Kerkermond

Lady of the Dungeon

Alle Figuren gehören J.K. Rowling. Ich werde sie unbeschadet zurückgeben, soweit sie selbst diese Figuren angemessen behandelt.

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Ich danke für Eure Reviews, liebe Leser. Ich habe alle beantwortet, bei denen ich die Reply-Funktion nutzen konnte.
Eines einte ja alle Reviews, die Abscheu Peter gegenüber. Nun, er wird sich vermutlich an Remus vergreifen, allerdings nicht sexuell, das verspreche ich. Ich hatte es ja angekündigt, kein Slash in dieser Geschichte. Peter ist ausschließlich an Frauen interessiert, auch wenn seine Nekrophilie ihn nicht sympathischer macht…

Serpensortia kommentierte Snapes Satz: "Aber manchmal machen ein paar Sprünge ein Gefäß erst wertvoll." mit Erstaunen, dass er ausgerechnet von Severus stammt. Ich denke, es illustriert, dass ‚mein' Tränkemeister ein sehr selbstbewusster Mann ist, der um seine ‚Fehler' weiß, sich aber seiner Stärken sehr bewusst ist. Ein Grund dafür wird im folgenden Kapitel deutlich.


8. Severus und Lucius: Katastrophe

„Sanitas. Dolorcalmo", hörte Lupin eine Stimme murmeln, die ihm vage bekannt vorkam.
Kühle Hände glitten über seine Stirn und arkane Muster senkten sich in seinen Körper. Er hatte gerade stundenlang unter Peters Cruciatus gestanden, und sein ehemaliger Freund war ein Zauberer, der die arkanen Strahlen exakt zu bündeln verstand.
Es war weit mehr Schmerz, als Remus Lupin aushalten konnte, ohne sich hilflos die Seele aus dem Leib zu schreien. Aber es war noch lange nicht genug, um Harry Potters Aufenthaltsort preis zu geben. Er wusste nicht genau, wo Harry untergetaucht war, aber er hatte eine Ahnung. Ihm war bewusst, dass er eine potentielle Gefahr für den Jungen darstellte, und er hoffte inständig, dass sie ihn töten würden, bevor sie es herausfanden.

„Merlin, warum bin ich dazu verurteilt, der Heiler des Phönixordens zu sein?" hörte er Malfoy fluchen, dessen Stimme er nun erkannte. „Erst Severus, und jetzt auch noch dieser Werwolf hier. Halt still, Lupin. Curatio."

„Ich wusste nicht, dass diese Art vom Krämpfen nicht dazu gehört", hörte Remus Peter wimmern.

„Wenn Sie von der hohen Kunst der Folter nichts verstehen, lassen Sie die Finger davon", empfahl Malfoy, seine Stimme klang ärgerlich. „Merlin, diesen Raubtiergestank werde ich nicht einmal mit einem Clarificio aus den Kleidern und Haaren bekommen."

Er nestelte eine kleine Phiole aus seinem Unhang hervor.

„Trinken Sie das, Lupin."

„Was ist das?" presste Remus hervor.

„Silbernitrat", erwiderte Malfoy entnervt. „Natürlich nicht, Sie sollen schließlich noch kämpfen. Es ist ein Regenerationstrank."

Remus ließ den Inhalt der Phiole in seinen Mund laufen, es schmeckte leicht bitter und seine Zunge wurde sofort taub. Das Taubheitsgefühl breitete sich aus und wo immer es in seinem Körper ankam, schluckte es den brennenden Schmerz, den der Cruciatus zurückgelassen hatte.
Peter Pettigrew erhob sich, und plötzlich holte er aus und trat Lupin mit voller Kraft ins Gesicht.
Remus hörte seine Nase brechen, doch er fühlte keinen Schmerz. Malfoy wusste offenbar genau, was er verabreichte.

