Addicted

7. The bet

Der Tag neigte sich zu Ende und Harry stand in der Küche, um das Nachtmahl für die Familie Malfoy zu richten. Joshua saß untätig auf der Bank und beobachtete das vermeintliche Mädchen bei ihrem Tun. Der Braunhaarige ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und schöpfte die Suppe zügig auf die Teller, welche er schließlich aufs Tablett stellte und in den Salon hinüber brachte. Nachdem er die Vorspeise serviert hatte, eilte er samt Tablett wieder in die Küche, um die Hauptspeise zu ende zuzubereiten.

Nach ca. 25 Minuten trug er auch dieses fertig auf Tellern angerichtet in den Salon und tauschte sie gegen die leeren Teller. Als er Dracos Teller vom Platz nahm, fiel sein Blick, auf die Hand des Jungen, in welcher er unter dem Tisch versteckte einen kleinen gefalteten Zettel hielt. Unfällig nahm er diesen entgegen und stellte zugleich den leeren Teller auf das Tablett. Während er die Türe hinter sich zuzog trafen sich sein und Dracos Blick und er sah, dass dem Blonden ein Lächeln über die Lippen huschte.

In der Küche angekommen, stellte er das Tablett nieder und setzte sich zu dem eigenen Nachtmahl, welches freundlicher weise Joshua angerichtet hatte. Der Braunhaarige wollte die Nachricht lesen, als Josh ihn ansprach, „Bist du verliebt?"

Erschrocken schaute Harry auf. Joshua grinste selbstsicher und fuhr fort, „Du hast so süß verträumt gelächelt, als hättest du gerade an deine Flamme gedacht."

Harrys Mine versteinerte sich und er dachte sich//Selbst wenn ich verliebt wäre – was ich aber nicht bin – wärst du es mit Sicherheit nicht.//

Er löffelte seine Suppe, während Joshua ihn permanent ungeniert angaffte und ein – wie er sich scheinbar einbildete – verführerisches Lächeln aufsetzte. Nachdem Harry fast fertig war und Joshua ihn nach wie vor anstierte, sah er auf und fragte, „Willst du deine Suppe erst essen, wenn sie kalt ist, oder hast du sie nur zur Tarnung auf deinen Teller getan?"

„Nein. Ich liebe es nur, dich bei jeder deiner Tätigkeiten zu beobachten.", säuselte er nonchalant und Harry fürchtete, ihn käme gleich die Suppe wieder hoch.

Mit einem bösen Blick auf seinen Gegenüber fauchte er, „Gaff mich nicht an, sondern iss deine Suppe! Ich koche schließlich nicht um sonst."

Josh lachte auf und entgegnete, „Du bist so süß, wenn du wütend bist."

Es reichte! Wenn er sich noch weiter dieses Gesülze von diesen Seitenstraßencasanova antun würde, müsste er sich tatsächlich übergeben. Der Braunhaarige stand auf, schnappte sich das Tablett und ging zur Türe. Joshua wagte allen Ernstes zu fragen, „Wo gehst du hin?"

Harry drehte sich wütend um und zischte, „Raus!"

Dann riss er die Küchentüre auf und ließ diese laut krachend hinter sich zufallen. Vielleicht hatten das die Hausherren gehört, aber das war ihm nun auch egal. Er ging zur großen Treppe und setzte sich entnervt seufzend auf die Stufen. Dann fiel ihm ein, dass er die Nachricht noch nicht gelesen hatte, und er angelte sie sogleich aus seiner Rocktasche. Ohne es zu merken, flog ein Lächeln, als er die geschriebenen Worte las.

Komm so um acht. Ps: Wie gut spielst du Schach?

Schnell schrieb er mit seinem Zauberstab eine Antwort auf das Pergament und ließ er wieder in seine Rocktasche gleiten. Sein Blick glitt durch die Halle. Um die Teller abzuservieren, war es noch zu früh und in die Küche wollte er nicht wieder zurück. Zugegeben, er hatte Hunger, aber eher starb er, als dass er an diesem Tag noch einmal freiwillig Joshua begegnete. Immerzu stellte er sich die Frage, wie der Typ reagieren würde, wüsste er, dass er die ganze Zeit einen Jungen angemacht hatte. Vielleicht würde er sich die Kugel geben? Dann hätte Harry wenigstens seinen Frieden.

