November


„Granger, Longbottom, erklären Sie sich!" Professor McGonagall bedachte die beiden Schüler vor sich mit einem strengen Blick, dann betrachtete sie das Frettchen, dass ihr Hermine immer noch entgegenstreckte. Sein Fell war zerzaust und es schien ziemlich verstimmt zu sein.

„Ich habe mich schon eine Weile gefragt, was mit Franklin nicht stimmt", begann die junge Hexe zu berichten. „Schließlich hat Neville vorgeschlagen zu Remus… Ich meine, zu Professor Lupin zu gehen. Hagrid hat vermutet, er könne ein Animagus sein…", sprudelte es aus ihr heraus, bis sie, immer noch außer Atmen, nach Luft schnappen musste.

„Er ist keiner", fügte Lupin hinzu. „Ich konnte mit dem Enttarnzauber nur feststellen, dass das Frettchen nicht seine angeborene Gestalt ist."

„Es ist Malfoy!", rief Neville schließlich dazwischen.

Die Schulleiterin schüttelte den Kopf, schloss kurz die Augen und wiederholte: „Sie wollen mir nun also erzählen, dieses Tier hier sei Draco Malfoy?"
Eifriges Nicken von den Jugendlichen. Remus fuhr sich währenddessen nachdenklich durch die Haare.
„Und wie kommen Sie darauf?", hakte McGonagall nach. Das klang doch alles sehr nach einem schlechten Scherz. Aber von diesen beiden… Nun, eher unwahrscheinlich.

„Na ja, er ist eitel, arrogant und ziemlich narzisstisch", zählte Hermine auf.

„Und sehen Sie sich doch nur mal die Farben des Pullis an", ergänzte Neville. „Er hat ihn so verändert."

Abwägend wiegte Lupin den Kopf hin und her. „Die Spontanzauber nicht zu vergessen."

„Und die grauen Augen", warf die Schulsprecherin ein.

Mit einer energischen Handbewegung brachte McGonagall die Anwesenden zum Schweigen, dann beugte sie sich ein wenig zu dem Tier vor und fragte: „Mr. Malfoy, sind Sie das wirklich?"
Zugegeben, sie kam sich reichlich seltsam dabei vor, aber ihr war schon so einiges untergekommen in ihrem Leben.
Das Frettchen nickte und schaute beleidigt drein.

„Merlin, das…" Sie wandte sich um zu einem der Gemälde. Der Portraitierte hatte schwarzes Haar, dunkle Augen, einen Bart und schmale Brauen. Er trug einen dunkelgrünen Umhang.
„Phineas, hol Severus her. Er müsste in seinem Büro sein. Sag ihm, es geht um den jungen Malfoy."

Der ehemalige Schulleiter Phineas Nigellus Black nickte knapp und verschwand aus seinem Rahmen.


Es dauerte nur ein paar Minuten, als die Tür zum Büro erneut aufflog und Snape erschien. Wie immer glich er einer zu groß geratenen Fledermaus, sein Gesichtsausdruck war noch verbissener als sonst und Hermine meinte in seinen dunklen Augen unterdrückte Aufregung zu sehen.
Neville zuckte neben ihr leicht zusammen, als der Tränkemeister herein rauschte.

„Was ist mit Draco?", schnappte der Lehrer, offenbar nicht gewillt lange um den heißen Brei herumzureden.

„Nun Severus, Miss Granger und Mr. Longbottom scheinen Mr. Malfoy gefunden zu haben", erklärte die Schulleiterin.

Mit einem undurchdringlichen, schwer einzuschätzenden Blick, der den armen Neville unwohl zu Boden starren ließ, musterte er die beiden Gryffindors.
„Und wo ist er?", fragte er langsam.

„Hier, Professor." Hermine hob Franklin, ähm, Malfoy hoch und der Schwarzhaarige konnte ein gewisses Erstaunen nicht verbergen, was aber sofort in Unglaube und Misstrauen umschlug.

„Das ist ein Frettchen, Miss Granger."
Das Tier wand sich im Griff des Mädchens und fiepte hektisch.

„Severus, ich fürchte, der Junge wurde verwandelt", redete McGonagall auf ihn ein.

Immer noch nicht recht überzeugt wandte sich Snape an das Tier, musterte es aufmerksam.
„Die Augen…", stieß er ungläubig hervor. „Draco?"

Wieder nickte das Frettchen, diesmal sehr energisch.

„War es ein Trank, den du genommen hast?"
Heftiges Kopfschütteln.

„Ein Zauber", schlussfolgerte er.

