Kapitel 8, in welchem Slytherin eine Party feiert und unser Trio an einem Ort ist, wo sie auf keinen Fall sein sollten

Als Harry vor dem Spiel gegen Ravenclaw in der Umkleide saß, war er ruhiger, als vor seinem ersten Spiel. Er war immer noch nervös, aber Snape hatte ihn nach Zaubertränke am Tag zuvor zurückgehalten, um ihm zu versichern, dass sein Nimbus dieses Mal fluchfrei bleiben würde. Harry erwähnte es Snape gegenüber nicht, dass Hermine versprochen hatte, während des Spiels ein Auge auf Quirrell zu werfen, und vorbereitet zu sein, ihn anzuzünden. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass Snape nicht gerade glücklich darüber sein würde, zu erfahren, dass er ein Versuchskaninchen für diesen Plan gewesen war.

„Potter!" Harry wurde von einem starrenden Flint zurück in die Gegenwart gerissen. „Dein Besen spielt heute besser nicht noch einmal verrückt."

„Nein, er ist jetzt in Ordnung. Und, äh, Snape hat gesagt, er würde mich für alle Fälle im Auge behalten", sagte Harry. Es war nicht ganz gelogen, aber Draco wäre trotzdem stolz auf ihn.

„Gut. Alles klar! Ravenclaw haben dieses Jahr eine gute Mannschaft, aber nicht so gut wie wir. Das wird einfacher als Gryffindor war. Los geht's!"

Die Slytherins liefen unter wildem Jubel der grüngekleideten Tribüne und Buh-Rufen des Rests der Schule auf das Feld. Die zwei Mannschaften bestiegen ihre Besen und auf Hoochs Pfiff flogen sie los. Harry flog vor der Lehrertribüne vorbei und bekam einen Schock. Dumbledore war zum Spiel gekommen und saß in der ersten Reihe. Snape musste die Ernsthaftigkeit von dem, was mit seinem Besen passiert war, heruntergespielt haben, wenn der Schulleiter diesem Spiel beiwohnte. Harrys Stirn war immer noch gerunzelt als er an der Slytherintribüne vorbeiflog und zwei rote Gestalten in all dem Grün sah. Hermine und Neville saßen wieder bei seinen anderen Freunden.

Harry winkte in ihre Richtung und fokussierte sich dann darauf, den Schnatz zu finden. Der Sucher von Ravenclaw war am anderen Ende des Feldes, schien aber noch nichts gesehen zu haben. In der Menge kam ein Jubel auf, und Harry schaute herunter und sah, dass Adrian die ersten Punkte des Spiels erzielt hatte. Harry flog zur Feier eine Schleife und als er sich wieder aufrichtete, sah er ein goldenes Aufblitzen am anderen Ende des Feldes und er begann die Jagd.

Er hatte ihn zwar früher gesehen, als im letzten Spiel, aber der Schnatz war dieses Mal viel ausweichender. Harry und der Ravenclaw-Sucher verfolgen ihn für zehn Minuten, bevor Harry ihn schließlich fing, und beide Mannschaften hatten es in der Zwischenzeit geschafft, zwei Mal zu punkten.

„Slytherin gewinnt mit einhundertundachzig zu zwanzig!", klang Jordans Stimme über das Feld, als die Slytherins landeten. Harry sah gerade rechtzeitig zur Lehrertribüne auf, um zu sehen, dass Snape ihm kurz zunickte, bevor Dumbledore sich zu ihm hinüber neigte, um mit ihm zu sprechen, und Harry fand sich umringt von seinen Mannschaftskameraden.

Dieses Mal war Harry in der Lage, mit dem Rest der Mannschaft die Hochstimmung in der Kabine zu genießen. Als sie sich schließlich auf den Weg machten, wurde Harry von einem strahlenden Draco in eine Umarmung gezogen.

„Du hast es geschafft!" Draco drückte ihn, bevor er ihn losließ. Hinter ihm waren die lächelnden Gesichter von Pansy, Millicent, Theo und Blaise zu sehen.

Gemma sah zu ihn zurück. „Ich hab gehört, du organisierst heute die Party nach dem Spiel, Harry?"

„Ja, Draco und ich gehen jetzt zur Küche", grinste Harry.

„Ausgezeichnet. Du willst vielleicht noch jemanden mitnehmen, der beim Tragen hilft." Gemma lächelte, als sie verschwand, um Terence einzuholen.

„Ich komme", meldete sich Pansy. „Ich würd gern wissen, wie man in die Küche kommt. Du solltest auch mitkommen, Milly."

Millicent knurrte: „Ich hab dir gesagt, ich heiße Millicent."

„Sicher doch", sagte Pansy süßlich, als sie sich bei Millicent einhakte und losging.

„Wir sehen euch bei der Party", sagte Theo, bevor er mit Blaise losging.

„Lasst sie die Party nicht ohne uns anfangen!", rief Draco ihnen hinterher, bevor er Harry schnappte und ihn zurück zum Schloss zog.

„Ich kann schon alleine laufen, weißt du?" Harry versuchte, seinen Arm frei zu bekommen.

„Potter, du bist vielleicht brillant auf einem Besen, aber zurück am Boden bist du ziemlich unkoordiniert", gab Draco zurück.

„Bin ich nicht!" Harry strauchelte etwas, als er stärker an seiner Hand zog.

„Und das ist der Grund, weshalb du mich brauchst, dass ich dir helfe", kicherte Draco.

„Das ist alles deine Schuld, du Blödmann", grummelte Harry.

„Ich glaube, du wirst herausfinden, dass es deine war", antworte Draco und zog an Harrys Arm, gerade als Harry aufhörte, gegen ihn anzukämpfen. Ohne den Widerstand landete Draco auf dem Rücken, zog dabei Harry mit sich und schlug ihm seinen Nimbus aus der Hand. „Uff! Runter von mir, du Trottel!"

