Dorlimaus: hey süße, danke für dein rev. Ja, ich hab dich lange warten lassen. Hoffe dieses lange Kapitel kann dich ein bisschen gnädig stimmen ^^. Würde ja gerne mehr schreiben und auch mehr posten, aber es funzt eben manchmal nicht. Danke für deine lieben Wünsche, ich streng mich an, dir öfter Lesestoff zu bieten. *knuff*
- Kapitel 8 -
Dass das kleine Schiff nur geringfügig schneller war, als die Enterprise, machte die Jagd nicht gerade einfacher. Der Pilot am Steuer des silbernen Gleiters musste über extrem viel Erfahrung verfügen. Unerwartet schnell ließ er das Schiff aus dem Warp fallen, um nur wenige Sekunden später einen anderen Kurs einzuschlagen.
Hikaru Sulu war wohl nicht annähernd so erfahren, wie sein Gegenspieler, aber dafür ungemein talentiert. Der junge Steuermann ließ seine Finger geschwind über die Konsolen gleiten, absolut vertraut und intuitiv. In regelmäßigen Abständen übermittelte ihm Pavel Koordinaten, Geschwindigkeitsberechnungen, Winkel, Maschinenwerte. Es war ein Leichtes für Hikaru diese Werte zu erfassen und in korrekte Steuereingaben zu übersetzen. Aber auf Dauer…
Konzentration hieß das Zauberwort. Und Hikaru wusste, dass er normalerweise keine Probleme hatte, auch unter Stress ausdauernd zu agieren. Aber noch nie hatte er einen Verfolgungskurs so lange aufrechterhalten müssen. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er merkte, dass er des Öfteren blinzeln musste. Seine Beine begannen trotz der ergonomischen Sitze der Brücke Knie abwärts zu kribbeln. Wie lange jagten sie das fremde Schiff bereits?
Er riskierte einen kurzen Blick auf den Zeitmesser. Zehn Stunden… das waren zwei Stunden über der Zeit, die seine normale Schicht umfasste.
Verdammt. Wenn sie das Schiff doch nur endlich einholen könnten. Wenn der Pilot doch nur endlich den fatalen Fehler begehen würde.
„Mr. Chekov, Bericht", hörte er Kirk hinter sich.
Der Captain selbst war die ganze Zeit nicht von der Brücke gegangen. Hin und wieder war er aufgestanden um düster auf den Schirm zu starren, der das Flimmern des Warptunnels zeigte.
„Schiff entfernt sich, Keptin. Es baut seinen Vorsprung langsam aber sicher aus. Drei Stunden bis die Sensoren es verlieren werden", Pavel hörte sich beinahe so müde an, wie Sulu sich fühlte.
Wenn man bedachte, dass sie schon vor der Verfolgungsjagd Dienst getan hatten, waren sie nun sechzehn Stunden im Dienst. Aber niemand wollte aufgeben, keiner wollte die Müdigkeit und Ermattung eingestehen, die ihnen die Jagd abverlangte. Sie mussten Spock hinterher, oder sie würden ihn niemals wieder zu Gesicht bekommen.
„Was ist mit den Schilden", es war eine hoffnungslose Frage, aber Kirk stellte sie dennoch jedes Mal wieder.
„Sind oben, Sir", antwortete Chekov. „Wir können nicht beamen."
Verdammt, dachte Jim. Warum kann dieser Pilotenmistkerl nicht endlich einen Fehler machen. Er muss ebenfalls müde werden.
„Captain", hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich.
Er drehte sich um und blickte zu Uhura, deren schönes schmales Gesicht an Frische eingebüßt hatte. Dunkle Schatten zeigten sich unter ihren schwarzen Augen. Sie war müde, ohne Zweifel.
„Ich muss um Entlassung von der Brücke bitten. Ich fürchte, ich kann meine Effizienz nicht länger aufrechterhalten. Die Qualität meiner Arbeit wird sinken."
Gerade sie, überlegte Jim im stillen. Sie von allen wagte es als erste, von der Brücke zu gehen? Jim hatte eher erwartet, dass er sie als letzte von hier hätte wegtragen müssen.
Sein Zögern war genug, um ihr seine Verwunderung kund zu tun.
