Zuvor bei „Mein fester Freund":

Er grinste glücklich. „Gute Nacht, Liebling."

„Gute Nacht, James.", gab ich zurück.

Ich begab mich in mein Zimmer und holte meine Tasche hervor. Behutsam nahm ich James zusammengefaltetes Shirt heraus und zog es über, bevor ich in mein Bett krabbelte und einschlief.

Kapitel 8

Freundschaftlicher Wettbewerb

Es ist alles nur ein Spiel, bis jemand ein Auge verliert... dann ist es ein Spiel und man kann nichts mehr sehen." – James Hetfield

Ich nahm einen tiefen Atemzug und vergrub mein Gesicht in meinem Kissen. Meine Arme reckten sich über meinen Kopf und kamen auf dem Kissen zum liegen, als ich meine Schultern ausstrecke. Dann rollte ich mich auf die Seite, stützte meinen Kopf auf meine Hände und machte mich langsam mit dem Gedanken vertraut aufzustehen. Vage erinnerte ich mich an meinen Traum, in dem Sirius Black vorgekommen war. Ich konzentrierte mich auf diesen Gedanken und erinnerte mich daran, dass ich versucht hatte ihn davon zu überzeugen kein fliegendes Motorrad zu kaufen. Er hatte mich dann mit seinem Hundeblick aus sturmgrauen Augen und seiner Schmolllippe dazu überredet eine Spritztour mit ihm zu machen. Er war mit mir durch die Luft geflogen und ich hatte mich an seine schwarze Lederjacke geklammert. Ich schwelgte in der Erinnerung an den Wind in meinen Haaren, der Wärme seines Körpers und dem unglaublichen Hochgefühl über London zu fliegen.

Ich streckte mich auf dem Bett aus und stützte mich auf meine Ellbogen auf. Es war vielleicht wirklich gut, dass mich irgendjemand oder irgendetwas immer aufweckte. Auf sich allein gestellt funktionierte mein Gehirn anscheinend nicht richtig. Sirius war ja noch nicht einmal der Rumtreiber von dem ich träumen wollte, ganz egal wie gut er aussah. Remus war ganz klar mein Typ. Er hatte einfach alles. Die blauen Augen, die honigblonden Haare und den einfühlsamen Charakter. Ich lachte leise vor mich hin, schwang die Beine über die Kante des Bettes und machte mich auf den Weg ins Badezimmer.

Ich leerte meine äußert pünktliche Blase und ließ mir ein paar Minuten Zeit, um meine Haare zu bürsten und mir die Zähne zu putzen bevor ich hinunter in die Küche ging.

„Guten Morgen, Mum.", begrüßte ich sie und sah zu wie sie die Spülmaschine verfluchte.

„Verfluchte Maschine!", knurrte sie und trat die Klappe der Spülmaschine zu. „Nimm das."

Ich schüttelte den Kopf und sah hoch zur Decke auf der Suche nach einem Zeichen, als ich bemerkte wie meine Mum mein Outfit kritisch beäugte. Glücklicherweise schien sie zu abgelenkt um das Shirt von James zu kommentieren. Trotzdem zog ich es verlegen nach unten. Es reichte mir immer noch kaum bis zur Hälfte meines Oberschenkels. „Oh, hi, Lily.", sagte sie.

Ich lachte, als ich ihr Gesicht sah, das mit blauem Spülmaschinenreiniger beschmiert war. „Mum, was machst du denn da?"

Sie seufzte, richtete sich auf und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Diese verfluchte scheiß Maschine ist gestern Abend kaputt gegangen, also ist das Geschirr jetzt nicht sauber. Ich sag deinem Vater andauernd, dass wir eine Neue brauchen, aber er hört mir ja verdammt noch mal nicht zu. Warum auch? Er macht ja nie den Abwasch. Jetzt muss ich alles per Hand abwaschen bis der Handwerker kommt, was immer eine Ewigkeit dauert und ein Vermögen kostet. Verfluchte Maschine!"

Ich lachte und ging zu ihr rüber. „Entspann dich Mum, das wird schon."

Sie sah mich böse an. „Warum bist du so fröhlich heute Morgen? Normalerweise benimmst du dich wie eine nasse Katze."

Ich grinste sie fröhlich an. „Heute Morgen hat mich niemand aufgeweckt. Ich liebe es, wenn das passiert."

Abwesend nickte sie, wandte sich wieder der Spülmaschine zu und begann sie mit ihrem Knie zu bearbeiten.

„Du allerdings scheinst heute miesepetrig genug für uns beide zu sein. Lass es sein, Mum. Du machst nur eine große Beule in die Spülmaschine!"

Mit einem Seufzen hörte sie damit auf, prustete kindisch und verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Ah, du hast Recht! Wann bist du denn so vernünftig geworden?"

Ich kicherte. „Ungefähr zu der selben Zeit zu der meine Mum so hitzköpfig wurde."

Sie lachte und schubste mich leicht. „Ich denke ich sollte mich wohl auf die Suche nach dem Telefonbuch machen. Weißt du wo es liegt? Benutzt dein Vater es immer noch um das Bücherregal abzustützen?"

Ich schob meine Mutter aus dem Weg und griff dann unter James Shirt um meinen Zauberstab zu ziehen. Ich wandte mich der Spülmaschine zu und murmelte einen Zauberspruch. Sofort begann die Spülmaschine wieder zu laufen.

Auf dem Gesicht meiner Mutter breitete sich ein riesiges Grinsen aus. „Sie läuft!", jubelte sie. Sie zog mich in eine Umarmung. „Oh, Lily, habe ich dir heute schon gesagt wie sehr ich dich liebe?"

Ich lachte leise. „Noch nicht, aber danke!"

Sie seufzte. „Ahh, das ist fantastisch. Ich wusste, dass es eine gute Idee war dich nach Hogwarts zu schicken."

Ich rollte mit den Augen. „Ja, die Fähigkeit eine Spülmaschine zu reparieren ist wirklich große Zauberei. Ich sollte ein Geschäft eröffnen."

„Oh, sei still."

Ich grinste. „Trotzdem ist es besser als das, was Petunia hätte ausrichten können."

„Ja, mein kleines Wettbewerb- Monster. Aber deine Schwester ist in anderen Bereichen sehr talentiert.", erinnerte mich meine Mum.

„Ach, komm schon, Mum! Tuney?", fragte ich und runzelte die Nase. „Sie hasst es anderen Menschen zu helfen!"

Meine Mum musste lachen, auch wenn sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen.

„Das ist nicht sehr nett. Deine Schwester ist eine wundervolle Person."

Ich warf meiner Mutter einen ungläubigen Blick zu.

„Mach nicht so ein Gesicht!", rügte sie mich. „Deine Schwester und ich machen uns immer über dich lustig, wenn du nicht zu Hause bist."

„Mum.", schrie ich schrill.

Sie lachte verschmitzt. „Und du bist das ganze Schuljahr über nicht zu Hause."

