Wasser Teil 2
Hmm, das war nicht sehr angenehm, dachte Kili noch bevor alles um ihn herum schwarz wurde. Eine Ironie, denn auch bevor er in Ohnmacht viel, war alles um ihn herum schwarz gewesen.
Fili machte sich fertig um seinen kleinen Bruder zu suchen. Kili war jetzt nicht aufgetaucht und auch von Banfy hatten sie nichts mehr gesehen, seit sie weggeschwemmt wurde. Die ganze Zwergengruppe stand um ihn herum um ihm noch einige Ratschläge mit zu geben. Fili versucht zuerst höflich zu antworten, was er aber auch gleich bleiben lassen konnte. Er wollte los. Und zwar jetzt!
„Wenn du dem Seil folgst, müsstest du sehr wahrscheinlich auf deinen Bruder treffen", riet ihm Thorin noch. Fili nickte als Antwort kurz, alles andere wollte er nicht hören. Wie zum Beispiel Oins Ratschlag: „Wenn Kili schon ganz blau im Gesicht ist, musst du dir nicht die Mühe machen, ihn mit zurück zubringen, dabei würdest du nur dein eigenes Leben gefährden. In dem Falle gäbe es keine Möglichkeit ihn noch zu retten". Ein Ratschlag den Fili und sein Onkel nur mit dem gleichen dunklen Blick quittierten. Wer wollte so etwas schon hören, wenn es um einen nahen Verwandten ging?
„Fili, du darfst das Seil nicht loslassen", schärfte ihm sein Onkel noch einmal ein. Die beiden standen mit einigem Abstand zu anderen am Rand zum Fluss.
„Ich weiß. Aber du musst auch wisse, dass ich entweder mit Kili wieder zurückkomme, oder gar nicht".
Thorin schluckte. Er hätte es sich eigentlich denken können, aber es aus dem Mund seines Neffen zu hören, war etwas gänzlich anderes. „Ich würde nicht weniger von dir erwarten, wenn es um deinen Bruder geht", erwiderte er dennoch. Thorin würde nicht zulassen, dass Fili sah, wie sehr es ihn mitnahm, seine beiden Neffen in einer solchen Gefahr zu sehen. Das schaffte er sogar erstaunlich gut. So gut, das Bilbo danach der Auffassung war, Thorin hätte überhaupt keine Gefühle gegenüber seinen Neffen. Fili verstand seinen Onkel da schon eher, wenn ihm auch nicht das ganze Ausmaß dessen bewusst war. Er konnte nicht einmal erahnen, wie viel er und sein Bruder ihrem Onkel bedeuteten.
Ohne ein weiteres Wort oder ein Blick zurück ließ sich Fili in das Wasser gleiten. Er hatte sich dagegen entschieden, sich das Seil umzubinden. Es würde ihn nur aufhalten.
Das Wasser war eisig kalt, viel kälter als der blonde Zwerg erwartete hätte. Es verschlug ihm kurz den Atem, als es über seinem Kopf zusammenschlug.
Kili. Konzentration. Er musste seinen Bruder finden.
Zum Glück hatte er das Seil trotz der starken Strömung nicht losgelassen, sonst wäre seine einzige Chance Kili zu finden verloren gewesen.
Der Strom versuchte Fili Unterwasser zu ziehen, doch der Gedanke an seinen kleinen Bruder irgendwo dort draußen verlieh Fili eine unglaubliche Widerstandfähigkeit.
Das Seil rann immer tiefer und weiter in den Fluss hinein und Fili musste zwangsläufig hinab tauchen. Er holte tief Luft und begab sich freiwillig unter die Wasseroberfläche. Nach wenigen Metern schon konnte er nichts mehr sehen. Das Wasser war zu dunkel. Fili zog sich mit seinen starken Armen immer weiter, bis er mit den Händen an einen Felsenstieß.
