Tut mir leid, dass ich euch hab' warten lassen. Mir geht's zur Zeit dreckig, ich stecke bis zum Hals in Arbeit und schiebe Panik vor meinen kommenden Prüfungen (noch drei Stück an drei Tagen...) Ich verlieren jetzt auch keine großen Worte, nur, dass ich mich auf die Semesterferien freue...

Und während ich jetzt heulen gehe, wünsch ich euch viel Spaß beim Lesen...


Hermine machte große Fortschritte. Nun, da sie verstanden hatte, wie sie einen Zauber wieder auf ‚normale Weise' ausführen konnte, übertrug sie ihre Erkenntnisse auch auf die anderen Zauber und langsam kehrte wieder ein Stück Normalität in ihr Leben zurück.

Inzwischen begann sie auch, die Gabe in ihr zu akzeptieren. Anfangs war es ihr unendlich schwergefallen, da sie in ihren Möglichkeiten, Magie auszuüben, ziemlich beschnitten worden war. Doch allmählich war dies kein Problem mehr.

Der Unterricht, vor allem Verwandlungen und Zauberkunst, wurden zunehmend praktischer und Hermine war froh, dass jeder so sehr mit den eigenen Aufgaben beschäftigt war, dass es nicht auffiel, dass sie ihre Sprüche wortlos ausführte.

Professor McGonagall war sowieso eingeweiht in die ganze Sache – Hermine hatte eine kurze Unterredung mit ihr gehabt, in der sie ihrer Lehrerin die Sachlage geschildert hatte. Und wie es schien, hatte die Schulleiterin mit den betroffenen Lehrern, in deren Unterricht Praxis stattfand, gesprochen.

Gleichzeitig wurde die Menge an Wissen, die Hermine für die Abschlussprüfungen in ihren Kopf bekommen musste, stetig größer und sorgte dafür, dass sie bis spät abends entweder in der Bibliothek oder in ihrem Zimmer saß und lernte. Hinzu kam die Tatsache, dass Harry, aber vor allem Ron, ständig ihre Hilfe bei Hausaufgaben und Aufsätzen verlangten. Und dann auch noch die zwei Sitzungen pro Woche bei Snape...

Hermine stöhnte und klappte ihr Buch zu. Für diesen Abend war Schluss. Ein flüchtiger Blick auf die Uhr auf ihrem Nachttisch sagte ihr, dass es bereits nach Mitternacht war. Zeit, Schlafen zu gehen.

Ihr Schädel brummte, als sie aufstand und sich streckte. Ihr Nacken war verspannt und ihr Körper lechzte nach Schlaf. Eigentlich hätte sie noch den Aufsatz für Professor Binns fertig stellen müssen, aber da die Buchstaben inzwischen vor ihren Augen verschwammen, vertagte Hermine dies auf morgen. Auf irgendwann zwischen dem Unterricht, dem Abendessen, den Hausaufgaben und der Dienstagssitzung bei Snape.

Unter Aufbringung ihrer, wie es schien, letzten Kräfte schälte sie sich aus ihrer Kleidung und zog sich ihren Schlafanzug an. Todmüde kroch sie unter die Bettdecke und schloss die Augen.

So müde sie sich auch fühlte, sie konnte einfach nicht einschlafen. Unruhig wälzte sie sich umher, ihr Kopfkissenschien hart wie Stein zu sein.

Nach mehreren Stunden des verzweifelten Versuches einzuschlafen, stand sie auf, ging zum offenen Fenster und atmete die angenehm kühle Nachtluft ein.

Es wurde langsam Herbst und die Temperaturen sanken in der Nacht stark ab, doch Hermine empfand dies als angenehm für ihren Kopf. Leider wurde sie dadurch wieder wacher und sie verfluchte ihre Entscheidung, ein wenig frische Luft zu schnappen.

Schlecht gelaunt kehrte sie zu ihrem Bett zurück und startete einen weiteren Versuch. Irgendwann, nach einem Zeitraum, der ihr wie eine Ewigkeit vorkam, schlief sie völlig übermüdet ein. Es war inzwischen kurz nach vier Uhr morgens.

Als sie am nächsten Morgen von ihrem Wecker geweckt wurde, fühlte sie sich noch erschöpfter als in der Nacht zuvor und sie konnte sich selbst kaum dazu bewegen, aufzustehen. Dies führte letztlich dazu, dass sie so spät aufstand, dass keine Zeit mehr für Frühstücken blieb.

