Kapitel 8
Sie hatte geduscht. Lange hatte sie unter der Dusche Mut gesammelt. Nun lag sie im Bett und schob ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter ihre Hand unter ihr Kopfkissen. Ihr Atem beschleunigte sich als sie den Griff der Desert Eagle zog sie die Waffe hervor. Sie blickte in dem fast stockdunklen Raum hinüber zum Nachbarbett. Unter ihrer Bettdecke zog sie so leise wie möglich den Schlitten zurück und lud durch.
„Ich habe das gehört", sagte Cameron leise.
Riley zuckte zusammen und richtete die Waffe in Camerons Richtung. „Ich weiß was Du bist".
„Bist Du hier um mich zu töten?" Fragte Cameron ruhig.
Riley überlegte eine Sekunde. „Bist Du hier um mich zu töten?"
Cameron blickte auf die Waffe, die sie in aller Deutlichkeit sehen konnte. Sie hatte sie längst entdeckt und wusste, dass sie mit panzerbrechender Munition geladen war. Dennoch hatte sie darauf verzichtet das auch für sie gefährliche Instrument unschädlich zu machen. Hektisch blinkte eine Warnung auf ihrem HUD. „Nein".
„Warum sollte ich Dir glauben?"
„Weil Du noch lebst. Weil Du Deine Waffe noch hast. Und weil Du meine Freundin bist", sagte Cameron mit aller Überzeugung.
„Was bedeutet einem von Euch schon Freundschaft?" Deutlich war Sarkasmus aus Rileys Stimme herauszuhören.
„Ich bin anders", entgegnete Cameron simpel.
„Ach echt?"
Cameron schaltete das Licht ein. Kurz blickte sie auf die Waffe. Sie erhob sich.
Riley hob die Waffe, ihre Hand zitterte und sie hatte Schweiß auf der Stirn.
Cameron sah in Rileys Gesicht. Dann ging sie neben ihrem Bett auf die Knie. Sie öffnete die Schublade ihres Nachttischchens und streckte die Hand hinein. Als Sie wieder herausgezogen wurde hielt sie ein Springmesser. Cameron lies das Messer aufschnappen.
„Was hast Du vor?" Fragte Riley mit Panik in der Stimme.
Cameron antwortete nicht. Sie führte das Messer zum Kopf. Unter Rileys entsetztem Blick schnitt sie unter hörbarem Knirschen in ihre Kopfhaut. Dann klappte sie den Hautlappen zurück. Sie schob das Messer in den Spalt und hebelte den Deckel ihres Chipportes ab.
Riley war bis in die tiefsten Tiefen ihres Selbst erschüttert. Sie zitterte am ganzen Körper.
Cameron drehte den Kopf und sah zu ihrer Freundin. „Ich entriegle meinen Chip. Damit werde ich abgeschaltet. Du musst nur noch den Chip herausziehen und zerstören".
„Was!?" Riley wurde langsam hysterisch.
„Du bist meine Freundin, meine Familie. Ich vertraue Dir".
„Aber was...?"
„Eine viertel Umdrehung nach Rechts wird mich reaktivieren. Andernfalls musst Du meinen Chip und meinen Körper vollständig zerstören. Die Technik darf nicht in falsche Hände gelangen", sagte Cameron und griff in den Port. Nach einer kurzen Bewegung ihrer Hand fiel der Arm kraftlos zu Boden und Cameron sackte zusammen.
Riley brauchte eine Weile bevor sie sich erhob und zu Cameron ging. Sie zögerte einige Sekunden bevor sie sich über Cameron beugte. Sie griff an den Chipport. Ihre Finger ertasteten den Chip und...
(Riley atmete tief durch.)
….. zogen ihn heraus.