Immerhin waren es nur die Hände und nicht mein Kopf, dachte Fili. Gleich darauf hatte er einen weniger erfreulichen Gedanken. Was wenn Kili bei den ganzen Felsen nicht so viel Glück gehabt hatte, wie er selbst?
Thorin starrte auf das Wasser hinaus. Fili war nun schon vor einer ganzen Weile hinunter getaucht und seit dem nicht mehr gesehen worden. Wieso hatte er Kili noch mal in diesen vermaledeiten Fluss geschickt? Ach genau, wegen Vorräten. Wegen so etwas unwichtigem? Sie könnten auch gut jagen gehen oder sonst etwas. Er würde auch Elben fragen, nur um seine beiden Neffen jetzt sicher bei sich zu wissen.
„Dwalin!"
„Ja, Thorin?", antwortete dieser, sofort an der Seite seines Anführers.
„Wir bleiben heute Nacht hier. Spannt einige Planen dort drüben bei den Bäumen auf und macht ein Feuer. Die beiden Jungs werden sich aufwärmen müssen, wenn sie wieder kommen"
„Ist das denn klug? Es ist keine geschützte Stelle und ein Feuer wäre meilenweit zu sehen. Außerdem dürfte es schwierig werden, bei diesem Regen", meinte Dwalin und schaute in den grauen, von wolkenverhangenen Himmel.
Thorin sah ihn grimmig an. „Oin, Gloin! Könnt ihr bei diesem Wetter ein Feuer entzünden?", fragte er seine beiden Kameraden, welche sich besonders das Feuermachen zu ihren Eigenschafften zählten.
„Mit den richtigen Sachen, klar", erwiderte Gloin.
„Und habt ihr diese Sachen", fragte Thorin harsch. Er hatte keine Zeit sich zu unterhalten. Er musste weiter Ausschau nach seinen Neffen halten.
Oin begann sofort seine Taschen zu untersuchen. „Ja, ich habe meine Zunderbox hier. Das Feuer dürfte auch in diesem Zustand kein Problem werden", antwortet er.
„Worauf wartete ihr dann noch?", bellte Thorin sie an. Konnten nicht alle einfach tuen was er sagte, ohne dass er es wiederholen musste?
Nachdem er endlich alle Befehle erteilt hatte, eilten die übrigen Zwerge und ein Hobbit das Lager vorzubereiten. Nur Thorin und Dori standen noch am Flussufer.
„Da, Dori. Dort ist Fili!", rief Thorin erfreut. Tatsächlich, etwas Blondes schwamm an der Oberfläche. Dori gestatte sich ein Lächeln. Er hoffte es würde ein freudiges Ereignis werden. Er wusste nicht wie Fili oder Thorin sonst damit umgehen würden. Auch wenn sein Anführer versuchte es zu verbergen, Dori konnte er nicht täuschen. Er sah es ihm an, wie wichtig ihm seine Neffen waren. Sie waren wie Kinder für ihn, und Dori konnte ihn gut verstehen. Seine beiden Brüder Nori und Ori, waren sehr viel jünger als er und daher hatte auch er sich oft eher wie ihr Vater als wie ihr Bruder gefühlt.
Fili mühte sich mit Kili ab. Er war bewusstlos und das vermutlich auch schon eine ganze Weile. So genau konnte der blonde Zwerg dass nicht sagen, aber er war froh jetzt wieder an der Wasseroberfläche zu sein. Nachdem er gegen den Felsen gestoßen war, hatte er glücklicherweise seinen kleinen Bruder gleich daneben gefunden. Mit einem seiner Messer hatte er Kili von dem Seil losgeschnitten, und war nun mit ihm auf dem Rückweg. Er war schwierig, seinen Bruder durch das Wasser zu transportieren und sie wurden ein ganzes Stück abgetrieben.
„Thorin!", rief Fili, als er genug Luft hatte. Er bekam noch nicht mal so viel Wasser in den Mund. Das Schwierigste war allerdings, sicher zu gehen, dass Kili ebenfalls über Wasser blieb. Er durfte mit dem Kopf nicht noch länger unter Wasser bleiben.
