Kapitel 7: Vermisst

Tails schnallte sich sein Funkgerät ums Handgelenk und schaltete es ein. Er rannte hinaus zum Tornado, sprang ins Cockpit und hob ab. Er weigerte sich, sich von seiner Meinung abbringen zu lassen. Er war es leid zu warten. Das von Sonic Nichts zu hören war, ging nun weit über den Punkt eines bloßen Schweigens hinaus. Es war an der Zeit ihn zu finden und herauszufinden was mit ihm geschehen war.

Sollte Espio in absehbarer Zeit seine Unterstützung benötigen, so würde er erstmal warten müssen. Komme was wolle: Sonic war erstmal wichtiger. Nicht nur weil er wusste, dass Sonic für ihn das gleiche tun würde, sondern auch weil er spürte, dass der blaue Wirbelwind in naher Zukunft benötigt werden würde. In letzter Zeit passierten viele beunruhigende Dinge und er konnte es förmlich spüren: Eggman hatte dabei seine Hände im Spiel.

Obwohl die Anzeichen dafür schon mit einer gewissen Vertrautheit einher gingen, war diesmal irgendetwas völlig anders. Die ganze Situation war so unheimlich. So intelligent wie Eggman auch war, so enthüllte er in einer regelmäßigen Gewohnheit seine Pläne, als ob er damit prahlen wollte wie makellos sie seien. Sein Schweigen verriet also schon so einiges. Der teuflische Wissenschaftler riskierte Nichts bei der Ausübung dieses Planes und hatte sich auch nicht vorgenommen noch einmal zu scheitern.

Tails blieb in Sonics Abwesenheit ganz entspannt. Nur weil direkt um ihn herum Nichts Schlimmes passiert war, ging er unbewusst davon aus dass Alles in Ordnung wäre. Nun wurde ihm bewusst, dass diese scheinbare Normalität in Wirklichkeit genau das Gegenteil besagte. Eggman hatte sich noch niemals so lange so ruhig verhalten … dass er dies nun tat, deutete darauf hin, dass er hinter den Kulissen an etwas größerem zu arbeiten schien und sich ruhig verhielt, damit seine Pläne nicht gestört werden würden.

Tatsächlich war rein gar nichts in Ordnung.

Es war verwirrend mit Umständen konfrontiert zu sein, über die er keine genaueren Kenntnisse besaß. Umstände die wirklich unberechenbar waren.

Umstände in denen Sonic glänzte, in denen er aufblühte. Umstände, in denen der blaue Wirbelwind wollen würde, dass man ihn mit einbezieht. Umstände unter denen er gezwungen wäre zu kämpfen. Warum also war er nicht da? Er war immer da, wenn man ihn brauchte.

Tails Magen verdrehte sich, als ihn die Fakten der Realität ein weiteres Mal mit voller Wucht trafen. Sonic könnte weggesperrt worden sein … oder Schlimmeres. Warum hatte er diese Möglichkeit nicht schon viel eher berücksichtigt? Wollte er einfach nur glauben, dass es seinem besten Freund gut ging?

Er seufzte tief. Wenn Sonic gedacht hätte, dass die Sicherheit einer seiner Freunde gefährdet wäre, dann hatte er keinen Augenblick gezögert. Doch jetzt, wo er selbst mal in Gefahr war, suchte Niemand nach Ihm.

Wenn er es zugelassen hätte, dann wäre der junge Fuchs jetzt in eine tiefe Scham verfallen. Aber er durfte sich jetzt nicht von seinem Gewissen übermannen lassen. Viel wichtiger war es zu handeln und sein Bestes zu geben, um Alles wieder in Ordnung zu bringen.

Sein Funkgerät piepte zweimal. Er hob sein Handgelenk um draufzuschauen und sah, dass es ein Signal von einem seiner Freunde aufgefangen hatte. „Espio" dachte er bei sich selbst, während er Station Square überflog. Um Sonic zu finden musste er das Signal von Sonics Funkgerät aufspüren.

