu 18 Monaten dauern, wenn nicht sogar zu zwei Jahren."

Harry war so hin und weg von der Idee, dass ihm momentan selbst die zwei Jahre wie nichts vorkamen. Allein die Vorstellung, dass sein bis jetzt geglaubtes Problem eines Tages eine Hilfe für ihn sein könnte war unfassbar erleichternd und zu schön um wahr zu sein.

"Und du willst das zulassen?" murmelte Draco zu seinem Pate herüber, das aufgeregte Gebrabbel von Harry ignorierend.

Snape blickte zu dem Blonden und konnte sich ein Schmunzeln nicht unterdrücken. "Es war Dumbledores und meine Idee."

"Natürlich." gab Malfoy bloß verärgert von sich.

Nachdem sich Harry einigermaßen wieder beruhigt hatte, konnte nun Snape wieder das Wort ergreifen. Er erläuterte den Anwesenden noch einmal die genaue Vorgehensweise, bis zu dem Tag Harrys Abreise.

Und da kam nun endlich Malfoy ins Spiel. Bevor Harry zu dieser Insel reisen sollte, müsste man das Siegel, so gut es möglich war, entfernen, da es sich nun mal um ein äußerst Seltenes und Starkes handelte - zur Bewunderung Boyds. Malfoy sollte bei der Entsiegelung mithelfen, denn aufgrund der ungewöhnlichen Verbindung zwischen den beiden Schülern, würde die Ver- oder Entsiegelung eine mächtigere Wirkung mit sich bringen. Möglicherweise könnten er und Snape es sogar vollbringen, das Siegel ganz zu entfernen.

"Das würde ich nicht machen." riet Lennox dem Zaubertränke Lehrer. "Der Blitzdämon ist einer der mächtigsten Elementarwesen, das zurzeit existiert. Die Gefahr, dass er ausbrechen könnte ist sehr groß. Bis er geübt ist, sollte Harry ein schwaches Siegel tragen, um sicher zu gehen."

"Eine Stunde sitzt er da..." murmelte Draco zu sich selbst. ".. und nennt ihn schon beim Vornamen, als würden sie sich ewig kennen."

Snapes Augen huschten unbemerkt zu seinem Patenkind und anschließend gleich wieder zurück. Man könnte meinen sein Schmunzeln glich mittlerweile einem Lächeln.

"Ich weiß das alles klingt sehr schön für dich, Harry." fuhr Lennox fort. "Doch es wird nicht so einfach, wie du es dir vorstellst. Es erfordert viel Kraft ein Wesen zu kontrollieren und sich mit ihm zu verbünden. Es wird eine harte Zeit für dich werden, aber das Endergebnis lohnt sich dafür umso mehr."

"Das ist es mir wert."


Draco wusste nicht, wie lange er noch da saß und das Schauspiel vor sich angewidert beobachten musste. Potter und Boyd unterhielten sich in der letzten Stunde nur mehr zu zweit und ignorierten Snape sowie den Blonden völlig.

Snape selbst hatte ihm erklärt, dass heute Abend ein ernstes Gespräch zwischen ihnen stattfinden würde. Stattdessen schwatzte Potter pausenlos mit seinem neuem gleichgesinnten Freund. Ätzend!

Hin und wieder sah er hilfesuchend zu seinem Pate. Sein gequälter Gesichtsausdruck sagte deutlich: Wann ist das vorbei? Kann ich jetzt gehen?

Doch Snape schüttelte kaum merklich den Kopf.

Draco stöhnte genervt auf, legte seinen Kopf in die Hand und verfolgte unweigerlich weiterhin das Spektakel vor seiner Nase.

"Es wird Zeit." sagte Lennox plötzlich nach einer - für Draco - Ewigkeit. "Ich muss zurück."

Malfoy legte seinen Kopf in den Nacken und formte mit den Lippen die Worte: "Merlin, sei Dank!"

Lennox Boyd verabschiedete sich von allen. "Harry wir sehen uns bald." zwinkerte er dem Gryffindor zum Abschied noch zu.

