KNV – Kapitel 08: St. Mungo & das Sanatorium für Langzeitgeschädigte, ungewöhnliche Freundinnen und ein nicht ganz so gewöhnliches Einhorn
Die nächsten Tage in der „Villa Wolfsheim" waren geprägt von zielstrebiger Betriebsamkeit. Harry hatte seine Bücher aus Hogwarts in seine Bibliothek integriert, dann hatte er zusammen mit Hermine sämtliche Bücher katalogisiert. Remus hatte damit begonnen, zu lernen wie man meditiert. Natürlich war er etwas erschöpft, war doch gerade erst Vollmond gewesen. Harry hatte ihn wie schon so oft durch den Wald begleitet. Seit Remus sich auch als Animagus in einen Wolf verwandeln konnte, fielen ihm die Zeiten des Vollmondes wesentlich leichter. Sobald er die ersten Anzeichen spürte, dass er sich in einen Werwolf zu verwandeln begann, verwandelte sich Remus schnell in einen „normalen" Wolf. Dadurch hatte er wesentlich mehr Kontrolle über den Werwolf, und es war auch bei weitem nicht mehr so schmerzhaft für ihn.
Das große Bild aus Harrys Zimmer in Hogwarts hatten sie im Salon aufgehängt. Remus war Harry dafür sehr dankbar, rief dieses Bild in ihm doch recht schöne, aber auch wehmütige Erinnerungen hervor.
Jeden Abend setzten sich die Drei zusammen auf die Veranda, wo sie sich dann gemeinsam die Chronologien ansahen, die Hermine und Remus für Harry angefertigt hatten. Während sie sich die dicken Folianten ansahen, erzählte jeder der Drei, was er in dieser Zeit erlebt und gemacht hatte. Remus berichtete von seinem Unterricht in Hogwarts, Hermine von ihrem Studium (sie hatte schließlich in „Geschichte der Zauberei", „Alte Runen", „Arithmantik" und einigen anderen Fächern promoviert). Und Harry berichtete von seinen Erlebnissen, als er quer durch Europa gestreift war.
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Nach ein paar Tagen bekam Harry morgens eine Eule von Ginny. Sie berichtete ihm von dem bevorstehenden Aufenthalt Nevilles in St. Mungo und bat um Harrys Anwesenheit im Krankenhaus. Und so apparierten Harry und Hermine nach dem Mittagessen nach St. Mungo. Die Hexe am Empfang wies ihnen den Weg zu Nevilles Zimmer; sie hatte Harry nicht erkannt, und außerdem hatte Hermine mit ihr gesprochen. Nevilles Zimmer lag im vierten Stock, wo die Fluchschäden wie unaufhebbare Flüche, Hexereien, nicht korrekt angewandte Zauber usw. behandelt wurden. Harry und Hermine stiegen langsam die Treppen hinauf. Beide erinnerten sich an ihren letzten Besuch auf dieser Station, als sie hier nicht nur Gilderoy Lockhart, ihren ehemaligen Professor für VgddK, sondern auch Nevilles Eltern gesehen hatten. Mit gemischten Gefühlen betraten sie die Station und meldeten sich bei der Stationsschwester. Zu ihrer Überraschung saß auch Ginny in dem kleinen Büro. Nach der Begrüßung wurden sie von der Stationsschwester zu Neville geführt.
Um sein Bett standen ein paar Heiler, die Neville gerade untersuchten. Als die Heiler die Eintretenden bemerkten, unterbrachen sie ihre Tätigkeit und rückten zur Seite. Langsam ging Harry auf Nevilles Bett zu. Neville war munter, er sah ihn mit großen Augen an, als er Harry erkannt hatte. „Hallo Neville", sagte Harry, als er schließlich neben dem Bett stand, und drückte Nevilles Hand. „Harry! Du bist zurück gekommen!", rief Neville, während er sich mit einem Schwung, dem man ihm in seinen Zustand gar nicht zutraute, aufrichtete und Harry in seine Arme schloss. „Ich hatte immer gehofft, dass du eines Tages wieder zu uns zurück kommen würdest...", flüsterte Neville, und zum ersten Mal seit vielen Wochen konnte er wieder lächeln...
Nachdem Neville auch Hermine begrüßt und sich schließlich wieder hingelegt hatte, ließ sich Harry von den Heilern alles über Nevilles Zustand erklären. Ginny gab ihm auch ihre Notizen, die sie auf Harrys Wunsch über Nevilles Krankheitsgeschichte angefertigt hatte. Die Heiler fragten auch Harry aus, was er mit Neville gemacht hatte, denn sein Zustand hatte sich seit der letzten Untersuchung nicht nur stabilisiert, sondern sogar leicht gebessert. „Ich habe Neville einen kleinen Teil meiner Lebensenergie übertragen", erläuterte ihnen Harry. „Aber ich befürchte, dass das nicht ausreichen wird. Es wird wahrscheinlich auch nicht lange anhalten... Ich glaube, dass ich eine Möglichkeit gefunden habe, wie wir Neville helfen können. Allerdings muss ich die Behandlung durchführen, denn sie beruht auf einer sehr alten, längst vergessenen Art der Magie. Ich bitte Sie daher, mir alles über das menschliche Gehirn und die blutbildenden Organe beizubringen, was Sie wissen. Und natürlich die Besonderheiten bei Neville." Die Heiler waren damit einverstanden, sie waren mit ihrem Latein längst am Ende und waren froh, dass sie nun endlich Unterstützung bekamen. Sie versprachen, entsprechende Unterlagen zusammen zu stellen und Harry in einem Schnellkurs alles Wichtige beizubringen.
Als die Heiler gegangen waren, erklärte Harry Neville, was er vorhatte. Neville erklärte sich damit einverstanden, auch wenn Harry ihm keine Erfolgsgarantie geben konnte. Aber Harrys Vorschlag war derzeit Nevilles einzige Chance, wieder gesund zu werden, nachdem ihm auch die hervorragenden Heiler von St. Mungo nicht mehr weiterhelfen konnten... „Neville, du musst uns aber dabei unterstützen, sonst schaffen wir es nicht! Hast du schon einmal etwas von Selbstheilung gehört?" Neville nickte. „Ginny hat mir mal vor ein paar Tagen davon erzählt." „Das ist doch schon mal etwas. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man sich mit einigem Training zumindest teilweise selbst heilen kann. Wenn das auch bei dir funktioniert, können wir vielleicht deinen Körper dazu bringen, dass er wieder anfängt, sich selbst zu regenerieren. Ich werde versuchen, dir das beizubringen. Aber ich muss dir gleich sagen, dass das nicht einfach werden wird. Willst du es trotzdem versuchen?" Neville nickte. „Harry, ich mache alles, um wieder gesund zu werden. Das bin ich Ginny und unseren Kindern schuldig. Und auch meinen Eltern..." „Wie geht es ihnen?", fragte Harry vorsichtig.
Ginny antwortete ihm leise: „Ihr Zustand hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Sie leben immer noch in ihrer eigenen Welt und erkennen niemanden. Wir besuchen sie oft, aber sie haben uns nach jedem Besuch wieder vergessen... Sie sind jetzt in dem neuen Sanatorium für Langzeitgeschädigte." „Was ist das für ein Sanatorium?", wollte Harry wissen, da er davon noch nichts gehört hatte. „Du erinnerst dich an Narcissa Malfoy? Nach dem Tod ihres Mannes und ihres Sohnes hatte sie einen Nervenzusammenbruch. Sie wurde hier in St. Mungo behandelt. Dabei hat sie viele der Opfer ihres Mannes und der anderen Todesser kennen gelernt. Als sie geheilt entlassen wurde, hat sie mit Hilfe des Ministeriums und vor allem meiner Mum ihr Schloss, das ehemalige Malfoy Manor, in ein Sanatorium umgebaut. Sie haben sogar einen großen Park eingerichtet, so dass die Patienten sich auch draußen im Freien bewegen können. Bei sehr vielen schlägt das ganz gut an.
Narcissa hat sich offiziell von den Malfoys losgesagt und wieder ihren Mädchennamen angenommen. Sie heißt jetzt wieder Narcissa Black, aber alle nennen sie nur noch Narcissa oder kurz Cissa bzw. Cissi. Sie ist Krankenpflegerin geworden und kümmert sich wirklich gut um ihre Patienten. Mum arbeitet viel mit ihr zusammen... Na ja, seit dem auch ich aus dem Fuchsbau ausgezogen bin, waren Mum und Dad ständig allein, und Mum hatte nichts mehr zu tun. Also hat sie sich einen neuen Job gesucht, und ist zusammen mit Cissi Pflegerin geworden. Ich hatte damit begonnen, Heilerin zu studieren, aber dann wurde ich schwanger... Als dann Neville krank wurde, habe ich das Studium ganz abgebrochen."
Nachdem Harry eine Weile über das Gehörte nachgedacht hatte, kam ihm eine Idee. „Was haltet ihr davon, wenn wir uns das Sanatorium einmal ansehen? Ich würde mich ganz gerne mit deiner Mutter unterhalten, Ginny. Und ich werde wohl auch mit Narcissa reden müssen... Ginny, du hast doch das Heiler-Studium angefangen. Warum setzt du das Studium nicht fort? Ich muss mich zwar erst vergewissern, dass die Alte Magie deinem Baby nicht schadet, wenn du sie lernst, aber du könntest doch zusammen mit mir und Hermine die alten Heilzauber und Heilkräfte erforschen und lernen... Dann bin ich für Nevilles Behandlung nicht allein auf meine Kräfte angewiesen! Und Neville kann uns mit seinen Kenntnissen der Kräuterkunde unterstützen. Wir werden Neville nicht von heute auf morgen heilen können, soviel ist mir schon klar geworden. Aber wenn wir alle daran arbeiten, verbessern sich unsere Chancen. Macht ihr mit?"
Eigentlich hätte Harry gar nicht erst fragen müssen. Ginny tat alles, um ihren Neville helfen zu können, und Neville selbst wollte natürlich auch so viel zu seiner Heilung beitragen, wie er konnte. Auch Hermine sagte selbstverständlich ihre Hilfe zu. „Wenn ihr nichts dagegen habt, würde ich euch ganz gerne zu uns einladen. Ich glaube, in der Ruhe und Abgeschiedenheit unseres Wäldchens können wir besser studieren, als hier im Krankenhaus. Und ehrlich gesagt ist mir nicht unbedingt wohl dabei, wenn uns neugierige Nachbarn über die Schulter schauen, wenn wir die Alte Magie studieren. Die Alte Magie ist viel zu mächtig, als dass davon jeder erfahren darf... ihr müsst ja deswegen nicht gleich umziehen, Ginny", sagte Harry schnell, als er bemerkte, wie sich ihr Gesicht verfinsterte. „Das Häuschen war alles, was wir uns leisten konnten, Harry. Es war eigentlich sogar noch kleiner, aber Mum und Dad haben es uns etwas vergrößert..."