Fili behielt immer das Ufer im Auge und langsam aber sicher schaffte sie es auch in diese Richtung. Er sah wie sein Onkel in ihre Richtung sprintete, er hatte noch ein ganzes Stück weiter oben gestanden. Hinter ihm folgte jemand, der möglicherweise Dori sein konnte.
Plötzlich wurde Fili erneut von einer starken Strömung erfasst und konnte nur noch ganz knapp einem Fels ausweichen, der vor ihm aus dem Wasser ragte. Er wollte Kili noch vor der Kollision bewahren, doch die Strömung machte es unmöglich. Fili hielt seinen Bruder fest, während er gegen den Stein geworfen wurde. Fili befand sich hinter diesem, so dass er zwischen ihnen aufragte.
Kili stöhnte.
„Kili! Kili? Wach auf, Bruder! Du musst jetzt zu dir kommen. Hörst du mich? Wenn du mich hörst, dann Nicke oder mach sonst irgendein Zeichen!", befahl Fili seinem Bruder. Es war wichtig, dass Kili jetzt aufwachte. Fili wusste nicht, wie er sie sonst beide wieder ans Ufer bringen sollte. Es war immer noch etwa 15 Meter entfernt und auch seien Kräfte ließen nach. Die Kälte machte Fili zu schaffen.
Kili nickte ganz schwach. Vor Erleichterung hätte Fili ihn fast losgelassen, doch er besann sich schnell wieder.
„Okay Kili. Wir schaffen es beide wieder an Land zu kommen. Dazu musst du die Augen aufmachen. Kannst du das für mich tun?"
Alles tat ihm weh. Besonders die Lunge. Und deswegen auch jeder Atemzug. Kili hörte die Stimme seines Bruders, während Wasser ihm um den Körper spülte. Als Fili es von ihm verlangte, schaffte es Kili mit all seiner Kraft zu schwach zu nicken. Wie durch Watte hörte er, was Fili danach zu ihm sagte.
Er versuchte die Augen aufzumachen, doch das Licht tat so weh. Er versuchte es noch einmal. Es war einer der härtesten Kämpfe, die Kili bisher kämpfen musste. Aber er wollte doch so gerne zu seinem Bruder!
Schließlich schaffte er es seine Augen einen Spalt zu öffnen. Gut. Jetzt noch ein kleines bisschen mehr. Fast geschafft… Kili zuckte zurück, als das er seine Augen ganz öffnete und Tageslicht in sie eindrang. Dabei war es noch nicht einmal sonderlich hell heute. Eigentlich ging es eher schon in Richtung Abend und Dämmerung hin.
„Sehr gut, Kili!", kam der freudige Ruf seines Bruders, als Fili bemerkte, dass Kili wieder zu sich gekommen war. „Jetzt müssen wir nur noch wieder an Land kommen, und dann kannst du dich trocknen und aufwärmen"
Kili lächelte schwach, als er an seine Decke und an ein warmes Feuer dachte. Dann musste er niesen.
„Los, Dori lauf und hol ein Seil!", rief Thorin seinem Freund zu. Dieser drehte sich auf dem Absatz um und rannte zu ihrem Lagerplatz. Thorin lief währenddessen weiter, bis er auf den gleichen Höhe war, wie Fili und Kili.
„Fili! Kili!", brüllte er über das rauschen des Wasser hinweg. Er musste seine Neffen unbedingt auf sich aufmerksam machen.
Darum hätte er sich keine Sorgen machen müssen. Fili hatte ihn schon gesehen und reagierte sofort.
„Hier drüben, Onkel!"
„Tut nichts, Dori holt ein Seil. Wartet!"