Seine Hand wieder zurück in den Schoss legend, machte er einen Schwenk zurück zu den Mystic Ruins um diesmal jedoch den Dschungel anzufliegen. Hinter diesem Dschungel waren die Sanddünen zu finden die Espio erst vor einigen Wochen entdeckt hatte … die Heimat des Meka Towers. Es war der letzte Ort, mit dem er zu tun haben wollte. Aber er wusste, dass er sich dem Turm im Grunde nicht mal nähern musste. Er musste lediglich das Signal von Sonics Funkgerät auffangen, sofern es tatsächlich dort sein sollte.

Tails hoffte das dem nicht so war. Wenn doch, dann würde dies bedeuten, dass Sonic dort gefangen war. Sonic hasste Gefangenschaft fast so sehr wie er Wasser hasste; Der einzige Unterschied lag darin, dass es nicht die Angst war die seinen Gräuel schürte, sondern die Unterdrückung. Er konnte es nicht ertragen an einem Ort festzusitzen. Ertrug es nicht, wenn seine Freiheit in irgendeiner Weise eingeschränkt wurde.

„Halte durch Sonic," flüsterte der junge Fuchs zu sich selbst. „halte durch."

Im Gleichen Moment, wie er das Ende des Dschungels erreichte, ertönte auch schon das Piepen. Er zuckte. Das Signal wurde immer lauter, eindringlicher und forderte ihn geradezu auf runter zu gehen und die Gegend zu untersuchen. Er hatte sich eigentlich vorgenommen gleich nach dieser Bestätigung wieder zu verschwinden und kein Risiko einzugehen dem Gefängnis zu nahe zu kommen, doch er konnte diese in ihm aufsteigende Mischung aus Angst und Vorfreude nicht länger ertragen. Er musste sich einfach Klarheit verschaffen, denn dann würde er auf die eine oder andere Art wissen was zu tun ist.

Als Tails das Flugzeug landete, konnte er trotz des ihn umwirbelnden Sandsturmes noch immer die Bäume des Dschungels sehen. Sein Funkgerät spielte völlig verrückt weshalb er es erstmal ausschaltete. Keine zehn Meter von ihm entfernt konnte er im Sand einen Schwarzen Fleck erkennen. Er lief ängstlich darauf zu und wollte es gerade mit seinen Händen aus dem Sand schöpfen, als er ein kleines aber erschreckendes Details bemerkte, von dem er nicht erwartet hatte es vorzufinden.

Blut.

In der Verfassung in der er gerade war, kam ihm, noch vor jeder anderen Alternative, erstmal die schlimmste Befürchtung in den Sinn. Für eine Sekunde fühlte er sich als müsste er sich übergeben, doch er sagte zu sich selbst dass er sich beruhigen und die Situation genauer betrachten müsste, so wie Sonic es auch tun würde.

Am Funkgerät war getrocknetes Blut, jedoch nur wenige kurze Schlieren, so als hätte Sonic während des Kampfes einige kleinere Verletzungen erlitten. Als er sich dieses Szenario vor Augen hielt, da wurde ihm bewusst dass es wahrscheinlich genau das war, das sich tatsächlich zugetragen hatte. Sein Magen beruhigte sich langsam wieder. Es stimmte, dass Sonic wahrscheinlich im Meka Tower gefangen gehalten wurde, was auch schlimm war, jedoch hatte er sich ja bereits weitaus schlimmere Dinge ausgemalt gehabt. Nun konnte er wenigstens sicher sein, dass die Gründe dafür, dass Sonic nicht antwortete, nicht darin lagen dass er schwer verletzt oder gar getötet wurde. Es lag lediglich daran, dass sein Funkgerät während eines Kampfes zu Bruch gegangen war.

Er befreite das Armband vom Sand und untersuchte es genauer. Nur der Schließmechanismus am Gurt war beschädigt worden, weswegen Sonic es auch nicht mehr tragen konnte. Die Beleuchtung im Bedienfeld leuchtete noch und schien auch noch gut zu funktionieren. Er fragte sich, warum Sonic es nicht mitgenommen und in seinen Stacheln aufbewahrt hatte oder so.

