8. Ein wunderschöner Abend

Hermine angelte nach dem vollen Weinglas, das ihr Severus gerade erneut gefüllt hatte und ließ nach dem ersten Schluck ein langes und genüssliches „Hmmmm", hören, was sowohl dem köstlichen Wein, als auch einer mehr als köstlichen Erinnerung galt.

„Ach ja", seufzte sie froh, „die neue Meisterstelle, die neue Professur, alles war wirklich so aufregend und ganz und gar gelungen. Aber weißt Du, was meine wundervollste Erinnerung an diese ersten Wochen und Monate ist?"

„Nein, denn ich bin im Hellsehen ähnlich schlecht wie Du, meine Liebe", schüttelte Severus langsam den Kopf, „daher hoffe ich doch sehr, dass Du es mir verraten wirst."

„Aber natürlich! Es war diese ganz besondere Nacht, weißt Du noch?", schwärmte sie mit glühenden Augen und roten Wangen.

„Welche der vielen, ganz besonderen Nächte, die ich die Gunst hatte mit Dir zu teilen, ist es denn, der mit diesem herrlichen Wein zu vergleichen wäre?", fragte ihr Ehemann galant lächelnd nach und warf einen anerkennenden Blick auf die warme Farbe und den fruchtigen Duft des edlen Bordeaux, der sich in seinem Glas sanft hin und herschaukelnd bewegte.

„Nun, mein Lieber", präzisierte seine Frau gerne und reichte ihm ihr Weinglas, damit er es auf den Tisch zurückstellen konnte, „diese herrliche, außergewöhnliche Nacht", ihre Stimme bekam etwas ganz und gar verlockendes und zur Unterstreichung zuckten ihre Augenbrauen kurz keck empor, „ich sage nur ‚Meisterkursball'!"

„Ah!", verstand Severus sogleich, „diese Nacht meinst Du!", er legte sich wieder neben seine verführerische Frau, die ihn mehr lockte als alle Weine der Welt, „ja, diese Nacht, meine Liebe, vergesse ich auch mein ganzes Leben lang nicht!", bestätigte er und das kleine, mutwillige Grinsen um seine Mundwinkel machte ihn gleich zehn Jahre jünger, fand Hermine, die sich sogleich schnurrend an seine Brust schmiegte und ihn mit verklärtem Gesichtsausdruck anstrahlte.

„Ach, Severus, war das ein wunderschöner Abend!", mit leuchtenden Augen reichte Hermine ihrem Ehemann ihren Umhang. Sie kamen soeben vom jährlichen Ball der Zaubertränkeuniversität in Edinburgh, den der jeweilige Meisterkurs ausrichtete und bei dem es traditionell hoch her ging.

„Die Veranstaltung war zwar durchaus akzeptabel", meinte Severus gnädig und hängte beide Mäntel an die Garderobe, „Wunderschön fand ich aber lediglich diese hinreißende junge Professorin. Wie war doch gleich ihr Name? Du weißt doch, wen ich meine?"

„Meinst Du die Blonde mit dem schwarzen Kleid?", grinste Hermine und warf sich auf das Sofa.

„Nicht doch!", Severus schüttelte angewidert den Kopf, „Die Dame war über 70 und hatte Haare auf der Oberlippe! Ich meinte die Brünette mit dem aufregenden roten Kleid!"

„So, sie hatte also ein aufregendes Kleid an?", schmunzelte Hermine und breitete beschwingt und zufrieden die Arme auf der Sofalehne aus, wohl wissend, dass so einige ihrer Vorzüge in ihrem aufregend rotem Kleid sehr gut zur Geltung kamen.

„Nun ja, durchaus", er nahm auch durchaus ihre Vorzüge wahr und genoss ihren Anblick ausgiebig, „Jene hinreißende Professorin, welche der unbestreitbare Mittelpunkt des gesamten Abends war und die in den Armen der unterschiedlichsten Männer den ganzen Ball auf der Tanzfläche verbracht hat und zur gerechten Strafe sicherlich schmerzhafte Blasen an den Füßen davon getragen hat!"

