8. Abschied Von Lórien
Morgen würden wir wieder aufbrechen. Ich seufzte. Die Tage sind so schnell vergangen!
Auf einmal wurde ich in meinen Gedanken durch Galadriel unterbrochen. Sie schritt eine Treppe hinunter und schien von einer Blüte aus Licht umgeben zu sein, als sie auf mich zukam. Überrascht stand ich auf, um sie zu begrüßen. Mit sanfter Stimme bat sie mich, ihr zu folgen und führte mich zu dem großen Baum, auf den wir am Abend unserer Ankunft gestiegen waren.
Schweigend ging ich hinter ihr die Stufen hinauf. Wir kamen zu der Plattform, auf der sie und Celeborn uns damals begrüßt hatten. Die Elbin überquerte sie und stieg die Treppe hinauf, über die sie damals hinuntergekommen war. Nach kurzem Zögern folgte ich ihr. Die Äste des Mallorn schimmerten im Licht der Mittagssonne. Über eine weitere reichverzierte Treppe stiegen wir zu einer kleinen Plattform hinauf, auf der sich nur eine Bank und eine längliche hölzerne Truhe befanden.
„Setzt Euch", forderte mich Galadriel auf und setzte sich dann neben mich auf die Bank.
„Vor langer Zeit, als die Welt noch jung war, lebten noch viele Elben in Mittelerde. Sie gründeten viele prachtvolle Reiche im Westen. Doch es war uns nicht beschieden, in Frieden zu leben. Denn Morgoth, der 'Dunkle Feind', herrschte im kargen Norden und er wollte die ganze Welt unterwerfen und vernichten."
„So wie jetzt Sauron?" fragte ich.
„Ja, so ähnlich. Nur war Morgoth viel mächtiger, als Sauron es ist oder je sein wird. Doch nach vielen Jahrhunderten des Krieges gegen Morgoth, schickten schließlich die Valar Hilfe nach Mittelerde."
Ich nickte, von den Valar hatte mir Legolas bereits erzählt. Die waren eine Art Götter, die in Aman, dem gesegneten Land, lebten. Es lag weit im Westen und nur noch die Elben konnten seine Gestrande erreichen.
„Sie sanden ein gewaltiges Heer über den Ozean und der Anführer dieser Armee war Eönwe, der Herold Manwes, dem mächtigsten der Valar. Mit ihrer Hilfe wurden die dunklen Schaaren Morgoths besiegt."
Ich fragte mich, worauf das hinauslaufen würde, als sie die Truhe öffnete und einige feine Tücher zur Seite schlug, so dass ich den Inhalt sehen konnte. Es war ein Schwert. Aber nicht irgendein Schwert.
Am Ende des Hefts befand sich ein grünlich schimmernder, runder Stein der im Sonnenlicht seltsam zu leuchten schien. Der silberne Griff war mit dunklen, eingravierten Zeichen bedeckt, die sich spiralenförmig um ihn herum wanden:
Das waagrechte Teil zwischen dem Griff und der Klinge ist von einem dunkleren Silber-Ton und wird nach außen hin schmaler, bevor es jeweils in einer kleinen Kugel endet. Aber das faszinierendste an der Waffe war die Klinge. Sie schimmerte in einem seltsamen blau-violett, war lang und elegant und auf Hochglanz poliert. Auch hier war etwas in silbernen Zeichen eingraviert:
Und als Galadriel vorsichtig das Schwert heraus nahm und auf ihren Schoß legte, konnte ich sehen, dass sich auf der ‚Rückseite' der Klinge ebenfalls einige Zeichen befanden:
"Das ist das Schwert Eönwes, das er vor seiner Rückkehr nach Aman in meine Obhut gegeben hatte. Es ist ein besonderes Schwert, und das nicht nur, weil es in Valinor geschmiedet wurde."
Sie hob die Augen und sah mich an.
