Disclaimer: Alles aus der Welt von Mittelerde gehört immer noch nichts mir sondern Tolkien und daran wird sich wahrscheinlich auch nichts ändern.

Anmerkung der Autorin: Dieser Teil wurde nicht betagelesen. Jegliche Fehler sind meine eigenen. Nach bereits mehr als einjährigem Bestehen dieser Geschichte steht sie endlich kurz vor der Vollendung und vor allem an erster Stelle auf meiner Fanfictionfertigmachliste. Veröffentlichung des letzten Kapitels voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Monate

DER SCHRECKEN DES DÜSTERWALDS

Ruhig lag der nächtliche Wald da. Scharf hoben sich die dunkleren Umrisse der Bäume von ihrer Umgebung ab. Der Wald schlief, nichts rührte sich und alles war ruhig. Wenn man einmal von mehreren hundert Orks absah, die durch den Wald trampelten, zusammen mit mehren Karren Ausrüstung und Verpflegung und einem riesigen Troll. Langsam aber stetig kroch der Zug wie ein riesiger, schwarzer, stacheliger, stinkender Wurm auf die Siedlung der Elben zu. Geschickt schlängelte er sich zwischen den Bäumen hindurch.

Gâshnut zuckte zusammen, als wieder einmal ein besonders lautes Krachen ertönte. „Wenn die weiter so einen Krach machen, wissen die Elben spätestens in fünf Minuten, dass wir auf dem Weg sind", knurrte er.

Grundgoi schnaubte. „Was erwartest du? Du kannst nicht mit vierhundert Orks und einem Höhlentroll durch einen Wald gehen und erwarten, dass sie so leise sind wie eine Maus. Außerdem ist es ziemlich egal ob wir jetzt schon entdeckt werden oder später. Sehen werden sie uns sowieso und sich sofort hinter ihre wunderbare Mauer zurückziehen. Dann kommen wir erst mal sowieso nicht an sie heran."

„So hätten wir aber wenigstens eine Chance. Wenn sie uns jetzt schon bemerken, haben wir mir nichts, dir nichts einen Haufen Elbenkrieger auf dem Hals. Und unser ganzer schöner, kleiner Plan ist für die Katz. Was er eigentlich sowieso ist. Es ist mir ein Rätsel wie er erwarten kann, dass wir in eine Elbenstadt hineinmarschieren und einen abgerichteten Kriegselefanten herausholen."

„Das ist halt Sauron", seufzte die Orkin. „Versuch erst gar nicht ihn zu verstehen."

„Ruhe", zischte eine aufgebrachte Stimme von hinten. „Ihr zwei zusammen macht schon soviel Krach wie alle anderen zusammen. Dann beschwert euch auch nicht, wenn wir entdeckt werden."

Grundgoi warf einen missbilligenden Blick nach hinten, musste aber zugeben, wenn auch sehr ungern, dass Sharaprakh leider recht hatte. Gâshnut und Grundgoi warfen sich noch einen bedeutungsvollen Blick zu und setzten ihren Weg dann schweigend fort.


Mit zittrigen Händen griff Thranduil nach der Tasse, die auf dem Tisch neben seinem Bett stand, und nippte an der dampfenden Flüssigkeit. Sein Diener hatte ihm kurz zuvor das Schlafmittel von den Heilern gebracht und nach einigem Zögern hatte er beschlossen es auch zu nehmen. Tagelang war es ihm gelungen dem Heiler selbst, seinem Sohn und auch einem Großteil seiner engeren Vertrauten zu entkommen, die alle der festen Überzeugung waren, er müsste sich unbedingt untersuchen lassen. Schließlich hatte er aufgegeben und den Heiler in seine Räume gelassen.

Er hatte versucht sich mit jeder Menge Wein und anderen hochprozentigen Getränken zu ein wenig Schlaf zu verhelfen, doch das Brüllen des Ungetüms vor seiner Stadt war einfach zu laut und zu durchdringend, als das diese Methode irgendetwas gebracht hätte. Außer, dass ihm jetzt schwindlig war und er Kopfschmerzen hatte. Ungeduldig blies er in den Tee um ihn abzukühlen und kniff schnell die Augen zusammen, als ihm die heiße Flüssigkeit ins Gesicht spritzte. Er beschloss, dass er genug darauf gewartet hatte, dass der Tee kälter wurde, und trank ihn mit großen Schlucken aus. Er hasste es irgendwelche Arzneien zu nehmen, aber er hielt es einfach nicht mehr aus und eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Thranduil kroch mühsam auf sein Bett, zog die Decke über sich und lauschte dem lieblichen Gesang eines einsamen Elefanten. Die Zeit, die das Mittel brauchte um zu wirken, kam ihm verdächtig lang vor und Entsetzen machte sich langsam in ihm breit. Wenn nicht einmal das half, was sollte er dann noch tun? Welche andere Möglichkeit hatte er noch, außer in die Hallen des Wartens zu fliehen? Frustriert erhob er sich, um noch ein wenig nachzuhelfen, jetzt schien genau der richtige Zeitpunkt für die Flasche Miruvor für Notfälle in seinem Nachtschrank zu sein. Er nahm sie heraus und ließ sich wieder auf seinem Bett nieder. Er trank einige große Schlucke und bemerkte dann, dass seine Augen irgendwie ziemlich schwer wurden. Das Schlafmittel schien jetzt doch zu wirken. Und in was für einem Tempo. Thranduil hatte gerade noch genug Zeit, die Flasche auf dem Tisch abzustellen und sich wieder hinzulegen, bevor er auch schon eingeschlafen war.


„Mein König! Mein König!" Keuchend stieß der Elb die Tür zum Speisesaal auf und stand einen Moment später nach Luft schnappend im Raum. Dann wandte er sich an den König – nur um festzustellen, dass der nicht da war. „Der König!" keuchte er. „Wo ist er?"