Kaum wie er über diese Frage nachdachte, hatte er auch schon die wahrscheinlichste Antwort darauf: Er hatte nie eine Chance dazu, es gleich nach der Beschädigung wieder aufzuheben weil er zum Meka Tower gebracht wurde. Er hatte den Kampf verloren.

Mit klopfendem Herzen rannte er zum Tornado zurück und machte ihn startklar. Er wusste, dass es auch noch viel schlimmer hätte kommen können, doch ebenso konnten die Dinge weitaus besser sein. Er sagte zu sich selbst, dass es Sonic gut gehen würde und er auf sich selbst aufpassen könnte.

Erneut hatten sich Abenteuer in ihr Leben eingereiht. Genau wie der blaue Wirbelwind es zuvor prophezeit hatte. Doch dies war bei weitem nicht das, was Tails wollte. Und er fragte sich, ob es Sonic dabei genauso ging.

Wenn er Espio das nächste Mal antrifft, dann würde er ihn über alles informieren und sehen, ob sie irgendwelche Zusammenhänge erkennen können. Doch erst einmal galt es die Chaos Emeralds vor Eggman zu finden und zu beschützen. Nun lag es an ihm, ob er wollte oder nicht. Der junge Fuchs war sich sicher, dass er dieser Verantwortung gewachsen war. Er war dazu bereit. Er hatte den besten Ausbilder den man sich denken konnte.

Warte nur ab Eggman … du wirst dich wundern, wozu ein einzelner kleiner Fuchs im Stande ist.

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Die Suche des jungen Fuchses sollte beinahe zwei Tage andauern, ehe seine Bemühungen belohnt werden sollten. Und selbst dann nur mit einem gebrochenen, unsicher piependen Geräusch vom Radar des Tornados. Er flog nun schon so lange ohne ein hörbares Signal umher, dass es ihn geradezu aufspringen ließ.

Mit steigernder Hoffnung schaute er auf den Bildschirm. Ein heller Fleck war zu sehen der jedoch noch im gleichen Moment wieder verschwand, in dem er ihn erblicken konnte. Es vergingen einige Sekunden. Dann erschien er erneut, nicht weit von der Stelle entfernt wo es zuvor erschienen war, und pulsierte nun sporadisch in der Ecke des Bildschirmes.

Als er sich näherte, schien sich das Signal zu stabilisieren und endlich auch dafür zu entscheiden bei welchen Koordinaten der Chaos Emerald zu finden war: Nur einige hundert Meter außerhalb des Ortes, an dem er erst Gestern gesucht hatte. Ihm schoss es durch den Kopf, dass er das Signal viel schneller hätte entdecken können, wenn er den Emerald mitgebracht hätte den Amy zurzeit für ihn aufbewahrte. Doch wenn er eines gelernt hatte, dann dass es besser war die wertvollen Edelsteine nicht mit sich rumzuschleppen.

Tails setzte zur Landung an, durchbrach die dicke Wolkendecke und konnte nun erkennen von wo das Signal des Emeralds kam. Es war eine Insel, oder viel eher, der traurige Rest einer Insel. Für ihn sah es so aus, als wäre der Ort gesprengt worden und die Trümmer wären gerade eben erst wie Regen auf den Berg aus Überresten gerieselt ….

Warte.

„Prison Island!" sagte der junge Fuchs in stiller Verwunderung. Er schaute auf die Überreste von Gebäuden, die Umgestürzten Bäume und die giftigen Abfälle die im direkten Umkreis im Ozean trieben. Es ist nun beinahe ein halbes Jahr her, das Eggman dort war und sich einige Chaos Emeralds zu nutze machte, die sich zu diesem Zeitpunkt im Besitzt der militärischen Einheit G.U.N. befanden. Er wollte sie für die Eclipse Canon, um mit ihr die Welt zu bedrohen und den Versuch zu unternehmen sie zur Kapitulation zu zwingen. Und nachdem er die Emeralds an sich genommen hatte, sprengte er die Forschungseinrichtung und das Gefängnis der G.U.N.