„Hey, kleiner Fuchs, ich weiß doch, dass deine Familie nie viel Geld hatte, und das hat mich früher auch nie gestört. Wie ich Hermine kenne, hat sie dir bestimmt schon von unserem Haus geschrieben, oder?" Hermine bekam rote Ohren. In ihren letzten Briefen hatte sie tatsächlich Ginny etwas von ihrem neuen Zuhause vorgeschwärmt... „Ich hätte mir die Villa nie leisten können, Ginny. Fast mein ganzes Geld habe ich für Bücher ausgegeben, irgendwie habe ich ja bestimmte Dinge lernen müssen, nachdem mir niemand dabei geholfen hatte... Unsere Villa habe ich damals selbst gebaut, mit etwas Hilfe von Remus. Das ganze Haus und auch der Garten wurden nur durch Magie erschaffen, durch die Alte Magie. Deswegen ist es auch so gut geschützt." Ginny und auch Neville sahen Harry ungläubig an. „Du hast dein ganzes Geld für Bücher ausgegeben?" Ginny konnte das gar nicht fassen. „Du bist ja fast schlimmer als Hermine!", meinte sie nicht ganz ernsthaft, kassierte aber trotzdem von Hermine einen Klapps auf den Arm. „Also, wollt ihr uns besuchen kommen?", fragte Harry nochmals. Ginny und Neville nickten zögernd. „Dann werde ich euch einen Portschlüssel machen, sonst werdet ihr uns nicht finden können."
Harry sah sich suchend nach einem Gegenstand um, den er in einen Portschlüssel verwandeln konnte. Sein Blick blieb schließlich an Ginnys Kette hängen. „Ist das ein Medaillon, Ginny?" Diese nickte und holte das Schmuckstück hervor. „Das hat mir Mum zu meinem 18. Geburtstag geschenkt...", sagte sie leise. Dann gab sie es Harry. Der sah es sich genau an. Das Medaillon war oval und aus Silber. In sehr filigraner Handarbeit war auf der Vorderseite ein kleiner Fuchs eingearbeitet. Das Medaillon ließ sich öffnen, und in seinem Inneren waren ein paar kleine Bildchen untergebracht. Je eins von Neville, Ginnys Sohn Harold, von ihren Brüdern und Eltern und auch eins von Harry. Allerdings war dieses Bild schon älter, es stammte wohl aus seinem sechsten Schuljahr.
„Na das ist wohl nicht mehr so ganz aktuell...", flunkerte Harry, als er sein Konterfei erblickte. „Das ist das Aktuellste, was ich habe...", murmelte Ginny verlegen. Harry grinste, dann legte er seinen Finger auf das Bild und schloss kurz die Augen. Dann grinste er noch breiter, und zeigte Ginny das Ergebnis seines Bemühens. „Das Bildchen aktualisiert sich von jetzt an selbstständig, so weißt du immer, wie ich gerade aussehe!", sagte Harry lachend, als er Ginnys verblüfftes Gesicht sah. Dankbar küsste sie Harry auf die Wange. „Hey, du willst doch nicht etwa Neville und Hermine eifersüchtig machen?", neckte Harry. Ginny wurde rot, verkniff sich aber jede Bemerkung. Harry wandte sich wieder dem Medaillon zu. Kurze Zeit später war neben Harrys Bild ein kleines Abbild von Hermine erschienen, das ihm fröhlich entgegen lächelte. Harry murmelte noch ein paar Sprüche, welche die anderen nicht verstanden. Plötzlich glühte das Medaillon kurz auf, und Harry nickte zufrieden. Dann gab er das Schmuckstück zurück an Ginny.
„Jetzt hast du einen Portschlüssel zu uns. Aber er funktioniert etwas anders als die gewöhnlichen. Er kann nur von dir aktiviert werden, da das Medaillon mit dir verbunden ist. Du musst das Bild von Hermine und mir berühren und ganz fest an uns denken, dann kommst du von jedem Ort der Welt aus zu uns. Andere Personen, die du dabei berührst, werden mittransportiert. Wenn du bei uns bist, funktioniert der Portschlüssel genau umgekehrt, du wirst zu deinem letzten Aufenthaltsort, von wo aus du den Portschlüssel zu uns aktiviert hast, zurück gebracht. Aber es gibt zwei Einschränkungen: Der Portschlüssel funktioniert nur dann, wenn wir auch zu Hause sind. Einer von uns muss zu Hause sein, entweder Hermine, oder Remus oder ich. Sonst sind die Schutzzauber um unser Haus voll aktiviert und keiner kommt auch nur in die Nähe unseres Hauses. Die andere Einschränkung ist die, dass du niemanden mitbringen kannst, der in unserem Haus unerwünscht ist. Du kannst also momentan zum Beispiel weder deinen Vater noch Dumbledore mitbringen, wobei ich aber hoffe, dass dein Vater seine Abneigung mir gegenüber bald wieder überwindet. Dann ist auch er wieder willkommen. Wenn ihr das erste Mal zu uns kommt, werde ich unsere Schutzzauber an euch anpassen, damit ihr euch bei uns einigermaßen frei bewegen könnt. Alles verstanden?" Ginny wiederholte noch einmal das Wichtigste.
Als sich Harry und Hermine gerade verabschieden wollten, betrat ein Heiler das Zimmer. „Ah, Mr. Potter, ich hatte gehofft, dass Sie noch da sind! Im Namen meiner Kollegen darf ich Ihnen den ersten Teil der Unterlagen, um die Sie uns gebeten haben, übergeben. Ich habe auch eine Kopie der Krankenakte von Mr. Longbottom mit beigefügt." Damit reichte er Harry eine magisch verkleinerte Truhe, welche Harry in seine Hosentasche steckte. „In den nächsten Tagen werden wir Ihnen noch unsere persönlichen Aufzeichnungen kopieren. Sollen wir sie Ihnen per Eule schicken?" Harry schüttelte seinen Kopf. „Nein, benachrichtigen Sie mich bitte, wenn Sie die Aufzeichnungen komplett haben. Ich werde sie dann hier abholen, oder ich schicke jemanden vorbei. Ich denke, dass ist sicherer. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!" „Mr. Potter – WIR haben zu danken!", entgegnete der Heiler. Dann wandte er sich an Neville. „Mr. Longbottom, wenn Sie wollen, können Sie mit Ihren Freunden das Krankenhaus verlassen. Momentan können wir nichts für Sie tun..." Neville sah seine Frau und seine Freunde fragend an. Ginny strahlte. „Lass uns zu Mum gehen, sie passt schon den ganzen Tag auf unseren Kleinen auf...", schlug sie vor. Harry und Hermine sahen sich nur kurz an, dann stimmten sie zu. „Wir warten oben in der Cafeteria auf euch, dann kann sich Neville in Ruhe anziehen..."
Eine Etage höher, in der Besucher-Cafeteria, genehmigten sich Harry und Hermine einen Kaffee, während sie auf Ginny und Neville warteten. Aber sie hatten ihre Becher noch nicht einmal zur Hälfte ausgetrunken, als die Beiden auch schon herein kamen. Ginny und Neville nahmen sich auch einen Kaffee. Etwa eine halbe Stunde später verließen die Vier das Krankenhaus und apparierten ins Sanatorium. Dort wurden sie von einer freundlichen Hexe begrüßt. „Hallo Mrs. Longbottom, Ihre Mutter ist draußen im Park, falls Sie zu ihr wollen..." „Danke sehr, wir gehen dann gleich nach draußen..."
Ginny führte Neville, Hermine und Harry nach draußen in den Park. Da Harry und Hermine noch nie hier gewesen waren, sahen sie sich gründlich um. Bestürzt nahmen sie zur Kenntnis, wie viele Patienten es hier gab. Ginny bemerkte dies, und leise erklärte sie den beiden: „Nicht alle hier sind Opfer von Voldemort und seinen Leuten. Es gibt auch etliche, die durch andere Umstände zu Schaden gekommen sind, wie zum Beispiel ein ehemaliger Professor namens Lockhart..." „Der ist immer noch nicht gesund?", fragte Harry entsetzt. Schließlich war er und sein damaliger bester Freund Ron nicht ganz unbeteiligt an der ganzen Sache gewesen...
An einem kleinen Teich, um den herum etliche Bänke standen, blieben sie stehen und sahen sich um. Aber sie mussten nicht lange suchen, Molly Weasley hatte ihre Tochter bereits entdeckt und näherte sich ihnen mit einem kleinen Jungen auf dem Arm. „Da seid ihr ja! Schön, dass du nicht im Krankenhaus bleiben musstest, Neville. Hallo Hermine, schön dich mal wieder zu sehen...", plapperte Molly los, als sie bei der kleinen Gruppe angekommen war. Ginny nahm ihr schnell ihren kleinen Sonnenschein ab, sie ahnte schon, was gleich passieren würde...
Molly blieb gerade vor Harry stehen und musterte ihn von oben bis unten und wieder zurück. Keiner sagte ein Wort. Dann endlich erkannte Molly, wer da vor ihr stand, und mit einem Aufschrei („Harry!") riss sie ihn in ihre Arme und drückte ihn so fest an sich, dass Harry Mühe hatte, überhaupt noch Luft zu bekommen. „Das ich dich mal wieder sehen darf... Ich dachte schon, du willst nichts mehr von uns wissen...", schluchzte Molly. „Mum, du zerquetscht Harry noch...", bemerkte Ginny, die Harrys Atemnot mitbekommen hatte. Molly entließ Harry schließlich nach einigen weiteren Kommentaren ihrer Tochter aus ihrer Umarmung und stotterte: „Entschuldigung, ich freu mich ja nur, dass Harry wieder da ist..."
Nachdem Harry den Luftvorrat in seinen Lungen wieder etwas aufgefrischt hatte, sagte er lächelnd: „Ich freu mich auch, Mrs. Weasley, aber ein bisschen Luft zum Atmen brauche ich trotzdem..." Ginny und Hermine grinsten bis über beide Ohren. Sie kannten das einnehmende Wesen von Molly nur zur Genüge, aber auch Harrys Unbeholfenheit demgegenüber. Ginny entschärfte die Situation, in dem sie eine große Decke herbei rief. „Setzt euch doch!", forderte sie die anderen auf. Nachdem alle Platz genommen hatten, musste Harry im Schnelldurchlauf berichten, was er in den letzten Jahren so erlebt und gemacht hatte. Mitten in seiner Erzählung wurde Klein-Harry unruhig, er hatte Hunger. Molly zog eine kleine Schale mit irgendeinem Kinderbrei aus einer ihrer unergründlichen Umhangtaschen. Schnell hatte sie den Brei erwärmt und auch noch einen kleinen Löffel herbei gezaubert. Ginny nahm ihr die Sachen ab und begann ihren Sohn zu füttern. Harry war zwar dankbar für die kleine Unterbrechung, erzählte aber dann doch schnell zu Ende; er wollte es hinter sich haben.