"Ich bin gleich zurück. Wartet auf mich." verlangte Snape noch von den Hogwartsschülern, ehe er gemeinsam mit dem Braunhaarigen aus dem Büro ging.

...

Nun saßen sie sich schweigend gegenüber. Harry und Draco.

Malfoy verschränkte langsam die Arme vor der Brust und durchbohrte Harry mit abwertenden Blicken. Dieser fühlte sich aufgrund dessen stets unwohler in seiner Haut. Er versuchte dem Blick des Slytherin Stand zu halten, wurde jedoch von Sekunde zu Sekunde nervöser.

Seit er sich an die Geschehnisse während Voldemorts Gefangenschaft erinnern konnte, bereitete ihm die Anwesenheit des Blonden Unbehagen.

"Du scheinst dich ja wirklich auf die Reise zu freuen." durchbrach Malfoy die Stille.

Harry starrte verständnislos zu den Blonden. Was sollte das nun wieder werden?

"Das tue ich."

"Tsk." schnaubte Malfoy. "So scheinheilig, Potter."

"Hä?"

"Heulst herum, wie schrecklich dein Leben nicht ist, verfällst ihn Depressionen und Einsamkeit, tust als wäre das Ende der Welt nahe und im nächsten Moment ist alles vergessen, was?"

Harry verstand nicht genau auf was der Blonde hinaus wollte.

"Wieso könnte ich so eine schwere Zeit jemals vergessen?"

"Ja das sieht man wie schwer das alles für dich ist." meinte Malfoy sarkastisch. "Die Mitleidstour hast du gut hingekriegt."

"...Mitleid? Ich wollte kein Mitleid!"

"Natürlich nicht." lachte Malfoy und in Harry stieg langsam die Wut empor.

"Was hast du denn schon für eine Ahnung davon?"

"Ich bin ein Meister der Heuchelei. Also: Viel."

"Hör auf so zu tun, als wüsstest du, was in mir vorgeht. Ich bettle weder um Aufmerksamkeit, noch um Mitleid. Ich habe mir das alles nicht gewünscht und wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich für ein normales Leben entscheiden!"

"Ich sage ja nicht, dass du das alles gewollt hast." beschwichtigte ihn der Blonde. "Sondern bloß, dass dir gefällt was daraus entsteht, wie zum Beispiel Freundschaften.." er zog das Wort beabsichtigt in die Länge. ".. Ruhm oder Macht. Du musst doch selbst zugeben, Potter, dass dein Leben nicht einmal annähernd so toll sein würde, wenn dieses Wesen in dir nicht existieren würde."

Harry presste die Lippen aufeinander.

"Das weißt du ganz genau. Du spielst zwar den tragischen, verzweifelten und unglücklichen Helden, doch im Innersten kostet du jeden deiner süßen Privilegien aus."

Malfoy lehnte sich lässig zurück, überschlug die Beine und gab ein hämisches Lachen von sich, während er Harry beobachtete wie dieser ihm voller Wut entgegen starrte.

"Es ist schwer der Wahrheit ins Auge zu sehen, nicht wahr?" stichelte der Blonde.

"Das ist nicht..." begann Harry mit bebender Stimme. Sein Körper begann zu zittern.

Wie konnte er es wagen, ihm so etwas vorzuwerfen?

"Doch es ist wahr, Potter."

Malfoy, dieser...

"Je früher du es dir eingestehst, desto einfacher wird es für..." Draco hielt mitten im Satz inne. Seine Augen wurden groß und sein Mund stand offen. Das Grinsen erstarb innerhalb weniger Sekunden.

"Verdammt..." flüsterte er, als er auf Harry starrte, welcher äußerst ruhig auf dem Sofa saß und nichts weiter tat, als Draco lasziv anzugrinsen.

Diese Situation war ihm nur mehr, als vertraut.

Hin und wieder flackerte es eisblau in Harrys starren Augen.

