Disclaimer: Die Charaktere gehören alle J. K. Rowling. Mir gehört nur der Plot.
Danksagung:
Ich danke caringangel und filia-qui-mortis für ihre Treue!! Ihr seid absolut fantastisch und der einzige Grund, warum ich hier noch update.
caringangel: Vielen Dank für deine Review, und hier kommt auch schon das nächste Kapitel!
filia-qui-mortis: Vielen Dank für deine tolle Review. Chaos wird es auf jeden fall noch geben. Sag' mal, heißt dein Nickname übersetzt: „Tochter, die stirbt" oder „Tochter, die tot ist"? Entschuldige, aber mein Latein war nie besonders gut.
Und nun viel Spaß beim Lesen!!!!
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8. Erwachen
Große schwarze Seen sahen sich suchend um, und Harry bemerkte, wie der Junge langsam Angst bekam.
„Severus?"
Der Junge starrte ihn an.
„Ich bin Harry. Erinnerst du dich an mich? Ich war gestern abend hier, und wir haben heute morgen zusammen gefrühstückt."
Severus nickte zögernd. Trotzdem hielt er immer noch seinen Teddy umklammert und seine Augen huschten suchend durch den Raum. Madam Pomfrey kam herbeigeeilt.
„Na, ausgeschlafen? Wie geht es dir?"
„Gut, Ma'am."
„Das werden wir erst einmal sehen."
Sie sprach einen Diagnosezauber. Severus drehte seinen Kopf hin und her.
„Suchst du etwas?" fragte Harry behutsam.
„Wo ist Remus, Sir?"
„Remus ist in der neuen Wohnung."
Severus nickte. Trotzdem hörte er nicht auf im Bett herumzurutschen.
„Severus, könntest du bitte still halten?"
„Ja, Ma'am."
Er sah immer noch unglücklich aus.
„Tut dir was weh?" fragte Harry.
Severus schüttelte den Kopf.
„Ich muss mal", sagte er leise.
„Die Toiletten sind dort hinten", erklärte Madam Pomfrey, „Du gehst durch die Tür, und dann findest du sie schon."
Der Junge nickte und krabbelte aus dem Bett.
„Kommst du zurecht?"
Severus nickte und lief zu den Toiletten.
„Sieh' bitte nach ihm", sagte die Heilerin leise, und Harry folgte dem Kleinen, der gerade durch die Tür verschwand. Bei der Tür angekommen, vernahm er plötzlich ein leises Wimmern und Schluchzen. Harry ging hinein und schaute in eine der Kabinen. Sie war leer. Erst beim dritten Versuch fand er den Jungen, der auf der Toilette saß und leise vor sich hin schluchzte. Harry kniete sich vor ihn.
„Hey, was ist los?"
Severus wischte sich ärgerlich die Tränen aus dem Gesicht.
„Es tut weh", wisperte er.
„Oh. Ähem."
Harry überlegte fieberhaft, was er tun sollte.
„Okay. Vielleicht kann Madam Pomfrey dir helfen."
Severus nickte. Er rutschte von der Toilette herunter und kauerte sich auf den Boden. Er zitterte leicht.
„Hey, hör' zu. Du ziehst dich an, und ich warte draußen, okay?"
Severus schien jetzt erst zu bemerken, dass ihm die Pyjamahose um die Knie hing und lief scharlachrot an. Er rollte sich noch enger zusammen. Harry erhob sich.
„Ich warte draußen", sagte er sanft.
Er stellte sich vor die Tür und wartete. Er hörte, wie Severus die Spülung betätigte. Dann versuchte der Kleine vergeblich an die Waschbecken zu kommen. Sie waren zu hoch. Harry verwandelte einen Mülleimer in einen kleinen Tritt und schob ihn mit einem Schlanker seines Zauberstabes in Severus' Richtung. Der Junge zuckte zusammen und sah sich um. Plötzlich sah er Harry, der mit seinem Zauberstab winkte. Bunte Funken stiegen auf.
„Magie."
Severus lächelte. Er stieg auf den Tritt und wusch sich die Hände. Dann kam er auf Harry zu und schob vorsichtig seine kleine Hand in die des Gryffindors. Dabei sah er ihn mit großen Augen an, in denen sich Furcht und Hoffnung spiegelten. Harry lächelte ihm zu.
„Madam Pomfrey!"
„Ja?"
„Severus hatte Schmerzen, als er auf der Toilette war."
„Verdammt", fluchte die Heilerin leise.
Sie rief einen Tiegel mit Salbe und ein Stück Pergament herbei. Hastig schrieb sie etwas auf das Pergament und überreichte beides Harry.
