Jaqen
Tiefe Wolken verdeckten die Morgensonne, als sie Königsmund durch das Schlammtor verließen. Die Erde schien nur noch aus Schnee zu bestehen, man konnte den Himmel kaum noch von der Erde unterscheiden. Hier auf dem Königsweg sah man zwar die schwachen Abdrücke von Rädern und Pferdehufen, doch bald würden auch diese sie verlassen. Sie hatten beschlossen, in Harrenhall noch ein paar Vorräte zu besorgen und dann für ein paar Wochen unterzutauchen. Das bergige Gebiet zwischen Harrenhall war dafür bestens geeignet, denn dort konnten sie ungestört ihr weiteres Vorgehen besprechen.
Sie warteten bis Königsmund außer Sichtweite war und bogen dann nach links ab, nun gab es keine Straße mehr, an der sie sich hätten orientieren können. Nun mussten sie sich auf jede kleine Unebenheit konzentrieren, um die Richtung halten zu können. Sie waren bereits einige Stunden unterwegs und kamen gut voran, doch dann begann es zu schneien.
So ging ihre Reise weiter. Manchmal konnten sie den ganzen Tag durchreiten, manchmal mussten sie ihr Lager wegen des Schneefalls früher als geplant aufstellen. Der Vorteil war allerdings, dass der Schnee ihre Spuren verwischte. Nach zwei Wochen erreichten sie schließlich Harrenhall. Um ihre Vorräte zu besorgen, teilten sie sich auf. Arya war für Lebensmittel und Verbandszeug zuständig, er für einen neuen Wetzstein und Laternen. Die Mondsichel wurde immer dünner und es war gut, wenigstens ein bisschen Licht zu haben.
Obwohl der Händler feilschte wie ein altes Fischweib, gelang es ihm einen guten Preis für den Wetzstein auszuhandeln. Der Händler, der ihm die Laternen verkaufte, war allerdings nicht so gnädig.
Ein weiterer Vorteil, wenn man auf den Markt ging war, dass man die neusten Informationen erfuhr, auch wenn nicht immer alle der Wahrheit entsprachen. Soweit er hören konnte, hatte sich an der Situation in Königsmund nichts Wesentliches geändert, seit sie fort waren.
Hustend hielt er sich die Hand vor den Mund, er hatte sich wohl ein wenig erkältet.
"Alles in Ordnung?" Er hatte gar nicht gemerkt, wie Arya an ihn heran getreten war.
Beruhigend lächelte er sie an. "Nur eine Erkältung." Sie wollten Harrenhall bereits wieder verlassen, als sie von einer Wache angehalten wurden.
"Was wollt Ihr hier? Ich habe Euch noch nie in Harrenhall gesehen." Sie hatten damit gerechnet, früher oder später, angehalten zu werden, deshalb hatte Arya ihre Antwort schon parat. "Wir wollen eine alte Freundin in Flohloch besuchen, sie arbeitet als Hebamme und ich soll ihr ein paar Kräuter mitbringen." Er schien ihnen immer noch nicht zu glauben, immerhin war es nicht gerade die beste Zeit, um eine Reise zu unternehmen. Da er aber keinerlei Grund hatte, sie länger fest zu halten, ließ er sie durch das Tor.
"Diese Wachen werden ja immer misstrauischer", sagte Arya.
"Es herrscht Krieg, da sind alle misstrauisch."
"Was machen wir jetzt eigentlich mit dem Brief?" Das war eine gute Frage...
"Am besten geben wir ihn einem Handelsschiff, das nach Braavos fährt." Skeptisch sah Arya ihn an. "Natürlich nicht dem erstbesten Schiff... ein Mann hat viele Freunde." Wieder musste er husten.
Arya
Ihre Reise ging eigentlich im selben Tempo voran wie vorher, allerdings fiel Jaqen das Reiten deutlich schwerer als zuvor. Er versuchte seine Hustenanfälle herunterzuspielen, doch sie wusste, dass es ihm alles andere als gut ging.
Es war Nachmittag und das Wetter war ziemlich gut, trotzdem wollte Arya unbedingt ihr Lager aufschlagen. Seit heute Morgen war Jaqen fiebrig, auch der Kräutertee hatte daran nichts geändert. Nun konnte er sich kaum noch aufrecht im Sattel halten. Sie waren noch nicht so weit gekommen wie sie wollte, doch Arya durfte kein Risiko eingehen.
"Wir sollten wirklich weiter reiten", sagte er, während sie die erste Zeltplane befestigte.
Verärgert kniff sie ihre Augen zusammen. "Vergiss es, du könntest dich keine weitere Stunde mehr im Sattel halten." Er wollte etwas erwidern, wurde aber von einem erneuten Hustenanfall unterbrochen.
Zitternd kroch er in das nun fertig aufgestellte Zelt und rollte sich in einer Wolldecke zusammen. Bereits nach kurzer Zeit, war er in einen leichten, fiebrigen Schlaf gefallen. Sie beschloss nach Feuerholz zu suchen, um Wasser zu kochen. Da es in der Nähe aber keine Bäume gab, suchte sie nach vertrockneten Sträuchern. Sie musste eine ganze Weile suchen, bis sie genügend Brennmaterial für ein kleines Feuerchen zusammen hatte. Bei dem Versuch dieses zu entfachen, verzweifelte sie allerdings beinahe... Die Sträucher waren feucht und ihre Finger klamm vor Kälte. Irgendwie gelang es ihr dann aber doch, eines der Ästchen in Brand zu setzten. Während die Flammen immer höher züngelten, stellte Arya einen kleinen Topf mit Schnee darauf und hoffte, dass die Hitze ausreichen würde, um den Schnee zu schmelzen und das Wasser zum Kochen zu bringen.