„Du meinst jene bemitleidenswerte Professorin, die nur deswegen so lange Tanzen musste, weil sie verzweifelt darauf gehofft hat, dass dieser finstere, aber unglaublich faszinierende Tränkemeister in dieser prachtvollen dunkelgrünen Festrobe sie ebenfalls mal zum Tanz auffordern würde?", erkundigte sie sich und schenkte ihm einen sehr vorwurfsvollen Blick, „Der sie aber schmählich versetzt hat und sich lieber, wie üblich, in dunklen Ecken herumdrückte und seine Zeit damit vergeudete, im Geiste die Kerle umzubringen, die sich nicht so geziert haben und einfach mit der hinreißenden jungen Professorin getanzt haben?"

„Es könnte sein, dass wir von der gleichen Professorin sprechen, aber was diesen faszinierenden Tränkemeister angeht, da weiß ich leider nicht von wem Sie reden, Miss Granger", tat ihr Ehemann vollkommen unschuldig und lehnte sich mit vor der Brust gekreuzten Armen an den kalten Kamin an.

„Natürlich nicht!", schnaubte Hermine lachend und setzte sich auf, um ihre Schuhe abzustreifen, „Allerdings stimme ich Ihnen zu, Professor, dass ein kleiner Blasenabschwellzauber gerade sehr nötig wäre", sie zückte ihren Zauberstab, schwang ihn über ihre Füße und kurz darauf waren alle Druckstellen mit einem langen und sehr erleichterten „Ahh", verschwunden.

Severus knöpfte grinsend seinen Gehrock auf und warf einen Blick auf die Wohnzimmeruhr, sie zeigte kurz vor 2:00 Uhr an, „Erstaunlich, dass Du überhaupt so lange ausgehalten hast."

„Ach, es war einfach so unterhaltsam und so aufregend und wenn ich es recht bedenke, bin ich tatsächlich immer noch kein bisschen müde!", und das sagte auch ihr mutwillig, funkelnder Blick.

„So", schmunzelte Severus, „und was gedenkst Du dann mit der angebrochenen Nacht noch so anzustellen?"

„Ich weiß nicht, aber ich bin zu allen Schandtaten bereit!", verkündete sie und klimperte mit den Wimpern.

„Hm!", Severus legte seine Stirn in Falten und blitzte seine Frau nachdenklich an, „Wir könnten wilde Dinge auf der Couch veranstalten", schlug er vor, aber ein kritischer Blick auf das etwas schmale und kurze Sitzmöbel ließ ihn den Kopf schütteln, „oder vielleicht doch besser in unserem Bett."

Seine Frau erhob sich langsam und schlenderte barfuß auf ihn zu, „Jaaa, kein übler Gedanke, mein Lieber."

„Aber?", brummte er fragend, als sie dicht vor ihm stehen blieb.

„Aber noch nicht jetzt, zuerst will ich etwas Anderes tun, etwas Verbotenes, etwas Verrücktes, etwas Unerwartetes!", ihre braunen Augen glitzerten und ihr Blick ließ Fürchterliches erahnen!

„Oh", Severus Augenbraue zuckte empor, „ist da gerade jemand etwas übermütig?"

„Vielleicht", schnurrte sie und drückte ihr Becken kurz an seines, „Sie auch, Professor?"

„Wir werden sehen, Miss Granger!", knurrte er dunkel und sah erfreut, wie sich ihre nackten Arme mit einer Gänsehaut überzogen.

Er beugte seinen Kopf etwas zu ihr herunter und sein Mund streifte neckend ihre Lippen, „Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte?", flüsterte er noch etwas sonorer und nahm sehr zufrieden war, wie ihr Herzschlag sich leicht beschleunigte und ihr schönes Dekollete sich stärker hob und senkte.

„Und der wäre?", murmelte sie und stellte sich auf die Zehenspitzen, um besser an seinen Mund heranzukommen, was er aber sehr geschickt zu verhindern wusste.

„Wird nicht verraten! Aber wenn ich es mir recht überlege", er legte nachdenklich seine Stirn in Falten, „könnte es eine kleine, durchaus unerwartete und ein wenig verrückte Idee sein!"

„Dann überrasche mich, Severus!", wisperte sie begeistert und legte ihre Arme um seinen Nacken, um ihn endlich richtig küssen zu können.