„Entschuldige, aber ich bin zu unkoordiniert, um das zu schaffen", lachte Harry und stellte sich tot und ließ sein ganzes Gewicht auf Draco fallen.

Draco kniff die Augen zusammen und piekte Harry in die Seite. Als Harry zurückschreckte, griff Draco seine Hände und warf sie beide herum. „Gib auf!", japste er und sah auf Harry herunter. Er starrte zurück und versuchte, sich zu befreien, aber Draco drückte mit seinem ganzen Gewicht auf Harrys Hände.

„Gut, du hast gewonnen. Jetzt geh runter von mir!"

Draco grinste, als er von ihm herunterrollte und aufstand. „Komm schon, die Mädchen warten bestimmt auf uns."

Harry rappelte sich auf und nahm seinen Besen. „Oh, Draco?"

„Was?"

„Du hast da Dreck an dir."

„Wo?" Draco drehte sich um sich selbst und besah seine Roben, als Harry lachte und in Richtung des Schlosses aufbrach. Draco wischte über seine Roben und folgte Harry. „Ernsthaft, meine Kleidung hat noch nie so sehr gelitten, bevor ich dich kannte."

„Ja, aber du hattest auch nicht so viel Spaß, bevor du mich kanntest", gab Harry zurück. „Jetzt hast du Gesellschaft für deinen Unfug."

„Das stimmt. Vielleicht behalte ich dich doch", antwortete Draco und schlang seinen Arm um Harrys Schultern.

„Na, danke", lachte Harry.

Als sie die Eingangshalle erreichten, inspizierte Pansy ihre Fingernägel und ignorierte Millicent, die sie anstarrte.

„Hat lang genug gedauert", grummelte Millicent.

„Gut, dass wir die Wartezeit wert sind", sagte Draco unbekümmert, als er sie zum Küchenkorridor führte. Harry kitzelte die Birne und sie traten in die riesige Küche. Innerhalb von Sekunden waren sie von einem kleinen Schwarm Hauselfen umringt.

„Was wollen die Sirs und Misses?", quietschte der Anführer.

„Ein Siegesfest", antwortete Draco.

„Für das ganze Haus, bitte", ergänzte Harry, als die Elfen weg flitzten. „Sie sind wirklich niedlich, oder?"

Draco verdrehte die Augen. „Harry ist besessen den Hauselfen."

Millicent zuckte mit den Achseln. „Sie sind schon niedlich."

Draco und Pansy starrten sie an, aber Harry grinste breit. Die Gruppe Elfen kam zurück und gab jedem von ihnen zwei große Beutel mit Essen.

„Wollen die Sirs und Misses noch etwas?", fragte der Anführerelf Harry.

„Nein, das ist super, danke!", antwortete Harry. Die vier verließen die Küche, während die Elfen sich zum Abschied verbeugten.

Als sie in den Gemeinschaftsraum traten, war ein Großteil des Hauses dort versammelt. Es kam Jubel auf, als die Leute realisierten, dass sie mit dem versprochenen Fest zurückgekehrt waren. Eine Gruppe Siebtklässler kam ihnen entgegen und nahm ihnen das Essen ab und ließen es, nachdem sie Harry gratuliert hatten, den Schnatz gefangen zu haben, zu den vorbereiteten Tischen schweben. Innerhalb von Sekunden war das Essen ausgebreitet und die Leute scharten sich darum.

Harry genoss seine erste Slytherin-Party. Jemand hatte ein altes Grammophon ausgegraben und es spielte, wie Pansy Harry mitteilte, die Schwestern des Schicksals. Als die Leute sich mit dem Essen langweilten, wurden die Möbel an den Wänden gestapelt und eine spontane Tanzfläche bildete sich in der Mitte des Raumes.

„Ich tanze nicht", sagte Harry beunruhigt, als Daphne seine Hand griff.

„Entspann dich, ich bin eine gute Lehrerin. Mach einfach das, was ich mache", lächelte sie ihn an. Resigniert folgte Harry ihr auf die Tanzfläche.

Es war gar nicht so schlimm, sagte Harry zu sich selbst. Daphne wollte nicht, dass er mit ihr Walzer oder so etwas tanzte. Die meisten Leute fuchtelten mit den Armen umher, während sie mitsangen. Trotzdem war Harry erleichtert, als der Rest seiner Freunde hinzukam. Nur mit Daphne zu tanzen war etwas unangenehm, in der Gruppe machte es viel mehr Spaß. Außerdem bedeutete das, dass Harry das nachahmen konnte, was Draco tat, der sich als ein guter Tänzer herausstellte.

Schließlich brauchte Harry eine Pause. Er tippte Draco auf die Schulter. „Ich hole mir was zu trinken, ich komme gleich zurück."

„Ich komme mit", sagte Draco.

Sie gingen zu dem verbleibenden Tisch, auf dem Krüge mit kaltem Kürbissaft und das übrig gebliebene Essen waren. Sie mussten um Gemma und Terence herum gehen, die neben dem Tisch rummachten. Harry und Draco schnappten sich schnell ihre Getränke und gingen wieder.

„Sie hätten wenigstens irgendwo mit mehr Privatsphäre hingehen können", murmelte Harry.

Draco lachte. „Ich glaube nicht, dass sie im Moment sehr klar denken." Auf Harrys fragenden Blick hin erklärte er: „Die älteren Jahrgänge haben Feuerwhisky getrunken. Hast du das nicht gemerkt?"

„Nein. Das erklärt aber einiges", sagte Harry, als er sich im Raum umsah. Jetzt, da er darauf achtete, sah er einige ältere Schüler knutschen, obwohl die meisten sich in die Ecken oder auf die verbliebenen Sofas zurückgezogen hatten. Einige schienen komplett verschwunden zu sein.