Prison Island war aber auch der Ort, an den Sonic gebracht wurde, nachdem man ihm des Raubes beschuldigt hatte. Das war das letzte und einzige Mal, dass er irgendwo gefangen gehalten wurde. Und selbst da musste das Militär einen Höllenaufwand betreiben, um ihn für diesen kurzen Zeitraum dort festhalten zu können. Wie hoch musste dann erst die Sicherheit des Meka Towers sein, wenn es Sonic noch nicht gelungen war auszubrechen? Das vermochte sich Tails nicht einmal vorzustellen.

Als er sich näherte, konnte er am steinigen Grund etwas ausmachen das wie eine schmale Öffnung ausschaute. In Anbetracht dessen, dass diese Gefängnis-Insel vor der Explosion mal der G.U.N. gehörte, stellte sich die Öffnung als eine Art geheimer, unterirdischer Gang heraus. Unabhängig davon wozu dieser ursprünglich mal gedient hatte, fühlte der junge Fuchs ganz stark, dass der Chaos Emerald dort unten sein musste …

Er hatte gerade am Boden aufgesetzt, als etwas in die Seite des Tornados krachte und ihn zusammenzucken ließ. Er drehte sich reflexartig um und lenkte das Flugzeug in einem von Regen durchtränkten Aschehaufen. Mechanisch klingende Schritte waren hinter ihm her. Als er hörte wie sich diese näherten hob Tails augenblicklich ab und flog aus deren Reichweite ehe sie ihn erreichen konnten.

Er schaute nach Unten. Es waren die gleichen Androiden, die schon einmal hinter ihm und Espio her waren.

„Oh man, hör auf alles zu jagen was du siehst. Das ist nur ein verängstigtes Tier. Er ist für Meister Eggman ohnehin nicht von nutzen."

Dezent verringerte Tails seine Flughöhe und beobachtete wie sie ihn wiederum beobachteten. Dabei näherte er sich dem Boden nur so weit, wie sein Mut dies zuließ, während er möglichst außer Reichweite blieb.

„Du irrst dich! Es handelt sich um ein weiteres Zielobjekt von höchster Priorität. Vor etwa einer Woche gab es den Auftrag ihn einzufangen, was den anderen jedoch nicht gelungen war. Denk doch nur mal an die Belohnung die wir bekommen würden, wenn wir diejenigen sind die ihn fangen konnten! Vielleicht wird Meister Eggman uns sogar auf die oberen Etagen befördern wo wir dann helfen können Sonic zu bewachen."

„Du redest zu viel," murmelte der andere Androide.

„Ich weiß bereits dass er im Turm ist!" Warf Tails dazwischen. „Und ihr wisst, dass ich jetzt nicht tiefer kommen werde. Ich werdet also nicht viel Glück dabei haben mich zu fangen."

„Oh, ist das so? Nun, du kannst aber auch nicht für immer da Oben bleiben Miles Prower. Und angenommen wir schrotten dein Flugzeug, willst du dann dutzende und aberdutzende von Meilen zurückfliegen um das Land zu erreichen?"

Tails biss sich auf die Lippen. Derartiges hatte er nicht bedacht. Aber vielleicht konnte er die Situation ja zu seinem Vorteil nutzen …

„Eigentlich hätte ich ja gewettet, dass ihr das Ding nicht mal Beschädigen könntet, selbst wenn ihr es versucht," spottete der junge Fuchs in der Hoffnung, dass ihn sein Grinsen zuversichtlicher aussehen ließ als er es war.

„Ganz offensichtlich kennst du uns noch nicht so gut," antwortete einer der Androiden, als sich beide umwandten und auf den Tornado zuliefen.

Und ohne zu zögern sprang Tails in das Loch im Boden. Er war außer Sichtweite lange bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Punkt gerichtet hatten, wo sie ihn gerade noch sehen konnten.

Ihren Blicken zu entkommen war leichter als er erwartet hatte. Er vermutete, dass das vielleicht auch der Grund war, warum sie nicht zu den Androiden im obersten Stockwerk des Meka Towers gehörten.