Hm, sie schmeckte hervorragend und weckte unglaublich verbotene und verwegene Gedanken in ihm und er persönlich wäre eher für die Variante ‚Bett' gewesen, um diese augenblicklich mit ihr auszuprobieren. Aber er wollte natürlich nicht, dass sie überall herum erzählte, dass Slytherins phantasielos und langweilig wären und nur das Eine im Sinn hätten!

Daher löste er sehr bedauernd diesen Kuss und meinte energisch:

„Komm mit!"

Ein klein wenig überrumpelt griff Hermine nach seiner Hand, schlüpfte im Vorübergehen schnell in die nächstbesten Schuhe und folgte ihm zur Kerkertüre.

„Hier, es könnte doch etwas kühl werden", er hatte sowohl ihre, als auch seine Winterrobe gegriffen und reichte sie ihr nun, natürlich alles ohne stehen zu bleiben, aber das kannte sie ja schon.

„Wo willst Du hin?", fragte sie mit leuchtenden Augen und folgte ihm so schnell es ging die Kerkertreppen hinauf, wie immer in einem mörderischen Tempo.

„Abwarten!", grinste er und legte sogar noch einen Schritt zu.

Er hielt erst in der Eingangshalle an und zückte seinen Stab. „Ich denke, wir sollten dafür sorgen, dass Du Dir keine Lungenentzündung holst in diesem aufregenden, aber den Witterungsbedingungen nur unzureichend angepassten Kleid!", befand er und sorgte mit einem kleinen Schlenker für warme Stiefel, Mütze, Schal, Handschuhe und dicke Strickstrümpfe.

„Wir gehen raus?", schloss Hermine und schob ihre angezauberte Mütze etwas aus den Augen.

„Allerdings!", auch er hatte in der Zwischenzeit bei sich selbst für geeignete Kleidung gesorgt und einen speziellen Allohomora über das Schlossportal gesprochen.

„Und was machen wir da?", schnaufte sie aufgeregt.

„Abwarten!", er lehnte sich gegen das schwere Eichentor und schob es soweit auf, dass sie beide hindurchschlüpfen konnten.

Sehr zufrieden blickte er sich um. Der kreisrunde, volle Mond tauchte die Landschaft in ein kaltes bläulich-weißes Licht und die dicke Schneedecke, die Hogwarts Ländereien nach einem ungewöhnlich milden Januar und Februar noch einmal fest versiegelte, reflektierte dieses sphärische Licht und ließ es noch intensiver leuchten.

„Oh, wie schön!", hauchte Hermine neben ihm und ihr Atem schuf kleine weiße Wolken, die sich in die klirrend kalte, nächtliche Stille hinaus verloren.

„Wohl wahr!", stimmte ihr Mann bester Laune zu und setzte sich schon wieder in Bewegung, „komm schon, da wartet jemand auf Dich!"

„Was? Wer denn?", fragte Hermine verwirrt und eilte hinter ihm her.

„Du wirst schon sehen!", lachte Severus und fühlte sich einen beschwingten Augenblick wie fünfzehneinhalb.

Ha!

Er stopfte vergnügt die Hände in die Taschen und schlug den Weg zu den Gewächshäusern ein.

„Gehen wir irgendwelche Pflanzen besuchen?", rätselte Hermine, als sie die Richtung bemerkte.

„Nein!"

„Dann statten wir Hagrid einen Besuch ab?"

„Nein!"

„Wir gehen doch wohl nicht in den Verbotenen Wald!"

„Nein!", er musste über den etwas furchtsamen Klang ihrer Stimme lachen.

„Oh, Severus! Nun sag doch schon!", quengelte sie.

„Nein!", schüttelte er den Kopf und freute sich irrsinnig über ihre Ungeduld. Sie hatten bereits die Gewächshäuser hinter sich gelassen und nahmen den Pfad der sie hinunter zum Seeufer führte. Erst als er den Steg, der einen kleinen Teil in den See hineinragte, erreicht hatte, blieb er stehen und ließ tief einatmend die Augen schweifen. Alles war so, wie er es brauchte!

Seine langen Schritte hatten seine Frau etwas abfallen lassen, jetzt holte sie ihn ein und schaute ihn heftig schnaufend und mit fragenden Augen an.

„Wir besuchen… den See?"