Legolas stand auf und ging zu dem Elben hinüber. „Er ist noch nicht hier. Kann ich dir irgendwie weiterhelfen?" Unsicher sah der Krieger auf den Prinzen und ließ dann seinen Blick über die vielen Elben im Raum gleiten. Legolas verstand und führte ihn aus dem Saal hinaus. Er schloss die Türen und wandte sich an den Elben. „Nun? Worum geht es?"

Erschöpft lehnte sich der Elb an die Wand. Er war den ganzen Weg von den Grenzen bis hierher gerannt, um seine Botschaft zu überbringen, und es hatte ihm einiges abverlangt. Er riss sich zusammen und richtete sich wieder auf. „Orks, mein Prinz. Wir haben eine große Gruppe Orks gesichtete, die auf unsere Stadt zuhält. Sie haben auch einen Höhlentroll dabei und scheinen die Absicht zu haben uns anzugreifen."

„Was?" Entsetzt sah Legolas den Elben an. „Bist du dir sicher."

Er nickte. „Ganz sicher, mein Prinz. Und sie sind schon sehr nahe. Wir haben keine Ahnung wie sie es geschafft haben so dicht heranzukommen, aber sie werden uns spätestens morgen früh erreicht haben."

Für einen Moment starrte der Prinz den Elben einfach nur entsetzt an, dann riss er sich zusammen. „Ich danke dir. Ich werde meinen Vater sofort benachrichtigen. Geh und ruh dich aus."

„Ja, mein Prinz." Der Elb verbeugte sich vor dem Sohn seines Königs und machte sich dann auf den Weg zu seinem Haus.

Legolas machte sich sofort auf den Weg zu den Gemächern seines Vaters. Er blieb vor der verzierten Tür stehen und klopfte hektisch. Keine Reaktion. Er klopfte noch einmal und wartete darauf, dass sein Vater ihn hereinbat oder die Tür öffnete. Als nach dem fünften Klopfen immer noch nichts darauf hindeutete, dass der blonde Elbenkönig ihn gehört hatte, versuchte er die Tür zu öffnen. Zu seiner Überraschung war sie unverschlossen, was sonst eigentlich nie der Fall war. Leise betrat er den Raum, der durch die zugezogenen Vorhänge noch in Dunkelheit getaucht war. Er zog sie auf um besser sehen zu können und ging zum Bett. Thranduil lag auf dem Bauch unter der Decke, ein Arm hang an der Seite herab, der andere lag schlaff neben seinem Kopf. Er hatte die Augen geschlossen.

Besorgt ließ Legolas sich neben dem Bett auf die Knie sinken und schüttelte seinen Vater, um ihn aufzuwecken. „Ada?" Der große schlanke Elb rührte sich nicht und auch heftigeres Schütteln und lautes Rufen hatten keinen Erfolg. Schließlich stand Legolas auf, um einen Heiler zu holen.

Einige Minuten später kam er mit einem Elben dieses Berufes zurück. Er setzte sich auf das Bett neben die reglose Gestalt des Königs und untersuchte ihn. Legolas Blick fiel auf die geöffnete Flasche auf dem Nachttisch. Er hob sie hoch, um sie genauer zu betrachten. Miruvor. Und es fehlte eine beträchtliche Menge. Kritisch betrachtete der Heiler die Flasche und seinen König, dann seufzte er laut auf.

Ängstlich sah Legolas den Heiler an. „Was ist mit ihm? Es geht ihm doch gut, oder? Er wird wieder gesund, nicht?"

Der Heiler nickte. „Natürlich. Er muss sich nur einmal richtig ausschlafen." Mit einem Grinsen im Gesicht griff der Heiler nach der leeren Teetasse. „Ich hatte ihm ein Schlafmittel bringen lassen, weil er Schwierigkeiten beim Schlafen hatte. Anscheinend ist Euer Vater ein wenig ungeduldig geworden und hat mit ein wenig Alkohol nachgeholfen. Was natürlich keine gute Mischung ist."

„Und… was heißt das?"

Der Heiler schüttelte amüsiert den Kopf. „Nichts. Außer, dass er wohl eine ganze Weile nicht mehr aufwachen wird. Nun ja, halb so schlimm. Der Düsterwald wird auch mal einen Tag ohne seinen König auskommen."

Entsetzt starrte Legolas auf seinen schlafenden Vater. „Aber… aber… das geht nicht… die Orks… wir werden angegriffen. Er kann jetzt nicht schlafen."

Der Heiler bleib auf dem Weg nach draußen stehen und sah ihn erschrocken an. „Wir werden von Orks angegriffen?"

Der Prinz nickte verzweifelt, noch immer den Blick auf seinen Vater gerichtet.

Der Heiler seufzte schwer. „Nun, dann werdet Ihr das jetzt wohl selbst in die Hand nehmen müssen. Als Prinz werdet Ihr doch sicher Erfahrung mit solchen Dingen haben, selbst wenn es nur theoretisch ist. Ihr schafft das schon."

Legolas sah dem Heiler entgeistert hinterher, als der den Raum verließ. Das konnte er nicht ernst meinen. Aber anscheinend tat er das. Verzweifelt suchte er nach einer Möglichkeit, die ihn um diese Aufgabe herumbringen würde. Aber nach einer halben Stunde war ihm immer noch nichts eingefallen und die Zeit wurde knapp. Die Orks würden nicht auf ihn warten. Seufzend ergab er in sein Schicksal und überließ seinen Vater seiner Bewusstlosigkeit, um den Versuch zu starten, irgendwie die Verteidigung der Elbenstadt in den Griff zu kriegen.