„Es wurde von Aule, dem kunstfertigsten der Valar angefertigt. Unter der Aufsicht Vardas, der Sternenkönigin, wurde es in Taniquetil aus Sternenmetall geschmiedet. Sie schloss einen kleinen Teil des silbernen Sternenlichts in der Klinge ein, denn Morgoth fürchtete nichts so sehr wie Ihre Macht. Und Ihre Macht liegt im Licht, und das Licht der Sterne ist das reinste und mächtigste das es nach der Zerstörung der Zwei Bäume noch gibt. Der Name des Schwertes ist Gilmegil, Sternenschwert, sie wurde mit mithril verziert und an ihrem Knauf sitzt ein Kristall, wie es keinen Zweiten gibt. Er ist aus der gleichen Substanz hergestellt wie einst die Silmarils und Este, die Heilerin, hat einen Teil ihrer Kräfte darin eingeschlossen."
Sie deutete auf die Zeichen, die die Klinge zierten.
„Hier steht ‚Hen magol e gilraud tân aen' und ‚Uino i-duath, giro!', was soviel heißt, wie ‚Dieses Schwert ist aus Sternenmetall gemacht' und ‚Kreaturen der Dunkelheit, erschaudert!'."
„Und was heißen die Zeichen auf dem Griff?"
„Das ist eine Hymne an Elbereth: ‚A Elbereth Gilthoniel, silivren penna míriel, o menel aglar elenath! Elbereth le linnathon, a tiro nin, Fanuilos!'. Übersetzt würde es etwa so lauten: Oh, Sternenkönigin Sternen-Entfammerin, … glänzend wie Juwelen, vom Firmament der Glanz der Sterne … , Sternenkönigin zu dir will ich singen, Oh wache über mich Schnee-Weiß."
Sie gab mir das Schwert. Vorsichtig hielt ich es, so als ob es aus Glas wäre und jeden Augenblick zerbrechen könnte.
„Als Eönwe mir Gilmegil übergab befahl er mir, es zu bewahren, bis jemand kommen würde, der die Prophezeiung erfüllt."
Ich blickte auf und sah sie fragend an.
„Was für eine Prophezeiung?"
„E phalan-dor, e phalan-lû
Ne lui e-baur telitha i vagor.
Findel e naur, gur e chôl,
Eglan ned i ú-var, ma ú-eriol.
Min-o-tad, elena telitha.
Aus fernen Land, aus ferner Zeit / Wird in Zeiten der Not der Schwertkämpfer kommen. / Haare aus Feuer, Herz aus Gold/ Verlassen in der Fremde aber nicht allein. / Einer-von-zweien, wird von den Sternen kommen."
Ich starrte Galadriel nur verwundert an. Es dauerte eine Zeit, bis ich meine Stimme wiederfand.
„Was ... was soll das heißen?"
„Die Prophezeiung meint Euch. Alles trifft auf Euch zu. Auch ein Rätsel, dass mich sehr beschäftigt hat, ist jetzt gelöst. Es war nie gemeint, dass jemand tatsächlich von den Sternen herabkommen sollte, es wart Ihr gemeint. Euer Name, Elena, ist Sindarin für ‚von den Sternen'. Dass ich nicht eher auf die Idee gekommen bin, dass es ein Name sein könnte! Nur eines verstehe ich noch nicht ganz: ‚Einer-von-zweien'. Wart Ihr mit jemanden unterwegs, den Ihr verloren habt, bevor Ihr hierher kamt?"
Wie betäubt flüsterte ich: „Meine Zwillingsschwester ist bei meiner Geburt gestorben."
„Das tut mir leid," antwortete Galadriel mit leiser Stimme und beugte sich vor, um meine Finger um die Klinge zu schließen.
„Aber damit ist auch das letzte Rätsel gelöst. Gilmegil gehört Euch. Sie ist Eure Bestimmung."