„Mum.", sagte ich und legte meine Hand auf mein zutiefst getroffenes Herz. „Ich kann nicht glauben, dass du das deiner dich liebenden Tochter antun würdest, die gerade deine Spülmaschine repariert hat."

„Na ja, es ist nicht schwer sich über dich lustig zu machen, bei all den albernen Macken, die du hast. Petunia kann dich ziemlich gut imitieren."

„Mum!"

Meine Mutter schlang einen Arm um meine Schulter. „Es tut mir Leid, Lily. Danke, dass du die Spülmaschine repariert hast. Du bist die beste Tochter, die man sich vorstellen kann.", entschuldigte sie sich mit einer Spur Ernsthaftigkeit in ihrer überdramatischen Stimme: „Genau wie Tuney.", fügte sie fairerweise hinzu.

Ich wartete und tat so, als müsse ich mir erst überlegen, ob ich ihr verzeihen könnte. Ich seufzte melodramatisch. „Ach, na schön.", ließ ich dann endlich verlauten.

Sie lachte und ging zum Spülbecken, um ihre Hände zu waschen.

Ich zupfte am Saum meines T-Shirts herum. „Mum? Hast James heute Morgen schon gesehen?", fragte ich.

Sie schüttelte im Spülbecken das Wasser von ihren Händen und griff dann nach einem Handtuch, während sie die Uhr betrachtete, die an der Wand neben den Küchenschränken hing. Ich folgte ihrem Blick. Es war bereits 11:47.

„Er schläft nie so lange.", teilte sie mir mit. „Normalerweise steht er um acht oder um neun auf. Er ist auch immer freundlich.", neckte sie mich mit einem Lächeln.

Ich rollte mit den Augen.

„Vielleicht sollte ich mal nach ihm sehen.", machte sie besorgt weiter.

„Ich mach schon.", bot ich mit einem Lächeln an.

Sie schüttelte wissend den Kopf. „Sei nett.", warnte sie mich.

Ich lächelte noch breiter. „Ich bin immer nett.", sagte ich und hüpfte aus der Küche.

„Sei aber nicht zu nett!", fügte sie laut hinzu.

„Was, Mum? Ich kann dich nicht hören!", schrie ich frech zurück.

Ich hörte sogar oben auf der Treppe wie sie in der Küche schnaubte.

Ich lief zum Gästezimmer und öffnete die Tür langsam mit einem Knarren. Es kam kein Geräusch oder irgendein Protest aus dem Zimmer, also öffnete ich die Tür so leise ich konnte weiter und schlich mich auf Zehenspitzen hinein. Ich sah mich im Zimmer um. In letzter Zeit hatte ich absichtlich einen großen Bogen um das Gästezimmer gemacht. Ich wollte James Privatsphäre geben. Ich wollte, dass es wie ein unpersönliches Hotelzimmer war, um das Ganze professionell zu handhaben. Im Gegenzug hatte er sich auch, vom ersten Tag abgesehen, bemüht von meinem Zimmer fern zu bleiben, was ich sehr zu schätzen wusste.

Nun jedoch übermannte mich eine nicht zu bändigende Neugier und, währende ich den Geruch von James einatmete, der mich umgab, sah ich mich aufmerksam um. Die Kommode, der Kleiderschrank und die Regale waren alle noch an ihrem Platz. Ein paar seiner T-Shirts hingen über dem Schreibtischstuhl. Ich entdeckte ein Paar Hosen, die auf dem Boden in der Nähe des Kleiderschrankes lagen, aber im Großen und Ganzen hatte er hier Ordnung gehalten. Diese Tatsache schockte mich nicht, sie bestätigte mich allerdings auch nicht. Ich hatte nicht gewusst, ob er ein Schlamper war oder ein Ordnungsfanatiker. Es leuchtete mir ein, dass er organisiert war, aber trotzdem ein klein wenig chaotisch. Fast so wie seine Haare.

Ich achtete sorgfältig darauf nicht auf seinen geliebten Besen zu treten, der vor dem Fenster auf dem Boden lag und schlich leise auf die andere Seite des Zimmers. Einige von James sehr persönlichen Dingen standen auf dem Nachttisch. Er besaß eine goldene Uhr mit unzähligen Zeigern, einen kleinen Spiegel, den er sehr wahrscheinlich benutzte, um jederzeit seine Haare zu richten, einen kleinen Beutel mit Zauberermünzen, ein gerahmtes Bild von ihm und den anderen Rumtreibern und seine Brille. Ich streckte meine Hand aus, um über die Gegenstände zu streichen, während ich sie eingehender betrachtete. Mein Blick wanderte zu einem Stück Pergament, das unter dem Spiegel verborgen lag, und das ich vorher nicht bemerkt hatte. Ich griff danach, um es herauszuziehen. Plötzlich hörte ich ein Geräusch und zuckte zusammen. Erschrocken nahm ich einen tiefen beruhigenden Atemzug und sah zum Bett hinüber. James umarmte sein Kissen eng, und schlief mit dem Mund leicht geöffnet und sah fast niedlich aus. Ich näherte mich ihm bis ich seine entspannte Atmung hören konnte.

Sein Gesicht sah so ernst und unschuldig aus während er schlief. Da war keine Spur von Arroganz oder Schalk in seinem Gesicht zu sehen. Ohne seine Brille fiel mir zum ersten Mal auf wie lang seine Wimpern eigentlich waren. Es war wirklich unfair, dass ein Junge vollere und dunklere Wimpern hatte als ich. Er rollte sich ein wenig auf die andere Seite und die Bettdecke bedeckte seine linke Seite nun nicht mehr. Mein Herz setzte für einen Moment aus, als ich bemerkte, dass er nun in Boxershorts schlief. Ich wollte ihm näher sein, also bewegte ich mich zentimeterweise nach vorne und streckte meine Hand aus, um seine zerwuschelten Haare zu berühren. Meine Finger fuhren durch seine seidigen Haare und ich fühlte wie er sich unterbewusst zu meiner Hand streckte. Ich sah schnell auf ihn hinab und stellte fest, dass er noch schlief. Beruhigt erlaubte ich meiner Hand seine Stirn nachzufahren.

Er seufzte, als meine Finger sein Gesicht nachzeichneten und dann zu seinem Nacken wanderten. Unerwartet griff er nach meinem Handgelenk und ich stolperte nach vorne. Ich landete halb auf seinem Oberköper. Mein Gesicht brannte vor Scham, aber erstaunlicherweise schlief er immer noch selig. Bis auf ein kurzes Grunzen, atmete er ruhig weiter. Ich war unsicher was ich tun sollte, also bewegte ich mich nicht. Dann endlich setzte mein Gehirn wieder ein und nach und nach, um ihn nicht zu wecken, versuchte ich von ihm herunterzurutschen. Er muss jedoch meine minimalen Bewegungen gespürt haben, denn seine Arme schlangen sich um meine Taille und er zog mich an seine Seite.

Seufzend, zog er mich noch ein wenig näher zu sich und eine seiner Hände vergrub sich in meinen Haaren.

„Mmmhh, Lily.", seufzte er.