„So kann ich Spock nicht helfen", erklärte sie matt. „Wenn ich etwas Wichtiges übersehen würde, das diese Verfolgung scheitern ließe, ich könnte es mir nicht verzeihen", nur wer sie gut kannte, hörte das sachte Schwanken in ihrer sonst so klaren Stimme.
Sie hatte Recht. Wenn sie jetzt aus Müdigkeit anfingen Fehler zu begehen, nützte es Spock rein gar nichts. Er sah sich um. Sulus Körperhaltung zeigte eindeutig, dass auch er erschöpft war.
„Erlaubnis erteilt Lieutenant. Für den Rest hier gilt, sobald Sie Müdigkeitserscheinungen spüren, verlassen Sie ihren Posten. Wir dürfen uns keine Fehler erlauben. Nehmen Sie sich die Zeit zum Ausruhen. Das ist ein Befehl."
Darauf hin verließen drei weitere Leute die Brücke. Scotty meldete sich ebenfalls vom Dienst ab, auch wenn er extrem missmutig klang. Sulu und Chekov aber blieben und setzten unentwegt neue Kurse, ließen die Enterprise aus dem Warp fallen und nahmen wieder Fahrt auf. Unermüdlich. Beinahe.
Als die Türen hinter ihnen zischend auffuhren, ahnte Kirk bereits, was sie erwartete. Die schnellen festen Schritte kannte er. Niemand sonst betrat einfach die Brücke, ohne sich anzumelden.
Pille blieb neben ihm stehen, die Arme verschränkt starrte er Jim an. Seine Augen waren wie zwei Faser, die danach trachteten, ihn langsam und schmerzvoll zu durchbohren.
„Ich kann nicht, Pille", Jim bemerkte, wie müde er sich anhörte.
„Als Schiffsarzt muss ich dich darauf hinweisen, dass du seit vierundzwanzig Stunden wach bist. Davon bist du bereits über siebzehn Stunden im Dienst. Jim, das kann so nicht weiter gehen."
„In einer Stunde fünfundvierzig Minuten verlieren wir das Schiff, wenn es außerhalb der Sensorenreichweite gerät. Wir müssen eine Möglichkeit finden, es vorher zu stoppen", Kirks Stimme war müde, aber auch unendlich bitter.
Sie beide wussten, was es bedeuten würde, das Schiff bis dahin nicht zu finden. Die Jagd würde sich zu ihren Ungunsten entwickeln. Warpsignaturen konnten verwischen, wenn man genug Zeit herausgeholt hatte. Zudem war es schwerer anhand der Warpsignaturen zu verfolgen.
„Ich wusste, dass du das sagen würdest", meinte Pille schroff und plötzlich spürte Jim den nur allzu bekannten Schmerz, als ihm unsanft und unvorbereitet etwas in den Hals injiziert wurde.
Reflexartig schlug er danach, als er erschrocken und empört aufsprang. Es prickelte einen Moment noch kühl auf seiner Haut, als die Substanz sich in seinen Blutkreislauf begab. Vorwurfsvoll starrte er Pille an. Hatte er ihm gerade wirklich ein Schlafmittel gegeben?
„Reg dich ab. Es ist eine Mischung aus Tendalogin und Koffein. Ich mache diese Mätzchen noch genau vier Stunden mit und unterstütze dich dabei, in Ordnung? Danach ist Zapfenstreich. Ich muss euch dann alle von der Brücke verweisen, wenn ihr nicht freiwillig geht."
Tatsächlich spürte Jim, wie ein wenig Leben in seinen Körper zurück zu kommen schien. Er atmete plötzlich leichter, seine Augen waren nicht mehr so schwer. Als Pille Sulu rücksichtslos das Hypospray in den Nacken jagte, dauerte es nur Sekunden, bis dessen Schultern sich wieder spannten.
„Ich bin noch nigt mude", meinte Chekov und winkte ab.
Pille sah, dass der junge Offizier noch keine so deutlichen Ermüdungserscheinungen aufwies und ging zurück zu Jim.
„Die Jugend von heute", murmelte er. „Wahrscheinlich kann der kleine ohne Weiteres drei Schichten hintereinander arbeiten."