„Nun denn, ich denke, wir sollten Mr. Malfoy dann wieder zu einem Menschen machen", mischte sich Lupin ein.

„Sehr richtig. Wenn er die ganze Zeit… Merlin. Miss Granger, setzten Sie ihn ab", ordnete die Schulleiterin an und zog ihren Zauberstab, nachdem das Mädchen ihr vermeintliches Haustier auf den Boden gelassen hatte.

Hermine wollte am liebsten sterben vor Scham. Die ganze Zeit über war Malfoy bei ihr gewesen. Sie hatte ihm ihre Sorgen anvertraut, ihm Dinge erzählt, die sie sonst keinem gesagt hatte, er hatte in ihrem Bett geschlafen, sich an sie gekuschelt, sie hatte ihm den Bauch gekrault und bei allem, was Gryffindor heilig war, sie hatte mit ihm gebadet! Sie spürte, wie ihr Kopf hochrot wurde, ihr Hitze in die Wangen schoss.

Warum ausgerechnet Malfoy? Er würde sie für den Rest des Schuljahres demütigen. Womit hatte sie das bloß verdient?
Sie fuhr sich kurz mit den Händen über die Wangen. Sie waren unangenehm warm und sie beobachtete dann, wie Professor McGonagall ihren Zauberstab schwenkte. Aus dem schlanken weißen Tier wurde unter dem reißenden Geräusch des kleinen Strickpullis wieder ein junger Mann und, bei Merlins fliegenden Kesseln, einen Moment lang konnte Hermine nicht anders als Malfoy mit weit aufgerissenen Augen anzustarren, bevor sie beschämt den Blick abwendete.

„Oh, Severus, würden Sie dem Jungen bitte…" Die alte Hexe hielt sich die Hand vor die Augen, während die von Draco blitzartig nach unten geschossen war, um seine Blöße zu bedecken.

Verdammte Hippogreifenkacke, er hatte selbst nicht mehr daran gedacht, dass er in der Winkelgasse ja aus seinen Klamotten heraus geschrumpft war.
Sein Patenonkel hatte den Umhang abgenommen und reichte ihm den Stoff. Dankbar wickelte sich der Blonde in das viel zu große Kleidungsstück ein und spürte, wie sich ein Arm um ihn legte und ihn leicht drückte.

„Bei Salazar, Draco. Deine Mutter wird so erleichtert sein, sie ist völlig am Ende", flüsterte Snape ihm zu, bevor Lupin fragte: „Wie kam es eigentlich dazu?"

„Pansy!", rief der junge Slytherin wütend aus. „Dieses vermaledeite Miststück hat mich verwandelt!"

„Mr. Malfoy, Ihr Ärger in allen Ehren, aber achten Sie auf Ihre Wortwahl", ermahnte ihn McGonagall.

„Minerva", sprach Snape sie schließlich an, „besteht die Möglichkeit deinen Kamin für die Malfoys zu entsperren? Ich würde Lucius und Narzissa dann eine Patronusnachricht schicken und sie darüber informieren, dass Draco hier ist."

„Natürlich und bitte, sie sollen Kleidung für ihn mitbringen."

Neville schien unterdessen einen ernsthaften Erstickungsanfall zu bekommen.
„Lucius Malfoy kommt hierher? Hier in diesen Raum?", quiekte er. „Ich… Ähm, ich bin dann mal… Also, ich würde dann gerne jetzt gehen."

Einer dreckigen Schlange den Kopf abzuschlagen, wenn es darauf ankam, das war eine Sache. Voldemort die Stirn bieten war etwas, was er hatte tun müssen, aber ihm reichte Malfoy Junior schon voll und ganz.
„Godric, steh mir bei", flehte er stumm, der festen Überzeugung, dass die Gelassenheit für dieses Schuljahr mit Dracos Rückverwandlung vorbei wäre. Auf das ausgewachsene Exemplar von Malfoy konnte er getrost verzichten, zumal ihm schon Snapes Fledermauserscheinung vollkommen ausreichte.

Mit einem Nicken deutete McGonagall an, dass er gehen konnte. Als Hermine es ihm gleichtun wollte, wurde sie allerdings zurückgerufen.
„Miss Granger, bleiben Sie. Immerhin, Mr. Malfoy war die ganzen Monate über bei Ihnen. Es könnte hilfreich zur Klärung sein, wenn Sie dabei sind. Remus, würdest du sehen, ob du Miss Parkinson findest? Die Abendessenzeit hat begonnen. Vielleicht ist sie schon in der Großen Halle."