Immer noch wie betäubt starrte ich das Schwert in meinen Händen an. Ich konnte nicht glauben, was ich da gerade gehört hatte. Diese uralte Prophezeiung und dieses wundersame, mysteriöse Schwert! Und das sollte mir gehören, sollte mein Schiksal sein! Es lief mir eiskalt den Rücken runter, als ich daran dachte, dass ich eine jahrtausend alte Weissagung erfüllen sollte. Es war doch von jemanden die Rede, der Hilfe und Rettung bringen sollte, jemand der dieses Schwert führen konnte! Mittlerweile war ich zwar schon besser im Umgang mit dem Schwert, aber ich würde mir nie zutrauen, ein solches magisches Schwert zu führen. Ich wollte gar nicht darüber nachdenken, was es bedeuten würde, wenn ich dieses Schwert und damit irgendein bedeutsames und gefährliches Schiksal annehmen würde. Ich wollte zwar immer eine Heldin sein und große Taten vollbringen, aber das hier war doch eine Nummer zu groß für mich. Ich fühlte Panik in mir aufsteigen.
‚Ich bin doch nur ein Mensch! Ich kann das nicht! Ich bin kein heldenhafter Elbenkrieger mit magischen Kräften!' wollte ich schreien, doch ich bekam keinen Ton heraus. Ich sah auf, blickte Galadriel ins Gesicht und flüsterte:
„Ich ... ich kann das nicht! Ich ... die Prophezeiung meint bestimmt jemand anderen, eine Elben oder einen Zauberer ...," mir stockte die Stimme und ich kämpfte gegen die Panik an, die drohte, von mir Besitz zu ergreifen. Beruhigend legte die Elbin ihre Hand auf die meine.
„In Euch steckt mehr als Ihr denkt. In Euren Adern fließt altes elbisches Blut, ebenso wie das Blut der Könige Numenors. Ihr habt mehr Kraft als man auf den ersten Blick sehen kann. Ihr werdet nicht scheitern, denn Ihr seid die Auserwählte. Seid einfach Ihr selbst und fürchtet Euch nicht, dann wird Euch nichts geschehen. Wenn ihr Euch selbst nicht vertraut, vertraut Gilmegil. Vertraut mir."
Sie nahm das Schwert aus meinen Händen und tat es in die verzierte Lederscheide, die ich zuerst gar nicht bemerkt hatte. Sie war aus glänzendem dunklen Leder, mit silbernen Verzierungen. Galadriel gab mir das Schwert wieder und ging an mir vorbei, die Treppe hinunter. Ich blieb allein zurück und saß still da, während in meinem Kopf die Gedanken verrückt spielten.
Nach langer Zeit stand ich auf und nahm das Schwert mit. Irgendwie würde ich das mit der Prophezeiung schon auf die Reihe bringen, schließlich war ich ja nicht allein, ich hatte Legolas.
Heute war der letzte Abend, den wir in Lórien verbringen sollten. Legolas und ich standen engumschlungen am Ufer des Celebrant und sahen zu, wie das Wasser vorbeifloss und die letzten Sonnenstrahlen im Westen verschwanden. Mein Herz wurde schwer bei dem Gedanken, dass ich diesen magischen Ort verlassen musste und ihn vielleicht nie wiedersehen würde. Doch ich hatte meine Wahl getroffen und nichts würde mich mehr umstimmen können.
Ich hatte mich lange nicht mehr so wohl gefühlt wie in den Tagen, die ich in diesem goldenen Wald verbracht hatte. Wie viele Tage waren es überhaupt gewesen? Viele!
‚Allerdings konnte das auch an der angenehmen Gesellschaft liegen', dachte ich mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen und kuschelte mich an den warmen muskulösen Oberkörper des Elben. Langsam begann eine samtige Dunkelheit herabzusinken. Die Sterne leuchteten wie Millionen kleiner Augen und das Mondlicht fiel wie Tränen durch die silbernen Baumstämme. Eine kühle Brise umspielte uns, als wir so unter den Bäumen im Licht der Nacht standen.
„Aníron darthach ned Lórien. Ned Lórien le beriathar aen" Ich wünsche, dass du in Lórien bleibst. In Lórien wärst du sicher., sagte der Elb mit leiser und sanfter Stimme.
Ich drehte mich um, so dass ich ihn sehen konnte. In seinen ebenmäßigen Gesichtszügen spiegelte sich Sorge und Trauer wieder.
„Aníron ah nâ cen" Ich will bei dir sein., flüsterte ich.
„Andelu i ven." Der Weg ist gefährlich.