Jim sah seinen jugendlichen Taktikoffizier an, wie er eng verkantet mit Sulu arbeitete. Er musste ein wenig lächeln. Sie arbeiteten hart, taten alles, was in ihrer Macht stand. Effektiv und fehlerlos. Trotz ihrer Jugend war Jim davon überzeugt, die beste Brückencrew von ganz Starfleet zu haben.
Und dennoch entglitt ihnen das schlanke silberne Schiff mit jeder Sekunde ein Stück mehr. Und mit sich nahm es seinen Ersten Offizier. Seinen Freund.
STSTST
Man hatte ihm ein neues Oberteil zukommen lassen. Viel zu weit und ein wenig zu lange fiel der abgenutzte Pullover an ihm herab. Der Saum an seinem Hals war ausgeleiert und legte sich weit um ihn herum. Das hellgraue Kleidungsstück passte nicht, war nicht annähernd so bequem und kleidsam wie die Sternenflottenuniform. Aber wenigstens hatte man ihm etwas gegeben. Und wenigstens übte es keinen Druck auf seine verletzten Rippen aus.
Spock wurde es allmählich lästig. Die Warpsprünge wurden weniger, dafür verblieben sie allerdings immer länger auf Warp. Caer schien ihn seiner ganz eigenen Foltermethode aussetzen zu wollen.
Er ließ ihn nicht allein. Schon seit Stunden saßen sie zu zweit in Spocks zugewiesenem Quartier, seinem neuen Zuhause, wie Caer es zu nennen pflegte. An Privatsphäre war nicht zu denken. Caer weigerte sich zu gehen und redete und redete. Es war eine wahrlich menschliche Angewohnheit, auch wenn Spock bezweifelte, dass diese so lange durchhalten mochten. Wie viel Zeit war wohl vergangen? Er konnte nur schätzen, dass es mehr als zehn Stunden waren. Und Caer zeigte keine Müdigkeit. Er redete unentwegt, monoton, mit dieser samtenen kalten Stimme auf ihn ein. Die Themen reichten weit. Von galaktischer Politik bis hin zu Unwichtigkeiten.
Das Quartier an sich war spartanisch ausgestattet. Eine schmale Pritsche diente als Ruhestätte, eine kleine Duscheinheit grenzte an einem viel kleineren Raum an. Eine deaktivierte Konsole an der Wand. Ein Regal. Das war es auch schon. Grau in grau gehalten.
Spock sprach kein Wort. Er würde Caer diese Genugtuung nicht geben. Aber er fühlte sich allmählich sehr erschöpft. Der Tag dauerte nun schon sehr lange und auch wenn Caer es nicht für nötig hielt, dass Spock ihm antwortete, so stellte er dennoch sicher, dass dieser seinen Worten lauschte.
Immer wenn Spock abdriftete, sich in eine Heilungstrance versetzen wollte oder gar einzuschlafen drohte, wuchs in seinem Nacken ein Prickeln an, bis es schier unerträglich wurde und er sich gezwungen sah, in einem kurzen Aufschrecken den Kopf zu heben.
„Ich halte nichts von Eile", Caer lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück und sah an die Wand. „In der Tat hat Zeit für meine Spezies wenig Bedeutung. Wir sind sehr langlebig. Irgendwann wird es sowieso langweilig, warum also beeilen?"
Immer wieder hatte Caer kleine Hinweise zu seiner Spezies offenbart, aber niemals ihren Namen genannt. Spock wusste noch immer nicht, was dieser menschlich aussehende Mann war. Er bezeichnete seine Rasse als langlebig, weit verstreut, intuitiv. Aber nie nannte er die genaue Bezeichnung.
„Irgendwann wirst du mit mir reden. Und das ist nur eine Frage der Zeit."
Spock wandte den Blick von Caer ab. Sein Körper wurde wirklich müde. Wie wohl der Schlafrhythmus von Caer war? Ob er niemals schlief? Zudem bemerkte Spock, dass sein Magen sich flau anfühlte. Nicht nur hatte er nun seit einiger Zeit nicht geschlafen, sondern auch nicht gegessen. Mental rechnete er durch, wie lange der vulkanische Körper so durchhalten konnte.