Dass sie groß bei irgendwas helfen konnte bezweifelte die junge Hexe zwar irgendwie, aber nun gut. Sie vermied es die ganze Zeit über Draco anzusehen, zu sehr schämte sie sich in Grund und Boden. Währenddessen präparierte die Schulleiterin ihren Kamin und der Zaubertränkelehrer verpackte eine Nachricht in seinem Patronus.


„Ich werd nichts verraten, Hermine."
Erschrocken fuhr die Dunkelhaarige herum und zuckte noch mehr zusammen, als sie in ein Paar sturmgrauer Augen sah. Aber mal abgesehen davon, dass es sie irritierte, dass er so nah bei ihr stand, nämlich so, dass niemand außer ihr seine geflüsterten Worte hören konnte, erstaunte sie das Gesagte selbst am meisten. Er hatte sie bei ihrem Vornamen genannt und versprochen, den Mund zu halten.

„Malfoy?" Sie war vollkommen verwirrt.

Der Junge zuckte mit den Schultern, fuhr sich über den Nacken und blickte zur Seite.
„Na ja, ich dachte, das… Das ist nur fair. Immerhin hast du dich die ganze Zeit um mich gekümmert und so."
Sein Blick wanderte zum Boden und er betrachtete seine nackten Füße.

„D-Danke… Draco", haspelte Hermine hervor.

Ein freches Grinsen huschte über das Gesicht ihres Gegenübers, als er sie wieder ansah und bemerkte, dass sie immer noch so rot war, dass sie dem Wiesel glatt Konkurrenz hätte machen können.

„Ich hab dir den Bauch gekrault", stammelte sie weiter und schlug die Hände vor ihr Gesicht. „Das Bad."

„Nun ja" Draco spürte, wie er auch rosa Ohren bekam, „also ganz ehrlich, du musst dich für nichts schämen."

„Was?" Sie lugte zwischen ihren Fingern hervor und der Slytherin fühlte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg. Ihm war das doch auch irgendwie unangenehm und er zuckte etwas hilflos mit den Schultern.

„Na ja, du…", er räusperte sich, „du bist wirklich hübsch, wenn du den Wischmopp auf deinem Kopf ein wenig mehr bändigen würdest, dann…"

„Malfoy!", fuhr Hermine ihn an.

„Ich mein ja nur. Vielleicht… Ich mein, nach allem was war…"
Draco streckte ihr die Hand entgegen. Verwundert starrten ihn ein Paar große, haselnussbraune Augen an.
„Komm schon, ich hab Brown davon abgehalten dein Tagebuch zu lesen und ihr in die Hand gebissen."

Ein verlegenes Lächeln machte sich auf dem Gesicht der Schulsprecherin breit und sie ergriff die dargebotene Hand.
„Na, wenn das mal nicht ausreichend ist, um das Kriegsbeil zu begraben."

„Ach übrigens, das trottelige Wiesel mit dem intellektuell beschränkten Horizont aus deinem Bett zu verbannen und in den Wind zu schießen, war eine der besten Entscheidungen, die du je getroffen hast."

„Malfoy!", rief sie empört aus. „Mach es nicht direkt wieder kaputt!"

Beschwichtigend hob der Blonde die Arme und lachte: „Ich bin nur ehrlich und hey, sogar Longbottom hat mehr Rückgrat in seinem kleinen Finger als Weaselbee von den Haarspitzen bis in die Zehen."

In diesem Moment rauschte es vernehmlich im Kamin und die beiden wurden unterbrochen.

Als Narzissa mit ihrem Mann aus der Feuerstelle trat, klopfte sie sich geistesabwesend über den dunkelgrauen Rock, um ihn von der Asche zu befreien. Schnell blickten sich ihre hellblauen Augen um und als sie ihren Sohn ein wenig Abseits mit Hermine Granger stehen sah, spürte sie, wie eine tonnenschwere Last von ihrem Herzen fiel. Noch bevor Lucius überhaupt dazu kam, sich selbst von der Asche, eine wirklich lästige Begleiterscheinung des Flohnetzwerks, zu befreien, hatte seine Frau schon den Raum durchquert und zog ihren Sohn an sich.

Reflexartig schloss Draco ebenfalls die Arme um die etwa einen halben Kopf kleinere Frau und ließ sich von ihr drücken. Ihre schlanken Finger fuhren durch sein ohnehin zerzaustes blondes Haar und sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.

„Draco, mein Junge", flüsterte sie und er spürte, dass ihr Gesicht nass war, als sie ihre Wange an seine legte, ihn einfach nur festhielt.
Bei Merlins angesengtem Bart, seine Mutter vergoss stumme Tränen. Vermutlich jene der Erleichterung.
„Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht", wisperte sie ihm ins Ohr.

