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Callie saß wie auf Kohlen, Hotch hatte vor einer Stunde angerufen und angekündigt, mit Jack vorbei zu kommen. Sie fragte sich, welche Worte Hotch wohl gefunden haben mochte, um seinem Sohn zu erklären, was sein würde. Selbst ihr, als Schriftstellerin, würde das so schwer fallen, wie kaum etwas anderes.

Sie war froh, als es endlich klingelte. "Ich dachte schon..." Callie brach mitten im Satz ab, das war nicht Hotch, der Mann kam ihr vage bekannt vor, aber sie hätte nicht sagen können woher.

"Ja bitte?"

"Mein Name ist Derek Morgan, ich bin ein Freund von Hotch." Derek zeigte vorsichtshalber seinen Ausweis, sie sollte ihm die Türe nicht vor der Nase zuschlagen.

"Ich glaube, ich erinnere mich an Sie. Aber bitte, kommen Sie doch herein."

Derek wusste nicht genau, was ihn hergeführt hatte, wahrscheinlich wollte er einfach wissen, wer sie war.

"Wenn Sie mich bitten wollen, nicht zu sterben, dann kann ich Ihnen leider nicht helfen, Agent Morgan." sagte Callie nüchtern und setzte sich auf ihr Sofa. Derek bemerkte die dunklen Ringe unter ihren Augen und ihren linken Arm, den sie ein bisschen seltsam hielt, so als würde sie ihn nicht richtig spüren.

Derek schluckte, er wusste nicht recht, was er sagen sollte.

"Ich wollte wissen, für wen Hotch sein Team verlassen hat." sagte er schliesslich.

Callie nickte, "das kann ich verstehen. Ich habe Aaron nicht darum gebeten, wenn es das ist, was Sie wissen möchten. Ich wollte nicht einmal, daß er sich in mich verliebt, oder ich mich in ihn. Aber er hat es mir so leicht gemacht, Aaron ist so ein guter Mann." Callie lächelte ein bisschen, "aber das muss ich Ihnen sicher nicht sagen."

Derek schüttelte den Kopf, "nein, das müssen Sie nicht. Hotch hat Menschen, die sich um ihn sorgen, Callie. Wir...ich befürchte, er schafft das alles nicht."

"Hotch hat mir von seiner Frau und diesem Mann, Foyet? Erzählt und ich weiß, womit er tagtäglich konfrontiert ist. Ich weiß sehr gut, daß Hotch ausgebrannt und einsam ist, Agent Morgan. Er hat mir gesagt, er weiß nicht mehr, wie man lebt. Wir werden zusammen leben, so lange wir können. Ich werde ihm das wieder zeigen, das wird mein Geschenk an ihn und Jack sein. Vielleicht ist dann nicht alles umsonst." Callie zitterte leicht, "Sie sollten jetzt gehen, Hotch und Jack kommen jede Minute und Jack soll mich nicht gleich weinen sehen."

Es klingelte wie auf´s Stichwort. "Ich hoffe, Sie haben eine gute Erklärung parat", sagte Callie zu Derek und machte die Tür auf. Es war natürlich Hotch, der eine Flasche Rotwein in der Hand hatte.

"Ich glaube, Du hast heute morgen etwas von Pizza gesagt. Oh, und ich habe Verstärkung mitgebracht." Jack linste hinter Hotch´s Rücken hervor und Callie ging ein bisschen in die Knie.

"Ja hallo. Du musst Jack sein, oder? Ich bin Callie, aber das weißt Du bestimmt schon."

Jack nickte, "Hi Callie", sagte er und kam ganz zum Vorschein, allerdings nicht, ohne den Ärmel seines Vaters festzuhalten.

Callie lächelte, "dann kommt mal rein. Es ist übrigens Besuch für Dich da, Hotch. Er hat gesagt, er wollte unbedingt mit Dir sprechen", schwindelte Callie ein bisschen und baute Morgan eine kleine Brücke.

"Morgan? Wie zum...Was machst Du hier?" fragte Hotch, völlig überrascht.

"Ähm, Callie hat das schon gesagt, ich wollte mit Dir reden. Hey Jack."

"Hey, Onkel Derek", Jack sprang auf ihn zu und lies sich von ihm hochnehmen. "Alles klar, Partner?"

Callie nahm Hotch die Flasche ab, "Ihr könnt draussen auf der Terrasse reden, da seid Ihr ungestört", sagte sie halblaut. "Jack, wollen wir zusammen Pizza machen? Dein Dad hat gesagt, die isst Du so gerne?"

"Au ja, kann ich mir aussuchen, was wir drauflegen?"

"Aber sicher doch, kommst Du zu mir in die Küche?"

"Ja-ha, ich will gaaanz viel Käse haben, Callie."

"Es tut mir leid, Hotch, ich war ein ziemlicher Arsch." stellte Derek auf der Dachterrasse klar.

"Ist mir nicht aufgefallen", antwortete Hotch trocken.