„Ich kann mir vorstellen, dass der Gemeinschaftsraum morgen früh sehr still sein wird", grinste Draco.

„Oh ja."

Als ihr Gelächter abklang, bekam Harry einen Ausschnitt eines Gesprächs hinter ihnen mit.

„Also selbstverständlich war ich nicht besonders glücklich, als er hier her sortiert wurde. Aber er hat sich als ganz gut im Quidditch herausgestellt, also kann ich mich vermutlich nicht beschweren."

„Stimmt, aber er ist trotzdem nur ein Halbblut. Wir haben Standards."

„Er könnte meinetwegen auch Schlammblut sein, so lange er weiter den Schnatz fängt."

Harry warf einen Blick über die Schulter und sah eine Gruppe Siebtklässler neben dem Feuer stehen. Glücklicherweise hatten sie ihm alle den Rücken zugekehrt und sahen ihn nicht dort stehen.

Draco griff Harrys Arm. „Ignorier sie. Komm schon."

Harry erlaubte es, dass er von der Gruppe am Feuer weggelenkt wurde. „Ich kann sie nicht einfach ignorieren, Draco. Du hast gehört, was sie gesagt haben."

Draco führte Harry in die Schatten neben einem Schrank und legte seine Hand auf Harrys Schultern. „Ja, ich habe sie gehört. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer, dass nicht alle so denken. Harry, jeder in unserem Jahrgang mag dich, es ist ihnen scheißegal, welchen Blutstatus du hast. Und das gilt auch für die Quidditchmannschaft."

Harry lächelte schwach. „Ja, weiß ich doch. Es ist nur, weißt du, nicht wirklich spaßig, dass Leute mich für etwas hassen, für das ich nichts kann. Das habe ich genug bei den Dursleys."

„Sie hassen dich dafür, dass du ein Halbblut bist?"

Harry lachte freudlos. „Nein, dafür, dass ich magisch bin. Oder ein Freak in ihren Worten. Nur, dass sie nicht reden, sondern mich in einen Schrank einsperren und mich wie einen Hauselfen behandeln bei ihrem Versuch, mir die Magie auszutreiben."

Als Harry Dracos Gesichtsausdruck sah, wusste er, dass er zu viel gesagt hatte. Er hatte noch nie jemandem davon erzählt, wie schlimm es bei den Dursleys war.

„Sie haben dich eingesperrt? In einem Schrank?", flüsterte Draco mit aufgerissenen Augen.

„Ja. Also nicht mehr, seit ich meinen Hogwarts-Brief bekommen habe. Vergiss es einfach, okay? Und bitte erzähl das niemandem, was ich gerade gesagt habe", ergänzte Harry verzweifelt.

„Selbstverständlich werde ich das niemandem sagen, aber ich werde es ganz sicher nicht vergessen. Ich werde Mutter schreiben, und dafür sorgen, dass du den Sommer bei uns verbringen kannst", sagte Draco bestimmt.

Harry lächelte schwach. „Danke. Sag ihr nur nicht, warum, wenn du kannst?"

Draco legte den Kopf auf die Seite und kniff die Augen zusammen. „Bitte. Ich bin perfekt in meiner Raffiniertheit. Und wenn ich dazu nicht in der Lage bin, gehe ich zu Snape, und verlange neu sortiert zu werden."

Harry lachte und umarmte ihn. „Danke. Aber weißt du, du würdest super in Gelb und Schwarz aussehen."

Draco machte ein Würggeräusch und wich angeekelt zurück. „Das war keine Vorstellung, die ich gebraucht habe, Potter. Uäh. Nein, ich bin mit Grün und Silber perfekt zufrieden, vielen Dank. Obwohl ich in Blau ganz gut aussehen würde…"

Harry lachte erneut und griff Dracos Hand. „Komm, lass uns zu den anderen gehen."

Sie gingen zurück zu ihren Freunden, die immer noch in einem Kreis tanzten. Alle sahen deutlich zerzauster aus als vorher und das Tanzen wurde wilder. Draco griff Traceys Hand und begann, sie im Kreis zu drehen, während sie kicherte. Harry lachte über Daphnes und Pansys Versuche, ihm einen komplizierten Shimmy beizubringen, als die Musik stoppte. Das Gelächter und die Schreie erstarben in verwirrter Stille.

„Slytherins." Der Gemeinschaftsraum drehte sich kollektiv um und fand Snape im Eingang stehen, ein verlegenes Pärchen Sechstklässler neben ihm. Sie waren offensichtlich draußen auf den Fluren erwischt worden. „Obwohl ich eure Freude über unseren Sieg über Ravenclaw teile, ist es weit nach der Ausgangssperre für euch alle. Wenn ihr darauf besteht, eure Feier fortzusetzen, tut dies mit etwas weniger Krach und bleibt innerhalb der Grenzen von Slytherin. Jeder, der in den Fluren gefunden wird, erhält eine Strafarbeit mit Filch." Als daraufhin Stöhnen aufkam, hielt Snape inne und seine Augen wanderten über die Menge. „Für die älteren Schüler gilt: Jeder, der morgen früh wegen eines Kater-Tranks zu mir kommt, wir einen sehr unangenehmen Morgen vor sich haben. Wenn ihr nicht vorausschauend genug wart, euren eigenen zu brauen, solltet ihr zum Rest der impulsiven Idioten in Gryffindor gehen."

Als Snape gegangen war, sahen die Erstklässler sich an und kicherten nervös. Jemand stellte die Musik wieder an, allerdings leiser als zuvor und die Leute begannen wieder, sich zu unterhalten.

„Ich glaube, ich gehe jetzt schlafen", sagte Harry.

„Hat Snape dir so schrecklich Angst gemacht?", zog Pansy ihn auf.

„Nein, bin bloß müde vom Quidditch und Tanzen", sagte Harry. „Draco?"

