Kapitel 8: Sie hatte Recht
Dante war noch einmal nach Hause gegangen und hatte die wichtigsten Dinge geholt. Seine Amuletten für den Fall, dass er in einen Kampf verwickelt werden würde. Er lief nach oben, zu seinem Trainingsraum, um sein Kalaban-Amulett zu holen, das er während eines Übungskampfes mit Zhalia verwendet hatte. Er lief zu der Kommode auf der das Amulett lag. Als er wieder aus dem Raum rausgehen wollte, bemerkte er aus den Augenwinkel die Kissen und Decken mit denen sich er und Zhalia zugedeckt hatten, nachdem sie miteinander geschlafen hatten. Er ging darauf zu und hockte sich davor. Dante nahm eines der Kissen in die Hand, schloss die Augen und roch daran. Es war ein wohltuender Geruch. Lieblich und sehr bekannt. Es roch nach Zhalia. Dante öffnete seine Augen wieder.
„Ich werde dich retten, Zhalia. Ich verspreche es dir.", sagte er zu sich selbst und legte das Kissen zurück. Dann ging er aus dem Raum heraus und schloss die Tür hinter sich.
Als er unten im Wohnzimmer ankam, standen bereits Lok und Sophie vor seinem großen Fernseher und warteten auf ihn. Er verlangsamte sein Tempo und sah die beiden fragend an.
„Wie kommt ihr, denn hier rein?", fragte Dante. Die beiden sahen Dante verwirrt an.
„Wir haben einen Schlüssel schon vergessen?", sagte Lok.
„Ehrlich?"
„Ja.", meinte Sophie irritiert. „Ist alles okey. Du wirkst etwas verwirrt." Lok und Sophie sahen ihren Mentor an, der schüttelte nur mit dem Kopf. Die beiden warfen sich gegenseitig eine fragenden Blick zu.
„Wirklich. Es ist alles in Ordnung, glaubt mir.", sagte Dante, als er das sah. Er setzte sich auf seinen Sessel und sah die beiden an. Sie setzten sich ebenfalls hin.
„Also, wollen wir den Plan noch einmal durchgehen?", fragte Dante und sah zu Lok anschließend zu Sophie. Diese rutschte auf ihrem Platz hin und her. Dante merkte, dass sie irgendetwas bedrückte. Doch bevor er fragen konnte, hatte Sophie schon das Wort ergriffen.
„Dante, ich muss dir etwas sagen." Dante lehnte sich etwas nach vorn und sah Sophie eindringlich an.
„Es geht um einen Zauber.", begann sie. „Ich habe in einem alten Casterwill-Buch einen Zauber gefunden mit dem man Zhalias Blindheit heilen könnte.", fuhr sie fort. Sie bemerkte das Dantes Augen zu funkeln begannen, doch sie wusste, dass dieses Funkeln gleich wieder verschwunden würde. Denn sie wusste welche Gefahr der Zauber barg und das ist ein großes Opfer war, diesen Zauber auszusprechen.
„Du hast so eine Aber-Blick in deinen Augen.", sagte Dante, als er Sophie ansah.
„Dante, dieser Zauber heilt zwar Zhalia, aber er bringt denjenigen um, der ihn ausspricht.", sagte Sophie mit großem Bedenken. Dante sah sie an. Er wollte Zhalia um jeden Preis retten und sie von diesem Fluch heilen, doch war es das wert? War er wirklich bereit zu sterben, nur damit sie wieder sehen konnte? Dantes Mitgefühl für Zhalia und sein Egoismus kämpfen gegeneinander. Doch Dante wusste wie er sich entscheiden würde und wann er sich dafür entscheiden würde.
„Wie heißt der Zauber?", fragte Dante entschlossen. Lok und Sophie sahen ihn erschrocken an. Sie dachten bereits, dass er diesen Zauber durchführen wollte, dennoch war es ein Schock für die beiden. Sie konnten sich eine Welt ohne Dante nicht ausmalen. Ohne ihren Mentor. Ohne ihren Lehrer. Ohne ihren Freund. Doch sie wussten auch, dass Dante alles versuchen würde um Zhalia zu heilen. Sophie gab ihm den Zauberspruch und erklärte ihn, was er zu tun hatte. Wie er sich zu konzentrieren hatte, auf was er sich zu konzentrieren hatte und wie er seine Energie fließen lassen musste. Danach besprachen die drei noch einmal ihren Plan. Lok und Sophie würden die Wachen ablenken, während Dante sich ins Schloss schlich, um Zhalia zu retten.