„Jawohl! Du hast Dich doch beschwert, dass ich nicht mit Dir getanzt habe?", erklärte er und zückte wieder seinen Stab, „dann sollten wir das jetzt nachholen!", einige gezielte Zaubersprüche später hatte er ihren und seinen Stiefeln Kufen verpasst und reichte ihr seine Hand. „Darf ich bitten, Professor Granger?"

„Oh! Du willst mit mir Eislaufen?", freute sich Hermine mit glänzenden Augen, „Mitten in der Nacht?"

„Natürlich, das ist die beste Zeit zum verbotenen Eislaufen, wussten Sie das nicht Miss Granger?"

„Nein, das war mir bisher nicht bewusst, aber ich lerne schnell, Professor Snape!", jauchzte sie begeistert.

„Ich weiß!", murmelte er und raubte sich einen weiteren Kuss, bevor er vorsichtig die dicke Eisschicht betrat.

Als er sicher stand, umfasste er ihre Taille und hob sie ebenfalls aufs Eis. Schon wollte er mit ihr zusammen die ersten Schritte tun, da hielt sie ihn am Ärmel fest.

„Warte, es fehlt noch etwas!"

Gespannt schaute er ihr zu, als sie nun ihrerseits ihren Zauberstab schwang und auf dem Steg ein schönes altes Grammophon herauf beschwor, von dem kurz darauf etwas kratzig, aber sehr stimmungsvoll leise Tanzmusik ausging.

Als sie ihren Stab wieder weggesteckt hatte, reichte sie ihm lächelnd ihre Hand und mit einem kleinen Knicks und einer galanten Verbeugung seinerseits setzten sich die zwei in Bewegung.

Es dauerte eine Weile, bis sie zusammen einen Rhythmus gefunden hatten, Eislaufen und Tanzen waren schon zwei verschiedene Dinge, aber für beides brauchte man Taktgefühl und ein gehöriges Maß an Gleichgewichtssinn. Den übrigens beide doch des Öfteren verloren und sich gegenseitig ein ums andere Mal wieder lachend und fluchend auf die Füße helfen mussten. So vergingen fast zwei Stunden, in denen der blasse Mond dem Paar leuchtete und in denen sich ihre Wangen, Nasen und Ohren vor Spaß und Kälte rot färbten und sie gehörig außer Atem kamen.

Es war herrlich, es war aufregend – und noch Jahre danach konnten sich weder Severus noch Hermine an einen ausgelasseneren, unbeschwerteren und romantischeren Abend erinnern.

So gegen halb fünf dann, sie waren mal wieder aus dem Tritt gekommen und zu Boden gegangen, war es, als Hermine plötzlich die Gelegenheit nutzte seine zur Hilfe gereichte Hand zu ergreifen und ihn nahe an sich heran zu ziehen. Nur wenige Inches trennten ihre geröteten Gesichter, die weißen Atemwolken verschmolzen und ihr Lächeln wich einer eindringlichen, entschlossenen Miene. Fest seine Lippen im Blick, reckte sie sich und küsste ihn mit einer jähen, wilden Leidenschaft und wärmte damit nicht nur seinen Mund, sondern setzte auch sein Herz und seinen ganzen Körper in Brand.

Leidenschaftlich presste er sie im Gegenzug an sich heran und streichelte eine freche Haarsträne aus ihrem Gesicht.

Bei Merlin, war sie schön und ihm war, als ob ihr Blick ihn gerade mit Haut und Haaren, Schal und Mütze, Anorak und langer Unterhose verschlang.

„Severus?", murmelte sie und der Ton ihrer Stimme ging ihm durch Mark und Bein.

„Ja?", konnte er gerade noch so antworten und umschlang sie noch etwas fester.

„Lass uns gehen!"

„Müde?", befürchtete er.

„Nein!", sie schüttelte ihre braunen Locken ohne den Augenkontakt abzubrechen.

„Gut!"

Behände rappelte er sich auf und half ihr hoch. Die kurze Distanz zum Steg war schnell zurückgelegt. Wenige Augenblicke später waren aus den Schlittschuhen wieder Stiefel geworden und das Grammophon fristete abermals als lebloser, stummer Stein sein Schicksal.

