Rock Bottom part two
Am Tiefpunkt Teil zwei
„Er redet kaum mit jemandem, Derek."
„Es sind schon zwei Wochen, Dad."
„Das ist nicht gesund."
„Ich dachte, dass wir ihm Hilfe besorgen."
„David, Wes, beruhigt euch.", sagte Derek, Davids Vater, zwei Wochen später ruhig, nachdem David und Wes in Davids Haus geplatzt waren. „Er geht zu einem Psychologen."
„Nun es funktioniert nicht. Er redet nicht, er kommt nicht aus seinem Zimmer und ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht einmal schläft.", sagte David eindeutig frustriert. Dieses ganze Blaine-meidet-die-ganze-Welt funktionierte für ihn nicht mehr.
„Ihr Jungs müsst versuchen für ihn da zu sein.", sagte der Mann seufzend.
„Er lässt uns nicht, Dad.", sagte David, die Geduld verlierend. „Er reagiert auf kaum jemanden außer dich, Mom oder Wes Eltern. Der einzige Grund, dass er das tut ist, weil er nicht undankbar erscheinen will."
„Ich kann ihn nicht dazu zwingen mit euch zu reden. Er ist keine Puppe, die ich etwas tun lassen kann.", sagte Derek sanft. „Er wird sich öffnen, wenn er bereit dazu ist."
„Und was, wenn er sich distanziert, so dass er versuchen kann sich umzubringen?", fragte Wes nervös.
„Blaine wird sich nicht umbringen. Er ist bloß enttäuscht.", versicherte er ihnen. „Wo ist er jetzt?"
„Bei mir Zuhause.", sagte Wes. „Ich mache mir Sorgen. Wir machen uns alle Sorgen. Ich denke nicht, dass der Psychiater hilft."
„Es sind erst zwei Wochen.", seufzte Davids Dad. „Psychiater sind keine Zauberer, Jungs. Es braucht Zeit. Blaine hat mir erzählt, dass sie ihm Medikamente gegeben – ."
„Medikamente? Er braucht keine Medikamente.", sagte David laut.
„Wir machen uns alle Sorgen.", sagte Derek scharf. „Wenn ihr etwas anderes wisst, was ihm hilft, bitte sehr. Aber ein Psychiater denkt, dass Medikamente helfen, also wird er sie nehmen."
„Dann rede mit ihm. Lass ihn sich besser fühlen.", stritt David. „Er braucht keine Medikamente."
„Es ist nicht für immer.", seufzte Derek. „Bitte hört auf, mich zu bitten, darüber zu reden. Wenn Blaine es euch nicht erzählt, dann will er wahrscheinlich nicht, dass ihr es wisst. Ich dachte, dass ihr es tut."
„Ja nun das ist wirklich lustig. Bevor er zum Psychologen gegangen ist, hat er uns alles erzählt.", schnappte David. „Und jetzt ist er wie ein Roboter."
„Lass deine Frustration nicht an mir aus. Es wäre unethisch von mir sein Psychologe zu sein. Ich habe ihn in die Hände eines Psychiaters gegeben, der ihm helfen kann. Sie ist sehr gut und sie hat Teenagern aus viel schlimmeren Situationen geholfen."
„Wen interessiert es, dass es unethisch ist?", schnappte David. „Du kennst ihn besser. Du kannst ihm besser helfen."
„Ich rede nicht mehr darüber.", sagte Derek. „Blaine ist momentan in guten Händen und es liegt nicht in meinem Ermessen. Ich kann ihm nicht so helfen, wie jemand anderes es könnte, eben weil ich ihn so gut kenne. Möchte ich, dass er Medikamente nimmt? Nein. Ich finde es auch nicht gut, dass er überhaupt in dieser Situation ist. Aber ich würde ihm lieber Medikamente geben und ihn einige Wochen introvertiert erleben, als ins Badezimmer zu gehen und ihn tot zu finden. Okay? Wenn ihm die Medizin hilft, sich okay zu fühlen, nicht zu weit gedrängt zu werden, dann solltet ihr eure Meinung für euch behalten – besonders wenn Blaine dabei ist. Geht ja nicht zu ihm und sagt, dass er sie nicht braucht oder dass es nicht helfen wird. So weit wir wissen, könnte es das einzige sein, was ihn am Leben hält."
