Disclaimer: So sehr ich mir's auch wünschen würde, Harry Potter gehört mir nicht -vor Rowling verneig-

Beta: JenDeluxe (danke!!!)

So, langsam wird's ernst... Was ist nur mit mir los? ; )

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8. Fuchsbau

"Dumbledore, ist das wirklich nötig?", fragte Molly zum fünften Mal. Der alte Schulleiter seufzte. "Molly, du hast doch Freds Erinnerung im Pensieve gesehen. Er war vier Jahre weg, vier Jahre! Der Einzige, der Voldemort besiegen kann, und er überlässt uns vier Jahre lang unserem Schicksal, um in der Weltgeschichte herumzugondeln! Und dann kommt er wieder und meldet sich erst nach einer Woche bei einem Ordensmitglied? Und hinter seinem Ohr steckt Voldemorts Zauberstab. Voldemorts!"

Ein unruhiges Zucken ging durch die Anwesenden.

"Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht freue, dass er am Leben ist, glaub mir, Molly", seufzte Dumbledore. "Aber wir müssen vorsichtig sein. Was, wenn er England nie verlassen hat, sondern die ganze Zeit bei Voldemort war? Was, wenn das Voldemorts neuer Plan ist? Wir können ihm nicht vertrauen, bevor wir nicht Genaueres wissen."

Ein fauchen unterbrach Dumbledores Ausführungen. Mehrere Köpfe wandten sich zu dem orangeroten Kater um, der vor dem Kamin hockte.

"Krummbein, was hast du denn?", fragte seine Besitzerin erstaunt.

Der Kater war sonst eher ruhig und ziemlich faul. Doch jetzt saß er da, als lauere er einem Beutetier auf. Und tatsächlich bemerkte Hermine jetzt eine kleine graue Maus, die vorsichtig aus einer Ritze hinter dem Kamin hervorlugte. Als Krummbein zum Sprung ansetzte, verschwand sie jedoch.

Harry atmete langsam aus und versuchte, sein Herz dazu zu bewegen, langsamer zu schlagen. Das war knapp gewesen. Er hatte gar nicht gewusst, dass Krummbein so einen ausgeprägten Jagdsinn besaß... Oder war das der Spieltrieb gewesen? Nun, nicht so wichtig. Er hatte lange genug Mäuschen gespielt, um seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt zu sehen. Was sollte er jetzt tun? Wie er es sah, gab es zwei Möglichkeiten.

Er konnte die versammelten Ordensmitglieder im Fuchsbau mit Hilfe der Dunkelheit überwältigen und sie zwingen, ihn anzuhören. Dann konnte er ihnen erklären, weshalb er die Entscheidungen getroffen hatte, die zur momentanen Situation geführt hatten. Oder er konnte offenen Auges in die Falle laufen und hoffen, dass man ihm die richtigen Fragen stellte und ihn nicht voreilig nach Azkaban verfrachtete oder gar umbrachte.

Er seufzte. Wenn er das Treffen gleich mit einem Akt des Misstrauens in der Offensive begann, würde es ewig dauern, alle von seinen guten Absichten zu überzeugen. So wenig es ihm auch schmeckte, er musste seine ehemaligen Freunde glauben lassen, sie haben die Situation voll unter Kontrolle.

Allerdings war er nicht dumm genug, sich ihnen hilflos auszuliefern. Bilder von seinen ersten Tagen im Schloss Slytherin nach seiner Entführung erschienen vor seinem geistigen Auge. Er zog die Dunkelheit schützend um sich zusammen. Dann klopfte er beherzt an die Türe.

"Stupefy!" Harry hatte kaum die Türe geöffnet, da wurde er schon von mehreren Schockzaubern getroffen und fiel regungslos zu Boden. Er schloss die Augen und spielte einen totalen blackout. Langsam zählte er bis zehn. Dann nochmal. Und nochmal. Er spürte, wie er sanft aufgehoben und auf einen Stuhl gesetzt wurde. Jemand tastete ihn ab und entfernte seinen Zauberstab. Leises, wütendes Getuschel folgte. Ein Zauber wurde gesprochen; feste Seile schlangen sich um seinen Oberkörper und banden ihn an die Lehne des Küchenstuhls. Langsam wurde er ungeduldig. Er hörte Stühle rücken, mehr Getuschel; endlich ertönte das lang ersehnte 'Enervate'.