„Expelliarmus!"
Mit einem lauten Ausruf hatte Malfoy Peter entwaffnet und die Wucht des Fluchs hatte den kleinen Zauberer gegen die Wand geschleudert.
„Das reicht jetzt", zischte Malfoy. „Keine physischen Verletzungen mehr gegen Lupin. Wenn er zu früh drauf geht, häutet uns der Dunkle Lord persönlich, oder besser, er lässt uns von Fenrir beißen und dann bestreiten wir beide den Kampf übermorgen Nacht, Pettigrew."

„Was muss ich tun, damit du die Nerven verlierst und mich mit deiner Silberhand tötest, Peter?" fragte Lupin matt.

Ein sardonisches Grinsen manifestierte sich im Gesicht des Rattenanimagus.

„Braucht er für den Kampf eigentlich eine Seele, Malfoy?"

„Bei Paracelsus, natürlich. Aber wenn Sie die Dementoren auf eine Runde zu ihm lassen wollen, meinetwegen."

„Und braucht er Augen? Wölfe sind doch Nasentiere."

„Jetzt kommen Sie wieder auf den Boden, Pettigrew. Ich denke schon, dass er noch etwas sehen können sollte. Fenrirs Gebiss zum Beispiel."

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Lucius hatte Fleur Delacour in ihre Zelle zurückbringen lassen. Severus betrachtete den blonden Zauberer, der an seinem Schreibtisch saß, den Kopf über eines der vielen alten Bücher gebeugt, immer noch auf der Suche nach einer Foltermethode, die ihm den Weg zu Harry Potters Aufenthalt weisen würde.
Was war Lucius doch für ein Narr! Glaubte er wirklich, man hätte Severus, dem Doppelagenten, verraten, wo sich der Junge befand? Severus wusste es wirklich nicht. Und wenn er es wüsste – er würde schweigen können.
Malfoy, das wusste Severus, ahnte nicht, wie nah der Schlüssel zu Snapes Gedanken, zu seinem Wissen war. Merlin sei Dank, Lucius ahnte nichts.

Wie er dort saß, im Schein der Kerzen. Das Licht war gnädig, es ließ die Linien um Augen und Mund des blonden Magiers beinahe verschwinden. Severus stellte fest, dass Lucius sich von ihnen allem am wenigsten verändert hatte. Crabbe und Goyle waren breitschultrige Schränke geworden, mit tiefen Stimmen und nachlassendem Haarwuchs. Rosier war tot. Nott war wirklich fett. McNair war völlig kahl gewesen. Nun, er war etwas älter als die anderen der Generation um ihn und Lucius.

Die andere Seite hatte auch gelitten. Snape unterdrückte ein böses Lächeln. Mehr, viel mehr als die Slytherins. Black war ein Wrack gewesen, nach zwölf Jahren Askaban. Pettigrew…kleine, schleimige Ratte. Kahlköpfig. Und der hatte mal blonde Locken gehabt. Im ersten Jahr in Hogwarts hatte er wie eine verdammte Putte ausgesehen. Lupin…man brauchte gar nicht darüber nachdenken, die Lykantrophie war dem Werwolf schon mit Anfang zwanzig ins Gesicht geschrieben gewesen.

Aber Lucius…Lucius schien fast unberührt vom Fluch der Zeit. Ebenso wie Narcissa. Die blonde Hexe war noch ebenso schön wie am Tag ihrer Hochzeit mit Lucius, vielleicht sogar noch schöner. Jenseits der dreißig gewann sie an Eleganz und Grazie mehr, als sie an reiner Jugendlichkeit verlor.

Severus fragte sich, wie Lilly Evans wohl ausgesehen haben würde, an ihrem dreißigsten Geburtstag.

Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken.

„Master Malfoy?"

Eine Hauselfenstimme.

Lucius erhob sich und ging zur Tür. Er öffnete sie und trat auf den Gang.

„Tessi. Was machst du hier?"

„Dringend. Der Dunkle Lord wünscht Euch zu sehen."