„Was? Nein, ich – ich bin wirklich erschöpft", sagte Draco, als er den Blick sah, dem Harry ihm zuwarf.

Als sie in ihrem leeren Schlafsaal ankamen, sah Draco Harry an. „Irgendeinen Grund, weshalb du mich so früh von einer perfekten Party wegzerrst?"

Harry holte seinen Schlafanzug als er antwortete: „Ich dachte nur, wir sollten vor –" Er griff seine Uhr. „– zwei Uhr ins Bett gehen, wenn wir morgen in Quirrells Büro einbrechen."

Draco sah zu ihm herüber, als er sich die Haare bürstete. „Oh, gutes Argument."

„Wir haben immer noch nicht mit Hermine darüber gesprochen und ich glaube nicht, dass sie sehr begeistert wäre, wenn wir ausschlafen würden, statt ihr den Plan zu erklären."

Draco erschauderte. „Nein, das machen wir besser nicht. Sie wird sowieso darüber verärgert sein."

Harry zuckte die Achseln. „Sie wird schon werden. Es wird schon alles werden."


Der nächste Morgen kam schneller, als es Harry lieb war. Er fühlte sich, als ob er gerade erst schlafen gegangen war, als er von Bewegungsgeräuschen im Schlafsaal geweckt wurde. Verschlafen tastete er nach seiner Brille und setzte sich auf. Blaise zog sich gerade seinen Schlafanzug an und sah zu ihm herüber als er Harry herumtasten hörte.

„Guten Morgen, Harry!" Blaise grinste ihn an. „Hast du gut geschlafen?"

„Uh, ja. Du gehst jetzt erst ins Bett?" Harry stöhnte, als er seine Beine aus dem Bett schwang und nach seinen Hausschuhen suchte.

Blaises Grinsen wurde noch breiter. „Jap. Ich hab die Nacht knutschend mit einer Zweitklässlerin verbracht, nachdem du mit deinem Freund ins Bett gerannt bist."

Dracos schläfriges Gekicher war zu hören, bevor er aus dem Bett kam. „Ich würde das neu formulieren, Zabini. So klingt deine Angeberei weniger eindrucksvoll."

Blaise schaute ihn mürrisch an und Harry errötete. Er hatte herausgefunden, dass seine Freunde genauso leicht Witze darüber machten, Jungen zu mögen, wie darüber, Mädchen zu mögen und er musste sich immer noch daran gewöhnen. Er war bei den Dursleys damit aufgewachsen, dass jede Erwähnung von Homosexualität genauso freakig und gefährlich eingeschätzt wurde, wie Magie. Was wahrscheinlich dafür sprach, dass sie bei beidem falsch lagen, folgerte er. Harry grinste, als er sich die Gesichter seines Onkels und seiner Tante vorstellte, wenn sie jemals einen schwulen Zauberer treffen sollten.

„Alles klar da drüben, Harry?", fragte Draco, als er sich in seinen Morgenmantel hüllte.

„Ja, warum?"

„Du hattest grad eine Folge komischer Gesichtsausdrücke", gähnte Draco.

„Oh. Nur, äh, zufällige Erinnerungen an meinen Traum", improvisierte Harry.

„Faszinierend. Wenn ihr zwei nichts dagegen habt, das draußen weiter zu besprechen, manche hier würden gerne schlafen gehen", näselte Blaise.

„Selbstverständlich. Komm, Harry, wir dürfen Casanova hier nicht bei seinem Schönheitsschlaf aufhalten", grinste Draco.

Sie zogen Freizeitkleidung an, aber warfen für extra Wärme trotzdem ihre Slytherinumhänge über. Also, einer von ihnen war in Freizeitkleidung, dachte Harry, als er den Gürtel seiner zu großen Jeans schloss. Dracos Vorstellung eines Wochenendoutfits bestand aus Anzugshose mit einem Shirt mit Kragen unter dem Pullover.

Draco sah den Blick, den Harry ihm zuwarf, als sie den Raum verließen. „Was? Was stimmt nicht damit?"

Harry schüttelte den Kopf. „Nichts. Nur, hast du überhaupt Freizeitkleidung?"

Draco rümpfte die Nase. „Das ist Freizeitkleidung, Potter."

„Malfoy, an deinem Oberteil ist ein Kragen."

„Und?"

„Kragen sind nichts für Freizeitkleidung."

„Kragen sind nichts für Freizeitkleidung? Sagt wer? Was für eine dumme Regel ist das denn?", wollte Draco wissen.

„Das ist keine Regel. Weißt du, die meisten Leute tragen Jeans und so", sagte Harry lahm.

Ich bin nicht die meisten Leute", sagte Draco mit seiner überheblichsten Stimme. „Ich bin ein Malfoy. Wir tragen einfach keine Jeans. Besonders nicht, wenn sie so aussehen." Er zeigte auf Harrys Jeans, die zugegebenermaßen zu groß, ausgeblichen und ungeschickt von Harry geflickt waren.

„Naja, also, die hier sind von Dudley, okay? Ich würd' sie mir nicht aussuchen", sagte Harry verlegen.

Draco sah ihn einen Moment an, als sie in die Große Halle kamen. „In Ordnung, ich sag dir was. Wenn du uns im Sommer besuchen kommst, gehen wir einkaufen. Wir holen dir Kleidung, die dir tatsächlich passt und ich werde… Ich werde mir Jeans kaufen, wenn dir das so wichtig ist."

Harry grinste. „Ja? Cool. Wo wir schon mal dabei sind, sollten wir dir auch ein paar T-Shirts kaufen, und vielleicht ein oder zwei Kapuzenpullis…"

Draco schickte einen vernichtenden Blick in seine Richtung, als sie sich am Slytherintisch hinsetzten. „Übertreib's nicht, Potter. Mutter würde einen hysterischen Anfall bekommen und mein Vater würde jeden ‚Kapuzenpulli' verbrennen, den ich ins Herrenhaus bringen würde."