„Severus muss heute alle drei Stunden damit eingerieben werden, morgen alle sechs Stunden und ab übermorgen einmal morgens und einmal abends. Das macht ihr zwei Wochen lang. Danach sollte Severus Po geheilt sein. Achtet darauf, dass ihr euch an die Zeiten haltet. Eine Überdosierung kann zu Lähmungen führen."
Harry nickte.
„Die nächste Behandlung ist heute um 11.00 Uhr. Ich habe alles noch einmal für euch aufgeschrieben."
Sie kniete sich vor Severus.
„Du musst in der nächsten Zeit sehr tapfer sein. Dein Po wird in den nächsten beiden Wochen immer mal wehtun, aber das geht vorbei."
Severus nickte. Madam Pomfrey umarmte ihn.
„Du bist so ein tapferer und starker Junge. Ich bin sehr stolz auf dich."
Sie küsste ihn auf die Wange.
„Wenn du mal Hilfe brauchst oder jemanden, der bei dir ist, dann ruf' einfach ‚Poppy', okay?"
„Okay", wisperte er.
Madam Pomfrey flüsterte etwas und eine blausilberne Kugel umgab den Jungen. Sie leuchtete kurz auf und verschwand. Die Heilerin verwandelte zwei Phiolen in ein Paar weiche Schuhe.
„Ich glaube, du trägst die besser, wenn ihr jetzt zu Remus geht."
Severus' Gesicht leuchtete auf.
„Zu Remus?"
„Ja, zu Remus."
Der Kleine strahlte. Dann fiel sein Blick auf das Bett und seine Augen bekamen einen sehnsüchtigen Ausdruck. Harry schaute auf das Bett und sah den Teddybären, der seinerseits Severus anzusehen schien.
„Accio, Teddybär."
Der Bär kam auf Harry zugeflogen, und er drückte ihn dem glücklichen Jungen in die Arme.
„Können wir?"
Severus nickte und gemeinsam verließen sie den Krankenflügel.
Auf dem Weg zum Westflügel starrte Severus, nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte, mit offenem Mund die Portraits an und erinnerte Harry an sich selbst, als er zum ersten Mal durch Hogwarts gegangen war. Endlich kamen sie bei dem Feuergargoyle an.
„Hinter dieser Statue liegt unsere Wohnung. Das Passwort ist ‚Schlangenkind'. Kannst du dir das merken?"
Severus nickte.
„Sag' es einmal. Laut und deutlich."
„Schlangenkind."
Die große Statue begann sich zu bewegen und der Junge klammerte sich ängstlich an Harry. Hinter dem Gargolye kam ein geräumiger Flur zum Vorschein, von dem viele Türen abgingen.
„Alles okay?"
Severus nickte tapfer. Harry führte ihn in das Zimmer, das ein silbernes Namensschild als das Seine auswies. Es war groß und sehr gemütlich. Natürlich fehlten noch Spielsachen und vielleicht ein paar Bücher, aber Dumbledore hatte ja einen Ausflug in die Winkelgasse versprochen.
„Das hier ist dein Zimmer."
„Mein Zimmer?"
„Ja, genau", ertönte eine Stimme hinter ihnen.
Remus stand dort mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht.
„Es ist dein eigenes Zimmer."
Severus lächelte und lief auf Remus zu, der ihn fest in seine Arme schloss und sich zusammen mit dem Jungen auf das große Himmelbett setzte.
„Geht es dir besser?"
Severus nickte.
„Madam Pomfrey hat uns diese Salbe mitgegeben. Severus muss in den nächsten zwei Wochen damit eingerieben werden. Sie hat alles auf das Pergament geschrieben", erklärte Harry, „Die nächste Behandlung ist um 11.00 Uhr."
Der Werwolf nahm den Tiegel an sich und stellte ihn auf dem Nachtisch ab. Er strich Severus über den Rücken.
„Gefällt dir dein Zimmer?"
Der Junge zögerte.
„Wie lange muss ich denn hier bleiben?"
„Eine Weile", antwortete Remus.
„Wo sind Mommy und Vater?"
„Sie sind fort. Sie wollten, dass du in Sicherheit bist."
Severus schüttelte den Kopf. Dann richtete er seinen Blick auf Harry, und der Gryffindor hatte das Gefühl, dass der Junge bis auf den Grund seiner Seele schauen konnte. Ein Gefühl, dass er aus seinen Okklumantikstunden nur allzu gut kannte.
„Wo sind sie?"
„Sie sind nicht hier. Aber sie kommen sicherlich wieder, um dich abzuholen."
Severus starrte ihn an und runzelte die Stirn. Harry bekam eine Gänsehaut.
Leider weiß ich weder welches Potential noch welche verborgenen Talente Severus in sich trägt.
