Kapitel VII
Als sie zur Tantive IV aufschlossen, wurde Vaders Laune immer schlechter – zur großen Bestürzung der Crew. Sie hatten gedacht, er wäre zufrieden, dass sie so nahe dran waren, die Rebellen in die Finger zu bekommen und die Pläne zurückzuerlangen, aber als sie sich dem Alderaanischen Transporter näherten, wurde Vader nur noch reizbarer als je zuvor, stolzierte auf der Brücke herum, murmelte halblaut in irgendeiner fremden Sprache vor sich hin und schloss sich für Stunden in seinem Quartier ein.
„Ich will, dass dieses Schiff aufgebracht wird, bevor sie in die Atmosphäre eintreten, Admiral", knurrte er seinen Offizier an. „Enttäuschen Sie mich nicht."
„Wie Sie wünschen, Mylord", quiekte der Admiral.
An Bord der Executor gab es nur eine Person, die nichts von der schlechten Laune des Dunklen Lords mitbekam, und das war so, weil Han Solo mit seinen eigenen Gefühlen vollauf beschäftigt war. Es schien beinahe so, als würde Brias Tod ihn immer mehr mitnehmen, je mehr er versuchte, darüber hinwegzukommen.
Vader bemerkte das, und Hans Trübsalblasen war der einzige Grund, der ihn davon abhielt, noch jemanden zu töten, bloß weil sie sich in der Nähe von Tatooine befanden. Macht, wie er diesen Planeten hasste! Der ganze Sand und die Hitze und die schlimmen Erinnerungen... und der Sand!
Aber Solo brauchte jetzt eine Beschäftigung, egal, wie sehr er diese Tatsache verleugnete. Tharens Tod hatte ihn schlimmer getroffen, als er zugeben wollte, sogar vor sich selbst. Vader wusste das ganz genau; er war mit Trauer schließlich sehr vertraut.
Als die Eroberung der Tantive IV immer näher rückte, dachte Vader sich einen Plan aus.
„Solo", rief Vader, als er sah, dass sein Pilot ziellos durch die Korridore der Executor wanderte.
Han drehte sich um. „Mylord", sagte er, und sein Tonfall deutete darauf hin, dass es ihm im Moment wirklich lieber wäre, sich auf nichts konzentrieren zu müssen.
Zu schade aber auch.
„Wir nähern uns der Tantive IV. Ich will, dass Sie mit mir an Bord gehen und helfen, die Pläne zu suchen."
Han blinzelte. „Sir, ich bin Pilot, kein..."
„Ich weiß, was Sie sind, Solo", unterbrach Vader ihn. „Aber es ist eine Tatsache, dass Sie eine Beschäftigung brauchen. In absehbarer Zukunft werden wir nichts anderes als Trainingsflüge fliegen, und daher sollen Sie mit mir an Bord der Tantive IV kommen."
Han seufzte innerlich. Vader hatte Recht, er musste seine Trauer hinter sich lassen und etwas tun, aber er hatte einfach keine Lust dazu. Allerdings war Vader sein Boss und er hatte ihm einen Befehl erteilt, also hatte Han keine andere Wahl, als sich zu fügen.
„Wann soll ich fertig sein?", fragte er.
Die Tantive IV war nur ein kleiner Transporter, aber ihre Crew war kühn und loyal, wenn man das aus der Art, wie sie auf die Imperialen schossen, beurteilen konnte. Han blieb direkt hinter Vader, denn er wusste, dass der Platz hinter dem Rücken des Sith der sicherste Ort war, an dem man sich zu diesem Zeitpunkt aufhalten konnte. Eine Totenstille senkte sich über die Rebellen, und sie rissen die Augen auf, als sie den imposanten Anblick des Dunklen Lords der Sith in sich aufnahmen. Ein paar schafften es, sich aus ihrer Starre loszureißen, und rasten davon, sodass Sturmtruppler hinter ihnen her rannten.
Vader ging schnell durch den Transporter, er benahm sich so, als wüsste er genau, wo er hin ging. Sie betraten den Kontrollraum, wo Vaders Leute die Speicher des Schiffes durchsiebten. Der Captain stand verängstigt und unter Bewachung in einer Ecke. Vader marschierte auf ihn zu und packte ihn bei der Kehle. Einer seiner Offiziere kam dazu, um ihm Meldung zu erstatten.
„Die Pläne vom Todesstern sind nicht im Computer", sagte er respektvoll.
Vader schien ihn zu ignorieren, aber er schloss seine Hand fester um den Hals des Rebellen, als der Mann sich vergeblich in seinem Griff wand.
„Was habt ihr mit der Funkübertragung dieser Pläne gemacht, die ihr empfangen habt?", zischte er, als er den Arm hob, sodass die Füße des Rebellencaptains einige Zentimeter über dem Boden baumelten.
Das war der Sith-Lord in Topform, einfach dämonisch. In diesem Augenblick war Han sehr froh darüber, dass Vader ihn mochte.
„Wir haben keine Pläne empfangen." Der Rebelle war dumm genug, das bisschen Atem, das Vader ihm ließ, dazu zu verschwenden, das zu sagen. Er gab ein schmerzerfülltes Geräusch von sich, als Vader ihm sein Missfallen ob dieser Antwort zeigte, aber er blieb bei seiner Aussage. „Dies ist ein Konsularschiff. Wir sind in diplomatischen Mission unterwegs."
„Wenn das hier ein Konsularschiff ist, wo ist dann der Botschafter?", fragte Vader, und seine Stimme troff nur so vor Gift.