Er fand sich in einem niedrigen Tunnel wieder, dessen Betonwände an einigen Bereichen aufgebrochen waren und den Blick auf dahinterliegenden Dreck und Felsen freigaben. Tails fragte sich, ob der Tunnel überhaupt stabil war. Er sah sicherlich nicht sehr Vertrauenerweckend aus, doch andererseits hielt er doch schon seit Monaten, oder nicht?!

So oder so wusste der junge Fuchs dass er mit der Suche beginnen musste, vor allem wenn er zum Tornado zurück wollte ehe dieser zerstört war. Das Flugzeug war widerstandfähig, aber nicht unzerstörbar. Er flog vorwärts und bog um eine Ecke um einen kleinen Raum zu erreichen der ins Tunnelsystem eingelassen war.

Da war er.

Übernatürlich wenige Zentimeter über dem Boden schwebend, befand sich im direkt im Zentrum des Raumes der Chaos Emerald. Im Vergleich zu seiner dunklen Umgebung wirkte das Relikt wie eine kleine Sonne die ihre Umgebung kreisförmig ausleuchtete. Er blinzelte als er sich dem Emerald näherte, legte dann seine Hände um in und nahm ihn auf.

Erst als das blendende Licht von seinen Fingern umhüllt war, konnte er die beiden Androiden erkennen, die unauffällig in den Ecken des Raumes standen.

„Das wird auch mal Zeit dass wir einen Eindringling haben," sagte einer von ihnen. „Ich hab schon angefangen mich zu langweilen."

Beide kamen langsam auf ihn zu. Tails umklammerte den Emerald vor seiner Brust und starrte sie an.

„Wie Du siehst, haben wir diesen Chaos Emerald bereits sichergestellt und nun warten wir nur noch auf die Ankunft von Meister Eggman damit er ihn höchstpersönlich entgegen nehmen kann. Wenn ich du wäre, dann würde ich nicht hier sein wollen wenn er hier auftaucht. Leg den Emerald wieder da hin wo er war und du kannst ohne jedweden Ärger wieder verschwinden."

Tails zögerte. „Moment …. Ihr Zwei habt nicht vor mich zu fangen?"

„Warum sollten wir? Meister Eggman hat den Meka Tower fast vollständig gefüllt. Unsere Aufgabe besteht darin den Chaos Emerald zu bewachen."

„Warte mal eine Sekunde." Sagte der andere Androide. „Ich schau mal, ob ich eine Möglichkeit habe eine Helligkeitseinstellung vorzunehmen, damit ich besser sehen kann. Wenn ich mich nicht irre, dann passt dieser Eindringling doch sehr zu Meister Eggmans Beschreibung bezüglich eines bestimmten, hochrangigen Zielobjektes …"

Genau in diesem Augenblick betraten die beiden Androiden von vorhin den Raum und blieben nur wenige Meter hinter Tails stehen. Sein Herz rutschte ihm fast zu Boden.

„Du irrst dich nicht." Sagte eine der Stimmen hinter ihm. „Das ist in der Tat Miles Prower, Freund und Kampfgenosse von Sonic the Hedgehog. Was ist los Miles? Hattest du echt gedacht wir würden auf diesen erbärmlichen Fluchtversuch hereinfallen? Gleich nachdem wir deine Identität festgestellt hatten, war es nicht schwer zu erraten dass du hier hinkommen würdest um nach den Chaos Emerald zu suchen. Deine Klugheit wurde geschlagen, kleiner Fuchs."

„Einen Augenblick ihr drei," sagte einer der Androiden in der Ecke des Raumes. „Dieses Zielobjekt konnte bereits den Fängen von Androiden des Eggman Konzerns entfliehen. Wir sollten die Situation nicht unterschätzen."

Tails konnte sich nicht entscheiden, welche Idee die verrücktere wäre: Still stehen zu bleiben oder davon zu rennen. Beides schien vergeblich. Er konnte nicht wegrennen – sie hatten ihn umzingelt. Und aus dem gleichen Grund konnte er auch nicht stehen bleiben.

„Was schlägst du also vor?"