„Draco."

Als er sich von Narzissa löste, sah er in die grauen Augen seines Vaters. In seinem Gesicht war kaum etwas zu lesen und doch zuckte sein Mundwinkel ein paar Mal zu oft, um seine Aufregung wirklich zu verbergen. Er spürte Lucius' kräftige Hand, die sich um seine Schulter schloss. Mit der anderen hielt er ihm ein Bündel hin.
„Zieh dir was an, dann lass uns das klären", wies der Ältere an.

Sein Sohn nickte, nahm die Kleidung entgegen und folgte Professor McGonagalls Weisung, dass er die kleine, an den hinteren Teil des Büros angeschlossene Toilette benutzen konnte.

Hermine war derweil diskret ein paar Schritte zurückgewichen, als sie nun der Blick von Malfoy Senior traf, der, wie es vermutlich nur ein echter Malfoy konnte, skeptisch fragend eine Augenbraue hochzog. Einen Arm hatte er schützend um seine Frau gelegt, die sich allmählich wieder fasste und zurück zu ihrem üblichen, öffentlichen Auftreten fand.
Auch wenn sie es spätestens seit der Schlacht wusste, für die junge Hexe gab Lucius Malfoy, der Narzissa offenbar einen gewissen Halt vermittelte, ein groteskes Bild als nicht ganz eiskalter Mensch ab. Oder kurz gesagt, sie fand ihn reichlich merkwürdig.

Während sich der Slytherin ankleidete, kam Lupin mit einer ziemlich verwirrten Pansy Parkinson wieder in das Büro. Die sichtbare Irritation schlug in einen ziemlichen Schock um, als sie Lucius und Narzissa entdeckte.

„Ich habe Miss Parkinson gerade auf dem Weg von der Bibliothek zur Großen Halle getroffen", erklärte der Werwolf, begrüßte dann höflich die beiden Malfoys.

In Hemd, Hose und Jackett, natürlich alles in Schwarz mit passenden Schuhen, gekleidet betrat Draco wieder den Raum. Sein hellblondes Haar war noch ein klein wenig unordentlich, aber erinnerte jetzt deutlich weniger an Franklins zerwuselten Zustand.

„Pansy!", zischte er wütend, bevor jemand anders dazu kam, etwas zu äußern und schritt mit missbilligendem Gesichtsausdruck auf sie zu. Die dunkelhaarige Slytherin zuckte merklich zusammen, aber Snape hielt seinen Patensohn mit einer knappen Handbewegung zurück. Trotzdem funkelte er seine Ex böse an.

„Was ist hier eigentlich los?", platzte es schließlich aus Lucius heraus, der das eh schon verschreckte Mädchen kalt musterte. Er ließ seine grauen Augen über die doch recht seltsam anmutende Runde schweifen. „Ich bekomme von Severus die Nachricht, dass mein Sohn wieder aufgetaucht ist und was finde ich hier vor? Miss Granger, Miss Parkinson, meinen halbnackten Jungen. Also was ist hier los? Ich verlange augenblicklich eine Erklärung für dieses Schmierentheater!"

„Das, Mr. Malfoy, ist die Frage, die wir nun hoffentlich klären können", begann Professor McGonagall und nickte Draco zu. „Würden Sie uns das bitte erklären? Wie kam es zu Ihrem Verschwinden?"

Der blonde junge Mann konnte nicht ganz verhindern, dass ihm ein Knurren entwich, als er anfing zu berichten: „Ich war mit Pansy in der Winkelgasse. Wir hatten eine, nun ja, Meinungsverschiedenheit und daraufhin hat sie mich in dieses vermaledeite Frettchen verwandelt!"

„Eine Meinungsverschiedenheit? Spinnst du? Du hast mich vollkommen inakzeptabel abserviert!", ereiferte sich Pansy.

„Bei Salazar, na endlich", konnte es sich Narzissa nicht verkneifen und rollte missbilligend mit den Augen. Ihr Sohn hatte also Vernunft angenommen.

„Könnten wir bitte…", unterbrach Lupin und forderte Draco auf, weiterzuerzählen. Dieser leistete Folge und schilderte, wie er in der Magischen Menagerie gelandet und dort Hermines Aufmerksamkeit erlangt hatte. Als er ihren Vornamen nannte, zog sein Vater kurz die Augenbrauen zusammen, hielt sich aber zurück. Die Schulsprecherin berichtete dann weiter, wie sich ihr Verdacht, dass es sich bei Franklin unmöglich um ein normales Tier handeln konnte, erhärtet hatte.