Fili nickte. Wenn sie noch ein Seil bekämen, wäre alles in Ordnung. Ihre Freunde könnten sie an Land ziehen. Er sah auch schon in ihrem Lagerplatz ein Feuer brennen, das war gut, so würden sie Kili gleich aufwärmen können:
„Hast du das gehört? Die Anderen holen uns ein Seil, sie sind bestimmt gleich wieder da. Und dann sind wir im Warmen", redete Fili mit Kili, welcher nicht reagierte. „Kili? Hast du mich verstanden?" Immer noch keine Reaktion von seinem Bruder. Sanft rüttelte Fili die Hand seines Bruders. „Hey, nicht wieder einschlafen!" Kili bewegte sich kein Stück. „Verdammt Kili, Nein!"
Kili war zurück in die Schwärze gefallen. Ausgerechnet jetzt, wo Dori mit dem Seil wiedergekommen war. Der starke Zwerg warf das Seil und es landete weit neben ihnen, so würde Fili da nie im Leben dran kommen. Der nächste Versuch war besser, doch das Seil lag wieder zu weit seitlich, als das Fili es erreichen könnte, ohne Kili loszulassen. Der dritte Versuch glückte Dori mehr oder weniger. Er schleuderte das Seil in einem hohen Bogen auf Fili zu, so dass er es erreichen konnte. Leider fand es dieses mal genau sein Ziel und traf den blonden Zwerg am Kopf.
Alles andere als angenehm, wie Fili fand. Aber immerhin hatte er jetzt das Seil. Er entschied sich dafür, er mit einer Hand an seinem Gürtel fest zu knoten, um später mit beiden Händen seinen kleinen Bruder halten zu können.
„Okay Kili, es ist gut möglich, dass das jetzt etwas unbequem wird, aber du musst immer daran denken, eine Decke und ein warmes Feuer stehen am Ende hier von"
Mit einem Zeichen bedeutete er Dori und seinem Onkel, dass sie soweit startklar waren. Diese nickten und mit einem Ruck rutschten Fili und Kili von dem Felsen herunter. Es gab einen lauten Platsch und schon waren Fili und Kili wieder im Wasser. Fili hielt Kili so gut es ging über Wasser, doch er konnte nichts dagegen tun, dass immer wieder Wasser über ihn schwappte.
Mit Hilfe seiner Beine schwamm Fili weiter auf seinen Onkel und ihr Lager zu, doch die Strömung versuchte mit Gewalt ihn und seinen kleinen Bruder immer wieder abwärts zu ziehen.
Thorin stand am Ufer und zog mit all seiner Kraft an dem Seil. Jetzt durfte nichts mehr passiere, er wollte seine Neffen einfach wieder sicher bei sich haben.
„Fili, noch ein paar Meter, dann ist es geschafft!", rief er dem blonden Zwerg zu. Thorin konnte sehen, dass Fili am Rande seiner Kräfte stand.
Wo er vor wenigen Metern noch viel mitgeholfen hatte, konnte er jetzt nur noch dafür sorge, Kilis Kopf über Wasser zu halten und keinen von ihnen ertrinken zu lassen.
Fili schien Thorins Worte zu registrieren, denn er blickte ganz kurz zu ihm auf, antwortete aber nichts.
Oin trat zu Thorin. „Wir haben alles bereit gemacht. Ich habe Decken und auch schon einen Stärkungstrank für die beiden Jungs zu bereitet, alles ist getan, damit wir sie möglichst schnell wieder warm bekommen", sprach der alte Heiler.
Thorin konnte gerade nicht antworteten, er war zu sehr damit beschäftigt zusammen mit Dori seine Neffen durch eine besonders starke Strömung zu ziehen, doch er nickte Oin kurz zu.
Mit letzter Kraft konnte Fili sich an einer Wurzel festhalten, die aus dem steilen Ufer Hang ragte. „Kili, wir haben es fast geschafft. Sie doch, wir sind schon am Ufer. Onkel und die anderen werden uns jetzt raus holen", flüsterte Fili seinem kleinen Bruder ins Ohr.
