So, hier das zweite Kapitel am heutigen Tag... und da nun endlich mehrere männliche Bekannte Personen auftauchen, finde ich, dass es nen Review wert ist... ich hab doch sonst nix träne wegwisch/schnief ;-)
Schon von weitem sah Alassë fünf Gestalten unter einem großen Apfelbaum sitzen. Valandil ging zielstrebig auf sie zu, Alassë folgte dicht hinter ihm. Als sie die fünf erreicht hatten, betrachtete sie mehr den Apfelbaum, als die darunter sitzenden Personen. Sie kannte das was folgen würde nun schon auswendig, und so kam es ihr wenigstens vor als würde sie den nervigen Blicken entgehen.
„Seit gegrüßt, liebe Freunde. Ich möchte euch Alassë vorstellen. Ihr habt ja sicher schon vernommen, dass sie gestern Abend hier angekommen ist. Alassë, darf ich dir vorstellen: Rúmil, Orophin, Gimli, Legolas und..."
Den letzten Namen bekam Alassë schon gar nicht mehr mit. Höflich lächelnd hatte sie die ihr vorgestellten Personen mit einem Blick bedacht. Jäh blieb ihr Blick auf der vierten Person hängen. Legolas. Der Elb aus dem Wald, der sie am Morgen mit seinem Bogen bedroht hatte. Auch er sah sie an. Schnell löste sie ihren Blick von ihm und ließ sich neben Valandil, der sich bereits hingesetzt hatte, ins Gras gleiten. Unsicher schaute sie zu Valandil. Der jedoch hatte sich schon in ein Gespräch vertieft und nahm momentan eher wenig Notiz von Alassë. Sie blickte ins Gras und zupfte ein wenig daran herum, nahm eine kleine Blume und spielte ‚Er liebt mich, er liebt mich nicht'. Irgendwann wurde ihr aber auch das langweilig. Die Zeit die sie hier saß hatte sie kein einziges weiteres Mal aufgeblickt, spürte aber dass Blickte zeitweilig auf ihr lasteten. Endlich packte auch sie die Neugier und sie begann die einzelnen Personen zu betrachten. Zuerst Rúmil, dann Orophin. Beides blonde Elben, die sich sehr ähnlich sahen. Wahrscheinlich waren sie irgendwie verwandt, Brüder oder so. Aber da hier die meisten eh wie Mitte 20 aussahen, konnten es ja auch gut Vater und Sohn sein... Man wusste ja nie was dieses abgedrehte Land hervor brachte, dachte sich Alassë, und schickte sich an nun Gimli zu betrachten, bevor sie wieder über die Schönheit der Elben zu philosophieren begann. Gimli war offensichtlich kein Elb, so weit war es klar. Hatte Valandil nicht von ihm erzählt? Einer der Gefährten. Ein Hobbit oder ein Zwerg. Sie konnte sich daran erinnern, dass Hobbits wohl aussahen wie Kinder, dieser bärtige Mann also ein Zwerg sein musste. Eigentlich war dies auch nicht schwer zu erkennen. Lachend blickte er sie nun an und schien beschlossen zu haben, nun auch sie am Gespräch zu beteiligen. Während Valandil weiter mit den anderen redete, richtete Gimli das Wort an Alassë.
„Alassë, man hört ja so einiges über Euch. Der ganze Wald redet nur von Eurer Ankunft am gestrigen Abend."
Das Lachen schien ihm angeboren, kein einziges Mal war es von seinem Mund gewichen, seit Alassë bei ihnen saß. Er schien ihr weitaus sympathischer als der Rest der Leute, denen sie vorgestellt worden war. Zudem schien es ihr als bräuchte man bei ihm keine Angst haben was man sagte oder ob es gerade angemessen war. Dieses Gefühl hatte sie eigentlich bei jedem Elben bis auf Valandil.
„Oh Gott, sag du zu mir, das hört sich ja sonst komplett bescheuert an. Und ja hab schon gemerkt, dass ich hier für sehr viel Wirbel sorge... so irgendwie."
„Ach mach dir keine Sorgen, was meinst du wie ich hier am Anfang angeschaut wurde. Ein Zwerg. In der heiligen Stadt der Elben! Manche Dinge sehen diese feinen Herren ein wenig zu ernst. Und neugierig sind sie, wie kleine Kinder!"
Sofort wurde er mit gespielt bösen Blicken von den Elben um ihn herum bedacht. Er lachte jedoch nur, und sie wandten sich wieder ihrem eigenen Gespräch zu.
„Siehst du was ich meine? Aber nun erzähl mal, was ist da vor sich gegangen? Hab ich erwähnt, dass wir Zwerge auch sehr von der Neugier getrieben werden?"
„Ja besonders wenn es um hübsche Frauen geht.", warf Rúmil ein.