David runzelte die Stirn.
„Ihr werdet ihm nicht sagen, dass er keine Therapie oder Medikamente braucht.", fuhr Derek fort. „Okay?"
„Gut, Dad. Aber ich denke nicht, dass es hilft.", seufzte David.
„Gebt ihm Zeit, Jungs. Er wird wieder.", sagte Derek.
Eine Woche später…
„David?"
David drehte sich im Bett um und zog sein Kissen über seinen Kopf.
„David…"
„Hmm?" David setzte sich auf, zog sein Kissen hinunter und sah verwirrt aus.
„Wach auf."
„Blaine? Bist du okay?", fragte David und versuchte sein Gehirn zum Arbeiten zu bewegen. Blaine hatte seit fast drei Wochen nicht mit ihm geredet. War etwas los? Er musste wach werden. Was wenn Blaine sich umbringen wollte?
„Du hast gesagt, dass ich zu dir kommen soll, wenn ich bereit bin zum Reden und ich bin es.", antwortete Blaine und setzte sich auf Davids Bett.
„Um vier Uhr morgens?", stöhnte David. „Kannst du nicht um zehn bereit sein?"
„Ich konnte nicht schlafen.", sagte Blaine.
„Bin wach. Bin wach." David rieb seine Augen.
„Sie haben mir Medikamente verschrieben.", sagte Blaine schnell. Er war seit Wochen nicht bereit gewesen zu reden. Er wollte es alles rausbekommen, bevor er seine Meinung ändern konnte. „Und es verursacht mir wirklich Magenschmerzen und lässt mich schwindelig werden. Und meine Brust bewegt sich ganz schnell."
David blinzelte, um einen klaren Blick zu bekommen und setzte sich gerader auf, seine Aufmerksamkeit auf Blaine richtend.
„Ich möchte sie nicht nehmen."
"Geht es dir besser?", fragte David und legte seinen Kopf schief. Er war noch immer geschockt, dass Blaine mit ihm redete.
Blaine schloss seine Augen. „Ich möchte nicht ja sagen, weil ich keine Medikamente brauchen möchte, um glücklich zu sein."
„Es ist keine permanente Sache.", sagte David sanft. „Richtig?"
„Sie hat gesagt fünf oder sechs Monate." Er öffnete seine Augen nicht und zog seine Knie zu seiner Brust. „Ich hasse es, David."
„Das ist nicht so lang.", bot David an und versuchte ihn sich besser fühlen zu lassen. „Vielleicht wird es dir bald besser gehen und du kannst früher aufhören sie zu nehmen."
„Sie sagt immer ‚Gute Besserung' als ob ich krank wäre." Blaine runzelte die Stirn.
„Möchtest du dich immer noch… umbringen?", fragte David ihn und seine Stimme klang eher wie die eines Zwölfjährigen als die eines Sechzehnjährigen.
Blaine sah zur Decke und schluckte. „N… Nein. Im Moment nicht."
David seufzte erleichtert.
„Es geht mir immer noch nicht… gut.", gab Blaine zu, sah ihn an und biss sich auf die Lippe.
„Es wird besser.", versprach David ihm.
Tränen füllten Blaines haselnussbraune Augen, aber er nickte ein schwaches Lächeln erzwingend. „A-Alle sagen das, aber es ist s-schwer zu glauben."
„Du hast dich bereits so daran gewöhnt, wie deine Eltern dich behandeln. Sobald du realisierst, dass es vorbei ist, wird es dir besser gehen.", sagte David.
„M-Meinst du?", fragte Blaine hoffnungsvoll, ihn ansehend.
„Ich weiß es.", nickte David. „Aber wenn du uns alle ausschließt, wirst du nicht sehen wie anders es sein wird."
Blaine holte tief Luft. „Ich… schäme mich einfach so."
„Schämen?", fragte David. „Warum? Was meinst du?"
„Ich fühle mich schlecht, weil ich euch solche Angst gemacht habe… und ich schäme mich, weil ich so etwas auch nur in Betracht gezogen habe… und in letzter Zeit war ich so frustriert, weil ich dir und Wes davon erzählen wollte, es aber nicht konnte.", seufzte Blaine. „Macht das Sinn?"