Das konnte nicht sein. Es sollte ihm nicht gelingen mit dem Siegel!

"..Potter?" wagte er zaghaft einen Versuch.

"Nein." kam die schlichte Antwort und Malfoy dachte sein Herz würde vor Schreck stehen bleiben. Die Stimme aus dem Mund des Gryffindors klang genauso, wie an jenem Tag, als er von eben diesem ausgeknockt wurde.

Wer sich wirklich hinter Harry Potter verbirgt? Dein schlimmster Albtraum.

"Genau der bin ich."

Malfoy stockte der Atem. Konnte er etwa seine Gedanken lesen?

"Fulgor.." flüsterte Malfoy geschockt, woraufhin dieser bloß hämisch lachte.

"Wo ist denn nur dein großes Mundwerk abgeblieben?" spöttelte er mit kalter Stimme, die dem Blonden einen Schauer über den Rücken jagte.

"Was.. was willst du?" Draco hatte all seinen Mut zusammen gepackt. Er versuchte seine wohlbekannte Maskerade aufrecht zu erhalten und keine Angst zu zeigen. Doch die Bilder von jener Auseinandersetzung mit diesem Wesen schienen seine Mauer immer wieder zum Einsturz zu bringen.

"Das weißt du doch ganz genau." erwiderte der Andere sardonisch. "Dein Ende."

Das war zu viel für den Slytherin. Mit einem Ruck sprang er vom Sessel auf und stürmte in Richtung Türe. Doch plötzlich ergriff ihn etwas an den Beinen und er stürzte zu Boden.

"Wohin denn so eilig?"

Malfoy sah an sich herunter. Dunkle Schlingen hatten sich um seine Beine gelegt und drückten fest zu. Er versuchte diese durch Strampeln zu lösen, doch es half nicht. Panisch kroch er dennoch weiter und tastete sich mit dem Oberkörper und den Armen wie ein Wurm weiter zum Ausgang voran. Der Druck um seine Fußgelenke wurde stärker und begann den Jungen langsam aber sicher zurück zu ziehen. Draco versuchte sich verzweifelt irgendwo fest zu klammern. Vergebens.

Weitere Schlingen tauchten vor seinem Antlitz auf. Ängstlich starrte er diesen entgegen, welche sich blitzschnell um seine Arme und seinen Oberkörper schlängelten. Unfähig sich zu bewegen, wurde er zurück gezogen und anschließend wieder auf den Sessel platziert.

Harry stand nun vor ihm. Um ihn herum schien die Luft zu prickeln und ein leichter schwarzer Nebel schien von ihm aus zu strömen. Die Augen des Jungen hatten mittlerweile ganz die eisblaue Farbe angenommen. Stechend durchbohrte der kalte Blick den jungen Slytherin, dessen Puls und Atmung sich ins Unermessliche steigerte.

"Du bist wahrlich erbärmlich." hörte er die furchterregende Stimme, die im ganzen Raum verteilt zu sein schien. "Selbst für einen Menschen."

Harry lachte spöttisch. "Wie kann Jemand wie du nur so überheblich sein..." er ging einige Schritte auf den zittrigen Jungen zu. "... du hast weder Macht, noch Ansehen noch eine loyale Gefolgschaft. Du bist ein Nichts."

Trotz seiner panischen Angst, stieg in Draco langsam die Wut empor,, aufgrund der stolz verletzenden Worte. Er presste die Lippen fest zusammen, was von seinem Gegenüber nicht unbemerkt blieb.

"Es ist schwer der Wahrheit ins Auge zu sehen, nicht wahr?" imitierte er höhnisch Malfoys Worte und lachte erneut, ehe er fort fuhr.

"Wirklich merkwürdig... Du stellst dich über meinen Wirt, versuchst ihn bei jeder Gelegenheit zu demütigen und dass nur um dein eigenes erbärmliches Dasein zu verbergen. Und dennoch lechzt du um seine Aufmerksamkeit?"