Nun war er mit Sicherheit wach. Ich starrte in sein Gesicht und wappnete mich, ihm in die Augen zu sehen, aber sie waren immer noch geschlossen. Unglaublich, er schlief immer noch. Umständlich versuchte ich seine Hände von meiner Taille zu entfernen, aber sobald ich seine Finger von mir losgeeist hatte, umklammerte mich seine andere Hand noch fester. Ich rollte mit den Augen. Das war so typisch James, nicht einmal wenn er schlief konnte er ein „Nein" akzeptieren. Mir wurde klar, dass ich so nicht weiter kommen würde und stieß mit meinen Händen gegen seine Brust.

„James.", sagte ich leise.

Er murmelte etwas Unverständliches und runzelte dabei die Stirn.

„James, wach auf.", sagte ich. „James, jetzt mach schon.", drängte ich weiter.

Er rollte sich auf mich und ich spürte wie das Gewicht seines Körpers meine Lungen fast zerquetschten. Ich schnappte nach Luft und schlug auf seine Schulter ein. „James! Geh runter!"

„Lily", grunzte er, öffnete mühsam die Augen und blinzelte mich an.

„Kann nicht atmen!", brachte ich heraus.

„Oh, Scheiße!", rief er und rollte von mir runter.

Dankbar nahm ich tiefe Atemzüge, bis ich wieder normal atmen konnte.

„Ähm.", machte er und fuhr mit der Hand durch seine Haare. „Entschuldige.", sagte er mit einem schwachen Lächeln.

Ich nahm einen tiefen Atemzug. „Ja."

„Nur so aus Neugierde, was machst du in meinem Bett?"

„Ich habe versucht dich zu wecken.", teilte ich ihm mit.

„Und warum hast du dann mit mir gekuschelt?", fragte er.

„Habe ich ja nicht! Du hast mich im Schlaf gepackt!"

„Oh.", antwortete er. Er grinste verlegen. „Ich dachte, dass wäre Teil meines Traumes."

Ich massierte meinen Oberkörper behutsam. „Tja, träum das nächste Mal davon anderen Leuten nicht zu nahe zu kommen. Ich glaub mein Brustbein ist gebrochen."

„Entschuldige."

Ich seufzte. „Ja, ja."

Er streckte die Hände über seinen Kopf und meine Augen fielen beinahe heraus, als ich zusah wie seine Bauchmuskeln sich bewegten. Er nahm die Arme wieder herunter und ich wandte diskret meine Augen ab. Er griff nach seiner Brille und ich nutzte die Gelegenheit, um von ihm wegzurutschen.

James rutsche zur Kante des Bettes wo auch ich saß, schlang seinen Arm um meine Hüfte und legte seinen Kopf an meine Schulter. „Mmmh, Morgen.", seufzte er.

„Eher Mittag.", korrigierte ich ihn.

„Was? Wie spät ist es?", fragte er mich.

„Fast zwölf.", antwortete ich und rutsche von ihm weg. Ganz im Ernst, dieser Junge legte morgens viel zu viel Wert auf Körperkontakt, und ich verlor langsam die Kontrolle über mein Östrogenlevel.

„Merlin! Ich hab so lange geschlafen?"

„Ja, deshalb bin ich ja auch hochgekommen um dich zu wecken."

„Wow, danke. Ich kann nicht glauben, dass ich so lange geschlafen hab, vor allem länger als du."

Ich überhörte den letzten Kommentar großzügig und schnalzte nur kurz mit der Zunge. „Nun, du warst gestern ziemlich müde."

„Richtig, gestern.", wiederholte er. Seine Augen betrachteten mich neugierig von oben bis unten.

„Was?", fragte ich bissig.

„Nichts.", erholte er sich schnell. „Es ist nur, du trägst immer noch mein Shirt."

Ich errötete und zog es weiter nach unten. „Willst du, dass ich es dir zurückgebe?"

„Trägst du etwas drunter?", fragte er mich anzüglich.

Ich stieß mit der Hand gegen seinen Oberkörper.

„Au! War doch nur ein Witz!", beschwerte er sich.

„Das hast du verdient.", teilte ich ihm mit.

„Ahh, es ist nicht so wichtig. Behalt es. Es ist es nicht wert deswegen geschlagen zu werden."

Ich lächelte. „Gut, denn ich hatte sowieso nicht vor es dir zurückzugeben."

Ich sprang von seinem Bett hinunter und ging zur Tür. „Frühstück?", fragte ich.

Er rappelte sich auf, zog sich, zu meiner immensen Erleichterung und zugleich Enttäuschung, ein weißes T-Shirt über und folgte mir. „Mittagessen.", korrigierte er mich.

Wir gingen zusammen die Treppe hinunter und dann in die Küche. Bevor wir hineingingen, fassten wir uns an den Händen. Ja, wir wurden langsam richtig gut, was diese Scharade anging.

„Ahh, da seid ihr zwei ja. Ich hatte mich schon gewundert ob du morgens genauso schwer aufzuwecken bist wie Lily.", begrüßte uns meine Mum.

James lachte. „Nein, Mrs. Evans. Lily ist nur nicht sehr gut darin andere Leute zu wecken."

„Nun, sie musste es ja auch noch nie.", lachte meine Mum. „Und, James, wie oft muss ich dir noch sagen, dass du mich April nennen sollst?"

James grinste. „Mindestens noch ein paar Mal.", erwiderte er charmant.

Sie kicherte und ich rollte mit den Augen. Ich lehnte mich rüber und zischte James ins Ohr: „Hör auf mit meiner Mum zu flirten."

Er hob die Augenbrauen. „Ist es nicht das, was ein guter fester Freund tut?"

Ich verzog das Gesicht. „Hör einfach damit auf."

„Wäre es dir lieber, wenn ich stattdessen mit dir flirte?" fragte er unschuldig.

Ich riss meine Hand aus der seinen und schritt zum Kühlschrank hinüber. Ich griff nach dem Orangensaft und holte auch ein paar Eier und Cheddarkäse heraus. Dann stellte ich die Sachen auf die Arbeitsplatte, holte den Toast und warf ihn in James Gesicht. Natürlich fing er es bevor es, bevor es das gewünschte Ziel, seinen überdimensionierten Kopf, erreichen konnte.

„Ich mach die Eier, du den Toast.", befahl ich ihm.

„Okay.", sagte er.

„Ich lass euch zwei Kinder allein.", rief meine Mutter und schwang die Schlüssel in ihrer Hand. „Ich muss heute Nachmittag runter in die Schule und ein paar Dinge für das nächste Schuljahr vorbereiten. Es dauert nur ein paar Stunden. Petunia sollte vor mir wieder da sein. Sie ist mit ihrer Freundin Lizzie unterwegs. Sie ist so ein nettes Mädchen."

„Und warum ist sie dann mit Tuney befreundet?", fragte ich trocken.

„Lily!"

„Ich meine, dann müssen sie sich ja so gut verstehen.", sagte ich und gab dabei vor zu husten.

Meine Mum sah mich strafend an und holte dann ihr Notizbuch vom Küchentisch. „Benimm dich.", sagte sie betont und sah mich an.

