Joeys POV

MIR IST SCHLECHT!

Ich hasse Schiffe. Diese kleinen Kanus fand ich ja noch klasse, aber dieses Riesenschiff, auf dem wir uns seit Tagen befinden, ist ätzend. Es schwankt, knarrt und kracht, als würde es jeden Moment auseinander fallen. Und die verfluchten Geisterschiffe, die uns folgen, machen die Sache nicht besser. Seit wir auf dem Fluss sind, geben sich die Geister zu erkennen. Zuerst dachte ich, das wäre besser als nur zu wissen, dass sie da sind. Aber ICH LAG FALSCH!

Aus lauter Verzweiflung gehe ich zu Legolas. Dieser sitzt auf einem Stapel Taue und überprüft seine Waffen. Bei ihm angekommen nehme ich ihm die Waffen aus der Hand und setze mich auf seinen Schoß, so wie ich es immer mache, wenn ich seine Nähe brauche.

Unsere Unterhaltung ist nur ein Flüstern, die Stimmung ist so bedrückend, dass man Angst hat, etwas Schreckliches könnte passieren, wenn man zu laut ist.

„Ich hab Angst." „Ich auch, Süße. Bereust du es?" „Was soll ich bereuen?" „Na alles. Dass ihr hier seid, dass ihr mit in den Krieg gezogen seid, dass wir euch begegnet sind..." „Halt den Mund, so was darfst du nicht mal denken! Ich bin glücklich bei dir. Ich liebe dich doch, mein Prinz."

Legolas schließt die Augen und bettet seinen Kopf an meine Halsbeuge. „Ich liebe dich auch, meine Prinzessin. Entschuldige die Frage." „Du musst mir etwas versprechen. Ich weiß, dass ich eine ziemliche Last beim Kampf sein werde, aber ich bitte dich, vertrau mir. Ich kann auf mich aufpassen. Ich will nicht, dass du verletzt wirst, nur weil du Angst um mich hast und unvorsichtig bist. Versprich mir, dass du auf dich aufpasst, dann tu ich es auch."

„Kein Problem. Du erinnerst dich an den Schwertunterricht und das Bogentraining? Du warst nicht schlecht. Halte dich im Hintergrund, dann kann dir nichts passieren."

Ich nehme seinen Kopf in beide Hände und streichle ihm mit den Fingerspitzen über die Ohren, während ich ihm in die Augen sehe. Nach Minuten, wie mir scheint, schließe ich meine Augen, um mich in seinem Kuss zu verlieren.

Ich schrecke hoch, als ich eine dritte Hand auf meinem Rücken spüre und zucke so erschrocken zusammen, dass ich Legolas auf die Lippe beiße. „Huch, was gibt's?" Ruckartig drehe ich mich zu Aragorn um, der hinter mir steht. „Macht euch bereit, es geht los."

Völlig unvermittelt fängt er an zu grinsen. „Legolas... die erste Kriegsverletzung?" Ich drehe mich zu Benanntem um und stelle fest, dass ihm ein kleines rotes Rinnsal den Mundwinkel hinabläuft. Oh Schreck! Ich grinse schief und flüstere: „T'schuldige."

Ich renne in die Kabine und lege meine Waffen an. Nur kurze Zeit später stehe ich zusammen mit Aragorn, Gimli und Legolas an Deck und bin vor lauter Angst völlig ruhig.

„Angriff!" schreit Aragorn und es geht los. Aus den Augenwinkeln sehe ich nur noch, wie Legolas und Gimli sich anlachen. „Es sind genug für uns beide da. Möge der beste Zwerg gewinnen!" ruft Gimli und die zwei stürmen los. Ich begebe mich eher langsam von Bord und schaue mir das blutige Schauspiel an. Etwas irritiert stehe ich da und sehe mit an wie Gimli und Legolas sich gegenseitig übertrumpfen.

„15, 16." „17!"

Die sind doch nicht ganz normal... Grinsend begebe ich mich Richtung Kampfgeschehen und bin irritiert, dass mich niemand zu bemerken schient. Doch plötzlich rennt ein hässlicher Ork auf mich zu. Wie ich es gelernt habe, fasse ich das Schwert fest mit beiden Händen. Als der Ork für meinen Geschmack schon viel zu nah ist, fange ich an, wie am Spieß zu schreien. Total verstört schaut der Ork mich an und bleibt tatsächlich stehen.

Plötzlich überfällt mich eine eiskalte Woge von hinten und der Ork vor mir fällt tot um. „Mensch, bin ich gut!" Grinsend schaue ich in die Runde und entdecke Aragorn, der mich beobachtet und lächelt. „Die Geister sind los." Als er das sagt, bemerke ich die schillernde Geisterwelle, die über das Schlachtfeld zieht und jeden einzelnen Feind niederstreckt. „Und ich dachte, ich hätte ihn zu Tode erschreckt..." Schmollend lasse ich das Schwert sinken. „Ich bin sicher, dass du ihn erledigt hättest, wenn die Geister nicht gewesen wären", sagt Aragorn und lächelt mir zu. „Und jetzt gib mir mit dem Bogen Rückendeckung", ruft er und rennt los. Kein Problem, das kann ich.

Während ich Aragorn den Rücken frei halte und auf alles Ekelige schieße, entdecke ich plötzlich riesige Elefanten. Davon hab ich gelesen, das sind also Olifanten... Oh je, das ist nicht gut, denen haben unsere Krieger nichts entgegenzusetzen.

Und was macht Legolas da?!

Er hangelt sich an einem dieser Biester hoch und durchschneidet den Sattelgurt – wenn man das so nennen kann – und schwingt sich wie ein Irrer vom Hinterteil des Riesen nach vorne. Was denkt der eigentlich, wer er ist? Spiderman? Verzweifelt renne ich zu Gimli und bekomme nur noch mit, wie der Olifant fällt und Legolas im Hawaiistyle den Rüssel entlang gleitet und vor meiner Nase zum Stehen kommt.

„Der zählt trotzdem nur als einer!" grummelt Gimli. „Habt ihr sie noch alle?" rufe ich. „Bist du lebensmüde?" schreie ich Legolas an. Dieser spannt seinen Bogen und zielt auf mich. Ich werde kreidebleich. Und zisch schnellt der Pfeil los, nur Millimeter an meinem Ohr vorbei und genau zwischen die Augen eines Orks. Legolas packt mich am Oberarm und zieht mich in seine Arme. „Die gleiche Frage könnte ich dir stellen", sagt er und schaut sich um. Recht hat er. Ich stehe mitten auf dem Kampffeld, nur mit einem Schwert, den Bogen hab ich vor Schreck einfach fallen lassen.

Plötzlich höre ich jemanden meinen Namen rufen und drehe mich um. Charly! Sie läuft auf mich zu. Ich laufe ihr entgegen und wir fallen uns um den Hals. Doch die Wiedersehensfreude währt nicht lange. Über Charlys Schulter sehe ich einen Ork auf uns zu kommen. Ich reiße mein Schwert hoch und schlage den Ork mit der Breitseite vor den Kopf. Dieser kippt um und bleibt liegen. „Eins!" rufe ich und lache in Legolas' Richtung. Dieser grinst und deutet auf den Ork, der sich wieder regt. Charly zückt ihr Schwert und rammt es dem Ork in die Brust. „Eins", sagt sie und grinst mich an. „Ja, aber ohne meine tolle Vorarbeit hättest du ihn nie kaltmachen können", sage ich und ignoriere das Lachen aus Legolas' Richtung.