Severus beobachtete durch den Spalt, wie Lucius seinen Unterarm kontrollierte.

„Das Mal wird nicht brennen", piepste die Elfe. „Der Meister wartet in Malfoy Manor auf Sie. Mit Ihrem Sohn, soll ich ausrichten."

Lucius drehte sich zu Severus herum. Wenn der Tränkemeister jemals pure Panik in den grauen Augen des anderen gesehen hatte, dann hier und heute.

„Wenn er dich oder Draco hätte töten wollen, hätte er es vorhin vor allen anderen getan. Beeil dich besser." Severus konnte die Sorge nicht ganz aus seiner Stimme verbannen. Was zum Teufel war das? Hatte Lucius nicht gestern Abend erst versucht, ihm umzubringen?

Der blonde Slytherin griff nach seinem Umhang.

„Du bist Dracos Pate, Severus."

Severus lachte bitter auf. „Nur Black wäre eine schlechtere Wahl gewesen."

Lucius ging hinaus und schloss wortlos die Tür hinter sich.

Severus erhob sich mühsam von seinem Lager. Eigentlich ging es gar nicht so schlecht. Seine Rippenbrüche waren infolge der Heiltränke und –zauber praktischerweise verheilt, und er hatte kein Fieber mehr.
Wenn man bedachte, dass er vor wenigen Stunden unten im eisigen Meerwasser aufgehängt worden war, fühlte er sich erstaunlich kräftig.
Auf einem Stuhl lag seine Robe. Lucius hatte sie tatsächlich reinigen lassen, zusammen mit seinen anderen Kleidungsstücken. Snape spürte, wie sich seine Augenbraue hob. Manchmal verstand er Lucius einfach nicht. Es gab wenig, womit man einen Gefangenen so gut wappnete – von einem Zauberstab einmal abgesehen – wie mit seinen vertrauten, eigenen Kleidern.

Er durchsuchte die Regale des Büros. Er glaubte nicht, dass Lucius achtlos genug war, einen zweiten Stab hier irgendwo zu lagern, geschweige denn den seinen. Aber immerhin fand er ein Fläschchen Schattenwasser, das in einer Schublade weit hinter Notizen und allerlei Kleinkram gerutscht zu sein schien. Ob Lucius überhaupt von diesem Schatz wusste? Severus steckte das Flakon ein. Schattenwasser war fast so gut wie ein Tarnumhang.
Jetzt die Tür. Er wusste nicht, wie weit er ohne Stab kommen würde. Der Kamin draußen im Gang hatte Verbindung zu etlichen Zaubererhäusern. Falls es ihm gelang, an das Floopulver zu kommen, konnte er verschwinden, in einem der Häuser versuchen, einen Stab zu erbeuten.
Und dann? Sollte er sich allein Voldemorts Armee entgegen stellen? Nein, er musste Potter finden. Der Junge benötigte mit Sicherheit Hilfe, er war derartig gut darin, sich in Schwierigkeiten zu bringen.

Minuten später hockte Severus fluchend und grollend auf seiner Liege. Malfoy hatte die verdammte Tür so sorgfältig gesichert, dass Severus mit seinen wenigen Handzaubern, die er stablos weben konnte, nicht hinauskam. Hätte er nur die Magie eines Hauselfen gehabt!
Draußen auf dem Gang war es ruhig. Severus sah zum Stundenglas. Um sieben würde die Wache wechseln, vielleicht kam einer der Wächter ahnungslos ins Büro und er konnte ihn überraschen?

Zwei Stunden später musste Severus einsehen, dass man Lucius nicht störte – oder dass der Slytherin zeitig nach Hause zu gehen pflegte. Er lehnte sich gegen den Schreibtisch. Merlin, er war müde. Vielleicht sollte er einfach versuchen zu schlafen?
Das Feuer im Kamin draußen prasselte auf. Lucius? Oder ein anderer später Besucher? Er spürte, wie die Wachzauber von der Tür genommen wurden, das Siegel brach. Es ging so schnell, das konnte nur Lucius selbst sein. Doch die Gestalt in dem dunkelblauen Umhang mit den langen hellblonden Haaren war zierlicher.