„Ich schlage vor, dass wir ihm erlauben zu fliehen, wenn er uns im Gegenzug den Chaos Emerald gibt. Wir können ihn immer noch an einem anderen Tag einfangen. Der Chaos Emerald ist für Meister Eggman im Augenblick von höherem Wert als der Fuchs. Wir wollen nicht riskieren, dass Miles mit dem Chaos Emerald entkommt, genauso wie Miles hier sicherlich nicht riskieren möchte bei einem Fluchtversuch geschnappt und ins Gefängnis gesteckt zu werden. Beide Parteien könnten ohne Unsicherheiten ihrer Wege gehen, wenn wir uns nur einig werden. Was sagst Du Miles? Das wäre doch fair.. oder?"

„Ich mag es nicht, wenn du mich Miles nennst," murmelte der junge Fuchs vor sich hin.

„Was war?"

„Ach Nichts," sagte er selbstbewusst.

„Haben wir dann eine Abmachung?"

Tails fragte sich, was Sonic tun würde. Nicht nur, weil er sowas wie sein älterer Bruder war, sondern auch weil er in solchen Situationen immer das richtige zu tun im Stande war. Dann erinnerte er sich daran, dass das letzte Mal wo Sonic sich in so einer Situation befand, er in einer Kapsel eingesperrt war und dem Tode geweiht ins All geschossen wurde.

Seine Hände hielten den Emerald noch immer fest umklammert, wodurch auch das meiste seines intensiven Glühens verdeckt wurde. Der Androide Vorne rechts von ihm sagte zuvor, dass er die Helligkeit seiner Sehkraft nachjustieren musste um den Eindringling besser sehen zu können. Wenn dem wirklich so war ….

Ein Versuch war es wert. Wenn das Aufwachsen mit Sonic ihm Eines gelehrt hatte, dann war es Niemals aufzugeben!

Tails nahm eine Hand vom Chaos Emerald und ließ sein Licht in die auf Nachtsicht eingestellten Augen des Androiden scheinen. Ohne Zeit darauf zu verwenden die Auswirkung abzuwarten, sprang er über den Androiden hinweg, stieß sich dabei beinahe den Kopf an der niedrigen Decke und landete auf der anderen Seite.

Die anderen drei waren ihm bereits dicht auf den Fersen. Eine ihrer Hände streifte seine Schulter, als er einen U-Turn um den Raum machte und zurück in den Tunnel stürmte. Er stieß sich selbst vom Boden ab und katapultierte sich durch die Öffnung hindurch hinaus in die Luft. Er hatte beinahe die Höhe erreicht, die ihm als Sicher erschien, als er einen kalten Griff um seinen Knöchel verspürte.

Der Androide riss ihn zurück. Ohne dabei den festen Griff aufzugeben, mit dem er den Chaos Emeralds umklammert hielt, schlug Tails hart auf dem Boden auf und landete dabei auf der selben Schulter, die erst vor kurzem von dem Androiden im Station Square verdreht wurde. Der Stoß durchzog ihn wie ein Blitz und ließ ihn vor Schmerzen aufschreien, löste jedoch auch den Griff des Androiden. Der Regen hatte seine Hände rutschig gemacht.

Tails rappelte sich auf und rannte zum Tornado, wobei er seine beiden Schweife herumwirbelte um möglichst an Geschwindigkeit zu gewinnen. Den Tornado zu erreichen schien eine Ewigkeit in Anspruch zu nehmen, doch schließlich schaffte er es, dicht gefolgt von metallisch klirrenden Schritten hinter ihm. Er sprang in den Sitz, warf den Chaos Emerald auf den Boden des Cockpits und beschleunigte so schnell wie er nur konnte.

Es gab eine Explosion als er den unglücklichen, nächstgelegenen Androiden anflog. Dann Zwei. Drei. Vier.

Der junge Fuchs stöhnte zunächst aus Erleichterung, dann jedoch aufgrund der Beschwerden die ihm die Schmerzen in seiner Schulter bereiteten. Er zog sie vor und zurück und ließ sie auch mal kreisen um zu testen wie stark die Verletzung war. Es tat weh, aber er konnte sie benutzen. Soweit so gut also.