„Na dann kann ich ihn ja nun nicht enttäuschen.", wandte sich Alassë an Rúmil. „Also Gimli, ich weiß selbst nicht was da alles passiert ist. Und mir sagt ja hier niemand etwas, stur sind sie auch noch!"
„Oh ja, wem sagst du das. Als ich Legolas hier, kennen gelernt habe, immer musste es nach seiner Meinung gehen."
Lachend boxte er Legolas in die Seite, welcher ihn empört anschaute. Zum ersten Mal seit Beginn des Gesprächs, schaute sie Legolas wieder an. Beschwörend blickte auch er sie an. Hinter erhobener Hand flüsterte er:
„Glaub ihm kein Wort, ich wurde einmal sogar mit seiner Axt beworfen, nur weil er zuerst essen wollte."
„Ach von ihm hast du die plötzlichen Attacken gelernt!"
Neugierig rückte Gimli näher zu Alassë, die sich ein Grinsen in Legolas' Richtung nun nicht mehr verkneifen konnte.
„Hast du schon nähere Bekanntschaft mit unserem Prinzen gemacht? Verrätst du mir dein Geheimnis? Bei mir hat er noch nie so schuldbewusst ausgesehen."
Gespielt empört hob Alassë ihre verbundene Hand.
„Der Herr hat zuviel mit Pfeil und Bogen gespielt. Scheint nicht ausgelastet zu sein.", raunte sie Gimli zu, der sich sichtlich beherrschen musste und sich nun an Legolas wandte.
„Sie bringt es auf den Punkt mein Lieber! Ich kann es aber für dich auch gerne noch einmal deutlicher sagen: Du kriegst einfach keine ab!"
„Oh ja, ich sehe dich auch tagtäglich mit deiner Herzensdame auf einer Blumenwiese liegen und Grashalme zählen.", spöttelte Legolas nun seinerseits.
„Nun, zumindest Alassë ist von mir mehr angetan als von dir. Kein Wunder, wenn du auch immer gleich so scharfe Geschütze auffahren musst. Ist ja sonnenklar, dass du damit jedes weibliche Wesen verschreckst."
„Ich dachte sie wäre..."
„Sie wäre was? Ein Ork?", fiel Orophin ihm ins Wort. „Also da hatte ich dir aber mehr zugetraut. Dann ist die königliche Erziehung wohl doch nicht so gut wie überall behauptet wird. Schau sie dir einmal ganz genau an. Wo siehst du auch nur das kleinste Anzeichen für eine Bedrohung?"
Alassë merkte wie sie unter den nun folgenden Blicken, der um sie Sitzenden, errötete.
„Die Schuhe... Sind das überhaupt Schuhe Alassë? Na jedenfalls, sehen die sehr gefährlich aus. Die hat Legolas sicher als Bedrohung angesehen.", beendete Rúmil die Betrachtungen.
„Wenn ihr weiter spottet, befehle ich meinen Dienern euch in meinen königlichen Kerker zu werfen."
Legolas saß nun kerzengerade, und blickte übertrieben eingebildet in den Himmel.
„Abgesehen davon dass du gar keinen Kerker besitzt geht es dir aber noch gut, oder?", fragte Valandil lachend. „Und Alassë ich habe von vornherein gesagt, dass du unpassend gekleidet bist."
„Woher soll ich denn wissen, dass ich statt in einem Club im Wald lande?"
„Wo wolltest du eigentlich hin?", fragte sie der Elb dessen Namen sie nicht mehr mitbekommen hatte.
„In einen Club."
„Und das wäre...?", wandte sich nun auch Orophin an sie.
„Hätte ich mir ja denken können, dass so etwas nicht zu eurer kulturellen Bildung gehört. Ein Club, ist ein großer Raum oder oft auch mehrere zusammenhängende Räume. Man bezahlt Eintritt und da wird oft sehr laute Musik gespielt, man tanzt und trinkt, lernt Leute kennen. Und so weiter halt."
„Was für Musik habt ihr denn in eurer Welt?" Rúmil sah sie neugierig an.
„Ich glaub nicht, dass man das erklären kann. Es gibt halt viele verschiedene Richtungen. Klassik, Pop, Rock, Techno, RnB , Jazz, Country. Und noch viele andere, auch Variationen zwischen den einzelnen. Viele sind mit Gesang, und von Instrumenten begleitet..."
Alassë versuchte noch eine Weile die Musik, die sie in ihrer Welt hatten zu erklären. Ihre Zuhörer schienen sie jedoch kaum zu verstehen und stellten immer wieder Zwischenfragen, wenn sie ein Wort nicht kannten und so kamen sie von einem Thema zum nächsten. Valandil versuchte ihr ein wenig bei den Erklärungen zu helfen, hatte er doch vieles schon selbst gesehen oder gehört. Seine Wertung der meisten Dinge fiel jedoch nicht sehr positiv aus. Schon bald diskutierten alle untereinander über den Sinn oder Unsinn mancher Gegenstände oder anderem. Gerade wandte sich Gimli wieder an Alassë.