"Das ist nicht wahr!" Draco konnte seinen Zorn nicht mehr zurück halten, was der Andere nur mit einem Grinsen erwiderte. "Ich brauche keine Aufmerksamkeit und schon gar nicht seine! Ich hasse Potter! Du hast doch keine Ahnung!"

"Und ob ich die habe."

Erneut tauchte eine Schlinge vor Draco auf und schlängelte sich sanft um dessen Hals und Mund. Dracos Panik steigerte sich noch mehr. Er war nun weder fähig sich zu bewegen, noch etwas zu sagen. Der Druck der Schlingen wurde mit jeder Sekunde verstärkt. Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn und sein Atem wurde abgehackt, aufgrund der Aufregung und mangelnden Luftzufuhr, die er gerade noch durch die Nase bekam.

Harry ging auf den wehrlosen Jungen zu und legte seine Hand auf den blonden Schopf.

Um ihn herum wurde es dunkel...

...

...

...

...Er kniet vor Harry...

"Das hast du nun davon."

...verzweifelt...

"Das hast du alles verdient!"

.. und zittrig...

"Warum fühle ich keine Genugtuung?"

...Langsam nähert er sich seinem Antlitz...

"Wieso kann ich nicht..."

...Er kommt ihm näher ...

"Ich hasse dich!"

...bis er schließlich seine Lippen auf die Harrys presst...

...Und wieder kommt er ihm näher...

... und näher...

...presst seine Lippen auf die Harrys...

..und presst wieder seine Lippen auf die Harrys...

... und wieder...

..."Nein..."

...

...

..

Das laute gellende Gelächter Harrys ließ den Slytherin wieder zu sich kommen.

"Das ist es also, was du so verzweifelt zu verbergen versuchst."

Malfoys Wut war entschwunden. Unfähig seinem Gegenüber, nach diesem Einblick in sein Innerstes, in die Augen zu sehen, senkte er seinen Blick gen Boden. Doch plötzlich wurde er grob am Kinn gepackt und sein Kopf angehoben, wodurch er gezwungen war in das kalte Gesicht, welches nur mehr wenige Zentimeter entfernt war, zu schauen.

"Du sehnst dich nach meinem Wirt." hauchte er Malfoy verführerisch ins Gesicht, welcher daraufhin bloß die Augen zusammen kniff. Seine Angst, Scham und Panik schienen den Jungen beinahe zu übermannen.

"Sie mich an, Draco." befahl Harry zwar sanft und doch verstärkte er seinen Griff um dessen Kinn, um seinen Worten Ausdruck zu verleihen.

Zaghaft öffnete Malfoy seine Augen. Eisblau traf auf Grau.

Die Schlinge um seinen Mund lockerte sich ein wenig, nur um dann von ihm abzulassen. Es dauerte keine Sekunde, als plötzlich Harrys Lippen die seine berührten. Der Blonde riss die Augen vor Schreck auf und presste seine Lippen reflexartig zusammen. Der Schwarzhaarige ließ sich davon nicht aus der Fassung bringen und biss dem Slytherin heftig in die Unterlippe. Draco schrie auf vor Schmerzen und Harry nutzte dies als Gelegenheit. Fordernd steckte er ihm die Zunge hinein und küsste ihn stürmisch. Draco wehrte sich dennoch gegen den Kuss, doch Harry ließ sich auch weiterhin nicht beirren.

Er packte den Slytherin am Nacken, drückte ihn näher an sich und schob ihm seine Zunge so weit hinein, dass er würgen musste. Die Schlingen um den Körper und Hals des Blonden schmerzten mittlerweile. Malfoy konnte sein Herz fühlen, das wie wild gegen seinen Brustkorb pochte.

Zu allem Überfluss des Ganzen fühlte er auf einmal die Hand des Gryffindors in seinem Schritt, woraufhin der Junge unwillkürlich die Augen schloss und in den Mund des anderen hinein stöhnte.

"So gefällt mir das."