„Und nun ja, jetzt sind wir hier", endete sie schließlich. Alle peinlichen Details hatte sie selbstverständlich ausgespart.

Nach diesem Bericht wandte sich die Aufmerksamkeit der Slytherinschülerin zu.
Draco war der Erste, der das Wort an sie richtete. Mit ausgestreckter Hand verlangte er: „Mein Zauberstab, Pansy. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du ihn hast, oder?"
Mit zitternden Fingern griff sie in ihre Umhangtasche und zog einen Stab heraus.

„Miststück! Ich sollte dich…", drohte er und riss ihr das Holz aus der Hand.

„Mr. Malfoy!", griff Professor McGonagall wieder maßregelnd ein. „Wir üben hier keine Selbstjustiz."

„Sie gehört der Schule verwiesen!", schnappte Lucius.

„Nun, Miss Parkinsons Strafe fällt, da sie dem Haus Slytherin angehört, Professor Snape zu. Ich bin mir sicher, er wird ein angemessenes Maß finden. Ihr Verhalten, Miss Parkinson", wandte sie sich nun direkt an Pansy, „war gelinde gesagt untragbar. Sie wussten die ganze Zeit, was mit dem jungen Mr. Malfoy passiert war und haben es nicht für nötig befunden, es mitzuteilen. Ich will Ihnen nicht absprechen, dass Sie bei dem Streit in der Winkelgasse mehr im Affekt gehandelt haben, aber alles Darauffolgende hätte nicht sein müssen. Ich würde von einem Schulverweis absehen, da ich keine grundlegend böse Absicht in ihrem Tun entdecke, trotzdem können Sie sich auf den Entzug einiger Rechte und Privilegien, die den älteren Schülern zustehen, gefasst machen. Ich denke, auch eine Vielzahl an Anfeindungen Ihrer Hauskameraden kann Ihnen gewiss sein, wenn sie von dem Vorfall erfahren."

„Vom Nachsitzen einmal ganz zu schweigen", presste Snape zwischen den Zähnen hervor.


Pansy, die in den Räumlichkeiten der Schulleiterin gefühlt auf Gnomengröße geschrumpft war, folgte dem Zaubertrankmeister mit hängenden Schultern in die Kerker, Draco blieb noch bei seinen Eltern stehen, wurde von seiner Mutter wieder gedrückt und Lupin unterhielt sich leise mit McGonagall. Hermine, froh darüber, endlich gehen zu können, lief mit knurrendem Magen in die Große Halle, wo sie sich gegenüber von Ron und neben Harry am Gryffindortisch niederließ.
Neville saß schweigend zwei Plätze weiter neben Ginny.

„Wo hast du das Stinktier gelassen?", mampfte Ron, der sich offenbar dazu entschieden hatte, wieder normal mit ihr zu reden. Ein großer Schritt für die relativ kurze Zeit, wie sie ihm zugestehen musste. Immerhin hatte er getobt und geschmollt und war mehr als unleidlich gewesen.

„Er ist weg", erwiderte sie kurzangebunden und tat sich etwas vom Sheppards Pie auf.

„Wie jetzt?", kam sogleich die verwirrte Frage ihres Gegenübers.

„Franklin ist weg und ich habe so im Gefühl, dass dir das nicht gefällt."

„Wie kommst du denn darauf?"

„WEASLEY!", donnerte es genau in diesem Moment von der Flügeltür aus und Ron erstickte fast an dem Gehackten, dass er sich gerade in den Mund geschoben hatte.
Neville zuckte lediglich kurz zusammen, während Harry vor Schreck und Erstaunen fast von der Bank fiel und Seamus seinen Kürbissaft ausspuckte. Dean bekam die Kinnlade nicht mehr zu.

Ganz ähnliche Reaktionen, von hustenden Erstickungsanfällen, über das Klirren von fallengelassenem Besteck bis hin zu ungläubigen Keuchen, fand sich auch an den anderen drei Tischen als niemand anders als Draco Malfoy, Dank eines kleinen Zaubers wieder vollkommen perfekt frisiert, in die Große Halle trat und seine unheilverkündenden grauen Augen an dem jüngsten Weasley-Bruder hängen blieben. Nur Hermine ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Der Blonde kam auf sie zugesteuert, stützte sich mit der Linken auf dem Tisch neben Hermines Teller ab und deutete mit dem rechten Zeigefinger bedrohlich auf Ron.
„DU!", zischte er. „Mit dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen!"