Hermine sah Ginny interessiert zu. Diese bekam das natürlich mit, und mit einem Grinsen reichte sie ihren Sohn und dann auch das Essen an Hermine weiter. „Früh übt sich, was mal eine Mama werden will...", sagte sie lachend, als sie Hermines etwas unbeholfene Versuche, Ginnys Sohn zu füttern, sah. Aber wie immer lernte Hermine äußerst schnell, und auch ihre Ohren hatten bald wieder ihre normale Hautfarbe angenommen... Während dessen berichtete Molly Harry, was aus den Weasleys geworden ist. „...Bill arbeitet immer noch für Gringotts in Ägypten, Charlie behütet auch noch seine Drachen in Rumänien. Aber er hat Unterstützung bekommen, Ron ist seit ein paar Jahren bei ihm. Sie arbeiten auch eng mit Hagrid zusammen... Fred und George haben mit ihrer Firma großen Erfolg, sie haben inzwischen etliche Zweigstellen in ganz Mittel- und Westeuropa. Ihre erste Niederlassung war in Hogsmead, wie du dir sicherlich denken kannst. Ich muss ehrlich sagen, auch wenn ich früher überhaupt nicht damit einverstanden war, so bin ich doch heute ganz froh darüber. Ich hätte nie gedacht, dass meine Zwillinge sich einmal zu solch erfolgreichen Geschäftsleuten entwickeln würden... Ich bin auch froh darüber, dass sie etwas Hilfe bei der Anfangsfinanzierung hatten, Arthur und ich hätten den beiden das Geld nie geben können..."
Harry grinste breit, er wusste ganz genau, dass Molly mit der „Anfangsfinanzierung" den Gewinn von tausend Galleonen meinte, den Harry am Ende seines vierten Schuljahres den Zwillingen gegeben hatte mit der Auflage, ihren Scherzartikelladen zu eröffnen. „Ginny wird dir ja schon von sich berichtet haben, nehme ich an", erzählte Molly weiter, und Harry nickte zustimmend. „Wie ist denn Ihr Mann Stellvertreter von Fudge geworden, und warum ist der immer noch im Amt?", wollte Harry wissen. „Das war eine recht turbulente Zeit damals. Überall wurden die letzten versteckten Todesser und Sympathisanten Voldemorts gejagt, und auch das Ministerium kam nicht ungeschoren davon. Jeder einzelne Mitarbeiter des Ministeriums, und auch viele andere mit öffentlichen Funktionen wie zum Beispiel der Schulrat, musste vor dem großen Zaubergamot unter Veritaserum aussagen. Danach haben einige ihren Hut nehmen müssen...
Am Ende dieser ‚Säuberungsaktion' fehlten dem Ministerium ungefähr ein Drittel aller Mitarbeiter, zumal ja schon einige bei den verschiedensten Kämpfen umgekommen waren. Arthur hatte damals wie viele andere auch einige zusätzliche Aufgaben übernommen, wodurch sich dann herausstellte, dass er auch ein gewisses organisatorisches Talent besitzt. Nachdem das Ministerium wieder arbeitsfähig war, gab es einen großen Prozess gegen Cornelius Fudge, da er seinerzeit viel zu lange gezögert hatte, etwas gegen den wieder auferstandenen Voldemort zu unternehmen. Das dürfte dir ja bekannt sein...
Es gab damals eine Abstimmung, an der alle Ministeriums-Mitarbeiter und der gesamte Zaubergamot beteiligt waren. Dadurch hat Fudge seine zweite Chance bekommen, er durfte als Minister bleiben, wenn auch unter Auflagen. Arthur wurde zu seinem Stellvertreter ernannt, um ein bisschen auf Fudge aufzupassen. Aber nachdem was mir Arthur so erzählt hatte, hat Fudge seine Lektion gelernt und seit dem gute Arbeit vor allem beim Wiederaufbau geleistet. Mit Arthurs Ernennung wurden auch einige Gesetze geändert, so werden jetzt der Minister und sein Stellvertreter alle fünf Jahre neu gewählt. Und zwar jeweils zum Jahresende. Nächstes Jahr ist es wieder soweit. An der Wahl können alle Zauberer und Hexen teilnehmen, die älter als einundzwanzig sind. Dieses Wahlsystem stammt übrigens von den Muggeln, es war Arthurs Idee, es auch in unserer Welt einzuführen!" Harry konnte den Stolz in ihrer Stimme nicht überhören.
„Ginny hat mir erzählt, dass Sie Krankenpflegerin geworden sind?", fragte Harry, der es sich inzwischen auf der Decke bequem gemacht und sein Haupt auf Hermines Schoß gebettet hatte. „Ja, dass stimmt. Nachdem erst die Zwillinge, dann Ron und später auch noch Ginny bei uns ausgezogen sind, war ich fast immer allein im Fuchsbau, Arthur war ja im Ministerium... Irgendwann ist mir dann schier die Decke auf den Kopf gefallen, ich hatte einfach nichts zu tun. Eines Tages hat mir dann Arthur von Cissa erzählt, das sie ihren Wohnsitz einem Sanatorium zur Verfügung stellt, nachdem das Grundstück mehr oder weniger beschlagnahmt worden ist. Ich habe mich dann oft mit ihr getroffen, und wir haben uns schließlich zusammen ausbilden lassen. Ich muss schon sagen, ich hätte nie gedacht, dass sich Cissa so ändern kann... Nur ihre blonden Haare erinnern noch an früher, ansonsten ist sie ein vollkommen anderer Mensch geworden.
Sie lag ja damals lange Zeit in St. Mungo... Sie hat damals viele der Langzeitpatienten kennen gelernt, dass hat sie wohl zum Nachdenken gebracht. Auch als du noch im Koma lagst, hat sie dich ein paar Mal besucht, zumindest in den letzten Wochen, als du dort lagst. Sie war nicht die einzige, die dich besucht hatte. Hermine hat wohl fast jeden Tag an deinem Bett gesessen, und auch Ginny war sehr oft da gewesen..." Harry richtete sich auf. „Ich dachte immer, dass mich niemand besucht hatte?", fragte er erstaunt. Hermine seufzte und zog ihn wieder an sich.
Molly erzählte weiter: „Irgendwann konnte sich Dumbledore mit seinen Vermutungen und Befürchtungen durchsetzen, und ab dem Zeitpunkt durfte dich keiner mehr besuchen. Das war ungefähr zwei Wochen, bevor du wieder zu dir gekommen bist. Auch nachdem du erwacht warst durfte dich keiner besuchen..." „Langsam regt mich der Mann wirklich auf", grollte Harry. „Ich möchte mal wissen, was der gegen mich hat!" „Pssst, Schatz, reg dich nicht auf. Irgendwann wird er seinen Irrtum erkennen...", redete Hermine auf ihn ein. Sie wusste von den letzten Tagen, wie sehr es Harry aufregte, dass sein früherer Mentor immer noch seine Spielchen mit ihm treiben wollte. Harry antwortete nach ein paar Minuten leise: „Wenn ich mich damals nicht so verdammt einsam gefühlt hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht verschwunden, zumindest nicht so lange..." Hermine strich ihm sanft die Haare aus der Stirn. „Ich weiß, Harry, ich weiß..."
„Ihr zwei gebt ein schönes Paar ab, wisst ihr das?", bemerkte Molly später. Harry grinste, doch Hermine bekam rote Ohren. Schließlich war sie einmal mit Mollys jüngstem Sohn Ron zusammen gewesen, auch wenn das schon eine ganze Weile her war. Ginny bekam Hermines Verlegenheit natürlich mit, doch sie sagte nichts. Sie drückte aber Hermines Hand. Hermine verstand diese Geste, und sie schenkte Ginny einen dankbaren Blick. Das hatte dann schließlich auch Molly mitbekommen. „Oh je", sagte sie darauf hin. „Da habe ich ja wieder was angerichtet..." Nach einem kurzen Blick zu Hermine entgegnete Harry: „Ist schon in Ordnung, Mrs. Weasley. Hermine und ich haben uns darüber unterhalten. Belassen wir es dabei, die Vergangenheit können wir sowieso nicht ändern..." Molly nickte, und als Hermine sich zu ihm herunter beugte und ihm einen sanften Kuss schenkte, wusste Harry, dass er das Richtige gesagt hatte.
„Habt ihr schon irgendwelche Zukunftspläne?", fragte Molly vorsichtig. Diesmal antwortete Hermine. „Ich bin vor gut zwei Wochen zu Harry gezogen, wir wohnen und leben jetzt zusammen. Wir sind uns auch einig, dass wir zusammen bleiben wollen, für immer. Aber wir haben noch keine konkreten Pläne gemacht, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen. So lange sind wir ja nun auch noch nicht zusammen, und wir haben noch einiges aus unserer Vergangenheit zu bewältigen..." „Wie seid ihr nun eigentlich zusammen gekommen, nachdem ihr euch so lange nicht gesehen habt? Ginny hat mir kaum etwas davon erzählt!" Molly kassierte zwar einen bösen Blick von ihrer Tochter, störte sich aber nicht daran.
Hermine erzählte dann von den Ereignissen, die sich seit Harrys Geburtstag abgespielt hatten. Harry half ihr an der einen oder anderen Stelle aus. Zum Schluss meinte er: „Ich habe mich auch schon gefragt, ob wir nicht ein wenig überstürzt gehandelt haben, als Hermine so schnell bei mir eingezogen ist und ihre alte Wohnung aufgegeben hat. Aber wenn ich dann daran denke, wie schnell es Hermine gelingt, mich zu beruhigen, wenn mich irgend etwas aufregt, oder dass ich mich in ihrer Gegenwart nicht nur ausgesprochen wohl fühle sondern auch in der Lage bin, endlich über die Vergangenheit zu reden, was ich bei Remus so gut wie nie geschafft habe, dann sind meine Zweifel ganz schnell vergessen. Und wenn mich Hermine dann noch so lieb anlächelt wie jetzt gerade, dann weiß ich, dass unsere Entscheidung richtig war." Bei dem liebevollen Blick, den ihm Hermine jetzt schenkte, schmolz Harry endgültig dahin. In diesem Moment konnte sich Harry sehr lebhaft vorstellen, wie ihre gemeinsame Zukunft aussehen würde...