„Cissy!"

„Severus."

Er war aufgesprungen.

Ein Blick, ein Nicken, und sie lag in seinen Armen, er spürte ihre Lippen warm auf seinem Mund.

Götter, wie hatte sie ihm gefehlt!

Für einige köstliche, kostbare Augenblicke schrumpfte die Welt zusammen zu dem Fleck auf dem sie standen, war sie nur weiche Lippen auf seinem Mund, Hände im Haar der Geliebten verschlungen, ihr Herzschlag an seinem, und das Gefühl der Hitze, die ihn in Wellen durchströmte, als sie sich gegen ihn drängte. Und sie gingen weiter, weiter als es der Gefahr, dem Risiko angemessen war, doch aufzuhören, zu verzichten war keine Option, wenn diese Minuten die letzten sein konnten, die sie jemals miteinander teilen würden. Sie hatten so viele Jahre schon nahe am Abgrund getanzt, doch noch niemals so nah am Höllenschlund wie heute.
Er spürte, wie sie sich unter ihm wand und kam, und endlich ließ er sich fallen, Körper, Blicke, Seelen verschlungen, und er bedeckte ihr schönes Gesicht mit schmetterlingszarten Küssen.

„Cissy. Wie sehr ich dich liebe."

„Severus!" Panik in ihren plötzlich geweiteten Augen. Sie starrte ängstlich über seine Schulter zur Tür.

Merlin, lass es nicht wahr sein.

Severus blickte sich um.

In der Tür stand – das Gesicht eine Maske puren Entsetzens, gemischt mit ungläubigem Staunen – Lucius.

Der Stab – Cissys Stab, in ihrem Umhang. Severus sprang auf. Es war ein ungleiches Rennen, denn Lucius hatte seinen Zauberstab noch in der Hand.

„Expelliarmus", flüsterte er, und Narcissas Stab fiel ihm in die ausgestreckte linke Hand. „Bewegt euch, und ich schwöre, ihr seid tot."

Das Staunen und das Entsetzen in seinen Zügen waren einer Mischung aus Wut und Schmerz gewichen.

Merlin, dachte Severus, er ist so menschlich. Er sieht so verletzt und verzweifelt aus wie jeder betrogene Liebende. Dass Lucius Narcissa liebte, war nicht zu übersehen. Noch. Severus fragte sich, wie lange es dauern würde, bis die Liebe in Lucius' grauen Augen in kalten Hass umschlagen würde.

„Zieh dich an, Narcissa." Lucius' Stimme war nur ein Flüstern.

Er beobachtete still und äußerlich ruhig, wie seine Frau ihre Unterkleidung anlegte, Severus ihr ihre Robe reichte und sie die Knöpfe schloss. Severus vermutete, dass Lucius vermutlich in rasender Geschwindigkeit alle Optionen auslotete. Und richtig, sobald Narcissa angekleidet war, hatte Lucius seine Entscheidungen getroffen.

Er öffnete die Tür und rief die Wachen.

„Bringt Snape zurück in seine Zelle. Legt ihn in Ketten. Bringt Mademoiselle Delacour in eine andere Zelle – zu Lupin."

Severus zog eine Augenbraue hoch. Lucius' Kopf war immer noch klar genug, um zu denken. Es gab eine Menge Männer unter den Gefangenen, die das Tier in sich entdecken würden angesichts der Hoffnungslosigkeit ihrer Situation und von Fleurs Schönheit und Jugend. Lupin hingegen – der einzige, der wirklich ein Tier in sich barg – war bis zum Mondaufgang übermorgen Nachmittag eine feste Burg. Der Werwolf – was auch immer man über ihn dachte - hatte Charakter.