In der Eingangshalle zu warten, war ihm zu langweilig, deswegen legte er das Tablett auf den Stufen ab und ging an die frische Luft hinaus. Er hob den Blick zum Firmament empor und entdeckte - oh welch Wunder - die Venus. Plötzlich erschien vor seinem inneren Auge, das Bild von Draco, der an dem Geländer seines Balkons lehnte und zu den Sternen aufsah. Ein Kribbeln breitete sich blitzschnell in seiner Bauchgegend aus und verschwand ebenso schnell, wie es erschienen war.

„Wow. Was war das?", murmelte er vor sich hin.

Erneut dachte er an den Jungen, wie er sich zu ihm umdrehte und die Hand nach ihm ausstreckte. Dieses Lächeln. Diese Augen. Sie waren voller Wärme, so wie Harry sie während der gesamten Schulzeit nie erlebt hatte. Er kannte nur den kalten Blick, der Zorn in ihm aufstiegen ließ. Konnte es sein, dass Draco sich vielleicht in Amy Rose verliebt hatte? In ein Mädchen, dass in Wirklichkeit nicht existierte?

Ein starker Windstoß streifte Harry und ließ ihn erschaudernd die Augen schließen.

Wieder tauchte ein Bild vor Harrys geistigem Auge auf. Draco lag auf dem Bett, sein Hemd war geöffnet und sein Kopf zur Seite geneigt. Seine Augen waren geschlossen und sein Brustkorb hob und senkte sich in regelmäßigen Abständen. Das Kribbeln breitete sich stärker also zu vor in Harrys Bauch aus und verweilte dort für eine unbestimmte Zeit. Als es abflaute, riss Harry die Augen auf, er legte eine Hand auf seinen Bauch und die andere an seine Lippen. Was stellte der Blonde mit ihm an, dass er auf einzelne Erinnerungen so … seltsam reagierte. Es konnte doch nicht sein, dass …

Harry spannte diesen Gedanken nicht weiter, sondern machte sich daran, dass er wieder ins Haus zurückkehrte, das Tablett von der Treppe auflas und den Salon betrat, um die Teller und das Besteck abzuservieren. Die Malfoys waren bereits mit dem Essen fertig. Harry stellte Dracos Teller zum Schluss auf das Tablett und ließ den Zettel unauffällig auf dessen Schoß fallen. Der Blonde sah zu ihm auf und Harry schoss ungünstiger Weise das Blut ins Gesicht. Unangenehmer Weise bemerkte Harry Mrs. Malfoys viel sagenden Blick, als er aufschaute.

Zu Harrys Glück war die Küche leer, als er das schwere Tablett dorthin stellte. Joshua hatte wenigstens seinen eigenen Teller in die Abwasch gestellt. Harry säuberte das Geschirr per Zauber und ließ es mit einem Zauberstabschwenker an seinen Platz zurück wandern. Dann setzte er sich vor seine kalte Suppe und nahm den Löffel in die Hand. Er brachte es nicht fertig, nur einen Schluck davon zu nehmen, denn sein Hunger war vollkommen verschwunden. Stattdessen spann sein Körper verrückt.

Seine Hände zitterten leicht und er versuchte mit aller Macht nicht an das zu denken, was ihn zu einer gravierenden Erkenntnis führen könnte. Er wollte es nicht wissen, aber er konnte sich der Bilderflut, die über ihn hereinbrach, nicht erwehren. Mit zitternden Händen schob er die Suppe bei Seite. Er war so sehr angespannt, dass es seinen ganzen Körper beutelte, und dass alle Wärme aus seinen Händen wich. Der Gedanke, dass er bald zu ihm gehen würde und für diese Nacht neben ihm im Bett liegen würde, gab ihm ein Gefühl, dass so groß war, dass er meinte es würde aus seinem Körper ausströmen.

Erst jetzt, da er erkannte, was vielleicht ein anderer viel früher gesehen hätte, fiel ihm auch sein Verhalten von den letzten Tagen auf. Seit Joshua da war und ihn mit seinen unsinnigen Anmachen belästigte, begann Harry tatsächlich mit Draco zu flirten. Kein Wunder, dass der Blonde dachte, dass Amy etwas von ihm wollte. Es war wirklich kein Wunder, dass er sich in sie verliebt hatte! Plötzlich fielen Harry die Worte ein, die er auf das kleine Stück Pergament gekritzelt hatte und er musste die Hand auf den Mund pressen, um nicht hysterisch zu lachen zu beginnen.