Die beiden hatten es ziemlich eilig, und nun war sie es, die ihren Mann den Weg zurückzog, ihn immer wieder umfassend und küssend, weil der Weg nach Hause schon sehr weit war.

Unerträglich weit! Bei Merlin!

Als sie bei den Gewächshäusern angelangt waren, kam ihm eine weitere verrückte Idee und er zog seine junge Frau mit einem kräftigen Ruck zur Türe, hinter der Professor Sprout die kälteempfindlichen Pflanzen überwintern ließ.

„Bist Du immer noch zu verbotenen und verrückten Dingen aufgelegt?", flüsterte er und öffnete mit einem kurzen Spruch auch diese Türe.

„Unbedingt!", bestätigte sie rau und allein der Schalk in ihren Augen hätte ihm als Antwort wohl genügt.

Drinnen in der schwül-warmen Luft des Treibhauses, ging es dann wahrlich heiß und hektisch zu. Schnell beschwor er ein komfortables Lager herauf, stattete es mit weichen Kissen und Decken aus und schuf mit vielen flackernden Kerzen rundherum ein sehr stimmungsvolles Bild. Was aber wohl gar nicht nötig gewesen wäre, denn Hermine hätte augenscheinlich auch den harten Steinboden in Kauf genommen, denn sie ließ ihm noch nicht einmal mehr Zeit den Stab wegzustecken, sondern zerrte bereits hektisch an seinen Knöpfen herum.

Gut, dieses Vorgehen kam ihm sehr gelegen, denn auch er hatte im Augenblick kein anderes Ziel, als möglichst viel nackter, weicher, warmer Haut dieser aufregenden, berauschenden und erregenden Hexe unter seinen Fingerspitzen zu spüren und mit seinen Lippen zu berühren.

Handschuhe, Schals, Stiefel, Jacken, alles lag bald als bunter Kleiderhaufen ringsherum verstreut und beide gönnten sich erst dann eine kleine Pause, als er den Reißverschluss ihres Kleides heruntergezogen hatte, es zu Boden fiel und lediglich ihre schwarze Spitzenunterwäsche mitsamt den dicken Strickstrümpfen übrigblieb, was ihm ein kleines Grinsen entlockte. Sie nahm es gelassen und öffnete im Gegenzug an seiner Weste und seinem Hemd all die vielen verflixt kleinen Knöpfe und streichelte mit ihren immer noch kühlen Wangen über seine nackte Brust.

„Ich will Dich, Severus!", flüsterte sie und ließ keinen Zweifel an ihrer Aussage, denn schnell wie der Wind hatte sie sich auf die Knie herab gelassen und öffnete mit zitternden Händen seine Hose.

„Was für ein Glück, denn mir geht es mit Dir genauso!", zischte er und vergrub seine Hände in ihren Haaren.

„Worauf wartest Du dann noch?", wollte sie keuchend wissen und zog mit einem Ruck seine Hosen herunter.

„Warten? Wer wartet denn hier?", beschwerte er sich undeutlich brummelnd, zog sie zu sich herauf und küsste sie hart, „Da will man einmal romantisch und charmant sein und dann das!"

„Aber doch nicht jetzt!", entgegnete Hermine erregt, ließ ihre Hände von seinem Nacken zu den Schultern gleiten und schubste ihn mit einem gezielten Stoß auf das provisorische Lager.

„Dann eben nicht!", grollte ihr Mann mit allerfinsterstem Blick und ließ ab sofort jegliche Zurückhaltung fahren und nahm sie fordernd, wild und voller Leidenschaft und er hatte das untrügliche Gefühl, dass es haargenau das war, was sie wollte.

Bei Merlin, was für eine Nacht! Was für eine wundervolle Nacht!

Die rote Wintersonne blitzte schon am Horizont, als sie schließlich ihr Liebesspiel beendeten und eng umschlungen, völlig ausgelaugt, aber sehr, sehr glücklich ausruhten.

„Wir sollten nach Hause gehen", murmelte Severus und zog die Decke schützend über Hermines schweißglänzende Brust.

„Nur noch fünf Minuten", nuschelte sie und drückte sich näher an ihn heran.

Na, den Spruch kannte er ja schon, „Du weißt aber schon, dass Professor Sprout Frühaufsteherin ist?"