„Ich denke schon.", nickte David. „Aber du musst dich deswegen nicht schlecht fühlen oder dich schämen. Und wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, setz dich zu uns und sag nichts. Wes und ich wollen nur für dich da sein… Du musst dich nicht dazu gezwungen fühlen zu reden, aber schließ uns nicht aus, wenn du uns brauchst."
„Ich schätze, ich gewöhne mich noch immer daran." Blaine sah wieder zu ihm auf und fühlte Dankbarkeit gegenüber seinem Freund. `Du musst dich nicht dazu gezwungen fühlen zu reden, aber schließ uns nicht aus, wenn du uns brauchst.´ Wenn er David nur gestanden hätte, dass er hatte reden wollen, aber es vor Wochen nicht gekonnt hatte… Er hätte sich wahrscheinlich leichter und fröhlicher gefühlt.
„Das wissen wir." David lächelte ihn leicht an. „Kannst du… kannst du mir versprechen, dass…"
„Dass was?", fragte Blaine.
„Dass du nicht versuchen wirst, dich umzubringen?", fragte David und klang wieder viel jünger als er war.
„Ich…" Blaine zögerte. Dachte er, dass er es tun würde? Nein. Aber manchmal fühlte er sich schrecklich… Er fühlte sich noch nicht ganz bereit dazu David dieses Versprechen zu geben. Noch nicht. Vielleicht bald, aber noch nicht.
„Oder kannst du mir zumindest versprechen, dass du mich oder Wes holen wirst, wenn du es wieder tun willst? So, dass wir dich besser fühlen lassen können?", flehte David.
„Das kann ich versprechen.", nickte Blaine. „Hey, David?"
„Ja?", fragte David.
„Kann ich heute Nacht hier bei dir schlafen?", fragte Blaine zögerlich. Er war sich nicht sicher warum, aber wollte nicht alleine sein. Vielleicht hatte er Angst, dass er, wenn er jetzt ging, wieder einige Tage nicht mit Wes und David reden wollen würde. „Ich möchte nicht mehr alleine sein."
David rutschte an die Bettkante und legte sich hin, sein zweites Kissen hervorziehend und es neben sich legend, damit Blaine es benutzen konnte.
„Danke.", wisperte Blaine, kroch unter die Decke und legte sich auf seinen Rücken. „Für alles."
„Würde es schwul erscheinen, wenn ich plötzlich beginnen würde ‚You've Got A Friend In Me' zu singen?" David rollte sich auf die Seite und grinste.
„Nicht schwul. Nur verrückt.", sagte Blaine und lachte, was wirklich nicht gezwungen war. Ja. Er hätte wirklich früher zu David kommen können, um zu reden.
„Ich habe nicht nur versucht, dich besser fühlen zu lassen als ich gesagt habe, dass alles in Ordnung kommt.", sagte David ernst, ihn anstoßend. „Das wird es. Vertrau mir, gib der ganzen Sache etwas Zeit und du wirst es sehen."
„Versprochen?", fragte Blaine ihn anblinzelnd.
„Kleiner-Finger-Schwur.", sagte David und streckte seinen kleinen Finger aus.
Blaine lachte wieder, ihre kleinen Finger verschränkend. „Weißt du was passiert, wenn du solche Versprechen brichst?"
„Nein. Weißt du es?", fragte David neugierig.
„Nope." Blaine schüttelte seinen Kopf.
„Dann finden wir es besser nicht heraus." David zwinkerte und rollte sich dann zurück auf den Rücken. „Du wirst morgen mit mir reden, richtig?"
„Ja.", versprach Blaine, rollte sich auf die Seite und sah Davids Wand an. „Gute Nacht, David."
„Nacht, Blaine. Weck mich, wenn du mich brauchst.", gähnte David bevor er einschlief.
„Du meinst er hat mit dir geredet?", fragte Wes am nächsten Tag eifrig.
„Ja. Er schläft noch, aber er hat. Er hat mich mitten in der Nacht geweckt und wir haben geredet. Er hat mir von den Medikamenten erzählt… Er mag es nicht, sie zu nehmen.", sagte David, gab Wes ein Cola und setzte sich dann auf seine Couch. „Ich denke, dass er Probleme hat, es nicht alleine schaffen zu können oder so…"
„Was, wenn er nicht mehr redet? Was, wenn er wieder dazu zurückgeht, den ganzen Tag allein rum zu sitzen?"