Die Worte lauteten: Ich spiele besser, als du vielleicht denken magst, also ziehe dich warm an. Ich freue mich schon auf das Spiel. Ps: Ich glaube, dass Joshua es nicht verkraften würde, wenn ich öfter bei dir übernachte.

Nach einer guten Stunde fand Harry sich vor Dracos Zimmertüre in Nachtkleid und Morgenmantel gekleidet wieder und war überlegt am Absatz umzukehren und zu türmen. Als er allerdings auf den Gedanken kam, dass er mit Joshua in einem Gebäude schlafen müsste, kam er zu dem Schluss, es wäre doch besser anzuklopfen und einzutreten. Zaghaft schob er die Türe auf, nachdem Draco ihn hereinbat und ging in den Raum. Auf dem Boden lagen zwei bequeme und große Kissen und ein gläsernes Schachbrett, dass in deren Mitte aufgebaut war.

Draco empfing ihn freundlich und nahm ihm den Morgenmantel ab, bevor er noch etwas sagen konnte. Das Zimmer war gut geheizt, also konnte Harry seine Zitterattacken nicht einmal darauf ausreden. Er setzte sich auf das Kissen und hob eine der Figuren auf seiner Seite des Bretten hoch. Sie bestand ebenfalls aus Glas und war mit weißen Linien verziert. In den Figuren auf Dracos Seite waren schwarze Verzierungen eingraviert.

„Sie sind einzigartig, nicht wahr?", fragte der Blonde und Harry stellte die Figur wieder an ihren Platz zurück.

„Wo hast du sie her?", erkundigte er sich und die Anspannung fiel mit einem Mal von ihm ab. Es war so, als wäre er an einem vertrauen Ort, an dem er jeden Tag zurückkehren würde, auch wenn er bisher nur siebenmal bei Draco übernachtet hatte.

Der Blonde machte einen nachdenklichen Eindruck und antwortete schließlich, „Frankreich. Ich habe mir dieses Brett gekauft, da war ich gerade einmal sechs Jahre alt."

„Dann bist du also ein erfahrener Spieler.", stellte Harry fest und lächelte, während er tief in die Augen seines Gegenübers blickte.

Draco warf ihm denselben Blick zurück und entgegnete, „Kann man wohl sagen."

//Verdammt, Harry! Du tust es schon wieder!//, fluchte der Braunhaarige in Gedanken und senkte den Blick. Um seine Scham zu kaschieren, machte er den ersten Zug und schob den Bauern von E2 auf E4.

Draco ergriff ohne Umschweife den Springer und setzte ihn von B8 auf C6. Harry schaute auf und versank für einen kurzen Moment in den graublauen Augen. Noch ehe er innehalten konnte, glitt ihm ein Kompliment über die Lippen. „Kein schlechter Beginn." Um nicht wieder Flirterein zu verfallen, schob er seinen Bauern von F2 nach F5.

Als Draco seinem Bauern auf D6 stellte, neckte er, „Dafür, dass du deine Schachkunst so hoch gepriesen hast, ist das wirklich ein schwacher Anfang deinerseits."

„Gut, bitte, ganz wie du willst.", schnappte Harry gespielt empört und stellte seinen Springer auf C3. Dann hob er wieder seinen Blick und entgegnete, „Willst du dich wirklich mit mir auf so ein Spiel einlassen?"

Er hielt den Blickkontakt und war sich sicher, dass sein Blick nicht minder verführerisch und lasziv war, als der des Blonden. Etwas in ihm rief ‚Himmel, Harry! Hör auf damit!', aber seine Augen und Lippen wollten ihm nicht gehorchen.

Draco lächelte charmant und schlug vor, „Lass uns doch eine Wette abschließen."

Harry ging auf das Spiel ein. „Und die wäre?"

Der Blonde lehnte sich nach vorne und hauchte, „Der Verlierer muss das tun, was der Gewinner von ihm verlangt."

Ein Lächeln huschte über die Lippen des Braunhaarigen, als er sagte, „Okay, die Wette gilt."

Eine halbe Stunde später – sie hatten gerade einmal drei Züge in der Zwischenzeit getätigt - saß Harry nachdenklich da und fragte sich, was er machen sollte. Er stellte sich permanent die Frage, welcher Dracos nächster Zug sein würde, da scheinbar bereits einer Strategie zu folgen schien. Schlussendlich gab er es auf sich weiterhin den Kopf zu zermatern und setzte seinen Bauern einfach auf G3.