Der Captain schwieg. Nach einem kurzen Augenblick brach Vader ihm das Genick und schleuderte ihn von sich wie eine kaputte Puppe. Er wandte sich an seine Truppen, die auf seinen Befehl warteten.
„Commander, nehmen Sie das Schiff auseinander, bis Sie die Pläne haben. Und bringen Sie mir die Botschafterin – lebend!"
Während die Truppen hinausdrängelten, um Vaders Befehl zu erfüllen, dachte Han: Sie?
Er hatte nicht gemerkt, dass er laut gesprochen hatte, bis Vader, ohne ihn anzusehen, erwiderte: „Ja, Solo, sie. Prinzessin Leia Organa von Alderaan. Ich kann sie spüren. Sie war mir seit dem Tag ihrer Geburt ein Dorn im Auge. Es wird Zeit, dass ich mich revanchiere."
Sie überwachten weiterhin die Offiziere, die immer noch die Computer des Schiffes durchsuchten, als Vaders Komlink piepste. Es war ein Sturmtruppler.
„Mylord, wir haben die Botschafterin in Gewahrsam. Wollen Sie mit ihr sprechen, bevor wir sie an Bord der Executor bringen?"
„Ja", sagte Vader knapp und gab Han ein Zeichen, ihm aus dem Kontrollraum zu folgen.
Sie trafen die Staffel Sturmtruppler im Korridor. Alles, was Han von der Botschafterin sehen konnte, war eine Krone dunklen, braunen Haares, über den Schultern der Männer, ehe diese zur Seite traten, sodass die Gefangene Vader gegenüberstand.
Han war von ihrer Schönheit überrascht, aber noch verblüffter war er über die blanke Wut und den Hass, den er in ihren Augen sah, als sie Vader finster anstarrte. Ein Muskel in ihrer Wange zuckte, als sie anfing, zu sprechen.
„Darth Vader. Ich hätte es wissen müssen. Nur Ihr konntet so etwas wagen. Das Imperiale Zentrum wird Euch zur Rechenschaft ziehen, wenn bekannt wird, dass Ihr einen diplomatischen Kurier..."
„Aber Euer Hoheit", fauchte Vader zurück. „Ihr befandet Euch diesmal nicht auf einem Wohltätigkeitsflug. Ihr seid direkt durch ein gesperrtes System geflogen. Die Spione der Rebellen hatten mehrfach Funkverbindung mit diesem Raumschiff. Was ist mit den Plänen passiert, die sie Euch gefunkt haben?"
„Ich weiß nicht, wovon Ihr redet!", erwiderte die Prinzessin. Ihre Stimme war zwar leiser als Vaders, aber genauso schneidend. „Ich bin Mitglied des Imperialen Senats und als Diplomat auf dem Weg nach Alderaan..."
„Ihr gehört zur Allianz der Rebellen. Ihr seid eine Verräterin! Schafft sie weg!"
Jetzt war Vader wütend. Han entschied, dass es das Beste wäre, zu gehen.
„Wollen Sie, dass ich die Prinzessin an Bord begleite, Sir?", fragte er Vader.
„Wie Sie wollen", sagte Vader herablassend, als ein Commander sich ihm näherte.
Han eilte den Flur entlang, hinter der Prinzessin und ihren Bewachern her, bevor Vader seine Meinung doch noch ändern konnte.
Er schloss zu der Gruppe auf, als sie die Tantive IV verließen und das Deck der Executor betraten.
„Ich übernehme sie von hier ab", informierte er den Anführer der Gruppe, der ihn nur argwöhnisch anstarrte. „Befehl von Lord Vader", fügte er hinzu und sah entschuldigend drein. „Wenn Sie wollen, können Sie uns ja folgen."
Der Anführer der Gruppe nickte widerwillig, und Han nahm die Prinzessin am Oberarm, beinahe so, wie er es mit Bria auf Toprawa gemacht hatte. Er führte sie einen Korridor entlang, zu den Zellen hin.
„Es gibt gar kein uns", fauchte die Prinzessin ihn an und versuchte, ihren Oberarm aus seinem Griff zu befreien.
„Verdammt richtig", stimmte er ihr zu und hielt sie fest.
Empörung loderte in ihren Augen.
„Ich bin vielleicht eine Gefangene – wer auch immer Sie sind –, aber ich bin auch Senatorin und Prinzessin von Alderaan, und ich erwarte, dass man mich mit Respekt behandelt!"
„Natürlich, Euer Durchlaucht. Euer Wunsch ist mir Befehl, Euer Hoheit", erwiderte Han sarkastisch.
„Oh, Sie anmaßender, verbohrter, stiefelleckender, dreckiger Nerftreiber!", spie sie ihm entgegen.
Er sah sie beleidigt an.
„Dreckiger? Ich bin gepflegt genug, um Lord Vaders Ansprüchen an seine Crew zu genügen. Wollen Sie mir etwa sagen, dass Sie anspruchsvoller als Vader sind?"
Sie war so wütend, weil er sie mit Vader verglichen hatte, dass sie ihn auf dem restlichen Weg zum Inhaftierungsblock mit Nichtbeachtung bestrafte. Als er sie in ihrer Zelle schließlich losließ, drehte sie sich um und sah ihn finster an, bis die Tür sich hinter ihm schloss.
Du meine Güte!, dachte Han, als er davon ging. Kein Wunder, dass Vader sie nicht ausstehen kann!
