when time's moving on
„Man könnte meinen man hätte sie durch eine aufgedrehte Zwillingschwester ersetzt. Und kaum waren wir zurück war sie wieder das stille graue Mäuschen.", erklärte Draco entnervt.
Pansy ihm gegenüber hörte sich seine Sorgen an und nickte für's erst ab und an. Liess ihn aber hauptsächlich reden.
„Ich weiss echt nicht ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Ich sollte sie einfach ignorieren. Ich will sie doch gar nicht hier haben."
Nun intervenierte Pansy und das in einer Weise in der er nicht erwartet hatte.
„Vielleicht solltest du mal versuchen etwas über sie rauszufinden."
Er sah sie verdutzt an. Über sie rausfinden. Wie sollte er etwas über sie rausfinden? Sie sagte ja nie etwas und wenn er fragte, nur das was er hören wollte. Und wie kam sie jetzt eigentlich darauf, dass er es noch nie versucht hatte. Nicht das sie damit Unrecht gehabt hätte.
„Oder lass es bleiben. Entscheide dich einfach für eines. Entweder du versucht an sie ran zu kommen oder du lässt sie einfach im Hintergrund. Beides kannst du nun wirklich nicht haben."
Am liebsten hätte er gefragt, wieso nicht. Aber er liess es bleiben. Man stellte keine Fragen auf die man die Antwort wusste. Schon gar nicht dumme Fragen auf die man die Antwort wusste.
„Aber es hat sicher beides seine Vorteile. Ihr werdet euch sicher niemals streiten, wenn sie dir immer nur recht gibt."
„Suchst du was Bestimmtes?"
Draco zählte ruhig von drei herunter während er versuchte den Schreck möglichst unersichtlich zu verarbeiten.
„Was sollte sie das angehen, Miss Weasley?", fragte er anschliessend und drehte sich langsam zu seiner ehemaligen Arbeitskollegin um.
„Nichts. Ich kann ja dennoch fragen. Und nenn mich endlich Ginny oder Weasley, mir egal. Aber nicht Miss Weasley.", gab sie mit ihrer nervigen Stimme zu verstehen. Er musterte sie kurz. Sie hatte ihre langen Haare gekürzt – wahrscheinlich weil's zum Fliegen praktischer war. Ansonsten hatte sie sich seit der Zeit im Büro oder auch nur der Schule nicht gross verändert. Selbes Mädchen oder nun halt junge Frau. Aber vielleicht konnte sie ihm ja helfen.
„Na gut, Weasley. Was schenkt man seiner Verlobten zum Geburtstag?"
Der Blick der ihm entgegen kam zeigte mehr als nur etwas Verwirrung. Für einen Moment blieb er an ihn hängen, dann sah sie ins Schaufenster, das er gerade betrachtete und wieder zurück zu ihm.
„Nun… Du kannst ihr natürlich einen teuren Klunker von hier kaufen, Frauen stehen auf Schmuck klar. Aber ich glaube erstens hast du soweit ich weiss nicht mehr soo viel Geld und zweitens würde ich dir zu was persönlicherem Raten."
Persönlicher. Toll. Was hatten alle immer mit dieser Persönlichkeit. Er konnte doch nichts dafür, dass sie ihm nicht seine Persönlichkeit ins Gesicht pflasterte sondern immer nur schwieg. Er hätte nicht mal gewusst, dass sie Geburtstag hatte, hätte Jekatarina nichts gesagt.
Weasley schien das Dilemma seinem Gesicht ablesen zu können, was ihm irgendwie unheimlich war.
„Ach, ich sehe. Also, dann würde ich raten zu Blumen. Billig und schön und aufmerksam. Du kennst doch wenigstens ihre Lieblingsfarbe oder?"
Er erwiderte nichts. Er könnte zumindest raten anhand der Farben die sie in ihrem Raum verwendet hatte.
„Und dann eine Einladung zum Essen irgendwo hin wo du ihr dann doch irgendwelche Klunker geben kannst. Also eigentlich, dass was du tun wolltest schön verpackt."
„Wünschen sie noch etwas?"
„Ja. Bring mir in Erfahrung was Marijas Lieblingsessen ist."
„Wollen sie das nicht selber Fragen?" John sah ihn etwas verwundert an.
„Nein. Eigentlich nicht.", gab Draco zurück. Er hatte ihr noch nie solche Frage gestellt und sie fand irgendwie auch alles über ihn heraus ohne ihn einmal danach zu fragen. John konnte ihm doch nicht verwehren etwas über Marija heraus zu finden, während er ihr wohl alles erzählte.
„Mit Verlaub Sir, aber ich finde sie sollten das selber tun."