„Hm…" machte Hermine, war aber wohl schon fast eingeschlafen und auch ihm stand ehrlich gesagt nicht im Geringsten der Sinn danach, sich von Hermines zarten, warmen Körper zu trennen und durch die kalten, verschneiten Ländereien zurück in den Kerker zu tappen. So gestattete er sich ebenfalls für einen kurzen Moment die Augen zu schließen.

Ach ja…

Wobei dieser Moment doch wohl nicht ganz so kurz gewesen sein konnte, wie beabsichtigt, denn er wurde schlagartig wach, als sich zwei weibliche Stimmen unaufhaltsam dem Gewächshaus näherten.

„Verdammt!", keuchte er aufgeschreckt und linste hektisch mit verwuschelten Haaren über das nächststehende Blumenbeet. Da stapften doch gerade Minerva McGonagall und Pomona Sprout heran und unterhielten sich lautstark lachend über irgendetwas.

„Verdammt! Hermine, wach sofort auf!", befahl er fieberhaft und angelte nach seinem Zauberstab. Zum Glück war er ein Zauberer, denn sonst wäre er sicherlich nicht in der Lage gewesen innerhalb von wenigen Sekunden dafür zu sorgen, dass alle Spuren ihres Treibens mit einem Wisch beseitigt waren und beide korrekt gekleidet nebeneinander standen, als auch schon die Türe aufging und die beiden Damen verwundert im Rahmen stehen blieben.

„Severus, Hermine!", rief Professor Sprout erstaunt.

„Guten Morgen zusammen", erwiderte Severus möglichst gelassen.

„Was macht Ihr zwei um diese Uhrzeit schon hier?", erkundigte sich Minerva und ihr Blick blieb an Hermines und auch Severus wirren Haaren hängen.

„Wir hatten eine intensive Fachdiskussion über verschiedene kreative, alternative Vorgehensweisen und wir haben einige dieser Möglichkeiten eruiert", erläuterte Severus souverän und warf Hermine einen schnellen Blick zu. Verflixt, er hatte ihr zwar alle ihre Kleidung angezaubert, aber den verschlafenen Ausdruck in ihrem Gesicht und die abstehenden Haare hatte er vergessen.

„Und welche Rolle spielt in dieser Diskussion mein Gewächshaus?", verstand Pomona immer noch nicht.

„Eine klimatische!", sprang Hermine gähnend ein und rieb sich die Augen, „mein werter Ehegemahl hat mich heute morgen mit einem unaufschiebbaren Anliegen aus den schönsten Träumen gerissen und mir noch nicht einmal Zeit gelassen mich zu waschen und zu kämmen!", sie sah ihren Mann gekonnt vorwurfsvoll an.

„Tut mir leid, meine Liebe, aber ich wollte Dir hier unbedingt etwas zeigen!", entschuldigte sich ihr Mann.

„Und was war das genau?", ließ Minerva nicht locker und stemmte die Hände auf die Hüften.

„Dir das zu erklären würde zu weit führen und zudem unterliegen diese Forschungen der strengsten Geheimhaltung!", behauptete Severus mit arrogant hochgezogenen Augenbrauen, „Wir sind hier auch fertig, oder?" er schaute Hermine auffordernd an.

„Fürs Erste, würde ich sagen", lächelte ihn diese tiefgründig an und nickte den beiden Professorinnen gähnend zu, „wartet nicht mit dem Frühstück auf mich, ich glaube ich lege mich noch ein oder zwei Stündchen aufs Ohr!"

Zügig suchten beide das Weite und erlaubten sich erst nach dem Schließen der Kerkertüre tief durchzuatmen. Bei Merlin, das war knapp gewesen!

Die beiden Professorinnen im Wintertreibhaus hatten dafür umso mehr Spaß, wie er Jahre später zu seinem Leidwesen erfahren musste!

„Hast Du gesehen, wie unser guter Severus die Farbe gewechselt hat?", kicherte Pomona.

„Natürlich, aber er hat sich gut gehalten, Exspion eben. In Hermines Gesicht dagegen kann man lesen wie in einem Buch!" prustete Minerva.