Ich sah ihm in die Augen, diese wunderschönen Augen, aus strahlendem hellblau, umringt von Azur und antwortete ihm mit fester Stimme.
„Galadriel pent boe aphadon gur nîn. A gur nîn ah nâ cen. » Galadriel sagte, ich muss meinem Herzen folgen. Und mein Herz ist bei dir.
Ich lächelte, küsste ihn leicht auf die Lippen und ging in Richtung Pavillon.
In dieser Nacht schlief ich schlecht. Ich wälzte mich immer wieder hin und her, wobei ich mich bemühte, so leise wie möglich zu sein, um die anderen nicht zu stören. Es gab so vieles, worüber ich nachdenken musste. Dieses Schwert zum Beispiel. Ich musste nicht meinen Arm ausstrecken, um zu wissen, dass es gleich neben meiner Liege lag. Ich konnte es spüren. Und das machte mir ein wenig Angst. Genauso wie diese Prophezeiung. Das klang mir alles ein bißchen zu sehr wie Alice Im Wunderland. Vielleicht würde ich ja Morgen aufwachen und feststellen, das alles nur ein Traum gewesen war. Obwohl es mir leid täte, wenn es tatsächlich so sein sollte. Ich hatte schon immer gerne Fantasy gelesen, und jetzt hatte ich die Gelegenheit, selbst große Taten zu vollbringen, wie die Heldinnen in meinen Büchern. Aber ich war keine Heldin, ich konnte ja nicht einmal besonders gut mit dem Schwert umgehen.
‚Alles kann man lernen und ich werde mich von einem Schwert nicht unterkriegen lassen, auch wenn es noch so magisch ist.'
Am nächsten Morgen begannen wir gleich, unsere Sachen zusammen zu packen und zum Fluss zu bringen. Einige Elben, darunter Nimloth, kamen und brachten uns Proviant. Mit einem kleinen Bündel kam Nimloth auf mich zu und sagte:
„Hier sind einige Kleidungsstücke, vor allem Hemden, die Euch bestimmt nützlich sein werden auf eurer Reise."
Ich nahm das Bündel und bedankte mich bei ihr. Es war so klein und leicht, dass es problemlos in meinem Eastpack Platz hatte.
Währendessen wurde der Proviant in den drei Booten, die am Ufer lagen, verstaut. Er bestand hauptsächlich aus sehr dünnen, ungefähr Handflächen großen, hellbraunen ‚Keksen', die von großen Blättern umhüllt waren. Ehrfürchtig nahm Legolas einen der ‚Kekse' in die Hand.
„Lembas. Elbisches Wegbrot. Ein kleiner Biss ist genug, um den Bauch eines ausgewachsenen Mannes zu füllen. Solange die Waffeln in den Blättern eingehüllt bleiben, werden sie für viele, viele Tage frisch bleiben."
Wow, nicht schlecht. Genau das was wir brauchten. Das wäre auch bei Rock Im Park ganz nützlich. Auf einmal kam ich mir irgendwie seltsam vor. Wie von selbst legte sich meine Hand auf den Knauf von Gilmegil. Ich hatte den anderen nichts davon gesagt, was es mit dem Schwert auf sich hatte. Sie nahmen einfach an, dass es ein normales Schwert sei, was mir auch ganz recht so war. Ich hatte meinen Rucksack gerade in einem der Boote verstaut, als ich hörte, wie sich Merry und Pippin unterhielten.
„Wie viele von den Lembas-Waffeln hast du gegessen, Pippin?"
„Vier."
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Hobbits! Im Vergleich dazu isst ja sogar Obelix wie ein Spatz!
Mit dem Packen fertig, standen wir alle in einer Reihe, um Abschied von Celeborn und Galadriel, die eben gekommen waren, zu nehmen. Auf ein Zeichen von Celeborn hin gaben die anderen Elben jedem von uns einen Mantel mit Kapuze, der jedem natürlich perfekt passte. Die Elbenmäntel waren aus einem leichten, aber warmen, seidenähnlichen Material. Die Farbe konnte man unmöglich genau bestimmen. In einem Moment schienen sie grau wie das Dämmerlicht des Waldes zu sein, im nächsten grün wie Blätter im Schatten der Bäume, oder braun wie die Zweige des Waldes, silbern wie Wasser im Sternenlicht. Zusammen gehalten wurde der Mantel mit einer grün-silbernen Blattbrosche.