Hastig zwang sie sich in ihre Schuluniform, schnappte sich ihre Schultasche und rannte zum Unterricht. Die Stunden gingen schleppend voran und immer wieder war sie kurz davor, in eine Art Sitzschlaf abzudriften. Es kostete sie all ihre Kraft, den Vormittagsunterricht hinter sich zu bringen.

Während des Mittagessens war sie noch schweigsamer als sonst, was auch Harry und Ron auffiel. Sie sprachen sie darauf an.

„Mine, was ist los mit dir? Du schaust müde aus", meinte Harry, während er in seinem Gemüseauflauf stocherte.

Sie zuckte mit den Schultern. „Bin ich auch. Ich habe die Nacht sehr schlecht geschlafen."

„Du solltest früher ins Bett gehen, Mine", schaltete sich nun auch Ron ein.

Ihr Blick begegnete seinem und sie las darin eine unverhohlene Zuneigung, die ein müdes Lächeln auf ihrem Gesicht hervorzauberte. „Ich weiß, Ron. Aber ich habe so viel zu tun..."

„Vielleicht solltest du darüber nachdenken, den Extraunterricht bei der Fledermaus sausen zu lassen."

Hermine schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht. Dafür ist er viel zu wichtig."

„Wenn du meinst..."

„Ja, meine ich", gab sie gereizt zurück und legte ihr Besteck auf den Teller. „Ich habe keinen Hunger mehr. Wir sehen uns gleich im Unterricht." Mit diesen Worten stand sie auf und verließ die Große Halle.

Etwas unschlüssig stand sie in der Eingangshalle und überlegte, was sie die verbleibende halbe Stunde bis zum Nachmittagsunterricht machen sollte. Sie beschloss, einen kurzen Spaziergang zu unternehmen.

Die Sonne strahlte hoch am Himmel und es war noch angenehm warm. Sie spürte, wie die Lebensgeister in sie zurückkehrten und stieß einen erleichterten Seufzer aus. Am liebsten würde sie hinunter zum See gehen, doch in Anbetracht der kurzen Zeit, die ihr bis zum Unterricht noch blieb, lohnte es sich nicht.

Und so schlenderte sie einfach ein wenig herum. Um diese Zeit war niemand draußen, jeder war beim Mittagessen oder schon auf dem Weg zum Nachmittagsunterricht und so genoss sie die Stille um sich herum.

Als sie das nächste Mal auf ihre Armbanduhr blickte, bekam sie einen gewaltigen Schreck. In zwei Minuten begann der Unterricht. Sie begann, loszulaufen und kam nur einen Augenblick vor ihrem Lehrer an.

Der Nachmittag verlief mehr oder minder normal. Sie setzte sich an ihre Hausaufgaben, doch sie konnte sich nicht gut genug konzentrieren und so schob sie ihre Bücher frustriert zur Seite. Vielleicht sollte sie sich noch ein Stündchen hinlegen, bevor sie am Abend zu Snape musste.

Aus dem einen Stündchen wurden dann schließlich geschlagene 3 Stunden und als sie die Augen wieder öffnete – und sich noch müder als zuvor fühlte – stellte sie erschrocken fest, dass sie zum zweiten Mal an diesem Tag zu spät sein würde.

Sie stürmte aus ihrem Zimmer und rannte quer durch das Schloss. Atemlos klopfte sie an Snapes Bürotür und trat ein, als sie ein, zugegeben schlecht gelaunt klingendes, „Ja!" hörte.

„Sie sind zu spät", donnerte Snape und sie zog instinktiv den Kopf ein.

„Es tut mir leid, Sir." Sie nahm wie sonst auf dem Ohrensessel ihm gegenüber Platz.

„Darf ich fragen, was es so unglaublich Wichtiges gegeben hat, das Sie aufgehalten hat?"

Hermine nuschelte etwas Unverständliches und hoffte inständig, er würde nicht noch einmal nachfragen, aber sie kannte ihn.

„Bitte?"

„Ich habe verschlafen", wiederholte sie leise und schaffte es in diesem Augenblick nicht, ihm in die Augen zu blicken.

„Sie sollten nachts schlafen", meinte er in einem leicht genervten Ton.

„Ja, Sir."

„Fangen wir an. Ich habe Ihnen am Freitag gezeigt, wie Sie Ihre Zauber trotz des lauten Aussprechens regulieren können. Fangen Sie mit dem ‚Lumos' an."

Hermine zückte ihren Zauberstab und sagte „Lumos", doch der Zauber hatte nicht seine beabsichtigte Wirkung. Aus der Spitze ihres Zauberstabs brach gleißendes Licht aus und blendete sie beide.