„Draco, nicht", warf die brünette Hexe ein, strich sich eine Locke hinter das Ohr und blickte ihn von unten an.

„Warum nicht? Irgendwer muss dem Wiesel doch mal sagen, dass er mit einer Frau nicht so umspringen kann, wie er es mit dir getan hat", empörte er sich, jetzt allerdings wieder in normaler Lautstärke, so dass er nicht die komplette Halle unterhielt.
Die neugierigen Blicke ruhten nichtsdestoweniger trotz auf ihnen.

„Draco?", stieß Ginny schließlich hervor. „Seit wann ist er denn Draco und nicht mehr Malfoy?"

„Lange Geschichte", kam es abwehrend von Hermine, Draco und Neville zugleich.
Die Frettchengeschichte würde sich noch früh genug in der gesamten Schule verbreiten, da waren sich alle Eingeweihten mehr als sicher.

„Nur so viel, Weaselbee", wandte sich der Slytherin noch mal an Ron und verengte die Augen zu Schlitzen, beugte sich ein wenig weiter vor, „bei der nächsten Freundin solltest du vielleicht etwas mehr Sensibilität, Rücksicht und Benehmen an den Tag legen. Frauen stehen nicht auf stillose, wandelnde Rüpel, die keinen Deut Einfühlungsvermögen an den Tag legen und oh, Diskretion ist auch etwas, was du dir hinter deine sommersprossigen, Riesenohren schreiben solltest!"

„Was?", entfuhr es dem Rotschopf. „Wie kommst denn du dazu, mir eine Moralpredigt zu halten?"

„Das ist keine Moralpredigt. Das maße ich mir nicht an, wobei es mir sogar mein moralisches Empfinden verbietet irgendwelche intimen Beziehungsdetails im Gemeinschaftsraum rauszuposaunen."
Mit diesen Worten rauschte er ab Richtung Slytherintisch.

Einen Augenblick sah Ron ihm fassungslos nach.
„Woher… Ich meine, woher weiß er… Hermine!"

„Nicht jetzt", wehrte diese ab und trank von ihrem Saft.

„Aber…"

„Ich sagte später! Das gehört nicht hier in die Große Halle", unterbrach sie ihn bestimmt und wandte sich wieder ihrem Pie zu.

Währenddessen war Draco an seinem Haustisch angelangt und ließ sich zwischen Blaise und Goyle nieder. Er wurde fassungslos angestarrt.
„Zabini, klapp den Mund zu. Dass Crabbe und Goyle dreinschauen wie völlig überraschte Guhle ist ja keine Seltenheit, aber dir steht das ganz definitiv nicht."

„Wo warst du? Wo… Wo kommst du jetzt her?", raunte ihm sein bester Freund zu, viel zu überrumpelt, um seine gewohnte Maske aufrecht zu halten.

„Später", wehrte der Blonde ab und nahm sich von dem Essen. Merlin, endlich wieder richtig am Tisch sitzen, Messer und Gabel benutzen können. Was für eine Wohltat.
Mit hochgezogenen Brauen warf er einen missbilligenden Blick in die Runde und die Slytherins wandten sich so schnell sie konnten wieder ihren Tellern zu. Dracos Augen blieben an Astoria hängen, die verstohlen zu ihm hinüberschielte.

Ach ja, da war ja auch noch was, was er erledigen musste. Er schenkte ihr ein kurzes, verhaltenes Lächeln und sie wandte sich ab. Trotzdem hatte er gesehen, dass sie rot angelaufen war.


Nach dem Essen saßen Harry, Ginny, Ron, Neville und Hermine zusammen im Gemeinschaftsraum. Etwas abseits vom Treiben der anderen, die schon die wildesten Spekulationen in den Raum warfen, wo Malfoy wohl die ganze Zeit gewesen war, sein plötzlichen Wiederauftauchen, überhaupt, was bei Merlins frisch lackierten Zehennägeln mit dem blonden Slytherin geschehen war.

„Also, würde uns jetzt mal jemand aufklären?", hakte Ginny nach.

Hermine warf Neville noch mal einen kurzen Blick zu, seufzte schwer und berichtete noch mal, was passiert war. Allerdings im Flüsterton, so dass nur ihre Freunde, sie hören konnten. Sie war nicht erpicht darauf gleich das gesamte Haus um sich zu haben, auch wenn sie immer wieder die Blicke der anderen Schüler, die immer haarsträubendere Vermutungen äußerten, im Nacken spüren konnte.