„Nie zuvor haben wir Fremde mit unseren Mänteln bekleidet. Mögen sie Euch vor unfreundlichen Augen verbergen," sagte Celeborn und trat einen Schritt zurück.
Jetzt trat Galadriel vor, gefolgt von mehreren Elbinnen, die verschiedene Sachen trugen.
„Aber ehe Ihr geht, habe ich Geschenke für Euch, die Euch Euren schweren Weg erleichtern und Euch an Lórien erinnern sollen."
Sie trat zu Aragorn, nahm von einer der Elbinnen einen gebogenen Dolch entgegen und überreicht ihn dem Krieger.
„Ich kann dir nicht mehr geben, als das Geschenk, das du bereits trägst."
Sie berührte die silberne Kette, die Aragorn trug.
„Am meleth dîn, i ant e-guil Arwen Undómiel pelitha. Wegen ihrer Liebe, fürchte ich, wird die Anmut von Arwen Abendstern schwinden."
„Aníron i e broniatha ar periatham amar hen. Aníron e ciratha a Valannor. Ich wünschte, dass sie diese Gestrande verlässt und mit ihrem Volk ist. Ich wünschte dass sie das Schiff nach Valinor nimmt."
„Diese Entscheidung liegt noch vor ihr. Du musst deine einge Entscheidung treffen, Aragorn. All deine Ahnen seit der Tage Elendils zu übertreffen, oder in Dunkelheit zu fallen, mit allen, die von deinem Volk noch übrig sind. Namárie! Lebe wohl! Es gibt vieles was du noch zu tun hast, Elessar."
Sie neigte ihren Kopf leicht zum Abschied und wandte sich Boromir zu. Ihm gab sie einen Gürtel aus Gold, Merry und Pippin erhielten jeweils einen reichverzierten Gürtel mit einem kleinen Dolch.
„Dies sind die Dolche der Noldorin. Sie wurden bereits in Kriegen benutzt."
Pippin schaute die Elbin erstaunt an.
„Habt keine Angst, junger Peregrin Took. Ihr werdet Euren Mut finden."
Nun wandte sie sich Legolas zu und reichte ihm einen wunderschönen Bogen, sowie einen Köcher voller Pfeile.
„Mein Geschenk an Euch, Legolas, ist ein Bogen der Galadhrim, würdig der Kunstfertigkeit unserer Verwandten des Waldlandes."
Sanft lies der Elb seine Finger über den Bogen gleiten und spannte ihn zur Probe.
Jetzt war es soweit. Die Herrin des Waldes stand vor mir. Sie reichte mir ebenfalls einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen.
„Auch für Euch Elena, habe ich einen Bogen. Doch erinnert Euch an das was ich Euch gestern gesagt habe."
Mit leicht zitternden Händen nahm ich ihr Geschenk entgegen. Ich hörte kaum, wie Galadriel zu Sam sagte:
„Und für Euch, Samwise Gamgee, Elbenseil aus hithlain."
Sam antwortete etwas, doch ich hörte es nicht. Ich holte tief Luft und ermahnte mich, mich zusammen zu reissen.
Nun war die Elbin bei Gimli angelangt.
„Und was würde ein Zwerg von den Elben erbitten?"
„Nichts. Außer der Ehre, die Herrin der Galadhrim ein letztes mal sehen zu dürfen. Denn sie ist schöner als alle Juwelen der Erde."
Galadriel lachte wohlwollend. Gimli schien jetzt seinen ganzen Mut zusammen zu nehmen:
„Es gäbe da etwas ... wenn es erlaubt wäre ... Euch um eines Eurer Haare zu bitten, die das Gold der Erde an Glanz und Schönheit übertreffen, wie die Sterne die Juwelen in den Minen."
Die Elbin lächelte und antwortete:
„Man sagt, dass die Kunst der Zwerge eher in der Arbeit ihrer Hände liegt, als in ihren Worten, doch das trifft nicht auf Gimli zu."