Harry lachte nervös. „Würde er das wirklich machen?"

Draco nickte. „Ja. Er mag nichts, was irgendwie mit Muggeln zu tun hat, aber wenn wir Jeans finden, die von Mutter genehmigt sind, sollte das gehen. Sie trägt auch gelegentlich Muggelkleidung."

„Also keine Jogginghose, vermute ich?", grinste Harry.

Draco sah ihn argwöhnisch an. „Ich glaube, das will ich gar nicht wissen."

In diesem Moment erschien Hermine und setzte sich neben Draco. „Endlich! Ich habe schon ewig auf euch gewartet. Ich wollte gerade aufgeben und in die Bibliothek gehen."

„Entschuldige. Wir hatten eine lange Nacht und sind grade erst aufgestanden", sagte Harry, während er sich etwas Schinken nahm.

Hermine kniff die Augen zusammen. „Was habt ihr gemacht? Ich hoffe, ihr habt in der Nacht, bevor wir eine Menge Schulregeln brechen, nicht die Korridore unsicher gemacht. Wir brauchen unser ganzes Glück heute Abend."

Draco grinste. „Beruhig dich. Es war nur eine Party im Gemeinschaftsraum, bei der es etwas später geworden ist. Und bevor du fragst, ja, Snape wusste davon und nein, wir haben keinen Ärger bekommen."

„Snape hat euch eine Party feiern lassen?", fragte Hermine ungläubig.

„Jep!", grinste Harry. „Er hat die älteren Schüler sogar nicht davon abgehalten, zu trinken. Denkst du immer noch, er ist ein großer, böser Butzemann?"

„Allerdings, weil ich bin keine Slytherin, und er ist absolut schrecklich zu jedem aus einem anderen Haus. Ganz davon abgesehen, dass ich euch nicht ganz glaube… Wie dem auch sei, bleibt es bei heute Abend?"

Draco sah etwas gekränkt aus. „Selbstverständlich. Warum in aller Welt sollten wir jetzt einen Rückzieher machen?"

Hermine zuckte mit den Achseln. „Dann was ist der Plan?"

Harry und Draco sahen sich an. „Äh…"

„Habt ihr euch noch keinen Plan ausgedacht?", wollte Hermine wissen.

„Hast du?", gab Draco zurück.

„Nein, aber ich bin auch nicht diejenige, die Erfahrung in solchen Dingen hat", antwortete sie spröde.

„Wie wäre es damit, dass wir dich um Mitternacht unter meinem Umhang im Gryffindorturm abholen und dann gemeinsam zu seinem Büro gehen?", schlug Harry vor.

Draco sah ihn von der Seite an. „Das ist dein Plan? Vielleicht hättest du wirklich in Gryffindor gehört."

Hermine sah verwirrt und gekränkt aus, aber Harry zuckte nur mit den Achseln. „Was gibt es sonst zu planen? Wir können Hermine ja nicht ohne den Umhang durch das Schloss laufen lassen, falls sie gesehen wird. Wir brechen ein, einer kann unter dem Umhang Schmiere stehen und die anderen beiden durchsuchen das Büro."

Weder Draco noch Hermine sahen übermäßig begeistert von diesem Plan aus, aber schließlich mussten sie sich geschlagen geben, da ihnen nichts Besseres einfiel. Hermine verließ sie, um in die Bibliothek zu gehen, und Harry und Draco beendeten ihr Frühstück, bevor sie zum Quidditchfeld gingen, um ihre Nerven zu beruhigen. Millicent und Theo gesellten sich zu ihnen und sie spielten bis zum Abendessen zwei gegen zwei.

Schließlich war es viertel vor zwölf. Harry und Draco räumten die Zauberkunstessays, an denen sie gearbeitet hatten, weg und schlichen sich unter dem Umhang nach draußen. Sie begegneten niemandem, weder Lehrer noch Geist, und hatten sich mittlerweile daran gewöhnt, im Einklang miteinander unter dem Umhang zu laufen, obwohl Harry immer noch ab und zu von Dracos Atem an seinem Ohr gekitzelt wurde.

Sie kamen links von dem Portrait einer dicken Opernsängerin zum Stehen, von dem Hermine gesagt hatte, dass es der Eingang zu Gryffindor sei.

„Es ist immer noch erst zehn vor zwölf", flüsterte Draco, nachdem er auf die Uhr geschaut hatte.

„Meinst du, wir sollten anklopfen?", fragte Harry.

Draco kicherte leise. „Ich habe eine bessere Idee. Wir gehen rein."

Harry öffnete den Mund, um zu fragen, wie genau sie das anstellen sollten, als er Schritte hörte. Sie sahen den Korridor entlang und sahen einen Gryffindorvertrauensschüler auf das Portrait zugehen.

„Ist das dein Ernst? Er muss uns bemerken, wenn wir hinter ihm rein gehen", betonte Harry.

„Hab ein bisschen Vertrauen, Potter", war Dracos einzige Antwort.

Sie verstummten, als der Vertrauensschüler vorbei kam, und Harry sah, dass es der ältere Weasley-Junge war. Er grinste, als er daran dachte, wie Ron aussehen würde, wenn er wüsste, dass sein Bruder dabei war, ein paar Slytherins in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum zu lassen. Sie warteten, bis Weasley an ihnen vorbeigegangen war, und folgten ihm.

„Würstchen mit Kartoffelbrei", sagte Weasley zu dem Portrait. Harry konnte Draco fühlen, wie er sich hinter ihm vor stillem Lachen schüttelte, als das Portrait aufschwang. Sie stiegen schnell hinein, bevor es hinter Weasley zufallen konnte, und traten neben den Eingang. Abgesehen von Weasley, der eine Treppe hinauf verschwand, war nur noch eine Gruppe älterer Mädchen anwesend, die vor einem Feuer schwatzten.