„Kommt mir doch alles sehr merkwürdig vor, was du da erzählst. Gefällt es dir da wirklich?"
„Ja natürlich, ich bin doch dort aufgewachsen. Und es ist alles gar nicht so schrecklich wie Valandil das sagt. Du müsstest das eben mal selber sehen. Ist schon schlecht vorstellbar irgendwie."
„Und was machst du da in dieser Welt? Du wirst ja wohl kaum umherreisen, wie wir es schon so oft getan haben."
„Nein quatsch. Ich geh noch zur Schule."
„Schule?"
„Habt ihr so etwas nicht? Ist ja wie im Mittelalter hier. Kinder von 6 bis 16 oder bis 19 Jahren gehen zur Schule. Großes Gebäude, wo einem Erwachsene etwas beibringen."
„Oh. Sollten wir hier vielleicht auch einführen, dann würde Legolas auch einen Ork von einem Mädchen unterscheiden können.", erneut brach Gimli in schallendes Gelächter aus. „Nein, aber zurück zu dir. Hast du denn einen Mann in deiner Welt? Oder lebst du noch bei deiner Familie?"
„Weder noch. Ich wohne allein. Meine Eltern sind vor ein paar Jahren gestorben. Hab dann eine Weile bei meiner Tante gelebt, aber mit einer eigenen Wohnung ist es wesentlich besser. Oh da fällt mir ein,... Valandil du hast meine Frage von vorhin noch immer nicht beantwortet. Ob du eine Freundin hast..."
Valandil unterbrach sein Gespräch mit Legolas und wandte sich Alassë zu.
„Du meinst eine Frau die ich liebe?! Nun ja, es gibt da eine Frau, aber ich bin nicht an sie gebunden."
„Aber ihr seit zusammen oder was?"
„Wie meinst du das?"
Seufzend blickte Alassë Valandil an, hier konnte man anscheinend keine Unterhaltung führen ohne zehn Fragen zu beantworten und irgendwelche Sachen zu erklären.
„Ich schätze das ist bei uns mal wieder anders als hier. Na ich meine halt ob du mit ihr zusammen bist. Ob du sie gern hast, oder gar liebst. Und sie fühlt das gleiche. Du bist gern in ihrer Nähe, weißt aber noch nicht ob das ein Gefühl von Dauer ist. Es gibt also keine andere Frau für dich und für sie keinen anderen Mann, es ist aber noch keine feste Bindung. Wenn beide dann davon überzeugt sind, dass es für immer halten wird, dann wird normalerweise geheiratet. Okay es gibt natürlich auch Hochzeiten die aus einem anderen Grund geschlossen werden als Liebe. Obwohl ich Liebe den anderen Gründen doch vorziehe."
Verblüfft blickte Valandil sie an, auch Gimli und Legolas schauten ähnlich.
„Ihr testet also erst einmal verschiedene Menschen bevor ihr euch festlegt?'"
„Na so ungefähr. Ohne dass man eine Weile mit einer Person in einem engeren Verhältnis gestanden hat kann man doch nicht sagen, dass mein den Rest seines Lebens mit dieser Person verbringen möchte. Was ist denn wenn nach mehreren Monaten plötzlich heraus kommt, dass man kaum etwas gemeinsam hat, dass einen unterschiedliche Sachen interessieren, und dass man keine Liebe für die andere Person empfindet?"
„Wir Elben lieben nur einmal in unserem ganzen Leben. Wenn das Gefühl einmal da ist, dann wird es nicht wieder verschwinden. Bei uns gibt es nur einen einzigen Partner und keine Proben verschiedener möglicher Personen."
Nachdenklich blickte Alassë in die Ferne. Wenn es so etwas in ihrer Welt gäbe, würden sicher sehr viel weniger Probleme existieren. Da war sie sich sicher. Sie wandte ihren Kopf zu Rúmil, als dieser das Wort erneut an sie richtete.
„Was für andere Gründe als Liebe habt ihr denn zu heiraten?"
„Na ja ich kann da ja nur für andere sprechen, aber es kommt schon mal vor, dass wegen eines Babys geheiratet wird. Oder auf Grund sozialer Vergünstigungen, aber fragt da lieber nicht weiter. Das Soziale System versteh ich ja kaum selber."
„Wegen eines Kindes? Bevor ihr euch fest bindet habt ihr...?"Der Elb, dessen Namen Alassë noch immer nicht kannte sprach nicht weiter, sah sie nur mit großen Augen an. Auch die anderen blickten sie ungläubig an.