Severus zog seine Robe über das Hemd. Er hatte keine Zeit damit verloren, die Knöpfe zu schließen.

„Lucius, bitte..."

„Geh mir aus den Augen, Severus, sonst vergesse ich mich", zischte Lucius.

„Und jetzt zu dir, Narcissa."

Die Tür des Büros fiel hinter Severus und den Wärtern ins Schloss.

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Lupin blickte sich um und legte die Hantel zur Seite, als sich Schritte seinem Kerker näherten. Er war verwundert. Die Essenszeit war vorbei, und bis zum letzten Kontrollgang der Wärter blieben noch ein paar Stunden. Sein Kerker lag ganz hinten im allerletzten Gang, hierher verirrte sich niemand zufällig.
Zwei Personen näherten sich, die eine in einem dunklen Umhang mit Maske, die andere in einer meerblauen Samtrobe.

„Da geht's rein!" rief der Wärter barsch, nachdem er die Tür geöffnet hatte, und stieß die Frau fast vor Lupins Füße.

„Fleur!" Er beugte sich hinunter, um ihr aufzuhelfen.

„Professor...Remus Lupin." Sie schlang die Arme um ihn. Sein mondsüchtiger Körper reagierte umgehend auf das Mädchen.

„Bitte Fleur, den Professor lassen Sie mal stecken." Er brachte sie behutsam auf Abstand. Jemand musste ihr ins Gesicht geschlagen haben, sie trug auf jeder Wange Flecken, die blau und grün verfärbt waren.

„Merlin, c'est mauvais. Vous êtes d'accord?"

„Merci, ça va assez bien", antwortete sie. „Ich war mit Snape in einer Zelle, die ganze Zeit. Na ja, zwischendrin war wir in Malfoys Büro und…"
In schnellem Französisch erzählte sie ihm, was in den letzten Tagen geschehen war, wie sie gefangen genommen worden war, wie sie Snape am Leben gehalten hatte, dass man ihr Leben an seines gebunden hatte. Und sie erzählte von Peter Pettigrew, und wozu er sie gezwungen hatte.

Remus war besorgt. Wenn Peter Fleur gegenüber solche Begehrlichkeiten hatte, war seine Zelle kein guter Platz für sie. Peter tauchte ständig hier auf. Dass man Fleur und Snape getrennt hatte, war ebenfalls kein gutes Zeichen. Snape bot vermutlich einen Rest Sicherheit, den Remus ganz sicher nicht zu bieten hatte.

„Was ist das dort in dem Eimer?" fragte Fleur und warf einen Blick auf die Reste von Remus' ‚Abendessen'.

„Oh, es ist genau das, wonach es aussieht", sagte er mit einem halben Lächeln. „Hundefutter. Und Sie sehen sich besser nicht genauer um, es gibt hier leider weder ein Bad noch eine Toilette."

„Davon stirbt man nicht gleich", sagte sie forsch. „Paris vor dreihundert Jahren muss viel schrecklicher gewesen sein. Ich habe da mal ein Buch gelesen…"

Fleur entführte Remus Lupin für eine Weile in die Welt des vorrevolutionären Paris, zu Parfümeuren und Gerbern, und in eine ganz unglaubliche Kriminalgeschichte.

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Lucius Malfoy hatte Narcissa in seinem Büro eingesperrt. Er hatte die Tür mit einer Menge Sicherungszaubern versehen, und sehr bewusst mit anderen, als jenen, die er normalerweise in Malfoy Manor verwendete.

Er ließ nach Pettigrew schicken, ging in die Kerker hinunter und öffnete den Zugang zum Exekutionsraum. Genau was er benötigte. Mit einen paar machtvollen Transfiguationen verschloss er die schartenartigen Fenster.

„Sie haben mich rufen lassen?" Pettigrew trug den vollen Ornat der Todesser.