Der Regen wurde stärker. Tails griff mit seiner freien Hand nach Unten, hob den Chaos Emerald auf, hielt ihn erneut fest umklammert und erhöhte dann die Geschwindigkeit des Flugzeuges. Der Flug würde nur etwa 15 Minuten oder so dauern, aber es sah stürmisch aus und Tails wollte auf keinen Fall noch in der Luft sein wenn es erstmal anfängt zu blitzen.

Tails versuchte sich auf den Chaos Emerald zu konzentrieren und darauf wie toll es war dass es ihm gelungen war zu entkommen. Für gewöhnlich agierte er immer nur im Hintergrund und schaute Sonic und Knuckles dabei zu, wie sie die Risiken eingingen, während er sie nur koordinierte. Es war irgendwie ein schönes Gefühl mal der Handelnde zu sein. Er hatte die Androiden besiegt und den Chaos Emerald bekommen. Zudem hatte er nicht aufgegeben, selbst als er schon dachte für seine Zuversicht bezahlen zu müssen.

Irgendwo im Hinterkopf kam ihm der Gedanke, dass Sonic sicher stolz auf ihn gewesen wäre, wenn er in der Nähe und Zeuge des ganzen gewesen wäre. Er war eigentlich bereits aus dem Alter heraus, wo er das Lob des blauen Hedgehogs benötigen würde, doch Sonic war – und wird dies auch immer bleiben – sein bester Freund und großer Bruder. Von daher legte er immer sehr großen Wert auf dessen Meinung.

Tails war gerade dabei wieder etwas runter zu kommen, als in der Ferne Blitze aufzuckten.

„Nein." Sagte er laut. „Nicht jetzt, nicht jetzt. Ich werde in 10 Minuten Zuhause sein, bitte gib mir noch 10 Minuten …"

Weitere Blitze zuckten durch den Himmel. Dicht gefolgt von Donnerschlägen. Tails zuckte zusammen. Er musste Landen … aber es gab kein Land!

Beeil dich einfach nur, dachte er zu sich selbst. Bleib einfach nur ruhig und flieg möglichst schnell zur Werkstatt zurück.

Er nahm einen langen Atemzug, füllte damit seine Lungen und atmete wieder aus. Es ist nur ein Sturm, sagte er zu sich selbst. Wie hoch war schon die Wahrscheinlichkeit, dass in den zehn Minuten, die er jetzt noch für den Rückweg benötigte, der Blitz einschlagen würde? Er konnte es schaffen. Er war ein guter Pilot; Er konnte auf dem Wind segeln. Er konnte es schaffen.

Trotz der Grübeleinen die ihm vor wenigen Augenblicken noch durch den Kopf gingen, war Tails mit seinen Gedanken wieder bei Sonic. Wenn Sonic jetzt an seiner Stelle wäre, und mit etwas konfrontiert wäre das er fürchtet … dann würde er es durchziehen, nicht wahr?

Natürlich erinnerte er sich an den Tag, an dem sie den ersten Chaos Emerald im Teich gefunden hatten. Statt selber ins Wasser zu gehen, wollte Sonic dass er geht und den Emerald holt. Und das selbst, obwohl der Teich nicht sehr tief war.

Dieser Tag war so erholsam und Spaßig zugleich. Jedoch lenkten diese Erinnerungen Tails Gedanken in eine ganz andere Richtung. Sonic hatte an diesem Tag Zurückhaltung gezeigt. Zum ersten Mal war sein Freund mal keine Quelle der Ermunterung, sondern der Unsicherheit.

Er verbannte diesen Gedanken aus seinem Kopf. Es spielte keine Rolle. Alles was jetzt zählte war, dass er sich seinen Ängsten stellen und zurück nach Hause musste. Er hatte eh keine andere Wahl. Und er argumentierte, dass er selbst bei einer Wahlmöglichkeit nicht immer Sonics Vorbild benötigte nur um zu wissen was getan werden muss. Dies hatte er schon mehrere Male unter Beweis gestellt.

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"I've changed a lot since I started hanging out with Sonic, but I can't depend on him forever. I know I can do this by myself!" –Tails, Sonic Adventure