Harry öffnete die Augen.

Auf den alten Wohnzimmermöbeln der Weasleys stapelten sich sämtliche Weasleys außer den beiden ältesten Söhnen, dazu Hermine, Moody, Dumbledore, Professor McGonagall, Remus Lupin, Neville, Seamus und Angelina Johnson; zu seiner Freude entdeckte Harry auch Kingsley Shacklebolt.

Er bemühte sich um einen verwirrten Ausdruck. "Was ist denn hier los?"

"Harry, bist du's wirklich?", fragte Hermine nervös.

"Hey Hermine." Er lächelte sie wehmütig an.

"Du bist es!" Sie flog ihm um den Hals.

"Miss Granger, bitte setzen Sie sich wieder!", ertönte McGonagalls scharfe Stimme.

"Uh, Sorry Harry", flüsterte Hermine und kehre auf ihren Platz zwischen Ron und Seamus zurück.

"Hermine? Was geht hier vor?", fragte Harry leise.

Hermine schwieg und blickte betreten zur Seite.

An ihrer Stelle antwortete Minister Mad- Eye Moody. "Potter, Sie waren vier Jahre lang verschwunden. Sie verstehen es sicher, wenn wir ein gewisses Maß an Vorsicht für angemessen halten."

"Oh..."

"Um gleich zur Sache zu kommen, wo waren Sie? Und warum in Merlins Namen haben Sie Voldemorts Zauberstab?"

Harry schwieg einen Moment um sich zu sammeln. Er durfte jetzt keinen Fehler machen, sonst saßen sie alle noch übermorgen hier. Nur nicht das Gespräch aus der Hand geben. Er räusperte sich kurz und begann.

"Ich habe die magischen Praktiken anderer Völker studiert, um stärker zu werden. Mit meinem bisherigen Wissen war ich Voldemort nicht gewachsen. Jetzt kann ich mich mit ihm messen."

Moody unterbrach ihn. "Und haben Sie vor, sich mit ihm zu messen?"

Verdammt! "Ich werde nicht zulassen, dass er jemals wieder tötet, Alastor."

"Wie wollen Sie ihn aufhalten?"

Harry seufzte. Wie sollte er antworten? Er konnte das Spickoskop in Moodys Hand deutlich sehen. Wenn er nicht vorsichtig war, würde es pfeifen. Er musste so nahe es ging an der Wahrheit bleiben.

"Ich werde ihm einen Besuch auf seinem Schloss abstatten."

"Du weißt, wo es liegt?"

"Ich werde es wissen."

"Woher?"

Verdammt verdammt! Dieser Eiertanz war schwieriger als erwartet. "Ich kann mich in mehrere Tiere verwandeln. Ich kann unauffällig einem seiner Anhänger folgen." Das hatte er zwar nicht vor, doch es war nicht gelogen, dass er es konnte.

"Andere Frage. Warum hast du dich nicht sofort nach deiner Rückkehr bei Dumbledore oder mir gemeldet?"

Das war schwierig. "Ich war vier Jahre weg. Kommt es auf eine Woche an?"

"Ja."

"Warum?"

"Voldemort hat sich zwei Jahre lang nicht gerührt. Wir vermuten, dass er eine große Aktion plant. Vielleicht schon morgen. Wir brauchen alle Leute, die wir haben können. Wir brauchen dich, Potter."

Harry schwieg.

"Warum bist du überhaupt so plötzlich verschwunden?"

Harry schwieg weiter. Er grübelte, welche Halbwahrheit er jetzt von sich geben konnte. "Ich... es war nicht meine Idee, die Dursleys zu verlassen. Ich wurde gezwungen."