Gegen Abend brachen sie auf. Sie waren bereit. Bereit zu kämpfen. Aber auch bereit zu sterben.
Rassimovs Schloss, Russland
Dante, Lok und Sophie versteckten sich im Wald nahe dem Schloss und beobachten die Wachen. Es waren insgesamt fünf. Alle von großer und kräftiger Statur. Sie gingen in einem regelmäßigen Rhythmus um das Schloss. Nach einiger Zeit des Beobachtens machten Lok und Sophie sich für den Angriff bereit. Sie machten sich auf den Weg zum Schloss und stellten sich vor die Wachen, die die beiden verwirrt ansahen. Lok und Sophie grinsten die Wachen an. In Loks Hand erschien ein Kugelblitz, den er unverzüglich auf einen der Wachen warf. Der Zauber traf ihn genau an der Brust, worauf er unter Schmerzen zusammensackte. Seine Kollegen drehten sich zornig zu den beiden um.
„Das werdet ihr noch bereuen.", sagte der eine mit russischem Akzent. Die Wachen rannten auf Lok und Sophie zu, doch die beiden weichten ihnen aus.
Das war Dantes Chance. Er kam nun ebenfalls aus seinem Versteck heraus und schlich an der kämpfenden Meute vorbei zu der großen Eingangstür und verschwand im Gebäude. Während draußen Lok und Sophie damit beschäftigt waren, die Wachen aufzuhalten war Dante bereits in der großen Eingangshalle. Es war riesig und sehr alt. Er stand vor zwei großen Treppen. Eine war links und die andere rechts, beide führten in den zweiten Stock. Und somit nicht zu Zhalia. Denn sie war mit Sicherheit in einen der Verliese im Keller. Dante lief auf die kleine Tür, die sich rechts von ihm befand zu. Sie war aus Holz und ziemlich alt. Dante öffnete sie und kam in einen Raum, in dem sich eine Treppe ins Untergeschoss befand. Ohne zu zögern lief er die Treppe hinunter. Sie war aus Stein. Dante hatte nur einen einzigen Gedanken in seinem Kopf: Zhalia. Er musste sie retten. Als er unten ankam, sah er unzählige Verliese. Alle waren leer, mehr oder weniger. In einigen befanden sich noch menschliche Überreste. Skelette und Kadaver. Dante lief den Gang hinunter. Er fand Zhalia nicht bis er zum vorletzten Verlies kam. In dieser Zelle saß eine kleine zusammengekauerte Gestalt. Sie hatte den Kopf auf die Knie gelegt. Ihr Körper zitterte.
„Zhalia!", rief Dante vor Freude und lief zu dem Verlies. Zhalia hob erschrocken den Kopf und sah Dante an. Ihre Augen waren schon ganz rot geweint. Dante hockte sich vor die Gitter. Zhalia kroch auf allen Vieren zu ihn heran.
„Dante, was machst du hier. Du darfst nicht hier sein.", sagte Zhalia mit zitternder Stimme. Dante griff durch die Gitterstäbe und streichelte Zhalias Wange. Ihre Haut war warm und weich. Es fühlte sich gut an sie zu berühren. „Shh...", sagte Dante, um sie zu beruhigen. Zhalia legte ihre Hand auf Dantes, während seine andere Hand ihre andere, die auf den Gittern ruht , umschloss.
„Dante, bitte, du musst gehen", sagte Zhalia.
„Ich werde nicht ohne dich gehen."
„Dante, bitte, das ist eine Falle.", sagte Zhalia unter Tränen, als plötzlich eine Person in Dantes Augenwinkel Gestalt annahm. Er stand auf und drehte sich langsam der Person zu. Es war Rassimov, der im Schatten auf ihn gelauert hatte. Er sah ihn an. Sein Gesichtsausdruck voller Hass und Abneigung. In seinem Gesicht zeichnete sich sein Willen ab. Sein Willen Dante zu töten. Es war eine Falle, wie Sophie gesagt hatte. Dante war direkt in Rassimovs Falle gelaufen und würde nun dafür büßen.
Sie hatte Recht.
PiaNoir