„Es ist so rot", flüsterte Draco.

„Naja, unser Gemeinschaftsraum ist ziemlich grün", sagte Harry als Versuch, fair zu bleiben.

„Ja, aber das hier ist wirklich, wirklich rot. Und es ist so…" Draco wedelte unter dem Umhang mit seiner Hand.

Harry kicherte. „Ja, ich mag unseren auch lieber. Was glaubst du, wo Hermine ist?"

„Wahrscheinlich in ihrem Raum, wo sie versucht, an den idiotischen anderen Mädchen in ihrem Schlafsaal vorbei zu kommen", sagte Draco, als er Harry zu den Fenstern schubste. „Huh. Die Bastarde haben einen guten Ausblick von hier oben."

Harry verdrehte die Augen. „Sicher, es ist ein Turm. Wie auch immer, ich habe grad gemerkt, dass Hermine nicht einfach mit uns hier rausgehen kann. Eins der Mädchen muss doch etwas zu einer Erstklässlerin sagen, die mitten in der Nacht rausgeht."

Draco warf der Gruppe am Feuer, die nicht so aussahen, als ob sie bald aufstehen würden, einen Blick zu. „Was machen wir?"

Ihre Aufmerksamkeit wurde von Schritten auf einer anderen Treppe angezogen und ein paar Sekunden später erschien Hermine in ihrem Schlafanzug und ihrem Morgenmantel. „Wir halten sie auf, bevor sie etwas dummes tun kann", antwortete Harry und griff Dracos Hand, als er in ihre Richtung ging.

Hermine stand am Fuße der Treppe und starrte die älteren Mädchen an. Sie hatte offensichtlich den gleichen Gedanken wie Harry.

„Hermine", flüsterte Harry. Sie quietsche ein wenig und sah mit weit aufgerissenen Augen zur Seite. „Hermine! Wir sind's nur."

Hermine sah vorsichtig zu den anderen Mädchen bevor sie aus dem Mundwinkel sagte: „Was macht ihr zwei hier? Ihr dürft nicht hier sein!"

„Mach dir deswegen jetzt keine Gedanken, mach dich nur bereit, durch das Portrait zu laufen", sagte Harry.

Hermine runzelte leicht die Stirn, ging aber langsam zum Eingang, wo sie so tat, als ob sie das Schwarze Brett lesen würde.

„Was wirst du tun?", fragte Draco.

„Mach mir einfach nach." Harry führte sie zu dem Feuer herüber, und stellte sicher, dass sie nicht zwischen den Mädchen und den Treppen waren.

„Hallo, kleine Mädchen", sagte Harry mit leiser, heiserer Stimme.

Vier Gesichter mit aufgerissenen Augen starrten genau durch ihn und Draco hindurch. „Wer ist da?"

„Kümmert euch nicht um uns, wir genießen nur die Aussicht", krächzte Harry. Sie schnappten nach Luft und eine von ihnen stand halb auf.

„Und was für eine tolle Aussicht es ist", ergänzte Draco in einem leisen Stöhnen.

Daraufhin standen sie gleichzeitig auf und rannten auf die Treppe zu. „Hol einen Vertrauensschüler!", rief eine von ihnen.

Harry und Draco konnten sich das Lachen nicht verkneifen, als sie zum Portrait gingen. Als sie hindurchgeklettert waren, warfen sie den Umhang auch über Hermine.

„Ihr könnt unheimlich für meinen Geschmack ein bisschen zu gut", sagte sie und versuchte, nicht auch zu lachen.

„Das müssen wir unbedingt wiederholen", sagte Draco zufrieden.

„Ihr könnt nicht einfach immer hier hereinspazieren!", schrie Hermine.

„Doch klar, wir wissen doch jetzt das Passwort", antwortete Harry.

Draco schnaubte. „Würstchen mit Kartoffelbrei. Wer um alles in der Welt ist dafür verantwortlich?"

„Tja, was ist denn euer Passwort?", gab Hermine zurück.

Harry lachte. „Einen Versuch war's wert, Hermine."

Hermine sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an und stöhnte dann. „Lasst es uns einfach hinter uns bringen, ja?"

Sie waren fast bei dem Büro angekommen, als sie auf Mrs. Norris stießen, die durch den Korridor streifte. Die drei erstarrten, als sie ihre starren Augen auf sie richtete. Die Katze kam ein paar Schritte auf sie zu, bevor sie sich anscheinend gelangweilt um die Ecke davonschlich. Einige Sekunden vergingen, bis sich einer von ihnen bewegte.

„Ist sie Filch holen gegangen?", fragte Hermine nervös.

„Glaub ich nicht", sagte Harry. „Sie sieht normalerweise irgendwie selbstzufrieden aus, wenn sie jemanden findet."

„Wirkt der Umhang auch bei Katzen?", fragte Hermine beharrlich.

Harry dachte darüber nach. „Ich denke, sie können uns immer noch hören und riechen, aber sie können uns darunter nicht sehen."

Draco zuckte die Achseln. „Ergibt Sinn."

Sie waren am Büro angekommen. Glücklicherweise kam kein Licht durch den Türspalt, ganz so, wie sie gehofft hatten. Quirrell war zu dieser Zeit offensichtlich woanders.

Alohomora", flüsterte Harry und griff nach dem Türgriff. „Wer steht Schmiere?"

„Ich mach's", bot sich Hermine an. Harry warf ihr schnell ein Lächeln zu, bevor er und Draco unter dem Umhang hervor und durch die Tür schlichen. Die Tür schloss sich leise hinter ihnen und sie standen im Dunkeln.

Lumos", murmelte Harry. Draco machte es ihm nach und ihre Zauberstäbe erhellten den Raum. Das Büro war klein und mit Büchern vollgestopft und Knoblauchbündel zierten die Wände.