„Wird er nicht.", gähnte Blaine herunter kommend.
„BLAINERS, MEIN LEBEN!", schrie Wes, stand auf und ruderte mit den Armen.
„Hallo, Wes.", sagte Blaine, amüsiert aussehend.
„Was is los?", fragte Wes und nickte mit dem Kopf, als ob er sich nicht wie ein Verrückter verhalten hatte.
„Und ich habe Wochen damit verbracht zu denken, dass ich komisch bin.", murmelte Blaine und setzte sich zu David auf die Couch.
Wes setzte sich wieder, Blaine anstarrend. „Du hast dich mit ihm verbündet. Du musst mir alles erzählen, was du ihm gesagt hast, sodass ich mich integriert fühle. Und damit du nicht deprimiert bist, wenn du davon erzählst, werde ich übertriebene Gesichtsausdrücke und Geräusche machen. Okay?"
„Ist das sein Ernst?", fragte Blaine David ansehend.
„Traurigerweise.", nickte David.
„Nun, es tut mir Leid. Ich war bloß wirklich frustr – was tust du?", fragte Blaine.
„Das ist ein Stirnrunzeln.", sagte Wes. „Ein übertriebenes."
„Es sieht aus als ob dein Gesicht schmilzt."
„Fahr fort." Wes gestikulierte mit seiner Hand, der Gesichtsausdruck kehrte nicht zum normalen zurück.
„Du machst dich total lustig über mich und ich versuche hier ernsthaft zu rede – weinst du?"
„Das ist alles so schrecklich.", schluchzte Wes höhnend.
„Wes-."
„ICH WERDE DICH VOR DEN DEMENTOREN BESCHÜTZEN, BLAINE!"
„Ich geb's auf.", lachte Blaine, als Wes seine Arme um Blaine schlang und seinen Kopf an seine Brust zog.
„Shh, sag nichts. Wir brauchen keine Worte.", sagte Wes durch sein Haar streichend.
„Du hast seit Wochen versucht, mich dazu zu bringen mit dir zu reden.", sagte Blaine, die Stimme durch seine Brust gedämpft.
„Shh, es ist okay. Weine nicht.", sagte Wes. „Wir werden es zusammen durchstehen, Muffin."
„Wes!", lachte Blaine wieder.
„Ja, Muffin?", fragte Wes.
„Nenn mich nicht Muffin.", sagte Blaine sehr ernst.
„Okay, Muffin."
„Also wirst du damit weitermachen, sofort ins Spaßland zurück zu kehren?", fragte Blaine und schüttelte seinen Kopf. Nicht, dass es ihn wirklich störte. Er wusste, dass Wes ernst sein konnte, wenn er es musste, aber manchmal war es schön, Wes so zu haben… nun ja so lustig. Er musste zugeben, dass er sich besser fühlte, als in letzter Zeit und er hatte keine fünf Minuten mit Wes verbracht.
„Warum sollte ich jetzt die Stimmung ruinieren?", fragte Wes. „Ich denke nicht, dass du in den letzten Wochen gelacht hast."
Blaine biss sich auf die Lippe, lächelnd. „Danke, Wes."
„Jederzeit, Schweinekotelett."
Blaine ließ seinen Kopf hängen. „Können wir wieder zu Blainers zurückkehren?"
"Nein, Blaubeere. Nervt es schon?"
„Nur ein wenig.", seufzte Blaine, als David heimlich aufstand und zu der Treppe zeigte. Blaine nickte, als Wes nicht hinsah und wartete auf seine Chance, sich heraus zu schleichen.
„Gut, weil ich noch viel mehr Namen habe.", grinste Wes. „Macht es euch bequem, Gentlemen. Wir werden eine Weile hier sei- Verdammt. Sie sind wieder abgehauen. Sie tun das viel zu oft. Ich beginne zu denken, dass sie romantische Momente haben, wenn sie das tun."
„Ja, richtig!", rief David, als Blaine oben zu würgen begann.
Danke für die Reviews!