In der Zwischenzeit ging sie ins Zelt, um nach Jaqen zu sehen. Er hatte Schüttelfrost und seine Stirn schien heißer zu sein als das Feuer, das draußen loderte. Seine rot-weißen Haare, sie beide hatten ihre Gesichter, nachdem sie Hallenhall verlassen hatten, wieder gewechselt; klebten in seinem Gesicht. Während sie diese aus seinem Gesicht strich viel ihr auf, dass er immer noch seinen Pelzmantel trug. Unruhig drehte er sich zur Seite und wurde erneut von einem heftigen Hustenanfall geschüttelt.
Draußen gab sie einige Kräuter in das Wasser, während dieses zu köcheln begann. Als der Tee fertig war, gab sie eine großzügige Menge Mohnblumensaft hinein und ging zurück ins Zelt. Vorsichtig berührte sie ihn an der Wange.
"Jaqen?" Da er immer noch keine Reaktion zeigte, rüttelte sie leicht an seiner Schulter. Langsam öffnete er seine vom Fieber glasigen Augen. "Trink das." Sie setzte den Becher an seine Lippen und er nahm einige Schlucke. Kurz darauf fiel er in einen deutlich ruhigeren Schlaf. Nun entfernte sie vorsichtig die Wolldecke und zog ihm seinen Mantel aus. Der Pullover und das Hemd das darunter zum Vorschein kam, waren verschwitzt. Vorsichtig zog sie ihm beides aus und kam nicht umhin, seinen muskulösen Oberkörper zu mustern. Dieser war überzogen von tiefen und weniger tiefen Narben. Sie konnte nicht wiederstehen eine davon zu berühren... Als er sich bewegte, zuckte sie jedoch zurück und suchte in seinem Rucksack, nach einem frischen Hemd. Nach einer Weile wurde Arya fündig und versuchte ihn möglichst nicht zu wecken, als sie ihm das Kleidungsstück über den Kopf zog. Mitzubekommen schien er davon allerdings nichts. Zu guter Letzt breitete sie alle Decken und Felle über ihm aus, die sie dabei hatten. Sie selbst würde diese Nacht sowieso nur Wache halten, denn ihr Lager war nicht so geschützt, wie sie es gerne gehabt hätte.
Jaqen
Als er aufwachte fühlte sich sein Kopf bleiern an, trotzdem ging es ihm um einiges besser als vorher. Die Kopfschmerzen waren beinahe weg und das Fieber schien gesunken zu sein. Mit einem Blick auf die Zeltwand, bemerkte er, dass es Nacht war. Der Wind pfiff nur so um das Zelt und rüttelte an der Zeltplane. Die einzige Lichtquelle war die Laterne, die neben ihm stand und das Zelt in schummriges Licht tauchte.
Die Zeltplane wurde einen Spalt breit geöffnet und Arya kroch herein, gefolgt von einigen Schneeflocken.
"Du bist wach", sie klang erleichtert.
"Wie lange habe ich denn geschlafen?" Seine Stimme klang heiser und von dem vielen Husten, schmerzte es ihn zu sprechen.
"Eineinhalb Tage." Er war überrascht, aber das würde zumindest erklären, warum sich sein Körper so schwer anfühlte. Vielleicht lag es aber auch den Decken und den Fellen, die über ihm ausgebreitet waren.
"Und wie lange hat du geschlafen?", frage er als sie gähnte.
"Etwa drei Stunden." So sah sie auch aus. „Jetzt ist das Wetter allerdings so schlecht, dass wohl kaum jemand auf die Idee kommen würde, uns zu überfallen." Sie streckte sich, so gut es in dem kleinen Zelt eben ging, aus und starrte auf die Laterne. Er zog eine der Decken die sie über ihm ausgebreitete hatte, von dem Stapel und reichte sie ihr.
„Sonst wirst du auch noch krank." Sie nickte dankbar und kuschelte sich in die Decke. Bei dieser Geste, sah sie so kindlich aus wie eine Zwölfjährige… Erst in solchen Momenten, fiel Jaqen wieder auf, wie jung sie eigentlich war. Sie hatte für ihr Alter schon mehr gelernt und gesehen als viele Erwachsene, tief im Inneren war sie aber doch noch ein halbes Kind.
Nach einer Weile war sie eingeschlafen und drehte sich unbewusst um, so, dass ihr Kopf auf seiner Schulter ruhte. Dies nahm er lächelnd zur Kenntnis und war kurz darauf selbst wieder eingeschlafen.
So, das waren die ersten sieben Kapitel... Ich hoffe mal es hat euch bis jetzt gefallen ^^
Ich würde ja den Link zur deutschen Seite Posten (dort bin ich schon bei Kapitel 20), aber leider mag es diese Internetseite anscheinend nicht wenn man irgendwo fremde Links reinsetzt XD
LG und ich würde mich wirklich über eure Meinung freuen
mysery-girl