Sie wurden unterbrochen, als eine sichtlich abgehetzte Professor Sinistra hereinstürmte und sich umschaute, „Wo sind sie?"

„Leider schon geflüchtet, meine Liebe, tut uns leid!", meinte Minerva bedauernd und erzählte ihrer Kollegin prompt alle Einzelheiten.

„Wie gut, dass ich diese interessante Sternenkonstellation heute Nacht unbedingt sehen wollte", befand Aurora Sinistra.

„Und wie gut, dass Du mir Deine Beobachtungen sogleich mitgeteilt hast!", fügte Minerva lachend an, „einen solch ausgelassenen Tränkemeister habe ich schon ewig nicht mehr gesehen!"

„Und wie nett, dass ihr mich dann eingeweiht habt, als die beiden die Örtlichkeit gewechselt haben!", ergänzte Pomona und hielt sich den Bauch vor Lachen.

„Meint ihr, wir hätten sie noch ein wenig länger schlafen lassen sollen?", erkundigte sich Minerva skeptisch.

„Nein!", schüttelte Pomona energisch den Kopf, „Es geht doch nicht an, dass die Zwei mein Gewächshaus für ihre Schäferstündchen missbrauchen, die haben schließlich ein Zuhause und einige meiner Pflanzen reagieren sehr empfindlich auf emotionalen Stress!"

„Also ich fand das Ganze schwer romantisch!", befand ihre Kollegin Sinistra seufzend, als die drei sich ebenfalls Richtung Schloss aufmachten, „ich glaube, ich bin ein wenig neidisch!"

„Ich könnte Filch bitten, dass er heute Abend mit Dir Schlittschuh läuft", schlug Minerva freundlich vor.

„Also wirklich! Ich sagte ‚neidisch', nicht ‚verzweifelt'!", beschwerte sich Aurora Sinistra.

„Gut, dann lasst uns dem Beispiel des jungen Paares folgen und etwas Wildes und Verrücktes tun!", verlangte Pomona und rückte ihren Hut verwegen zur Seite.

„Ausgezeichnet, wer hat eine Idee?", freute sich Aurora.

„Ich kenne da ein sehr schönes magisches Vergnügungszentrum auf den Bahamas. Wenn wir uns beeilen und gegen die Sonne reisen, haben wir zwei ganze Tage und eine ganze Nacht zur Verfügung, bevor der Unterricht am Montag wieder beginnt", schlug Minerva mit leuchtenden Augen vor.

„Himmlisch!", jubelte Pomona begeistert „ich packe sofort alles Nötige zusammen!"

„All zu viel wirst Du nicht brauchen, meine Liebe!", kicherte Aurora und machte einen kleinen Hüpfer.

„Richtig", in den Augen der Schulleiterin schimmerte schon das blaue Meer und sie konnte bereits den warmen Sandstrand unter ihren Füßen spüren als sie sich sehr zufrieden die Hände rieb, „Ich werde meinem Stellvertreter eine kurze Nachricht hinterlassen, dass er neben dem ausgiebigem Betrachten seiner jungen Frau auch noch einen Blick oder zwei auf die Belange der Schule zu werfen hat!"

„Hoffentlich schafft er das alles, er sah schon etwas fertig aus", kicherte Pomona.

„Ach, natürlich, da mache ich mir keine Sorgen, er ist immerhin ein Mann im besten Alter!", war sich Minerva breit grinsend sicher, als sich die drei in der großen Halle trennten, um ihre Sachen zu holen.

Derweil hatten es Hogwarts Tränkemeister im besten Mannesalter und seine junge Frau nach einer kurzen gemeinsamen Dusche endlich ins Bett geschafft.

„Oh, Severus", seufzte Hermine wohlig und schmiegte sich fest in seine Arme, „das war eine wirklich ganz, ganz besonders wundervolle Nacht!"

„In der Tat!", brummelte ihr Mann und gab ihr einen Kuss auf ihren Scheitel. Wobei er ihr lieber dieses unbestimmte Gefühl verschwieg, welches ihm sagte, dass seine beiden Kolleginnen nicht ganz so zufällig am Sonntagmorgen um 8:00 Uhr den Weg in eben dieses Gewächshaus gefunden hatten.

Aber machen Dingen sollte man lieber nicht genauer auf den Grund gehen!