Fast flüsternd sagte er zu Molly: „Wir wollen unsere eigene Familie gründen, und wir wollen auch Kinder haben... Aber wir wollen auch nichts überstürzen." Obwohl er mit Molly geredet hatte, sah Harry dabei nur Hermine an. „Ein Haus mit viel Platz haben wir schon, auch einen Garten. Und wenn uns gerade danach ist, haben wir auch einen Hund und ein kleines, süßes Kätzchen..." „Davon hast du mir ja noch gar nichts erzählt", meinte Ginny gespielt böse zu Hermine. Diese grinste, dann schob sie Harrys Kopf von ihrem Schoß herunter – und schon saß ein kleines Kätzchen auf der Decke. Harry konnte das natürlich nicht auf sich sitzen lassen, schnell verwandelte er sich in einen Schäferhund, der bald damit anfing, mit dem Kätzchen zu spielen. Als Harry sah, dass Ginny und vor allem Harold den Schäferhund nicht so toll fanden wie das kleine Kätzchen, verwandelte er sich umgehend in einen kleinen Welpen.
Nun bekam er auch die Aufmerksamkeit, die vorher Hermine als Kätzchen genossen hatte. Unbeholfen tapste Harold zu ihnen und ließ sich dann vor ihnen auf die Decke plumpsen. Mit seinen kleinen patschigen Händchen streichelte er das Kätzchen und das Hündchen. Man konnte deutlich sehen, wie begeistert der kleine Harold war. Hermine freute sich, dass ihr Patenkind Spaß daran hatte, und so dachte sie eine ganze Zeit lang gar nicht daran, sich wieder zurück zu verwandeln. Auch Harry dachte nicht daran, im Gegenteil, trotz seiner Hundeform kuschelte er sich an Hermine, die auch als Kätzchen nichts dagegen hatte...
Kurze Zeit später kam eine große, blonde Hexe in der Kleidung des Pflegepersonals auf die Gruppe zu. „Hallo Ginny, hallo Neville!", begrüßte sie die beiden. „Molly, es ist bald Zeit fürs Abendessen... Oh, sind die beiden süß! Sind das eure Haustiere?" Ginny musste lachen. „Nein. Cissi, dass sind keine Haustiere, und schon gar nicht unsere. Darf ich vorstellen: Das Kätzchen hier ist Hermine, und das Hündchen hier ist Harry..." Als Harry Narcissas Namen hörte, sprang er auf seine Pfötchen und sah sie mit seinen kleinen Hundeaugen an. „Sagtest du gerade Hermine und Harry?", vergewisserte sich Narcissa. Bevor Ginny antworten konnte, tapste Harry von der Decke herunter, dann verwandelte er sich in seine menschliche Form. Auch Hermine verwandelte sich gleich darauf zurück.
Narcissa starrte die beiden an, dann begann sie zu begreifen. Vorsichtig hielt sie Harry ihre Hand hin. „Guten Tag Mr. Potter", sprach sie ihn recht förmlich an, sie wusste ja nicht, wie er auf sie, eine ehemalige Malfoy, reagieren würde. „Falls Sie mich nicht mehr erkennen sollten, ich bin Narcissa. Sie werden mich vielleicht noch als Mrs. Malfoy in Erinnerung haben, aber den Namen habe ich vor einigen Jahren abgelegt. Seitdem heiße ich wieder Narcissa Black, so wie vor meiner Hochzeit, aber es reicht, wenn Sie Narcissa zu mir sagen, das tun alle hier." Nun ergriff Harry endlich ihre Hand. „Guten Tag, Narcissa. Sagen Sie bitte auch nur Harry zu mir!"
Narcissa war erleichtert, dass Harry sie zumindest nicht sofort abgewiesen hatte. Harry dagegen war etwas unwohl zumute; er wusste nicht, wie er auf sie reagieren sollte, zumal sie wissen müsste, dass er für den Tod ihres Mannes und ihres Sohnes verantwortlich war. Unsicher sahen beide Molly Weasley an, doch die schüttelte ihren Kopf in Narcissas Richtung. „Ich bin noch nicht dazu gekommen, Cissa. Ich habe Harry heute auch zum ersten mal wieder gesehen...", sagte Molly entschuldigend.
Harry und auch Hermine sahen sie fragend an. „Seit der Tagesprophet geschrieben hat, dass du ein Lebenszeichen von dir gegeben hast, hat mich Narcissa immer wieder darum gebeten, ihr ein Gespräch mit dir zu ermöglichen. Wir haben vermutet, dass du vielleicht nicht unbedingt gut auf sie reagieren könntest, und so wollte ich zwischen euch vermitteln, da ich annahm, dass du mir gegenüber weniger voreingenommen wärst. Aber leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mit dir darüber zu reden, nimm mir das bitte nicht übel."
„Ist schon in Ordnung. Setzen Sie sich doch zu uns!", forderte Harry Narcissa auf und setzte sich selbst auch wieder auf die Decke. Nur ein paar Augenblicke später saß auch Hermine wieder an seiner Seite. Narcissa nahm dankend an und setzte sich langsam neben Molly. „Ich wollte eigentlich mit Ihnen über ein paar doch recht private Dinge reden. Unter vier Augen, wenn es Ihnen nichts ausmacht." Harry ahnte, dass es bei diesem Gespräch um Lucius und Draco Malfoy gehen würde. „Von mir aus gerne, Narcissa. Aber ich möchte Hermine dabei haben, wenn es Ihnen nicht zu viel ausmacht. Ich habe vor Hermine keine Geheimnisse, sie weiß inzwischen was damals passiert ist und auch warum. Aber sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich einen anderen Zeitpunkt für eine derartige Unterhaltung vorziehe, und auch vielleicht einen anderen Ort." „Einverstanden, Hermine – Darf ich Hermine sagen? – kann mit dabei sein. Vielleicht ist es sogar besser so..." „Cissa, wenn du möchtest, helfe ich dir dabei!", warf Molly ein.
Die Blonde überlegte kurz, dann nickte sie. „Danke dir, Molly. Du hast mir in den letzten Jahren schon so oft geholfen, da ist es nur Recht, wenn du auch davon erfährst. Harry, haben Sie etwas dagegen, wenn Molly mit dabei ist?" Als auch Hermine ihn bittend ansah, stimmte Harry zu. „Sieh es als Chance, als Anfang mit den Gerüchten, die gegen dich im Umlauf sind, aufzuräumen!", flüsterte Hermine ihm zu. „Würde euch der nächste Mittwoch passen? Da haben Cissa und ich unseren freien Tag." Harry und auch Hermine stimmten zu. „Dann erwarte ich euch zum Mittagessen im Fuchsbau, in Ordnung?" Damit verabschiedeten sich Molly und Narcissa, die sich wieder um ihre Patienten kümmern mussten. Ginny, Hermine, Neville und Harry unterhielten sich noch eine Weile, bis auch sie sich von einander verabschiedeten und jedes Paar zu seinen eigenen vier Wänden apparierte.
Daheim berichteten Hermine und Harry Remus von ihren Erlebnissen im Krankenhaus und im Sanatorium. Auch von Narcissa berichteten sie. „Ja, sie hat sich wirklich verändert, zu ihrem Vorteil", stimmte ihnen Remus zu. „Ich habe sie und Molly während ihrer Ausbildung sehr oft in Hogwarts gesehen. Madam Pomfrey hatte sie manchmal unterrichtet."
Schnell hatte Hermine etwas zu Essen auf den Tisch gezaubert. Nach dem Abendessen setzten sich die Drei wie immer auf die Veranda, um sich gegenseitig ihre Kenntnisse über die letzten Jahre aufzubessern...
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Die nächsten Tage verbrachten Harry und Hermine damit, die Unterlagen zu studieren, die Harry von den Heilern erhalten hatte. Inzwischen hatte er auch die persönlichen Aufzeichnungen der Heiler in St. Mungo abgeholt. Zudem durchforsteten sie noch ihre nicht gerade kleine Bibliothek nach Büchern, die ihnen im Kampf gegen Nevilles Fluchschäden weiter helfen konnten. Doch trotz der großen Menge an Büchern, die Harry auch zum Thema Heilzauber und Heilkräfte heran geschafft hatte, kamen sie kaum vorwärts. Also begann Hermine damit, unter Harrys Aufsicht die Grundlagen der Alten Magie zu erlernen, zumindest die Bereiche, die für die Heilung verantwortlich waren.
Auch Remus war mit dabei, sollte und wollte er doch ebenfalls die Selbstheilung lernen, die auf den Grundlagen der Alten Magie basierte. Remus wusste nicht, dass Harry damit auch einen anderen Zweck bei Remus verfolgte, als nur seine Unterstützung bei Nevilles Behandlung. Harry erhoffte sich davon, dass Remus irgendwann den Werwolf in ihm ganz überwinden konnte...
Am Samstag kamen Ginny und Neville zu Besuch, sie brachten natürlich den kleinen Harold mit. Wie versprochen lockerte Harry mit Remus' Hilfe die Schutzzauber, so dass sich Ginny und Neville frei im Haus und auf dem Grundstück bewegen konnten, sofern mindestens einer der eigentlichen Hausbewohner anwesend war. Beide waren hell auf begeistert von dem Anwesen, vor allem der nahe gelegene Wald gefiel ihnen. Ginny bat darum, dass sie öfters zu Besuch kommen dürften. Harry, Hermine und auch Remus hatten nichts dagegen, zumal Harry und Hermine ja selbst schon Ginny und Neville dazu eingeladen hatten.
Hermine erklärte Ginny und Neville die Grundlagen der Heilzauber nach der Alten Magie, welche die beiden ja auch erlernen sollten. Hermines nutzte die Situation gleich als Wissenskontrolle. Harry musste sie nur sehr selten korrigieren...
Ginny und Neville verabschiedeten sich erst sehr spät an diesem Abend, und sie waren beide voller Hoffnung, dass Neville wieder gesund werden könnte.
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Am nächsten Tag wollten Harry, Hermine und Remus einmal ihre Bücher ruhen lassen, immerhin war es ein Sonntag. Remus widmete sich dem Garten, ihre „Kräuter-Plantage" und die Blumenbeete brauchten auch mal wieder etwas Pflege. Harry nutzte den selbst auferlegten freien Tag, um Hermine die nähere Umgebung zu zeigen. Bisher hatte sie außer dem Haus, dem Garten und dem angrenzenden Wald noch nichts gesehen. Zwar lag das gesamte Anwesen mitten in einem großen Waldgebiet, aber außerhalb des Waldes konnte sich die typische Landschaft Schottlands sehen lassen.
So lernte Hermine also die großen Moore im Süden kennen und die riesigen Weideflächen im Westen, auf denen einige Muggel ihre Schafsfarmen und Pferdezucht betrieben (beide nahmen sich vor, sich die große Pferdezucht bei Gelegenheit näher anzusehen). Sogar die Ostküste Schottlands zeigte ihr Harry, auch wenn sie ein Stückchen weiter weg war. Ganz bewusst mieden sie bewohnte Gebiete, wie zum Beispiel die große Muggelstadt Aberdeen. Allerdings wollten sie zu einem späteren Zeitpunkt sich auch die Muggelstädte ansehen. Edinburgh soll sehr sehenswert sein, hatte Hermine in einem Reiseführer der Muggel gelesen...