„Miss Granger", zischte Snape und hielt sich schützend beide Hände vor die Augen.


Was zum Teufel war in sie gefahren? „Beenden Sie den Zauber – sofort", bellte Severus und das Licht verschwand augenblicklich. Beinahe im selben Augenblick hörte er, wie ihr Zauberstab zu Boden fiel.

Er konnte erkennen, dass sie wie vor den Kopf gestoßen da stand und auf ihre geöffnete Hand starrte, die eben noch ihren Stab gehalten hatte.

„Was ist mit Ihnen los?!"

„Ich... ich weiß es nicht", stotterte sie verwirrt und bückte sich langsam, um ihren Zauberstab wieder aufzuheben.

Mit zwei langen Schritten war er bei ihr. „Sehen Sie mich an!" forderte er und Granger hob zögernd ihren Blick.

Severus sah in ihre Augen und erkannte, dass ihr Blick leicht unfokussiert war. „Sie sind unkonzentriert", stellte er fest und ließ seinen Ärger über diese Tatsache unverhohlen in seiner Stimme mitklingen.

„Ich... es tut mir leid, Sir." Sie klang müde.

„Gehen Sie."

„Was?"

„Gehen Sie!"

„Aber Sir..."

„So unkonzentriert kann ich nicht mit Ihnen arbeiten!" herrschte er sie an. „Kommen Sie am Freitag wieder und üben Sie bis dahin verdammt noch mal die Ausübung von Zaubern mit lauter Aussprache!"

Sie stand auf und er konnte sehen, dass sie am Zittern war. Doch es war ihm egal. Wenn sie hier erschien, hatte sie konzentriert und aufmerksam zu sein!

Er ballte die Hände zu Fäusten und als sie gegangen war, stieß er ein wütendes Knurren aus.

Ein gläsernes Gefäß, das mit Wasser gefüllt war und auf seinem Schreibtisch stand, zerbarst mit einem lauten Geräusch.

Niedergeschlagen kehrte Hermine zum Gryffindor-Turm zurück. Sie ging geradewegs in ihr Zimmer und ließ sich auf ihr Bett fallen. Tränen brannten in ihren Augen, doch sie war zu stolz, um sie zuzulassen. In diesem Moment fand sie, dass das Leben ungerecht war. Was konnte sie denn dafür, dass sie die Nacht so schlecht geschlafen hatte? Sie hatte sich ja versucht zu konzentrieren. Und er? Er fuhr sie so hart an und warf sie sogar raus. Das war ungerecht.

Nach einer Weile erhob sie sich und zog sich um für die Nacht. Ron hatte Recht, sie sollte früher ins Bett gehen. Für die Hausaufgaben hatte sie auch morgen noch Zeit.

Die Nacht wurde grausam. Obwohl sie todmüde war, konnte sie erst in den frühen Morgenstunden einschlafen. Unter Aufbringung ihrer gesamten Selbstherrschung überstand sie den Schultag, ohne einzuschlafen.

Zu ihrem Horror zog sich dies die nächsten Tage ebenso hin und sie schleppte sich todmüde und trotz besseren Wissens am Freitagabend in den Kerker.


„Setzen Sie sich schon einmal, ich muss noch etwas erledigen", sagte Severus ohne aufzublicken, als Granger klopfte und eintrat. Er musste noch zwei Schüleraufsätze korrigieren und da er vorhatte, am Wochenende nicht zu arbeiten, musste Granger halt noch ein paar Minuten warten. ‚Schadet ihr nicht', dachte er.

Als er nach geschätzten zehn Minuten aufblickte, dachte er im ersten Moment, ihn treffe der Schlag. Granger hing mehr oder minder in ihrem Sessel, den Kopf zurückgelehnt, die Augen geschlossen.

Fassungslos, dass sie hier tatsächlich in seinem Büro eingeschlafen war, umrundete er seinen Schreibtisch und ging vor seiner Schülerin in die Knie, um sie näher zu betrachten.

Ihr Gesicht war blass und leicht eingefallen, unter ihren Augen befanden sich dunkle Ringe und sie wirkte insgesamt sehr erschöpft.

„Miss Granger."

Keine Reaktion.

Dieses Mal sprach er sie etwas lauter an, doch noch immer nahm sie ihn nicht wahr. Er stöhnte. Womit hatte er das bloß verdient?

Severus hob die Hand und beabsichtigte, sie wachzurütteln, doch kaum hatte er ihren Unterarm, der schlaff auf der Lehne des Sessels lag, berührt, durchfluteten ihn auch schon wieder Bilder. Genauso wie es zuletzt gewesen war, als er sie während des Schlafens berührt hatte.