„Okay, werd ich. Tschüss Mum!"

„Tschüss, Mrs. Evans."

„James!"

„April!", verbesserte er sich eiligst.

„So ist es besser.", sagte sie, lehnte sich rüber um ihn auf die Wange zu küssen und verschwand zur Tür hinaus.

Ich verzog das Gesicht. Mich hatte sie nicht zum Abschied geküsst. „Hör auf das mit meiner Mutter zu machen, okay? Sie wird einen Herzinfarkt bekommen, wenn ich ihr erzähle, dass wir Schluss gemacht haben. Und wenn du schon dabei bist, halt dich auch von meinem Vater fern."

James lachte. „Gibt es denn noch irgendjemanden zu dem ich nett sein darf, ohne dass du mich anschreist?"

„Vernon."

Er kicherte und dann stritten wir uns noch ein wenig, während ich die Eier aufschlug, zusammen mit einem Stück Cheddarkäse in die Pfanne beförderte und das Ganze verrührte.

Nach ein paar Minuten, roch es ein wenig angebrannt. Besorgt sah ich auf die Eier hinab, aber sie waren immer noch hellgelb. Ich drehte mich zu James um, der schuldig auf unseren Toaster hinabblickte.

„Lily, ich glaube nicht, dass er das tun soll.", sagte er.

„Nein.", sagte ich sarkastisch. „Rauch bedeutet nur, dass es gleich anfängt zu brennen. Alle Lebensmittel werden mit dem Abenteuer eines feurigen Todes zubereitet."

„Dein Sarkasmus ist im Moment wirklich nicht angebracht.", erwiderte er in einer ungewöhnlich hohen Stimmlage. „Ich werde gleich panisch."

Ich rollte mit den Augen. „Geh aus dem Weg, du großes Baby.", ordnete ich an.

Ich zog den Stecker des Toasters und untersuchte den Inhalt. Es waren zwei Scheiben sehr verbrannter Toast. Ich nahm eine Gabel und holte eine der Scheiben heraus. Ich lachte angesichts des komplett schwarzen, kohleartigen, ehemals essbaren Nahrungsmittels.

„Du hättest es nicht umbringen müssen, weißt du."

James grinste mich schief an. „Es sah verdächtig aus. Ich wollte, das unser Geheimnis sicher bleibt."

Ich rollte mit den Augen. „Ich bezweifle stark, dass ein Haufen Kohlehydrate ausplaudern könnten, dass du nicht wirklich mein fester Freund bist."

„Wer sagt, dass ich von diesem Geheimnis gesprochen habe?", fragte James.

„Oh!", rief ich aus. „Also wusste der Toast alles über deine nicht ganz so platonische Beziehung zu Sirius! Ah, jetzt verstehe ich was du meinst!"

„Lily!"

„Oh, tut mir leid.", entschuldigte ich mich grinsend. „War es doch Remus? Oder vielleicht Peter?"

James rümpfte die Nase. „Peter? Ernsthaft Liebling?"

Ich zuckte mit den Schultern. „Bei dir weiß man ja nie."

„Nimm das zurück, oder dich erwartet dasselbe Schicksal wie der Toast.", drohte er mir.

Ich seufzte. „Du bist total männlich und hast in keinster Weise eine homosexuelle Beziehung mit einem deiner besten Freunde." Ich grinste und fügte leise hinzu. „Ja, aber sicher."

„Gut, und wie in Merlins Namen bedient man nun einen Toaster?"

Nach ein paar Minuten ging mir James so auf die Nerven, dass ich ihn duschen schickte, während ich das Essen fertig zubereitete. Ich langweilte mich, während ich auf ihn wartete, also entschied ich mich ein wenig Obst klein zu schneiden. Ich war gerade dabei eine Erdbeere zu essen, als James mit einem grünem Shirt und braunen kurzen Hosen bekleidet in die Küche kam.

„Na, wenn das nicht ein Bild für die Götter ist.", bemerkte er und fuhr sich mit der Hand durch die nassen Haare.

„Was?", fragte ich und nahm die Erdbeere runter.

„Lily Evans in meinem Shirt, macht mir in der Küche etwas zu essen, während ihre Lippen Liebe mit einer Erdbeere machen. Dass ich den Tag noch erleben darf."

Ich drückte ihm unwirsch seinen Teller in die Hand. „Iss einfach, Potter.", zischte ich.

„Mit dem größten Vergnügen, Evans.", erwiderte er fröhlich.

Ich aß und sah zu wie er das Essen in seinen Mund schaufelte. Es war nicht so ekelerregend wie man es von Jungs sonst gewöhnt war, so dass man sich übergeben wollte. Das hob er sich wahrscheinlich auf, bis er wieder zurück bei seinen Freunden war und die Hauselfen ihn bekochten.

„Das ist wirklich gut.", sagte er nach einem Schluck Orangensaft.

„Danke.", murmelte ich.

„Ich möchte lernen wie man kocht. Ich wünschte einer meiner Eltern wäre muggelgeboren. Dann wäre ich vielleicht nicht so hoffnungslos."

Ich lachte, legte meine Gabel auf den leeren Teller und schob ihn James hin. „Deine erste Aufgabe als Nichtmagier ist es das Geschirr zu spülen, während ich duschen gehe."

„Hurra.", murrte er.

„Viel Spaß!"

Lachend lief ich die Treppe hinauf und ging ins Badezimmer. Ich nahm an, dass er eine Weile beschäftigt sein würde, also ließ ich mir Zeit dabei sein Shirt auszuziehen, das Wasser auf die richtige Temperatur einzustellen und dann eine entspannende Dusche zu nehmen. Mein Shampoo mit Erdbeergeruch beruhigte mein gestresstes Gemüt und ich genoss das prasselnde Gefühl des heißen Wassers auf meinem Rücken. Nachdem ich die Haare einshampooniert, sie dann ausgespült und wieder einshampooniert hatte, mich rasiert und mit Duschgel eingeseift hatte, wurde es Zeit, dass ich mit der Trödelei aufhörte. Rundum zufrieden drehte ich das Wasser ab.

In Unterwäsche und mit einem Handtuch in den Haaren, stand ich vor meinem Kleiderschrank und überlegte, was ich anziehen sollte. Schließlich entschied ich mich für etwas Bequemes, also schlüpfte ich in ein Paar schwarze Baumwollshorts und ein graues Tanktop. Meine Haare band ich lose zusammen, während ich zurück in die Küche ging. Zu meiner immensen Überraschung stellte James gerade den letzten Teller weg.

„Ich bin fast beeindruckt.", teilte ich ihm mit und gab vor ihm zu applaudieren.

Er warf sich das Geschirrtuch über die Schulter, lehnte sich auf die Arbeitsfläche und grinste mich an. „Fast?"

Ich zuckte mit den Achseln. „Ich mach das schon seit ich sechs Jahre alt bin. Wenn du es mit beiden Armen auf den Rücken gebunden geschafft hättest, wäre es wirklich beeindruckend gewesen."