Am Nordrand des riesigen Waldes, in dessen Mitte die Villa Wolfsheim lag, suchten sie sich ein ruhiges Plätzchen an einem kleinen Bach, und machten eine längere Pause. Harry beschwor eine große Decke und etwas Proviant, so dass aus der Pause schließlich ein Picknick wurde. Nachdem sie sich gestärkt hatten (eigentlich aßen sie kaum etwas, die Beiden waren mehr mit Küssen beschäftigt und sich gegenseitig mit den kleinen Leckerbissen zu füttern...), zauberte Harry eine Karte Schottlands herbei. Auf der Karte zeigte er Hermine die Route, die sie bisher hinter sich gebracht hatten. Durch die Karte sah Hermine, wie nahe das Wolfsheim eigentlich bei Hogwarts und Hogsmead war.
Einige Zeit später machten sie sich wieder auf den Weg und apparierten an die Nordküste Schottlands. Harry erklärte seiner Freundin, dass sie in der Nähe von „Kap Wrath" wären, wie die Muggel es nannten. Hermine war von der schweren See und der donnernden Brandung ganz angetan, obgleich sie auch froh war, festen Boden unter den Füßen zu haben. Harry dagegen wäre gerne über das Meer gesegelt, aber sie hatten kein Boot, und mangels detailgenauer Kenntnisse konnte Harry auch keins magisch erschaffen. Als Hermine Harrys sehnsüchtigen Blick sah, kuschelte sie sich an ihn. „Du wirst doch nicht etwas zum Seebären mutieren?", neckte sie ihn. „Ich würde wirklich gerne da raus fahren, Mine. Irgendwo da draußen liegt Avalon..."
„Avalon?", fragte Hermine. „Den Namen habe ich schon mal gehört, aber mir fällt nicht ein, in welchem Zusammenhang..." „In den ältesten Büchern, die ich aufgetrieben habe, wird von Avalon erzählt. Es war eine Zeit lang die Heimat von Merlin... Aber seitdem war niemand mehr auf Avalon gewesen oder hat davon berichtet. Nach dem was ich gelesen habe, muss das der einzige Ort auf der Welt sein, an dem die Kräfte der Alten Magie noch voll aktiv sind. Dort sollen früher auch andere Völker außer den Menschen gelebt haben, aber keiner weiß, wie lange das schon her ist. Es müssen einige tausend Jahre sein..." „Jetzt erinnere ich mich wieder an die Legenden. War das nicht ähnlich wie bei Atlantis? Das soll es ja auch mal wirklich gegeben haben!" „Meine kleine Professorin hat mal wieder alles im Kopf!", neckte Harry seine Freundin, was diese mit etlichen kleinen Küsschen quittierte. „Interessierst du dich für Avalon?", murmelte Hermine zwischen mehreren Küssen. Harry schob sie sachte von sich. Als er wieder anfing mit Sprechen, sah er Hermine fest in die Augen.
„Hermine, es kann kein Zufall sein, dass ich fast neunzig Prozent der Bücher über die Alte Magie hier in Schottland gefunden habe. Und alle Bücher, in denen Avalon erwähnt wurde, habe ich ausschließlich hier an der Nordküste gefunden! Und mich hat auch stutzig gemacht, dass ich scheinbar der Einzige war, der diese Bücher überhaupt sehen konnte, von den alten Buchhändlern einmal abgesehen. Es scheint fast so, als ob irgendjemand möchte, dass ich nach Avalon suche... Verstehst du das? Außer in Muggel-Märchen habe ich noch nie etwas von Avalon gelesen, obwohl Merlin oft erwähnt wird. Aber seitdem ich gezielt auf der Suche nach Büchern und Aufzeichnungen über die Alte Magie bin, stolpere ich immer wieder über Hinweise auf Avalon. Da muss etwas dahinter stecken, Hermine!" „Vielleicht hast du Recht, Harry. Zeigst du mir diese alten Bücher?" Harry zog Hermine wieder an sich. „Ich wollte dir sowieso vorschlagen, dass wir die Alte Magie gemeinsam studieren, und damit auch alles, was wir über Avalon finden können. Auch mit Merlin werden wir uns näher beschäftigen müssen, er scheint ein wichtiger Bezugspunkt im Zusammenhang mit Avalon zu sein..." „Einverstanden, Schatz. Aber Neville hat erst einmal Vorrang, ok?"
Die Beiden sahen noch einige Zeit dem Spiel der Wellen und dem Treiben der Möwen zu. Irgendwann sagte Harry: „Lass und weiter gehen, ich möchte dir noch etwas zeigen..." Wenige Augenblicke standen sie auf einer kleinen, einsamen Waldlichtung. Die Lichtung war mit saftigem Gras bewachsen, das in sattem Grün leuchtete. Ein kleines Bächlein murmelte fröhlich vor sich hin. Hermine konnte auch etliche Vögel zwitschern hören. Fragend sah sie Harry an, doch dieser hatte seine Augen geschlossen. Hermine ahnte nicht, dass Harry mit seinen Gedanken nach Jemanden rief...
#Serephina, bist du da? Oder Daphne? Könnt ihr mich hören?# Harry rief eine ganze Weile nach den Beiden, bis er irgendwann ihre Präsenz spüren konnte. Ein Lächeln umspielte seinen Mund, als er zu Hermine flüsterte: „Wenn sie kommen, möchte ich dir zwei liebe Freundinnen vorstellen..." Hermine konnte damit erst einmal gar nichts anfangen. Harry soll noch zwei Freundinnen haben? Und das hier mitten im Wald? Hermine kam das schon ein wenig komisch vor, aber sie sagte nichts. Aber vorsichtshalber entzog sie Harry ihre Hand... Sie hatte gehofft, dass Harry sie aufklären würde, was er mit seiner Bemerkung meinte, aber er sagte nichts weiter. Stattdessen grinste er recht spitzbübisch. Kurz darauf wusste Hermine auch warum. Aus dem Dickicht trat eine Einhornstute mit ihrem Fohlen! Mit offenem Mund starrte Hermine die beiden Fabelwesen an. War es Zufall, oder hatte Harry die beiden Einhörner gemeint? Als die beiden magischen Tiere langsam auf Harry zu kamen und erst direkt vor ihm stehen blieben, hatte sich Hermines Frage von selbst beantwortet...
Sanft strich Harry erst der Stute und dann auch dem Fohlen über den Kopf. #Danke, dass ihr gekommen seid. Ich freue mich, euch wieder zu sehen!# #Hallo Harry, unser menschlicher Freund. Auch wir freuen uns, dich wieder zu sehen.# #Serephina, Daphne, ich möchte euch meine Freundin und Gefährtin Hermine vorstellen...# Vorsichtig trat Serephina, die Stute, näher an Hermine heran und nahm ihren Geruch auf. Dann neigte sie ihren Kopf und rieb ihn sachte an Hermines Hand. Harry atmete auf, als er dieses Zeichen von Serephinas Einverständnis sah. #Sie ist uns willkommen. Sie hat ein ebenso reines Herz wie du, mein menschlicher Freund. Aber sie kann uns nicht verstehen, oder?# #Ich fürchte, dass kann sie nicht#, antwortete Harry in Gedanken. #Ich kann euch auch nur deshalb verstehen, weil wir mit unserem Blut verbunden sind, Serephina.#
Harry setzte sich auf die Wiese. Serephina legte sich neben ihn, darauf bedacht, mit ihrem Horn niemanden zu verletzen. Ganz langsam kam jetzt Daphne, das Fohlen, auf Hermine zu und schnupperte an ihr, genau wie ihre Mutter. Dann galoppierte Daphne ein paar Mal um die Gruppe herum, bis sie schließlich neben Harry stehen blieb. Harry kraulte ihr ein wenig die Flanke, dann ließ sich Daphne quer über Harrys Beine nieder. Jetzt erst traute sich auch Hermine, sich hinzusetzen. Leise sagte Harry zu ihr: „Hermine, ich möchte dir meine beiden Freundinnen vorstellen: Die Stute hier ist Serephina, ihr Fohlen heißt Daphne. Sie haben dich akzeptiert, du kannst sie ruhig anfassen, wenn du magst. Aber vermeide schnelle Bewegungen, und nähere dich nicht von hinten. Das mögen sie nicht so besonders..."
Zaghaft näherte sich Hermine der Stute, bis sie die Stute schließlich zwischen den Ohren kraulen konnte. Fast schon eifersüchtig stupste Daphne nach Hermines Hand, bis Hermine schließlich auch das Fohlen kraulte und streichelte. Nach Hagrids Unterricht vor so vielen Jahren war dies jetzt das zweite Mal, dass Hermine Kontakt mit einem Einhorn hatte.
„Erzählst du mir von ihnen?", bat Hermine. #Serephina, darf ich Hermine von euch erzählen?# Die Stute schnaubte, aber sie stimmte zu. „Also, in diesem Gebiet hier lebte eine kleine Herde von Einhörnern, etwas zehn Tiere waren das damals. Ich hatte die Einhörner auf meinen Streifzügen schon mehrmals bemerkt, aber ich habe immer einigen Abstand zu ihnen gehalten. Ich wusste nicht, wie sie auf mich reagieren würden... Vor etwas mehr als dreieinhalb Jahren war ich mal wieder im Wald unterwegs, wie immer als Wolf. Nicht weit von hier war ein alter Kaninchenbau, den ich recht gut kannte. Den Eingang zu der Höhle habe ich im Laufe der Zeit immer weiter vergrößert, bis ich schließlich hinein gepasst hatte. Manchmal habe ich in dem Bau geschlafen...
An diesem Tag jedoch musste ich feststellen, dass die Höhle eingestürzt war. Serephina war in die Grube gestürzt, und sie hatte sich an den freigewordenen Wurzelstücken schwer verletzt. Sie hatte sehr viel Blut verloren. Das Schlimmste aber war, dass sie trächtig war. Durch ihren Sturz, sie muss genau auf ihren Bauch gefallen sein, setzten die Wehen ein. Ich weiß nicht, ob man bei Einhörnern auch von Wehen spricht...
Als ich dazu kam, war Daphne schon unterwegs. Normaler Weise gebären Pferde und Einhörne im Stehen, habe ich mal gelesen. Serephina jedoch konnte nicht stehen, sie war zu schwer verletzt dazu. Jedenfalls habe ich mich zurück verwandelt und ihr bei der Geburt geholfen und die beiden danach einigermaßen verarztet. Meine Heilkräfte waren damals zwar noch nicht so weit fortgeschritten wie sie es heute sind, aber es hat für das Notwendigste gereicht. Allerdings habe ich nicht bemerkt, dass ich mich selbst auch verletzt hatte, und so hat sich unser Blut vermischt. Serephina hat jetzt auch menschliches Blut in sich, und ich Einhornblut. Das hat eine besondere Verbindung zwischen uns geschaffen, die durch die Geburt auch auf Daphne übergegangen ist. Wir können uns mit unseren Gedanken verständigen...