Draco verfluchte sich über seine Reaktion, doch im nächsten Moment war auch dieser Gedanke wieder verworfen. Denn die Hand des Schwarzhaarigen begann nun seine größer werdende Beule sanft zu streicheln. Und wieder musste Draco laut aufstöhnen.

Der Blonde bemerkte in seiner Erregung gar nicht, dass ihm nach einer Weile seine Hose geöffnet wurde und Harry sein entblößtes Glied mittlerweile im gleichmäßigen Rhythmus immer schneller massierte. Malfoy stöhnte und ächzte unter den Berührungen, sowie den forschen Küssen des Anderen und streckte seine Hüften immer wieder der Hand entgegen.

Der Slytherin konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Weder was er tat, noch mit wem er es tat. Es dauerte nicht lange und der Blonde fühlte den langsam aufkeimenden Höhepunkt. Er war hin und weg in seiner Ekstase und mit einem heißeren, lang gezogenen Aufschrei ergoss er sich über die Hand des Anderen.

Draco hatte die Augen noch geschlossen, sein Körper bebte und sein Atem ging sehr flach und unregelmäßig. Der Junge fühlte, wie sich die Lippen des Gryffindors zu einem Grinsen verformten, ehe sie ihm entzogen wurden. Draco, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, starrte aus glasigen Augen zu Harry empor, welcher sich lasziv Dracos Blut von den Lippen leckte.

Ohne Vorwarnung wurde er plötzlich barsch vorwärts zu Boden geschmissen. Draco stöhnte auf vor Schmerzen des Aufpralls. Die Schlingen erhöhten ihren Druck um den Blonden so sehr, dass er für einen Moment dachte ersticken zu müssen. Mit dem aufkommenden Schmerz, kam auch langsam der Slytherin wieder zu sich. Allerdings hatte der Junge nicht sonderlich viel Zeit über die Situation nach zu denken. Denn plötzlich fühlte er zwei Hände an seinen Hüften, die ihm seine lose Hose vollends abstreiften.

Dracos Augen wurden groß, als er realisierte was der vermeintliche Harry vorhatte.

"..Nein.." krächzte er panisch und versuchte sich den Händen zu entwenden. Harry lachte bloß und zog ihn wieder zu sich zurück. "Ist es nicht das was du wolltest?"

Draco ließ nicht locker. Er wand sich hin und her, strampelte mit den Beinen in der Hoffnung so entkommen zu können. Doch je mehr er sich wehrte, desto enger wurden die Schlingen um Hals und Körper. Draco ächzte und rang nach Luft.

"..nicht..." krächzte er, doch bekam er bloß erneut ein kaltes Lachen als Antwort.

Barsch wurde er endgültig an den Hüften genommen und ohne Vorwarnung in ihn eingedrungen. Malfoy schrie laut seine Pein hinaus, während der Schwarzhaarige erbarmungslos immer schneller und fester zu stieß. Der Slytherin befürchtete er würde innerlich entzwei gerissen werden. Die Schmerzen waren unerträglich und vermischten sich mit den Schmerzen der Schlingen. Er konnte sich nicht zurück halten, schrie und schluchzte während des brutalen Akts. Tränen rannen seine Wangen herab. Grob wurde er an den Haaren gepackt und sein Kopf schmerzlich nach hinten gezogen. Mit der Zunge leckte sein Peiniger seine Tränen ab, tastete sich dann runter zum Hals, liebkoste ihn an dieser empfindlichen Stelle nur um gleich daraufhin rein zu beißen.

Wieder schrie Draco gellend auf und spürte etwas Warmes seinen Hals herab rinnen. In der selben Sekunde begann sein Hintermann leicht zu zucken und zu stöhnen, als er seinen Höhepunkt erreicht hatte.

So schnell es begonnen hatte, war es glücklicherweise auch wieder vorbei.

Harry entzog sich dem erschöpften Jungen, dessen Kopf kraftlos auf den Boden zurück fiel. Die Schmerzen danach waren minder schmerzhaft. Draco presste die Augen und Lippen zusammen, unfähig seinen Tränenfluss zu stoppen.