Draco schob seinen Läufer von C8 nach G4 und sah herausfordernd zu dem Braunhaarigen auf. Harry biss sich auf die Unterlippe. Der Typ hatte auf jeden Fall eine Strategie, da er nicht einmal eine Minute benötigte, um seine Züge zu machen. Mit der Zeit bereute er seinen Übermut jemals so eine Wette eingegangen zu sein. Wer weiß, was Draco – sollte er Siegen – von ihm verlangen würde. Es könnte alles sein! Harry musste ziemlich verzweifelt aussehen, da der Blonde auf einmal zu lachen begann.

„Was gibt es da zu lachen?", zischte er entnervt.

Draco stand auf und sagte, „Lassen wir das Spiel für heute gut sein. Ich glaube nicht, dass du heute noch einen guten Zug zustande bringst."

Harry legte verwirrt den Kopf schief, „Und das Spiel?"

Der Blonde zog seinen Zauberstab und richtete ihn auf das Brett. Der Braunhaarige hob die Braue und Draco erklärte, „Die Figuren können nicht mehr umgestoßen werden. Wir können auch morgen weiterspielen. Du kannst dir bist dahin ja einen guten Zug überlegen"

Er verschwand nebenan ins Bad und Harry erhob sich. Er war schlau genug gewesen, um seine Abendtoilette zu erledigen, bevor er zu Draco gegangen war. Seufzend ließ er sich auf das weiche Bett fallen und starrte zum Baldachin empor. Allmählich fragte er sich, ob der Blonde das Ganze bereits von Anfang an geplant hatte. Zu erst schlug er eine Wette vor und dann machte er ohne viel Zeit zu verschwenden gute Züge. Entweder er war tatsächlich so gut, oder er konnte hellsehen und hatte demnach seine Strategie ausgelegt.

Harry schreckte hoch, als die Matratze neben ihm von einem Gewicht niedergedrückt wurde. Er musste wohl weggedriftet sein, denn er konnte sich nicht erklären, warum Draco auf einmal neben ihm im Bett lag und ihm mit gehobener Braue anschaute. Harry ließ sich wieder zurück fallen und murmelte, „Merlin, erschreck mich nicht so …"

Draco löschte mit einem Zauberstabschwenker das Licht und entgegnete, „Schade, dass du aufgewacht bist. Du siehst immer so niedlich aus wenn du schläfst."

Diese Aussage schlug bei Harry wie eine Bombe ein. Jetzt war er wach. Um genau zu sein hell wach. Er sah zu dem Blonden und fragte, „Wie meinst du das?"

Schweigen.

Schämte er sich etwas dafür, diese Worte ausgesprochen zu haben? Harry setzte sich auf und wandte sich dem Jungen zu. „Draco?"

Keine Reaktion.

Harrys Augen brauchten etwas Zeit, bis sie sich an die Dunkelheit gewohnt hatten, doch dank des schwachen Mondlichtes, konnte er erkennen, dass der Blonde seine Augen geschlossen hatte. Harry rutschte etwas näher und fragte nochmals mit leiser Stimme, „Draco?"

Nichts. Kein Zucken, kein „Mhm" und auch kein anderes Geräusch kamen von dem Jungen. Seufzend lies Harry seinen Kopf auf Dracos Oberarm sinken. Das war so typisch. Zuerst riss er ihn mit solch einer Aussage aus seinem verschlafenen Zustand und dann schlief er selbst unverschämter Weise keine dreißig Sekunden später ein. Zugegeben. Der Junge hatte seit gestern Früh nur drei Stunden geschlafen und nun war es zwischen Mitternacht und Ein Uhr, aber musste er dann gleich so gedankenlos reden?

Harry sah Dracos schlafendes Gesicht nur von der Seite, dennoch löste es in seinem Bauch wieder dieses wohlige Kribbeln aus. Der Braunhaarige legte seine Hand auf Dracos Brust und spürte, wie sie sich in gleichmäßigen hob und senkte. Nun fasste er den Mut und rückte noch näher an den Jungen heran, dass sich ihre Körper beinahe berührten. Er legte seinen Kopf auf die Brust des Blonden und starrte in die Dunkelheit. Er verbrachte noch mehrere Stunden so, ehe er in den Schlaf hinüber glitt.

tbc