"Von den Dursleys?"

Schweigen.

"Oder von jemand anderem?"

Konnte er das ohne Risiko zugeben?

"Minister, das hat so keinen Sinn", ertönte plötzlich Percy Weasleys Stimme. "Er kann uns Dinge verschweigen oder uns anlügen. Ich schlage eine weitere Befragung unter Veritaserum vor."

Harry stöhnte. Musste das sein?

Sein Stöhnen blieb nicht unbemerkt und war nach einer hitzigen Debatte der Grund dafür, dass Percys Vorschlag angenommen wurde. Wenn er gekonnt hätte, hätte Harry den Kopf auf den Tisch vor sich gehauen. So schloss er nur ergeben die Augen und ließ sich einen Moment in den beruhigenden Wellen der Dunkelheit treiben.

Wenn es mir zu bunt wird, kann ich immer noch abhauen.

Dumbledore sollte ab jetzt die Befragung übernehmen. Er hielt Harry eine kleine Phiole an die Lippen. Gehorsam schluckte er das Veritaserum.

Dann begann Dumbledore mit den Fragen, die den versammelten Hexen und Zauberern wirklich am Herzen lagen.

"Harry, warum bist du vor vier Jahren verschwunden?"

Harry bekämpfte das Veritaserum nicht. Mal sehen, wohin das führt.

"Ich wurde von Voldemort entführt."

Ein scharfes Nach-Luft-Schnappen und Keuchen ertönte aus mehreren Kehlen.

"Was ist dann passiert?"

"Ich wurde zwei Wochen lang auf Schloss Slytherin gefangen gehalten."

"Wie bist du frei gekommen?"

"Voldemort ließ mich gehen."

Wieder ein kollektives Aufkeuchen.

"Warum ließ er dich gehen?"

"Weil er mich nicht halten konnte."

"Er konnte dich nicht halten?"

"Nein. Ich bin zu stark für ihn. Allerdings wusste er das früher als ich..."

"Wenn du sagst er konnte dich nicht halten, meint du damit, du hast ihn bekämpft?"

"Nein, im Gegenteil."

"Im Gegenteil?"

Harry betrachtete unbehaglich die betroffenen Gesichter seiner Freunde. Es tat ihm leid, was er als nächstes sagen musste.

"Ich habe mich mit ihm auf einen Waffenstillstand geeinigt."

Die Enttäuschung auf den Gesichtern der Weasleys schmerzte. "Harry!", rief Hermine entsetzt. "Warum?"

"Mehrere Gründe. Nach zwei Wochen Hunger, Folter, Schlafentzug und Angst" -ein entsetzter Aufschrei machte die Runde- "war ich recht froh, nicht nur mit dem Leben davon zu kommen, sondern auch noch niemanden verraten zu müssen." Er machte eine kurze Pause, was eigentlich nach Einnahme von Veritaserum nicht möglich sein sollte. Doch er war zu sehr in seine Gedanken und in die schützende Dunkelheit eingehüllt, um es zu merken.

"Und der andere Grund?", hakte Dumbledore nach.

"Ich war es leid, als Waffe missbraucht zu werden. Ich habe mein Leben lang nie das tun können, was ich wollte. Voldemorts Entführung gab mir eine Gelegenheit, mich allen Erwartungen und Zwängen zu entziehen. Ich wollte reisen. Wenn mich dabei kein Dunkler Lord verfolgte, der mir nach dem Leben trachtete, um so besser."

"Warum... warum hast du uns keine Nachricht geschickt? Dass es dir gut geht?", fragte Ron mit zitternder Stimme.

Harry sah ihn ernst an. "Ich habe mich erst gemeldet, als ich bereit war, zurück zu kehren. Ich wollte nicht, dass der Orden oder das Ministerium mir folgte, um mich zurück zu schleppen."

"Harry...", machte Hermine traurig.

"Was hatten Sie vor, jetzt zu tun, Potter?", fragte Moody.

"Ich hatte vor, Voldemort zu besuchen und seine neusten Pläne zu begutachten."