Verwundert blickte er von seiner Arbeit auf. Hatte ihm sein Butler gerade widersprochen? Das nahm hier doch Alles ganz schreckliche Züge an. In was für einer Welt lebte er eigentlich?
„Du heiratest bald!"
Blaise versuchte ihr gerade davon zu überzeugen, dass ein Besuch im Freudenhaus genau das richtige für ihn wäre.
„Richtig. Ich bin verlobt."
„Ach jetzt komm schon. Es ist diskret. Niemand wird davon wissen und du bist nicht mehr immer so mies drauf."
Draco hob eine Augenbraue an. Mies drauf? Er hatte das Gefühl die letzte Zeit war er aufgeschlossener und zugänglicher als jemals zuvor. Aber das konnte auch täuschen. Wahrscheinlich täuschte es. Nur weil eine Schlange nicht gleich biss wenn man ihr zu nahe kam, hiess es noch lange nicht dass man sie streicheln konnte. Dennoch beharrte er darauf.
„Ich bin nicht mies drauf."
„Ja klar und ich heisse Beedle der Barde." War ja klar, dass man ihm nicht glaubte. Draco entschied sich für einen Themenwechsel.
„Mit wem kommst du an die Hochzeit?"
„Mit niemandem natürlich. Ich werde mir irgendeine von Marijas Schwestern schnappen. Davon hat sie doch so viele.", kam die prompte Antwort. Draco lächelte süffisant.
„Ich würde dir davon abraten. Die sind alle mit einem trinkfesten, starken Zauberer verheiratet."
Ein böser Blick traf ihn, was sein Grinsen verbreiterte.
„Stimmt, du bist nicht mies drauf. Du bist in Quällaune."
„Ich würde gerne Hermine einladen."
„Du würdest was?" Draco hatte all seine Manieren vergessen und die Stimme wohl etwas zu laut erhoben. Konnte man ihm erzählen was man wollte, auf das Thema Granger reagierte er immer noch allergisch – vor allem wenn man ihn damit auf dem falschen Fuss erwischte. Wie zum Beispiel die Hochzeitseinladungen. Und das hatte nun wirklich nichts damit zu tun, dass sie ein Schlammblut war.
Marija zuckte sichtlich zusammen und schwieg. Es dauerte einen Augenblick bis Draco sich wieder erholt hatte, dann atmete er tief durch und fragte nochmals nach.
„Du willst Granger zu unserer Hochzeit einladen?"
Marija nickte stumm.
„Granger, die mit Rübezahl Weasley zusammen ist, der mit auf den Tod nicht ausstehen kann?"
Wieder ein nicken, dann folgte schweigen. Draco wollte Granger nicht auf seiner Hochzeit und zu allerletzt Weasley. Und hatte Marija nicht schon genug Gäste mit ihrer ganzen riesigen Verwandtschaft?
„Sie hat auch gesagt, sie würde alleine kommen."
Bäm. Der nächste Schlag und der sass tief. Draco biss die Zähne zusammen als hätte gerade jemand mit den Fingernägeln über eine Schiefertafel gekratzt und das Gefühl war nicht unähnlich davon. Langsam zählte er bis zehn, während Marija vorsichtshalber einen Schritt zurück machte.
„Du hast sie schon eingeladen.", stellte er betont ruhig fest.
Wieder ein Nicken, nun war es kaum mehr zu erkennen. Bei Salazar Slytherin, was hatte sie sich dabei gedacht.
„Aber ich hab gesagt, dass ich erst mit dir reden muss."
Resigniert schüttelte Draco den Kopf und schrieb auf die nächste Einladung Hermine J. Granger. Angespannt und sich zur Ruhe zwingend, streckte er die Karte aus um sie Marija zu geben.
„Wir ziehen bestimmt keine ausgesprochenen Einladungen zurück. Das geziemt sich nicht."
„Na endlich. Ich dachte sie kommen überhaupt nicht mehr."
Geistig äffte Draco die dumme Gans, wie er sie liebevoll nannte, nach. Er hatte gedacht Weasley sei eine Plage gewesen, aber im Gegensatz zu ihrem Ersatz war sie der reinste Engel gewesen. Äusserlich, hielt er sich noch im Zaum. Noch. Er musste sich jedes Mal von neuem daran erinnern, professionell zu bleiben.
„Die Dokumente sind korrigiert und unterzeichnet. Mr. Barkins wünscht noch eine Bestätigung sobald sie weiter gereicht wurden."
„Korrigiert?" Ihre Stimme ähnelte der eines Quitscheentchens. Dieselbe Höhe und dieselbe Aggressivität. Anfangs war es ihm immer kalt den Rücken runter gelaufen. Ob er sie nicht irgendwie loswerden konnte? Nein er sollte professionell bleiben.