„Sichern Sie meine Sprucharbeit an den Fenstern durch Stabilisierungsmagie ab, Pettigrew. Ich weiß, wie gut Sie sind. Legen Sie einen wirksamen Stillezauber auf diesen Raum. Holen Sie zunächst Snape aus seinem Kerker, aber nehmen Sie dafür mindestens drei Leute mit, er ist gefährlich. Fixieren Sie ihn genau dort, wo er vor zwei Tagen schon einmal hing. Ich komme mit meiner Frau in zehn Minuten hier herunter."

Er ließ Pettigrew arbeiten und ging die Treppe wieder hinauf. Er öffnete das Büro, Narcissa saß an seinem Schreibtisch, den Rücken gerade, den Blick auf ihre perfekt manikürten Hände geheftet.

„Narcissa?"

Sie blickte auf. „Es tut mir Leid, Lucius."

„Was tut dir Leid? Dass du mich betrügst oder dass ich es herausgefunden habe? Merlin, Narcissa, ich habe etwas geahnt, seit ich vor zwei Tagen den Brief gefunden habe, aber ich konnte es einfach nicht glauben. Und ich wäre niemals auf den Gedanken verfallen, dass ‚S.' für Severus steht. Es war nicht seine Handschrift."

„Dafür sind wir Zauberer und keine Muggel", sagte Narcissa ruhig.

Er sah sie an. Wie sie so gelassen dort saß – sie musste sich doch der Konsequenzen ihres Handelns bewusst sein.

„Warum er? Warum musste es mein bester Freund sein, mit dem du mich betrügst?"
Verdammt, wie hatte sie ihm das antun können?

„Weil… Ich wollte dich nie heiraten, aber meine Mutter hatte schon alles in die Wege geleitet mit deinen Eltern. Die Blacks und die Malfoys, das war die beste Verbindung ihrer Ansicht nach. Ich habe mich gefügt. Ich habe es wirklich versucht, Lucius. Ich weiß, du hast dich bemüht. Ich hätte fast begonnen, dich zu lieben. Dann bist du ständig unterwegs gewesen, ich war immer alleine in diesem grässlichen Haus mit seinen dummen Hauselfen und dem ganzen schwarzmagischen Mist darin. Du hast ja keine Ahnung, wie einsam ich war! Für dich gab es immer nur Geld und Macht und noch mehr Macht. Severus kam gelegentlich, um dich zu sehen, und wie oft kamst du zu spät zu euren Treffen? Also habe ich ihm Gesellschaft geleistet. Als Draco geboren wurde hast du Severus zum Paten gemacht, und er kam öfter zu uns, und irgendwann...ich weiß nicht, es ist einfach passiert. Wie viele Male habe ich ihm gesagt, er soll nicht mehr kommen, und Wochen später schrieb ich ihm Eulen, dass er zu mir kommen möge. Du hast es uns verdammt einfach gemacht, Lucius, du warst ja so beschäftigt und so blind."

Mit zwei Schritten war er bei ihr und riss sie am Handgelenk in die Höhe.

„Gib nicht mir die Schuld für deine Verfehlungen, Narcissa! Ich war nicht blind, ich habe dir vertraut. Zehn Jahre hast du mir die glückliche Ehefrau vorgespielt. Und du warst eine verdammt gute Schauspielerin. Nicht ein einziges Mal hast du gesagt, dass dir etwas fehlt."

„Dann war das, was du vorgestern in deinem Bett vorgefunden hast, eine glückliche Ehefrau, Lucius? Wie fühlt es sich für dich an, wenn du mich nötigst, bei dir zu liegen? Ist es Triumph, Macht?" Sie versuchte, ihm ihr Handgelenk zu entziehen. „Du tust mir weh."

Er ließ sie los.

„Nein, Narcissa, was ich vorgestern in meinem Bett gefunden habe, sind die Scherben unserer Ehe. Ich sage nicht, dass ich keine Fehler gemacht habe. Aber wenn du mir gesagt hättest, dass du einen anderen liebst, wenn du es zu irgendeinem vernünftigen Zeitpunkt gesagt hättest – glaubst du nicht, ich hätte dich gehen lassen?"