"Es war nur so überraschend und Du hast mit niemandem gesprochen, Hotch."

"Ich konnte nicht, Derek. Aber es war der einzige Weg um nicht verrückt zu werden, verstehst Du, was ich meine? Als wir das letzte Mädchen aus dem Wasser gezogen haben, die kleine Lucy, für einen kleinen Moment hat sie ausgesehen wie Jack. Und mir ist klar geworden, daß es so nicht weitergehen kann. Und dann habe ich Callie getroffen. Sie ist so ein positiver Mensch, trotz allem. Ich will alle Zeit, die ich mit ihr kriegen kann."

"Du liebst Sie", resümierte Derek, "das Herz macht was es will, hat Emily gesagt, bevor ich sie geküsst habe."

Hotch musste lachen, "Du hast was gemacht? Und sie hat Dir keine verpasst?"

"Warum sollte sie das machen, ich bin ein fantastischer Küsser", grinste Derek. "Du kannst es also noch", stellte Derek fest.

"Was?"

"Lachen, Hotch. Das hab ich lange nicht bei Dir gesehen, Du solltest es öfter tun."

"Dann solltest Du Emily vielleicht öfter küssen, was hast Du Dir dabei denn gedacht?"

Morgan zuckte mit den Achseln, "Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht so genau. Ich wollte es einfach, vielleicht weil das Leben so kurz ist, Hotch. Sie ist übrigens abgehauen, als wär der Teufel hinter ihr her, anscheinend hab ich mich ein bisschen überschätzt." Derek klopfte Hotch auf die Schulter. "Wir sollten wieder reingehen, Du solltest Callie nicht so lange alleine lassen. Zwischen uns ist wieder alles klar?"

"Von meiner Seite aus war es das immer." antwortete Hotch bestimmt und die zwei Männer gingen wieder zurück ins Wohnzimmer.

"Möchten Sie zum Essen bleiben?" fragte Callie aus der Küche. Derek verneinte das.

"Danke, aber ich hab noch einen Termin. Aber am Sonntag spielen wir Softball gegen die Luschen von der Homeland Security, wäre schön, wenn Ihr kommen könntet. Um 14 Uhr auf unserem Sportgelände. Wir würden uns alle freuen."

"Wir kommen sehr gern, oder was meinst Du, Jack?" fragte Callie.

"Onkel Derek sagt dann immer Sachen, die ich nicht nachsagen soll, das find ich lustig", kicherte Jack vergnügt.

"Dann ist das abgemacht. Oh, und bestell Emily einen Gruß von mir." schmunzelte Hotch als er Morgan zu Tür begleitete. Er wusste genau, welchen Termin Derek im Sinn hatte.

"Kann ich Euch noch helfen?" fragte Hotch. Jack und Callie sassen einträchtig an der Küchentheke und schnibbelten die Zutaten für den Belag.

"Du kannst den Teig ausrollen, wenn Du möchtest. Das..." Callie suchte erfolglos nach dem richtigen Wort.

"Nudelholz?"

bot Aaron vorsichtig an und Callie nickte erleichtert, "das Nudelholz ist in der Schublade neben dem Kühlschrank. Ich wusste gar nicht, daß Jack und Du Baumkuschler seid."

"Baumkuschler?"

Wiederholte Hotch irritiert und Jack kicherte wieder, "weil wir doch keinen Thunfisch essen, Daddy. Wegen den Delfinen."

"Äh, ja. Dann sind wir wohl Baumkuschler, Callie." In jedem Fall klang 'Baumkuschler' sehr viel kinderfreundlicher als 'Umweltschützer'. Jack und er waren vor einiger Zeit in der Mall gewesen, dort waren sie auf einen Greenpeace Info Stand gestossen, an dem die Delfine Thema waren, die beim Thunfischfang in die Netze gerieten und starben. Seither war Thunfisch ein Tabu im Hause Hotchner, auf das Jack sehr genau achtete.

Hotch mühte sich redlich, mit dem Hefeteig auf dem Backblech. Am Ende wirkte er etwas unkonventionell, Hotch hatte einfach darauf verzichtet, den Teig auch in den Ecken zu verteilen. Was aber natürlich später dem Geschmack keinen Abbruch tat. Jack schmeckte sein gaaanz viel Käse, Callie und Hotch entschieden sich für die Hawaii-Version.

Hotch warf immer wieder einen prüfenden Blick auf Callie, aber anscheinend ging es ihr heute relativ gut. Manchmal fehlten ihr die richtigen Worte, das überspielte sie aber sehr gut.

Nach dem Essen löcherte Jack Callie mit Fragen über das purpurne Kaninchen, die sie sehr gerne und bereitwillig beantwortete, sehr oft lachte Callie mit Jack über seine Gedankengänge und Vorstellungen. Sie saßen zu Dritt auf dem riesigen Sofa und amüsierten sich prächtig. Wenn Hotch es nicht besser gewusst hätte, man hätte sie für eine glückliche Familie halten können. Er bekam plötzlich keine Luft mehr und schlüpfte schnell auf die Dachterrasse. Callie sah Hotch besorgt hinterher.