„Richtig. Mr. Barkins hat einige Korrekturen angebracht. Ich soll sie auch daran erinnern, dass alle weiteren Änderungen von ihm abgesegnet sein müssen."
„Ich weiss."
Draco beschloss zu fliehen.
„Guten Tag noch."
Die Zeiten von Smalltalk waren definitiv angenehmer gewesen.
„Was tust du denn hier?" Weasley sah ihn nur wirklich verdattert an.
Er hatte das Training der Holyhead Harpies aufgesucht, weil er keine Lust hatte, bei ihr und Potter zu Hause auf Besuch zu gehen.
„Dir eine Einladung geben."
Sie nahm den Brief in die Hand und packte noch immer verwundert die Karte aus die darin steckte. Ihr Gesichtsausdruck wurde unbezahlbar als sie sah für was die Einladung war. Schliesslich sah sie ihn böse an.
„Das soll ein Scherz sein.", stellte sie trocken fest.
„Keines Falles.", sagte er gelassen, im Versuch seine eigene Belustigung zu unterdrücken.
„Warum solltest du mich zu deiner Hochzeit einladen?"
Sie glaubte ihm tatsächlich nicht. Lustig. Musste er nun wirklich noch eine Begründung finden. Er wusste doch selbst nicht warum er auf diese Idee gekommen war. Aber er hatte eine Idee.
„Weil meine Verlobte Granger eingeladen hat. Sie wird heillos untergehen, sind langweilen oder verzweifeln, aber aus Anstand oder Marija zuliebe dennoch blieben. Das will ich selbst Granger nicht antun. Ach und nein, in dieser Einladung ist Potter nicht mit inbegriffen."
„Immer noch graue Maus?"
„Immer noch.", bestätigte Draco. Seine Gedanken waren bei der Szene betreffend Granger. Aber das war nicht ihre Schuld. Niemand hatte ihr gesagt, dass er auch mit Granger nicht auskam und nicht nur mit ihrem vertrottelten Freund nicht. Und wenn er ihre Reaktion betrachtete, dann war die Maus fast grauer als zuvor.
„Hast du versucht etwas zu ändern?" Er dachte an die letzten Wochen zurück und schüttelte den Kopf. Nein hatte er nicht. Er hatte ein zwei Mal daran gedacht sie auf ihrem Zimmer zu besuchen oder im Dachzimmer oben, hatte es schliesslich aber gelassen. Es war so viel einfacher sie einfach zu ignorieren, solange sie nicht gerade um die Ecke stand. Gut er hatte versucht ein Geschenk für sie zu finden. Ihr Geburtstag war angenehm gewesen. Nur mehr über sie herausgefunden hatte er nicht.
„Interessiert es dich denn nicht, wer die Frau hinter der grauen Maus ist? Oder hättest du lieber die graue Maus, anstelle des aufgestellten Zwillings? Wie gesagt, es hätte seine Vorteile."
Draco schwieg. Er hatte sich immer noch nicht entschieden was genau ihm lieber wäre. Eigentlich hatte er nur ein ruhiges Leben wollen.
„Deine Entscheidung, dein Leben. Zumindest wird sie zur Hochzeit in Stimmung sein. Schliesslich ist ihre Familie dann da. Hast du die Zimmer schon hergerichtet?"
„Erinnere mich nicht daran."
„Ist alles bereit?"
„Sie meinen, was mit dem Geld machbar war."
Draco nickte zur Bestätigung. Die Sache mit dem Geld lag ihm wie ein Grummeln auf dem Magen, das nicht weggehen wollte. Langsam glaubte er, er wäre billiger mit der Auflösung weggekommen, als mit den ganzen Feierlichkeiten.
„Ja Sir, soweit ist alles bereit."
„Danke John."
„Wäre es für dich in Ordnung, wenn Piotr Tamada ist?"
Verwirrt sah Draco von seinem Essen auf. Ihr Bruder sollte was machen? Sie liess ihm keine Zeit nachzufragen, sondern ergänzte ihre Worte augenblicklich.
„Ich glaube ihr nennt es Tafelmayor."
Das sagte ihm mehr. Er hatte bereits selbst an Blaise gedacht, allerdings nicht mit ganz reinem Gewissen. Blaise wusste definitiv zu viel über ihn, als dass er ihm einen Freipass für Spässe auf seine Kosten geben wollte.
„Natürlich. Solange er die Gäste nicht zum Glücksspiel anstiftet."
Marija kicherte bei der Bemerkung, was Draco angenehm an ihren Aufenthalt in Russland erinnerte.