Als Caer sich plötzlich streckte sah Spock wieder auf. Der Außerirdische erhob sich aus dem Stuhl und sah fast liebevoll zu ihm herab.
„Ayacael, ich fürchte, dein Betragen ist so nicht akzeptabel. Wenigstens deinen Namen hättest du mir nennen können. Wie es aussieht bist du ein sehr stures Exemplar eines Vulkaniers. Nun ja, vielleicht schaffst du es ja, mich eine Weile zu ergötzen", Caers Blick wurde matt und er schien abzuschweifen. „Es ist alles so langweilig", flüsterte er.
Spock fragte sich, was wohl mit ihm passieren würde, wenn er sich nicht als unterhaltsam herausstellte. Aber im Moment war er nicht gewillt, sich Caers Laune zu unterwerfen. Er war Sternenflottenoffizier. Er gehörte auf die Enterprise.
„Es wird Zeit für mich zu schlafen", bei diesen Worten entspannte Spock sich unwillkürlich. „Du allerdings hast dir keine Ruhe verdient, Ayacael. Es steht noch die Strafe für das aus, was du mit Hralem getan hast. Geral meint, sein Auge ist hin. Ich muss am nächsten Außenposten wohl eine Protese besorgen, wenn er wieder richtig sehen soll. Was meinst, du, wie ich eine Strafe für diese Tat bemessen soll?" Caer sah den Vulkanier an, erwartete aber keine Antwort. „Nun, ich habe recherchiert. Vulkanier sind weitgehend resistent gegen Gewalt. Ich würde dich wohl ernsthaft schädigen müssen, bevor du in meine Forderungen eingibst, deinen Namen preiszugeben. Euer Wille ist so stark und diszipliniert. Ich bezweifle, dass ich dazu in der Lage bin, dich in den Wahnsinn zu reden. Aber…" er machte eine Pause und wandte sich zu den Kontrollen des Raumes um. „Ich weiß von einer Schwäche der Vulkanier."
Auf der Stelle spürte Spock die Veränderung des Raumes und wahrlich, sie gefiel ihm nicht. Es war vor allem in seinem übermüdeten Zustand mehr als unangenehm. Die Temperatur fiel schlagartig um fünfzehn Grad ab und legte sich kühl um ihn. Spock war entschlossen, Caer nicht zu zeigen, dass ihm diese Temperatur ganz und gar nicht zusprach.
„Nun, denn", Caer wandte sich zum Gehen um. „Ich wünsche eine gute Nacht."
Der Mann verließ kaum die kleine Kabine, als Spock etwas höchst Irritierendes in seinem Nacken spürte, was ihn für einen ganz kurzen Augenblick zusammenschrecken ließ. Ein Summen. Hochfrequent tauchte es in seinem Kopf auf, während es in seinem Nacken prickelte.
Das war Caers Strategie. Er mochte nicht Gewalt anwenden, aber das hieß nicht, dass sich seine Bemühungen ihn zum Reden zu bringen nur auf seine Überredungskunst beschränkten. Er setzte auf eine langsame, auslaugende Strategie.
„Nicht diejenigen Feinde sind am meisten zu fürchten, die impulsiv und aggressiv agieren. Diese sind berechenbar, denn sie lassen sich immer von Gefühlsausbrüchen leiten", hatte man ihm in taktischer Psychologie auf der Akademie beigebracht. „Viel eher sollte man sich vor dem Feind in Acht nehmen, der kalt und berechnend ist. Denn diese denken nach, bevor sie handeln. Und dann wird die Sache wirklich anstrengend."
Hinter Caer schloss sich die Tür und dann war Spock alleine. Der Raum war im Vergleich zu seinem Quartier sehr beengt. Spock wartete einige Minuten bevor er sich erhob und den Türöffner betätigte. Das hatte er erwartet. Warum auch sollte Caer ihn durch die kühle Temperatur bestrafen, wenn er ihm die Möglichkeit gab, sich aus dem Raum zu entfernen. Spock sah sich um. Bei jeder Bewegung pochte es in seiner Brust. Er musste sich unbedingt ausruhen, um seinem Immunsystem die Möglichkeit zu geben, die Wunden zu heilen. Nach kurzer Untersuchung des Quartiers stand fest, dass es keine unmittelbare Möglichkeit zur Flucht gab. Wenn er ein Werkzeug gehabt hätte, wäre ihm vielleicht die Flucht durch eine der Jeffreysröhren geglückt. Aber wie weit wäre er wohl gekommen in diesem Schiff der Mittelklasse? Mit einer angebrochenen Rippe?