„Wie kann man Geschirr spülen ohne die Hände zu benutzen?", fragte James und zog seine Augenbrauen verwirrt zusammen.

„Ganz genau!", rief ich aus. „Das wäre beeindruckend."

James schüttelte den Kopf und murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, bevor er sich mir wieder zuwandte. „Also, was willst du heute machen?"

„Ganz ehrlich?", fragte ich.

„Wir könnten es ja mal versuchen.", erwiderte er lachend.

„Nichts.", antwortete ich einfach.

„Ohh, hört sich nach Spaß an.", gab er zurück und pfiff dabei leise.

Ich lachte. „Ich meine es ernst!", redete ich weiter. „Ich bin immer noch so erschöpft. Ich hab Lust den ganzen Tag einfach nur rumzusitzen."

„Ahh." James dachte darüber nach. „Das hört sich wirklich gut an. Die ganze Zeit nett zu sein ist ziemlich anstrengend."

„Ich habe einfach keine Lust auf körperliche Betätigung. Heute möchte ich ein Gemüse sein."

„Alles klar, Red, du kannst eine Tomate sein und ich bin eine Gurke, weil ich ja so cool bin."

„In deinen kranken Gehirn vielleicht.", schnaubte ich.

„Das hab ich gehört.", sagte er gereizt.

„Das solltest du ja auch.", trällerte ich zurück.

„Kann Gemüse trotzdem noch Spiele spielen?", fragte James, und sah mich neugierig über seine Brille hinweg an.

„An was hast du gedacht?"

„Zauberer-Schnipp-Schnapp.", schlug er mit blitzenden Augen vor.

Ich grinste. „Ich bin dabei."

Während James ein Kartendeck für Zauberer-Schnipp-Schnapp aus seinem Zimmer holte, schlenderte ich zum Kühlschrank und fand dort Limonade. Ich schenkte zwei große Gläser ein, und gab noch ein paar Eiswürfel dazu. Dann traf ich James bei der Treppe, als er gerade das Geländer runterrutschte.

Ich rollte mit den Augen. „Du kannst froh sein, dass meine Mum nicht hier ist und das gesehen hat.", warnte ich ihn.

Er zuckte mit den Schultern. „Sie wäre wahrscheinlich nicht sauer auf mich geworden."

Ich entschied mich darauf nicht zu antworten, denn ich wusste, dass er Recht hatte. Verflucht sei dieser Potter Charme.

„Bereit?", fragte James und hielt die Karten hoch.

„Willst du auf der Veranda spielen?", fragte ich. „Es ist wirklich schön draußen."

„Warum nicht."

Wir gingen zur Haustür hinaus und setzten uns an den Weidentisch, von dem meine Mum meinen Vater vor drei Jahren auf einem Flohmarkt überzeugt hatte, dass wir ihn unbedingt brauchten. James packte die Karten aus und begann die Karten zu mischen.

„Bereit angesenkt zu werden, Evans?"

Ich prustete. „Das glaubst aber auch nur du, Potter."

„Ich weiß ja nicht, Liebling. Ich fände es schade wenn dein Haar feuriger als nötig werden würde."

„Und ich fände es schade, wenn dein großer Kopf so riesig werden würde, dass er platzt.", konterte ich mit einem zuckersüßen Lächeln.

„Nimm den Mund mal nicht so voll, Kleine.", gab James zurück und fuhr mit den Fingern über die Kanten der Karten.

„Angst, Potter?", neckte ich ihn.

Er grinste. „Das glaubst aber auch nur du.", wiederholte er meine Worte von vorhin.

„Gib einfach die Karten."

Mit einem Grinsen tat er das dann auch.

Ich konzentrierte mich auf die Karten, die vor mir lagen, während sich der Kartenstapel von selbst mischte. Ich tippte auf ein Pärchen mit meinem Zauberstab und suchte nach dem nächsten. Ich schaute zu James rüber und sah, dass er bereits drei Pärchen hatte. Scheiße, er war schnell. Ich spürte Hitze, zog meine Finger weg und kurz danach explodierte dort eine Karte.

„Das war haarscharf, Evans.", sagte James, behielt aber die Augen auf dem Spiel.

Ich sah kurz zu ihm auf und bemerkte wie süß er aussah, wenn er die Zunge leicht rausstreckte und sich auf das Spiel konzentrierte. Ich sah schnell wieder nach unten. Wenn du einen Jungen zu lange anstarrst, verbrennst du dich, im Wahrsten Sinne des Wortes. „Kümmer dich lieber um dich selbst."

Ein paar Minuten vergingen, und ich hatte mittlerweile schon eine anständige Sammlung von Karten. James allerdings, schien mir um ein Pärchen voraus zu sein. Verbissen bewegte ich meine Hand und meinen Zauberstab über den Tisch, während noch mehr Karten magisch ausgeteilt wurden. Ich war so in das Spiel vertieft, dass ich vor Schreck zurücksprang, als ich eine laute Explosion hörte. Ich sah zuerst an mir hinunter um nachzusehen, ob ich in Flammen stand, bevor ich zu James hinüberblickte.

Sein Gesicht war vollkommen mit Ruß bedeckt und seine Augenbrauen waren abgesenkt. Ich hob meine Faust zu meinem Mund und versuchte mein Lachen zu unterdrücken, aber es funktionierte nicht. Ich musste so stark lachen, dass ich Tränen in den Augen hatte.

„Lily!", rief er und versuchte sich vergebens den Ruß aus dem Gesicht zu reiben.

Ich tat mein Bestes mein Lachen unter Kontrolle zu bringen. „Tut mir Leid, James. Es ist nur so lustig."

„Es ist nicht lustig!"

Er wurde so wütend, dass der Bereich, wo sich vorher seine Augenbrauen befunden hatten bis zu seinem Haaransatz nach oben wanderte. Der Anblick war so komisch, dass ich das bisschen Kontrolle, dass ich über mein Lachen erlangt hatte wieder verlor und mir Tränen die Wangen runter liefen, während ich mich kaputt lachte.

„Lily!", quietschte James. „Was ist denn so verdammt komisch?"

„Deine Augenbrauen!", brachte ich unter Lachen hervor.

Seine Hand fuhr zu seiner Stirn und seine Finger suchten nach Haaren, die nirgends zu finden waren. Panik trat in seine Augen. „Oh, verdammt noch mal. Bei Merlins Großtante Sally!"

Ich lachte nur noch mehr.

„Lily! Tu was! Bring das wieder in Ordnung!"

Ich fuhr über mein tränennasses und rotes Gesicht und versuchte mich zusammenzureißen, aber er sah einfach zu komisch aus.

„LILY!"

Ich brauchte noch ganze fünf Minuten, bis ich meinen Zauberstab heben konnte, ohne dass ich ihn wieder fallen ließ und sein Gesicht wieder in Ordnung bringen konnte.

James tastete nach seinen Augenbrauen, fand sie und seufzte erleichtert. „Oh, Merlin sei Dank."

„Und seiner Großtante Sally.", erinnerte ich ihn mit einem Lächeln.