Die Namen habe ich ihnen gegeben, denn Serephinas richtigen Namen kann kein Mensch aussprechen. Daphne haben wir beide so getauft. Seitdem treffen wir uns öfters hier im Wald und reden miteinander. Wenn ich allein mit ihnen hier bin, haben sie überhaupt keine Scheu mehr vor mir, vor allem Daphne nicht. Du bist die erste, die ich mit hierher genommen habe. Auch Remus war noch nicht hier, ich werde ihn wohl auch nicht mit her bringen. Einhörner mögen die Werwölfe nicht...
Der Rest der Herde ist zum Verbotenen Wald bei Hogwarts gezogen, wo sie sich mit einer anderen Herde vereinigt haben. Nur Serephina und Daphne sind hier geblieben, ihnen gefällt es hier. Wenn Remus nicht da ist, sind sie schon mal bis in unseren Garten gekommen..."
Hermine legte ihren Kopf auf Harrys Schulter. „Eine schöne Geschichte, Harry. Wären Serephina und Daphne jetzt nicht hier, würde ich das nicht glauben wollen. Das ist eine der Geschichten, die Mütter ihren kleinen Töchtern abends am Bett vorlesen..." „Aber sie ist wahr, Hermine. Erinnerst du dich an Hagrids Unterricht? Er hat uns doch gesagt, dass nur Mädchen Einhörner anfassen dürfen, und das auch nur, wenn sie noch jungfräulich sind... Dann sieh dir mal Daphne an, wie sie es sich auf meinen Beinen bequem gemacht hat... Gut das sie sich noch mit ihren Beinen abstützt, sonst wäre sie schon zu schwer dafür! Daphne ist übrigens mein Patenkind, wenn man das so sagen kann!" „Also haben wir beide ein Patenkind. Ich habe einen Patensohn, und du eine Patentochter... Irgendwie gefällt mir das!", flüsterte Hermine verträumt, und Harry küsste sie sanft auf die Stirn.
Serephina hatte das aufmerksam beobachtet. #Zwischen euch ist ein ungewöhnlich starkes Band, ihr müsst euch sehr nahe stehen!#, meinte sie dazu. #Ja, ich liebe Hermine über alles. Und ich weiß, dass sie genauso für mich empfindet. Wir kennen uns schon lange, auch wenn wir uns einige Jahre nicht gesehen haben, wie ich dir ja schon erzählt habe. Vor fast drei Wochen haben wir uns endlich wieder gesehen, und seitdem sind wir zusammen...# #Jetzt verstehe ich auch, was du damals damit meintest, dass du sie vermisst. Ich kann die Verbindung zwischen euch ganz deutlich spüren, so stark ist sie. Sogar Daphne kann sie spüren. Das ist sehr ungewöhnlich bei Menschen, eine so starke Verbindung... Ich würde euch gerne mal meiner Mutter vorstellen, aber sie lebt in dem Wald bei Hogwarts. Sie ist schon zu alt und zu schwach, um hier her zu kommen. Würdet ihr mit uns dorthin gehen, wenn meine Mutter damit einverstanden ist?# #Von mir aus gerne, aber ich möchte erst Hermine fragen#, entgegnete Harry.
Dann berichtete er Hermine von der Unterhaltung mit Serephina und ihrem Vorschlag. Hermine war nicht nur einverstanden, sie war begeistert davon! #Hermine ist einverstanden. Wann möchtest du denn deine Mutter besuchen? Und wie kommt ihr nach Hogwarts? Hermine und ich können dorthin apparieren, dass haben wir schön öfters getan, das letzte Mal erst vor ein paar Tagen...# #Auch wir Einhörner können uns so von einem Ort zu einem Anderen bewegen. Das können so gut wie alle magischen Tiere.# #Stimmt, Fawkes, der Phönix von Professor Dumbledore, dem Schulleiter von Hogwarts, kann das auch!#, stimmte Harry ihr zu. #Wir wollen in den nächsten Tagen meine Mutter und den Rest unserer Herde besuchen, da werde ich sie fragen. Ich werde dir dann Bescheid geben, ich weiß ja, wie ich dich finden kann#, antwortete Serephina.
Die Vier unterhielten sich über die verschiedensten Dinge, wobei Harry zwischen Serephina, Daphne und Hermine ‚übersetzte'. Hermine lauschte mit Hingabe den Geschichten der Einhörner. Dabei fand sie heraus, dass die Einhörner ebenso wie die Zentauren die Geschichte ihres Volkes und ihrer Herde mündlich von Generation zu Generation weiter gaben. Hermine und Harry erfuhren auch viel über die Lebensgewohnheiten der Einhörner und etlicher anderer Tiere im Verbotenen Wald, mehr als Hagrid ihnen jemals beibringen könnte.
Besonders Daphne hatte es Hermine angetan. Das Fohlen sprang sehr oft über die Wiese und schnappte nach den Schmetterlingen oder wälzte sich verspielt im Gras. Zwischendurch kam Daphne immer wieder zurück und ärgerte seine Mutter oder Harry. Auch Hermine wurde nicht nur einmal das Ziel ihrer verspielten Attacken... Daphne schien besonders Harry zu mögen, immer wieder legte sie ihren Kopf auf seinen Schoß, um sich von ihm zwischen den Ohren kraulen zu lassen.
Im Laufe der Unterhaltung fragte Serephina: #Mein Freund, mir scheint, dass du mich etwas fragen willst, dich aber nicht traust. Was möchtest du wissen?# #Wie gut du mich doch inzwischen kennst, Serephina! Ich habe tatsächlich ein paar Fragen, aber ich weiß nicht, ob ich dich damit belästigen soll...#, antwortete Harry. #Stell deine Fragen, und du wirst es wissen!# #Na gut. Die erste Frage wäre, was weißt du über Merlin, den Zauberer? Was weißt du über Avalon?#
#Ach Harry, mein Freund, dass sind gleich zwei Fragen, die ich dir nicht beantworten darf! Wir Einhörner wissen einiges über Merlin und auch über Avalon, aber wir dürfen niemanden außerhalb unserer Herde davon erzählen. Aber da du mir und Daphne das Leben gerettet hast, und ich in dir eine starke Präsenz der Alten Magie spüren kann, werde ich meine Mutter und die Ältesten in unserer Herde fragen, ob wir bei dir nicht eine Ausnahme machen dürfen. Bitte frage mich nicht mehr danach, bis ich dir eine Antwort geben darf.# #In Ordnung, dass kann ich akzeptieren. Eine Frage hätte ich noch, Serephina. Wie du weißt, kann ich mich in jedes nichtmagisches Tier verwandeln, dass ich mir nur genau genug vorstellen kann. Leider kann ich mich nicht in magische Wesen verwandeln. Kannst du mir da helfen, oder mir sagen, warum ich das nicht kann?# #In welche Wesen möchtest du dich denn verwandeln, und warum?#, fragte Serephina, die sich nicht so recht vorstellen konnte, warum Harry das tun wollte.
#Ich würde mich gerne in einen Phönix verwandeln wollen, um die Heilkraft seiner Tränen nutzen zu können. Ein Freund von mir und seine Eltern wurden vor über zwanzig Jahren schrecklich gefoltert. Seine Eltern sind seit dem kaum ansprechbar, und sie erkennen niemanden mehr, nicht einmal ihren eigenen Sohn. Sie leben in ihrer eigenen Welt, und bisher konnte ihnen niemand helfen. Ihr Sohn, Neville, war mit mir in Hogwarts in einer Klasse. Er wurde als Baby gefoltert, und nun hat sich heraus gestellt, dass sich sein Blut nicht mehr regeneriert und sein Gehirn langsam abstirbt; ganz so wie bei Blutkrebs oder Leukämie, wie es die Muggel nennen...
Neville stirbt einen ganz langsamen Tod, und wir möchten ihm, seinen Kindern und seiner Frau helfen. Hermine und ich studieren bereits die Heilzauber der Alten Magie, doch bisher konnten wir noch nichts finden, was uns nützen könnte. Ich dachte, wenn ich mich in einen Phönix verwandeln könnte, dann hätten wir eine zusätzliche Chance...Bitte lach nicht, aber ich würde mich auch gerne in ein Einhorn verwandeln, dann könnte ich öfters mal mit euch durch den Wald streifen, so wie ihr das tut. Und ich könnte euch vielleicht besser verstehen. Da gibt es noch ein magisches Tier, in das ich mich gerne verwandeln würde: Einen goldenen Greifen. Irgendwie fasziniert mich dieses Wesen...#
Serephina dachte einige Zeit nach, bevor sie Harry antwortete. #In ein Einhorn solltest du dich eigentlich verwandeln können, du hast ja einen Teil meines Blutes in dir, so dass sich dein Körper an das Einhorn ‚erinnern' müsste. Versuche es doch einfach! Aber mit dem Phönix und dem Greifen kann ich dir jetzt auch nicht weiter helfen, ich weiß nicht, warum die Verwandlung bei dir nicht funktioniert. Die dazu nötige Kraft und die Macht hast du jedenfalls. Ich werde auch dazu meine Mutter befragen. Aber wegen dem Phönix, warum fragst du nicht Albus Dumbledore, ob er dir mit Fawkes hilft?# #Dumbledore kann ich nicht fragen, er denkt, dass ich mich der dunklen Seite zugewandt habe! Außerdem hat er mich schon so oft enttäuscht und mir seine Hilfe verweigert, dass ich gerne ohne ihn auskommen möchte.#
#Albus Dumbledore denkt, dass du auf der dunklen Seite stehst? Dann ist er ein Narr! Ich werde wohl mal mit ihm reden müssen!# #Dumbledore kann euch auch verstehen, so wie ich?#, fragte Harry erstaunt. #Nein, dass kann er nicht. Aber er ist mächtig genug, damit ich ihm Bilder von dem schicken kann, was ich ihm sagen möchte. Du bist der einzige Mensch, mit dem ich mich ‚normal' unterhalten kann. Du solltest vielleicht wissen, dass ich etwas anderes sage als du verstehst. Dein Gehirn wandelt meine Sprache automatisch in deine um. Wenn du mir etwas sagst, verwandelt dann mein Gehirn deine Sprache in meine um, und so können wir miteinander reden. Einer unserer Alten hat mir das so erklärt. Die letzten Menschen, mit denen ein Einhorn reden konnte, waren Merlin und seine Gefährtin. Aber frage bitte nicht weiter danach, nicht jetzt...# Serephinas Stimmer verlor sich in Harrys Kopf, während er das Gehörte stockend an Hermine weiter gab.