Resigniert schnaufte er und ließ sich zurück auf die harte Pritsche fallen. Er zog die dünne Decke um seine Schultern, sie hätte bei normalen Temperaturen wohl bestens ihren Zweck erfüllt. Bei dieser hier aber erwies sie sich als nicht dick genug. Spock fror. Er versuchte so still wie möglich zu sitzen in der Hoffnung, dass sich die Wärme unter der Decke sammeln würde.
Das Summen in seinen Schläfen war zunächst nur unangenehm gewesen, aber jetzt, wo er versuchte zur Ruhe zu kommen, erwies es sich als überaus störend. Allgegenwärtig und nicht zu dämmen.
Das würde eine lange Nacht werden…
STSTST
Spock erwachte aus einem unruhigen, leichten Dösen. Es Schlaf zu nennen, wäre des guten Willens zu viel gewesen. Wenn er gekonnt hätte, er wäre noch liegen geblieben. Aber die unangenehme Kälte des Raumes und das beständige Summen in seinem Kopf machten den Sinn der Erholung zunichte. So konnte er nicht schlafen, nicht ruhen, ja nicht einmal meditieren.
Im ersten Moment, als er sich aufzurichten versuchte, wurde ihm schwindelig. Ihm war schlecht vor Müdigkeit und sein Körper war ungewohnt steif. Schwer stemmte er sich auf die Ellenboden auf seiner Pritsche. Er fühlte sich wie nach einem vulkanischen Fitnesstest, wobei die körperlichen Grenzen ausgetestet wurden und man sich am nächsten Tag kaum bewegen konnte. Alles an ihm schien schwer und unbeweglich. Es bedurfte einiger Willenskraft, sich zu erheben und den steifen Gliedern Leben abzuverlangen. Zudem bemerkte er, dass sich am Zustand seiner Rippen nicht wirklich etwas geändert hatte. Das Atmen fiel ihm schwer und jede Bewegung des Oberkörpers bereitete stumpfe Pein.
Jeglicher Versuch, sich in eine Heiltrance fallen zu lassen, war durch das beständige Summen in seinem Kopf zunichte gemacht worden.
Es war nicht einmal nur der Schlafentzug allein, wusste Spock, der ihm so zusetzte. Es war die zu niedrige Temperatur in diesem Raum. Auf der Enterprise war die Standardtemperatur bereits zu nieder für Vulkanier und er zog es vor sein Quartier stets auf die bevorzugten dreißig Grad zu erwärmen. Hier drinnen waren es derzeit höchstens acht. Und das zehrte an seiner Stärke.
Das Logischte war, der Kälte und der Müdigkeit entgegenzuwirken. Spock erhob sich vollständig und stellte sich in die Mitte des kleinen Quartiers. Er hatte nicht gerade viel Platz für seine Übungen, aber das musste ausreichen.
In einer fließenden Bewegung breitete er die Arme aus und nahm eine kerzengerade Haltung ein. Er versuchte den Schmerz in seiner Brust aus seinem Bewusstsein zu tilgen. Irgendwo musste er anfangen, zu regenerieren. Und wenn es nur bedeutete, diese Kälte in sich zu bekämpfen.
In einer kurzen schnellen Schrittfolge vollführte er fünf Schlagbewegungen, um wieder kerzengerade stehen zu bleiben. Er war langsamer als sonst und in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Dann machte er einen Ausfallschritt nach vorn, während er seinen Oberkörper zeitgleich zur Seite neigte, um eine der einfacheren Kata-Figuren einzuleiten. Diese stellte sich jedoch durch die starke Bewegung des Oberkörpers allein schon als ungewohnt schwer heraus.