„Alassë, du hast doch nicht auch...?"Forschend und noch immer entsetzt über die neue Information sah Valandil sie an.
Perplex starrte sie ihn an und stand auf. Das Gespräch hatte eine Wendung genommen die sie nicht erwartet hatte. Und wie kam Valandil dazu sie so etwas zu fragen. Noch dazu vor anderen Leuten.
„Bitte? Geht dich das irgendetwas an?"
Und mit diesen Worten drehte sie sich um und beschloss, dass es Zeit war zurück in ihr Zimmer zu gehen. Sie ignorierte die Rufe die hinter ihr erklangen. Erst wurde sie gegen ihren Willen hierher verschleppt, wurde dann andauernd mit irgendwelchen Bögen bedroht, und dann musste sie sich auch noch rechtfertigen über Dinge, die Fremde Leute nun mal nichts angingen. Da sie sich nicht noch einmal umschaute, konnte sie nicht die schuldbewussten Gesichter, der Zurückgebliebenen sehen. Leise machte sich Valandil Vorwürfe für das Gesagte. Er hatte nicht darüber nachgedacht, wie sie darauf reagieren würde. Was war nur los mit ihm? Es schien als würde er jegliche Kontrolle, die er normalerweise über sich hatte, verlieren, wenn Alassë in der Nähe war. Er dachte nicht mehr nach. So wie es die Menschen taten, wie sie es jetzt tat.
Auch die anderen waren in ein nachdenkliches Schweigen verfallen. Über die andere Welt von der Alassë erzählt hatte, und auch über Alassë selbst. Sie schien so anders und gleichzeitig genau wie sie auch waren. Hatte sie doch mit ihnen gelacht und geredet, als würden sie sich schon länger als nur etwa eine Stunde kennen. Lange hatten sie keinen Menschen mehr getroffen, der sich ihnen ebenbürtig benahm. Es war oft ermüdend, wenn jeder ihnen nur mit Ehrfurcht und Demut, ja sogar Angst begegnete. Alassë war erfrischend gewesen und sie hatten sie verletzt.
Eine Weile schon saß Alassë wieder am Fenster in ihrem Zimmer und dachte über die Geschehnisse des heutigen Tages nach. Hatte sie überreagiert? Diesen Gedanken schob sie schnell wieder von sich. Wieso musste sie sich in dieser Welt Vorwürfen stellen, wenn sie bis vor wenigen Wochen nicht einmal gewusst hatte, dass diese existierte, geschweige denn, dass sie jemals hier sein würde. Leise klopfte es an ihrer Tür, und als sie nicht antwortete hörte sie wie sie sich langsam öffnete. Ohne sich umzublicken wusste sie, dass es Valandil war.
„Alassë, verzeih mir. Ich war unhöflich und meine Frage war nicht angebracht."
Mit funkelnden Augen drehte sie sich zu ihm um. So einfach würde sie den Ärger nicht runterschlucken. Ihre ganze Enttäuschung, ihre Hilflosigkeit und Angst darüber, dass sie nicht wusste was passierte, brach nun aus ihr heraus.
„Ach? Nicht angebracht? Das hast du aber verdammt schnell gemerkt. Weißt du eigentlich wie es mir geht? Ich werde aus meinem Leben gerissen, niemand beantwortet mir meine berechtigten Fragen, und dann noch so etwas. Nachdem du aus meiner Wohnung verschwunden warst, habe ich fast nur noch daran gedacht was geschehen ist, ob es geschehen ist und warum es überhaupt geschehen ist. Ich habe praktisch Tag und Nacht darüber nachgedacht. Habe die Hoffnung auf eine Erklärung nicht aufgegeben. Es musste doch einen Sinn gehabt haben. Wegen dir habe ich mich mehr als einmal mit meinen Freunden gestritten, habe mir fast sogar gewünscht hierher zu kommen, um diese Gedanken über alles endlich zu beruhigen. Und nun wo ich hier bin, weiß ich dass ich besser da geblieben wäre wo ich herkomme. Nicht das ich das irgendwie bestimmen könnte. Nein ich bin ja nur ein kleines Kind, und es ist völlig egal was ich will. Ja trampelt ruhig weiter auf mir rum."
Sie hatte zwischen den Sätzen kaum Luft geholt und ignorierte nun den verletzten Blick Valandils. An ihm vorbei stürmte sie ins Freie und lief wieder einmal vor einer Diskussion davon.
Valandil blickte ihr nicht nach, zu sehr hatten ihn ihre Worte getroffen. So hatte er die Situation nicht betrachtet. Er verstand sie. Auch dass ihre Worte im Affekt härter ausgefallen waren, wie sie sie gemeint hatte. Doch das änderte nichts daran, dass sie Recht hatte.