Irgendwann setzte schließlich die Abenddämmerung ein, und so verabschiedeten sich die beiden Einhörner von ihren menschlichen Freunden. Würdevoll schritt Serephina über die Wiese in das dichte Innere des Waldes, während Daphne ihr müde hinterher trottete. Schließlich hatte sie fast den ganzen Nachmittag ausgelassen auf der Wiese herum getobt und gespielt. Harry und Hermine standen Arm in Arm auf der Wiese und sahen ihren beiden ungewöhnlichen Freundinnen nach, bis sie im Wald verschwunden waren. Dann apparierten sie nach Hause, wo sie sich beim Abendessen noch ein wenig mit Remus über das Erlebte unterhielten, bevor auch sie dann müde, aber zufrieden, in Richtung Bett verschwanden...
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Die beiden nächsten Tage waren wieder von ihren Studien geprägt. Auch Ginny und Neville kamen wieder vorbei, sie blieben diesmal sogar über Nacht im Wolfsheim. Remus machte deutliche Fortschritte beim Meditieren, so dass Harry beschloss, dass Remus das Meditieren Hermine, Ginny und Neville beibringen sollte. Da Harry oft unbewusst auf die Alte Magie zurückgriff, und zudem schon seit Jahren ohne Zauberstab zauberte, war Remus wohl der bessere Lehrer für die Drei. Harry vertiefte sich in seine eigenen Studien, aber die meiste Zeit in diesen zwei Tagen dachte er über das nach, was Serephina ihm gesagt hatte. Und so übte und trainierte Harry, wenn er nicht gerade vor seinen Büchern saß...
Harry überraschte seine Freunde am Abend vor dem Treffen im Fuchsbau, in dem er sie hinaus in den Garten bat, wo er ihnen etwas zeigen wollte. Harold blieb in seinem kleinen Sessel sitzen, dem Harry für ihn erschaffen hatte. Zu Ginny sagte er, dass dies jetzt Harolds Sessel sei, und dass dieser Sessel mit Harold automatisch ‚mitwachsen' würde. Nachdem dann Hermine, Remus, Ginny und Neville auf der kleinen Wiese mit den Obstbäumen standen, tauchten auf einmal Serephina und Daphne auf, die Harry schon seit dem Nachmittag gerufen hatte. Harry stellte die beiden Einhörner seinen Freunden vor, und Hermine erzählte in Kurzform, was sich zwischen ihnen und Harry zugetragen hatte.
Harry unterhielt sich unterdessen mit der Einhornstute. #Serephina, ich habe euch heute aus einem ganz bestimmten Grund gerufen. Ich weiß, dass ihr Werwölfe meidet, aber Remus ist ungefährlich für euch. Er kann jetzt sehr gut meditieren und sich so auf seine menschliche Kraft und Energie konzentrieren, um den Werwolf in ihm zu bändigen. Auch kann er sich in einen ‚normalen' Wolf verwandeln, bevor der Werwolf bei Vollmond die Kontrolle übernimmt. Dadurch ist er sehr friedlich geworden. Ihr braucht also keine Scheu mehr vor ihm zu haben.# #Hast du uns deshalb gerufen?#, fragte Serephina etwas unsicher.
#Nein, deswegen habe ich euch nicht gerufen. Aber ich wollte dich beruhigen, weil Remus mit hier ist und ich weiß, dass ihr euch bei seiner Anwesenheit nicht wohl fühlt.# #Das ist sehr freundlich von dir, mein Freund. Bist du dir sicher, dass er uns nicht mehr gefährlich werden kann?# #Nun, ich kann euch keine Garantie dafür geben. Aber ich kenne Remus und weiß, dass er als Mensch sehr friedliebend ist. Da Remus als Professor in Hogwarts arbeitet und eure gesamte Herde im Verbotenen Wald lebt, werdet ihr euch dort sicherlich begegnen, wenn wieder Vollmond ist. Wir können den Werwolf in Remus nicht besiegen, aber wir können ihn friedlich und ungefährlich machen. Aber er darf nicht gereizt oder provoziert werden...#
#Ich vertraue dir, Harry,# entgegnete Serephina nach einigen Augenblicken des Nachdenkens, #aber möchte mich selbst von Remus überzeugen. Kannst du ihm bitte sagen, dass er sich in einen Wolf verwandeln soll?# Harry wandte sich an Remus: „Serephina möchte sich von dir überzeugen, Remus. Kannst du ihr deine Verwandlung und auch deine Meditation zeigen? Ich glaube, sie möchte deine Aura prüfen."
Remus nickte, und nur einen Augenblick später stand der schwarz-graue Wolf vor ihnen, dessen Anblick Harry im Laufe der vielen Vollmondnächte so vertraut geworden ist. Ein paar Minuten blieb Remus als Wolf auf der Wiese stehen, dabei sah er Serephina fragend an. Dann verwandelte er sich wieder in seine menschliche Form und setzte sich auf die Wiese, um zu meditieren. Remus brauchte nicht lange, um in den Tiefen seiner eigenen Persönlichkeit zu versinken. Serephina und auch Harry beobachteten ihn dabei sehr genau, vor allem seine Aura, die nur für sie beide sichtbar war.
Langsam trat Serephina immer näher an Remus heran, bis sie schließlich direkt vor ihm stand. Vorsichtig legte sie ihren Kopf auf den seinen, wobei sie darauf achtete, dass sie Remus nicht mit ihrem Horn verletzen würde. Harry konnte nur vermuten, dass auch Serephina irgendwie meditierte, um Remus besser prüfen zu können, da er sah, dass ihre Aura nun heller leuchtete. In der Tat konzentrierte sich Serephina auf ihr Wesen und ihre Fähigkeiten. Dann sondierte sie Remus' Geist und seine Persönlichkeit.
Lange verharrten sie so, bis sich Serephina schließlich langsam zurückzog. Erschöpft legte sie sich ein paar Meter von Remus entfernt auf die Wiese. #Ich habe ihn geprüft, Harry. Dein Freund hat in seinem Leben sehr viel Leid und Verzweiflung erfahren, so wie du auch. Ich weiß jetzt, dass er für uns ungefährlich ist und dass wir euch nun unbesorgt auch hier jederzeit besuchen können. Es ist wie du gesagt hast, mein Freund. Als Mensch ist er sehr friedlich und von reinem Herzen. Auch der menschliche Teil seiner Seele ist rein, auch wenn die Spuren, die Narben großen Leides und tiefer Verzweiflung, nicht zu übersehen sind. Der Werwolf in ihm ist ruhig, er schlummert. Ich habe noch nie einen so friedlichen Werwolf gesehen!
Aber Remus muss aufpassen, dass der Werwolf in ihm nicht eines Tages wieder erwacht, dann ist er verloren. Es gibt eine Möglichkeit, den Werwolf endgültig zu überwinden, aber das müsst ihr selbst herausfinden. Ich darf euch das nicht sagen! Ich kann euch erst dann helfen, wenn ihr das Wissen dazu gefunden habt. Aber ich möchte dir einen Hinweis geben: Die Möglichkeit, den Werwolf zu überwinden, hängt mit denselben Kräften zusammen, die du benötigst, um deinen kranken Freund und seine Eltern zu heilen. Und ihr könnt diese Kräfte unterstützen durch die Macht eurer Herzen... Mehr darf ich jetzt nicht sagen.#
Serephina ließ ihren Kopf auf ihre Vorderhufe sinken, sie war wirklich erschöpft. Harry bedankte sich für ihre Informationen und gab sie an seine menschlichen Freunde weiter.
Harry setzte sich auf die Wiese, an Serephinas Seite. Neville gesellte sich zu ihnen, nachdem er seinen schlafenden Sohn zu sich geholt hatte. Auch Remus folgte zögernd. Vergnügt sahen sie zu, wie Hermine und Ginny ausgelassen mit Daphne spielten. Das Einhornfohlen genoss die Aufmerksamkeit seiner zwei neuen menschlichen Freundinnen sichtbar. Irgendwann wachte Harold auf, was Daphne dazu brachte, den Kleinen neugierig in näheren Augenschein zu nehmen. Doch Harold war ihr zum Spielen zu klein, und so tobte sie bald wieder über die Wiese. Harold dagegen entdeckte Serephina, und begeistert ging er auf Entdeckungstour und kraxelte auf ihr herum. Serephina ließ es gutmütig über sich ergehen. Harry erklärte ihr alles, was er über das Aufwachsen des menschlichen Nachwuchses wusste.
Einige Zeit später stand Harry auf. #Eigentlich habe ich euch gerufen, weil ich euch etwas zeigen wollte#, sagte er zu Serephina. #Ich weiß, Harry. Ich warte schon die ganze Zeit darauf...#, antwortete die Einhornstute dem etwas verblüfften Zauberer. Kopfschüttelnd ging er ein paar Meter weg, damit er etwas freien Platz um sich herum hatte. Ohne ein Wort zu seinen Freunden zu sagen, stand er auf dem Rasen.
Harry konzentrierte sich auf seinen Körper und auf seine Kräfte. In seinem Geiste stellte er sich vor, wie sich sein Körper langsam verändern würde, so wie er es schon so oft getan hatte. Er stellte sich vor, wie ihm Hufe wachsen würden, wie sein Körper auf allen Vieren stand. Wie sich sein Äußeres veränderte... Irgendwann hatte Harry das Gefühl, dass sein Körper die richtige Form angenommen hatte. An der Reaktion seiner Freunde erkannte er, dass er sich erfolgreich verwandelt hatte. Sie starrten in mit offenen Mündern an, so als wollten sie nicht glauben, was sie da sahen.
Nur Serephina reagierte gelassen. #Siehst du, ich habe dir doch gesagt, dass du es schaffst!#, sagte sie zu Harry. #Ich muss sagen, du siehst sehr gut aus als Einhorn! Schade, dass du schon eine Gefährtin hast...# Wäre sie ein Mensch gewesen, so hätte man ihr Grinsen deutlich sehen können. Harry senkte seinen Kopf. #Serephina, wie soll ich das jetzt bitte verstehen?#, sagte er verlegen. #Ich meine ja nur, du gibst einen großen, starken und stolzen Einhornhengst ab. Und so wie du dich um Daphne und auch um mich kümmerst, hätte ich nichts dagegen, wenn du mein Gefährte wärst. Aber keine Angst, ich weiß das du zu Hermine gehörst und sie zu dir!# #Serephina, du überraschst mich immer wieder!#
#Harry, bist du das?# #Ja Daphne, ich bin Harry.# #Das ist ja toll, jetzt können wir zusammen durch den Wald traben und um die Wette rennen...# Daphne war ganz begeistert von Harrys Verwandlung. Immer wieder rannte sie um ihn herum und sah ihn sich von allen Seiten an. Dann schmiegte sie sich an seine Seite, so als wollte sie dort Schutz suchen. Harry wandte seinen Kopf, wobei er aber noch Probleme damit hatte, dass Gewicht des Einhorns auf seiner Stirn auszubalancieren, und zupfte leise schnaubend an Daphnes Haarsträhnen zwischen ihren Ohren. Daphne genoss diese Zärtlichkeiten und erwiderte sie.