„Was genau hoffen wir zu finden?", fragte Draco.

„Beweise für etwas Böses", antwortete Harry, als er zum Tisch ging.

„Also das schränkt es ja ein", murmelte Draco, als er einen Stapel Bücher auf dem Tisch inspizierte. „Huh. Das ist merkwürdig."

„Was?"

Draco runzelte die Stirn. „Warum braucht ein Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste ein Buch über Einhörner?"

„Können sie dich vor Vampiren beschützen?"

„Ich glaube nicht", sagte Draco und sein Stirnrunzeln wurde stärker. „Ich meine, sie sind schon gute Kreaturen, aber ich glaube nicht, dass sie gegen Vampire helfen würden."

„Warte mal, gibt es im Verbotenen Wald nicht Einhörner?", fragte Harry langsam.

Dracos Stirn glättete sich. „Ja. Glaubst du, das ist, weshalb Quirrell da rein geht?"

Harry zuckte die Achseln. „Ergibt Sinn. Vielleicht können wir Hagrid fragen? Er müsste wissen, wenn es irgendetwas an Einhörnern gibt, das Quirrell interessieren könnte."

Draco nickte und legte das Buch auf den Stapel zurück, von dem er es genommen hatte.

„Sie die alle über Einhörner?", fragte Harry.

Draco hielt seinen erleuchteten Zauberstab näher an die Buchrücken. „Nein… Harry… Das sind die Bücher, die Hermine ausgeliehen hatte, als sie über dich recherchiert hatte."

Harry kam um den Tisch herum. „Er liest über mich?"

Draco nicke. „Ich denke schon."

Harry sah den Stapel an. „Also das ist ein bisschen gruselig."

Die Tür öffnete sich und einen Moment später erschien Hermine, als sie den Umhang ablegte. „Wir müssen gehen, jemand kommt!"

„Unter den Umhang!" Harry schnappte ihn von Hermine und war dabei, ihn über die drei zu werfen, als sich die Tür öffnete. Umrahmt vom schwachen Licht des Flures waren die wütenden Umrisse von Snape und McGonagall zu sehen. Harry stopfte den geknäulten Umhang in seine Tasche, aber nicht schnell genug, er sah Snapes Augen einen Blick darauf werfen.

„Was genau hat das hier zu bedeuten?", wollte McGonagall wissen.

„Ich, äh, wir… Wir haben nur –", stammelte Hermine.

„Wir haben mit Hermine gewettet, dass sie sich nicht traut, mit uns in Quirrells Büro zu schleichen, Ma'am."

„Und worin besteht die Faszination mit diesem Büro?", fragte McGonagall.

„Wir wollten herausfinden, ob es stimmt, dass es mit Knoblauch bedeckt ist, Professor", improvisierte Harry.

„Und ihr dachtet, eure Neugier rechtfertigt es, dass ihr in Professor Quirrells Büro und somit in seine Privatsphäre eindringt?" McGonagalls Nasenflügel weiteten sich. „Ich habe in meiner Zeit hier schon einige dumme Ausreden gehört, Mr. Potter, aber das hier ist eine der kindischsten und unüberlegtesten Ausreden, die mir je begegnet sind. Und von dir, Miss Granger, hätte ich mehr erwartet, als von zwei Slytherin-Jungen in ein solch törichtes Bemühen verwickelt zu werden. Fünfzig Punkte von jedem von euch und Strafarbeiten. Und Professor Snape und ich werden euren Familien schreiben. Ich gehe davon aus, dass das für dich in Ordnung ist, Severus?"

„Vollkommen. Wenn du Miss Granger zurück zum Turm begleitest, Minerva, werde ich diese beiden zurück in die Kerker bringen." Damit schritt Snape aus dem Büro, ohne auch nur zu prüfen, ob Harry und Draco ihm folgten. Er ging so schnell, dass sie joggen mussten, um mit ihm Schritt zu halten.

Niemand sagte etwas, bis sie im Kerker ankamen. Statt sie zu den Räumen von Slytherin zu bringen, wie Harry erwartet hätte, führte er sie in sein Büro. „Hinein!"

Sie eilten hinein und standen unsicher vor Snapes Schreibtisch. Die Tür schwang hinter Snape zu, als er zu seinem Tisch ging und sich darüber lehnte. „Was ist der wahre Grund, weshalb ihr mitten in der Nacht in Quirrells Büro wart? Und keine Lügen mehr über Knoblauch!"

Harry warf Draco einen Blick zu, bevor er tief einatmete. „Wir wollten herausfinden, was er plant, Sir. Wir brauchten Beweise, damit Sie uns glauben würden."

Snape sah Harry einfach unbeweglich und starr an. Harry versuchte, ihm in die Augen zu schauen, aber diese schwarzen Augen ließen ihn wieder einmal denken, dass er geröntgt wurde, und er blinzelte. Snape schien aus seiner Starre zu erwachen und sah Draco kurz an, bevor er seinen Blick wieder Harry zuwandte.

„Beweise wofür genau? Ihr beiden jammert ständig über Quirrell, müsst mir aber immer noch eine Theorie vorlegen."

Harry atmete tief ein. „Wir glauben, er wird den Stein der Weisen stehlen."

Eine lange Minute lang lag absolute Stille über dem Büro, als Snape sie anstarrte. „Der Stein der Weisen wird streng bewacht und von Hindernissen und Fallen beschützt", sagte er schließlich.

„Das ist der Grund, weshalb wir herausfinden wollten, was Quirrell macht. Was, wenn er versucht, an denen vorbeizukommen?", fuhr Harry stur fort.

Snape verengte die Augen. „Und warum sollte er den Stein wollen?"