Er verschloss seine eigenen Gedanken, hielt jedoch den Kontakt aufrecht und erlaubte sich, diese Bilder zu empfangen und zu entwirren.

Sie stand am Rande einer Klippe. Unter ihr schlugen die Wellen der aufgewühlten See heftig gegen den Fels. Eisiger Wind kam auf und sie schlang zitternd die Arme um ihren Körper. Von seiner Position als Beobachter konnte Severus erkennen, dass Tränen ihre Wangen hinabliefen und sein Herz setzte für einen Schlag aus, als sie einen Schritt nach vorne trat und sich fallen ließ.

Cut.

Sie befanden sich plötzlich im Gryffindor-Gemeinschaftsraum. Granger saß zusammen mit Potter und den beiden Weasleys an einem Tisch.

Mine", hörte er Ron sagen, „du bist in letzter Zeit kaum noch bei uns. Ich verstehe nicht, wie du so viel Zeit mit Lernen und vor allem bei dieser Fledermaus verbringst."

Granger sprang auf. „Halt die Klappe, Ron. Du verstehst es nicht!" schrie sie wütend und lief hinauf zu ihrem Zimmer.

Cut.

Es war Nacht. Granger wälzte sich in ihrem Bett umher, stöhnte gequält. Er konnte sehen, dass sie wach war und sich vergeblich um Schlaf bemühte. Frustriert schlug sie mit ihrer Hand auf die Matratze neben ihr. „Verdammt, ich will doch nur schlafen..." schluchzte sie.

Cut.

Sie saß in ihrem Zimmer am Schreibtisch und hatte ein Schulbuch vor sich aufgeschlagen, in welches sie regungslos starrte. Sie fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und schob das Buch beiseite, griff nach einem anderen, kleineren und in Leder eingebundenen Buch. Sie nahm ihre Feder und begann, etwas hineinzuschreiben.

Severus trat näher, um es lesen zu können. ‚Liebes Tagebuch, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Ich hasse Snape. Ich hasse ihn so sehr. Und ich hasse das Gefühl, auf diese schreckliche Weise von ihm abhängig zu sein. Es gab Zeiten, da habe ich ihn mal sehr geschätzt, auch wenn ich ihn nie wirklich mochte. Und nun bin ich hin- und hergerissen zwischen meiner unsäglichen Wut auf ihn und der Tatsache, dass er wieder genauso ist wie vor dem Krieg. Es ist, als hätte das Ganze nie stattgefunden. Ich verstehe ihn nicht. Ich verstehe mich selbst nicht mehr.

Diese Gabe in mir... ich habe das Gefühl, dass sie meine gesamte Welt auf den Kopf gestellt hat. Ich weiß nicht mehr, was ich denken, was ich fühlen soll. Vor allem in den Momenten, in denen ich feststelle, dass mir der Extraunterricht bei Snape schon fast so etwas wie Spaß macht. Er fordert mich und ich habe endlich wieder eine Herausforderung. Manchmal glaube ich fast, dass er sogar wirklich nett sein kann. Und dann lässt er wieder das Ekel heraushängen. Er behandelt mich manchmal wie ein kleines Kind, am liebsten würde ich ihm dann einen Fluch auf den Hals hetzen...'

Cut.

Sie lief in einem dunklen Labyrinth umher. Aufgrund ihrer Körperhaltung erkannte er, dass sie angespannt war. Den Zauberstab erhoben, schlich sie sich langsam um eine Ecke, doch bevor sie reagieren konnte, war da ein grünes Licht und sie fiel leblos zu Boden.

Cut.

Severus sah sich selbst in seinem eigenen Unterricht. „Zwanzig Punkte Abzug, Miss Granger, weil Sie es nach sieben Jahren noch immer nicht gelernt haben, sich auf ihren Kessel zu konzentrieren."

Er blickte sich um und sah, dass Granger vor ihrem Kessel stand. Longbottom stand wie ein Häufchen Elend daneben. Granger hatte den Kopf gesenkt und als er näher trat, konnte er eine Träne auf ihrer Wange glitzern sehen...

Das reichte. Er hatte genug. Severus brach den Kontakt zu seiner schlafenden Schülerin ab und setzte sich nachdenklich in seinen Sessel, während er Granger aufmerksam musterte.