Er grinste mich schief an. „Natürlich."

„Woher weißt du überhaupt, dass er eine hat?", fragte ich ihn zweifelnd.

James zuckte mit den Achseln.

„Also, ich weiß es ja nicht mal.", sagte ich betont.

Er grinste nur. „Aber ich weiß es."

Ich schüttelte den Kopf. „Du bist unmöglich.", teilte ich ihm mit.

Sein Grinsen wurde breiter. „Wenn du es sagst.", gab er zurück.

Ich rollte mit den Augen und griff nach James Handgelenk, um zu sehen wie spät es war. „Oh, wir haben noch ungefähr drei Stunden bis meine Mum wieder kommt."

„Was willst du machen?"

„Wir könnten noch ne Runde Karten spielen.", erwiderte ich.

„Auf gar keinen Fall. Mein hübsches Gesicht verträgt nicht noch mehr Zauberer-Schnipp-Schnapp.", unterbrach er mich.

Ich grinste frech. „Nun, wenn du nur mal deinen hübschen Mund halten könntest. Ich wollte dir nämlich vorgeschlagen, dass wir ein Muggelkartenspiel spielen, um zu verhindern, dass deine faszinierende Visage noch mehr Schaden nimmt."

„Hübscher Mund, was?", neckte er mich.

„Ich kann deine Augenbrauen auch wieder verschwinden lassen.", warnte ich ihn.

„Wie war noch gleich dein Vorschlag?", fragte er süßlich.

„Ahh, das dachte ich mir doch."

„Ich bin einverstanden.", grummelte er.

„Okay, ich bin gleich wieder da."

Ich fühlte wie mir seine Augen folgten, als ich ins Haus und dann hoch in mein Zimmer ging. Rasch durchsuchte ich mein Zimmer nach einem Deck Karten, das ich schließlich unter einem Stapel Muggel- und Zauberbücher fand, und machte mich eiligst auf den Weg zu James.

„Keine Explosionen?", fragte er und betrachtete die Karten in meiner Hand misstrauisch. „Schwörst du feierlich, dass du kein Tunichtgut bist?", wollte James wissen.

„Hand aufs Herz, mit der Hoffnung in naher Zukunft nicht zu sterben.", schwor ich.

James prustete leise vor sich hin. „Also, ich kenne kein einziges Muggelkartenspiel.", sagte er.

Ich nickte. Das hatte ich mir bereits gedacht. „Tja, ich dachte wir könnten mit einem einfachen Spiel anfangen, das sich auch gar nicht so sehr von Zauberer-Schnipp-Schnapp unterscheidet, außer natürlich, dass es weniger gefährlich ist."

Ich begann ihm die Regeln zu erklären und er starrte mich aufmerksam und interessiert an. Als er jedoch dumpf mit dem Kopf nickte, bemerkte ich, dass seine Augen auf meine Lippen gerichtet waren und nicht auf die Karten auf die ich deutete.

„James? Schenkst dir mir überhaupt deine Aufmerksamkeit?", fragte ich frustriert.

„Dir, ja.", sagte James aufrichtig. „Dem was du sagst, nicht wirklich. Ich war ein bisschen abgelenkt.", gab er zu.

Ich seufzte. Merlin, er sollte aufhören solche Sachen zu sagen. Ich gab die Karten aus und sah auf das was ich auf der Hand hatte. „Du lernst es einfach, während wir spielen."

James lachte. „Das kann ich."

„Hast du Zweien?"

Fünf Minuten später legte James stolz seine letzten Karten ab. „Goldfisch", rief er triumphierend.

Ich lachte. „Go fish.", verbesserte ich ihn.

„Häh?"

„Go fish, nicht Goldfisch."

„Warum nennt man ein Spiel Go fish?", fragte er. „Das ist doch total bescheuert. Man spielt gerade Karten und dann soll man fischen gehen?"

Ich rollte mit den Augen. „Du nimmst alles so wörtlich."

„Ja, und du analysierst alles was man sagt und dann werden dumme, unwichtige Sachen zu den wichtigsten Dingen auf der Welt.", neckte er mich.

Ich verzog das Gesicht. „Das tue ich nicht."

James lachte, während er alle Karten einsammelte und sie mischte. „Doch das tust du, Lily. Du analysierst alles zu Tode. Nichts ist vor deinem Verstand sicher."

„Nein, das tu ich nicht.", protestierte ich vehement. „Ich kann auch vergeben und vergessen."

James lachte erneut, diesmal lauter. „Merlin, Lily, du regst dich immer noch über Sachen auf, die in unsrem ersten Jahr passiert sind. Du vergisst und vergibst nichts. Verflucht, du hast ja noch nicht einmal bemerkt wie sehr ich mich seitdem verändert habe."

„Ja, aber zumindest bedeuten mir die Dinge etwas und ich denke nach bevor ich etwas tue. Du handelst impulsiv. Du handelst immer ohne vorher über die Konsequenzen deiner Taten nachzudenken."

„Das ist nicht fair. Du handelst auch impulsiv.", beschuldigte er mich.

„Nicht bevor ich mir nicht über die Konsequenzen klar bin."

„Alles hast du erst alles durchdacht, bevor du Petunia erzählt hast ich wäre dein fester Freund?"

Ich biss mir auf die Lippe und verschränkte verärgert meine Arme vor der Brust. „Das kannst du mir nicht vorhalten. Ich hätte das nie gesagt, wärst du nicht so unerwartet vor meiner Tür aufgetaucht. Merlin, James, du musst immer eine Show abziehen. Du nimmst doch gar nichts ernst. Für dich ist doch alles eine verdammte Show."

James schnaubte. „Das sagt die Person, die so oft mit den Augen rollt, dass es ein Wunder ist, dass sie noch nicht rausgefallen sind."

„Tja, wir haben ja nicht alle Schutzbrillen.", schoss ich zurück. „ Bei dir geht es doch immer nur um Sex."

„Wenn es nur eine andere Möglichkeit gäbe, dass du mir eine Chance gibst. Aber nein! Du lässt deine verdammten Schutzmauern nur fallen, wenn wir rummachen."

„Als würdest du die Situation nicht ausnutzen. Du planst doch heimlich wie du mich vor meiner Familie in eine solche Situation bringst, dass ich gar keine andere Wahl mehr habe."

„Hör auf so zu tun, als würde es dir nicht gefallen. Du willst kühl und unnahbar rüberkommen, aber nur damit du dir nicht eingestehen musst, dass du auf mich reagierst!"

„Nun, es ist ja nicht so, als könnte ich dich vor meiner Schwester wegschubsen.", erinnerte ich ihn verärgert und meine Stimme wurde zunehmend lauter. „Du gehst zu weit. Du bist mit deinem Shirt in meinem Hotelzimmer aufgetaucht!"

„Und was ist mit dir, Lily? Warum trägst du es dann noch?"

„Merlin, Potter, du bist unausstehlich!", rief ich.

„Ja, und, du bist nicht viel besser, Evans!", schrie er zurück.