„Warum nicht?", gab Harry zurück. „Unsterblichkeit und jedes Metall in Gold verwandeln können? Er wäre reich und müsste sich nicht mehr wegen des Vampirs sorgen, der hinter ihm her sein soll."

Schließlich mischte sich Draco ein: „Wir glauben, es hat auch etwas mit Harry zu tun, Sir. Es gab einen Stapel Bücher auf seinem Tisch. Alle Bibliotheksbücher, die Harry erwähnen."

Snape setzte sich, aber er sagte ihnen nicht, es ihm nachzumachen. „Ist es euch Genies aufgefallen, dass diese Bibliotheksbücher auch den Dunklen Lord erwähnen? Fällt euch kein Grund ein, weshalb der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste diese Bücher in seinem Besitz haben könnte?"

Draco sah zu Boden, bevor er Snape wieder in die Augen blickte. „Sir, er hatte nur die Bücher, die Harry erwähnen. Es gibt noch andere, die den Dunklen Lord erwähnen, aber Harry nicht, und er hatte keins von denen auf seinem Tisch."

Snape zog unbeeindruckt eine Augenbraue hoch.

„Und ein Buch über Einhörner, Sir", ergänzte Harry.

Snapes Blick schoss zu Harry und etwas anderes als Ärger zeigte sich kurz auf seinem Gesicht. „Einhörner?"

„Ja, Sir", sagten sie gemeinsam.

Snapes Lippen kräuselten sich, bevor er sagte: „Also gut. Hört mir jetzt ganz genau zu. Ich möchte euch nicht nachts durch das Schloss wandern sehen, mit oder ohne deinem Umhang, Mr. Potter." Harry öffnete den Mund, aber Snape hob eine Hand. „Du darfst ihn erst einmal behalten. Ich habe die Vermutung, dass ich abgesehen davon, euch jede Nacht in euren Schlafsaal einzusperren, nicht viel tun kann, euch daran zu hindern, herumzulaufen, wo ihr nicht sein solltet. Ich möchte Slytherin nicht jedes Mal Punkte abgezogen sehen, wenn ihr dies tut. Aber glaubt mir, wenn ich euch ungeladen in meinem Büro, meinem Klassenzimmer, meinem Vorratsraum oder meinen persönlichen Räumen finde, werde ich ihn dauerhaft beschlagnahmen. Habt ihr mich verstanden?"

„Ja, Sir." Harry fühlte eine Spur Erleichterung inmitten der Schuld, die ihn eingenommen hatte.

„Gut. Also, ich möchte, dass ihr euch abgesehen von den Unterrichtsstunden, die ihr bei ihm habt, von Quirrell fern haltet. Sagt niemandem von euren Vermutungen gegen ihn. Und sagt kein Sterbenswörtchen von dem Stein. Ich weiß nicht, wie ihr davon erfahren habt, aber seine Existenz darf niemandem gegenüber erwähnt werden. Bleibt aus dem Verbotenen Wald und aus diesem teuflischen Korridor. Entweder Professor McGonagall oder ich selbst werde euch kontaktieren, wenn eure Strafarbeit angesetzt wurde. Und ich erwarte, dass ihr beiden versucht, einige der Punkte, die ihr Slytherin verloren habt, wieder gut zu machen."

„Ja, sir."

Snape sah sie an, bevor er nickte. „Ihr seid entlassen."

Harry und Draco gingen so schnell sie sich trauten.

„Was zum Teufel war das?", wollte Draco wissen, sobald sie aus dem Büro kamen.

„Ich denke, etwas was wir Snape erzählt haben, hat ihn interessiert", antwortete Harry. „Ich denke, etwas, das wir herausgefunden haben, hat für ihn Sinn ergeben, oder ihn dazu gebracht, uns zu glauben, oder so. Semper victrix."

Draco sah ihn skeptisch an, als der Eingang zu Slytherin sich öffnete. „Vielleicht. Wenn du Recht hast, wird er sich um Quirrell kümmern. Der hat keine Chance gegen Snape."

Harry grinste, als sie den Gemeinschaftsraum betraten. „Nö! Vielleicht sollten wir Snape unter dem Umhang folgen, damit wir ihn beobachten können, wie er Quirrell entgegentritt."

Draco griff seinen Arm. „Nein, Potter, sollten wir nicht. Hast du ihm nicht zugehört?"

Harry riss seinen Arm zurück. „Ja, ich habe ihn gehört, wie er mir praktisch die Erlaubnis gegeben hat, meinen Umhang zu benutzen!"

Draco starrte ihn an. „Wenn du anfängst, Snape zu verfolgen, bist du allein."

Draco machte sich auf den Weg zum Schlafsaal und ließ Harry sprachlos hinter sich zurück. Wie konnte Draco ihn so verlassen? „Draco, warte!"

Draco stoppte, drehte sich aber nicht zu Harry um.

„Ich – Ich werde den Umhang nicht benutzen. Ich versprech's. Bitte ärger dich nicht über mich", sagte Harry zu Dracos Rücken.

Draco blieb einige Sekunden still, bevor er nachgab und sich umdrehte. „Na gut. Von jetzt an benehmen wir uns. Wir verärgern Snape nicht und wir verlieren keine Punkte mehr."

„Einverstanden."

„Und wir machen auf keinen Fall etwas, was dazu führt, dass meine Eltern mehr Briefe bekommen!"

„Einverstanden." Harry zuckte mit den Achseln. Wenn die Dursleys sich um etwas kümmern würden, was er in der Schule gemacht hatte, würde es ihn sehr verwundern, aber er verstand, dass Draco die Meinung seiner Familie über ihn sehr wichtig war.

Draco lächelte und zog Harry in eine kurze Umarmung. „Gut. Jetzt ab ins Bett mit dir, bevor du noch mehr Verschwörungstheorien aufbringst."

„Hey, es sind keine Verschwörungstheorien, wenn sie stimmen!"