"Daddy ist traurig, weil Du ein Engel wirst, Callie", sagte Jack leise und setzte sich auf Callies Schoß. "Willst Du denn ein Engel werden?" wollte er wissen.

"Es nicht schlimm, ein Engel zu werden, Jack, ich würde nur gerne noch ein bisschen länger bei Deinem Dad und Dir bleiben", versuchte Callie zu erklären und Jack legte seine Arme um sie.

"Warum geht das nicht, Callie?"

"Ich weiß nicht, Jack. Ich hab darauf keine Antwort, mein Kleiner, es ist einfach so." Callie zog Jack noch ein bisschen näher und wiegte ihn sachte hin und her.

Hotch saß draussen in dem Strandkorb, der auf Callie´s Terrasse stand. Er klammerte sich an ein Kissen und versuchte ruhig zu atmen. Mit Jack und Callie einen so scheinbar glücklichen Abend zu verbringen, fühlte sich an, als würde sich eine eiserne Klammer um sein Herz legen. Als Hotch sich wieder einigermassen gefasst hatte und zurück ins Wohnzimmer kam, schliefen Callie und Jack auf der Couch. Die Beiden sahen ruhig und friedlich aus, Jack lag mit dem Kopf auf Callies Schoss und Callie lehnte halb an einem ihrer Kissen, halb lag sie auf Jack. Wirklich bequem war das sicher nicht, aber das schien weder Callie noch Jack zu stören. Hotch erinnerte sich, auf dem Regal eine Kamera gesehen zu haben und machte sich leise auf die Suche danach. Callie war ein ordentlicher Mensch und so lag sie noch da, wo Hotch die Kamera zuletzt gesehen hatte.

Derek stand schon länger vor Emily´s Apartment, ohne sich entschliessen zu können, zu klingeln. Er musste daran denken, wie erschrocken Emily ihn angesehen hatte und dann die Flucht ergriff, so kopflos, wie er sie noch nie gesehen hatte.

"Drauf gepfiffen", sagte Derek laut, stieg aus und klingelte.

"Ich hab schon einen Staubsauger", tönte es aus der Sprechanlage und Derek lachte, "dann bin ich der freundliche Avon-Berater von gegenüber."

Morgan hörte unterdrücktes Kichern bevor der Türsummer erklang. Emily erwartete ihn in der Türe stehend, mit Sergio auf dem Arm.

"Ist das der ominöse Dunkelhaarige, mit dem Du Dich immer triffst?" fragte er und kraulte die Fellnase hinter den Ohren. "Du hast geweint", stellte Derek fest.

"Mir war danach", sagte Emily und lies Derek herein. "Mir gehen nur Hotch und Callie im Kopf herum, Derek." Sergio maunzte ärgerlich, weil Prentiss ihn auf den Boden setzte.

"Ich glaube, niemandem von uns geht das im Moment anders, Em."

Derek deutete auf die Flasche Wodka, die auf dem Tisch stand, "gibt´s dazu noch ein zweites Glas?" fragte er und Emily griff wortlos in die Vitrine. Sie reichte ihm das Gewünschte und Derek goss ein.

"Wegen heute Mittag," fing Derek an, nachdem sich Emily neben ihn setzte.

"Bist Du gekommen, um Dich zu entschuldigen?"

"Mich entschuldigen? Du hast meinen Kuss erwidert, Emily. Ok, Du bist dann verschwunden, aber Du hast ihn erwidert."

Emily stöhnte kurz, "ich bin eben auch nicht aus Holz, Morgan. Du hast mich einfach auf dem falschen Fuss erwischt." gestand sie.

"Ist es immer noch der falsche Fuss?" fragte Derek und rückte näher heran. Er strich Emily die Haare aus dem Gesicht, sie rührte sich nicht vom Fleck, sah Derek nur in die Augen.

"Dieses eine Mal, darüber musst Du Dir klar sein, Derek. Wir werden nie wieder darüber reden und es wird nie wieder passieren."

"Nie wieder" murmelte Derek und küsste sie. Wie automatisch wanderten Emily´s Hände unter Morgan´s Shirt und streichelten seinen Rücken, sie brauchte nur Sekunden, um es ihm auszuziehen. Derek stöhnte leise, sie wusste, was sie wollte. Er befreite sie seinerseits von ihrem Oberteil. Es fühlte sich so richtig an, als Derek Emily ins Schlafzimmer trug und sie sich auch noch die restlichen Kleidungsstücke auszogen. Ihre Körper tanzten einen leidenschaftlichen Tanz, der immer wieder so anders war und doch immer wieder so gleich.

"Nie wieder?" fragte Derek als beide völlig erschöpft nebeneinander lagen.

"Nie wieder", antwortete Emily atemlos.