Konnte der Junge vielleicht wirklich Gedanken lesen?
Er weiß jedenfalls, dass wir ihm nicht die Wahrheit sagen, dachte Harry.
Was sollte er jetzt sagen? Am besten wohl die Wahrheit.
„Sie kommen nicht wieder", sagte er leise, „Sie sind tot."
Die großen schwarzen Augen füllten sich mit Tränen und Remus begann leise zu knurren. Seine Augen wurden golden, und Harry lief ein Schauer über den Rücken. Er musste Severus irgendwie beruhigen, bevor Remus ihn angriff.
„Warum?" wisperte der Junge.
Harry überlegte fieberhaft.
„Es waren die schwarzen Männer. Du erinnerst dich doch noch an die schwarzen Männer?" Severus nickte. Er schluchzte und wischte sich ärgerlich die Augen, während Remus ihn fest an sich drückte. Harry strich ihm über den Kopf.
„Sie haben auch meine Mommy und meinen Daddy getötet."
Der Junge vergaß seinen Schmerz und sah den Gryffindor mit großen Augen an.
„Wirklich?"
Harry nickte. Severus betrachtete seinen Teddybären. Schließlich nahm er ihn und drückte ihn dem älteren Jungen in die Arme.
„Danke."
Severus sah den Teddybären sehnsüchtig an, lächelte aber tapfer. Harry gab ihm den Bären zurück.
„Ich habe das Gefühl, dass er lieber bei dir ist", sagte er.
Der Junge strahlte.
„Hast du schon einen Namen für ihn?"
Severus sah Remus an und dann seinen Bären. Er runzelte die Stirn.
„Albus", sagte er schließlich.
Remus lächelte und küsste ihn auf den Kopf.
„Das ist ein schöner Name."
Severus kuschelte sich an ihn und schniefte leise. Harry erhob sich.
„Ich werde mir jetzt mal mein Zimmer ansehen. Ich nehme an, ihr kommt ohne mich zurecht?"
„Ich denke schon."
„Kommst du wieder?"
Große Augen betrachteten ihn ängstlich.
„Ja, Severus. Ich komme wieder."
„Okay."
Damit war das Thema für ihn erledigt. Im Hinausgehen hörte Harry noch, wie Remus seinen Schützling fragte, ob er eine Geschichte hören wollte, und begann etwas von „Oliver, dem Drachen" zu erzählen.
Harrys Zimmer war ebenso groß wie Severus'. Auch die Einrichtung war ähnlich, nur dass hier die Farben Dunkelblau und Cremeweiß dominierten. Das Regal war mit Büchern über Verteidigung gegen die dunklen Künste gefüllt und in einer Ecke wartete eine kleine Sitzgruppe mit drei bequemen Sesseln auf etwaige Gäste. Sein Schrankkoffer und Hedwigs Käfig warteten am Fußende des Himmelbettes auf ihn.
Harry beschloss das Auspacken auf später zu verschieben und lieber die Wohnung zu besichtigen. Es gab zwei Bäder und eine große Küche, die förmlich zum Kochen einlud, außerdem natürlich die Zimmer von Remus und Sirius. Die Tür zum Zimmer seines Paten stand sperrangelweit offen. Sirius stand auf dem Balkon, der an sein Zimmer angrenzte und genoss die Aussicht über die Hogwart'schen Ländereien. Harry trat neben ihn.
„Wieder zurück vom babysitten?" fragte der Animagus grinsend.
Harry nickte.
„Yep."
Sirius sah auf die Ländereien hinaus.
„Ich könnte ewig hier draußen stehen. Askaban sei Dank."
Er lächelte grimmig und bot Harry einen Zigarillo an. Dieser lehnte ab. Sein Pate zuckte nur mit den Schultern und zündete sich selbst einen an.
„Und, hast du Snape einen Tritt von mir gegeben?"
„Natürlich nicht."
Sirius sah enttäuscht aus.
„Ich glaube nicht, dass Dumbledore oder Remus sehr begeistert davon wären, wenn jemand Severus verletzen würde", wandte Harry ein.
„Also ist er für dich auch schon Severus?" fragte Sirius mit einem beißenden Unterton.
Harry senkte den Kopf.
„Warum hasst du ihn so?"
Sirius zuckte mit den Schultern.
„Er ist ein Arsch. Genauso wie Malfoy. Man muss ihn einfach ärgern."
Weil er existiert, hallte es durch Harrys Kopf.
„Wir sollten ihn in Ruhe lassen. Ich weiß nicht, wie Moony reagiert, wenn sein Schützling angegriffen wird."
Sirius zuckte nur mit den Schultern.
„Aber jetzt genug von Snape. Wie geht es dir?"