Aus der Grätsche gleitend, bog er sich rückwärts und stemmte sich in einen Handstand hoch. Spock bemerkte, dass seine Arme dabei zitterten, bevor er sie wieder unter Kontrolle bringen konnte. Über Kopf erlaubte er es sich, kurz durchzuatmen, bevor er sich abrollte und nur wenige Zentimeter vor der Zimmerwand wieder in den Stand wechselte. An dieser Stelle verzichtete er auf die Sprungfolge, für die das Quartier viel zu klein und auch zu nieder war und ließ sich beinahe in einer simultanen Bewegung rückwärts wieder in den Handstand gleiten. Aus diesem löste er sich elegant indem er die Beine der reihe nach zu Boden führte. Er stoppte in einem sicheren Stand, die Beine weit auseinander, hintereinander in die Knie gegangen und die Arme nach vorn gestreckt, als drücke er jemanden von sich weg. Kurz schwankte seine Sicht, als der Schwindel von vorhin zurückkehrte. Durch langsame kontrollierte Atmung gelang es ihm, diese Beeinträchtigung zu unterdrücken.
Aus dieser Haltung war es ein Leichtes, die anschließende Schlagfolge auszuführen. Spock spürte, wie sein Körper sich langsam löste und ein wenig seiner gewohnten Geschmeidigkeit zurückerlangte. Auch wenn sich seine Schläge langsam und schwach anfühlten, vollführte er sie mit angebrachter Präzision. Im Fluss der Übung aufgehend, vergaß er einen Moment gar das Prickeln in seinem Nacken, das die ganze Nacht seinen Geist auf sich gezogen hatte.
Am Ende der Kampfsequenz glänzte trotz der Kälte des Raumes und der Anspruchslosigkeit der Übung eine dünne Schicht Schweiß auf seiner Haut und Spock war mit dem Ergebnis zufrieden. Die Übung hatte seinen Körper etwas erwärmt, den Kreislauf in Schwung gebracht und ihn erfrischt. Dennoch war das flaue Gefühl in seinem Bauch merkwürdig. Spock wurde gewahr, dass er seit Stunden nicht gegessen hatte und der leichte Schwindel auch daher rühren konnte. Er nutzte die karge Duscheinheit, die in einem winzigen angrenzenden Raum nebst einer Toilette eingebracht war und besah sich seine Verletzungen mit einem kleinen Spiegel. Für McCoy wäre es einfach gewesen, die verletzten Rippen zu heilen. Eigentlich war es auch für ihn selbst kein Problem, wenn er über volle Konzentration verfügte, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Aber im Moment war er nicht einmal im Stande, die Wunde auf seiner Wange selbst zu behandeln.
Grün und aggressiv leuchtete das Hämatom unter dem linken Auge.
Spock beschloss, dass er daran nichts ändern konnte und wandte sich der Türe zu.
Die Nacht über war die Tür verschlossen gewesen, aber hatte Caer nicht gesagt, er dürfe sich im Schiff bewegen? Vielleicht hatte er seine Meinung geändert. Aber als Spock versuchsweise den Öffner betätigte, glitt die Tür überraschender Weise zur Seite.
Er fand sich in den hellen Korridoren des Schiffes wieder. Sofort begann er darüber nachzusinnen, wie er die freie Beweglichkeit für sich nutzen konnte. Der Maschinenraum und die Pilotenkabine waren für ihn tabu. Natürlich durfte nicht erwartet werden, dass er das einfach so hinnahm. Sie waren seine größten Chancen, das Schiff zu sabotieren oder eine Nachricht an die Enterprise zu senden.
Aber bevor er auch nur einen weiteren Schritt tun konnte, begann die Welt sich wieder um ihn zu drehen. Der Schwindelanfall war so heftig, dass er mit unbeholfenen Schritten an die Wand wankte und dort verharrte. Es dauerte diesmal Sekunden, bis es nachließ. Vielleicht waren körperliche Übungen angesichts der Umstände nicht das Klügste gewesen. Spock hatte nicht gegessen und es war wichtig, Energie zu sparen. Er musste seine Strategie überdenken. Wie sollte er fliehen, wenn er kaum in der Lage war, ein paar Minuten fest zu stehen. Geschweige denn mit diesem Gerät im Nacken und den geprellten Rippen.
Also revidierte er seine Taktik und klaubte in seinem Gedächtnis die Erinnerungen an den Weg zur Kombüse zusammen. Eine der ersten Regeln der Sternenflotte: bei Kräften bleiben, so gut es geht.