Serephina wurde es ganz warm ums Herz, als sie den beiden zusah. Hatte Daphne jetzt endlich den Vater gefunden, den sie sich immer gewünscht hatte? Aber das wäre zu schön um wahr zu sein. Serephina wusste, dass Harry sich nicht immer um Daphne kümmern konnte. Außerdem war er ein Mensch, auch wenn er sich jetzt in ein Einhorn verwandeln konnte. Und sie wusste auch, dass sein Herz einer anderen gehörte, einer Menschenfrau namens Hermine...
Hermine war die erste, die ihre Sprache wieder fand. Fasziniert beobachtete sie die Szene, die sich vor ihren Augen abspielte. Als dann jedoch Serephina aufstand und zu ihrer Tochter und dem Einhornhengst ging und sich an deren Spielchen beteiligte, spürte Hermine ganz deutlich, wie die Eifersucht in ihr erwacht war und nach ihrem Herz griff. Mit wackligen Beinen ging Hermine zu den drei Einhörnern, die so aussahen wie eine glückliche Familie. Vorsichtig schob sich Hermine zwischen die Stute und dem Hengst, doch zu ihrer Überraschung machte ihr Serephina freiwillig etwas Platz.
Hätte Hermine Serephinas Gedanken lesen können, so hätte sie erfahren, dass Serephina traurig war, weil Harry nicht für sie bestimmt war, und gleichzeitig auch glücklich war, weil Daphne zumindest für einen kleinen Moment erfuhr, was es hieß, eine richtige Familie zu haben. Doch da Hermine nichts von Serephinas widersprüchlichen Gefühlen wusste, tat sie das Einzige, was ihr in diesem Moment einfiel: Sie versuchte, Harrys Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Hermine trat vor Harry und umfasste seinen Einhornkopf mit ihren Händen und zwang ihn damit sanft, sie anzusehen. Doch als sie dann in seine smaragdgrünen Augen sah und dort die tiefe Zuneigung ihr gegenüber erkannte, wusste sie, dass Harry sie nicht vergessen hatte.
Vor Erleichterung lächelnd kraulte sie seine Stirn und die Stelle zwischen den Ohren. Harry legte seinen Kopf vorsichtig auf ihre Schulter und knabberte ein wenig an ihren Haaren, so als wollt er ihr sagen, dass sie nicht um seine Liebe fürchten musste.
Serephina erkannte, dass sie gegen diese tiefe Zuneigung machtlos war, die Harry und Hermine miteinander verband. Trotzdem kämpfte sie mit ihren Empfindungen, die sie noch nie zuvor in solcher Deutlichkeit gespürt hatte. Ihre Mutter hatte ihr nie gesagt, dass Gefühle so sehr wehtun können! Serephina wusste zum ersten Mal in ihrem Leben nicht, was sie machen sollte. Sie glaubte, all die Reinheit und die Weisheit, die den Einhörnern eigen sind, hätten sie verlassen. Ratlos wie sie war, beschloss Serephina, sich zurück zu ziehen, damit sie nachdenken konnte. Vielleicht konnte ihr auch ihre Mutter helfen...
Harry bemerkte, wie sich Serephina von ihm entfernte. Vorsichtig löste er sich von Hermine und ging der Einhornstute ein, zwei Schritte nach. Auch Daphne war ihrer Mutter gefolgt, sie stand jetzt zwischen Serephina und Harry. #Serephina, warum gehst du?#, fragte Harry. Zögernd antwortete sie ihm. #Ich möchte allein sein, ich muss über einiges nachdenken.# Doch da sich Harry nun auch in ein Einhorn verwandeln konnte und sie beide außerdem das Blut des anderen in sich trugen, konnte sich Serephina nicht mehr vor Harry verschließen. Er konnte in ihr lesen wie in einem offenen Buch.
Langsam verstand Harry auch, was in Serephina vorging. Leise sagte er zu ihr: #Serephina, du weißt, dass ich dich mag, und dass auch Daphne mir sehr am Herzen liegt. Aber es gibt nur eine Frau, die ich von ganzem Herzen liebe, und dass ist Hermine. Die Menschen sind üblicher Weise monogam, sie haben immer nur einen Partner. Ich weiß, die Empfindungen, die du jetzt hast, sind dir neu und fremd. Aber für mich sind sie das nicht, sie sind ein ständiger Begleiter des menschlichen Daseins und somit auch von mir. Jeder Mensch muss mit seinen Emotionen leben und mit ihnen fertig werden, jeden Tag aufs Neue. Den Menschen hilft es manchmal, wenn sie mit anderen über ihre Gefühle reden. Ich wünschte, du könntest dich mit Hermine unterhalten, dass wäre einfacher für euch. Sie ist auf dich eifersüchtig genauso wie du es auf sie bist...
Weißt du, ich musste meine Liebe zu Hermine schon einmal aus meinem Herzen verbannen, und das hat mich fast umgebracht. Ich kann das nicht noch einmal tun! Ich möchte sehr gerne dein und Daphnes Freund sein, aber ich werde niemals dein Gefährte sein. Als Hermine nach so langer Zeit endlich zu mir gekommen ist und wir uns unsere Liebe eingestanden haben, habe ich mir geschworen, mich nie wieder von Hermine zu trennen. Wir wollen für den Rest unseres Lebens zusammen bleiben. Ich kann dich nur bitten, dass du versuchst das zu verstehen und zu akzeptieren.#
Serephina schnaubte leise, dann drehte sie sich um und ging auf den Wald zu. Daphne hatte zwar die Unterhaltung zwischen Harry und ihrer Mutter gehört, aber nicht so ganz verstanden. Aber sie spürte, dass ihre Mutter etwas bedrückte. Und so verabschiedete sie sich von Harry und folgte ihrer Mutter. Harry verwandelte sich wieder in seine menschliche Gestalt und sah den Beiden traurig hinterher.
Selbst nachdem die beiden Einhörner schon lange verschwunden waren, stand Harry immer noch so da. Hermine seufzte und ging langsam zu ihrem Freund. Als sie vor ihm stand und die Traurigkeit in seinem Gesicht und in seinen Augen sah, nahm sie ihn in ihre Arme. „Es tut immer weh, wenn man Freunde verliert. Doch manchmal stellt sich heraus, dass man seine Freunde nicht verloren hat, sondern das sie nur etwas Zeit für sich selbst brauchen, und dass sie dann wieder zu einem zurückkommen...", sagte sie leise zu Harry.
Später, als nach dem Abendessen alle wieder auf der Veranda saßen und Hermine erfolgreich Harrys Traurigkeit verscheucht hatte, fiel ihm plötzlich ein, dass er noch nicht einmal wusste, wie er denn eigentlich so als Einhorn aussah. Seine Freunde lachten, das war wieder einmal typisch für Harry! Doch dieser grinste, und schnell hatte er einen großen Spiegel beschworen. Dann verwandelte er sich wieder in ein Einhorn und stellte sich vor den Spiegel. Was er dabei sah, stimmte ihn zufrieden.
Im Spiegel sah Harry einen großen Einhornhengst, den man seine Stärke deutlich ansehen konnte. Sein weißes Fell glänzte, und sein Horn auf der Stirn sah schon recht bedrohlich aus. Aber verblüfft registrierte Harry, dass in seiner weißen Mähne und auch in seinem weißen Schweif immer wieder etliche schwarze Strähnen waren...
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Viele Kilometer entfernt saßen zwei alte Zauberer zusammen in einer alten, halb zerfallenen Fischerhütte. "Endlich hat er es geschafft! Was meinst du, wie lange er noch für die anderen Verwandlungen brauchen wird?" "Nun, ich vermute, da er jetzt die erste geschafft hat und außerdem seine Gefährtin endlich bei ihm ist, werden wir nicht mehr so lange warten müssen... Glaubst du, er wird mir irgendwann vergeben können?" "Mach dir nicht so viel Gedanken darum, mein Freund. Er hat doch jetzt wieder Kontakt zu seinen Freunden, da wird er sich bestimmt nicht mehr so sehr zurückziehen wie noch vor ein paar Jahren. Und falls er es doch versucht, dann wird es seine Gefährtin hoffentlich verhindern. Ich denke, wenn er alle Verwandlungen geschafft und seine selbst auferlegten Aufgaben erfüllt hat, dann werden wir ihm wohl reinen Wein einschenken müssen."
"Ich mache mir Sorgen! Mir ist es noch nie leicht gefallen, ihm etwas vorzuspielen! Wenn ich ihm doch wenigstens alles über seine Familie sagen könnte..." "Nicht mehr lange, mein Freund, und du kannst ihm alles über aeine Familie erzählen! Wir müssen nur noch abwarten, bis er endlich seine restlichen Verwandlungen geschafft hat und seine Kenntnisse über die Alte Magie erweitert hat. Wenn er dann auch noch das Ritual mit seiner Gefährtin durchführt, dann können wir ihm alles sagen und beibringen, damit er sein Erbe antreten kann..."
"Du hast gut reden, du weißt, dass ich nicht so geduldig bin wie du!" "Na ja, ich bin ja auch schon ein paar Jährchen älter als du!" Sein Gesprächspartner, der alte Zauberer mit der halbmondförmigen Brille und der Hakennase, lächelte kurz bei dieser Bemerkung seines berühmten Freundes. "Wenn ich daran denke, wie oft du in unseren Geschichtsbüchern erwähnt wirst, und das ich jetzt hier sitze und mit dir rede... Was würden wohl die Anderen dazu sagen?"
Sein Gegenüber zeigte nur ein verschmitztes Grinsen. "Tja, nicht jeder kann sich durch die Zeit bewegen... Aber ich sollte bald zurückkehren, Nimue wartet schon auf mich!" "Dann sag mir schnell noch, wie wir weiter vorgehen wollen!" "Also, ich habe mir gedacht, dass du unseren Lieblings-Jung-Magier noch ein bisschen reizt, ihn noch ein wenig provozierst, damit er sich endgültig in der Öffentlichkeit zurück meldet. Und ich werde wohl einmal mehr den alten Buchhändler spielen..."
"In Ordnung, ich lasse mir was einfallen. Wann sehen wir uns wieder?" "Ich werde dir Bescheid geben, wie immer..." Mit diesen Worten verschwand einer der beiden alten Zauberer einem silbrigen Nebel und ging zurück in seine eigene Zeit...
t. b. c.