Kili regte sich ein kleines bisschen, er öffnete gerade die Augen, als starke Hände nach ihm griffen. Fili versuchte Dori zu helfen, seinen Bruder hoch zubekommen, doch hatte er nicht mehr genug Kraft. Fili konnte sich gerade noch selber am Ufer festhalten und darauf achten, nicht weg geschwemmt zu werden. Nur wenige Sekunden nach dem man Kili aus dem Wasser geholt hatte, wurde auch Fili aus dem Wasser gezogen. Nori hatte keine Mühe mit dem Gewicht von dem blonden Zwerg und endlich stand Fili wieder auf dem trocknen. Er sah sich suchend um, auch wenn seine Zähne klapperten und er zitterte wie Espenlaub. „Wo ist Kili?", fragte er. Wo war sein kleiner Bruder? Er wollte ihn jetzt sehen. Musste sich vergewissern, wie es ihm ging. Als sie im Wasser waren hatte Fili bemerkt, dass Kili einige Verletzungen davon getragen hatte. Er musste jetzt unbedingt überprüfen wie es ihm ging. Leider hatte er nicht mit Balin gerechnet. „Du wirst ihn sehen, sobald es dir selbst ein wenig besser geht. Du musst dich erstmal aufwärmen, Oin versorgt Kili", sprach Balin beruhigend auf Fili ein. Dieser schüttelte aber wehemend den Kopf. „Nein, ich werde erst für mich selbst sorgen, wenn ich Kili gesehen habe!"
Balin zog eine seiner buschigen weißen Augenbrauen hoch. „Fili, du wirst dich jetzt hier hin setzten und diesen Tee trinken. Danach kannst du gerne deinen Bruder sehen. Und du musst jetzt aus deinen nassen Klamotten raus", wies Balin Fili scharf zurecht. Mit so etwas hätte Fili nicht gerechnet. Nicht von Balin. Ihn hatte Fili immer als den älteren Zwerg im Kopf, der ihm und seinem Bruder Geschichten erzählte.
Dennoch tat er, wie ihm geheißen. Fili schälte sich aus seinen nassen Beinkleidern, während sich Balin umdrehte, damit er etwas Privatsphäre haben konnte. Schweigend nahm er die Decke und die trockenen Anziehsachen, die ihm sein alter Lehrer kurz darauf hinhielt und zog sich an.
„Danke", murmelte Fili und nahm die ihm angebotene Teetasse. Der Tee darin war warm und seine Hände kribbelten von dem plötzlichen Umschwung von kalt nach heiß. Fili trank seine Tasse so schnell wie möglich aus, auch wenn er sich dabei mehr als einmal den Mund verbrannte. Schließlich reichte er sie Balin zurück. „Hier, ich habe den Tee ausgetrunken. Jetzt will ich Kili sehen!"
Balin seufzte und rollte die Augen. Was hatte er erwartet? Er kannte die beiden Brüder schon ihr Leben lang, Fili würde alles über das Wohl seines kleinen Bruders stellen. „Na los, geh schon. Kili ist mit Oin in dem Zelt". Das „Zelt" bestand aus nicht viel mehr als einigen Planen und Decken, die sie zusammen gebunden hatte und behelfsmäßig an den Bäumen rund herum befestigt hatten.
Fili stürmte sofort auf das Zelt zu. Er schob Bofur beiseite, der gerade heraus kam und betrat den kleinen abgegrenzten Raum. Innendrin war es angenehm warm, Gloin hatte es geschaffte, ein Feuer zu entzünden.
Oin schaute missbilligend auf, als er bemerkte, dass noch jemand sein Krankenlager betreten hatte. „Ach du bist es Fili", grummelte er. Er wusste, er hätte jeden anderen Zwerg raus schmeißen können, außer diesen einen. Naja, vielleicht würde Fili ihm ja helfen können, Kili aufzuwecken. Der Junge war schon viel zu lange bewusstlos.
