Etwas Besonderes
Am nächsten Tag warf Annie Ted beim Frühstück verstohlene Blicke zu. Außerdem kicherten ihre beiden Freundinnen übertriebener denn je, woraufhin Toby Ted fragte, ob er in seiner Erzählung gestern Abend irgendetwas ausgelassen hatte, doch Ted schüttelte daraufhin nur unschuldig den Kopf.
Doch es stimmte, Toby kannte nur die kürzeste Version der Geschichte über sein Date mit Annie.
In der ersten Freistunde, die er hatte ging er in die Bibliothek. Toby hatte leider Unterricht. Sonst hätten sie mal wieder gemeinsam Zeit verbringen können, doch kaum hatte Ted sich auf einen Stuhl gesetzt, kam auch schon Victoire zu ihm hinüber.
„Hallo", sagte sie und lächelte unwahrscheinlich schwach.
Ted sah sie an.
„Wie war dein Date gestern?", fragte sie.
„Gut", antwortete Ted breit lächelnd und Victoire schien zurück lächeln zu wollen, doch es gelang ihr nicht so ganz.
„Ist irgendetwas?", fragte Ted deshalb besorgt und sie sah etwas ertappt aus, doch sie schüttelte umgehend den Kopf.
„Nein, nein, es ist alles in Ordnung", bekräftigte sie noch einmal und Ted musterte sie genauer, doch er fand nichts Besonderes und fragte deshalb auch nicht weiter.
„Weißt du schon, ob du Weihnachten wieder im Fuchsbau verbringst?", fragte Victoire und setzte sich neben ihn.
„Ich denke schon", antwortete Ted, „auch, wenn ich mittlerweile schon genug kanariengelbe Pullover mit einem Dachs vorn darauf habe."
Victoire schmunzelte.
„Es ist eben etwas Besonderes, Grandma Molly hat sicher von uns beiden erwartet, dass wir nach Gryffindor kommen, so wie jeder andere auch."
„Du bist wirklich etwas besonderes", rutschte es Ted heraus, ohne dass er wirklich darüber nachgedacht hatte.
Erst wollte er verschämt den Blick abwenden, doch er merkte, dass es gar nicht mehr nötig war, da Victoire bereits mit rosa Wangen die Tischplatte anstarrte.
Sie fielen in ein peinliches Schweigen, bis Victoire irgendeinen Grund dahin stotterte, warum sie dringend gehen müsste und aus der Bibliothek stolperte.
Seufzend sank Ted in sich zusammen.
In der nächsten Zeit versuchten Ted und Victoire die Szene in der Bibliothek so gut es ging zu überspielen, wann immer sie sich trafen und in ein Gespräch verfielen.
Schon bald erinnerte sich Ted wieder daran, dass er ja vorgehabt hatte das Treffen mit Annie zu wiederholen und lud sie Mitte November spontan abends an den See ein, wofür er heißen Kakao aus der Küche und eine warme Decke organisierte.
„Ich hoffe du hast nicht all zu lang gewartet", sagte Ted entschuldigend, als er voll bepackt am See ankam und Annie bereits da saß.
„Nein, nicht lang", antwortete sie, die Arme eng um den Körper geschlungen.
„Ist dir kalt?", fragte Ted und griff sofort in seine Tasche, um die decke herauszuholen.
„Ein wenig."
Ted setzte sich neben sie und schlang die Decke um sie beide herum.
„So ist es fast gemütlich", lachte Annie.
„Fast?", fragte Ted gespielt enttäuscht und holte den heißen Kakao ebenfalls aus der Tasche.
„Du hast wirklich an alles gedacht, oder?", fragte sie.
„Natürlich", gab Ted zurück, während er etwas in eine Tasse goss.
Sie schwiegen eine Weile, doch es war kein peinliches Schweigen, eher ein angenehmes.
Schließlich durchbrach Annie die Stille.
„Das hast du dir wirklich schön ausgedacht", flüsterte sie und betrachtete sein Gesicht, das durch den Mond erhellt wurde.
Er lächelte und bevor er überhaupt wusste, wie ihm geschah, spürte er ihre Lippen auf seinen. Ein wenig überrumpelt fing er an den Kuss zu erwidern und legte ihr sogar eine Hand auf den Hinterkopf.
Ted hatte zuvor erst ein Mädchen geküsst und damals war er fünf Jahre alt gewesen. Man hätte es also nicht wirklich mitzählen können und dass das hier sein erster richtiger Kuss war, kam für ihm mehr als überraschend.
Annie löste sich von ihm und lächelte ihn leicht an, was Ted unsicher erwiderte.
Die beiden blieben noch eine ganze zeit lang am See sitzen und unterhielten sich, bis es allmählich wirklich spät wurde und sie sich auf in den Gemeinschaftsraum machten.
Auf dem Weg dorthin griff Annie nach Teds Hand, was ein wundervolles Gefühl war, da sie schöne warme und weiche Hände hatte. So betraten sie auch den Gemeinschaftsraum.
„Gute Nacht, Annie", wünschte Ted ihr.
„Gute Nacht", gab Annie zurück und sie nahmen beide die Tunnel zu ihren Schlafsälen.
Victoire hatte in der Ecke des Gemeinschaftsraumes gesessen und in ihrem Kräuterkundebuch geblättert.
Nun zierte ein skeptischer Blick ihr wunderschönes Gesicht.