"Gut, was haben Sie vor?"

"Ich denke, ich werde Voldemort mit allem, was ich habe, in seinen Projekten unterstützen."

"HARRY!" Diesmal war der Aufschrei gewaltig.

"Warum, Potter!, sollten Sie so etwas tun?", fragte Moody wütend. Sein magisches Auge rollte irre und seine Lippen verengten sich zu einer schmalen Linie.

Harry schloss die Augen. Die Enttäuschung und Wut seiner Freunde tat weh, obwohl er wusste, dass sie allein aus Unverständnis entsprang.

"Voldemort hat sich verändert. Seine neuesten Projekte beinhalten die Arbeit gegen die Diskriminierung magischer Wesen, die Reform des Rechtswesens, Unterstützung des neuen Ministers"- er beobachtete mit stillem Amüsement die misstrauischen Blicke, die Moody plötzliche erntete- "außerdem sorgt er momentan für rund fünfzig Waisenkinder. Ich wage zu behaupten, dass er seit gut zwei Jahren zu einem der vorbildlichsten Mitglieder der magischen Gesellschaft Englands geworden ist."

Jetzt starrten ihn alle mit großen Augen an. "Harry, bist du verrückt geworden?", fragte Remus Lupin mit schmerzverzerrter Stimme.

Harry sah ihn sanft an. "Ganz ehrlich? ... Keine Ahnung. Vor vier Jahren, als ich England verließ, hätte ich ja gesagt, Remus. Jetzt glaube ich es nicht mehr. Aber wer kann so etwas bei sich selbst schon objektiv beurteilen? Ich warte immer noch darauf, dass Sirius irgendwann zurückkommt. Das spricht nicht gerade für meine geistige Gesundheit. Aber ich weiß im Moment sehr genau, wo ich bin, was ich möchte und wie ich hierher gekommen bin, also ist wohl noch nicht alle Hoffnung verloren, oder?"

Er grinste seinen ehemaligen Lehrer und Freund schief an.

"Oh, Harry...!", seufzte Remus. Unsicher machte er einen Schritt auf Harry zu, wollte ihn umarmen; doch Moody schob ihn wieder zurück.

"Es sollte eigentlich nicht möglich sein, dass er Fragen welcher Art auch immer stellt. Unter Veritaserum kann man nur antworten. Ich fürchte, wir können ihm immer noch nicht trauen, Remus", stellte der Minister klar.

"Och nö...!", rief Harry. "Wenn selbst das nix hilft, dann will ich nicht mehr." Unter den verdatterten Blicken der Anwesenden schüttelte Harry die Seile ab, die ihn eben noch fest an den Stuhl gebunden hatten, lief zu einem freien Sessel und ließ sich hinein sinken.

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Vielen Dank an: Ina, goldentree -lach- , coco, blut, Allandra; Lin-Lin und die andere ina (hallo! -anstrahl-) für die reviews!!!!!! -freu-

coco: kann noch eine Weile dauern mit dem Slash, da ich zu Weihnachten einen wunderbaren Kuschel-plot bunny geschenkt bekommen habe und mein Hirn mich jetzt mit neuen Ideen bombardiert. Habe grade 'Phönixtränen' zuende geschrieben, vielleicht poste ich's irgenwann- 40s, das kommt dann davon, wenn man grade keine Lust hat, zwei Seiten für 'Fragwürdige Heimat' zu schreiben... -beschämt Däumchen dreh- Mh, der Slash-Teil wird dann jedenfalls auch hier auf ff net erscheinen. Also unübersehbar (hoffentlich).

Lin-Lin und ina: Danke für das Lob! Freut mich, dass es euch gefällt:D

nicki, Allandra: Danke! Ich bemühe mich... Allandra, meinen Glückwunsch fürs Herfinden! -grins- Weißt du auch sicher, worauf du dich mit dem Weiterlesen eingelassen hast...? -eg- -vorbereiteten Cliffie schwenk...- -Emily T-Shirt überstreif und weiterschreib-