„WAS? Malfoy war die ganze Zeit über... Ich meine, er war... Jetzt ernsthaft?", platzte es aus Ron heraus, wofür er sich einen Tritt unter dem Tisch von seiner Ex einfing, der ihn zum Schweigen bringen sollte.

„Pschhhht!", zischte sie. „Schrei es doch nicht so heraus. Ich hatte heute wahrlich genug Aufregung und ja, verdammt noch mal! Wie oft denn noch? Parkinson hat ihn in das Frettchen verwandelt, weil er Schluss gemacht hat und ja, er war Franklin."

„Dieser Widerling hat bei dir im Zimmer geschlafen!", regte er sich weiter auf.

„Ach, das ist doch gar nicht so schlimm." Da war es ihr sehr viel unangenehmer, dass sie Draco mit in der Wanne und ihm ständig den Bauch gekrault hatte. Sie war so unsagbar froh darüber, dass er das alles für sich behalten wollte und bei Merlin, war er nicht erpicht darauf von ihr ins nächste Sonnenssytstem geflucht werden, sollte er sich daran auch halten!

„Nicht schlimm? Hermine, das ist Malfoy!"

„Ich würde es bevorzugen, ihn Draco zu nennen."

„Oh, wir sind also schon Freunde, ja?"

„JA! Ja Ronald, ich denke schon. Man kann manche Dinge nicht zusammen erleben ohne dass... ohne dass sich da was aufbaut."

Schmollend und das Unverständnis gerade zu ins Gesicht gezeichnet, verschränkte er die Arme vor der Brust. Die Vorstellung, dass Malfoy die ganze Zeit über bei ihnen, bei Hermine gewesen war, schmeckte ihm so gar nicht. Er hielt nun mal nicht viel von diesem Schleimbeutel und das würde er auch nie. Er kochte innerlich, dass diese miese Kakerlake bei seiner Freun… Ex-Freundin im Bett geschlafen hatte und sie nichts dabei fand! Er verstand die Welt nicht mehr.

„Der Bergtroll", erinnerte Harry und stieß seinen besten Freund an. „Ron, manche Dinge übersteht man zusammen und geht als Freunde daraus hervor."

„Sag bloß, du heißt das gut?"

„Keine Ahnung. Ich mag ihn nicht und dass er uns die letzten Wochen immer begleitet hat, find ich irgendwie unheimlich, aber er sollte was draus gelernt haben. Denke ich. Ich mein, welche Strafe könnte größer für ihn sein, als als Frettchen zu leben?"

„Wir werden sehen", brummte der Rothaarige.

Hermine verdrehte die Augen und fuhr sich genervt durch die Haare. Er würde eben immer Ron bleiben.


Im Gryffindorturm wurde also fleißig spekuliert, Ron war unleidlich, Harry und Ginny teilten eine gesunde Portion Skepsis, Neville hoffte einfach, dass das Schuljahr keine negative Wende bekommen würde, was die Sticheleien seitens der Slytherins anging und Hermine… Nun, Hermine war einerseits froh, dass sich alles geklärt hatte, niedergeschlagen, dass sie wieder ohne Haustier dastand und mehr als verwirrt über das, nun ja, sie interpretierte es als Freundschaftsangebot von Draco.

Derweil herrschte auch im Keller aufgeregtes Geschnatter vor. Eher untypisch. Meist war es doch recht gesittet im Kerker unter dem See, aber heute nicht.
Alle, die es beim Abendessen verpasst hatten, waren bereits von den ersten Schülern, die die Große Halle nach Malfoys Auftauchen verlassen hatten, informiert worden. Entsprechend groß war die Aufregung die herrschte. Die Schlangen machten sich ganz ähnliche Gedanken wie die Löwen in ihrem Turm unzählige Stockwerke weiter oben.
Schlagartig wurde es still, als die Mauer sich öffnete. Allerdings lediglich für einen Moment. Es war nur Pansy, die auch ganz froh war, dass ihr niemand größere Aufmerksamkeit schenkte. Sie hatte gerade gut die Hälfte des Raumes durchschritten, da glitt die Wand erneut zur Seite und diesmal breitete sich ein fast greifbares Schweigen aus.

„Du verdammtes kleines Miststück!", konnte Draco, der zusammen mit Blaise, Crabbe und Goyle eintrat, nicht mehr an sich halten. Ein Fluch flog quer durch den Raum und traf seine Ex, die nicht schnell genug den Gang zu den Schlafsälen hatte erreichen können.

„Der Furunculus?" Blaise zog seine Augenbraue Richtung Haaransatz.