„Ich lebe noch. Es sieht so aus, als müsste ich wieder Okklumantikstunden nehmen. Dieses Mal bei Dumbledore.."
„Merlin sei Dank."
Er drückte seinen Zigarillo aus.
„Hast du Lust auf ein bisschen Quidditch?"
Harry grinste.
„Klar."
„Vielleicht gelingt es uns ja sogar Moony von Snape loszueisen."
Die beiden Zauberer verließen den Balkon und trafen im Flur auf Albus Dumbledore, der Severus auf dem Arm hatte. Der Schulleiter musterte Harry durchdringend.
„Remus hat mir erzählt, was du über Severus' Eltern gesagt hast."
Der Gryffindor hielt dem Blick stand.
„Severus ist ein sehr kluger Junge", sagte er, „Er merkt, wenn jemand nicht die Wahrheit sagt."
Dumbledore nickte als Zeichen, dass er verstanden hatte.
„Warum zeigst du Sna-, Severus, nicht deinen Phoenix?" schlug Sirius vor, „Ich wette, er hat noch nie einen gesehen."
„Was ist ein Fenix?" fragte der Junge.
„Ein Phoenix, Severus, ist ein ganz besonderer Vogel. Er ist sehr freundlich, und würde dich sicher gern kennenlernen. Natürlich nur, wenn Remus es erlaubt."
Sofort sah sich Remus mit einem Paar schwarzer Hundeaugen konfrontiert. Der Werwolf seufzte.
„Na gut. Aber pass' auf, dass Fawkes ihm nicht zu nahe kommt."
„Er wird Severus nichts tun. Spätestens zum Mittagessen hast du deinen Schützling gesund wieder."
„Severus muss mit einer Salbe eingerieben werden. Poppy hat ein Stück Pergament beigelegt, auf dem alles drauf steht. Die nächste Behandlung ist in einer Stunde. Severus hört gern Geschichten, und wir haben angefangen ein Bild zu malen. Hier ist es. Pass' bitte auf, dass er nicht in die Nähe deiner Instrumente kommt und halte ihn von allen gefährlichen Dingen fern. Severus ist sehr neugierig, und ich möchte nicht, dass er sich verletzt. Wenn irgendetwas sein sollte, kannst du mich rufen oder auch Poppy. Außerdem …"
Dumbledore hob die Hand und Harry musste sich das Grinsen verkneifen. Remus erinnerte ihn sehr an Mrs. Weasley.
„Ich werde gut auf ihn aufpassen."
Der Werwolf errötete.
Der Schulleiter wand sich an den Jungen.
„Hast du alles?"
„Albus", sagte er leise.
Remus lachte und drückte Severus den Bären in den Arm.
„Er hat seinen Teddybären ‚Albus' genannt."
„Oh. Ich fühle mich geehrt. Hast du jetzt alles?"
Severus nickte.
„Gut."
Dumbledore nickte ihnen noch einmal allen zu und verschwand dann mit Severus, Teddy Albus, der Salbe, dem angefangenen Bild und Ratschlägen von einem besorgten Werwolf.
„Okay, jetzt, wo wir ihn los sind, hast du Lust mit uns Quidditch zu spielen?"
Remus stöhnte.
„Du weiß, wie schlecht ich spiele."
„Harry und ich brauchen aber noch einen Torwart."
Der Werwolf sah sie beide an und Harry spürte, wie sein Widerstand dahin schmolz.
„Meinetwegen. Ich werde versuchen, es euch nicht allzu leicht zu machen."
Sirius lachte und schlug Remus auf die Schulter.
„Das ist der alte Moony."
Noch immer lachend verließen die Zauberer die Wohnung.
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Und, was meint ihr? Wie immer sind Lob, Anregungen und Kritik höchst willkommen.
Anmerkung:
Ihr wundert euch vielleicht, dass Severus so schnell über den Tod seiner Eltern hinwegkommt, aber Ablenkung ist alles. Außerdem weiß er noch nicht, ob er Remus und Harry wirklich so vertrauen kann, dass er ihnen alle Gefühle offen zeigen mag.
Mit dem „Sir"-Ding ist es so, dass Severus in den nächsten Kapiteln immer wieder Harry, Remus, Sirius oder Dumbledore mit „Sir" ansprechen wird, bis er es sich endgültig abgewöhnt.
Vielleicht wundert ihr euch auch, dass Poppy Severus so schnell aus dem Krankenflügel entlässt, aber sie ist der Meinung, dass Severus in einer schönen Umgebung mit Remus und Harry schneller gesund wird, als im Krankenflügel.
So, jetzt genug gelabert. Da gibt es einen kleinen Button, der gerne gedrückt werden möchte. wink, wink, wink