Er fand den hellen kleinen Raum schnell, aber zu seiner Enttäuschung war er nicht leer. Ein älterer Bajoraner stand in der Mitte, anscheinend gerade zum Aufbruch bereit und ließ den Satz abbrechen, als Spock die Tür öffnete.
„…an der nächsten Station die…" der grauhaarige Mann, dessen Haar bis zur Schulter reichte wandte sich um.
Als er Spock erkannte, oder vielmehr nicht erkannte, aber den Fremden das erste Mal selbst erblickte, wandelte sich sein Gesichtsausdruck drastisch. Zu Unfreundlichkeit.
„Ayacael", grüßte Caer ihn wie einen alten Freund und bedeutete ihm herein zu kommen. „Wie sieht es aus? Hungrig?"
Spock blieb im Türrahmen stehen, den Bajoraner misstrauisch beäugend, genauso, wie der ihn betrachtete. Nur dass der Bajoraner eindeutig feindselig war.
„Vor dem musst du keine Angst haben, Ayacael. Das ist Geral, der Schiffsarzt könnte man sagen", machte Caer sie bekannt.
„Seid Ihr sicher, Herr?" drohte Geral brüsk.
Spock entschied sich, dass er sich in Gerals Gegenwart hüten würde, aber der Bajoraner wahrscheinlich keine unmittelbare Bedrohung darstellte. Also trat er ein, näher an den anderen heran, als diesem lieb war.
Der Bajoraner schnaubte verächtlich und wandte sich zu Caer.
„Wenn Ihr keine weiteren Aufgaben für mich habt… ich habe nach Hralems Auge zu sehen", brummte er und Caer entließ ihn mit einem Wink, worauf der Bajoraner ungehalten aus dem Raum stürmte.
Dann hielt Caer eine längliche silberne Verpackung hoch und bedeutete Spock sie zu fangen. Der Vulkanier griff zielsicher nach dem Objekt und besah es sich.
„Proteinriegel", erklärte Caer. „Ich mache mir nichts aus üppigen Mahlzeiten, ganz zum Leidwesen meiner Besatzung. Manchmal sind sie kurz vorm Wahnsinn, dann muss ich wohl oder übel den Kurs auf einen kulinarisch mindestbemittelten Planeten setzen, damit sie was anderes bekommen."
Spock besah sich die Verpackung. Die fremden Schriftzeichen darauf waren ihm ein wenig vertraut. Orianisch. Anscheinend hatten sie „Proviant" mit an Bord genommen, als sie bei Orion gelegen hatten.
Leider konnte Spock etwas entziffern, das unter Umständen besser nicht entziffert hätte werden sollen. „Tierische Proteine" stand da. Das konnte man wohl kaum mehr als vegetarisch bezeichnen. Wenn dies das Einzige war, was man hier an Essen zu bieten hatte, würde Spock eher hungern, als etwas davon zu verspeisen. Er legte den Riegel auf eine der Flächen bei Seite und wusste für einen Moment nicht weiter. So würde er seinen Zustand nicht bessern können. Im Gegenteil.
Caer sah ihn fragend an.
„Was? Was ist? Nicht erlesen genug?" fragte er belustigt. „Na, das wird sich ändern."
In aller Ruhe machte er sich daran, seinen eigenen Riegel zu verzehren.
Spock sah keinen Grund, sich nicht nach etwas anderem umzusehen, das besser für ihn geeignet war.
Er öffnete Türen und Schubladen, fand unsinniger Weise Geschirr und Besteck. Aber in einem Schrank war etwas Annehmbares. Drei große Kisten mit einem orangenem Pulver waren mit „Energiegetränk" auf Bajoranisch beschriftet, so weit er es sagen konnte.
„Du solltest auf jeden Fall etwas zu dir nehmen", meinte der Außerirdische hinter ihm und Spock hörte das Rascheln eines weiteren Proteinriegelpapiers. „Sonst wirst du bald der Kraft entbehren, um diese beeindruckenden morgendlichen Übungen durchzuführen."
Spock, der auf einer der Kisten nach der Übersetzung der Inhaltsstoffe suchte, hielt kurz inne, was jedoch nicht sichtbar für Caer sein mochte. Also wurde er in seinem Raum überwacht. Er würde vorsichtiger sein müssen, was er tat.