„Fürs Erste", grinste der Blonde hämisch und sah zu wie Pansy heulend das Weite suchte.
„Ich bin noch nicht fertig mit dir, Parkinson!", rief er ihr nach.
Das war er bei Weitem noch nicht und ihm würde bestimmt noch etwas besseres einfallen, als ihr Geschwüre an den Hals zu hexen. Egal was Snape mit ihr vorhatte und er war sich ziemlich sicher, dass sein Patenonkel ihr nicht nur die Hogsmeade-Wochenenden gestrichen, sondern sie für das restliche Schuljahr zum Nachsitzen verdonnert hatte, es würde ihn nicht abhalten, seine persönliche Rache an ihr vorzunehmen. Er hatte noch bis zu den Sommerferien Zeit, es ihr heimzuzahlen.

„Was ist?", blaffte er in die Runde von neugierig gaffenden Schülern, die sich daraufhin wieder ihrer unterbrochenen Tätigkeit widmeten. Das nicht abbrechen wollende Getuschel bildete ein stetiges Summen im Raum.

Blaise ließ sich auf eines der schwarzen Ledersofas fallen, nachdem er ein paar Zweitklässler mit einem gekonnt bösen Blick vertrieben hatte. Er machte eine einladende Geste.
„Nun mein Freund, du wolltest mir da etwas berichten."

„Später, ich habe gerade anderes zu erledigen."
Er hatte Astoria in einem der Sessel entdeckt, sie las und schien sich nichts aus dem Gemurmel um sie herum zu machen. Oh ja, sie war definitiv seine Kragenweite, also ließ Draco seinen Freund sitzen und schlenderte zu ihr rüber.

Als er neben ihr stand, räusperte er sich kurz und sie hob den Kopf, musterte ihn aus ihren großen, hellbraunen Augen.
„Kann ich dir helfen?", fragte sie und versuchte sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Bei dem Lächeln, das er aufsetzte gar nicht so einfach.

„Du könntest mir eine Frage beantworten."
Sie nickte langsam.
„Hast du schon ein Date für den Weihnachtsball?"

Astorias Herz machte einen Hüpfer und sie war sich sicher, das Poltern in ihrer Brust musste er eigentlich gehört haben.
„Nein, hab ich nicht", erwiderte sie.

„He, warte mal! Ich dachte, wir…", protestierte ein schwarzhaariger Siebtklässler, verstummte allerdings, als ihn der Malfoy'sche Todesblick traf.

„Nein, ich habe noch kein Date", wiederholte das Mädchen.

„Gut, dann hast du jetzt eins", beschloss Draco, schenkte ihr noch mal ein charmantes Lächeln und winkte Blaise dann ihm zu folgen.

Das ganze Desaster würde er ihm in Ruhe im Schlafsaal erklären.


Es war das erste Frühstück seit Franklin wieder Draco war und Hermine hatte die halbe Nacht wach gelegen, weil sie hatte feststellen müssen, wie sehr ihr das Tierchen fehlte. Irgendwie fühlte sie sich nicht so richtig ganz ohne treuen Begleiter auf vier Pfoten.

Die Posteulen kamen hereingeflattert und während Gizmo Harry den Tagespropheten hinwarf ließ sich eine hübsche Schleiereule vor ihr nieder und streckte das Bein aus. Verwundert - Wer schrieb ihr denn Eulenpost? - entfaltete sie das Pergament und las:

Granger - ich meine... Hermine,
mir ist deine Skepsis gestern Abend keineswegs verborgen geblieben und ich kann mir vorstellen, du trauerst Franklin nach. Über den bescheuerten Namen sollten wir uns übrigens noch mal unterhalten. Aber nun ja, in einem Anfall von Großmut und wahrscheinlich auch Wahn, habe ich beschlossen, dass ein Ersatz für das Frettchen her muss.
Das ist Chaya und sie gehört dir, wenn du magst. Ich weiß, sie ist dir bestimmt nicht flauschig genug, aber Eulen sind eh sehr viel praktischer als Kater oder Frettchen.
Überleg es dir. Es ist mein Ernst.
Draco

Als ihr bewusst wurde, dass ihr der Mund offen stand, klappte sie ihn schnell wieder zu, sah auf und suchte den Slytherintisch nach ihm ab. Sie entdeckte Draco mit einem Becher Kaffee in der Hand neben Zabini.

Seine sturmgrauen Augen trafen sie direkt, als er den Kopf umwandte. Hermine verzog die Mundwinkel zu einem leichten Lächeln, Draco nickte ihr kurz zu.
So kam man also zu einer Eule.