Ich hörte das Quietschen von Reifen und sah in die Einfahrt. Petunia stieg gerade aus dem Wagen aus. „Tuney.", flüsterte ich panisch.

James nickte, griff dann unsanft nach meinem Gesicht und presste seine Lippen hart auf meine. Er küsste mich wild und erbarmungslos. Er verflocht seine Finger in meinem Haar und zwang mich somit näher zu ihm. Meine Hände fuhren zu seinem Hals und strichen über den Übergang zu seinem T-Shirt. Seine Zunge drang in meinen Mund ein und er plünderte ihn unsanft, während seine Hände an meinen Seiten hinab fuhren und meine Hüfte packten. Meine Hand wanderte zu seinen Haaren und ich zog heftig an den Strähnen. Er biss mir gierig in die Unterlippe und seine Zunge kämpfe jeden Widerstand, den meine hätte zeigen wollen nieder, während er hungrig meinen Mund erforschte.

Seine Hände verschwanden unter meinem Shirt und meine Zunge lieferte sich einen erbitterten Kampf mit der seinen. Ich hielt mich noch fester an seinen Haaren fest und rutschte näher zu ihm, so dass mein schnell pochendes Herz gegen seinen Oberkörper gepresst war. Er legte alles was er fühlte in diesen Kuss. Ich konnte seine Frustration und seine Wut spüren, und das Bedürfnis mir all seine Gefühle mitzuteilen, als er seine Lippen auf meinen bewegte. All die Dinge, die er nicht laut aussprechen konnte, lagen in diesem Kuss.

Zwischen all dem hörte ich wie Petunia schnaubte und dann angeekelt ins Haus ging. Nur Sekunden später schubste mich James weg und ich fiel mit einem Plumps in meinen eigenen Stuhl zurück. Ich fuhr mir mit dem Handrücken über den Mund.

„Warum hast du das gerade getan?", wollte ich von ihm wissen, so als wären wir gar nicht unterbrochen worden. Ich versuchte angestrengt mein pochendes Herz, die Röte in meinem Gesicht, die Hitze, die meinen Körper durchdrang, meine unregelmäßige Atmung und meine geschwollenen Lippen unter Kontrolle zubringen.

„Weil es das ist, worum du mich gebeten hast. ‚Sie dürfen nicht erfahren, dass du nicht wirklich mein fester Freund bist'", zitierte er mich.

„Und warum greifst du immer auf diese Methode zurück?"

„Du hast mich ja nicht gerade von dir gestoßen.", erwiderte er.

Ich stöhnte. „Ich kann dich wirklich nicht leiden.", teilte ich ihm mit.

„Und ich kann dich überhaupt nicht verstehen.", gab er zu.

Ich seufzte und fuhr mit meinen Fingern durch mein zerzaustes Haar.

„Ich will nicht mehr streiten.", sagte er leise.

„Das ist alles so verworren.", sagte ich.

„Verworren.", wiederholte er. „Ja.", stimmte er leise zu.

Ich war einen Moment lang still und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Schon bald wurde die Stille unangenehm und ich hatte das Bedürfnis die Spannung zwischen uns zu lösen.

„Nur wir können innerhalb von zehn Minuten von einem Streit zu Rummachen und dann wieder zu einem Streit übergehen.", bemerkte ich mit einem Lachen.

James grinste mich schief an. „Das macht uns so besonders."

Ich seufzte erneut. „Zaubererschach?", schlug ich lahm vor.

Er seufzte ebenfalls. „Klar."

Ich stand auf und ging zurück ins Haus. Petunia war, wenn ich von der furchtbaren Musik ausging, die von oben durchs Haus schallte, in ihrem Zimmer und hörte Radio. Ich ging nach oben und holte mein Schachspiel. Dann lief ich ins Bad und spritzte mir etwas Wasser ins Gesicht. Meine Wangen waren rot, meine Haare waren zerzauster als ich angenommen hatte und in meinen Augen schien der Wahnsinn hell. Ich nahm einen tiefen beruhigenden Atemzug und ging dann wieder zurück auf die Veranda.

Wir spielten schweigend, da wir uns auf das Spiel konzentrieren mussten. Aber ich war mit den Gedanken ganz woanders, weshalb er mich auch mit Leichtigkeit schlug. In einem Anschein von Normalität neckte er mich mit seinen herausragenden Schachfertigkeiten. Ich lachte erleichtert. Es war wirklich schwer sich in James Gegenwart lange unwohl zu fühlen. Er wusste ganz genau wie er mich dazu bringen konnte mich schnell wieder besser zu fühlen.

Meine Mum kam kurz nach Ende unserer zweiten Partie, die James auch gewonnen hatte, nach Hause. Wir folgten ihr ins Haus, James griff pflichtbewusst nach meiner Hand und ich schnappte mir unsere Gläser. James war noch fast voll und meines schon fast leer. Als ich sie mit raus genommen hatte, waren ungefähr sechs oder sieben Eiswürfel darin gewesen. Nun war das Eis geschmolzen und die Gläser waren angelaufen. Ein bisschen Zeit in der Sonne machte einen gewaltigen Unterschied. Nachdem meine Mum uns nicht mehr sehen konnte, ließ James meine Hand fallen.

Das Abendessen verlief sehr ruhig. Es gab Brathähnchen und Kartoffelpüree: Wohlfühlessen. James und ich spielten unsere Scharade und niemand merkte, dass etwas anders war. Aber ich spürte, dass da etwas war. Es war keine Abneigung oder Bitterkeit, es war irgendetwas Anderes.

Nachdem wir aufgeräumt hatten, zog ich mich in mein Zimmer zurück. Ich verbrachte den Abend damit mit Calypso zu spielen. Sie streckte ihre Flügel aus und zog ihre Kreise in meinem Zimmer. Ich sah ihr zu wie sie besondere Tricks für mich vollführte. Sie zwickte mich sanft in den Finger, bevor ich für sie das Fenster öffnete und sie in die Nacht verschwand, um zu jagen. Sie hatte Glück, dass sie eine Eule war. Eulen mussten sich keine Gedanken um Jungs machen die sich am anderen Ende des Flures befanden.

Ich lag ungefähr dreißig Minuten auf meinem Bett und überlegte, was ich tun sollte. James hatte Recht. Ich analysierte jede Kleinigkeit. Frustriert angesichts dieser Erkenntnis zog ich mir einen Pullover an und schlich mich nach draußen.

James wartete natürlich schon bei der Schaukel. Ich zog den Pullover enger um meinen Oberkörper.

„Hey.", grüßte er leise.

„Hi.", gab ich zurück. Meine Stimme klang viel zu schüchtern. In Gedanken schimpfte ich mit mir selbst. Wie konnte das alles an nur einem Nachmittag unangenehm werden. Wir konnten noch nicht einmal Karten spielen ohne das alles den Bach runter ging.

„Es ist ein wenig kühl heute Nacht.", bemerkte James und beäugte meinen Pullover.

„Mmm.", erwiderte ich.

„Ich würde dir ja meine Jacke anbieten so wie es ein wahrer fester Freund tun würde.", bot er mit einem gezwungenen Lächeln an. „Aber ich hab keine an."