Bei den Inhaltsstoffen fand er nichts Tierisches. Also suchte er nach einem Glas. Zunächst im falschen Schrank. Als er sich umdrehte, um einen anderen zu versuchen, stand da plötzlich Caer neben ihm, der sich das Pulver betrachtete. Spock ging aus Gewohnheit einen Schritt zur Seite, um ihn aus seinem privaten Raum zu verbannen.
„Aha, das findest du wirklich besser? Das Zeug schmeckt nicht mal mir und ich bin wirklich anspruchslos", er hielt zur Beteuerung seinen Riegel hoch.
Dann langte er nach einer Schranktür und beförderte ein großes Glas hervor.
„Wenn es dich glücklich macht", meinte er nur und stellte es vor ihm auf die Ablage.
Caer hatte anscheinend gut recherchiert, wenn es um vulkanische Schwächen ging. Was ihre Lebens- und Essgewohnheiten anging mochte er noch nicht weit fortgeschritten sein, oder sie mit Absicht ignorieren.
Spock rührte sich ein Glas des Pulvers an. Es schmeckte an menschlichen Maßstäben gemessen wirklich nicht, zumal sich der gelbe Staub nicht vollständig löste und im Mundraum und am Gaumen hängen blieb. Aber es war wohl als Überbrückungsnahrung akzeptabel, wenn auch nicht vollwertig.
Sein Magen schien anderer Meinung, fing er angesichts der flüssigen Nahrung an zu gluckern.
STSTST
Caer beobachtete wie Ayacael das Glas nicht auf einen Zug, aber vollständig leerte. Etwas am Gebaren des jungen Vulkaniers faszinierte ihn. Es waren diese anmutigen Bewegungen, kontrolliert und präzise. Dennoch nicht so steif, wie die eines normalen Vulkaniers. Was war an diesem so anders?
Das Kinn auf die Hand gestützt ließ er seinen Blick nicht von Ayacael ab. Der junge Mann war so stolz und unbeugsam, es war ja beinahe eine Schande, ihm das zu nehmen. Aber war nicht gerade das der Reiz bei diesem Spiel? Caer hatte sich schon so viele Wesen zum Zeitvertreib angeschafft. Aber niemals hatte ihn etwas so in den Bann geschlagen, wie der junge Vulkanier. Noch immer ließ ihn das Gefühl nicht los, dass da ein Geheimnis war. Warum waren diese Augen so ausdrucksstark, so unsäglich tief? Woher kam diese bisher ungesehene Anmut in seinen Bewegungen?
„Einzigartig", murmelte er gedankenverloren und Ayacael drehte sich zu ihm um, ein Schauer fuhr jedes Mal durch Caer, wenn der Vulkanier seine Augen auf ihn richtete.
Der intensive Moment wurde von einem gluckernden Geräusch aus Ayacaels Bauch davon gefegt. Caer sah verdutzt auf, als hätte er so etwas Profanes im Traum nicht erwartet. Sein Gegenüber wandte sich von ihm ab, aber überraschender Weise nahmen die Spitzen der Ohren ein liebliches Grün an.
Meine Güte, er kann erröten, dachte Caer bei sich. Oder ergrünen?
Er spürte, wie ein Kribbeln durch seinen Körper fuhr, das er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Sein Atem beschleunigte sich. Das war mehr als wunderlich. Seit wann waren Vulkanier peinlich berührt? Caer konnte das Lächeln nicht unterdrücken, das sich auf seinen Lippen formte. Ayacael stellte die Kiste mit dem Pulver zurück an deren angestammten Platz und wollte den Raum verlassen, als Caer ihn zurück befahl.
„Warte!" rief er.
Aber Spock dachte nicht daran, Befehle entgegen zu nehmen.
Caer sah an die Decke. Es war oft so am Anfang, bis sie merkten, dass er ihnen wehtun konnte. Wirklich wehtun.
Einen Moment besah er sich den Rücken seiner linken Hand. Er trug nur an ihr einen Handschuh. Auf ihm war ein empfindlicher Sensor. Vorsichtig und nicht mit zu viel Druck, strich er darüber.