Sie schnitt sich drei goldene Haare ab und reichte sie dem Zwerg.
„Empfange diese Worte mit meinem Geschenk. Wenn die Hoffnung nicht versagt, werdet Ihr Gold im Überfluss haben, doch wird dich das Gold nicht beherrschen."
Zuletzt kam Galadriel zu Frodo, der die ganze Zeit mit abwesendem (und leicht belämmerten) Blick dagestanden hatte. Sie reichte ihm eine Phiole aus Kristall, in der sich eine schimmernde und glänzende Substanz befand.
„Frodo Beutlin. Ich gebe Euch das Licht Eärendils, unseres geliebten Sterns. Möge es Euch ein Licht an dunklen Orten sein, wenn alle anderen Lichter ausgegangen sind."
Sie ging einen Schritt zurück und wand sich an alle:
„Namárie. Lebt wohl. Mögen Euch die Valar auf Eurem Weg beschützen."
Wir gingen zu den Booten. Aragorn stieg mit Frodo und Sam in ein Boot, Boromir mit Merry und Pippin in ein anderes. Also blieben Legolas, Gimli und ich fürs letzte Boot übrig.
„Ich kann beim Rudern helfen," bot ich an. „Ich bin schon einige Male mit Booten gefahren." Ich sagte natürlich nicht, dass es sich dabei nur um Kanutouren auf langsam fließenden Flüssen gehandelt hatte. Legolas nickte.
„Dann setze dich nach vorne. Ich werde hinten sitzen, damit ich leichter Steuern kann, und Gimli kann in der Mitte sitzen."
Schade. Also würde ich mich nicht an seine muskulöse Brust lehnen können. Na ja machte nichts, Hauptsache ich war mit dabei.
Langsam paddelten wir mit der Strömung. Galadriel hob die Hand zum Gruß. Ich warf einen letzten Blick zurück auf diesen verzauberten Ort, den ich wahrscheinlich nie wiedersehen würde. Doch das Abenteuer ging weiter! Jetzt waren die Elben, die uns verabschiedet hatten, schon nicht mehr zu sehen. Vor uns lag der Celebrant, das Sonnenlicht glitzerte auf dem Wasser und ließ den Wald auf beiden Seiten in einem sanften Licht schimmern. Von weit her hörte ich die Stimme der Herrin des Waldes, hell und klar und wunderschön.
Ai! Laurie lantar lassi súrinen, Ah! Wie Gold fallen die Blätter im Wind
yeni únótime ve rámar aldaron! lange Jahre, zahllos wie die Flügel der Bäume!
Yeni ve linte yuldar avánier Die Jahre sind vergangen wie schnelle Brisen
mi oromardi lisse-miruvóreva von süßem Met in den luftigen Hallen
Andúne pella, Vardo tellumar hinter den Westen, unter Vardas blauen Gewölben
nu luini yassen tintilar i eleni wo die Sterne zittern im
ómaryo airetári-lírinen. Lied ihrer Stimme, heilig und königlich.
Sí man i yulmar nin enquantuva? Wer wird jetzt den Becher für mich füllen?
An sí Tintalle Varda Oiolosseo Denn jetzt hat die Entflammerin Varda von Everwhite aus
ve fanyar máryat Elentári ortane, ihre Hände wie Wolken erhoben, die Königin der Sterne,
ar ilye tier unduláve lumbule; und alle Wege ertrinken in tiefen Schatten;
ar sindanóriello caita mornie und aus einem grauen Land heraus liegt Dunkelheit
i falmalinnar imbe met, ar hísie auf den schäumenden Wellen zwischen uns, und Nebel
untúpa Calaciryo míri oiale. bedeckt die Juwelen von Calacirya für immer.
Sí vanwa ná, Rómello vanwa, Valimar! Verloren jetzt, verloren für die aus dem Osten ist Valimar!
Namárie! Nai hiruvalye Valimar. Lebt wohl! Möge es sein, dass Ihr Valimar findet.
Nai elye hiruva. Namárie! Möge es sein, dass auch Ihr es findet. Lebt wohl!