Das, was er gerade gesehen hatte, waren ihre Träume. Ihre Verarbeitung der Realität, ihre Erinnerungen, ihre... Wünsche? Ihre Ängste? Mit einem Schaudern erinnerte er sich an den Anblick, als sie auf der Klippe stand. Oder an das grüne Licht, den ‚Avada Kedavra'.

Er hatte mehr sehen können, als ihm lieb war. Mit einem Schlag hatte sich eine ganz andere Perspektive auf Granger ergeben und er wusste noch nicht, ob er diese Perspektive verfluchen sollte oder nicht.

Severus blickte auf seine Hand hinab, mit der er gerade eben Granger berührt hatte. Sie kribbelte noch immer leicht. Etwas, das er sich nicht erklären konnte.

Seine Gedanken kreisten um das Traumfragment mit dem Tagebucheintrag. So stand sie also zu ihm. Hasste ihn und begann zur selben Zeit, so langsam ihren Frieden mit ihm zu schließen. Er konnte nachvollziehen, dass sie das mitnahm. Widersprüchliche Gefühle und Gedanken waren nie einfach, das wusste er aus eigener Erfahrung.

Eine gewisse Ratlosigkeit begann, sich in ihm auszubreiten. Nun, da er die Gewissheit hatte, dass noch immer unausgesprochene Dinge zwischen ihnen standen, die ihre Arbeit behindern konnten, musste er sich überlegen, wie es weitergehen sollte.

Verdammte Gabe. Nicht zum ersten Mal verfluchte er sein Wissen um diese seltene Fähigkeit und auch die Tatsache, dass er Granger helfen musste.

Es war nun bereits beinahe zwei Monate her, seitdem er die Gabe bei Granger entdeckt hatte. Zwei Monate der ständigen Auseinandersetzung mit dem Thema. Er musste zugeben, dass er es langsam leid war.

Granger hatte Recht gehabt, als sie damals meinte, die Gabe sei vielmehr ein Fluch.

Severus spürte ein merkwürdiges Gefühl in sich aufkeimen, das er nach einigen Momenten des Nachdenkens als Mitleid identifizierte.

Wann war es das letzte Mal gewesen, dass er ein solches Gefühl empfunden hatte? Er konnte es nicht genau sagen. Alles, was er wusste war, dass Granger nun durch eine der schwierigsten Phasen in ihrem bisherigen, jungen Leben ging. Und er beneidete sie weiß Gott nicht darum.

Severus seufzte. Was sollte er denn nun mit ihr machen? Sie war so erschöpft gewesen, dass sie, kaum Platz genommen, eingeschlafen war. Das Aufwecken war auch mehr oder minder erfolglos gewesen.

Schließlich fasste er einen Entschluss, von dem er hoffte, dass Minerva nicht herausfand, was er beabsichtigte. Denn wenn dies geschah, würde sie ihn vermutlich einen Kopf kürzer machen.

Er stand auf und trat an Grangers Sessel heran. Behutsam griff er mit einer Hand unter ihre Kniekehlen, die andere schob sich unter ihrem Rücken durch. Mit einer Leichtigkeit, die seiner Statur kaum zuzutrauen war, hob er sie hoch.

Durch diese Bewegung schien Granger aufzuwachen, denn sie brummte leise. Er hielt inne und blickte auf sie hinab. Doch sie wurde nicht wirklich wach, sondern lehnte sich instinktiv an ihn heran, vergrub ihren Kopf in seiner Halsbeuge.

Sein Herzschlag beschleunigte sich. Die Bilder, die er bei ihrer Berührung wieder wahrgenommen und welche er erfolgreich aus seinem Bewusstsein ausgeschlossen hatte, schwappten wie Wellen vor sein 

geistiges Auge und es kostete ihn einen Augenblick, um seine Gedanken wieder davor zu verschließen.

Er drückte sie ein wenig fester an sich und trug sie hinüber in sein Wohnzimmer, wo er sie vorsichtig auf dem Sofa ablegte. Er bettete ihren Kopf auf einem der Kissen und breitete eine Decke über ihrem Körper aus. Dann entfachte er das Feuer im Kamin, holte sich seinen Sessel aus dem Büro und stellte ihn neben dem Sofa auf.

Es war noch früh am Abend und so verspürte er keine Müdigkeit, als er es sich mit einem Buch in seinem Sessel gemütlich machte. Doch schon nach ein paar Seiten ließ seine Konzentration nach, sein Blick schweifte immer wieder zur schlafenden Granger. Schließlich legte er das Buch beiseite und betrachtete sie einfach nur.


Tbc (hmm, ich entdecke gerade Parallelen zwischen Hermine und mir...)