„Niemals. Du gibst dein Eigentum nicht her."

Sie irrte sich. Merlin, kannte sie ihn denn so wenig? Er hätte sie gehen lassen. Liebe ließ sich nicht erzwingen. Er hatte das immer gewusst. Es war nur nicht im Fokus seines Denkens gewesen.

„Du bist nicht mein Eigentum, Narcissa. Du warst meine Frau. Aber wenn ich dich jetzt zu Severus gehen ließe, wäre es dein Todesurteil. Heute schützt diese Ehe, die dir so verhasst ist, dein Leben. Falls es morgen anders ist, dann geh. Ich werde niemanden mit den Abgrund nehmen, weder dich, noch Draco." Er holte tief Luft. „Ist Severus nur sein Pate, oder sein Vater?"

Narcissa sah ihn nicht an. „Ich …nach allem, was ich weiß, bis du Dracos Vater. Er…sieht dir ähnlich, nicht Severus."

Lucius schwieg. Er konnte es immer noch nicht wirklich fassen, aber er hatte es mit eigenen Augen gesehen. Narcissa und Severus, in seinem Büro. Die Ehefrau mit dem besten Freund, welch ein Klischee. Konnte das wirklich ihm passieren?

Narcissa betrog ihn. Narcissa, für die er gestorben wäre. Für die er sich von Voldemort hätte abschlachten lassen.

Er atmete tief durch und versuchte, alle Gefühle vollständig abzuschalten. Wenn er jetzt nicht professionell arbeitete, wenn er jetzt nicht jeden Fehler vermied, waren sie alle verloren.

„Der Dunkle Lord will Potters Aufenthalt, Narcissa. Er glaubt, dass Severus ihn kennt."

Sie sah ihn direkt an.

„Severus weiß es nicht. Ich bin mir sicher, er weiß nicht, wo Potter steckt. Merlin, Lucius, du willst ihn doch nicht foltern? Bitte sag mir, das du das nicht tun wirst!"

Es war das erste Mal seit langem, dass Lucius wirkliche Gefühle in Narcissas Gesicht sah. Emotionen, die von ganz tief unten kamen, nicht die lächerlichen Schatten von Gefühlen, die es sonst auf ihren ebenmäßigen Zügen zu bewundern gab.

„Es ist sinnlos, Severus zu foltern, glaub mir, ich habe es versucht." Das Entsetzen in ihrem Gesicht ließ ihn weiter sprechen. „Aber vielleicht, Cissy, vielleicht redet er ja für dich."

Fortsetzung folgt


Anmerkungen

Schattenwasser ist eine Erfindung von Textehexe. Es macht denjenigen, der es trinkt, nicht ganz unsichtbar, aber lässt ihn sozusagen mit der Dunkelheit verschmelzen. Eine schöne Idee, wie ich finde.

„Merlin, c'est mauvais. Vous êtes d'accord?"
Merlin, das ist fürchterlich. Sind Sie (soweit) in Ordnung?

„Merci, ça va assez bien"
Danke, es geht gut genug.

Wir sehen, Remus Lupin ist nicht nur zweisprachig, sondern er besitzt auch die Sensibilität, mit Fleur sofort in ihrer Muttersprache zu sprechen. Entzückend, nicht wahr? Schade, dass Fenrir das nicht zu würdigen wissen wird.

Das Buch, von dem Fleur erzählt, ist natürlich „Das Parfüm" von Süßkind.

Zu guter letzt: Severus und Narcissa. Wer hätte das gedacht? Lucius offenbar nicht, aber einige von Euch waren schon ziemlich nah dran. Jetzt also kennt Lucius die Achillesferse seines ehemaligen Freundes, und einen Grund, Severus zu verschonen, hat er sicher nicht mehr. Was also wird er tun?