Fili nickte Oin nicht einmal zu, er hatte nur Augen für seinen Bruder. Kili lag kalk weiß auf einem Stapel Decken und Felle um ihn vor der Kälte des Bodens zu schützen. Auf ihm türmten sich noch mehr Decken und Felle, um ihn warm zu halten. „Kili", flüsterte sein älterer Bruder bestürzt. Als er Kili das letzte Mal gesehen hatte, wirkte er nicht so blass und nicht so… Leblos. Jetzt wendete Fili sich doch an den alten Heiler, welcher damit beschäftigt gewesen war, das Feuer zu schüren. „Oin, was ist mit Kili? Er ist doch nur erkältet, oder?", Fili hatte eine Dringlichkeit in der Stimme, dass es Oin weh tat ihm zu antworten. „Das kann ich jetzt noch nicht so genau sagen. Dein Bruder war dem Wasser sehr lange ausgesetzt, dazu hatte er viel Wasser geschluckt und in der Lunge, als wir euch beide endlich wieder hatten. Ansonsten hat er noch eine Gehirnerschütterung. wie ich vermute". Filis Augen wurden immer größer, während Oin sprach. Was konnte er tun um seinem kleinen Bruder zu helfen?
Oin schien genau zu wissen, was der blonde Zwerg als nächstes fragen wollte. „Ja, du kannst ihm und gleichzeitig dir helfen. Du musst ebenfalls ruhen und dich warm halten. Leg dich zu deinem Bruder, Körperwärme hilf am besten gegen Unterkühlung"
Oin drehte sich von den beiden Brüdern weg und trat aus ihrem provisorischen Zelt. Er würde ihren Anführer von den Verletzungen seiner beiden Patienten informieren.
Fili nickte nur schwach. Erst als er sich hinlegte und unter den Haufen von Decken und Fellen kroch, merkte er wieder, wie schwach und müde er war. Unter den Decken war es angenehm warm, obwohl Fili gedacht hatte, er würde etwas wie Wärme nie wieder spüren. Fili drehte sich zu seinem kleinen Bruder um.
Das erste was Kili bemerkte war, dass sein Bruder zu ihm gekommen war. Ein Lächeln stahl sich auf Kilis Gesicht, Fili war hier! Sein Bruder drehte sich zu ihm und lächelte ebenfalls.
„Hey, kleiner Bruder, wie geht es dir?", fragte Fili besorgt. Er musterte Kili von oben bis unten, so gut das eben ging, wenn man unter haufenweisen Fellen lag, was praktisch gar nicht war.
Kili krächzte kurz und versuchte seine Stimmbänder zumindest einiger Masen unter seine Kontrolle zu bekommen.
„Ging schon mal besser", erklärte er mit einem schiefen Grinsen. „Und dir?"
Fili zog seine Nase hoch. „Naja, erkältet würde ich sagen. Aber ansonsten eigentlich ganz gut"
Kili atmete erleichtert auf. Er hätte es sich nie verziehen, wenn seinem Bruder etwas zugestoßen wäre, um ihn zu retten. Fili hatte Kili beobachtet und konnte ganz genau erraten, was sein kleiner Bruder gerade gedacht hatte. „Kili, ich hätte unter allen Umständen versucht, dir zu helfen. Glaubst du, ich hätte einfach am Ufer gestanden und zugesehen, wie du ertrinkst? Lieber ertrink ich mit dir!", rief Fili.
„Danke, Fili. Aber du weißt schon, dass ich das gleiche getan hätte, wie du, oder?", fragte Kili seinen Bruder und zog dabei eine seiner Augenbrauen hoch. Fili sah seinen Bruder kurz an, bevor seine Augen ganz groß wurden.
„Du wärst doch nicht wegen mir in den Fluss gesprungen oder? Überleg dir doch mal was alles hätte passieren können!" Fili sah Kili beinahe panisch, er schien nicht zu realisieren, worauf sein kleiner Bruder hinaus wollte.
Kili jedoch konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Fili, dir ist schon klar, was du da gerade gesagt hast, oder?"
Sein großer Bruder sah ihn einen Moment verwirrt an, bis er verstand. Gleichzeitig fingen beide Brüder an zu lachen.