"So schwach und gebrechlich.." hörte er die ihm wohlbekannte kalte Stimme und fühlte, wie ihm zart eine von Blut beschmutzte Haarsträhne aus dem Gesicht gestrichen wurde. "... und dennoch begehrlich."

Draco zitterte immer noch am ganzen Leib und konnte sein Schluchzen nicht unterdrücken. Die Hand entzog sich erneut seinem Schopf.

"Ich habe mich wahrlich amüsiert. Ich freue mich auf unser nächstes Zusammentreffen, Malfoy."

"Malfoy."

"Malfoy?"

"Malfoy?!"

Erschrocken riss der Blonde seine Augen auf.

"Sag mal weinst du etwa?"

Harry saß auf dem Sofa und starrte verständnislos zu seinem Gegenüber. Verwirrt beobachtete der Gryffindor den Blonden, welcher sich hektisch im Raum umsah, dann auf sich herab und auf seine Hände starrte.

"...Was..." flüsterte dieser unverständlich mit schwacher Stimme und fasste sich ins Gesicht, dass durch seine Tränen durchnässt war.

Der Schwarzhaarige wusste nicht recht, was er von dem Verhalten seines Rivalen halten sollte. Gerade noch hatte er ihn bis aufs Äußerste provoziert und im nächsten Moment zog er diese Show ab.

Harrys Augen wurden plötzlich ganz groß.

Erst jetzt bemerkte er das verschmierte Blut an Malfoys Mund, Hals und sogar in den Haaren.

"Malfoy, du..." begann Harry, stand auf und wollte auf den Anderen zugehen, doch sein Gegenüber sprang plötzlich panisch vom Sessel auf, als sich der Schwarzhaarige ihm nähern wollte.

"Bleib wo du bist!" schrie er beinahe und taumelte einige Schritte zurück. Die Hände, welche unaufhörlich zitterten, hatte er beschwichtigend gehoben, als würde Harry ihm etwas antun wollen.

Harry hielt mitten in der Bewegung inne. Unschlüssig, wie er sich verhalten sollte, stand er einfach da und beobachtete verständnislos seinen Gegenüber.

Auch wenn es der Logik zuwider war, so konnte sich Harry dennoch nicht vorstellen, dass Malfoy ihm wirklich nur etwas vorspielte.

Man musste ihn bloß genauer betrachten. Unruhig stand er inmitten des Raumes, sein Körper bebte, seine geröteten und glasigen Augen fixierten Harry die ganze Zeit über. Sein Gesicht war von seinen Tränen durchnässt und sein Ausdruck spiegelte Verwirrung und Schmerz wider.

"Wie...wie hast du...?" flüsterte er zwischenzeitlich immer wieder mit weinerlicher Stimme. Sein Atem war schnell und unregelmäßig und das Blut hatte sich mittlerweile vereinzelt im Gesicht und in der Kleidung verteilt.

Kein Malfoy der Welt würde sich jemals freiwillig und aus reinem Jux heraus so präsentieren. Schon gar nicht dieser Draco Malfoy.

Was sollte er nur tun?

Allerdings musste Harry sich momentan nicht den Kopf darüber zerbrechen, denn ohne Vorwarnung machte der Blonde plötzlich kehrt und schritt zur Türe. Als er diese öffnete, stand Snape, welcher gerade im Begriff war ein zu treten, vor ihm. Überrascht musterte er den aufgelösten Jungen vor sich, welcher jedoch seinen Paten einfach zur Seite stieß und davon stürmte.

Harry seufzte und ließ sich auf das Sofa zurück fallen, als der eiserne Blick des Lehrer auf ihn fiel.

"Was in Merlins Namen ist hier los?"

"Wenn ich das nur wüsste."


Sooo das wars mal wieder!

Schreibt mir doch was ihr von dem Kap. haltet - besonders ein Feedback für die letzte Szene wäre mit sehhhr wichtig! X)

Danke! :*

Eure BetaDraconis