Ich lachte leise. „Das ist schon in Ordnung. Ich habe wahrscheinlich bereits ein Kleidungsstück zu viel von dir."

James nickte und zerwuschelte seine Haare. Er schien tief in Gedanken zu sein und ich wollte ihn nicht stören. Stattdessen konzentrierte ich mich darauf mich auf die andere Schaukel zu setzen. Ich schloss die Augen und schwang ein wenig vor und zurück.

„Lily.", sagte er dann schließlich.

„James.", erwiderte ich. Ich hörte abrupt auf zu schwingen und drehte mich so, dass ich ihn ansehen konnte.

„Lily.", wiederholte er und seine Augen trafen die meinen. Seine Wangen wurden leicht rosa. „Ich hatte gehofft wir könnten vergessen-"

„- das wir heute Nachmittag einen riesigen bescheuerten Streit hatten?", beendete ich den Satz für ihn und lächelte.

Er grinste mich dankbar an. „Ja."

„Gut.", seufzte ich. „Das ist nämlich genau das, was ich auch wollte."

James fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. „Ich weiß noch nicht einmal wie das Ganze angefangen hat."

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich hatte noch nie Skrupel dich anzuschreien. Alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen."

„Ja, aber ich hätte einige dieser Dinge nicht sagen sollen. Es tut mir Leid, Lily."

„Mir auch, wegen allem.", gab ich leise zu.

Ich begann wieder zu schwingen und James schwieg einige Minuten lang. Während ich so vor und zurück schwang, dachte ich über die Ausmaße dieser Entscheidung nach, denn ich wusste genauso gut wie er, dass wir die Sache nicht so einfach vergessen konnten. Wir wollten es vergessen, weil wir beide wussten, dass die Sache wirklich wichtig war, so wichtig, dass keiner von uns darüber nachdenken wollte. Dazu waren wir noch nicht bereit.

„Also, wie machen wir jetzt weiter?", fragte James und sprach damit meine Gedanken aus.

„Ehrlich?", fragte ich.

James lachte. „Klar."

„Ich hab nicht die geringste Ahnung."

Er lachte wieder und diesmal stimmte ich mit ein.

„Ich denke.", sagte ich nach einer Weile. „Ich denke, es wäre leichter für mich, wenn da nicht so viel Druck wäre, nicht so viel Intimität." Ich versuchte die Hitze in meinem Gesicht zu ignorieren. Ich fand meinen Gryffindor-Mut und machte weiter. „Ich denke wir sollten nur Freunde sein, dann können wir die ganze Geschichte überstehen und wenn du gehst, wird niemand verletzt. Ich glaube ich brauche diese Grenze, damit ich unsere Scharade nicht mit der Realität verwechsele. Ich weiß, du hast schon so viel für mich getan, indem du so tust als wärst du mein fester Freund, und ich hasse es, dass ich dich um noch mehr bitten muss. Aber wenn wir allein sind, dann lass uns nur Freunde sein."

Ich bis mir nervös auf die Lippe. Auf gewisse Weise, hatte ich gerade zugegeben, dass ich geglaubt hatte, dass da mehr zwischen uns sein könnte. Dass ich vielleicht wollte, dass da mehr zwischen uns war. Dieser Gedanke ängstigte mich mehr als alles andere. Wenn er meine Panik bemerkt hatte, erwähnte er es jedoch nicht.

„Freunde.", wiederholte James. Ich versuchte den niedergeschlagenen Ton in seiner Stimme zu ignorieren.

„Ja."

James starrte mich an und für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich Angst er würde „Nein" sagen, oder mehr von mir verlangen. Etwas, dass ich ihm nicht geben konnte. „Lily Evans, Ich wäre liebend gern dein Freund."

Ich grinste. „Danke."

James seufzte. „Lily, kann ich dir als Freund etwas sagen?", fragte er mich ganz ernsthaft.

„Sicher.", erwiderte ich angespannt.

„Du bist eine wirklich miserable Zaubererschach-Spielerin."

Ich lachte und schubste ihn. „Halt die Klappe."

„Nein, das geht nicht! Damit würde ich dir keinen Gefallen tun! Du bist hundsmiserabel. Wie konntest du es nur so weit im Leben schaffen ohne, dass du je gelernt hast wie man den König richtig verteidigt? Ich weiß nicht, ob ich dich je in mein Schloss einladen soll! Ich müsste einen ganzen Bataillon Soldaten für nur einen Besuch abstellen!"

Ich lachte.

Wir unterhielten uns noch ein wenig und James bemühte sich sehr mich zum lachen zu bringen und dafür zu sorgen, dass ich fröhlich war. Ich muss gestehen, er konnte das wirklich sehr gut. Mir liefen Tränen über die Wangen, weil ich so sehr lachen musste, als er eine Vorstellung von „ Vernon und Petunia bei einem Date" gab. Allerdings wurde es immer kälter und ich zitterte immer mehr. Schließlich blieb uns nichts anderes übrig, als nach drinnen zu gehen. Trotzdem fühlte ich mich besser als vorhin. All meine Gedanken und Ängste hatten sich wie magisch in Luft aufgelöst. Ich lächelte. Mir würde es gefallen James Freundin zu sein.

James blieb vor meiner Zimmertür stehen und verlagerte unruhig sein Gewicht. Er zerwuschelte seine Haare, als er darüber nachdachte was er tun sollte.

Letztendlich streckte er seine Hand aus.

„Du willst mir die Hand geben?", fragte ich ihn und lachte leise.

„Ich versuche deinen Wünschen nachzukommen.", erwiderte er ernst.

Ich rollte mit den Augen. „Und das weiß ich sehr zu schätzen.", teilte ich ihm mit. „Aber ernsthaft, die Hand geben?"

James zuckte mit den Achseln. „Ich hab keine Erfahrung damit mit Mädchen nur befreundet zu sein. Was schlägst du vor?"

Ich zuckte ebenfalls die Achseln. „Eine Umarmung?", schlug ich vor.

Der Anflug eines Lächelns huschte über sein Gesicht und er überbrückte den Abstand zwischen uns. Ich wollte meine Nase an seinem Hals reiben und seinen herben, mir vertrauten Geruch einatmen. Ich wollte, dass er mit seinen Fingern beruhigende Kreise auf meinem Rücken zog, oder dass er seine sie in meinen Haaren vergrub. Ich wollte meine Augen schließen und die Wärme genießen, die sein Körper ausströmte. Aber bevor ich an all das denken konnte was ich wollte, löste er sich schon von mir.

Eine freundschaftliche Umarmung dauerte nicht lange genug für all diese Dinge.

Ich zog sein Shirt an, ging alleine ins Bett und dachte darüber nach, ob ich auch wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte.


Ich hab mich wieder sehr über eure Reviews gefreut. War auch schon im neuen HP Film. Ich fand ihn wirklich klasse. Rons Sprüche sind einfach genial. So, aber mehr erzähl ich nicht, bestimmt haben einige den Film noch nicht gesehen. Lg Melissa